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DEE GOTTESFßEUND
VOM OBERLAND
EINE ERFINDUNG DES STßASSBURGER
JOHANNITERBRUDERS NIKOLAUS VON LÖWEN.
MIT 12 SCHRIFTrAFELN IN LICHTDRUCK.
VON
KARL RIEDER. '^
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INNSBRUCK.
V^BBLAG DER WAGNEE'schen üNIVEBSITlTS-BUCHHANDLÜNÜ.
1905.
THB SBW YORK
PUBLIC LIBRARY
AjjrOB, IXNOX AN»
TILDKN rOUrUATlOHB
Alle Rechte vorbehalten.
»RUCK DER WAGNEK'»«"^ UNIVERSITÄTS-BUCHDKITKEKEI.
GEHEIMRAT D« v. WEECH
DIREKTOR DES QROSSH. GENERÄL-LANDESARCHIYS ZU KABLSRUHE
D^ R ALBERT
STADTARCHIVAR ZU FREIBURG I. BR.
DEN FÖBDEREBN MEINER STUDIEN
IN DANKBARKEIT GEWIDMET.
Vorwort.
Der Erforschung des deutschen Predigtwesens und der deutschen
Mvstik des Mittelalters war seit meinen Universitätsstudien meine
ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Gibt es doch gerade
tuf diesem Gebiete noch hunderte von Fragen, die der Erledigung
harren, während es andererseits nach Tagen trockener und ab-
spannender Berufsarbeit nichts schöneres und erquickenderes gibt,
als sich in den herrlichen Inhalt unserer deutschen Prediger und
Mystiker zu vertiefen und sich geistig zu erholen an dem Wunder-
brunnen, der hier in so edler, bilderreicher und zu Herzen
dringender Sprache fließt Nur äußere Umstände haben mich bis
jetzt genötigt, mit dem Erscheinen meiner Arbeiten über Berthold
von Regensburg zurückzuhalten, da von anderer Seite gerade
der Bertholdforschung einige neue Studien gelten, deren Ab-
schluß noch abzuwarten ist. Mit umso größerem Eifer wandte
ich mich darum der Gottesfreundlrage zu, als bei der Bearbeitung
der Konstanzer Bischofsregesten die Frage an mich herantrat, ob
überhaupt und inwieweit Bischof Heinrich von Brandis mit dem
Gottesfreund im Oberland jenen geheimnisvollen Verkehr unter-
hielt, von dem uns die sogenannten Gottesfreundschriften zu er-
zählen wissen. Ein umfassendes historis(*hes Material lag mir in
den Regesten zur Beurteilung dieser Frage vor; aber nirgends
fand sich auch nur eine Spur, welche die Annahme eines der-
artigen Verkehrs auch nur annähernd wahrscheinlich gemacht hätte.
Von selbst sab ich mich daher genötigt, auf die QueWeiv dAfc'&e&
vm
Berichtes zurückzugehen. Je mehr ich jedoch die Gründe abwogt
welche Denifie vor allem in dem Kampfe gegen Schmidt, Jundt
und Preger ins Feld führte, umso mehr kam ich zur Erkenntnist
daß auf dem bisherigen Wege zu keiner endgültigen Lösung zu
gelangen sei, bis der Einblick in den Text mich auf den großen
Widerspruch führte, der zwischen den anonymen Traktaten und
ihren Überschriften bestand. Dadurch wurde sofort klar, daß wir
es nur mit einer Fiktion Nikolaus von Löwens zu tun haben
können, der ihm vorüegende anonyme Traktate interpolierte und
mit eigenen Zutaten und Überschriften versah, die bei näherem
Zusehen das gerade Gegenteil von dem besagten, was die Traktate
für sich betrachtet besagen sollten. Diese Überzeugung bestätigte
sich, als es mir gelang, die Handschriften selbst einzusehen,
wobei gerade die an den wichtigsten Stellen vorgenommenen
Korrekturen zu erstmaliger griindlicher Untersuchung der Hand-
schriften neuen Ansporn gaben. Das Resultat, das ich in zwei Auf-
sätzen der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (NF. Bd. 17
(1902), 205 ff.; 480 ff.;) kurz zu skizzieren gedachte, war denn auch
ganz überraschend. Da bekam ich mitten in meinen Arbeiten
von Straßburg aus die Nachricht, daß Professor Strauch in Halle
seit längerer Zeit sich gleichfalls mit der Gottesfreuiidfrage be-
schäftige. Sollte der Altmeister in der Geschichte der deutschen
Mystik nicht meine ganze Arbeit entwerten und alle weitere Zeit
und Mühe, die ich darauf zu verwenden gedachte, unnötig machen ?
Ich mußte darauf schlechtweg mit Ja antworten, da es mir un-
möglich schien, daß jemand, der die Handschriften näher besehen,
nicht auf den Kernpunkt aufmerksam werden sollte, um den sich
jede weitere Untersuchung der Gottesfreundfrage in Zukunft drehen
müsse. Schon bereit das Manuskript zurückzuziehen, belehrten
mich die liebenswürdigen Briefe Strauchs sowie dessen bald darauf
erscheinenden beiden Aufsätze über das Neun Felsenbuch wie den
Schürebrand-Traktat, daß ich auf dem bisherigen Wege ruhig
meine Studien fortsetzen könne, ja sie zeigten sogar, wie unbe-
dingt notwendig es sei, in der einmal eingeschlagenen Richtung
weiter zu forschen. Das vollständige Resultat dieser Studien lege
ich nun den Fachkreisen zur Beurteilung vor. Sie gründen ein-
mal auf einer soliden Grundlage, die zuerst durch eingehende
Untersuchung sämtlicher hier in Betracht kommenden Handschriften
IX
geschaffen werden mußte und allein geschaffen werden konnte;
sie rücken sodann die Gottesfreundfrage in eine ganz neue Be-
leuchtung durch die eingehende Darstellung der Gründungsgeschichte
des Hauses zum Grünenwörth in Straßburg, das allein uns die soge-
nannten Gottesfreundschriften übermittelt; sie geben schließlich
in den Beilagen einen Text, auf dem fernere Untersuchungen ohne
Fehltritte weiter bauen können. Gerade auf die Herstellung dieses
Textes wurde große Sorgfalt verwendeL Die Anwendung ver-
schiedener Druckgröße und die dadurch zutage geförderte Heraus-
schälung des ursprünglichen Textes vom überarbeiteten wird auf
den ersten Blick erkennen lassen, wie unbrauchbar die Text-
poblikationen von Schmidt und Jundt für weitere Untersucliungen
sind, und welche Anforderungen andererseits an den Herausgeber
ähnlicher Texte gestellt werden. Die Abhandlung will sodann eine
scharfe Scheidelinie gezogen wissen zwischen den anonym-
mystischen Traktaten und den Veränderungen, die Nikolaus von
Löwen an denselben stufenweise vorgenommen hat, um sein Ziel
zu erreichen : Rulmann als Gottesfreund und dessen Werk als Aus-
fluß des Rates von Gottesfreunden hinzustellen. Letzteren Punkt
allein will die Arbeit Schritt für Schritt verfolgen, während sie
auf die Frage nach Entstehungszeit und Verfasser der anonymen
Traktate nicht eingehen wollte, weil diese Frage für die soge-
nannte Gottesfreundfrage durchaus belanglos ist, und nicht ein-
gehen konnte, weil dazu die notwendigen Vorarbeiten fehlen.
Auch gebe ich gerne zu, daß in vorliegender Untersuchung viel-
leicht der eine oder der andere Punkt einer Vertiefung, Erläu-
terung oder Verbesserung bedürftig ist; das wird aber derjenige
nicht befremdlich finden, der die Schwierigkeiten bedenkt, die
in einer so verwickelten Frage zuerst aus dem Wege geräumt
werden mußten, bevor an eine auch nur einigermaßen verständ-
liche Abliandlung zu denken war. Schließlich dürfte die Ab-
handlung auch einen willkommenen Beitrag zur allgemeinen
Quellenkritik bilden, da gerade das Brief buch ein bis jetzt
einzig dastehendes Beispiel bietet, wie es dem Historiker nur an
der Hand der Originalhandschrift möglich ist, zur Lösung des
Problems zu gelangen, während keine Abschrift und kein Druck
hier des Rätsels Dunkel, das bis jetzt über dem Briefbuch lagerte,
zu erhellen imstande ist SoJJte darum vorliegenAe SVwÖAfc ^^
X
und dort in den historischen Seminarien zu Übungen Verwen-
dung finden können, so wäre meine Mühe reich belohnt
Eine solche Arbeit aber, die neben den eigentlichen Berufs-
geschüflen gleichsam nur als eine Blume am Wege gepflückt
werden konnte, hätte in so kurzer Zeit nicht erscheinen können,
wenn ich nicht mancherseits liebevolle Förderung erfahren hätte.
Gerade dem Entgegenkommen der Vorstände des Straßburger
Bezirksarcliivs, der Straßburger Universitätsbibliothek und des
Stadtarchivs habe ich es zu danken, daß ich die Handschriften
in den Räumen des Großherzoglichen General-Landesarchivs zu
Karlsruhe in aller Muße und mehrmals, vor allem aber während
des Druckes benützen konnte. Ebenso bekannt ist auch die
Liberalität der Bibliotheken zu Freiburg, München, Einsiedeln usw.
Wenn die Ausstattung des Werkes so gediegen bezeichnet werden
muß, so verdanke ich dies der altrenommierten Wagner'schen
üniversitäts-Buchdruckerei in Innsbruck, die dieses Jahr ihr
350jähriges Jubiläum gefeiert hat. Sie scheute keine Kosten,
dieses Buch reich und gadiegen auszustatten. Verbindlichster Dank
gebührt auch Herrn üniversitätsprofessor Dr. Panzer in Freiburg,
der in zuvorkommendster Weise die Korrekturbogen des II. Teiles
einer Durchsicht unterzog. Zu besonderer Freude gereicht es mir
.schließUch dieses Werk zwei Männern widmen zu können, die auf
meine wissenschaftliche Weiterbildung so vorteilhaft eingewirkt
haben. Mögen sie dieses Werk als ein Zeichen der Dankbarkeit
entgegennehmen für die Förderung, die ich von ihnen bei meinen
wissenschaftlichen Arbeiten stets erfaiiren habe.
Rom, den 4. November 1904.
Der Verfasser.
Inhalt.
Seite
Vorwort VII
Die benutzten Handschriften und Urkunden . . . XY
Erklärung der verwendeten Abkürzungen . XXII
Ergänzungen und Berichtigungen XXIII
I. Teil.
Abhandlung.
I. Die Geschichte der Gottesfreundfrage . . . . i
Der Qottosfreand im Oberland nach den MemorislbQchorn den
Straßburger Johanniterhauses 3. Die Stellung der Straßburger
Chronisten zu diesem Berichte 5. Erste Ansätze einer kritischen
Behandlung der Gottesfreundfrage 9. Die Gottesfreundfrage im
19. Jahrhundert, die Auffassung von Schmidt, Denifle, Prcger,
Jundt, Strauch usw. 9. KOckblick und Ausblick 1:$.
II. Die MemorialbQcher von Griinenwörth nach Entstehung
und Verfasser.
A. Die Memoriale im Einzelnen.
1. Das Große Deutsche Memorial . . . . .15
Boschreibung der Originalhaudscbrift 15. Inhalt 16. Ent-
stehungsart 17. Entstehungszoit 20. Verfasser 'l:i, Zweck 25.
Vorlagen 26. Schrift 26.
2. Das Pflegermemorial 27
Name und Zweck 27. Inhalt 28. Entstehungszoit 'M. Quellen
und Vorlagen 31. Verfasser 32.
3. Das erste lateinische Memorial oder die zwei ,, Übrig-
gebliebenen Lateinbücher'* 33
Das zweite Übriggebliebene Lateinbuch 33-39. Beschreibung
der Handschrift 33. Inhalt 34. Entstehuugsart 34. Name
und Zweck 36. Yorligen 37. Der Redaktor der EanilscWxlt 1i^ .
xn
Seite
Entstehungszeit 39. Das orstc übriggebliebene Lateinbuch 40-44.
Äaßere Gestalt 40. Inhalt, aas späterer Abschrift teilweise
rekonstruiert 41. Verhältnis des ersten zum zweiten Übrig-
gebliebenen Lateiubuch 43. Entstehuugszeit und Verfasser 44.
4. Das Große Lateinische Memorial .... 45
Unterschied des Großen Lateinischen Memorials Tom Ersten
Lateinischen Memorial 45. Inhalt teilweise rekonstruierbar 46.
Entstehungszeit und Verfasser 47.
5. Das Kleine Deutsche Memorial . .48
Inhalt 48. Entstehungsart 49. Entsteh ungszoit 50.
6. Das Briefbnoh 50
Beschreibung der Handschrift 50. Name und Zweck 52.
Inhalt 52. Entstehungsweise 54. Entstehungszeit 59. Quellen
und Vorlagen 60. Verfasser 61. Schrift 62.
7. Das Meistermemorial . . . . .62
Inhalt 62. Zweck und Entstehungszeit 63.
8. Das erweiterte Pflegermemorial . .64
Inhalt 65. Vorlagen 67. Eutstehungszeit und Verfasser 67.
9. Das Bruderschaftsbuch 68
B. Die Memoriale in ihrer gegenseitigen Abhän-
gigkeit 69
Ihr Kedaktor ist Nikolaus von Löwen 70. Ihro Entstehuugs-
zeit fällt nach Rulmanns Tod 70. Ihre zeitliche Aufeinander-
folge 71.
lil. Die Memorialbflcher von GrOnenwörth nach ihren einzelnen
Bestandteilen.
1. Die aszetisch- mystischen Traktate .... 74
Die sechszehn ersten Traktate 75. Die Angaben Nikolaus Ton
Löwens über ihre Deutung und Herkunft 75. Die kritische
Untersuchung dieser Angaben an den zwölf Traktaten des Gottes-
freundes 78, an den vier Traktaten Rulmanns 81. — Der Traktate
zweiter Teil : die lateinisch-deutschen Traktate 83. Das Zwei-
Maunenbuch 84. Das Moisterbuch 92. Das Buch von den
Neun Felsen 98. — Der Traktate dritter Teil 106. Verhältnis
der Traktate zu einander 107. Ihre Vorlagen nachgemesen an
der Offenbarung des Gottusfreundes in der Christnacht 110,
am Sendschreiben 112, an Ruisbroks BrautlaufbQchloin 114.
ScUluÜorgebuis 120.
2. Die Chronik oder die GründuDgsgeschichte des Hauses
zum Grünen wörth . . . . . . .121
xm
S«ite
Die Geschichte von GrQnonwörth in der Überlieferung des
Nikolaus von Löwen : Die Überlieferung der Chronik in den
▼erschiedonon UrkundenbQchem, ihre ursprüngliche und Qber-
arbeitete Qestalt 122. Quellen und Zweck der Chronik 126.
— Die Hofstätte Ton Qrünenwörth zu Straßburg im Lichte der
Zeitgeschichte : Gründung Ton Grünenwörth durch Werner TOn Hüne-
burg 130. Grünen wOrths Terschiedene Besitzer 131. Die Er-
neuerung durch Rulmann Merswin 133. Dessen Verhalten gegen
Altdorf 136. Erste Bauperiode 140. Die Übergabe Ton Grünen-
wörth an die Johanniter, der Pflegerbrief 142. Zweite Bau-
periode 150. Der Pflegereid 151. Die Traktate betrachtet im
Lichte der Chronik 153. Die Stiftung zweier Legate für Spital
und Jakobsmesse durch Heinrich Blankhart von Löwen 157.
3. Die sogenannton Yiten der beiden Stifter des Johanniter-
hanses . . . . . . . . .104
Die Vier-Jahre Rulmann Merswins in ihrer verschiedenen Über-
lieferung 165. Das Fünf-Mannenbuch in seiner Überlieferung 171.
Vergleich der beiden Viten mit den Traktaten : mit dem Zwei-
Mannenbuch 175, mit den Neun Felsen 179, mit den ührigen
Traktaten 181, mit der Chronik 188. — Die sogenannten Auto-
graphen in ihrer liußeren Erscheinung 189.
4. Die Briefe . . . .193
Die Datierung der Briefe 103. Der Inhalt der Briefe 198.
Briefabschnitte, welche zweimal im Briofbiich wiederkehren 198.
Briefe welche sowohl im ßricfbuch wie in den MemorialbOchem
stehen 199. Brief G-10 von den Plagen der Christenheit 201.
Die drei daraus folgenden Briefe 205. Die Briefe Ton der
GrQndungsgeschichte des Hauses 206, von doi* Baugeschichte 208,
Ton drei Brüdern 210, von dem Johannitermeister 210, Ton
Kulmann 211, die Begleitbriefe zum Moisterbuch und Fünf-
Mannenbuch 213. der Brief an den Ijesemeister Johann von
Schäffolsheim 216, die Briefe Nikolaus von LOwens an den
Gottesfreund und dessen Antwort 219. — Die Reihenfolge der
Briefempfiknger 224.
5. Die Bogleittexte der Briefe . . . .226
Der Titel des Briefbuchs 226. Die Einleitung zum Briefbuch:
Niederlassung und Romfahrt der Gottesfrei inde 227. Ermah-
nung 230. Auf der Suche nach den Gottesfreunden 230. Der
heimliche Bote Ruprecht 232. Die „letzte Ermahnung" Rul-
manns 233. Der Schürebrand-Traktat 235. Das Briefl)uch im
Vergleich mit den übriijen Memorialbüchern 244.
€. Die von Nikolaus von Löwen geschriebenen \]rk\mdftxv . "l^*^
XIV
S«ite
Dio sogenannte Bestätigungsurkundo Konrads Ton Braunsberg
Ober die drei MemorialbQcher 249. Der Pflegorbrief Tom Jahre 1371
und der Pflegereid Tom Jahre 1893 251. Die Urkunden über
die St. Jakobsmesse 251. Die Arbeitsweise Nikolaus Ton
LOwens 251.
7. Einwände nnd ihre liösnng
Die Täuschung der Mitwelt durch Nikolaus von LOwou leicht
möglich 253. Die der Fiktion zu Qrunde liegenden historischen
(demente 255. Die frühere Johanniterbibliothek and ihre Reich-
haltigkeit an mystischen Traktaten 256. Ein Brief Heinrichs
von Nördlingen über die Merswin an Margaretha Ebner 258.
Eine Bittschrift an den Papst um absolutio plcnaria in mortis
oi-ticulo 259.
IV. Schlussergebnis
Die Dichtung des Nikolaus von Löwen und ihre Erklärung 2C0.
Entstehung und Zweck der Dichtung 268. Charakter Nikolaus
von Löwens 267. Charakter Rulmann Merswius 267. Gottes-
freund und Gottosfreunde 269.
25^
26a
II. Teil.
Textbeilagen.
I. Das Große Deutsche Memorial
II. Das zweite „Übriggebliebene Lateinbuch"
III. Das Briefbuch
IV. Das Pflegermemorial ....
V. Das erweiterte Pflegermemorial .
VI. Das erste ,|Obriggebliebene Lateinbuch"
VII. Urkunden
Glossar
3*
48*
64*
158*
210*
225*
237*
244*
Die benutzten Handschriften nnd Urkunden.
Bezirksarchly Straßbarg.
1. Urkunden der Abteilung H 1352flf., soweit sie Grünen wörth be-
treffen.
2. Kopialbücher H 1616-1618.
3. Handschriften :
H 2185: Briefbuch. Original Perg. (Beschreibung S. 50ß.).
H 2184: De novem Bupibus. Original Perg. (Beschreibung S. 33ff.).
H 1383: Drei-Pflegermemorial. Kopie des 15. Jahrh. Papier
i^ 14|21 cm. 132 Bll. Erstes nnd letztes Blatt auf dem Deckel aufgeklebt.
1 1 Lagen zu je 6 Doppelblättern. Auf dem Außendeckel rot : Kloster ziim
Grunenwerde. Schreiber der Handschrift: Komtur Amandus.
H2190: Erweitertos Pflegermemorial. Kopie des 16. Jahrh.
Perg. 4® 16 21 cm. 121 Bll. Am Anfang und am Schluß der Handschrift
je 2 Bl. herausgeschnitten. Von einer Hand schön gloichmilßig geschrie-
ben. Gepreßter Originaleinband mit 2 Schließen. Früher Eigentum des
Si Margaretenklosters zu Straßbnrg.
UnlTersitJtts- und Landesbibliothek zu Straßburg.
LalsOß*:*) Großes deutsches Memorial. Älterer Titel:
■ß«« von den dreyen Urkund- Bücher von unserem Stifter Rulman Mer-
«Ärrem. Original Perg. (Beschreibung S. 1 5 ff.).
L ^epm 665: Neun Felsen: Rulmanni Merschwin, FundcUoria Domus
8t,Johanni8 de 9 Rupibua autographua, Or. Pap. 59 Bl. 14|21 cm. Ein-
band 18. Jahrhunderts. Der apostolische Notar Joseph Schweigheuser er-
g^zte die dem Büchlein fehlenden Seiten. Herausgegeben von Schmidt:
Das Bnch Yon den neun Felsen von dem Straßburger Bürger Rulman Mer-
swini352. Leipzig 1859. Schmidt ergänzte die fehlenden Stellen nach
einer Handschrift des 1 4. Jahrhunderts. Auf der Innenseite des vorderen
I^^kels ist das Ex libris K. Schmidts ; unten daran eine Bemerkung Schmidts :
*) Diese Signatur ist noch nicht ondgültig festgestellt.
XVI
„1858. Vente Engelhardt." Auf der ersten Seite oben: „M. Engelhard"
Schmidt bemerkt dann: „Original, 6crit en 1352 de la main m^me de Bai-
mann Merswin, et conserv6 apr^ sa mort ä la maison de S. Jean. 1 1 feoillet
arrache de ce pr^ciense yolame ont 6t6 remplac^s au 18* si^cle d'aprös la
copie da traite ins^röe dans le grand Memorial de la maison de S. Jean . . • .
Darauf von anderer Hand : ^Notandum daß Ori^nale dieses Buchs Ton den
Neun Felsen mit Rulman Merschwin deß Stifters eygener Hand geschriben ist b9 1708
in der Commenda zu Schlettstadt gefunden und den 23. Juli wider nach StraOburg
gebracht worden, aber zu bedauern, daß biß 10 Blätter daron verlohren, welche
jedoch auß disem gegenwärtigen Kxemplar Ton Wort zu Wort wieder ersetzt worden
scindt.** ,,Note de Schweighaeuser dans Texemplaire du grand Memorial ia
folii), parchemin (1865).*' Diese hier angezogene Notiz steht auf einem
Zettel im Großen Deutschen Memorial Bl. 132^ Bl. 1 folgt die Vorrede
Schweigheusers: ^«Benigne Lector. Praesentem hunc librum de Novem Rupibus
iutitulatum a bonae memoriae D. Ruluianno Merschwin, piissimo fundatore Domas
nostrae ad Viridem-lusulam rulgo Grünen werde nuncupatae, divino impnlsu manu
sua propria scriptum esse nemo dubitaverit, qui eins characterem contulerit cum
alio similis formae libello in octo foliis ctiam sua manu propria conscripto atque
in originali hodiedum existente in alio libro germauico in folio, dicto ,daß BriefT-
büchlin.' Quod etiam ipsemet Rulmannus fuerit ille homo, quocum Dens hoc in libro
de NoTem Rupibus adoo familiariter conversatus fuit, constat tum ex ipso illius textu
collato cum dicto libello Qnatuor annorum. tum etiam ex mox sequeuti prologo idem
indubitato asserente. Quod vero in hoc scriptum non nominaverit, id tribuendum est
profundae illius humilitati, quam undique promicare qui vis facilo videbit. xVnimadTertet
ctiam lector, ad quantam ritac perfectionem et intimum cum Deo familiaritatem iam
tunc, id est triginta ante boatum suum obitum annis, ascenderit, tot et tantis supor-
uaturalibus donis et illustrationibus a Deo auctus, quales praecipui in Ecclesia sancti
divino muncre iuerunt consecuti. ünum summopore dolemus, quod plura hinc iude
folia huius libri de Novem Rupibus (prout et alia sanctissima eiusdem manuscripta)
iuterieriut, quao tarnen nos ex dicto libro McMUoriali de verbo ad verbum supplcvimus.
Eostat. ut le<'tor praefati Rulmanni in capite et calce huiusco libri contentis monitis
s»» conformet.**
L germ 642: Zwei Mannen Buch: Der Gottesfreund im Oberland,
Original Perg. 12^. Herausgegeben und beschrieben von Lauchert, Des
Gottesfreundes im Oberland [ Rulmann Merswin's] Buch von den zwei
Mannen. Bonn 1896.
L als 109: Necrologium des Johanniterhauses zum Grü-
nen wörth. Perg. fol. 73 BIL, angelegt zu Beginn des 15. Jahrhunderts.
Lederband mit 5 Messingbuckeln und zwei Messingschließen. Die Hand-
schrift zerfällt in 3 Teile :
a) Bl. 1-61, das eigentliche Necrologium mit Einträgen von 1382
bis 1783.
b) Bl. 62-66 Verzeichnis von Schenkungen an das Kloster.
c) Bl. 67-69 Ordnung betr. Abhaltung verschiedener Jahrzeiten.
xvir
L als 96: Erstes lateinisches Memorial nnd Pflegerme-
morial: Stiftung zum Grünenwerde. Pap. fol. 399 Bll. Titel (Seite 1):
,1. Tom. Abschrift und Übersotzuu; deß sich bei der Custoroy befiadlichen in alt
teutsch beschriboneu Momorial- oder Verkundbuchs von dem Ursprung, Anfang und
Über^bang des Klosters zum Grünen werde zu Straßburg an den ritterlichen St. Johann
Ordens endlich gekommen sagend, auch einiger Kapitleu auU dem boy obgomelter
Costorey auch sich befindlichen Idteiuischen Memorial oder Verkündbuch von uban-
gezogener Blatery handlend, deren Matery sich in dem obgesagton teutschon nicht
iMUnden und doch merkwürdig soind zum Unterricht und Erbauung aller gegenwartig
oad künftigen Konrentual Priestercn dißes Hauses St. Johanns Ordens in Straßburir«
mit einem Zusatz alles dessen, was sich hernach vom Ltitherthumb her biß auf da*^
Jahr 1727 mit demselben Hauß weiters zugetragen. Abgoscbrib<.>n, übersetzt, be-
sckriben von F. Franc. Joseph Ignatius Goetzman'), Custoden dises üauses. und voll-
eodet in der Wochnn vor Allerheiligen 1745.**
Auf Seite 1* folgt folgender Bericht: Es befinden sich boy der Custorey
ein teutsch und ein lateinisch sogenante Memorial Bücher, welche .den Anfang, Ur-
»
spnng und Fortgang der Stiftung dos Hauses zum Grünonwerde, wie auch waß sich
w^n denen Stifteren merkwürdiges ztigetragen weitläufig und umständlich beschribeu :
deß teotschen waren vier gleich lautende Exemplaria verfertiget : drei wurden denen
drei weltlichen PÜegcren jedem eines zu Händen gestellt, das vierte dem Oberistcn
Meister und Großprioren in teutschon Landen St. Johann Ordens, wovon das bei
der Custorey vorwahrte ein Abschrift ist. Wie denn nun diß erst gemelte teutsche
Memorial die Materien nicht nach der Ordnung der Zeit, wie eins auf das andern
erfolgt ist, besclireibt, hingegen auch das Lateinische viel merkwürdiges anziehet, «a
sich in dem teutschon nicht befindet, so hab ich hier alles nach der orduun? ge-
setzt, so doch, daß ich die völlige Capitul des teutschon Memorials außschreibo..
welche die Sach na«h Ordnung beschreiben, und wo ich die Capitul andere versetze,
so liehe ich sie an mit Anzug deß Blats, und wo ich mit eigenen Worten rede, s<»
wtze ich meine wort zwischen ein parentesis also ( ), und fange nun nach gegebenem
obigem Bericht an daß toutscho Memorial abzuschreiben mit dessen eigenen werten."
Lals 740. Johanniter Chronik: Succincta commendae ordin is
Preabyterorum sancii Johannis Baptistae Hierosolymitani Ärgentinae olim
od Viridem-lnsulam vulgo zum Grünen Wörth^ modo ad sanctum Marciim,
nolüia ex libris publicia veteribusque monumentis excerpta a Josepho
^weigheuaer, notario apostolico in Curia episc. Ärgentinensi immatricu-
^. .^»«0 reparatae salutis 1764, Pap. 4® 212 S. Abschriften davon
sind Lals 273; 741; 1016.
Stadtarchiv Straßburg.
I.Handschrift B 54(VDG68): Erweitertos Pflegermemorial:
^ndation des Johanniterhauses zum GrünenwÖrth^ dessen Ordnung und
Bräuche, Copie 18. Jahrh. Pap. 4^, stimmt mit Handschrift H 2190
^ Straßburger Bezirksarchivs überein.
*) Gdtzmann ist geboren 169^], legte im Jahre 1712 Profeß ab und starb am
1*. Anpist 1770.
XVUI
2. Urkunden der Abteilungen GUP. 35, 37; VDÖ 67; KuN 9;
PfThG 7 ; Hosp. Arch. I, 43 fasc. 2.
UnlTersItätsblbliothek Freiburg L Br.
Hs. Nr. 93. Johanniter Chronik: Commendae ordinis jFV«9-
bytei'orum aancti Joannis Bapiistae Hierosolymitam Argentinae olim ad
Vtridem-lnsulam vulgo zum Grünen Wörth, modo ad sanctum Marcum, no-
titia ex Hbria publicis veterihusque monumentis magno labore exeerpta a
Joseph 0 Schweigheuaer, notario apostolico, Argentinae a® 1769,
Stimmt nberein mit den von Schweigheaser stammenden Hss. der Strafi-
barger Universitätsbibliothek.
Hs. Nr. 470: 4^ Pap. 1465. 79 Bll. 2 spaltig.
Auf dem Deckel : Diss puch gehört in dz kloster zu Medingen Prediger
Ordens. Daraufist ein Brief PfeiiSers eingeklebt: „Seinem lieben Freunde
Fr. Karl Griesbaber in Bastadt sendet dise handschrift, enthaltend „das buch
von den neun felsen von Boulman Merswin'S als erwünschte ergänzung des
memorialbuches des Johanniterhauses zum Grünenwerd in Straßburg, be-
gleitet von den herzlichsten grüßen zum christgeschenke. Stuttgart am 1 9.dec.
1844. Franz Pfeiffer aus Solothurn.^'
Auf der Innern Seite des I.Blattes von Pfeiffers Hand : „Das buch von
deu neun felsen. Dieses buch, das früher fälschlich dem Souse beigelegt
wurde, hat zum Verfasser den Straßburger bürger Buolmann Merswtu,
der es im jähre 1352 auf gütlichen befehl niederschrieb. Die näheren an-
gaben findet man in dem deutschen memorialbuche des von Boulmann ge-
stifteten Johanniterhauses zum Grünenwerd bei Straßburg (hs. auf pergament
in 4® vom jähre 1437 bl. 29^ ff.), worin auch das leben Ruolmann's erzählt
wird. In demselben memoriale hat sich noch ein anderes buchlein von Boul-
mann erhalten : „von den vierjören slnes anevöhenden leben s**
(bl. 24» bis 33^). vgl. über ihn Schmidt, Job. Tauler S. 177 ff. Pfeiffer.**
Bl. P. Folgt dann der Text mit der Oberschrift: Send die IX felsen.
AUepin cristen menschen nemend war diser warer lere .... Der Traktat be-
ginnt : In dem namen unsers liebenn herren Jesu Christi miessent alle unser
werk voUendenn und volbraucht werden. Es geschach zu ainen zitten inn
ainem advent vor dem hochzit unsers hern gebart anainer morgenstund
frotre, dz ain mentsch ward ermant, dz er gar schwind solt gm an sin
haimlichistu stät,,, Schluß mit der Jahreszahl 1352: und dieser mentsch
begert auch nit anders dann zu lidende biss in den tod, Amen.
Diss buch ward geendet am frittag vor sant Johannes tag zu Singechten
im LXV [14 65] jare, do es sibne schlug nauch vesper.
Dise geschrift ist do beliben \ 0 wol fro ich waz
Malis Miller haut sij geschriben. ! do ich schrib Deo gratias.
Darauf folgen noch eine Reihe Verse.
Schluß : 0 du torne weit,
wer sich an dich lant, der velt.
I
XIX
Die Handschrift, dem Kloster Medingen in Schwaben gehörend« kam
1844 in den Besitz Ton Franz Pfeiffer, welcher sie aus der Bibliothek des
zn Berlin gestorbenen SchnWorstehers Blenz durch Kauf erworben hatte.
Pfeiffer schenkte sie seinem Freonde Karl Orieshaber, der seine Handschriften
testamentarisch der Universitätsbibliotkek zu Freibnrg vermachte. Nach-
fonckimgen nach dem in obigem Briefe erwähnten „Memorialbach'' waren
leider erfolglos.
Hs. Nr. 194: Pap. 4« saec. XIV|XV.
a) Rot : Dis ist van sant Marien MagdcUenen und von sant Marthen
und 90ff Lazaro. Anfang : Sancta Maria Magdalena und sancta Martha
und Lazarus die worent von hohem edelm künglichem gesiechte . . .
b) Nach diesem Traktat folgt ohne Überschrift das Meisterbach:
In dem iare, do man zalt von goties gehurt M^ccc^ xl und vij jar, in dem
Men iare do geschach es, das ein meisier der heiligen geschrifft in einer
ttat vü gebrediget hat ttnd man hört in ouch gar gern . . . Schluß : Vnd do
es tag wart do sehreib er zestunt wider hinder sich dem priol und den hrn-
dem allen einen briefe und schreib in allen die tvort, wie er mit im geredt
hatte. Nun daz mr alle dem lieplichen mynnerichen bilde linsers liehen
herren Jesu Christi nachvolgende tverdent, dar zu helffe uns die ewip war-
hiit, Amen,
c) Rot: Hie vahet an von dem hochgezit aller lieber glohiger seien tag
Und des ersten die epistel : Bruder also wir getragen hant das bilde der
irdenseheit, also tragent wir ouch bilde der himmelscheit . . . (Abhandlung
aber die Seelen im Fegfeuer).
d) Unvermittelt folgt dann das dritte bis dreizehnte Kapitel des Zwei-
Mannenbuchs. Rot : Das dritte cappittel ist die erste frage von hinder rede^
olso der elter den jungen fragete.
Aber uf ein andere zit do fugte es got, das aber dise zwey menschen
zu Samen kament und wurdent aber mit einander redende. Do sprach der
dter zit dem jungen. Sag mir lieher frtint ... Im 1 3. Kapitel steht hinter
dem Wort dem „jungen^ der Zusatz : Rulmans geselle.
Schluß ohne Jahreszahl: Daz wir alle gerechte gelossene nachvolger
uierdeni, des helffe uns got, Amen,
Am Schlüsse des Buches steht die Notiz: Dis buch geh)rt zu saut
^m ze FHburg in Brisgowe,
Hs. Nr. 467, 4° Pap. Aus dem Nachlaß von Fr. Karl Grieshaber.
^fessor zu Rastatt. Gehörte dem Johann iterhaus zum Grünonwörtli. 14.
Jahrh. Mit Einträgen des beginnenden 1 7. Jahrh. Die Handschrift enthält ;
a) Bl. 1-3. Regeln des Johannitermeisters Raymundus. Darunter:
In primis iabeo, ut oinaes fratres ad semcium pauporum veniontcs tiia <iue
Promittant deo per manam sacerdotis ot per librum teneant cum dei auxilio : scilicot
CMütatem et obedienciam, boc est quodcumque prccipitur eis a inagistris suis, et sine
proprio rirere, qnia bec tria reqniret deus ab eis in nltimo certauüno. Kt n<»n
iwrant amplias ex debito nisi panem et aquam atque vestiinontum quc eis proinit-
^tur... Darauf später: Et si vivons iacoloinis proprietatem habuonl Vit vwa^sxiw
XX
suo cdaverit ac postea saper eum ioTentum fuerit, ipsain pocuniam ad collum eias
ligetur er per hospitale Jherusalem Tel per alias domus ubi permanserit dacatur nudas
et yerberetur a clerico si clericus est, qui perpetravit; si Tero laicus, ab aliqao
fratre Terberetor, et quadraginta dies ieianans quarta et sexta feria in pane et aqua.
b) £1 3^: Confirmacio regole prescripte. Bestätigung obiger Regel
durch Bouifaz YIIL, welcher dieselbe in einigen Punkten abänderte. Die alte
Bestätigung der Regel war bei der Belagerang zu Akkon zugrunde gegangen.
Die Bestätigungsbulle trägt das Datum: Dat. Laterano VII. id. apr.»
pontif. a. 6.
c) Bl 4^ : Bulla per quam transmissa est regala prescripta de partibus
transmarinis magistris et fratribus Alamannie.
Frater Gwilhelmus de Castro Novo . . . D. Accaron non. novembr. a. 1 2 53.
d) Bl 5^-7*: Incipit ordo ad recipiendum fratrem in ordinein sancti
Johannis. Unter den Fragen steht auch: Will du an eigenschafi leben?
Der Schwur lautet : Ich gib mich got utid aant marien siner würdigen müter
und dem heiigen sant Johans dem touffer und unsem herren den siechen,
dz ich alle dag, die ich lebe, ir kneht M sin, und globe küscheit zu hcUtende
7nit der helfe gottes und on eigenschaft zu lebende und einem sollichen obern
gehorsam sin, den mir denn got gii,
e) Bl 7^-8^: Incipit ordo ad recipiendum personam ad fraternitatem
maiorem. Schwur : Ich opfer und gib got siner tourdigen muter sant Marien
und dem heiligen herm sant Johans dem touffer disem heiligen orden und
disen brudern dis huses minen üb und min gut, dz ich nü hob oder hamoch
gewinnen mag und enpfohe die gross bruderschaft dis heiligen ordens und
globe dem orden und disem huse truwe und worheit zu leistende und sinen
nutz zu fürderende und sifien schaden zu wendende, als fer ich das weiss
und kan on minen schaden und on geverde,
f ) Bl 8^- 1 0* rot : Incipit ordo ad recipiendum personam ad fraterni-
tatem minorem. Rot: Primo interroget prespiter personam dicendo: Be-
geret ir zu kummen in die klein bruderschaft des heiligen ordens sant
Johans baptisten, so sullent ir globen dem selben orden getruwe zu nn, sinen
schaden zu wendende und sinen nutz zu fürderende on uweren schaden wid
on alle geverde, und demselben orden üch zinshaft zu machende ierlich die
u'ile ir lebent etwas von uwerem gut, so vil ir minne habent oder gnode, und
etwas zu besetzende noch uwerem tode zu einer gedechtniss.
Rot : Wenne eins das globt, so sol der priester im bieten das crütz an
dem mantel es zu küssende und sol denn zu im sprechen : ümb die gelühde
die ir unserm orden hant geion, so machent wir üch teilhaftig alles des
gutes, so in unserm orden geschiht, so wit die weit ist, und des applos,
so unser vetter die bobest gegeben hant den^ die unser bruderschaft entpfohent
und sich dar in tünt schriben, also hie noch geschriben stot.
Darauf Aufzählung der Ablässe. Weiterhin Bl. 11*: Aufzählung der
Fest- und Fasttage, welche im Orden gefeiert werden. Bl. 16^-27^: Strafen
auf die verschiedensten Vorgehen.
XXI
Bis hieher Schrift des 14. Jahrh. Dann folgt von der Hand der Straß-
barger Handschrift H 2190 des Bezirksarchivs :
a) Welcher uff gebnrende weiß begert bei ans ein Donat zu werden,
der soll sich uff volgende fragen erklären.
b) Ordnung der pfleger des hanses zum Grünenwörth.
c) Weichennassen ein jede perspn, so in den ritterlichen St. Johanm-
orden zu kommen begert, soll beschaffen und qaalificirt sein.
d) Schluß: Ordnung der herren Commendatoren:
1. Fr. Heinricus Wolffach commendator f 1404, 3. April.
2. Fr. Erhardus Thome f 1426, 28. Januar.
3. Fr. Johannes de Ehenheim f 1439, 10. Sept. usw.
Hof- und Laudesbibliothek Karlsruhe.
St. Georg 80: Meister buch. Pap. 4^ aus dem Jahre 1425. Be-
nfitzt von Denifle in der Schrift „Taulers Bekehrung", Straßburg 1879.
Hof- und Staatsbibliothek Mfinehen.
C^. 818: Busbruch geistl. Brautlauf; Predigten; Gebete.
Pap. 12^ 15. Jahrhundert (l44l), enthält unter anderm den Traktat: Von
^ fürkummenen gnoden. ßl. 1-23.
Elosterbibliothek zu Eiusiedeln.
Die Incunabel Nr. 448 enthält neben Sosos Predigten Bl 14 2' ff. auch
^eNeun Felsen, ohne irgend einen Hinweis auf Bulmann als Verfasser
derselben.
ErzbisehOfliehes Archir Freiburg i. Br.
Dasselbe enthält eine Beihe Urkunden, welche Grunenwörth be-
treffen und aus dem Nachlaß des (1876 t) Pfarrers Haid von Lautenbach
bei Oberkirch stammen. Der Anregung des Herrn Stadtarchivars Dr. Albert
zu Freiburg habe ich es zu verdanken, daß ich darunter zwei für dieGottes-
freandfrage wichtige Urkunden fand, welche im Laufe der Abhandlung näher
werden behandelt werden.
Wegen der Dorsualnotizen wurden auch sämtliche im Grossh. General-
Luidegarehiv zu Karlsruhe beruhenden Urkunden der Abteilung Grftnen-
wörth-Straßburg durchgesehen. Nachforschungen nach weiteren Hand-
schriften der Memoriale waren von keinem Erfolg begleitet.
XXII
Erklärung der verwendeten Abkürzungen.
Bezeichnung der Handschriften :
A =^ Großes Deutsches Memorial, UniTersitäts- u. Landesbibliothek zu StraÜburg.
B = Briefbuch, Hs. H 2185 des Straßburger BezirksarchiTs.
C = Zweites Übriggebliebenes Lateinbuch, Hs. H 2184 des Straßburger Bezirks-
archiTS.
D = Pflegormemorial, Hs. H 1383 des Straßburger BezirksarchiTS.
E = Erweitertes Pflegermemorial, Hs. B 54 des Straßburger Stadtarchirs.
F= Erweitertes Pflegermemorial, Hs. H 2190 des Straßburger Bezirksarchivs.
Q := Erstes Lateinisches Memorial, L als 96 der Straßburger UniTersitätsbibliothek.
H = Zwei-Mannenbuch, L germ. 642 der Straßburger Universitätsbibliothek.
J ■= Neun Felsenautograph, L germ. 665 der Straßburger Universitätsbibliothek»
Sonstige Abkürzungen :
GDM. = Großes Deutsches Memorial.
KDM. = Kleines Deutsches Memorial.
LM. = Lateinisches Memorial.
MB. = Meisterbuch, Ausgabe von Schmidt unter dem Titel : Bericht von der Be-
kehrung Taulers. Straßburg 1875.
5MB. =: FQnf-Mannenbuch.
2MB. = Zwoi-Mannenbuoh.
NvB. = Nikolaus von Basel, Ausgabe von Schmidt, Wien 1886.
NvL. = Nikolaus von Löwen.
NF. = Neun Felsen, Ausgabe von Schmidt, Leipzig 1859.
VJ. = Yier-Jahre Rulmann Merswins bei Schmidt Gottesfr.
Schmidt, Gottesfr. =- Schmidt, Die Gottesfroundo im 14. Jahrhuudert, Jena 1854.
Lauchert = Lauchert, Des Gottesfreundes Buch von den zwei Mannen, Bonn 1896.
Das Verzeichnis der benutzten Literatur siehe in den Anmerkungen zu Seite 5-14.
Wo in der Abhandlung nach Sternchenpagination zitiert wird, sind darunter
stets die Textbeilagen des zweiten Teils zu verstehen. Ks bedeutet also 1S*24 =
Seite 18* des zweitou Teiles Zeile 24.
xxin
Berichtigungen und Ergänzungen.
^. 24 lies : de Loranio.
3*20 ist gemeltze zu Unrecht iu geameltze korrig^iert worden.
13*18 goltfargel ist eine Zusammensetzung aus gcUfar und gel -= goldfarbig gelb.
00*6-13 sollt« Petit gedruckt sein statt Garmond, da dieser Abschnitt zum eigent-
lichen Traktat gehört.
99* anm.: statt 40-100*5 Ues: 38-100*5.
126* anm. 24 lies: hier beginnt dio vierte Lage.
149*38 lies: clösterlin.
180*14 ret'kündung des engeis sollte in Petit gedruckt sein.
187*10 und bis stiffters sollte in Petit gedruckt sein. Die einfache Überschrift
siehe 162*31 anm.
197*25 anm. lies: Parenthese.
S. 210% 225*, 237* sind die Überschrifts-Nummern falsch gezahlt.
210*25 lies: wart statt war,
21 ri lies siner statt sine.
212*33 lies: ine statt iemer.
215*10 lies : das lischt der übernatürlichen gnaden,
215*21 lies: fromde, dem menschen den heiligen geist.
224*7 lies: erfordern, nach.
Zu 234*31 anm. vgl. 229*18 anm.
235*18 lies : da dünkte mich.
236*1 lies: Es fehlt.
I. Teil.
Abhandlnng.
RMw I.
I.
Die Geschichte der Gottesfreundfrage.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts lebte nach dem Berichte
gleichzeitiger Quellen: der ürkundenbücher des Johanniterhauses
zum Grünenwörth in Straßburg, im „Oberlande" ein gottbegnadeter
Laie, allen und überall bekannt durch sein Wirken, aber niemanden
seinem Namen nach; man nannte ihn nur „den Gottesfreund im
Oberlande." Als Sohn einer reichen Familie konnte er sich in
seiner Jugend allen Freuden der Welt hingeben und mancherlei
Ausschweifung sich erlauben. Doch die Gnade Gottes wandelt
ihn plötzlich um, er entsagt der Welt, zieht sich in die Einsam-
keit zurück und sammelt eine Anzahl gleichgesinnter Genossen um
sich in der Absicht, ganz den Übungen der Frömmikeit zu leben.
Visionen, die ihm zuteil werden, zeigen ihm sein Arbeitsfeld und
r^fen ihn aus der stillen Eüisamkeit hinaus auf den Kampfplatz
der durch die menschlichen Leidenschaften erregten Welt.
Am ausführlichsten gedenken die ürkundenbücher der Be-
ziehungen des Gottesfreundes zu Straßburg und dem neu gegrün-
deten Johanniterhause zum Grünenwörth. Schon im Jahre 1346
liatte der Gottesfreund einen unbenannten Meister der hl. Schrift,
einen berühmten Prediger — man dachte sich später darunter
»lohannes Tauler zu Straßburg — von seinem Stolze bekehrt
^nd zu einem innerlichen, mystischen Leben angeleitet. Und als
20 Jahre später die Johanniter in Straßburg sich niederzulassen
sedachten, da ist der Gottesfreund vom Oberlande die Seele bei
der Gründung des Hauses und bei allen folgenden Unternehmungen
der Johanniterbrüder. Seinem Einfluß ist es zuzuscbreVb^Uv ^^^
Rulmann Merswin gerade den Johannitern die eben erst von den
Benediktinern zu Altdorf erworbene Hofstätte zum Grünenwörth
einräumt und sie aus eigenen Mitteln vollständig umwandelt, um
daraus einen Prachtbau als Wohnung für die Johanniter herzu-
stellen. Ein enges Freundschaftsband schlingt sich in der Folge
um Rulmann Merswin und den Gottesfreund vom Oberlande. Was
nur immer Rulmann plant oder unternimmt, das tut er erst, wenn
er den großen Gottesfreund vom Oberlande darüber um Rat ge-
fragt hat. Sie eröffnen sich selbst ihre geheimsten Herzensange-
legenheiten, und als sie gefunden, daß ihr beider Lebensgang soviel
Gemeinsames aufweise, ermuntern sie einander, ihr Leben nieder-
zuschreiben. Sie tun es: Rulmann Merswin in dem „Büchlein
von den Vier-Jahren seines anfangenden Lebens", der Gottesfreund
in dem sogenannten „Fünf-Mannenbuch." Als Berater in allen
wichtigen und schwierigen Fällen sendet der Gottesfreund Rul-
mann Merswin, dem Straßburger Johanniterkomtur sowie den
Brüdern des dortigen Johanniterhauses durch einen heimlichen,
nur Rulmann bekannten Boten Briefe und verschiedene erbauliche
Schriften, indem er ihnen sein und seiner Genossen Leben und
Wirken als Beispiel vor Augen stellt. Aber so innig auch der
Verkehr Rulmann Merswins mit dem Gottesfreunde war, so offen-
barte Rulmann doch den Brüdern des Hauses zum Grünenwörth
nichts von seinem eigenen, gottgeweihten Leben; erst nach seinem
Tode finden die Brüder in einem verschlossenen Kästchen die
Lebensbeschreibung von den „Vier-Jahren" und bewundern die
Demut ihres großen Stifters, der nicht wollte, daß jemand bei
seinen Lebzeiten von seinem beschaulichen Leben Kunde erhielte.
Doch des Gottesfreundes Wirken ist auf Straßburg allein nicht
beschränkt Seine Wirksamkeit erstreckt sich bis nach Ungarn
und ItaUen. Er macht nicht halt vor den Türen der Edlen und
Ritter, nicht vor dem Palaste des Papstes. Allen Ständen der
Menschen hält er freimütig in Schrift und Wort einen Spiegel
vor und seine Gegenwart bewirkt allüberall die Abkehr von der
eitlen, vergänglichen Welt und die gänzliche, ungeteilte Hingabe
an das innere, mystische Leben mit Gott. — So berichten in
kiu*zen Zügen die ürkundenbücher des Johanniterhauses zum
Grünenwörth in Straßburg, dessen Stifter Rulmann Merswin ge-
wesen ist.
Ein Mann und noch dazu ein Laie, der eine solche Rolle
spielt im geistigen Leben des 14. Jahrhunderts, der wie eine
heilige Katharina von Siena in allem Freimute dem Papste und
seiDen Bestrebungen entgegentritt, dessen Andenken muß doch,
sollte man meinen, gewiß auch in andern historischen Quellen
überliefert sein. Oder sollte diese große Wirksamkeit eines Laien,
von dem die größten Theologen und Prediger jener Zeit sich wie
Kiader leiten und führen lassen, nur in den Urkundenbüchem
des Straßburger Johanniterhauses und sonst nirgends ihre Spuren
zurückgelassen haben?
Suchen wir auf diese Frage zunächst Aufschluß bei den
elsässischen Chronisten. Denn je geheimnisvoller die Gründung
des Johanniterhauses zu Straßburg ist, um so mehr ist zu er-
warten, daß sie einen Niederschlag bei den Chronisten gefunden
hat, die in erster Linie die Geschichte der Stadt Straßburg in
den Kreis ihrer Betrachtung zogen.
Jakob Twinger von Königshofen (gest. 1420), der die
Gründung des Johanniterhauses durch Rulmann Merswin miterlebt,
und wie kein Zweiter in anziehender und lehrreicher Weise alle
wichtigen Stadtereignisse verzeichnet hat, berichtet über Grünen-
wörth zu Straß bürg ebenso einfach wie kurz: „Der Johanneser
hus zürn Grünenwerde wart gemäht zum ersten von hem Wern-
her dem Marschalke in ere der heiigen drivaltikeit, das geistliche
dümherren do soltent sin. donoch kam es in der Johanneser hant
zäDoroltzheim,die sattent einen münch oder bruder dar lange
zit damoch koment die Johanneser dar noch gotz gebürte 1371 jor,
und her Rulman Merswin mähte us der alten kirchen eine nuwe
J^irche und kor und bleip bi den Johannesern untz an sinen dot," ^)
Jakob Twinger von Königshofen weiß also nichts von
dem beschauUchen Leben Rulmanns, nichts von dessen Verkehr
°üt einem Gottesfreunde vom Oberlande, kurz nichts von all'
dem, was die Urkundenbücher des Johanniterhauses von dem
Gottesfreunde erzählen.
Zu den elsässischen Chronisten können wir auch den Domini-
^^er Johannes Meyer (gest. 1485)*) rechnen, der sich große
*) Chroniken der deutschen Städte Bd. IX, 732/3.
*) t}ber ihn handelt PoterAlber.t, Jobannes Meyer, ein oberdeutscher Chronist
dw «Önfxehnteii Jahrhunderts. (Ztsch. f. Gesch. des Oberrheins KF.XIU, 'iVo-'i^^>.
Verdienste um die Reform der Dominikanerklöster im 15. Jahr-
hundert erworben hat und wegen seiner umfangreichen chroni-
stischen Tätigkeit beachtenswert ist. In dem Leben der Marga^
reta vonKenzingen erwähnt er ausführlich deren Beziehungen
zu einem Gottesfreunde und zwar zu demselben Grottesfreunde, der
Rulmann Merswins heimlicher Freund und Berater war.*) Hier
haben wir also das erste Zeugnis eines CJhronisten, der von der
Existenz des Gottesfreundes vom Oberlande und dessen Verhältnis
zu dem Straßburger Johanniterhause überzeugt ist. Diese Nach-
richt wäre von größtem Wert für uns, wenn sie unabhängig
von den Urkundenbüchern der Johanniter zu Straßburg gewonnen
wäre. Das ist jedoch nicht der Fall. Der zeitweilige Aufenthalt
*) U. Denifle, Das Leben der Margaretha ron Keuzingen (Ztschr. f. deutsches
Altertum Bd. 19 (1876), 483/484): „Wie dise swoster Margreth zfl dem grossen gotes
fründ iu Oberland kam, der ir riet in predigerorden gen Underlinden.
. . darumb schied dise frow Margretha uss dem selben land und gedacht, wz
yr nun z& tun wer. also kam yr in yr gomutf wie sie solt gon zu dem grossen frund
gotes, der mit sinen balgen gesellen lebt in Oberland in dem gebirg, von dem selben
hallgen man gotes hatt sy nun uss der masen vil gutz hören sagen, wie er von
kinthait uf got andechtiklich gedienet hat und nun rast alt wer und in allen got-
lichen sachen von den guaddu des bälgen gaists gar wol erfaren wer. und es ist
och in der warhait also gewesen, won diser selig gotesman ist der fünf lialger man
ainer gewesen, von den dz selb büchlin von den v manon sagt, ja er ist der vol-
komes gewesen under in, als mau an dem selben buchli merckct. er ist diser halg
man, der dem maister der balgen goschrifft prediger ordens dz tugentrich abc lert
nach zall der buchstaben und ainen selgen menschen uss im machet. Küdolffs
Merswins haimlichor fründ ist er gewesen und ym mit rat und dat hilflich ist
gewesen, dz dz gaistlich leben zu saut Johanes zu dem Grünen berg zu Strasburg [I]
gestiflFt ward, und vil ander übernatürlicher grosser hocher gotlicher sachen hat got
der her durch disen sinen lieben fründ gewürckt, also denn zu guter mass in latin
und in tusch geschribeu ist in dem selben erwirdigen gotz husz.
Zu disem balgen man kam mit grosser arbait diso selig frow . . .
Mucht hie yemant gedencken : wie kon dz gesin, dz der fründ gotes, den man
nemt R u d o 1 f f M c r s w i n (s) haimlichor fründ und gesell, der man iu Oberland,
by den ziten diser swoster gelebt hat, sitem mal dz mau doch von ym iu geschriflft
find, dz er in aller haligkeit gelebt hat lange zit vor in siner wol mugenden jugent,
do man zailt anno domini M cccl jar, do au jubel jar zu Rom wz by bopst Clemens
ziten : da ist zu wissen, dz diser ballig gotz fründ lang in diser zit lebt und uss
der masz alt ward, als ym got solichs vor kund hatt geton, dz er dar iuu gelasen
S'Olt sin; er ward gar vil mer, dz ich was zu sagent, denn über ic jar alt.**
Das ganze Kapitel zeigt, daß es nach der Schablone der sug. Gottesfreund-
traktate verfaCt ist. Was bleibt dann noch Historisches an dem Berichte?
Johannes Meyers in Dominikanerinnenklöstern des Elsaß, haupt-
Schlich aber seine langjährige Tätigkeit als Beichtvater im Kloster
J^delhausen bei Freiburg i. B., wo die Mystik eine überaus hohe
^Pflege gefunden hat, und wo man Abschriften der angeblichen
Schriften Rulmann Merswins und des Gottesfreundes besaß, ^) setzten
ihn in die Lage, von genannten Urkundenbüchern und ihrem
Inhalte Kenntnis zu erhalten. So übernimmt Johannes Meyer
ohne Wissen und infolge dessen ohne alle Kritik deren Angaben,
und verwandelt den Verkehr Margaretas mit „Gottesfreunden"
zu einem solchen mit „dem Gottesfreunde^S von dem die Straß-
burger Urkundenbücher so vieles erzählen. Da es aber höchst
unwahrscheinlich war, daß dieser Gottesfreund noch zu Marga-
retas Zeiten gelebt hat, sieht sich unser Chronist gezwungen,
alle etwaigen Bedenken durch den Hinweis auf das außerordent-
lich hohe Alter des Gottesfreundes hinwegzuräumen. So würde
man fehlgehen, wenn man aus seinen Angaben irgendwelche
Schlüsse für die Existenz oder gar die Lebenszeit des Gottes-
freundes ziehen wollte.
Die gleiche Abhängigkeit von den erwähnten Urkundenbüchern
zeigt sich bei Jakob Wimpfeling (gest 1528).^) Dieser gibt
*l Dieses bezeugt Nikolaus yoq Löwen 139*19. Seine Nachricht wird bestätigt
«iarch die Handschrift Nr. 194 der Freiburger Universitätsbibliothek, welche aus
<}en Freiborger Kloster St. Klara stammt. Außerdom kannte Johannes Meyer, wie
«r selbst zugibt, die lateinischen wie deutschen Memorialbücher der Johanniter zu
Straßburg.
*) Jacobi Winiphelingi, Catalogus episcoporum Argentinensium ad ses-
loiseculum desideratus. restituit Johannes Michael Moscherosch. Argeutorati 1651.
^' 96: ^Sab hoc Lamb^rto [episcopo] anno Christi septuagesimo primo post mille-
simtini et trecentesimum Joannitae in domum viridis insulae, vulgo zu dem Grienen-
Werd, Argentinae in subnrbano currificum recoepti sunt: quae dudum a Wemhoro
S€Qe8calco Hunenbergensi anno millesimo ducontesimo tricesimo tertio pro canonicis
^^Solaribas fundata eiusque ecclesia anno paulo post quinquagesimo secundo deo di-
eata perhibetnr. Verum postquam aliquot annos domus illa in manibus vel canoni-
cornm regularium vel monachorum ordinis sancti Benedicti fuisset, sensim cum ipsa
f^lisione deftcere coepit. Tum Rulmannus Delphinus lingua nostra Merschwin civis
•^Dtoracensis saeculi pertaesus et in amore Dei fervescens fundum patrimoniique
^^iptrtem pro ampliftcandis loci illius aediüciis tradidit Joannitis sacordotibus Chri-
stique ministris. Fnit Bulmannus ille miris visionum revelationumque gratiis illastratus.
^P^cola quaedsm scripsit (licet in Germanica lingua) devotis admodum utilia et ad
coiit«mplationem aptissima: cum piis fratribus eodem in loco pie rixlt foeliciter
»pud ipsM reqniescens . . .*
8
uns in seinem „Catalogus episeoporum^^ einen kurzen Überblick
über die Vorgeschichte des Johanniterhauses zu Straßburg und
vervollständigt das Lebensbild Rulmann Merswins. Er weist vor
allem hin auf die geheimnisvollen Visionen und Offenbarungen
Rulmanns und empfiehlt allen die Lesung seiner hinterlassenen
Schriften, die für gottinnige Seelen nützlich und wertvoll sind.
Jakob Twinger von Königshofen auf der einen, Jakob
W i m p f e 1 i n g auf der anderen Seite bilden die Quellen, aus denen
alle späteren elsässischen Chronisten schöpfen. Neues über den
Gründer und die Gründung des Johanniterhauses wissen weder
Maternus Berler noch Sebastian Büheler, weder Jakob
Trausch noch Johann Wencker^) noch auch der berühmte
Daniel Schöpflin^) zu erzählen, nur Grandidier*) zeichnet
noch einige weitere Züge zum Bilde der Gründungsgeschichte von
Grüiienwörth, doch auch sie beruhen ganz auf den Nachrichten
der genannten ürkundenbücher.*)
So weisen uns alle elsässischen Chronisten auf die Memorial-
oder Urkundenbücher des Straßburger Johanniterhauses und deren
kritische Untersuchung, wenn wir uns ein selbständiges Urteil
über die Gottesfreund- und Rulmann Merswin-Frage bUden wollen.
Von den Geschichtsschreibern, welche sich mit Ordensgeschichte
befassen, sei hier nur Helyot^) erwähnt, der in unserer Frage
sich ausschließhch auf Urkunden stützt. In nüchterner aber durch-
aus zuverlässiger Darstellung berichtet er die Gründung von
Grünenwörth und betont vor allem die Ausnahmestellung, welche
dieses Haus in der Wahl des Komtur beansprucht, was auf eine
besondere Bestimmung Rulmann Merswins, des Stifters, zurück-
zuführen sei. Daß Rulmann aber mystische Traktate geschrieben
oder ein besonders gottgeweihtes Leben geführt habe, ist ihm
unbekannt.
^) L. Dacheux, Les Clirouiques Strasburgeoises de Jacquos Trausch et de Jeaa
WcDcker. IV, 3; V, 97, 123.
2) Schöpflin, Alsatia illustrata. Koliuar 1751/Gl. II, 296, 622.
') Grandidier, Oeuvres historiques inedites. Kolmar 1865 flf. III, 21 ; IV, 249.
*) Vgl. Tor allem Ingold, Nouvelles oeuvres inedites de Grandidier V (1900),
25 ff. Tgl. auch L. Laguille, Histoiro de la prorince d'Alsace. Strassbourg 1727
S. 307. Walther Strobel, Vaterländische Geschichte des Elsasses. Straßburg
1841 ff.
*) Holyot, Hi3toire des ordres monastiques III, 115.
Den ersten Ansatz zu einer kritischen Behandlung der Gottes-
freundfrage finden wir bei Qu6tif-Echard in den „Scriptores
Ori Praedicatorum.^^ i) Hier handelte es sich um die Untersuchung
der Frage, ob Tauler der im Meisterbuch genannte und von
dem Gottesfreunde bekehrte Meister der HeiUgen Schrift sei. Die
Frage wird verneint, und die ganze Erzählung des Meisterbuchs
als Parabel aufgefaßt, aber das gewonnene Resultat zu weiteren
Schlüssen und Folgerungen nicht verwertet
Mit dem Aufleben der germanistischen Studien wurde auch
der üottesfreundfrage erneute Aufmerksamkeit gewidmet Erst
von den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts an kann man darum
von einer systematischen Behandlung der genannten Frage reden,
deren nähere Entwicklung zu verfolgen sehr lehrreich ist Den
Anstoß dazu gab der in vieler Hinsicht um die deutsche Mystik
verdiente Straßburger Professor Karl Schmidt In den Jahren
1839-66 veröffentUchte er aus den ürkundenbüchem des Johan-
nilerhauses in fast ununterbrochener Reihenfolge ausgewählte
Schriften des Gottesfreundes und Rulmann Merswins, denen zum
Teil ergänzende Darstellungen und Untersuchungen beigegeben
wurden.«) In kurzer Zeit hatten S c hm idt's Ansichten über den
Goltesfreund vom Oberland und dessen geheimnisvolles Wirken
den Siegeslauf durch die deutsche Literatur gehalten. Wacker-
nagel und Lütolf, Denifle und Preger») standen zuerst
') Quetif et Echardf Scriptores ordiois Praedicatorum. Paris 1719. I, 677.
*) K. Schmidt, Über den wahren Verfasser des dem Mystiker Suso zuge-
scbribenen Buches von den neun Felsen (Ztschr. f. hist. Theologie 1839. II, 61). —
Denelbe, Plaintes d*un laXque allemand du quatorziöme siecle sur la decadence de la
cbreüente. Strasbourg 1840. — W. Röhrieb, Die Gottesfreunde und die Winkeler
MJ Oberrhein (Ugon's Zeitschr. f. hist. Theologie 1840, 2. Heft, 118 ff.). — Karl
Scbmidt, Johannes Tauler. Hamburg 1841. — Derselbe, Die Gottesfreunde im
^^' Jabrhundert, Historische Nachrichten und Urkunden (Beiträge zu theol. Wissen«
■Khafton T. Rouss u. Cunitz), Jena 1854. — Derselbe, Bulmau Merswin, le fondateur
de la maison de St. Jean de Strassbourg (Revue d'AIsace) 1856. — Derselbe: Niko-
ns von Basel und die Gottesfreunde (Basel im 14. Jahrhundert) Basel 1856. —
^n«lbe: Das Buch yon den Neun Felsen von dem Straßburgor Bürger Rulman
Menwin 1352, nach des Verfassers Autograph herausgegeben. Mit einem Facsimile
^OQ Kerswins Handschrift. Leipzig (Hirzel) 1859. — Derselbe: Nikolaus von Basel
Üben and ausgewählte Schriften. Wien 1866.
^ W. Wackernagel, Die Gottesfreunde in Basel (Beiträge zur vaterländischen
^•«Aichte n. Bd. 111 ff.) Basel 1843. — W. P reger, YorarbeitÄiv zu ömvii Qi<i.
10
ganz auf seiner Seite. Es dauerte geraume Zeit, bis die histo-
rische Kritik erwachte, um die Fehler nach und nach gutzu-
machen, die allein Schmidt verschuldet hatte, indem er ohne
jedes kritische Verständnis bei der Edition einzelner Schriften
eine ganz willkürliche Auswahl getroffen und Rubriken und Text,
ohne eine Anmerkung beizufügen, nach eigenem Gutdünken ver-
änderte. So war es kein Wunder, wenn alle Forscher, die per-
sönlich keine nähere Einsicht in die Handschriften nehmen konnten,
auf Irr- und Abwege geführt wurden. Schmidt hatte sodann
dem Gottesfreunde im Oberlande, dessen Namen während fünf Jahr-
hunderten niemand kannte, den Namen „Nikolaus von Basel**
beigelegt und ohne die Bedenken von Qu^tif-Echard in
den Scriptores Ord. Praedicatorum oder die Ausstellungen von
Pischon^) zu beachten, den in den Urkundenbüchern des
Johanniterhauses unbenannten Meister des Meisterbuches abermals
mit Johannes Tau 1er identifiziert.
Gegen Schmidt's Annahme, daß der Laie Nikolaus von
Basel mit dem Gottesfreunde vom Oberlande identisch sei, ver-
hielt sich zunächst Preger ablehnend (1869). Ihm stimmte
Denifle bei, der Pregers Untersuchung noch erweiterte und
vertiefte (1870, 1876). Für den Beweis stützen sich Preger
wie Denifle unter anderm auf die obenerwähnte Notiz Johan-
nes Meyer's in seinem Leben der Margareta von Ken-
zingen, deren Wert jedoch durch unsere obigen Ausführungen
eine wesentlich andere Beleuchtung erfahren hat. So richtig aber
sonst der Beweis Preger's und Denifle's geführt war, so ließ
sich Schmidt doch nicht von seiner ursprünglichen Ansicht ab-
bringen. Im Jahre 1875 veröffentlichte er abermals einen Traktat
schichte der deutschen Mystik im 13. und 14. Jahrh. (Zeitschr. f. hist. Theologie 1869
I, 100; 137). — H. Denifle, Der Gottesfreund im Oherlande und Nikolaus von
Basel [Hist. polit. Blatter Bd. 75 (1870)]. — Horman Rabergh, Nikolaus of
Basel, 2 akademische Abhandlungen. Helsingfors 1870/1872. — W. Wackern agel,
Kleine Schriften (Leipzig 1873). II, 146-188. — A. J u n d t , Histoire du PantheifJme
populaiiO au moyen ago et au seizi^me siöclu. Paris 1875. — A. Lütolf, Tübinger
theolog. Quartalschrift 4 (1876), 580-582. — Derselbe, Die Gottesfreunde im Oher-
lande [Jahrb. f. Schweizer Geschichte Bd. 1 (1876iJ. — H. Denifle, Das Leben
der Margaretha von Kenzingen (Ztschr. f. deutsches Altertum Bd. 19 (1876)].
*) P i s c h 0 n , Über Johannes Taulsr (von der Hagen, Neues Jahrb. der Berlin.
Gesellschaft f. deutsche Sprache) Berlin 1836. I, 277.
11
mit der Überschrift: „Nikolaus von Basel Bericht von der Be-
kehrung Taulers." 1) So unscheinbar diese Edition war, so bil-
dete sie doch den Anlaß, die vollständige Umwälzung der von
Schmidt vertretenen Ansicht über den Gottesfreund vom Ober-
lande herbeizufuhren. Diese Umwälzung vollzog sich in den
Jahren 1879—1881 und zwar durch die trefflichen Arbeiten
Denifle's, die er in den „Quellen und Forschungen zur Sprach-
und Kulturgeschichte'* und in der „Zeitschrift für deutsches Alter-
tum und deutsche Literatur** niedergelegt hat. 2) Was Denifle
hier der gelehrten Welt geboten hat, gehört ohne Zweifel mit zu
dem Besten, was die neuere historisch-kritische Methode geleistet
hat Sein Resultat, zu dem er Schritt für Schritt geführt wurde,
lautete: Tauler ist nicht der unbenannte Meister des Meister-
buchs, der Gottesfreund vom Oberlande hat überhaupt nicht
existiert, Rulmann Merswin ist vielmehr der Verfasser der frag-
lichen Schriften und der Schöpfer der Gestalt des Gottesfreundes.
Ruhnann Merswin ist darum ein Betrüger, der seine ganze Um-
gebung betrogen und zum besten gehalten hat
Wäre Denifle wie Schmidt und nachher Jundt in der
Lage gewesen, die in Frage kommenden Handschriften näher zu
untersuchen, so würde ohne Zweifel schon damals die ganze Gottes-
freundfrage ihre richtige und endgiltige Lösung gefunden haben.
So aber mußte sich D e n i f 1 e auf die völlig unzuverlässigen und
unvollständigen Texte Schmidt's stützen, und darum dürfen wir
') Karl Schmidt, Nikolaus vou Basel Bericht von der Bekehrung Taulers.
S^burg 1875.
*) Heinrich Seuso Denifle, Taulers Bekehrung kritisch untersucht (Quellen
°Qd Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, herausg.
'•Scherer Bd. 36, 1879). — A. Jundt, Los amis de Dieu au quatorzieme siecle.
Paris 1879. — Denifle, Antikritik gegen A. Jundt, Les amis de Dieu (Hist. pol.
ßlitter Bd. 84, 797 ff.) 1879. — J. Baechtold, „Gottesfreund** |Allgem. deutsche
lie Bd. 9 (1879)]. — M. Rieger, Die Gottosfreundo in dem Mittelalter.
)erg 1879. — Denifle, Die Dichtungen des Gottesfreundes im Oberlande
(Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur NF. Bd. 12. 1:3). 1880.
18S1. — L. Tohlor, Die Sprache des Gottesfroundes im Oberland (Anzeiger f.
Schweizer Geschichte 1830 S. 224-245). — Denifle, Merswins Betrug in der
Gottesfreundfrage [Deutsche Literatur Zeitung 1 (1880) Sp. 244/5J, — W. Proger,
*olm»nMer«win [Herzoges Roal-Encyklopädio 13 (1884), 102-105J. — Ph. Strauch,
^BUUi Merswin |Allg.Doutsche Biographie 21 (1885), 459-4t)8\.
12
uns nicht wundern, wenn seine Untersuchungen nicht zum richtig«
Ziele führten.
Durch D e n i f l e's Arbeiten wurde zunächst das Werk J u n d t
Les amis de Dieu antiquiert, als es kaum das Tageslicht e
blickt hatte, trotzdem in einem beigefügten Epilog Denifle
Beweise zu widerlegen versucht wurde. Bald darauf sah si<
Jundt selbst genötigt, seine Ansicht über den Gottesfreund vo
Oberlande und seine Genossen aufzugeben, aber nur um eii
noch unglücklichere Hypothese aufzustellen, i) Es fiel ihm :
schwer, Rulmann Merswhi für einen Betrüger zu halten, wo do<
alle Schriften so deutlich die Sprache der Ehrüchkeit zu red<
schienen. So faßte er Rulmann Merswin als einen Geisteskrank«
auf, der an die Existenz des Gottesfreundes geglaubt und zi
Verwirklichung seiner fixen Ideen ein bemitleidenswertes, in Wal
befangenes Leben geführt hat.
Einen neuen Ansturm gegen D e n i f 1 e's Resultate untemah
Preger im dritten Bande seiner Geschichte der deutschen Mystik.
Was jedoch Preger hier Neues bot, war keineswegs imstand
die viel gründlicheren Studien De nifl e's umzustoßen, wenn die
auch in mancher Hinsicht eine Berichtigung durch Preger e
fahren haben. Denifle's Anschauung drang vielmehr in al
Darstellungen zur deutschen Literaturgeschichte ein und die b'
deutendsten Gelehrten nahmen dieselben an. Nach seinem Vo
gange haben sich Philipp Strauch und Fr. Lauchert b
dingungslos gegen Preger ausgesprochen. »)
So verschiedenartig nun auch die angeführten Studien üb«
die Gottesfreundfrage sind, so haben sie doch z w e i Hauptpunk
mit einander gemeinsam:
1. Alle bisherigen Untersuchungen haben die Gottesfreum
frage als eine für sich bestehende Frage behandelt, losgelöst v(
der Geschichte des Johanniterhauses zu Straßburg, obwohl d
ganze Tätigkeit des Gottesfreundes aufs innigste mit der Geschieh
*) A. Jundt, Kulman Merswin ot Tarui de Dieu de l'Oberland. Paris 1811
*) Wilhelm Preger, Geschichte der deutschen Mystik. III. Teil (Taul
Per Gottesfreund vom Oberlande. Merswin). Leipzig 189G.
*) Ph. Strauch, Kritik über Pregcrs Geschichte der deutschen Myst
Bd. 3. (Deutsche Literatur-Zeitung 1893 Sp. 717 ff.). — Fr. Lauchert, I
Gottesfreundes [= Ruluiau MerswinsJ Buch von den zwei Mannen. Bonn 1896.
13
von Grunenwörth zusammenhängt, und wir nur durch die Me-
morial- oder ürkundenbücher dieses Hauses Kenntnis von dem
Leben und den Schriften des Gottesfreundes vom Oberlande und
seinen Beziehungen zu Rulmann Merswin haben.
2. Allen bisherigen Untersuchungen fehlte es an einem festen
Untergründe, der erst durch eingehende Untersuchung der ge-
nannten Handschriften und ihrer Überlieferung geschaffen werden
muß. Weder der vollständige Inhalt noch Zweck und Zeit der
Entstehung der Handschriften oder auch die Frage nach deren Ver-
fasser ist jemals gründlich und im Zusammenhang behandelt
worden. Ohne aber hier zuerst Klarheit geschaffen zu haben,
werden alle Untersuchungen über einzelne Textbestandteile der
Handschriften wie z. B. über das Meisterbuch oder die Neun Felsen,
mehr oder minder mangelhaft, ja sogar fehlerhaft sein müssen.
Auf diese empfindlichen Lücken in der Behandlung der Gottes-
freundfrage hat der Verfasser vorliegender Studie zuerst in zwei
Äufeätzen in der Oberrheinischen Zeitschrift aufmerksam gemacht^)
und zugleich in kurzen Strichen das neue Resultat gezeichnet:
Nicht Rulmann Merswin ist der Betrüger und der Erfinder der
Gestalt des Gottesfreundes vom Oberlande, sondern dessen ver-
trauter Schreiber N i k o 1 a u s vonLöwen, der durch seine nach
dem Tode Rulmanns vorgenommenen Fiktionen und Fälschungen
Stifter und Stiftung von Grunenwörth verherrlichen und die Brü-
der durch Hinweis auf das erhabene Vorbild ihres Stifters zu
einem gottesfürchtigen Leben aneifern wollte. Gleichzeitig hatte
Strauch die Frage aufs neue aufgegriffen, um durch Veröffent-
lichung und Erläuterung einzelner Traktate den Weg zur end-
gültigen Lösung zu ebnen.*) Wenn sein Weg nicht zum ge-
wünschten Ziele führen kann, so liegt der Grund wie bei allen
übrigen Untersuchungen darin, daß dabei vorausgesetzt wird, was
') Karl Rieder, Zur Frage der Gottesfreuiide. I. Rulinaii Merswin oder Niko-
'*ös Ton Laufen? IL Bischof Heinrich IIL von Konstanz und die Gottesfreuude.
IZeitßchr. f. Gesch. des Oberrheins NF. 17 (1902), 205, 480J.
') Philipp Strauch. Zur Gottesfreundfrage. I. Das Neunfelsenbuch. [Zeitschr.
Ueutsche PhUologrie Bd. XXIV (1902), 235-3111. IL Schürebrand. Ein Traktat
^ dem Kreise der Straßburger Gottesfrounde. Herausgegeben von Ph. Strauch.
(Sonderabdruck aus der Festgabe, der germanistischen Abteilung der 47. Versammlung
deutscher Philologen und Schulmänner in Halle zur Begrüßung dargebracht.) Halle
^i«»jer) 1908,
14
erst bewiesen werden muß, daß nämlich Rulmann Merswin wirk-
lich irgend einen Anteil an der Abfassung der sog. Gottesfreund-
schriften hat. Die folgende Untersuchung wird zeigen, daß vod
irgend welchem Anteil Rulmann Merswins an der Abfassung odei
Interpolation der sog. Gottesfreundschriften und darum von einer
Fälschung Rulmanns überhaupt nicht die Rede sein kann, und
sie wird klarlegen, wie es kam, daß Rulmann Merswin, der Stiftei
dei Johanniterhauses zum Grünenwörth, als Gottesfreund ausge-
geben wurde, der mit andern Gottesfreunden in heimlichem Ver-
kehre gestanden, ihre Schriften abgeschrieben und an andere weiter
verbreitet habe. Der Weg dazu soll zunächst durch die Unter-
suchung der in Frage kommenden Memorialbücher gebahnt werden, i)
') Meine kurzen Aufsätze haben von den Kritikern eine ganz verschiedene Auf-
nahme erfahren : Strauch steht meinen Ausführungen äußerst skeptisch gegen-
über, vgl. Schürebrand S. 55. — Kothe, Kirchliche Zustände Straßburgs im vier-
zehnten Jahrhundert. Ein Beitrag zur Stadt- und Kulturgeschichte des Mittelalters.
Froiburg (Herder) 1903. S. 87 urteilt: Die Behandlung der Frage durch Riedel
und die bisher beigebrachten Gründe allgemeiner Art sind in hohem Maße ansprechend;
„von großer Bedeutung für die neue Ansicht wird es sein, die Unechtheit der in
Betracht kommenden Urkunde des Konrad von Brunsberg aus dem Jahre 1385 über-
zeugend nachzuweisen.** Damit hat K o t h e ganz richtig die Notwendigkeit betont,
dal) zuerst auf historisch-kritischem Woge der Boden für eine erfolgreiche philogisch-
sprachliche Untersuchung geobuet werden muß. — Lucian Pfleger, hält in seinei
Rezension Ober Kothos Arbeit meine Ausführungen „bis auf ausführlichere Begründung
doch noch zu problematisch** (Historisches Jahrbuch 1903 II. S. 402). lu zustim-
mendem Sinne sind sodann die Besprechungen, welche Hans Kaiser meinen Skizzen
in der Historischen Zeitschrift LXXXIX, 89, 351, 541 angedeihon läßt.
IL
Die Memorialbücher von Grüneiiwörth nach
Entstehung und Verfasser.
A. Die Memoriale im Einzelnen.
L Das Große Deutsche Memorial.
a) Die Handschrift des Großen Deutsehen Memorials in einem
Ledereinband des 18. Jahrhunderts enthält nach moderaer Nume-
rierung 280 Pergamentblätter. Die Höhe eines Blattes beträgt 29,
die Breite 20 Va cm. Das Corpus der Handschrift besteht aus 23
Lagen (Bl. 7-275) zu je 6 Doppelblättern, denen vorn (Bl. 1-6)
% Lage mit 3 Doppelblättern und am Schlüsse (Bl. 276-280)
5 Blätter beigefügt sind. Nach dem ursprünglichen Plane des
Schreibers umfaßte die Handschrift bloß i|a + 11 Lagen, d. h. die
Blätter 1-130. Später fügte der Schreiber noch einen 2. Teil,
Bl. 131-280 oder Lage 12-23 + 5 Bll. hinzu.
Jede Seite des Pergamentblattes ist liniiert und enthält 43 Zeilen
über den noch deutlich erkennbaren Linien. Die Blätter 7-9"^ haben
J6 53 Zeilen, weil hier der Schreiber mit dem ihm zur Verfügung
stehenden Räume rechnen mußte. Am Anfange der Handschrift
stehen die Buchstaben ziemlich weit auseinander, während sie
später etwas enger zusammen gerückt sind.
Die Handschrift ist in der sog. gothischen Schrift und im all-
gemeinen sehr sorgfältig und schön geschrieben. Korrekturen,
'üe durch Auslassen von Wörtern notwendig wurden, sind am
Rande beigefügt, Fehlerhaftes radiert oder übergeschrieben, Doppel-
wörtep ein&ch durchstrichen.
16
Die Rubriken sind mit roter Farbe gemalt und die Anfangs-
buchstaben innerhalb des Textes in üblicher Weise rot unter-
strichen d. h. durchstrichen. Auf der Vorderseite jedes Blattes
steht oben in der Mitte eine römische Zahl in Rotschriit Diese
Zahl bezeichnet im ersten Teile der Handschrift (Bl. 10-130) die
Nummer des Traktats (I-XVI), der auf den betreffenden Blättern
enthalten ist; im zweiten Teile dagegen (Bl. 130*^ ff.) die Kapitel-
zahl des betreffenden Traktats.
Die Handschrift enthält einige kunstvoll ausgeführte, wertvolle
Initialen: Bl. 1^ das Bild des hl. Jakobus in das Anfangs-D ein-
gemalt; Bl. 2», 2** und 4^ je ein kleineres verziertes D. Auf Bl. 5^
ist das Wappen der Herren von Hüneburg gemalt Auf Bl. 6*
(Titelblatt der Hs.) befindet sich ein großes gemaltes D mit dem
Johanniterwappen: weißes Kreuz in rotem Feld. Die ganze Seite
ist in roter Farbe geschrieben und mit verschiedenen Farben
umrahmt In die Verzierung ist das Wappen Rulmann Merswins
und der Johanniter eingefügt In der gleichen Weise wie 6* ist,
6^ (Urkunde des Konrad von Braunsberg 1385) umrahmt und mit
gemalter Initiale' W geschmückt.
In späterer Zeit wurde auf die Innenseite des Vorderdeckels
das „Ex libris" des Johanniterhauses aufgeklebt, das eine Ge-
samtansicht des Straßburger Johanniterhauses von Grünenwörth
vor seiner Zerstörung im Jahre 1633 darstellt
Im 18. Jahrhundert wurde die Handschrift neu gebunden,
wobei die Seiten beschnitten wurden, so daß die ursprüngliche
Lagenzählung nicht mehr zu erkennen ist Nur auf der Rückseite
einiger Blätter unten links sind noch einige arabische Zahlen (1-6)
erkennbar, welche ursprünglich zur Zählung der Blätter der ein-
zelnen Lagen dienten.
b) Dem Inhalte nach zerfällt das Große Deutsche Memorial
in seiner jetzigen Gestalt in drei Teile, die sich in folgendem Schema
übersichtlich darstellen lassen.
I. Geschichtliche Einleitung, Bl. 1-5 (3*1'14*14):
a) 1-4* C^* 1-12*4): Heinrich Blankhart von Löwen be-
treffend.
b) 4^-5^ (12*0-14* 14): Werner von Hüneburg betreffend.
17
IL Hau pt teil: 19 Mystische Traktate, Bl. 6«-262 (14*16-43*6):
1. 6^'9^(14* 16-23*34) : Vorbemerkungen zum ganzen Hauptteil.
a) 6* (14*16-15*3): Titel des Buchs.
b) 6^ (15*4-16*10): Urkundliche Beglaubigung desselben
durch Konrad von Braunsberg.
c) 7*-9* (17*1-23*34): Spezielle Einleitung und Inhalts-
verzeichnis des Hauptteiles.
2. Erster Teil: 9^-130* (24*1-35*17): 16 Traktate mit kurzer
Einleitung.
a) 9^-106^ (24*10-32*15): 12 Traktate des Gottesfreundes
vom Oberlande, welche er Rulmann Merswin sandte.
b) 106^-130* (32*16-35*17): 4 Traktate Rulmann Merswins.
3. Zweiter TeU: 130^.262t> (35*19-43*6): 3 Traktate mit
kurzer Einleitung.
a) 130^-192' (36*15-39*35): Neun Felsen.
b) 192^-229» (39*36-42*2): Zwei-MannenbucL
c) 229^-262^ (42*4-43*6): Meisterbuch.
4. Dritter Teil: 262»>-274^ (43*9-45*9): Nachtrag: 4 Traktate.
a) 262*>-272» (43*9-36): Traktat des Gottesfreundes vom
Oberlande, den er Rulmann Merswin sandte.
b) 272*-273» (44*1-18): „NüUliche letze".
c) 273*-273*> (44*20-36) : Gebet zum Leiden unsers Herrn.
d) 273^-274»> (44*37-45*9): Warnende lere Taulers.
Hl. Schluß: Gedichte, Bl. 274»'-280^ (45*10-47*30):
1. 274^-276* (45*11-35): Ermahnung und Gebet in Reimen.
2. 276* Nachtrag (46*1-12): Tod Konrads von Braunsberg.
3. 277^-280^ (46*14-47*30): Zwei Gedichte im Anschluß an
zwei Gemälde vom jüngsten Gericht.
c) Ihrer Entstehungsart nach bildet den ersten und ur-
sprünglichen Teü der Handschrift Bl. 7^-130^ (17*1-35*17), d.h. die
16 Traktate mit Einleitung und Inhaltsverzeichnis. Jedoch begann
der Schreiber nicht mit Bl. 7* (17*1), sondern ließ zunächst in
der 1. Lage Bl. 7^-9* frei und begann mit Bl. 9^ (24*1), d. h.
öiit dem Text der Traktate, um bis Bl. 130^ (35*17) durchzu-
sehreiben, wozu insgesamt 11 Lagen Pergament notwendig waren.
J^ blieben von der 11. Lage Bl. 130^ und 131 noch unbe-
sehrieben. Dann beschrieb der Schreiber Bl. 7»-9^ (n*l-2S*'i%V
18
welche das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung zu den so ge-
schriebenen 16 Traktaten enthalten. Aus Furcht, der freigelassene
Raum dieser 2^|2 Blätter könnte für das umfangreiche Inhaltsver-
zeichnis nicht ausreichen, mußte der Verfasser ziemlich enge
schreiben und liniierte darum die Seite statt der sonst üblichen
43 Zeilen mit 55 Zeilen. Der Platz reichte jedoch so reichlich,
daß noch % des Blattes 9* leer blieben. Wie aus einer Bemerkung
auf Bl 130^ (35*24) deutlich hervorgeht, ging die ursprüngliche
Absicht des Schreibers dahin, die Handschrift hiermit zu beendigen.
Das Ganze hätte demnach 11 Lagen umfaßt oder seinem Inhalte
nach 16 Traktate mit Einleitung und Inhaltsverzeichnis. Höchst
wahrscheinlich war die Handschrift in diesem Umfange auch einmal
gebunden und mit einem gemalten Titelblatt versehen, das jedoch,
ganz anders lautete und lauten mußte als das jetzige. Dieses
Titelblatt auf Bl. 6 (14*16-16*10) hatte mit der ursprünglichen
Handschrift nichts gemein; seine Entstehung werden wir weiter
unten kennen lernen.
Einige Jahre später änderte der Schreiber seinen Plan und
fügte den ersten 16 Traktaten noch drei weitere, sehr umfang-
reiche hinzu : das Buch der Neun Felsen, das Zwei-Mannen- und
das Meisterbuch. Er tat dies, wie er selber schreibt, deswegen,
damit die für das Johanniterhaus zu Straßburg so wichtigen drei
Traktate „von unahtsamkeit deste minre verogesset und ouch nüt
verlorn werdent und den brüdern underzogen von uslihendes wegen'*-
(35*26). So beginnt er auf Lage 12 (Bl. 132*; 38*14) den zweiten.
Teü der Traktate und schreibt in einem Zuge bis 262^ (43*6)-
also die Lagen 12-22, wobei von der 22. Lage Bl. 263 frei ge-
blieben wäre. Die übrig gebliebenen Seiten der 11. Lage,
die Bll. 130^-131^ (35*19-38*13), benützte der Schreiber zu einer
kurzen Einleitung für die drei folgenden Traktate und ließ dann
auf Bl. 130^-131^ (36*19-37*43) das Inhaltsverzeichnis des ersten
Traktats, der Neun Felsen, folgen. Immerhin waren aber auf
Bl. 131^ noch ^Ij der Seite unbeschrieben. Dieser leere Raum
wurde später, d. h. nach Vollendung des zweiten Teils der Hand-
schrift — es ist das für die Kritik der Neun Felsen ein wichtiges
Moment — benützt, um die Bemerkung hinzuzufügen, daß Rul-
mann Merswin der Verfasser der Neun Felsen sei, wie aus
der Vergleichung dieses Traktats mit dem Büchlein der „Vier
1^
Jahre des anfangenden Lebens" hervorgehe (38*1-13). Nachdem
die drei Traktate fertig gesehrieben waren, wurden die Titel dieser
drei Traktate dem allgemeinen Inhaltsverzeichnis Bl. 9* (23*29)
beigefügt Dadurch, daß der Schreiber von seinem ursprüng-
lichen Plane abwich und einen zweiten Teil von Traktaten bei-
fügte, war manches in der Einleitung BL 7* (17*fr.)i die ja m*-
sprunglich nur für den ersten Teil der Traktate berechnet war,
nicht mehr zutreffend; es wurden Rasuren und Korrekturen not-
wendig, wie sie noch sehr deutlich in der Handschrift zu erkennen
sind (19*2 u. 19*16). Diese Korrekturen sind für die Kritik umso
wichtiger, als sie gerade an solchen Stellen vorgenommen wurden,
ducch welche die Deutung und Lösung der Gottesfreundfrage zum
größten Teil bedingt ist.
Allein damit war die Handschrift noch nicht abgeschlossen.
Aus Gründen, die der Schreiber nicht angeführt hat, und die wir
auch anderweitig nicht ermitteln können, ließ der Verfasser den
drei genannten Traktaten des IL Teils noch einen Nachtrag von
vier Traktaten folgen, von denen der erste nach den Angaben des
Schreibers vom Gottesfreunde selbst herrührt, die andern jedoch
Personen zum Urheber haben, die mit Rulmann Merswin bekannt
und befreundet waren. Diesen vier Traktaten darf die Bezeichnung
ßines Nachtrags deswegen beigelegt werden, weil ihre Titel
in das allgemeine Inhaltsverzeichnis Bl. 9^ (23*34) nicht aufge-
nommen wurden, obwohl daselbst für diesen Zweck noch genügend
Raum vorhanden gewesen wäre. Die vier Traktate umfassen die
BIL 262^-274^ (43*9-45*9) d. h. die übrig gebliebenen Seiten der
22. and die ganze 23. Lage.
Den Schluß der Handschrift bildet eine Ermahnung und Gebet
In Reimen Bl. 274^-276* (45*11-38). Wie wir bei den weiter
öoch zu besprechenden Handschriften sehen werden, ist es eine
besondere Vorliebe des Verfassers, seine Werke mit einem Ge-
dichte zu schließen.
Was sonst in der Handschrift noch folgt, verdankt dem bloßen
Zufall seine Entstehung, so vor allem die Gedichte über zwei
GemäWe, auf denen das jüngste Gericht dargestellt war Bl. 277^-280^
(46*14-47*30). Die Kritik hat nur noch den nach Vollendung
der Handschrift geschriebenen Eintrag auf Bl. 275* (46*1-11) zu be-
achten, der das Lob des verstorbenen Ordensmeisters der loViaivKv\ÄT>
2T)
des Konrad von Braunsberg, verkündet. Bl. 276^ ist unbeschrieben
und scheidet so in bezeichnender Weise das eigentliche Schluß-
gedicht (Bl. 274^-276*) von den zwei anderen Nachtragsgedichten
(Bl. 277»-280»>).
Nachdem in dieser Weise die ganze Handschrift vollendet
war, fügte ihr der Schreiber vorn >|g Lage oder 6 Pergament-
blätter hinzu, benützte davon Bl. 6' (14*16) zu dem schön ge-
malten und verzierten Titelblatt und 6^ (15*4) zur Abschrift einer
Urkunde Konrads von Braunsberg aus dem Jahre 1385. Voraus-
geschickt sind geschichtliche Vorbemerkungen (Bl. l-5*)i welche teils
die Stiftung einer Jahrzeit durch Heinrich Blankhart von Löwen
und dessen Frau Luitgard zum Inhalte haben: Bl. 1^-4* (3*- 12*4),
teils die Vorgeschichte des Straßburger Johanniterhauses und
das Leben des Werner von Hüneburg behandeln: Bl. 4^-5*
(12*5-14*14). Die ganze Seite 5*> (14*15) füllt das gemalte Wappen
des genannten Marschalls Werner von Hüneburg. Nochmals sei
hervorgehoben, daß dieser Teil der Handschrift Bl. l*-6^ (3*-16*)
mit dem ursprünglichen Plane des Schreibers nichts zu tun hatte;
seine Entstehung verdankt er vielmehr einem wohldurchdachten
Plane, der sich im Schreiber erst nach und nach zu jener Klar-
heit und Bestimmtheit ausgebildet hat, wie sie das eigentliche
Titelblatt (Bl. 6) verrät.
d) Um ein sicheres Ergebnis über die Entstehungszeit der
Handschrift zu gewinnen, muß man die oben ausgeführte Art der
Entstehung wohl im Auge behalten. Jeder Teil der Handschrift
muß als ein Ganzes für sich betrachtet und darf mit keinem
andern Teil vermengt werden. Mag man nun den Hauptteil der
Handschrift, die Vorbemerkungen oder den Schluß ins Auge fassen,
so ist der Terminus post quem der Entstehung : der Tod Rulmann
Merswins, über allen Zweifel erhaben. Näherhin gelten folgende
Sätze:
1. An die Anlage der Handschrift kann vor dem Jahre 1378
nicht gedacht worden sein.
Auf Bl. 7*> (19*37 ff.) wird ausdrücklich bemerkt, Rul-
mann Merswin habe alle die deutschen Bücher, wie sie
hier geschrieben seien, 30 Jahre lang verborgen gehalten^
erst etwa 4 Jahre vor seinem Tode, d. h. um das Jahr 1378
konnte er diese Bücher, von seinem Gewissen dazu genötigt^
31
nicht mehr verbergen; er eröffnete sie den Brüdern des
Johanniterhauses und schrieb sie selber in Wachs, damit
die Brüder sie abschreiben könnten. Diese Nachricht findet
ihre Bestätigung durch zwei weitere Bemerkungen. Bl. 46*
bringt die Einleitung zu dem Traktate über die Klausnerin
„Ursula". Diesen Traktat schrieb aber ,3uleman den bru-
deren zu dem Grünenwerde mit sin selbes hant in eine wahs
tofele... des iores do men zalete von gottes gebürte drit-
zehenhundert sibentzig und süben iare" (26*13). Und von
dem folgenden Traktate, dem Leben zweier heiliger Kloster-
frauen, berichtet der Schreiber, Rulmann Merswin habe
ihn den Brüdern geschrieben „mit sin selbes hant in eine
wahs tofele... des iores do men zalete von gottes ge-
bürte dritzehen hundert sibentzig und ahte iore" (26*35).
Diese Daten aus dem ursprünglichsten Teile der Hand-
schrift genügen, um klar zu beweisen, daß der Schreiber
vor dem Jahre 1378 an die Anlage der Handschrift noch
gar nicht gedacht haben kann.
2. Der älteste Teil der Handschrift kann vor Rulmanns Tode
d. h. vor August 1382 nicht vollendet und auch vor August
1382 nicht begonnen worden sein.
Auf Bl. 7* (17*4), 7^ (20*2), 8^ (23*8), 122^ (34*7) etc.
wird überall von dem Tode Rulmann Merswins, des Stifters
des Straßburger Johanniterhauses, gesprochen. Nun starb
aber Rulmann nach völlig zuverlässigen und übereinstim-
menden Quellen am 18. Juli 1382 (188*25); dieser Teil
kann demnach vor August 1382 nicht vollendet gewesen
sein; oder, wenn wir den Anfangstermin ins Auge fassen:
Einleitimg 7*-9* und der letzte, 16. Traktat des ersten, ur-
sprünglichen Teiles der Handschrift müssen erst nachdem
Tode Ruhnann Merswins begonnen worden sein. Wenn
aber Einleitung und Schluß des ältesten Handschriften-
Bestandteils erst nach Rulmanns Tode in Angriff genommen
wurden, dann wird es keine zu kühne Behauptung sein,
wenn wir sagen, der ganze erste Teil, d. h. alle 16 Trak-
tate, und demzufolge die ganze Handschrift nach ihrem
ersten, wie ihrem zweiten Teil ist erst nach Rulmann
Merswins Tode geschrieben worden.
22
3. Die Handschrift kann in ihrem ersten Hauptbestandteile
vor dem 21. Januar 1385 vollendet gewesen sein.
Auf der Rückseite des jetzigen Titelblattes BL 6**
(15*4) steht die Abschrift einer Urkunde Konrads von
Braunsberg, die das Datum vom 21. Januar 1385 trägt
In dieser Urkunde spricht Konrad von Braunsberg von drei
Urkundenbüchern des Johanniterhauses, welche ihm als
vollendet vorlagen und deren sorgfältige Aufbewahrung
er dem Küster des Johanniterhauses wie den Pflegern
desselben ans Herz legen will. Nach der Ansicht des
Schreibers (14*16) ist aber eines dieser drei Urkunden-
bücher das hier in Frage kommende Große Deutsche Me-
morial. Ist also die erwähnte Urkunde acht, d. h. ist sie
wirklich im Januar 1385 ausgestellt worden, dann mußte
das Große Deutsche Memorial, d. h. genauer der erste
Teil desselben, im Januar 1385 vollständig geschrieben
gewesen sein. Wie wir aber weiter unten noch genauer
sehen werden, beabsichtigte der SchreÜDcr dieser Urkunde
nur die Leser durch dieselbe irrezuführen, und so beweist
sie nur, daß der älteste Teü der Handschrift vor 1385
geschrieben sein kann.
4. Das Große Deutsehe Memorial ist in seiner jetzigen Ge-
stalt nicht vor 1391 vollendet gewesen.
Da die Urkunde auf Bl. 6^ eine Abschrift eines an-
geblich am 21. Januar 1385 ausgestellten Originals ist, so
folgt daraus, daß die der Handschrift später vorgesetzte halbe
Pergamentlage nicht vor dem Ausstellungsdatum ge-
schrieben sein kann. Noch genauer läßt sich die Zeit
aus Bl. 1^ (4*39 ff.) bestimmen. Dort erwähnt der Verfasser
die Stiftungs-Urkunde einer Jahrzeit, welche am 24. Sep-
tember 1372 ausgestellt und uns noch im Original erhalten
ist. Diese Urkunde, heißt es dann weiter, fanden „die
brüd^re donoch über nüntzehen ior geschriben in dem
latine Urkunde buche'' (15*2). Diese Angabe führt uns
demnach ins Jahr 1391. Um diese Zeit, jedenfalls nicht
vorher, ist die erste halbe Lage und damit auch die Ab-
schrift der Urkunde des Konrad von Braunsberg ge-
schrieben. Desgleichen folgt daraus, daß die ganze Hand-
23
Schrift des Großen Deutsehen Memorials in ihrem ersten
wie zweiten Teile, so wie sie uns heute noch vorliegt,
nicht vor 1391 vollendet sein konnte. Da ferner die Hin-
zufügung des zweiten Teils der Handschrift mit der Bei-
Tugung der ersten halben Lage in innerm Zusammenhange
steht (vgl. 15*25 ff.), so ist klar, daß die schon im Jahre
1385 ausgestellte Urkunde Konrads von Braunsberg nicht
das Große Deutsche Memorial in seiner jetzigen, erst ums
Jahr 1391 vollendeten Gestalt im Auge haben konnte. In
das Jahr 1391 führt uns auch noch ein gelegentlicher Ein-
trag auf Bl. 276*, der die -Todesnachricht des Konrad von
Braunsberg (f 11. Dezember 1390) bringt; dieser Eintrag
kann demnach nicht vor diesem Datum, doch vielleicht
gleichzeitig, möglicherweise auch erst geraume Zeit später
geschrieben sein.
Als sicheres Ergebnis dürfen wir festhalten: Das Große
Deutsche Memorial umfaßte ursprünglich nur die jetzigen 16 ersten
Traktate (Bl. 9^-130»), welche sicher nach 1382, d. h. nach Rul-
nianiis Tode, und vielleicht zwischen 1382 und 1385 geschrieben
sind. Auf diesen Teil des Großen Deutschen Memorials konnte
die Urkunde Konrads von Braunsberg — ihre Ächtheit einst-
weilen vorausgesetzt — Anwendung finden. Um das Jahr 1391,
erlitt die Handschrift eine Veränderung dadurch, daß ihr ein
neuer zweiter Teil hinzugefügt wurde. Die Folge war, daß Titel
und Einleitung der Handschrift — die jetzige erste halbe Lage
umfassend — ebenfalls umgeändert werden mußten. Die ganze
Umwandlung vollzog sich demnach nach dem Tode Konrads von
Braunsberg, dessen obengenannte Urkunde darum auch auf das
völlig umgestaltete Große Deutsche Memorial keine Anwendung
mehr finden konnte.
e) Schrift und Inhalt, Anlage und Durchführung der Handschrift,
die trotz der verschiedenen auseinanderzuhaltenden Bestandteile
durchaus einheitlich und nach einem ganz bestimmten Plane an-
gelegt ist, lassen keinen Zweifel daran, daß nur eine Person als
Redaktor angenommen werden kann.
Schon ein flüchtiger Blick in den Inhalt der Handschrift
muß jeden überzeugen, daß ein Bruder des Johanniterhauses, der
die Geschichte von Grünenwörth von den Tagen der GtVÄvd\Äv%
an durch Rulmann Merswin persönlich miterlebte, der in inniger
Beziehung zu Heinrich Blankhart von Löwen noch mehr aber
zu Rulmann Merswin stand und diesem in den Tagen seiner letzten
Krankheit hilfreiche Dienste leistete, der Redaktor des Großen
Deutschen Memorials gewesen sein muß. Dieses ist aber kein
anderer als Nikolaus von Löwen. Er selbst führt sich in
der ersten Person als Schreiber der Handschrift ein BL 1^ (4*17);
2* (6*14). Noch deutlicher spricht die Stelle 10*24, wo es heißt:
„alse ich brüder Clawes von Löfene ir executor (des Heinrich Blank-
hart von Löwen und dessen Frau) wol weis und mir von in
beiden us güteme getruwende uf mine consciencie befolhen wart,
daz mich öch zu diseme schribende getrungen het" An
andern Stellen führt sich Nikolaus von Löwen in der dritten
Person ein: Bl. 3» (9*12); 4* (11*18); 5* (13*29) und nennt als
seine Verbündeten „brüder Qawes Läpp" und „brüder Heintze
von Andelo", welche neben Nikolaus von Löwen die ersten und
ältesten Konventbrüder des Johanniterhauses zum Grünenwörth
waren. Seinen kurzen Lebenslauf erzählt Nikolaus von Löwen
selbst in seiner Autobiographie, welche uns am Schlüsse des Bhef-
buchs (156*26 ff.) erhalten ist. Keine andere Geschichtsquelle weiß
sonst etwas über ihn zu berichten und selbst das Totenbuch des
Johanniterhauses hat unter dem 3. April nur den kurzen Eintrag :
„Ob. frater Nicolus de Löfen, primus conventuaUs huius domus,
ao. d. 1402. hie sepultus". Um so dankbarer müssen wir sein, daß
er uns wenigstens die wichtigsten Daten seines Lebens überliefert
hat. Wir verdanken dies dem Umstände, daß er selbst großen
Wert darauf legte, bei den Johannitern von Grünenwörth nicht
vergessen zu werden. Darum schrieb er seine Autobiographie
nicht allein an das Ende des Brief buchs, sondern, wie er selbst
sagt, auch in „etliche andere Bücher" (157*15).
Wenn er von sich spricht, nennt er sich überall „Claus
von L ö f e n e" oder lateinisch „Nicolaus de Lovania". Seine
Heimat ist demnach Löwen in der Provinz Brabant. Geboren am
19. Mai 1339 kam er mit 20 Jahren unter die Tuchlaube vor
dem Straßburger Münster zu Heinrich Blankhart von Löwen,
der eines Todschlags wegen die Heimatstadt hatte verlassen müssen
und sich als Tuchhändler in Straßburg niederließ. Sieben Jahre
war Nikolaus von Löwen in seinen Diensten als Schreiber für
25
kaufmännische Zwecke. Am 17. Oktober 1366 trat er in der-
selben Eigenschaft in die Dienste Rulmann Merswins, eines ebenso
angesehenen wie reichen Straßburger Kaufmanns. Nicht lange
darauf änderte er Beruf und Lebensstellung. Mit Rücksicht auf
die Erwerbung der Hofstätte zum Grünenwörth durch Rulmann
tritt er in den geistlichen Stand, wird am 13. Dezember 1366
Äkoluth, am 19. Dezember 1366 Subdiakon (epysteler), am 12. Juni
1367 Diakon und am 18. September desselben Jahres Priester.
Am anderen Tage feierte er seine Primiz in der Kirche der
Karthäuser zu Straßburg. In der Folgezeit ist sein Leben aufs
engste mit Rulmann und der Geschichte von Grünenwörth ver-
bunden. Als darum Rulmann die Hofstätte zum Grünenwörth
den Johannitern überläßt, wird er selbst Johanniter, am Tage
Johannes des Täufers 1371, um so eine Stütze für Rulmann und
dessen Pläne bilden zu können, wie wir später des weiteren sehen
werden.
f) Den Zweck, den der Redaktor bei Anlegung der Hand-
schrift verfolgte, hat er selbst in der Einleitung angegeben : jeder-
mann sollte aus ihrem Inhalte ersehen, daß die Gründung des
Straßburger Johanniterhauses „ein sonderlich userw^elt, gnodenrich
werg gottes" (17*15) ist, und darum „die löbeliche wirdikeit
und den tröstlichen fruhtberen anstadel dis huses zu dem Grünen-
werde" (17*14) anerkennen. Vor allem sollten die Brüder des
Hauses ihre beiden Stifter, Rulmann Merswin und den Gottes-
freund vom Oberlande, nie vergessen, durch die Gott so Wunder-
bares gewirkt hat Daneben haben aber auch die Brüder in den
Schriften, die beide Stifter ihnen hinterlassen haben, das beste
Vorbild für ihr eigenes Leben, ein jeder nach seiner natürlichen
Anlage und seinen geistigen Bedürfnissen. Bei Geistlichen wie
Laien soll darum die Liebe zum Johanniterhause immer mehr
wachsen, auf daß sie alle würdige Nachfolger bilden der „mine-
richen, erlühteten" Stifter ihres Hauses.
Nikolaus von Löwen verfolgt also mit dem Großen Deutschen
Memorial in seiner vollendeten jetzigen Gestalt einen zweifachen
Zweck, einen historischen: Gründer und Gründung von Grünen-
wörth zu verherrlichen, und einen asketischen: den Brüdern
des Hauses ein Beispiel für alle Lebenslagen vor Augen zu stellen.
Deswegen sollte auch diese Handschrift zu „einem ewig^^ti ^otvö-
26
rial" (14*36) auf der Hofstätte zum Grünenwörth bleiben, dessen
persönliches Eigentum sich niemand anmaßen dürfe.
g) In Anbetracht der verschiedenen Teile, aus welchen das
Große Deutsche Memorial zusammengesetzt ist, muß man wol
beachten, welche Vorlagen Nikolaus von Löwen zu den ein-
zelnen Teilen benützte.
Der erste älteste Teil spricht von einem Lateinischen Memo-
rial, dessen Inhalt des nähern angegeben ist (17*25 flf)- Dieses
Lateinische Memorial ging dem Großen Deutschen Memorial zeit-
lich und sachlich voraus, da sein Inhalt den Untergrund für das
nun folgende Große Deutsche Memorial bilden mußte. Ohne das
Lateinische Memorial wären die Schriften des Großen Deutschen
Memorials nicht verständlich, da die Geschichte des Johanniter-
hauses sowie das Leben der beiden Stifter, Rulmann Merswins
und des Gottesfreundes vom Oberlande, zum vollen Verständnis
ihrer Schriften notwendig war.
Der später hinzugefügte zweite Teil des Großen Deutschen
Memorials erwähnt bereits „drei gemeine memorial bücher" (36*7),
d. h. außer dem Lateinischen- und Großen Deutschen Memorial
noch ein „kleines deutsches buch" (35*26), dessen Inhalt wir aus
14*29 ff. (vgl. 12*4; 14*4) erfahren. Es enthielt alle Materien des
Ersten Lateinischen Memorials ausgenommen Neun Felsen, Zwei-
Mannenbuch und Meisterbuch, hat aber dafür „drei artikel" mehr,
welche die drei Gelübde Keuschheit, Gehorsam und Armut be-
handelten, die im Lateinischen- wie im Großen Deutschen Me-
morial fehlten. Ist in der Folge von den drei Urkundenbüchern
des Johanniterhauses die Rede, so sind darunter stets das Erste
Lateinische-, das Große- und Kleine Deutsche Memorial zu ver-
stehen.
Der jüngste TeU des Großen Deutschen Memorials endlich —
die angefügte erste halbe Pergamentlage — spricht neben den
drei genannten Urkundenbüchern bereits von „ettlichen anderen
büchern" (6*23; 14*5). Ihr Name und Inhalt wird jedoch weiter
nicht angegeben. Im Laufe der Untersuchung wird deutlich werden,
welche „bücher^* darunter zu verstehen sind.
h) Um jedermann ein Urteü über die Schrift des Großen
Deutschen Memorials zu bieten, sind zwei Schriftproben am Ende
des Buches beigegeben : Schrifttafel Nr. IX u. X.
27
Als eigenhändige Schrift Nikolaus von Löwens ist sicher die-
jenige anzusehen, in welcher er in der ersten Person von sich spricht,
also Nr. IX. Mit dieser identisch ist der Abschnitt aus dem Text
des Zwei-Mannenbuchs Nr. VIII. Einen etwas anderen Schrift-
charakter weist Nr. X auf, wo der Schreiber das Bestreben zeigt,
die Buchstaben in IX und VIII etwas eckiger zu gestalten.
Nach den Grundsätzen der Paläographie wird man aber auch
diese demselben Schreiber, d. h. Nikolaus von Löwen zuschreiben
müssen. Auch ist nicht ausgeschlossen, daß Nikolaus von Löwen
sich beim Schreiben der Hilfe anderer, etwa seiner beiden Ge-
nossen, des Nikolaus Zorn gen. Läpp und des Heinrich
von And lau bedient hat.
2. Das Pflegermemorial.
Das Pflegermemorial liegt uns nicht mehr wie das soeben
betrachtete Große Deutsche Memorial im Original, sondern in einer
Abschrift des 15. Jahrhunderts vor (Hs. D = H 1383 des Straß-
burger Bezirksarchivs), die, soweit durch Schriftvergleichung fest-
zustellen ist, von dem Straßburger Johanniterkomtur Amandus
Schmalriem herrührt. Leider hat dieser seine Vorlage nicht
beschrieben, wir können aber an der Hand des Großen Deutschen
Memorials seine urprüngliche Anlage leicht erkennen.
Den Namen „Pflegermemorial*' trägt die Handschrift von der
Bestimmung, die sie zu erfüllen hatte. Ein dem Straßburger
Johanniterbause eigentümUches Institut waren drei Laienpfleger,
welche über das weltliche Gut des Klosters zu wachen hatten
und in allen äußeren und innern Angelegenheiten des Klosters,
vor aUem bei der Wahl des Komturs einen großen Einfluß aus-
übten. Wie nun das Große Deutsche Memorial in erster Linie
für die Brüder von Grünenwörth bestimmt war, so sollten auch
die drei Pfleger des Hauses jeder ein ürkundenbuch zu Händen
haben, um stets an die „gnadenreiche Würdigkeit" des Hauses ge-
mahnt zu werden. Es wurden darum drei wörtlich gleichlautende
Elxemplare (160*33) angefertigt, die afles enthielten, was für jeden
Pfleger von der Gründungsgeschichte und dem Leben der Stifter
zu wissen notwendig war. Nach dem Tode eines Pflegers war
es die Aufgabe der beiden andern, dafür Sorge zu Ira^^xv^ di^&
28
dessen Memorial seinem Nachfolger eingehändigt wurde (161*12 ff
Ein Band der Liebe und Eintracht sollte so die drei Pfleger un
schlingen, damit sie stets das Wohl der Hofstätte zum Grünenwörl
im Auge hätten und das Haus in jener Ordnung aufrecht erhielte)
wie sie durch die beiden Stifter, Rulmann Merswin und seine
heimlichen Freund vom Oberlande, bestimmt wurde. Wie beii
Großen Deutschen Memorial wurde demnach der Verfiasser d(
Handschrift bei ihrer Anlage von einem zweifachen Gesichtspiml
geleitet, von einem historischen: den Pflegern die Kenntnis de
Gründungsgeschichte zu übermitteln, und von einem praktisct
asketischen: die Eintracht der Pfleger untereinander und ihi
Liebe zum Johanniterhause in Ansehung des Lebens der beide
glorreichen Stifter immer mehr zu fördern. Der Verfasser d€
Handschrift hebt noch besonders hervor, daß die drei Pflegei
memoriale einer frommen Stiftung ihr Dasein verdanken (161*5
damit das Haus „in aller der wirdekeit und ordenung^^ gc
halten werde, „als es uß dem heiigen geist in grossen mirackel
durch die fründ gottes angehaben und gemeint ist" (161*10).
Den Inhalt des Pflegermemorials können wir in drei groß
Abschnitte zerlegen, von denen der eigentliche HauptteU in dr(
Unterabteilungen oder „Materien" zerfällt. In übersichtliche
Weise läßt er sich wie folgt zusammenstellen:
I. Vorbemerkungen.
1. Werner von Hüneburg betreffend (158*1-159*7).
2. Bemerkung über die vier Memoriale : das der drei Pflege
und das des „Obersten Meisters" (159*8-160*4).
II. Hauptteil.
Einleitung: a) Gedicht (160*5-24);
b) Titel des Buchs (160*25-161*28);
c) Inhaltsverzeichnis (161*29-163*39).
Hauplteil: 1. Materie: Kapitel 1-13, Gründungsgeschichte des Jo
hanniterhauses (164*1-190*22).
2. Materie: Kap. 14-16, Lebensbeschreibung Rulmann
oder das Büchlein von den Vier-Jahrei
seines anfangenden Lebens (191*-198*).
29
3. Materie: Kap. 17-23, Lebensbeschreibung des Gottes-
freundes vom Oberlande und seiner Ge-
nossen oder das „Fünf - Mannenbuch**
(199*-206*33).
Schluß : Kap. 24, Bestätigungsurkunde des KonradvonBrauns-
berg über die drei Memorialbücher (207*3 ff).
III. Nachträge:
1. Nachtrag: Kap. 25-29 (207*6-208*12).
a) Kap. 25: Komtur Heinrich von VVolfach bestätigt die
durch Heinrich Blankhart von Löwen erfolgte Stif-
tung der St. Jakobsmesse;
b) Kap. 26: die über die St Jakobsmesse gesetzten Pfleger
erwählen drei neue Pfleger: 1388;
c) Kap. 27: Notiz über die zwei „Übriggebliebenen Latein-
bücher** ;
d) Kap. 28: Ordnung für die Abhaltung der St. Jakobsmesse;
e) Kap. 29: Eid der drei Pfleger: 1393.
2. Nachtrag: Kap. 30-33 (208*13-209*31).
a) Kap. 30: Geschichte von Heinrich Blankhart von
Löwen, dessen Todschlag und Sühne- Wallfahrt;
b) Kap. 31 : Rechtfertigung über die Verwendung des von
Heinrich Blankhart gestifteten Geldes;
c) Kap. 32: Abschnitt aus dem Pfleger-Brief: 1371;
d) Kap. 33: Schluß: Alles ist von Bulmahn Merswin so ge-
ordnet
Im großen und ganzen erblicken wir in der Anlage des Pfleger-
oiemorials ein getreues Abbild des Großen Deutschen Memorials,
^enn wir auch nicht mehr im stände sind genau zu bestimmen,
^f^m und wie die einzelnen Teile der Handschrift nacheinander
geschrieben wurden. Auch in der äußern Form schließt es sich
an das Große Deutsche Memorial an. Der Titel des Buchs war
ganz in roter Farbe geschrieben, ebenso das dem Titelblatt vor-
aasgehende Gedicht Über jeder Seite stand wie im Großen
Dentschra Memorial jedesmal die Zahl der darauf geschriebenen
Materie. Alle diese Einzelheiten sind in der in Frage kommenden
Kopie des 15. Jahrhunderts beibehalten worden. Em^ rw^\\Ä^
30
wesentlich gleichlautende aber spätere und unvollständige Abschrift
des Pflegermemorials ist uns in der Handschrift G = L als 96
der Straßburger Universitätsbibliothek erhalten. Sie kann uns zur
Kontrolle des Textes dienen, da sie auf eine andere Vorlage als
Handschrift D zurückgeht. In G zählt das Inhaltsverzeichnis 31 Ka-
pitel, während vom zweiten Nachtrag c) und d) fehlt Auch die
„Auszüge aus dem Memorial" bei Karl Schmidt (Gottesfr. 34)
sind keineswegs Auszüge aus dem weiter unten zu besprechenden
Kleinen Deutschen Memorial, sondern einem Exemplar des Pfleger-
memoriais entnommen.
Wie die drei Pflegermemoriale des nähern zu einander sich
verhalten haben, ist leider nicht mehr zu bestimmen, da alle
Originale, die Schmidt zum Teil noch vorlagen, spurlos ver-
schwunden sind. Darum lälit sich auch die Frage, ob alle drei
Pflegerbücher außer den drei gleichlautenden Materien von der
Gründung des Hauses und den Lebensbeschreibungen der beiden
Stifter auch dieselben Vorbemerkungen und Nachträge hatten,
wohl aufwerfen und erwägen, aber nicht bis ins einzelne beant-
worten. Aus der Vergleichung von D mit G (und EF) sehen wir
nur, daß gerade wie das Große Deutsche Memorial auch die
Pflegermemoriale in beständigem Flusse begrifl*en sind und erst
nach und nach ihren jetzigen Inhalt und Gestalt annahmen. So
zeigen einige Pflegermemoriale im 16. Kapitel zwei Einschie-
bungen (195*39 und 197*7), von denen die eine von dem Neun
Felsenbuch, die andere vom Zwei-Mannenbuch handelt. Götz-
mann's Vorlage hatte diese Parenthesen nicht; Karl Schmidt
spricht Gottesfr. 7 1 nur von einer Parenthese. (Ob er die andere
nicht übersehen hat?) Handschrift D und die noch späteren Me-
moriale haben beide. Das wird genügen, um jeden zu überzeugen,
daß auch die Pflegermemoriale wie das Große Deutsche Memo-
rial erst aUmählich ihre vollendete Gestalt erhielten. Den Grund-
stock bildeten die drei Materien: Gründungsgeschichte des Johan-
niterhauses und die Lebensbeschreibungen der beiden Stifter, um
die sich andere Materien gruppierten, welche sich teils auf Wer-
ner von Hüneburg, teils auf Heinrich lilankhart von
Löwen und seine Stiftung, oder auf andere Urkundenbücher,
die der Obhut der Pfleger anvertraut waren, bezogen. Unzweifel-
haft gehörte der „zweite Nachtrag" nicht zu dem ursprünglichen
31
Plane der Handschrift; darum wurden auch diese Kapitel in das
allgemeine Inhaltsverzeichnis zu Anfang des Pflegermemorials nicht
aufgenommen, eine ähnliche Erscheinung, wie sie auch das Große
Deutsche Memorial S. 19 zeigt. Dagegen mag vielleicht mancher auf
den ersten Blick geneigt sein, den „ersten Nachtrag" (Kap. 25-29)
als noch zum Hauptteil gehörig zu betrachten. Allein auch diese
Kapitel sind unter den Begriff „Nachtrag'' zu rechnen, da aus der
Sldle 159*9-12 und 116*29 ff. deutlich zu ersehen ist, daß das
Pflegermemorial übereinstimmend mit dem noch zu besprechenden
Memorial des Johannitermeisters ursprünglich nur auf 24 Kapitel
veranlagt war, dem nach und nach andere Kapitel folgten, zunächst
das von den „Übriggebliebenen Lateinbüchern" handelnde 25. Ka-
pitel (119*31), welches in D bereits an die 27. Stelle gerückt
ist (207*27).
Da im 1. und 13. Kapitel des Pflegermemorials die näheren
umstände vom Tode Rulmann Merswins berichtet werden, kann
die Handschrift in ihrem Hauptteile (Kap. 1-24) erst nach 1382
und näherhin nach Kapitel 24 erst nach 1385 angefertigt sein.
Weilerhin enthalten die Kapitel 26 (207*14) und 29 (208*13) Ab-
Schriften von Urkunden. Davon trägt die erste das Datum: 1388
April 4, die zweite: 1393 Juni 23. Das Pflegermemorial kann
demnach in seiner jetzigenGestalt erst nach dem 23. Juni 1393
vollendet sein.
Als Quellen, auf die sich das Pflegermemorial beruft, setzt
^ voraus „drie nrkundbücher, die zu dütsch und zu latin in dem-
selben huse zu dem Grünenwerd sint under des obersten meisters
gebott und verbüntnüß ewigUch do zu bliben in besorgung und
geheltniß eins custers" (160*28; 206*35). Eines der erwähnten
drei ürkundenbücher ist aber das Große Deutsche Memorial, dessen
hhalt wir bereits kennen.
Im Pflegermemorial wie im Großen Deutschen Memorial finden
wir übereinstimmend:
in der Einleitung die Bemerkungen über das Grab Wer-
bers von Hüneburg (vgl. 158*1-159*7 mit 12*55fr.),
Kap. 24 ^ Urkunde Konrads von Braunsberg,
Kap. 28 = Statuten der St. Jakobsmesse,
Kap. 30 = Leben Heinrich Blankharls voxvLö^^xv.
32
Alles übrige begegnet uns hier zum erslenmale. Wenn darum
die Stellen 160*28 und 206*35 richtig sind, welche besagen, daß
der Text des Pflegermemorials bloß ein Auszug aus den drei
Memorialbüchern des Johanniterhauses sei, dann müssen sich die
übrigen Teile in zwei weiteren ürkundenbücher finden. Diese aber
sind dieselben, von denen auch das Große Deutsche Memorial
redet: das Lateinische- und das Kleine Deutsche Memorial.
An anderer Stelle (159*9 AT.) erwähnt das Pflegermemorial das
sogenannte „Meistermemorial", das als „viertes" aber dem Texte
nach gleichlautend mit den drei Pflegermemorialen bezeichnet wird.
Endlich handelt das 27. Kapitel von „zweien überblibenden latinin
büchern, die ouch in dem huse zum Grünenwerde süit" (207*27).
So werden hier die „etlichen anderen Bücher', von denen der
jüngste Teil des Großen Deutschen Memorials sprach, näher be-
stimmt als Pflegermemoriale, Meistermemorial und Übriggebliebene
Lateinbücher, mit denen wir uns in den folgenden Kapiteln be*
schäftigen werden.
Da die ganze Anlage des Pflegermemorials mit dem Großen
deutschen Memorial übereinstimmt und dieses als Quelle vor*
aussetzt, ist man schon daraus berechtigt, auf denselben
Redaktor zu schließen. Unzweideutig werden die Schreiber
genannt in der Stelle: „darumb hant dieselben ersten priester
von sant Johans orden die götlichen Urkunde und Wortzeichen
und all die löuffe, damit diß huß ernuwert worden ist ouch in
diß buch geschriben eigentlich und in aller wise als si von
anegenge gegen wurticlich dabi worent und es selber sohent"
(183*39 ff.). Eine ähnliche Stelle kehrt 195*39 und 197*7 wieder.
Diese drei ersten Priester St. Johanns-Ordens sind aber nach
158*23 ff. Claus Zorn gen. Läpp, Heintz von Andlau und
Nikolaus von Löwen, der sich aus Bescheidenheit inuner
zuletzt nennt. Der Redaktor des Pflegermemorials wie des Großen
Deutschen Memorials ist demnach Nikolaus von Löwen, der
entweder allein oder mit Unterstützung der beiden andern er-
wähnten Brüder des Straßburger Johanniterhauses die Pfleger-
memoriale angelegt hat.
3a
3. Das Erste Lateinische Memorial oder die zwei „Übrig-
gebliebenen Lateinbüclier^^
In seinem ällesten Bestandteil spricht das Große Deutsche
Memorial von einem lateinischen Urkundenbuche, das in allen
übrigen Memorialbüchern stets „das erste" Memorial des Johan-
niterhauses genannt wird und dessen Inhalt 17*25 ff. genau an-
gegeben ist. Wäre diese Handschrift noch auf uns gekommen, so
würde die Gottesfreundfrage erheblich leichter zu lösen sein. So
aber waltete über dieser Handschrift ein eigenartiger Unstern.
Sie ist teilweise schon dem wohldurchdachten Plane des Niko-
laus von Löwen zum Opfer gefallen, indem er aus der einen
Handschrift zwei neue bildete und sie mit dem Namen „die
beiden übriggebliebenen Lateinbücher** belegte. Von diesen beiden
übriggebliebenen Lateinbücher ist nur das eine noch im Original
erhalten, das zudem bloß den kleinsten Teil des ursprünglichen
Buchs bildete. Doch auch den ungleich wichtigeren und größeren
Teil des Ersten Lateinischen Memorials können wir, wenigstens
teilweise, wieder herstellen, wenn auch der Weg dazu schwierig
und umständlich ist.
Beginnen wir zunächst mit dem
zweiten ÜbriggebHebenen Lateinbueh.
a) Beschreibung. Die Handschrift H 2184 des Straßburger
Bezirksarchivs, in welcher uns das zweite der beiden „überbli-
benen latine bücher'* im Original erhalten ist, ist mit einem Ein-
band versehen, dessen Deckel von Holz mit rotem Leder überzogen
ist. Auf der Außenseite des hinteren Deckels beflndet sich in
Einern Rahmen aus Messingleistchen ein Pergamentstreifen, durch
ilarienglas geschützt» mit den Worten : „Der zweyger überblibener
laüne bücher eins von den nun feilsen, das die drie weltlichen
PBegere uslihen mögent, alse indewendig zu aller hinderst in
^tsche geschriben stot" Die Handschrift besteht nach moderner
Numerierung aus 50 Pergamentblättem. Ihrer ursprünglichen Ent-
stehung nach zählte sie 4 Lagen zu je 6 Doppelblättem, jetzt
^'•2-49 (50* 1-6 1*40); diesen 4 Lagen wurde am Anfang und
Schluß je ein Pergamentdoppelblatt beigefügt, von denen je eines
^^ den Deekel aufgeklebt wurde. Die Dlätter sind Z\ cm Yv^^iV^
34
22 cm breit zahlen je 43 Liniea und zeigen im übrigen denselben
Schriftcharakter, Schreibweise, Initialen etc. wie das Große Deutsche
Memorial
b* Inhalt. L Einleitendes:
1. BL !•: Deutscher Prolog zu den Neun Felsen (48*1-24).
2. BL 1*: Grabmal Werners von Hüneburg betr. in
deutscher Sprache (48*^-49*8).
3. BI. 1*: Lateinischer Prolog zu den Neun Felsen (49*9-39).
n. Hauptteil (in lat Sprache):
1. BL 2*-46'» (50*1-55*13) Buch von den Neun Felsen mit
Prolog und Inhaltsverzeichnis der einzelnen KapiteL
2. BL 46M9» (55*14-60*19) Nachtrag: Abschriften dreier
Kapitel aus einem lateinischen Urkundenbuch :
a) „Kap. 86*^: Inhaltsangabe .des Traktats von zwei 15*
jährigen Knab^i;
b) „Kap. 87^: Briefe betr., welche der Gottestreund an
Rulmann Merswin sandte;
c) „Kap. 88"^ : Leben eines Bruders Ulrich aus dem Bene-
diktinerorden.
|IIL Schluß ^in deutscher Sprache):
1. BL 49*-50»> (60*20-63' 4) : Bemerkung über die „Übrig-
gebliebenen Lateinbücher*^ = Kap. 27 des Pflegermemorials.
2. BL 50^: Über das Wappen des Werner von Hüneburg
(63 5-25).
Gemälde: Wappen des Werner v. Hüneburg.
c) Entstehungsart der HandschrifL Den ursprüng-
lichsten Teil der Handschrift bildet BL 2M6^ d.h. das Buch
von den Neun Felsen in lateinischer Sprache. Dazu waren dem
Schreiber 4 Pergamentlagen zu je 6 Doppelblätter notwendig, von
denen jedoch noch ein Teil des BL 46^\ sodann die Blätter 47,
48, 49 unbeschrieben blieben.
Das Neun FeLsenbuch ist ein in sich abgeschlossenes Ganzes
mit eigenem Prolog und Inhaltsverzeichnis. Ohne einen Grund
anzugeben — wohl nur um die leeren Seiten der 4. Lage auszu-
füllen — fügte der Schreiber den Neun Felsen drei Kapitel hinzu,
die er ohne jede Veränderung aus einem anderen lateinischen
35
Buch herübernahm, in welchem dieselben die Kapitel 86-88 bil-
deten. Selbst die Kapitelüberschriften behielt der Schreiber unver-
ändert bei und setzt auch beim 88. Kapitel die Kapitelzahl Ixxxviij
oben in die Mitte der betreffenden Seite, eine Methode, wie wir
sie schon beim Großen Deutschen Memorial kennen gelernt haben.
Um nun aus diesen vier, einer früheren Handschrift entnommenen
Lagen, eine neue bilden zu können, fügte der Schreiber noch
vom und hinten je ein Doppelblatt bei, wovon je ein Blatt auf
den Deckel aufgeklebt wurde. Auch diese Blätter waren beide
schon für eine andere Handschrift bestimmt gewesen. Auf dem
Blatte am Schlüsse der Handschrift (Bl. 50) befand sich ursprüng-
lich eine gemalte größere Initiale und eine Rubrik; beide wurden
ausradiert und der jetzige Text darüber geschrieben. Auf dem
Blatte am Anfange der Handschrift — ursprünglich auf dem Deckel-
blatte aufgeklebt, jetzt aber losgelöst — steht der Schluß einer
Papstbulle : Ablaß für Beiträge zu einem Kirchenbau dd. Perusie X.
kal. juUi, pontificatus nostri anno primo. Dann folgt ein freier,
für eine Initiale bestimmter Raum, alsdann die durchs trichene Rubrik:
CeDtesimnm nonum capitnlam tractat de origine et inicio düecti sancti Johan-
ois Jherosolomitani. et ibidem eciam sunt omnes indnlgencie metriücate ex
bullis et priyilegiis, qne in Avinione et in aliis capitalibas conyeutibas in
Oallia ordiuis sancti Jobannis Jberosolomitani quesitis et lectis a fratre Jo-
hanneMerckelin commendatorisinHerbipoli vicem tenentis, quiqnidem
Jobannes Merckelin eisdem temporibus conventnalis frat^r fait inBodeis,
qnando idem Carmen metricum fecit et rogavit fieri perJacobamBega-
1 e m ex notis et antenticis testimoniis qaibns bene credendum est. Qai qni-
dem Jacobus Regalis longo tempore moratas est in Avinione et ibidem
malta privilegia et ballas nostri ordinis perlegit ea propter et ordinis liber-
tates sibi bene constiterunt. Auf der folgenden Seite dieses Blattes
steht oben in der Mitte rot die Zahl Cviiij; am Rande der ersten
beschriebenen Zeile: C/>, was die Kapitelzahl bedeuten soll; dann
beginnt das durch die oben angeführte Rubrik bereits angekün-
digte Gedicht des Jakobus Regalis:. De thesauris summi regis.
Das alles zeigt deutlich, daß dieses erste Blatt ursprünglich einen
Teil und zwar das 108. und 109. Kapitel eines lateinischen Buchs
bildete, wohl desselben, aus dem die obenerwähnten Kap. 86-88
stammen. Nachdem in dieser Weise die beiden Anfangs- und
Schluß-Blätter hergerichtet waren, wurde jeweils das leere Blatt
derselben in folgender Reihenfolge beschrieben:
*k*
w
36
I, 3 (Bi. 1^): Lateinischer Prolog.
III, 1 (Bl. 49*-50^ Rest der 4. Lage und erstes beige-
fügtes Schlußblatt): Bemerkung über die zwei Latein-
bücher.
I, 1 (Bl. la): deutscher Prolog.
ni, 2 (BL 50^): Wappen der von Hüneburg.
I, 2 (Bl. 1»): Grab Werners von Hüneburg.
Diese Reihenfolge ergibt sich aus dem Schriftcharakter, da
sich gegenseitig III, 1 und I, 1 sowie III, 2 und 1, 2 entsprechen.
Zum gleichen Ergebnisse kommt man, wenn man die sachlichen
Gründe, wie sie aus dem Inhalte der einzelnen Abschnitte zu
entnehmen sind, in Erwägung zieht. Den Schluß der Handschrift
bildet das gemalte Wappen Werners von Hüneburg in
derselben Ausführung wie Bl. 5^ des Großen Deutschen Memorials
Um die Malerei zu schonen, mußte davon Abstand genommen
werden, dieses Blatt vom Deckel loszulösen. Die Rubrik, von
welcher 60*24 spricht, daß sie zuvörderst in dem übriggebliebenen
Lateinbuch stehe „mit eime florierten H'-, findet sich Bl. 1^ (49*9).
In der Mitte der Initiale H ist das Wappen Rulmann Merswins :
ein schwarzes Merschwein in gelbem Felde, gemalt.
d) Name und Zweck: Seinem ganzen Inhalte nach zeigt
das Übriggebliebene Lateinbuch ein buntes Gemisch der verschie-
densten Teile. Woher diese Erscheinung? Zum Teile gibt uns
schon der Titel des Memorials auf diese Frage Aufschluß, noch
mehr aber der Inhalt der Rubriken: I^ ; Ig und 111^. Darnach ent-
hält vorliegendes Memorial solche Teile, die „übrig geblieben"
(60*23) sind, also ursprünglich für ein anderes ürkundenbuch
bestimmt waren. Und zwar bildete das Buch der Neun Felsen sowie
„die andern Materien und Kapitel", d. h. die Kap. 86-88, einen Teil
eines lateinischen Memorials („una parlicularum pertinencium in
lalinum memorialem librüln"). Noch genauer wird der Grund
angegeben, warum gerade der Hauptbestandteil der Handschrift,
die Neun Felsen, „übrig geblieben" sind — „manserunt remanentes
et extra stantes", wie der lateinische Ausdruck dafür lautet (49*15).
Der Grund war, weil der lateinische Text „ettewas missehillet
dem tütschen an abgebrochenen worten und zügeleiten glosen us
der geschrift" (48*2) — quia Über haruin novem rupium in verbis
37
non ex loto cum vulgari theutonico concordat, prout eadem verba
a sui principio a spiritu sancto processerunt" (49*13).
Beide lateinischen Bücher waren zum Ausleihen bestimmt an
solche Personen, die „gerne latine lesent und nüt minne haut zu
tütschen büchern und ouch gerne die weit flühent und ir leben
bessertent" (60*27). Auch über diese Bücher sollten die drei Pfleger
freies Verfugungsrecht haben. Sie können sie ausleihen „wo und
weihen lüten sü truwent das es nütze sige und fruht bringe"
(60*35), nur muß es ihre Sorge sein, daß die Bücher wieder zu-
rückgegeben werden. Der Verfasser der Handschrift vergißt wei-
terhin nicht, die drei Pfleger auf die „Würdigkeit** des Hauses
aufmerksam zu machen und sie zu ermahnen, in Eintracht unter
einander das Haus in jener Ordnung aufrecht zu halten, wie die
erlauchten Stifter des Hauses es angeordnet haben ; denn die Pfleger
sind, gleichsam die drei Pfeiler, auf denen das ganze Haus steht,
und darum sollten sie die Brüder oder den Orden „nüt trengen
noch besweren mit keinre fremder unzimelicher vorderunge*'
(62*28), was dem Pflegerbrief widersprechen und Veranlassung
gäbe, daß „der orden deste ungewilliger und widerspenlger würde
die schuldigen artickele des besigelten briefes zu haltende, darus
ouch danne entspringe und ufstünde nit und blost und zweyunge
und manigerlei unfride und vientliche ufsetze" (62*35), wodurch
der von den erlauchten Stiftern des Hauses eingeführte Gottes-
dienst gestört und das Haus dem Verfall entgegen ginge.
So zeigen Inhalt und Entstehungsweise der Handschrilt deutlich,
daß wir es hier nicht mit einem einheitlichen Gebilde zu tun
haben. Um so wichtiger ist es deswegen für die Beurteilung der
Handschrift,
e) die Vorlagen kennen zu lernen, auf denen sie fußt.
Schon oben haben wir gesehen, daß der Hauptbestandteil der
Handschrift, die Neun Felsen, einen Teil eines lateinischen Memo-
rials bildeten, dort aber herausgenommen wurden, weil sie mit dem
deutschen Text nicht überemslimmten. Ein deutscher Text der
Neun Felsen begegnete uns auch im Großen Deutschen Memorial
Auch dieser deutsche Text war ursprünglich nicht für das Große
Deutsche Memorial bestimmt, da die Neun Felsen nur in lateinischer
Sprache geschrieben bleiben sollten (35*24). Aus dieser Ersctv^v-
nung kann man wohl mit Grund den Schluß ziehen, daß beides:
die Herausnahme des lateinischen Textes aus dem Lateinisehen
Memorial und die Hinzufüguug des deutschen Textes in das Große
Deutsche Memorial in einem ursächlichen und zeitlichen Zusam*
menhang steht, d. h. die Umwandlung des Großen Deutsschea
Memorial fällt zeitlich mit der Umwandlung des Ersten Lateinischen
Memorials, aus welchem die beiden Übriggebliebenen Lateinbücher
gebildet wurden, zusammen. Doch das lateinische Exemplar der
Neun Felsen sollte nicht allein im Ubriggebltebenen Lateinbuch
sein Dasein fristen, es wurde nochmals, aber jetzt nach der
deutschen Vorlage, in das „grosse latine memoriale buch des huses
zu dem Grünenwerde*' geschrieben.
Der Verfertiger der Handschrift erwähnt ferner „die drei
ürkimdenbücher des Hauses zum Grünenwörth", worunter nur
die im Großen Deutschen Memorial aufgeführten verstanden werden
können: Das Lateinische-, Große Deutsche- und Kleine Deutsche
Memorial. Auch lagen ihm die Pflegermemoriale bereits vor, deren
Inhalt wir kennen und deren 27. Kapitel mit Ausnahme des Ein-
gangs und einiger kleineren Textveränderungen aus dem vor-
liegenden Übriggebliebenen Lateinbuch stammt
Die Bemerkungen über das Grab und das Wappen Wer-
ners von Hüneburg haben wir bereits im Großen Deutschen
Memorial vorgefunden. Der Verfasser erwähnt außerdem, daß diese
Bemerkungen stehen auf dem „aller ersten vorgonden blat in dem
tatschen Urkunde buche" (63*17), während auf der Rückseite
dieses „ersten Blattes" das Wappen des von Hüneburg gemalt
sei. Im Großen Deutschen Memorial finden wir dieses Wappen
nicht auf der Rückseite des „ersten Blattes", sondern Bl. 5^;
ebenso stehen die sich darauf beziehenden Stellen nicht auf dem
„ersten Blatte" des Großen Deutschen Memorials, sondern BL 4**-5*.
Darnach sind entweder die fünf ersten Blätter des Großen Deutschen
Memorials erst nach dem Übriggebliebenen Lateinbuch an Stelle
anderer Blätter, deren erstes das Wappen der Hüneburg trug,
getreten, oder aber das hier angezogene „tütsche Urkunde buch"
ist — was das wahrscheinlichere ist — das „Kleine Deutsche
Memorial" oder das „dritte" Urkundenbuch des Johanniterhauses,
da wir aus 14*4 wissen, daß auch „in dem kleinen Urkunde buche
39
und in etlichen andern büchern" das Wappen der Herren von
Hüneburg gemalt war.
f) Der Redaktor der Handschrift. Aus dem schon
oben gemachten Hinweis, daß die Handschrift in ihrem Äußern
dieselbe Ausstattung zeigt wie das Große Deutsche Memorial: in
Schrift, Kapiteleinteilung, Zahl der Zeilen, Ausruhrung der Ini»
tialen usw., und beide auch ihrem Inhalt nach in einem ge-
wissen Verhältnis zu einander stehen, folgt notwendig, daß der
Redaktor beider identisch sein muß. Dies ist aber nie-
mand anders als Nikolaus von Löwen. 57*27 spricht der
Verfasser von einem Briefe, den ein Kaufmann eigenhändig an
einen von den Priestern geschrieben hat, „qui primo Viridem-In-
sulam inhabitaverunt'. Unter den „ersten Priestern des Johanniter-
hauses" nennt sich aber immer NikolausvonLöwenim Bunde
mit Claus Zorn-Lapp und Heintz von Andlau. Ebenso
ist 59*22 von einem Briefe die Rede, welchen ein alter Mönch
von Altdorf „uni Johannitarum commoranti in Viridi-Insula** ge-
schrieben hat. Gleich darauf folgt die Abschrift dieses Briefes
mit der Adresse: Frater Burghardus,. fratri Nicholao sa-
lutem." Der Brief ist also an Nikolaus von Löwen gerichtet,
der als Redaktor des ganzen Übriggebliebenen Lateinbuchs an-
zusehen ist.
g) Entstehungszeit. Die Handschrift selbst bietet keine
sicheren Anhaltspunkte dafiir, wann ihr Hauptbestandteil, das Buch
der Neun Felsen, entstanden ist. Dies werden wir erst dann ge-
nauer feststellen können, wenn wir jenes lateinische Memorial
und seine Entstehungszeit kennen, dem die Neun Felsen ent-
nommen sind. Dagegen können nach Bl. 48^ (59*25) die Kapitel
86-88 nicht vor 1385 geschrieben sein. Berücksichtigt man noch,
daß in den der Handschrift später beigefügten Blättern bereits
von den drei Urkundenbüchern des Johanniterhauses (60*23) und
den drei Pflegermemorialen (61*2) die Rede ist, dann wird man
die Entstehungszeit des Übriggebliebenen Lateinbuchs nach 1390
ansetzen dürfen, also in dieselbe Zeit, in welcher auch das Große
Deutsche Memorial seine Umwandlung erfahren hat.
Neben dem eben beschriebenen Memorial bestand noch ein
anderes mit gleichem Titel, aber verschiedenem Inhalt. Wir be-
zeichnai es als
40
Das erste Übriggebliebene Lateinbuch.
Es war angelegt in derselben „forme und grosse" (60*21),
wie das genannte, hatte aber doppelt soviel Sexteraionen, zählte
also im ganzen 8 Lagen oder 96 Pergamentblätter. Von seinem
Inhalte wird gesagt, es enthalte „die ernuwerunge und der Stifter
leben und die andern materien, ... die überblibent an den drien
Urkunde büchern des huses zu dem Grünenwerde". An einer
andern Stelle heißt es, es handle „von der ernuwerunge und
der Stifter leben und den andern materien, die des huses wür-
dikeit- bewerent" (48*20). Demnach enthielt das erste Übrig-
gebliebene Lateinbuch zunächst „die ernuwerunge", d. h. die Grün-
dungsgeschichte des Johanniterhauses; sodann „der Stifter leben",
d. h. das Büchlein von den Vier-Jahren und das Fünf-Mannen-
buch, im ganzen also die drei Materien (Kap. 1-23) des oben
besprochenen Pflegermemorials. In sofern ist es richtig, wenn
Nikolaus von Löwen sagt, daß „dise zwey überblibene latine bücher
boncordierent und gliche hellent in allen den materien, alse es die
vorgeschriebenen drie weltlichen pflegere zu tütsche geschrieben
haut ir iegelicher in eime sundern buche" (61*1). Allein das erste
Lateinbuch enthielt auch noch „andere materien, die des huses
würdikeit bewerent". Welches diese Materien waren, wird nir-
gends genauer angeführt. Wir wissen nur, daß sie in den „drien
Urkunde büchern" standen. Weiterhin läßt sich aus dem zweiten
Lateinbuch schließen, daß auch das erste vorn eine Rubrik ent-
hielt mit einem florierten H. (60*25), in welcher der Grund genannt
war, warum es „übrig geblieben" ist, und am Schlüsse die „Ord-
nung*' der Übriggebliebenen Lateinbücher desselben Inhalts, wie
das zweite Übriggebliebene Lateinbuch (48*23).
Auf „die andern Materien" des ersten Übriggebliebenen La-
teinbuches führt uns die Handschrift L als 96 der Straßburger
Universitätsbibliothek. Bei der Benützung dieser Handschrift für
unsere Zwecke ist jedoch große Vorsicht notwendig, da Götzmann
— der Verfasser der Handschrift — neben dem hier in Frage
kommenden ersten Lateinbuch — bei ihm kurz Lateinisches
Memorial genannt — noch andere deutsche Urkundenbücher des
Johaimiterhauses benützte, bald Stücke des einen, bald solche des
andern exzerpierte, bezw. aus dem Lateinischen ins Deutsche über-
41
setzte und zu all dem selbst noch Zusätze und Erläuterungen in
Parenthesen, die nur zu leicht ausgelassen werden konnten, bei-
fügte. Für uns kommt es zunächst darauf an, den Inhalt des von
Götzmann benützten „Lateinischen Memorials" kennen zu lernen,
da wir daraus den Beweis zu erbringen haben: das von Götz-
mann benützte Lateinische Memorial ist kein anderes als das erste
Cbriggebüebene Lateinbuch.
Götzmann erwähnt in keiner Weise den Titel seiner lateini-
schen Vorlage. Er spricht in seinem Vorworte nur von einem
Lateinischen Memorial und stellt ihm ein Deutsches Memorial
gegenüber. In allen Stücken, in welchen das lateinische und
deutsche übereinstimmten, folgte er dem deutschen, nur diejenigen
Kapitel, welche allein in seiner lateinischen Vorlage standen, über-
setzte er. Das von Götzmann benützte „Deutsche Memorial" kann
nach den Angaben Götzmanns nur eine Abschrift eines der Exem-
plare des Pflegermemorials gewesen sein. Daneben erwähnt Götz-
mann noch das „Bruderschaftsbuch" und den „Liber \itae" oder
das Totenbuch des Johanniterhauses.
Das Lateinische Memorial trug auf dem Rücken das Biblio-
thekszeichen A, das Pflegermemorial das Zeichen C, das Bruder-
schaftsbuch das Zeichen F, während Götzmann das Bibliotheks-
zeichen des „Liber vitae" oder Nekrologiums nicht angibt. Diese
vier Bücher waren die einzigen, welche Götzmann bei Beginn
seiner Arbeit kannte. Bald jedoch wurde er auch auf das Große
Deutsche Memorial aufmerksam, das nach seinen Angaben mit B
bezeichnet war. Sobald er nun inne geworden, daß dieses deutsche
in manchen Materien mit dem lateinischen übereinstimmt, erspart
er sich die Mühe des Ubersetzens, um nun dem Großen Deutschen
Memorial zu folgen. Sein von ihm benutztes Memorial hatte näher-
en folgenden Inhalt (225*1 ß".) :
I.) Kap. 1-12(?): Gründungsgeschichte des Hauses (nach
deutscher Vorlage).
U.) Kap. 13-24: Meisterbuch (nach lateinischer Vorlage).
a) 13: Begleitbrief.
b) 14-19: Meisterbuch.
42
c) 20-23: Vier Predigten:
20 : Predigt auf St. Gertrud.
21: „ „ Sonntag Judica.
22: „ ,, das hl. Altarsakrament
23: Klausnerinnenpredigt
d) 24: Schluß: Tod des Meisters.
III.) Kap. 25-28 : Buch von den Vier Jahren.
a) 25: Vorwort, (lateinische Vorlage?)
b) 26-28: Text der Vier Jahre (deutsche Vorlage).
IV.) Kap. 29-31:
a) 29 : Strafung Rulmann Merswins (lateinische und
deutsche Vorlage).
b) 30: Vogehiest (lateinische Vorlage).
c) 31: Ermahnung an die Brüder (lateinische Vor -^
läge).
V.) Kap. 32-38 : Fünf-Mannenbuch (nach deutscher Vorlage).
VI.) Kap. 39-51: Zwei-Mannenbuch (lateinische und deutsche
Vorlage).
VII.) Schluß: Nachtrag, den Götzmann mit den Worten einfuhrt:
„Nach dem 51. Kapitel im lateinischen folgt die Beschreibung des
Lebens der heiligen Jungfrauen und Martyrin Quitaria. Nach diesem
folgt ein kurzer Begriff von der Stiftung und Ordnung des Hauses zum
Grünen-Wörth und Ermahnung an selbs Hauses Brüder und die
drei Pfleger auf deutsch und sodann folgende deutsche Reime:
„Alle menschen die cristen namen hant . . . .".
Demnach bestand Götzmanns Exemplar des Memorials aus
51 Kapiteln, dem ein Nachtrag folgte. Prüfen wir nun, ob dieser
Inhalt mit den Angaben übereinstimmt, den wir bereits vom ersten
Übriggebliebenen Lateinbuch kennen. Es enthält Kapitel 1-12:
die Gründungsgeschichte; Kapitel 25-28 und 32-38: das Leben
der beiden Stifter und aulJerdem noch „andere Materien", von
welchen man mit vollem Recht den Ausdruck gebrauchen kann»
daß sie des „Hauses Würdigkeit" bewähren, also alle jene Mate-
rien, die im zweiten Lateinbuch als Inhalt des ersten Übriggeblie-
benen Lateinbuchs angegeben sind. Wenn sodann Götzmann noch
„einen kurzen Begriff von der Stiftung und Ordnung des Hauses . . .
auf deutsch" anführt, so dürfen wir darin die Stelle 60*26 ff.
43
verstehen. Das Gedicht : „Alle Menschen . . ." bildet den Schluß ; es
isturw bereits aus dem Pflegermemorial bekannt (160*5). Nur eine
Lebensbeschreibung der hl. Quitaria ist uns bis jetzt nicht be-
gegnet, sie korrespondiert aber mit dem 88. Kapitel des zweiten
Lateinbuchä (59*19), das die Lebensbeschreibung eines heiligen
Mannes zum Gegenstande hat. So liegt denn der Schluß nahe:
Götzmann's lateinische Vorlage ist das erste Übriggebliebene La-
teinbueh. Noch deutlicher wird dieser Schluß, wenn wir näher
eine Bemerkung Nikolaus von Löwens über die beiden Übriggeblie-
benen Lateinbücher ins Äuge fassen. Mit aller Klarheit betont
er, daß beide Übriggebliebenen Lateinbücher „über blibent an den
drien Urkunde büchern des huses zu dem Grünenwerde'' (60*23),'
oder mit andern Worten: Beide Übriggebliebenen Lateinbücher
bildeten ursprünglich Bestandteile der drei Urkundenbücher; diese
sind aber das Lateinische-, das Große- und das Kleine Deutsche
Memorial. Von diesen dreien scheiden sofort das Große- und
das Kleine Deutsche Memorial aus, da sie nur Stücke in
deutscher Sprache enthalten. Es bleibt nur noch das Erste
Lateinische Memorial, dessen Inhalt im Großen Deutschen Memo-
rial genau wiedergegeben ist (17*25). Eine Vergieichung dieses In-
halts mit demjenigen der beiden Übriggebliebenen Lateüibücher zeigt
nun vollständige Übereinstimmung. Damit wäre der Beweis erbracht:
Erstes Übriggebliebenes Lateinbuch + zweites Übriggebliebenes
Lateinbuch = Erstes Lateinisches Memorial; aufgelöst lautet
diese Formel: das Erste Lateinische Memorial, das zeitlich und
sachlich die Grundlage aller späteren Memorialbücher bildet, wurde
von Nikolaus von Löwen in zwei Teile geteilt; aus dem einen
Teil (Kapitel 1-51) wurde das erste Übriggebliebene Lateinbuch,
aas den Neun Felsen dagegen das zweite übriggebliebene Latein-
buch gebildet und beide mit Zusätzen und Nachträgen versehen.
Wir haben oben das Große- und das Kleine Deutsche Me-
morial von unserer Betrachtung ausgeschieden, aber auch wenn
man diese zu Hilfe nimmt, so bleibt der Ausdruck Nikolaus
von Löwens zu Recht bestehen, daß beide Übriggebliebenen Latein-
bücher übrig geblieben sind „an den drien Urkunde büchern'S da
ja das Kleine Deutsche Memorial nur eine Übersetzung des latei-
nischen bildete und auch im Großen Deutschen Memorial manche
Bestandteile des Lateinischen Memorials wiederkehren.
44
Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei noch darauf hinge-
wiesen, daß mit dem von uns gewählten Ausdrucke „erstes und
zweites ÜbriggebUebenes Lateinbuch" keine zeitliche Aufeinander-
folge ausgedrückt werden soll. Beide entstanden als „Übriggeblie-
bene Lateinbücher" zu gleicher Zeit und zwar, wie des näheren
am zweiten Übriggebliebenen Lateinbuch bewiesen wurde, nach 1390.
Vor dieser Zeit bildeten dieselben ein Ganzes, das wir als
das älteste lateinische Memorial bezeichnen müssen. Für die
ganze Gottesfreundfrage ist demnach seine Textgestalt von der
größten Wichtigkeit Was jedoch Götzmann aus demselben mit-
teilt, ist sehr wenig. Der lateinischen Vorlage folgt er sicher
in Kapitel 13-24 (Meisterbuch); in Kapitel 30 (Vogelnest) und
39 (Erstes Kapitel des Zwei-Mannenbuchs). Kapitel 31 allein
ist lateinisch erhalten, alles andere nur in Übersetzung. Kapitel 25
und 29 endlich sind eine Mischung des lateinischen und deutschen
Textes; dabei bietet das 29. Kapitel die größten Schwierigkeiten,
da Götzmann an verschiedenen Stellen aus demselben Auszüge
bringt. Kapitel 1-12 (Chronik des Hauses), 26-28 (Vier-Jahre),
32-38 (Fünf-Mannenbuch) dagegen sind dem Pflegermemorial ent-
nommen. In Kapitel 40 folgt er vollständig, in 41-50 auszugs-
weise dem Großen Deutschen Memorial; außerdem stammen einige
Zusätze aus dem Bruderschaftsbuch. Aus allem ist ersichtUch,
wie schwer es fällt, irgendwelche zwingende Schlüsse aus dem
Text des Ersten Lateinischen Memorials, wie Götzmann ihn über-
liefert, zu ziehen. Ein sicherer Fiihrer wird Götzmanns Text nur
da sein, wo derselbe gegenüber dem der späteren Memorialbücher
ein Minus aufweist.
Wie die übrigen Meniorialbücher ist auch das älteste oder
das Erste Lateinische Memorial erst nach dem Tode Rulmann
Merswins angelegt worden, es erzählte ja an verschiedenen Stellen
vom Tode Rulmanns. Ebenso steht außer Zweifel, daß Nikolaus
von Löwen sein geistiger Urheber ist, denn das erste Übriggeblie-
bene Lateinbuch stimmte mit dem zweiten in Größe und Gestalt
und in der ganzen Anlage überein, kann demnach auch nur den
gleichen Urheber haben wie letzteres, das ist Nikolaus von
Löwe n.
45
4. Das Große Lateinische MemoriaL
Das Erste Lateinische Memorial, das allen übrigen Urkunden»
büchern des Johanniterhauses zeitlich wie sachlich voranstand,
hatte dem Plane Nikolaus von Löwens weichen müssen. Es
wurde seiner fdlirenden Stellung enthoben und mit dem Namen
„übriggebliebene" Lateinbücher belegt An seine Stelle trat ein
anderes Memorial mit verbessertem, der deutschen Vorlage ent-
sprechenderem Text. Dieses Urkundenbuch ist das „Große Latei-
nische Memorial". Mit voller Klarheit wird von den Neun
Felsen gesagt, weil sie mit dem deutschen Text nicht überein-
stimmten, wurden sie „anderwerbe in das grosse latine memoriale
buch des huses zu dem Grünenwerde geschriben von worte zu
Worte glich dem tütschen, alse es us dem heiligen geiste kum-
men ist" (48*4). Der Ausdruck „grosses latine memoriale" begegnet
uns hier zum erstenmale.
Was für ein Urkundenbuch darunter zu verstehen sei, ist
die Frage, die uns beschäftigt. Dabei müssen wir festhalten, daß
die Neun Felsen ursprünglich ein Teil des Ersten Lateinischen
Memorialbuchs waren. Man könnte nun zunächst denken, daß
dieser Teil des Ersten Lateinischen Memorials dort herausgenom-
men und abermals, nur in anderem Wortlaute, in das gleiche
Erste Lateinische Memorialbuch eingefügt wurde. Dann müßte
das hier erwähnte „grosse latine memorial" mit dem Ersten La-
teinischen Memorial identisch sein. Das könnte jedoch nur dann
der Fall sein, wenn die übrigen Teile des Ersten Lateinischen
Memorials intakt geblieben wären. Allein das Ergebnis des vor-
hergehenden Kapitels zeigte uns, daß wie aus dem letzten Teil
des Ersten Lateinischen Memorials, den Neun Felsen, das eine
übriggebUebene Lateinbuch gestaltet wurde, so wurde aus den
übrigen Teilen das andere Übriggebliebene Lateinbuch gebildet
und dessen Materien analog den Neun Felsen „anderwerbe in das
grosse latine memorial" übertragen. Daraus folgt aber, daß das
ngroße latine memorial" ein von dem Ersten Lateinischen Memo-
rial verschiedenes Urkundenbuch sein muß. In diesem Sinne ist
der Text des lateinischen Prologs der Neun Felsen zu interpre-
tieren. Dort heißt es: „Hü quatuor sexterni de novem rupibus
cum alüs sequentibus materiis et capitulis fuerunl uua patlVcM-
46
larum pertinenciutn in latinum memorialem librum" (49'*'9). Das will
besagen: Die beiden Teile des zweiten Übriggebliebenen Lateinbuchs,
die Neun Felsen und die übrigen Kapitel (Kapitel 86-88)t bildeten
Bestandteile eines lateinischen Memorials. Nun unterliegt e& keinem
Zweifel, daß die Kapitel 86-88 Bestandteile eines lateinischen
Memorials mit wenigstens 88 Kapitel waren. Dieses aber
kann nicht mit dem Ersten Lateinischen Memorial identisch
sein, dem die Neun Felsen entstammen, denn dieses zählte bloß
61 Kapitel + Neun Felsen. Ebensowenig kann man bezweifeln,
daß die Kapitel 86-88 lediglich in das zweite Übriggebliebene Latein-
buch geschrieben wurden, um dessen leeren Platz auszufüllen,
keineswegs deswegen, weil sie, wie die Neun Felsen, mit der
autentischen deutschen Vorlage nicht übereinstimmten. Nikolaus
von Löwen hätte darum das Erste Lateinische Memorial von
jenem unterscheiden müssen, dem die Kapitel 86*88 entstammen.
Er wirft aber beide zusammen und benennt beide mit dem allge-
meinen Ausdruck „latinus memorialis liber*s fährt aber dann fort,
nur von den Neun Felsen zu reden, die nach verbessertem Text
„in prenominatum primum scilicet memorialem librum^^ geschrieben
wurden. Im Zusammenhange mit der vorausgegangenen Erörte-
rung kann mit diesem Ausdruck nur jenes lateinische Memorial
gemeint sein, dem die Kapitel 86-88 entstammen, d. h. das „grosse
latine memoriale buch". Wir haben demnach folgenden einfachen
Vorgang: Nikolaus von Löwen zerteilt das Erste Lateinische
Memorial in zwei Teile und nennt sie erstes und zweites Übrig-
gebliebenes Lateinbuch. Alsdann legt er ein neues, textlieh ver-
bessertes Großes Lateinisches Memorial an, dessen Inhalt sich im
allgemeinen mit dem Inhalt des Ersten Lateinischen Memorials deckt,
fügt später jedoch mehrere Materien und Kapitel hinzu, sodaß im
Gegensatz zum ursprünglichen Kleinen Lateinischen Memorial ein
„grosses laline buch'' entsteht.
Von diesem Großen Lateinischen Memorial kennen wir be-
reits Kapitel 86-88, welche uns dem ganzen Wortlaut nach erhalten
sind (55*14 ff.). Diese Kapitel geben uns außerdem einige andere
Anhaltspunkte über Inhalt und Gestalt des Großen Lateinischen
Memorials. Wie das Pflegermemorial war es in „Materien*' ge-
schieden, von denen das 86. Kapitel die „zehnte Materie" bildet.
Weiterhin wird uns der Inhalt vom 6. und 9. Kapitel angedeutet.
47
Es sind Teile der Gründungsgesehichte des Hauses, wovon das
6. Kapitel von dem Sakristeibau handelt — „sacristia que post
idem tempus edificata est cum alio novo edificio sicut prescriptum
est in sex to capitulo" (60*18) — , während das 9. Kapitel die große
Würde und Heiligkeit betont, in welcher das Johanniterhaus ge-
baut und bis auf die Zeit des Nikolaus von Löwen geführt wurde —
^ocus Viridis-Insule in magna sanctitate ab antiquo usque ad
tempora ista deductus est et inhabitatus prout . . . duo antiqui
octogaaarii sacerdotes de Altdorf. . . testificantur nono capitulo
haius presentis libri'^ (59*26).
Das zweite Übriggebliebene Lateinbuch fuhrt uns weiterhin auf
den Inhalt des 109. Kapitels, welches das Gedicht des JacobusRegalis :
i,De thesauris summi regis" brachte (oben S. 35). Wir dürfen an-
nehmen, daß mit diesem Gedichte das Große Lateinische Memorial
schloß, da sich darin, wie wir auch sonst schon gesehen haben,
<üe Vorliebe des Nikolaus von Löwen, mit einem Gedicht den
Abschluß der Handschrift zu bilden, zeigt.
Noch auf anderem Wege ist es uns ermöglicht, einen Ein-
blick in Anlage und Inhalt des Großen Lateinischen Memorials zu
gewinnen. Die Handschrift F, die wir später noch genauer zu
besprechen haben werden, spricht von „Bullen und Privilegien" für
die Bruderschaft des Johanniterhauses, welche in dem „latinen
urkundebuch" geschrieben stehen, gezogen „usser dem registro
des erwürdigen geistlichen herren bruder Cunrades von Brunsperg"
(221*36). Femer wird daselbst die Bulle des Papstes Honorius
nUna cum fratribus" erwähnt, die „von worte zu worte ganz ge-
schrieben [ist] in dem sehs und hundertsten capitel des latinen
Urkunde buchs zu dem Grünenwerde". Ebenso wird kurz darauf
bestätigt, daß das Große Lateinische Memorial das Gedicht des
Jacobus Regalis enthielt (222*33).
Aus all diesem erhellt zur Genüge, daß an Stelle des ersten,
ältesten lateinischen Memorials ein anderes trat, das nach Inhalt
und Umfeng mit Recht „das grosse latine buch" genannt wird,
da es wenigstens 109 Kapitel und mehr als 10 Materien enthielt.
Über seine Entstehungszeit und seinen Verfasser kann nach
dem Vorausgehenden kein Zweifel bestehen. Es entstand nach
den drei Memorialbüchem des Hauses, d. h. nach 1390, und geht
wie alle übrigen Memoriale auf Nikolaus von Löwen zuT'\ieV..
48
5. Das Kleine Dentsche Memorial
Wie in der Vorrede zum Großen Deutschen Memorial aus-
geführt ist, war das Kleine Deutsche, allgemein als das „dritte
Urkundenbuch" des Johanniterhauses bezeichnet, eine wörtliche
Übersetzung des „Ersten Lateinischen Memorials" (14*29). Nur fehlten
das Buch von den Neun Felsen, das Zwei-Mannenbuch und das
Meisterbuch. Es enthielt demnach im wesentlichen die drei Mate-
rien : Gründungsgeschichte, das Buch von den Vier-Jahren und
das Fünf-Mannenbuch ; außerdem noch drei Artikel oder Ab-
schnitte über die Ordensgelübde: Armut, Keuschheit und Gehor-
sam, welch letztere im Lateinischen Memorial nicht standen. Daß
das Kleine Deutsche Memorial nur eine Übersetzung des Ersten
Lateinischen Memorials ist, wird bestätigt durch das Briefbuch.
Dort ist davon die Rede, daß „die hinderste stroffunge" Rulmanns
im Lateinischen Memorial das 29., im Deutschen Memorial dagegen
das 18. Kapitel bildet (146*25), was sich an unserm vorliegenden
Kleinen Deutschen Memorial bewahrheitet, wie folgende Inhalts-
übersicht zeigt:
I. Gründungsgeschiehte, Kapitel 1-13 [statt 11 oder 12 des
Lateinischen Memorials.]
II. Leben Rulmann Merswins, Kapitel 14-20:
a) Vorwort: Kapitel 14.
b) Text: Kapitel 15-17.
c) Stratung Rulmanns: Kapitel 18.
dj Vogelnest: Kapitel 11).
ej Ermahnung an die Brüder: Kapitel 20.
111. Fünf-Mannenbuch, Kapitel 21-27.
Nachträge: Kapitel 28: Begleitschreiben zum Meisterbuch und
Sakramentspredigt, die Ordensregel (Pflegerbrief?),
drei Abschnitte über Armut, Keuschheit und Ge-
horsam und zuletzt der Stiftungsbrief der Frau
Luitgard von Löwen über zwei Ewigliehter: 1382
März 12.
Wie wir in den verschiedenen vorausgehenden Memorialen
gesehen haben, zeigt sich auch hier die Erscheinung, daß das
Kleine Deutsche Memorial im Laufe der Jahre mannigfache Ände-
49
rangen und Zusätze erfahren hat Daher kommt es, daß die Grün*
dungsgeschichte statt 12, 13 Kapitel umfaßt, und daß das 28. Kapitel
des „andern kleinen tütsehen memoriale büches" (42*14) den
Brief zum Meisterbuch sowie die Sakramentspredigt enthält, welche
in der lateinischen Vorlage Teile des MeisterbuchsJ waren. Den
Schluß bildete der Stiftungsbrief der Frau Luitgard von Löwen
über zwei Ewiglichter vom 12. März 1382, von dem es im Großen
Deutsehen Memorial heißt, daß er „zu hinderste in dem kleinen
Urkunde buche" (12*4) geschrieben steht.
Das Kleine Deutsche Memorial war noch nicht vorhanden,
als Nikolaus von Löwen den ersten Teil des Großen Deutschen
Memorials anfertigte. Erst der zweite Teil spricht von ihm. Seine
Entstehung erklärt sich auf folgende Weise:
Nachdem Nikolaus von Löwen den ältesten Teil des Großen
Deutschen Memorials vollendet hatte, wollte er zur Ergänzung
dieses Memorials eine Übersetzung des Ersten Lateinischen Me-
morials bieten mit Ausnahme der Neun Felsen, des Zwei-Mannen-
und des Meisterbuchs. Diese drei Traktate brauchte er nicht zu
übersetzen, da jedes derselben in einem eigenen deutschen Büchlein
im Johanniterhause vorhanden war (18*7 ; 19*7,24). Eingehender
berichtete darüber „die rubericke zu aller vorderst in dem kleinen
tütschen buche'* (35*24). So entstanden die ersten 27 Kapitel des
Kleinen Deutschen Memorials, dem einige Nachträge folgten, die
teils dem Meisterbuch (Kapitel 28), teils andern Traktaten ent-
nommen waren. Bei näherem Zusehen wurde jedoch Nikolaus
von Löwen gewahr, daß der lateinische Text der Neun Felsen,
des Zwei-Mannenbuchs imd Meisterbuchs mit den vorhandenen
deutschen Büchern nicht übereinstimmte; darum zerlegt er das
lateinische in die „zwei übriggebliebenen Lateinbücher*' und
v^ollständigt die Sammlung der Traktate des Großen Deutschen
Memorials durch Hinzufügung der drei Materien: Neun Felsen,
Zwei-Mannenbuch und Meisterbuch. Dadurch entstand der zweite
Teil des Großen Deutschen Memorials. Nur beim Meisterbuch
ließ er das Begleitschreiben und die Sakramentspredigt weg, da
er dieselben schon dem Kleinen Deutschen Memorial beigefügt hatte.
Der Vergleich des Kleinen Deutschen Memorials mit dem
^egermemorial endlich zeigt, daß es mit letzterem wohl in den
drei Materiea: Gründungsgeschichte und den beiden SüileT-\jfc\i«v\^
50
nicht jedoch in der Anzahl der Kapitel oder deren Wortlaut über-
einstimmt, aber es bildet die Vorlage zu den drei Pflegermerao-
rialen und dem Meistermemorial.
Wie das Große Deutsche Memorial ist auch das Kleine
Deutsche Memorial erst nach dem Tode Rulmanns entstanden,
kann in seinem Hauptteile vor 1385 vollendet gewesen sein, hat
aber erst in den neunziger Jahren seine vollendete Gestalt erhalten.
6. Das Brief bnch.
Wer in der Erklärung des sogenannten Briefbuchs allein auf
die Auszüge angewiesen ist, welche KarlSchmidtin seinem „Niko-
laus von Basel" und in den „Gottesfreunden" ediert hat, muß
unumwunden gestehen, daß er vor ein unauflösbares- Rätsel ge-
stellt ist. Glücklicherweise ist das Original der Handschrift dem
bei der Belagerung Straßburgs ausgebrochenen Brande entronnen.
An der Hand dieses Originals gilt es nun ganz neu aufzubauen.
Wir werden bald sehen, wie das Dunkel, das bisher über dem
Briefbuch lagerte, sich lichtet. Auf der andern Seite wird diese
Untersuchung aber auch zeigen, wie verantwortungsvoll die Arbeit
dessen ist, der ähnliche Handschriften wie das Briefbuch ganz
oder im Auszuge zu veröffentlichen gedenkt.
a) Das „Brief buch" ist uns in der Handschrift H 2185 des Be-
zirksarchivs zu Straßburg erhalten. Die Handschrift zählt nach neue-
ster Nummerierung 83 Bll. Um dem Einband einen besseren Halt
zu geben, wurde wie im ersten Übriggebliebenen Lateinbuch je
ein Pergamentblatt am Anfang und Ende der Handschrift bei-
gefügt und auf der Innenseite des Deckels aufgeklebt. Beide
Blätter wurden von mir losgelöst. Dabei zeigte sich die aufge-
klebte Seite des vorderen Blattes als unbeschrieben. Auf der
nich taufgeklebten Seite dagegen steht ein Bruchstück von einer
Urkunde Papst Urbans [VI.?], worin dieser den Propst, Kantor
und Thesaurar [von StraßburgJ beauftragt, dem Heinrich ge-
nannt B. von Ettenheim bei der Erwerbung einer vom Papste
reservierten Pfründe behilflich zu sein. Die freie Seite des am
Schlüsse der Handschrift angebrachten Pergamentblattes enthält
die eigenhändige Lebensbesehreibung des Nikolaus von Löwen.
Die Rückseite dieses Blattes ist mit Namen einiger Straßburger
51
Familien beschrieben, die für unsere Zwecke nicht in Betracht
Jkonunen.
Das Corpus der Handschrift besteht aus 6 Lagen, von denen
die erste Lage 3 Doppelblätter, die Lagen 2-6 je 6 Doppelblätter
zählen. Spuren der ursprünglichen Lagenzählung sind nicht er-
kennbar. In die Handschrift sind außerdem zwei selbständige
Büchlein eingefügt: das Fünf-Mannenbuch und die Vier-Jahre.
Ersteres ist in der Mitte der ersten Lage angebracht und füllt
jetzt BL 4-11. Das Büchlein von den Vier-Jahren Rulmann Mer-
swins dagegen ist in der Mitte der dritten Lage eingenäht, jetzt auf
BL 33-44. Diese zwei Büchlein werden wir einstweilen außer
Betracht lassen, da wir weiter unten auf sie zurückkommen müssen.
Zu der Handschrift wurde teils Pergament, teUs Papier ver-
wendet. Bei der ersten Lage sind die beiden äußeren Blätter aus
Pergament, das mittlere Papier; bei der Lage 2-4 besteht je das
äußerste und das innerste aus Pergament, wodurch die dazwischen-
liegenden Papierblätter sehr gut geschützt wurden; bei Lage 5
nnd 6 endUch ist nur das mittlere ein Pergamentblatt.
Das Pergament wie das Papier ist liniiert: die Pergament-
blätter durchschnittüch zu 35 Zeilen, die Papierblätter dagegen
niit 39-41 Zeilen. Auf die Anfertigung dieses Memorials wurde
bei weitem nicht jene Sorgfalt verwendet, die wir bei den bisher
betrachteten Memorialbüchern gefunden haben. An Stelle des
Pergaments tritt das bilUgere Papier. Und auch die wenigen
för das Briefbüchlein verwendeten Pergamentblätter sind sehr
schlecht und minderwertig. Das ist um so auffallender, als sein
Inhalt für das Johanniterhaus stets von der größten Bedeutung
Qnd lebendigstem Interesse sein mußte.
Auch in der Verwendung von Initialen ist das Brief büchlein
sehr sparsam. Das einzige bemalte Blatt der Handschrift stammt
^03 einem anderen Memorial und wurde nur zufälUg hier ange-
fögt (154*35). Desgleichen ist die Schrift im Gegensatz zu den an-
deren Urkundenbüchern des Johanniterhauses sehr flüchtig. Viele
Korrekturen finden sich, vor allem von Blatt 57 an. Der Original-
änband besteht aus einem Holzdeckel, der mit weißem Leder
üb^zogen wurde in derselben Größe und Ausstattung, wie der
Einband des zweiten ÜbriggebUebenen Lateinbuchs. Auf der Außen-
seite des hinteren Deckels ist ein kleiner länglicher Pei^am^tiV-
4*
52
streifen aufgeklebt und mit den Worten beschrieben: „Disist<
Briefebüchel". Die noch vorhandenen Spuren weisen dar
hin, daß dieser Pergamentstreifen ehemals mit Messingstäbcl
umrahmt und mit Marienglas geschützt war ; wir haben demn;
in diesem Punkte dieselbe Erscheinung wie beim zweiten Übi
gebliebenen Lateinbuch (siehe oben S. 33).
b) Die Handschrift trägt den offiziellen Titel „Briefebüchei'S Br
büchlein, und zwar deswegen, weil in ihm „versammelt sint i
die missyven, die der liebe verborgene gottesfrünt in Oberli
Rüleman Merswines unsers Stifters seligen heimelicher geselle^
zu mole herabe geschriben het den priestern und personen zu d
Grünenwerde" (64*1). Betrachtet man jedoch den Inhalt der gan:
Handschrift, so kann man diesen Titel keineswegs als zutreffe
bezeichnen, denn von den 83 Blättern ist nicht einmal der dr
Teil mit Briefen beschrieben. Mehr als zwei Drittel ist bunt dur<
einander gewürfelten hihalts. Ebensowenig sind hier „alle" Bri
gesammelt, welche der Gottesfreund oder Rulmann je geschriel
haben, denn in diesen Briefen wird auf verschiedene andere Bri
verwiesen, welche nicht im Briefbuch stehen.
Der Zweck, den die Handschrift zu erfüllen hatte, war
erster Linie ein aszetisch-praktischer. Überall klingt (
aszetische Moment durch: die Ermahnung zum Gehorsam, Arm
Einigkeit, Abgeschiedenheit und anderm. Daneben sollte die Hai
Schrift Priestern und Laien des Grünenwörth auch erzählen „\
den werken gottes und ettelicher frömeder offenborunge und \
maniger leige geschiht ires [der Gottesfreunde] und ouch unsi
gebuwes, wie sich die verlöfTen hant sider der zit, daz dis t
zu dem Grünenwerde wart zu dem ersten angefangen zu (
nuwende (64*6).
c) Um einigermaßen eine Übersicht über den bunten I n h 8
des Briet büchleins zu gewinnen, kann man nicht, wie bisher,
erster Reihe nach sachlichen Gesichtspunkten vorgehen, sonde
nach den einzelnen Lagen. Darnach besteht sein Inhalt aus f
genden Teilen:
I. Teil: Lage 1 u. 2; BL 1-26.
1. Erste Hälfte der ersten Lage: Geschichtliche Einle
tung: Der Gottesfreunde Aufenthaltsort und Romrei
(Oo*n-'69''ll}.
53
2. Einschiebsel in der Milte der Lage: Fünf-Mannenbuch.
a) Einleitung und Brief: Bl. 3 (69*12-71*22).
b) Text des Fünf-Mannenbuchs : Bl. 4*-ll* (71*23).
c) Schlußwort und Nachtrag: BL 11^ (71*28-72*32).
3. Zweite Hälfte der ersten Lage und ganze zweite Lage:
Zehn Briefe mit Schlußermahnung: Bl. 12*-26^
a) Zehn Briefe: Bl. 12»-25* (73*1-99*37),
a) Brief 1-5: Haus und Brüder von Grünenwörth betr.
Bl. 12^-17^ (73*1-84*19).
ß) Brief 6-10: „Öme, pflogen, ufslag" betr.; Abschied von
den Brüdern: Bl. 17^-25* (84*20-99*37).
b) Schluß:
Ermahnung auf Grund der vorausgehenden Briefe.
Schlußworte: „Das widervare uns allen. Amen" {99*38-
103*13).
IL Teil: Lage 3; BL 27-46.
1. Erste Hälfte der Lage: Brief 11-15: BL 26»>-32a:
a) Brief 11-12: an den Komtur: BL26^-29a('iOc^i4.i08*7;.
b) „ 13: „ „ „ :Bl. 29^-32^ (108*8-114*3).
c) „ 14-15 : Auszüge. Nachtrag : BL 32^ (114*4-115*12).
2. Einschiebsel in der Mitte der Lage.
a) Vorwort zu den Vier-Jahren: Bl 32^ (115*13-116*23).
b) Text der Vier-Jahre : BL 33»-40^.
c) Prolog zum Meistermemorial und 25. Kapitel des Pfleger-
memorials: Bl. 4^-44^ (116*24-120*6).
3. Rest der Lage: Brief 16 u. 17: BL44»-46^ (120*7-125*24).
Nachtrag: Pflegereid: BL 46^ (125*25-126*23).
IIL Teil: Lage 4; BL 47-58.
I.Brief 18-20 Nikolaus von Löwen betreffend: BL 47^-51^
(126*24-137*20).
2. Ermahnung und bist. Nachrichten über die Gottesfreunde :
Bl bl^'bb^ (137*21-148*22) mit Brief 21 als Nachtrag:
Nikolaus von Löwen betreffend (Bruchstück): BL 55^-56*
(148*23-149*16).
54
IV. Teil: Schluß der 4. Lage; Lage5; BL56*-70.
Traktat „Sehürebrand" : Bl. 56»-70* mit den histo-
rischen Bemerkungen über „Beerenberg'* Bl. 70^-71*
und Bloveldes Regeln: U^-n^ (149*17-151*11).
V. Schluß: Lage 6: Varia; BL 71»-82^
1. Figuren und Gedichte des Meistermemorials: BL 73*-73^
(151*12-153*26).
2- Warnung, die Reue nicht zu verschieben: BL 74*-75^
(153*27-154*7).
3. Brief 22: Nikolaus von Löwen betr., auf freiem Platze
nachgetragen: BL 75^ (154*8-34).
4. Gedicht auf Jesu Namen. Gemaltes Initial: BL 76'-80^
(154*35-155*5).
5. Namen der drei Pfleger mit vorausgehender Rubrik:
Bl. 80^-81* (155*6-30).
6. Begleitbrief des Meistermemorials : Bl. 82» (155*31-156*25).
7. Lebensbeschreibung des Nikolaus von Löwen (156*26-
157*29).
d) Mit zu den interessantesten Kapiteln in der Untersuchung der
Gottesfreundfrage gehört die Betrachtung der Entstehungsweise
des Briefbuchs. Sie bietet Momente, welche auch für die allge-
meine Quellenkritik von größtem Werte sind.
Für unsere Zwecke kommen zunächst nur die vier ersten
Lagen der Handschrift in Betracht; mit den übrigen Lagen werden
wir uns nur insoweit beschäftigen, als es für Klarlegung unserer
Frage wichtig ist.
Aus der Handschrift sind zunächst auszuscheiden:
1. Die durchaus selbständigen Teile. Dahin gehören: a)das
Fünf-Mannenbuch und das Büchlein von den Vier-Jahren Rulmann
Merswins. Ersteres ist in der Mitte der ersten Lage eingefügt
(jetzt Bl. 4-11) ; letzteres in der Mitte der dritten Lage (jetzt Bl. 33-40).
Beiden geht je eine Einleitung voraus, welche sich über Inhalt
und Herkunft des eigenhändig geschriebenen Büchleins verbreitet
b) Bl. 4P-44* (116*27). Nach dem Buch von den Vier-Jahren folgen,
die zweite Hälfte der dritten Lage einleitend, einige Bestandteilet
welche Abschriften aus anderen bereits vorhandenen ürkunden-
büchem bilden, und zwar zunächst der Prolog zu dem Memorialbuch
55
des obersten Meisters samt Inhaltsangabe, darauf das 25. Kapitel
des Pflegermemorials, welches sich über die zwei Übriggebliebenen
Lateinbücher, ihren Zweck und Bestimmung verbreitet. Warum
diese Materien in das gegenwärtige Briefbuch abgeschrieben
wurden, gibt der Verfasser nicht an. Zu erklären aber ist die
Erscheinung nur, wenn schon vor diesen Kapiteln das Brief buch
abgeschlossen sein sollte, so daß diese Materien eine Art Nach-
trag gebildet hätten, wie wir ähnliches bei den bereits besprochenen
Urkundenbiichem sahen.
2. Die späteren Zusätze. Als solche lassen sich teils
durch den verschiedenen Schriftcharakter, teils aus inneren Gründen
leicht erkennen:
Bl. 11^ (72*16): i,Dis ist eine roberike'^ Dieses Gedicht aus
dem Meisterraemorial kann erst nach dem „Clorerbüchlin" (149*17)
geschrieben worden sein, da auf dieses hier Bezug genommen wird.
Bl. 46*^ (125*25): Pflegereid: diente zur Ausfüllung des leeren
Raumes am Ende der dritten Lage.
Bl. 75^ (154*8) : Brief 22. Schreiben des Gottesfreundes an Niko-
laus von Löwen, Abschrift des Fünf- Mannenbuchs betr.; womit eben-
falls der noch unbeschriebene Raum auf BL 75*^ ausgefüllt werden
soDte. Zu den späteren Zusätzen können endlich auch die Namen
der Pfleger Bl. 80^ und bl (185*611.) gerechnet werden.
3. Bereits anderwärts benützte Blätter. Dazu ge-
hören: Bl. 76»-80^ (154*35-155*5), ursprüngHch Bestandteile eines
anderen kostbaren Urkundenbuchs, wie aus der prachtvollen
Initiale geschlossen werden kann. Da der Text jedoch viele
Korrekturen notwendig machte, wurden diese Blätter aus dem
ursprünghchen ürkundenbuch entfernt, jedenfalls aufs neue dort-
hin geschrieben, der Text mit den Korrekturen jedoch dem Brief-
buch als Anhang beigefügt.
Nach diesen allgemeinen Erörterungen ist es möglich, des
nähern an die Untersuchung der Entstehungsweise heranzutreten.
Schon aus der Übersicht des Inhalts sind die einzelnen Teile der
Handschrift und ihre Entstehung in etwa zu erkennen. Es gilt
hiar nur, die Beweise für jene schematischen Aufstellungen zu
»bringen.
Der erste Teil der Handschrift umfaßt Lage 1 und 2 oder
Bl. 1-26 und bildet ein in sich abgeschlossenes Ganzes. Ab%^-
56
sehen von dem Einschiebsel des Fünf-Mannenbuchs samt Zugehör
besteht er aus einer Einleitung, einem Hauptteil mit 10 Briefen
und einer Schlußermahnung an die Johanniterbrüder auf Grund
dieser Briefe. Man könnte sich keinen einheitlicheren Teil denken
als diesen, und dennoch folgen auf der dritten Lage neue Briefe !
Nikolaus von Löwen muß also seinen Plan geändert haben, sehen
wir zu: wie und wann?
Das Wahrscheinlichste ist, daß der Schreiber seine Hand-
schrift mit der zweiten Hälfte der 1. Lage begann, d. h. mit den
eigentlichen Briefen, die sachlich in zwei Unterabteilungen zerfallen:
Brief 1-5 und 6-10. Eine Schlußermahnung auf Grund dieser
Briefe schließt sich in schönster und natirlichster Weise daran an.
Alsdann wurde die Einleitung geschrieben, für welche dem Ver-
fasser die zwei ersten Blätter der 1. Lage zur Verfugung standen,
während das dritte Blatt dieser Lage für die Vorbemerkungen
zum Fünf-Mannenbuch reserviert war. Erst dann verfertigte er
die Rubriken zu der Einleitung, zu den einzelnen Briefen und der
Schlußermahnung, hatte aber inzwischen den Plan gefaßt, den
bereits geschriebenen Briefen einige neue auf der nun folgenden
3. Lage "hinzuzufügen. Das geht zur Genüge aus der Rubrik zu
Brief 6-10 (84*36) hervor, wo bereits auf den 11. Brief, der den
noch leeren Raum der 2. Lage und das erste Blatt der 3. Lage
ausfüllt, verwiesen wird.
Dieser Brief ist nach Aussage Nikolaus von Löwens wie die
Briefe 6-10 einer der „letzten Briefe", welche der Gottesfreund
an Rulmann Merswin und an den Komtur gerichtet hat Er
handelt von demselben Gegenstand wie 6-10, aber dennoch schreibt
ihn Nikolaus von Löwen nicht vor die Schlußermahnung zu
den fünf Briefen (6-10), wo er sa(;h- und zeitgemäß hingehört,
sondern beginnt mit ihm eine neue Serie. Diese Erscheinung ist
nur erklärlich, wenn er seinen ursprünglichen Plan änderte, be-
vor er sämtliche Rubriken des ersten Teils schrieb. Neu ist
ja eine solche Methode bei Nikolaus von Löwen nicht; wir
haben ähnliches schon beim Großen Deutschen Memorial, dem
Pflegermeniorial und vor allem bei den beiden Übriggebliebenen
Lateinbiichern gefunden. Und in dieser Weise allein ist auch
das Briefbueh zu verstehen. Das Material schwUlt Nikolaus von
Löwen gleichsam unter den Händen an, ein einmal geschriebener
Brief ruft neue Gedanken hervor und weckt den Entschluß, weitere
zu schreiben, ohne daß sich der Verfasser selbst über die Gründe
dazu Rechenschaft geben kann. Noch deutlicher zeigt dies der
Inhalt der 3. Lage.
Nachdem in der angeführten Weise der erste Teil der Hand-
schrift vollendet war, begann Nikolaus von Löwen mit dem IL Briefe
auf dem noch unbeschriebenen Platze der zweiten Lage (Bl. 26^)
und schrieb die ganze erste Hälfte der 3. Lage durch bis Bl. 32^
{115*13). Diese Seite war von vornherein dem Vorwort zu den
Vier-Jahren vorbehalten. Die Folge war, daß die zwei voran-
gehenden Briefe 14 und 15, sollten sie noch in der ersten Hälfte der
Lage Platz finden, nur auszugsweise wiedergegeben werden
konnten und außerdem enge aneinander geschrieben werden
mußten. Jedem, der die Handschrift in die Hand nimmt, wird
<iiese Erscheinung auf den ersten Blick in die Augen fallen. Dies
alles geschah aber nur deswegen, weil damit das Briefbuch ein
zweites mal abgeschlossen werden sollte. Oder sollte es nicht
auffallend sein, daß im letzten Brief des ersten Teils, wie in dem
des zweiten Teils beidemale der Gottesfreund Abschied nimmt,
<iort von Rulmann Merswin, hier von Nikolaus von Löwen?
Hier schreibt er an Nikolaus von Löwen: Nehmt es mir nicht übel,
»iWan ich üch nu nüme schribe noch nieman, ez sige dan rede-
^che notdurft; und ir bedürffent sin öch von der gnaden gottes
nüme*' (115*7); dort aber bemerkt der Gottesfreund Rulmann Mer-
swin: da wir nicht mehr zusammen kommen können, „so enmahtdu
mir noch ich dir mit me früntUche briefe geschriben" (96*33). Ebenso
bedenklich ist e^, daß die Schlußbriefe des ersten Teils als „die aller
andersten briefe" (84*33) bezeichnet werden, die der Gottesfreund
ftn das Johanniterhaus schrieb. Das gleiche heißt es aber auch
vom 12. Brief: „Dis ist der aller hinderste brief, den der liebe goltes-
frönlherabe schreip dem commendüre zu dem Grünenwerde" (105*8),
^d ebenso ist der 15. Brief „die hinderste missive' (1 14*22^ des Got-
tesfreundes. Also Gründe genug für die Annahme, daß die Briefe nach-
-öinander entstanden sind und zwar nicht nach einem einheitlichen,
sondern bloß zufällig, sich ergebenden Plane, je nachdem der Platz
^6r Handschrift dafür reichte oder nicht. So handelt aber niemand,
^^r bereita vorhandene Briefe einfach zu ordnen, abzuschreiben
^ alleofolls noch mit einer Einleitung zu versehen hall^. ?iO>\VÄ
58
die Handschrift hier nicht abgeschlossen werden, so sind die
darauf folgenden Einträge aus dem Meister- und Pflegermemorial
ganz unverständlich. Diese Teile können nicht schon fertig aus
einer anderen Handschrift herübergenommen worden sein, denn
sonst könnten sie nicht auf das Briefbuch ausdrücklich Bezug
nehmen (118*40). Sie sind vielmehr mit der Anlage des Brief buchs
erst geschrieben worden, nur dazu bestimmt, den unbeschrie-
benen Rest der 3. Lage auszufüllen. Nikolaus von Löilren bricht
aber damit bald ab und trägt abermals zwei Briefe (16 und 17)
in die Handschrift ein, die ganz treffend die 3. Lage schließen
sollten. Immerhin blieb auf der letzten Seite (Bl. 46^) der 3. Lage-
noch etwas Platz frei, auf welchem später der Pflegereid nach*
getragen wurde, der ebenso wie die vorausgegangenen Materien
aus dem Meisterbuch und dem Pflegermemorial mit dem Briefbucb
eigentlich nichts zu tun hat.
Eine nicht geringere Regellosigkeit herrscht im dritten Teil
oder in der 4. Lage der Handschrift. Es folgen zunächst drei Briefe
(126*24 ff.); alle drei betreffen Nikolaus von Löwen. Der erste ist
an den Gottesfreund von Nikolaus von Löwen gerichtet, die beiden
andern sind Briefe des Gottesfreundes an Nikolaus von Löwen.
Die diesen Briefen folgende Ermahnung mit historischen Notizen
über Rulmann Merswin und die Gottesfreunde würde den Ge-
danken nahelegen, dal] hier endlich das Brief buch seinen Abschluß
gefunden hätte. Doch gleich darnach folgt abermals ein Brief de&
Gottesfreundes im Auszuge als Nachtrag (148*23). Darauf geht
der Schreiber zu verschiedenen Traktaten über, die im bunten
Durcheinander aufeinanderfolgen, und bei denen wir nur sagen
können, daß sie lediglich dem Zufall und der Laune des Schrei-
bers ihre Entstehung verdanken, aber mit dem Briefbuch und
seinem Zwecke j-chlechterdings in keinem Zusammenhang stehen.
Doch unversehens stoßen wir mitten unter diesem verschieden-
artigen Inhalt abermals auf einen Brief des Gottesfreundes an
Nikolaus von Löwen (154*8). Sein Inhalt ist nicht unwichtig,,
denn er handelt von dem Fünf-Mannenbuch und der Anweisung,
in welcher Weise es Nikolaus von Löwen abschreiben sollte.
Man hätte also erwarten dürfen, daß dieser für das Fünf-
Mannenbuch so wichtige Brief auch an jenem Platze des Brief-
buchs steht, wohin er gehört: in der ersten Lage des Brief buchs.
5^
beim Text des Fünf-Mannenbuchs. Warum er dort seinen Platr
nicht fand, werden wir später sehen; für jetzt genügt es festzu-
stellen, daß sich dieser Brief seiner Schrift nach als späterer
Nachtrag erweist, nur in das Briefbuch geschrieben, weil nach
Vollendung desselben auf Bl. 75^ noch ein unbeschriebener Raum
übrig war.
Die ganze Anlage des Briefbuchs ist demnach keine ein-
heitliche, obwohl die Einleitung wenigstens von einer gewissen
Einheit spricht. Wenn dort von einer Unordnung in der Reihen-
folge der Briefe gesprochen wird, ab der „nieman irren sol in vür-
witziger zwifelunge" (65*4), so wollte der Schreiber damit bloß die
Unordnung in der Datumsfolge der Briefe des ersten Teils recht-
fertigen, da der Schreiber hier absichtlich der chronologischen
die sachliche Ordnung vorgezogen habe; denn e3 ist durch die
Anlage der Handschrift nicht notwendig bedingt, daß die Einlei-
tung sich auch auf die Briefe der 3. und 4. Lage beziehe. Sie
hat ihre volle Geltung für die Briefe der ersten zwei Lagen, da
diese Briefe wohl eine sachliche, aber keine chronologische Reihen-
folge aufweisen.
Man könnte versucht sein, noch auf eine andere als die
obige Weise die Entstehung der Handschrift zu erklären. Es ist
ja eine vielfach beobachtete Erscheinung, daß bei Anlegung einer
Handschrift mehrere Schreiber zu gleicher Zeit tätig sind und
jeder seine Lage beschreibt, oder auch daß ein einzelner Schreiber
zu gleicher Zeit an verschiedenen Lagen schreibt, die später zu
einem ganzen vereinigt werden. Allein diese Entstehungsart ist
bei dem Briefbuch vollständig ausgeschlossen. Das Brietbuch
weist in seiner Schrift nur eine einzige Hand auf, und auch die
einzelnen Lagen sind nicht zu gleicher Zeit, sondern nacheinander
beschrieben worden. Das zeigt der Übergang von Lage eins auf
zwei mid zwei auf drei deutlich, ebenso ninmit die 4. Lage Be*
zog auf die schon vollständig geschriebenen vorausgehenden drei
Lagen (140*15).
e) Wenn wir uns nach der Entstehungszeit der Hand-
schrift umsehen, so führen schon die allerersten Blätter des Brief buchs
Rulmann Merswin als verstorben ein. Das Brief buch ist demnach
erst nach dem Tode Rulmanns geschrieben. Weiterhin ist der
erste Brief an den Komtur des Jobanniterhauses gericYüBt, ,A^
«0
^ozwmofe brüder Heinrich von Wolwasch" (73*17) war. Auai
diesem Ausdrucke geht zur Genüge hervor, daß zur Zeit der Anle-
gung des Brief buchs Heinrich von Wolfach nicht mehr Komtur zu
Straßburg war; nicht aber folgt daraus, daß er schon gestorben
ivar. Heinrich von Wolfach kehrte nämlich um das Jahr 1390
in das Johanniterhaus zu Freiburg i. Schw. zurück, aus dem er
nach Straßburg versetzt worden war. ') An seiner Stelle erscheint
im Juli 1392 urkundlich zum erstenmal „Erhard Thoman,
komtur zu Straßburg". Auf die Zeit nach 1390 verweisen uns
auch die Stellen 139*17, 30; 140*28, wo die Jahre 1389 und 1390,
und 72*19; 117*9; 156*8, wo Konrad von Braunsberg als
verstorben erwähnt ist.
Die drei nach Anlegung des Brief buchs noch lebenden Pfleger,
welche 155*20 genannt werden, sind: Johann vonKageneck,
Nikolaus Jung und Adam Löselin. Johann von Kageneck
ist zum erstenmal als Pfleger genannt im Jahre 1390, Nikolaus
Jung ums Jahr 1392. Beide sind 1408 noch am Leben. Adam
Löselin erscheint zum erstenmal im Jahre 1406. Wie lange er
vorher schon sein Pflegeramt ausübte, steht nicht fest, da das
Todesjahr seines Vorgängers Paul Mosung, der als Pfleger
ums Jahr i;>93 erscheint, unbekannt ist. Diese Angaben fuhren
uns also auf die Jahre 1392-1408. ^)
Bei Anlage des Briefbuchs muli ferner Nikolaus von Löwen
(gest. 1402) noch am Leben gewesen sein, wie die Lebensbeschrei-
bung 157*24 beweist, auch wenn sie nicht eigenhändig geschrie-
ben wäre.
Fassen wir alle Punkte zusammen, so ist die Abfassungs-
-zeit des Brief buchs in die Jahre i;>90-1402 zu verlegen.
f) Außerdem setzt das Brief buch eine Reihe anderer ürkunden-
bücher als seine Quellen und Vorlagen voraus, ist also der
^eit nach auch von diesen abhängig.
*) Nach 140*83 waro Heinrich von Wolfach schon im Jahre 1389 zu Froi-
burg gewesen. Kr erscheint urkundlich zum letztenmal 13S9 Juli 20 (Straßburger
U-B. VII, 702). Sein Nachfolger Krhard Thoman wird 1392 Mdrz 6 noch als
,,frater'' und Kouventual des Johannitorhauses bezeichnet (U-B. VII, 730), und er-
scheint als Komtur erstmals 1392 Juli 30 (l'-B. VII, 749).
*) Eine Zusammenstellung der Pfleger enthält die Hs. G S. 284 ff., der die
-obigen Daten, welche nach Kopb. 1618 des StraCburger Bczirksarchirs geprüft
vrurden, entnommen sind.
61
So werden die „drü Urkunde bücher dez huses zu der»
Grunenwerde^* genannt 64*17; 73*4; 116*36; 119*29. Es sind
darunter verstanden das Lateinische, das Große Deutsche und das
Kleine Deutsche Memorial. Von dem lateinischen Urkundenbuch
wird außerdem der Inhalt des 29. Kapitels angegeben (146*25)t.
welches mit den Angaben Götzmanns übereinstimmt. Auch
dort bildet die „hinderste früntliche vermanunge und minesame
stroffiing und letze" Rulmann Merswins das 29. Kapitel. Mit dero
29. Kapitel des Lateinischen Memorials korrespondierte das 18. Ka-^
pitel des Kleinen Deutschen Memorials. (Siehe oben S. 48).
Die drei Pflegermemoriale werden angeführt 117*3; 119*32 v
139*37 und der Text des 25. Kapitels mitgeteilt
Von den zwei Übriggebliebenen Lateinbüchern spricht das
Briefbuch 119*34.
An den verschiedensten Stellen (116*27 ff.) wird sodann das.
.iMeisterbuch" oder das Meistermemorial genannt, dessen Inhalt
wir noch näher zu betrachten haben.
So geben uns alle diese Stellen sichere Anhaltspunkte für
die Entstehungszeit des Briefbuchs, denn es ist klar, daß es erst
nach den bisher behandelten Urkundenbüchern verfaßt sein kann
und zwar schon in seinem ersten Teü nach 1390, in seinen übrigen
Teilen erst nach den Pflegermemorialen, dem Meistermemorial
und den beiden Übriggebliebenen Lateinbücher.
g) Der innige Zusammenhang, in welchem das Briefbuch mit
den andern Memorialbüchern des Johanniterhauses steht, zeigt».
daß es auch denselben Verfasser hat wie die übrigen ür-
kundenbücher. Schon die ganze äußere Gestalt des Briefbuchs
stimmt mit dem zweiten Übriggebliebenen Lateinbuch vollständig,
öberein, so daß beide ein und denselben Urheber haben müssen^
Audi die Entstehungszeit des Briefbuchs spricht nicht dagegen, da
es noch vor dem Tode Nikolaus von Löwens geschrieben ist. Und
was hätte die eigenhändige Lebensbeschreibung Nikolaus von
Löwens am Schlüsse des Briefbuchs für einen Zweck, wenn er
daran keinen Anteil hätte? Daß diese Lebensbeschreibung aber
eigenhändig ist, wird niemand bezweifeln können. In der ersten
Person spricht Nikolaus von Löwen ferner von sich 149*27 ^
wo er seine Anwesenheit auf dem Beerenberge bei Winterthur
erwähnt An verschiedenen anderen Stellen sodann etseYiÄxvV
•62
^ein Name, und dieser allein von allen Brüdern, in der dritten
Person. Wie oft wird nicht in der Einleitung zum Briefbuch,
5odann wieder 138*15 ff. betont, daß Nikolaus von Löwen all
sein Wissen von Rulmann Merswin habe, der ihn über diese
Dinge unterrichtete. Aus all dem erhellt zur Genüge, daß Niko-
laus von Löwen der geistige Urheber des Brief buchs ist, nicht jedoch
in dem Sinne, daß er nur die Anlegung des Brief buchs veranlaßt
und den Text desselben durch andere hätte schreiben lassen,
sondern er hat das Briefbuch auch selbst geschrieben, wie es
die Schrift des Briefbuchs zu beweisen imstande ist,
h) Zur Beurteilung der Schrift sind dieser Abhandlung drei
Schriftproben in photographischer Wiedergabe beigegeben. Ab-
gesehen von dem Fünf-Mannenbuch und dem Büchlein von den
Vier-Jahren, deren [Schriftzüge besonders zu behandeln sind, sind
im Brieibuch zwei Schriftarten zu unterscheiden:
In Schrift 1 ist die eigenhändige Lebensbeschreibung ge-
schrieben (156*26); sodann die Nachträge: 11^ (72*16) J)is ist
eine roberike" und Bl. 75** (154*8): Brief des Gottesfreundes an
Nikolaus von Löwen. Von derselben Hand ist das Datum der
Briefe auf Bl. 16^ (81*23), 19^ (88*31), 29* (108*7), 44^ (122*12),
51^ (137*20) nachgetragen; von ihr stammen auch alle Korrek-
turen in den Traktaten von Bl. 56 an.
In Schrift II ist alles übrige geschrieben. Ein eingehender
Vergleich beider Schriften zeigt, daß beide Schriftzüge von einer
Hand stammen müssen. Jedoch stammen beide aus verschie-
dener Zeit und sind mit verschiedener Federhaltung geschrieben.
Daher erklärt sich der Eindruck des Verschiedenartigen, den die
Schriften im ersten Augenblick auf den Leser machen.
7. Das MeistermemoriaL
Pflegermemorial und Briefbuch setzen uns instand, den In-
halt des Meistermemorials festzustellen, das weder im Ori-
ginal noch in Abschrift auf uns gekommen ist.
Neben den drei Pflegermemorialen wird das Meisterbuch als
„viertes^^ Memorial bezeichnet und sein Inhalt im allgemeinen
dahin bestimmt, daß es „glich sprechend-' sei ,.in allen worten und
materien*' mit dem Pflegermemorial (159*10). An anderer Stelle wird
63
€s einfach eine „abgeschrift eigentliche von worte zu worte des
memorials der drier weltlicher pflegere" (117*2) genannt; nur Titel,
Prolog und Rubriken mußten selbstredend sachgemäß verändert
werden.
Der Prolog zum Meistermemorial ist uns im Pflegermemorial
sowie in etwas abweichender Form im Brief buch erhalten (1 16*39 ;
159*15; 220*30).
Wie das Pflegermemorial, war das des Meisters in drei Ma-
terien geteilt — Gründungsgeschichte und der Stifter-Leben —
und zählte 24 Kapitel. Das 24. Kapitel enthielt die Urkunde Kon-
rads von Braunsberg von 1385. Als Schluß folgte eine Ermah-
nung an aUe künfligen Meister in einem Gedichte (72*16). Das Meister-
memorial war besonders kostbar angelegt und mit prächtigen „Figu-
ren*' bemalt (151*12), deren Sinn beigefügte Gedichte auslegten. Die
Gedichte sind im Briefbuch angeführt und berichten Einzelheiten
aus der Geschichte des Hauses, so die Übergabe desselben an
den Johanniterorden durch Rulmann, die Vision des Gottes-
freundes über den Bau des Klosters usw. Ebenso enthält das
Briefbuch den Widmungsbrief, mit welchem die Johanniterbrüder
das Memorial dem obersten Meister überreichten (155*31 ; 220*22).
Man hat bisher allgemein angenommen, daß dieses Meistermemorial
für den ersten Ordensmeister KonradvonBraunsberg angelegt
worden sei. Allein der Dedikationsbrief selbst sowie eine Stelle in
dem noch zu behandelnden erweiterten Pfleger memorial (220*14)
zeigen deutlich, daß der betreffende oberste Meister weder Konrad
von Braunsberg noch sein Nachfolger Friedrich von Zollern, sondern
«rst des letztern Nachfolger Hesso Schlegelholz war. Als dieser zum
Johannitermeister der deutschen Provinz bestimmt, bei Antritt
seines Amtes von „Rodis" herüberkam, wurde ihm das Meister-
Daemorial überreicht, damit er aus ihm ersehen möge, daß das
nOrdenshus zu dem Grünenwerde von den sunderlichen fründen
gotlz in großer heilikeit und in guter erberkeit mit geworen rede-
lichen Urkunden gestiftet ist worden" (156*5). In Anbetracht dessen
sollte er dann das Haus in derselben Ordnung regieren, wie es die
Stifter und seine Vorfahren gemeint haben (156*23).
Außerdem fiigt der Widmungsbrief noch die Bemerkung bei,
^ Konrad von Braunsberg „öch ein memorial hette und haben
Volte glich disem selben buch'' (156*18). Diese Angabe toou '^^dödö.
C4
vor einer kritischen Betrachtung nicht standhalten, denn in jener Zeit
gab es noch kein Meistermemorial, da die Pflegebücher, welche
dem Meisterbuch zeitlich vorausgiengen, erst nach dem Tode des
Konrad von Braunsberg entstanden sind. Darum erwähnt auch
das Große Deutsche Memorial noch nichts von einem Meister-
memorial, das dem ersten Johannitermeister vorgelegen hätte, ob-»
wohl gerade der angebliche Bestätigungsbrief Konrads von Brauns-
berg über die drei Urkundenbücher des Johanniterhauses Nikolaus
von Löwen darauf hätte führen können.
Ihrer Glaubwürdigkeit wird obige Bemerkung auch beraubt
durch den Zusatz, daß ein solches Memorial zu Konrad von Brauns-
bergs Zeiten nicht so notwendig war wie jetzt (15G*20), weU in gegen-
wärtigen Zeiten die Meisterschaft zu leicht die Gründungsweise
und die Herkunft der dem Johanniterhause zum Grünenwörth
eigentümlichen Statuten vergessen könnte.
Wie die Pflegermemoriale, so verdankt auch das Meistermemo-
rial einer „frommen Stiftung" seine Entstehung (117*17), d. h. die
Herstellungskosten der Handschrift trug nicht das Johanniterhaus,
sondern eine Privatperson stiftungsweise. Die Aufsicht über dieses
Memorial war den drei Pflegern übertragen, welche bei jedem
Wechsel in der Meisterschaft dafür Sorge zu tragen hatten, daß
der jeweilige Nachfolger in den Besitz desselben gelangte (159*24 ff.).
Da das Meistermemorial einerseits die drei Pflegerbücher zur
Voraussetzung hat und andererseits auf den Amtsantritt des Hesso
Schlegelholz hin angefertigt wurde, fällt seine Entstehungszeit
nach 1391, aber vor das Jahr 1399, da in diesem Jahre Hesso
Schlegelholz urkundlich zum erstenmale als „meister in allen lutschen
landen" erwähnt wird^).
8. Das erweiterte Pflegermemorial.
Eine Art Nachlese zu allen vorhandenen Urkundenbüchern, den
lateinischen wie deutschen, bildet das erweiterte Pflegermemo-
rial, wie wir es nennen wollen (210^11.). Wir besitzen davon noch
M Hesso Schlegelholz erscheint erstmals als ..meister zu tütschen landen"
1:399 Juni 30: Kojib. IGlö, Straßburtror Bozirksarchiv; ebenso 1399 August 21:
Straßburger U-B. VII, 802. — 138« Mai 28 wird er urkundlich aufgeführt als : zu
dJNen zyten castellan zu Rudis, couim»»ndür zu Rotwilre, vorziten . . . coDimendür und
pfleg'or dt'S Inisos zi'i Stetzstat und zu Bergheim (Kopb. H)18 Bl. 81*).
65
zwei spätere Abschriften, von denen die eine in der Handschrift
H 2190 des Straßburger Bezirksarchivs, die andere in der Handschrift
B 54 des dortigen Stadtarchivs erhalten ist. Obwohl beide vollständig
miteinander übereinstimmen, so schöpfte doch nicht eine aus der
andern, sondern beide gehen auf das Original zurück, nur be-
hielt B 54 den altertümlichen Dialekt besser bei als H 2190.
Was dieses Memorial ursprünglich für einen Titel trug, ist
uns nicht bekannt. Erweitertes Pfleger memorial kann man es
deswegen nennen, weil es die Pflegermemoriale samt dem Meister-
memorial zur Voraussetzung hat und in seinem Inhalt sich
durchweg an dieselben anlehnt, jedoch der' Zeit entsprechend, in
der es entstanden, gegenüber erstem viele Zusätze und Erweite-
rungen des Textes aufweist. Eine Übersicht über seinen
Inhalt wird dies am besten klar machen.
A. Erster Teil.
1. Einleitung: Spitalbau betr. (210* 1-211*3).
2. Hauptteil:
a) 1. Materie:
Gründungsgeschichte des Johanniterhauses.
Zusatz in Kapitel 9 : Brief des Hesse Schlegel-
holz vom 25. Juni 1401 u. Traktat: „Werg
dererbermde" (211*4-213*16).
b) II. Materie:
Vier-Jahre Rulmann Merswins.
Zwei Parenthesen in Kapitel 16: betr. Neun
Felsen und Zwei-Mannenbuch (195*39 und
W7*7J,
c) III. Materie:
„Hinderste strolfunge" Rulmann Merswins
mit Prolog (213*20 ff'.).
d) IV. [III!] Materie:
Fünf-Mannenbuch mit selbständiger Einlei-
tung (Wi^l Spalte 2).
3. Historischer Epilog:
„Dise vorgeschribenen lieben freunde . . ."
(218*12-220*8). .
Nachtrag ;
1. Urkunde Konrads von Braunsberg über die dre)
Urkundenbücher von 1385.
2. Pflegereid von 13'.tü.
3. Selilußbemerkung undltegleilbrief zumMeistermenio«
rial des Hesse Selilegelliolz samt Prolog (220*11 ff.^
B. Zweiter Teil.
1. Ordoung der Mindern-Bruderschaft (221*1).
2. Ordensprivilegien, dem „Register Konrads von Brauns-
berg'- entnommen {221*36).
3. Übersetzung des Gedicbles: De thesauris summi
regis.
4. Gedicht über Privilegien der Mindern-BrudersohaiL'
5. Text des Gedichtes: De thesauris summi regis.
6. Traktat für eüie „Gottesminnerin" mit der Mahnuiig,J
aic'h zu Grunde zu lassen und von allem abzn^.
scheiden (22y4).
7. Pflegerstatut aus späterer Zeit (223*20).
Das vorliegende Memorial labt sich demnach in zwei
trennte Teile scheiden. Der erste Teil hatte die drei Pfleger^
memoriale zur Vorlage, wie aus dem Schlüsse des ersten Teils
hervorgeht ^le dise vorgeschribenen materien von der stilttmg
und der Stifter leben des huses zu dem Grünenwerde", heißt es
220*11, tiSint geschriben us der drier weltlicher pflegere memoriale
bücher". Der erste Teil besteht aus einer kurzen Einleitung über
den Spitalbau, ein Auszug ans dem Großen Deutschen Memo-
rial 7*34 ff. Diese Einleitung steht nur in Handschrift B 54; die
entsprechenden Blätter von H 2190 sind herausgeschnitten.
Darauf folgt der Hauptteil mit den aus dem Pflegerbueh be-
kannten Materien: Gründungsgeschichte und der beiden Stifter
Leben, jedoch mit selbständigen Zusätzen in Kapitel 9 und 16 des
Pllegermemorials. Ein selbständiger Abschnitt ist auch die „bm-
dtfste stroSunge" Rulmanns, die in keinem der Pflegermemoriale
steht Sie ist dem Kleinen Deutschen Memorial entnommen, wo
sie das 18. Kapitel und die „dirte materie" bildete, wie wir aus dem
Briefbuch wissen (146*27). Darum wurde auch hier die letzte Er-
mahnung Rulmanns als „dritte Materie" eingefligt. Demgemä0
nmi
laiLl
ing,.]
j
67
hätte der Schreiber das nun folgende Fünf*Mannenbueh als ^vierte
Materie"^ bezeichnen müssen, er bezeichnet es aber als ,4ritte*^
Materie, weil das Fünf*Mannenbuch in den Pflegermemorialen wie
in dem Meistermemorial stets die ,4ritte Materie^ bildeta So
sklayisch hielt sich also der Schreiber an seine früheren Vorlagen!
Den Epilog endlich (218*12) finden wir im Briefbuch wieder,
jedoch mit einigen Text-Abweichungen. Die Nachträge dagegen
sind teils den Pflegermemorialen, teils dem Briefbuch entnommen.
Der zweite Teil der Handschrift hat ein lateinisches Memo«
rial zur Vorlage, das wenigstens 106 Kapitel zählte. Wir haben
früher (S. 47) darauf hingewiesen, daß dieses das „Große Latei-
nische Memorial'^ sein muß, dessen Schluß das 109. Kapitel mit
dem Gedichte: „De thesauns summi regis^^ bildete. Auch dieses
Gedicht findet sich in vorliegendem Memorial wieder und zwar
UH lateinischen Urtext wie in deutscher Übersetzung. Das Ge-
dicht über die „Privilegien der Mindem-Bruderachaft'* ist nur eine
Nachbildung des ersteren und stammt wohl aus dem Bruder^
schaftsbuch. Den Schluß des Memorials bilden Statuten für die
drei Pfleger.
Als seine Vorlagen bezeichnet das erweiterte Pfleger-
memorial zunächst die drei Urkundenbücher des Johanniterhauses
inj allgemeinen 219*13, 222*31; sodann die drei Pflegermemoriale
200*13; das Memorial des obersten Meisters 220*15, 27; das
Große Lateinische Urkundenbuch 221*35 0, das Brief büchlein 218*25,
219*2 und das Bruderschaftsbuch 221*19.
Da vorliegendes Memorial alle genannten Urkundenbücher
wenigstens in ihren Hauptteilen zur Voraussetzung hat, kann es
auch erst nach diesen, also erst nach 1393, entstanden sein. Noch
genauer läßt sich die Zeit bestimmen, da die erste Materie eine Ur-
l^unde des obersten Meisters Hesse Schlegelholz, vom 25. Juni 1401
^lauert, enthält Um diese Zeit muß also das erweiterte Pfleger-
'Demorial entstanden sein, jedenfalls noch vor Nikolaus von Löwens
^j Ebenso wird das Große Deutsche Memorial bei der Aufzäbluug der Ablässe
«rwihnt: „ouch gii hobest Honoi'ius an dem catfritage, an des heiigen crätzsa
^^ m dem herbeste und an dem vocabde fest dri stunt in dem jare xl jor und
^ ceLrm$H in einer sunderept bullen, ist von irorte zu irm-te ganz gesckriben in
^ Sihs ufid hundersten capiteJe des latinen Urkunde buchs zu dem Grünenwerde
^'^ anevokende: Üna cum fratribus nostris cardinalibu».^^ S'\ft\ift o\>e»w^, k\.
68
Tod (gest. 3- April 1402). Ob Nikolaus von Löwen das Buch
noch eigenhändig geschrieben oder durch einen andern hat ab-
schreiben lassen, liiUl sich freilich nicht bestimmen. Lange Zeit
war fiir dessen Anfertigung keineswegs erforderlich, da sein Inhalt
mit geringen Au.'inahmen nur eine neue Zusammenstellnug schon
vorhandenen Materials ist, so dali es gut in der Zeit vom Juni
1401 bis April 1402 vollendet werden konnte. An einer Stelle
yerrät sich der Verfasser deutlich, wo er von dem Schwüre spricht,
den die Mitglieder der Mindern-Bruderschaft schwören muUten,
„alse ein erwürdiger comendure zu Klingenowe und zu Bubecon
genannt bruder Wernher Schurer mit sin selbes munde seile bruder
Claus von Löfene, eime convente briider zu dem Griinenwerde zu
Strasburg desselben sante Johanns ordens, in den ziten, do ime
die bruderschaft wart bevolhen anzuschribende*
(22 mo).
Diese Stelle zeigt deutlich, dali auch das erweiterte PQeger-
memorial vor dem Tode Nikolaus von Löwen? angefertigt wurde;
denn wjre dieses Memorial erst nach dem Tode des Nikolaus von
Löwen geschrieben worden, und hätte es jemanden anders als ihn
zum geistigen Urheber, so hätte der Verfasser, der unter allen
Umständen ein StraÜbui^er Johanniterbruder sein mull, an ge-
nannter Stelle, dem allgemeinen Brauche entsprechend, nicht ver-
fehlt, Nikolaus von Löwen als ,.selig", d. h. als verstorben zu be-
9. Das Broderschaftsbnch.
Neben diesen Memorialbüchem befand sich im Jobanniter-
haus zu Strallburg noch ein Bruderschaftsbuch, in dem alle Per-
äonen eingetragen waren, welche der grollen oder kleinen
Bruderschaft des Hauses angehörten. Zur großen Bruderschaft
wählten diejenigen, welche sich mit Leih und Gut dem Johanniter-
haus verschrieben. Wir können sie als eigentliche „Ptründner"
des Hauses bezeichnen, Ihr Gelöbnis bei der Aufnahme findet
sich in der Handschrift Nr. 467 der Freiburger Universitätsbiblio-
thek!). Die kleine Bruderschaft dagegen umfaßte alle, welche all-
jährlich dem Johanniterorden ein bestimmtes Opfer gaben und
'J }ldherei lieba ob«D iu dem K&pitel ,Dio beuQtiteD üandschnnea und Urkuodsn.*'
69
versprachen, auch in ihrem Testamente das Johanniterhaus be-
denken zu wollen. Bei ihrer Aufnahme gelobten sie darum, dem
Orden treu zu sein, seinen Schaden zu wenden und seinen Nutzen
zu {ordern und sich lebenslänglich „zinßhaft^^ zu machen, auch
„etwas zu besetzende noch [ihrem] tode zu einer gedehtnis".
Darauf wurden sie aller guten Werke, die im Orden geübt wurden,
teilhaftig, ebenso aller Ablässe, welche je die Päpste dem Orden
verliehen haben und noch verleihen werden.
Diese Bruderschaft verdankt ihre Einführung Nikolaus von
Löwen, der auf den Rat des Johanniterkomturs von Klingnau;
Bruder Werner Schurers, dieselbe auch im neu gegründeten
Hause zum Grünenwörth einführte. Er legte demgemäß auch das
Bruderschaftsbuch in der Weise an, daß jede Person nach dem
Anfangsbuchstaben ihres Namens auf das betreffende Blatt der
alphabetisch registrierten Handschrift eingetragen wurde. Dem
Namen folgte eine kurze Skizze des Lebens samt Au&ählung
der dem Hause etwa erwiesenen Wohltaten oder zugewendeten
Gaben (221*19 ff.).
Von dem Bruderschaftsbuch erfahren wir auch durch Götz-
mann, der aus. ihm einige Auszüge bringt^).
Aus dem Bruderschaftsbuch heraus erwuchs nach dem Tode
Nikolaus von Löwens die Anlage eines Nekrologs, dessen wir be-
reits in einem früheren Abschnitte gedacht haben^).
B. Die Memoriale in ihrer gegenseitigen
Abhängigiceit.
Nachdem wir des näheren das Material unserer Untersuchung
^d dessen Inhalt einer Prüfung unterzogen haben, ist es ange-
bracht festzustellen, wie die einzelnen Urkundenbücher sich zu
einander verhalten. Es wird dies zugleich die Übersichtlichkeit
erhöhen und vor Fehlschlüssen bewahren.
') Hs. G S. SQlH, Paruacb stund im Bruderschaftsbuch, welches das Biblio-
^'^«ksieicheii -F trüg, am 17. Blatt der Ordoungsbrief dos Hosso Schlogelholz vom
2ö. Juni 1401. •
*) Vgi obep dAS KapitpJ ; ^Die henützton Handschriften und l^Tkun^^^.'*
70
1. Der Redaktor sämtlicher für die Gottesfreundfrage in Be*
tracht kommenden Urkundenbücher des Jobanniterhauses ist
Nikolaus von Löwen. Diesen Fundamentalsatz, der aus der
bi^rigen Untersuchung gewonnen wurde, sei hier vorangestellt,
weil er auf einen Schlag mit sehr vielen Irrtümern aufräumtt
welche bisher über die Gottesfreundhandschriften in Umlauf war^i.
Ob Nikolaus von Löwen alle Urkundenbücher eigenhändig ge*
schrieben oder beim Schreiben die Unterstützung seiner zwei Ge-
nossen, des Nikolaus Zorn und Heintz von Andlau fand, sei
dahingestellt Ersteres ist wahrscheinlicher als letzteres. Mit
Sicherheit läßt sich vorerst nichts feststellen, da der größere Teil
der Memorialbücher verloren ist. Und selbst wenn alle Hand-»
Schriften noch vorhanden wären, würde man auf dem Wege der
Schriflvergleicbung allein schwerlich zu einem sichern Ergebnis
gelangen, da die sog. gothische Schrift, in der die Urkundenbücher
geschrieben sind, zu wenig individualistisch ausgebildet ist, um
etwa zwei oder drei verschiedene Hände, die zu gleicher Zeit und
am gleichen Orte schreiben, erkennen zu lassen. Auch sind die noch
vorhandenen Originalhandschriften keineswegs in einem Zuge ge-
schrieben ; sie bestehen vielmehr aus verschiedenen, mehrere Jahre
auseinanderliegenden Teilen, die, wenn auch von derselben Hand
geschrieben, doch mit den Jahren veränderte Schriftziige auf-
weisen müssen. Die Möglichkeit also, daß Nikolaus von Löwen
alle Urkundenbücher ohne fremde Hufe geschrieben hat, wird des-
halb kaum bestritten werden können. Selbst bei der Annahme, daß
Nikolaus von Löwen erst im Jahre 1390 mit der ersten Hand-
schrift begonnen hat, konnte er in zwölf Jahren die neun aufge-
führten Urkundenbücher vollendet haben, umsomehr, da dieselben,
wie wir noch genauer sehen werden, großenteils nur Abschriften von
bereits vorhandenem Material sind, das geschickt verteüt und an-
einander gereiht wurde.
2. Alle Urkundenbücher des Johanniterhauses, welche mit der
Gottesfreundfrage zusammenhängen, sind erst nach dem Tode
R u 1 m a n n M e r s w i n s angefertigt worden. Daß damit die Frage,
welchen Einfluß Rulmann Merswin auf den Inhalt dieser Urkunden-
bücher ausübte, aufs innigste niitberührt wird, ist einleuchtend.
Wohl wird man aus dieser Tatsache nicht ohne weiteres den
Schluß ziehen dürfen : also hat Rulmann Merswin mit dem ganzen
•71
Inhalt der Handschriften nichts zu schaffen. Aber dieser Umstand
wird doch die Behauptung derer in Frage stellen, die da sagen,
Ruimann Merswin ist allein der Fälscher der Gottesfreund-
sehriften, umsomehr, wenn wir sehen, daß erst ein Jahrzehnt nach
Rulmanns Tode die wichtigsten Bücher — man denke nur an
das Briefbuch — entstanden sind. Die beiden angeführten Thesen
bilden demnach die feste und unerschütterliche Basis, auf dem
wir die Gottesfreundfittge aufbauen, um dadurch zur richtigen
Lösung zu gelangen.
3. Wenn man die zeitliche Aufeinanderfolge der Hand-
schriften bestimmen will, so ist wohl im Auge zu behalten, daß von
önem Nacheinander derselben nicht in dem Sinne die Rede sein
kann, als ob erst nach völliger Vollendung des einen Urkunden-
buches das andere in Angriff genommen warde. Die einzelnen
ürkundenbücher laufen vielmehr nebeneinander her, und von
einem Nacheinander kann jeweils nur bei dem ersten, ur-
sprünglichen Teil der Handschriften die Rede sein. In diesem
Sinne bilden die beiden Memoriale: das Erste Lateinische- und
das Große Deutsche Memorial die Grundlage aller anderen später
angelegten ürkundenbücher des Hauses zum Grünenwörth. Beide
batten einen ganz verschiedenen Inhalt, aber einen Inhalt, der
sieb gegenseitig ergänzen sollte. Davon war das eine Urkunden-
buch in lateinischer, das andere in deutscher Sprache abgefaßt,
ein Umstand, der die Benützung des lateinischen Memorials, das
zum Verständnis des Großen Deutschen Memorials doch durch-
aus notwendig war, den Laienbrüdern des Johanniterhauses un-
niöglieh machte. In seiner Fürsorge für alle Brüder faßte darum
Nikolaus von Löwen den Entschluß, diesem Mißstand abzuhelfen.
Er übersetzte das lateinische Memorial, aber zunächst nur die
Materien, welche für die Geschichte des Johanniterhauses am
wichtigsten waren. Das waren die drei Stücke: Gründungsge-
scbiehte und die Viten der beiden Stifter: das Büchlein von den
Vier-Jahren und das Fünf-Mannenbuch. So entstand das dritte
der ofBziellen Ürkundenbücher, das Kleine Deutsche Memorial.
Als Anhang brachte dasselbe den Begleitbrief zum Meister-
buch sowie die Sakramentspredigt, beides Abschnitte aus dem
sogenannten Meisterbuch. Alle drei Memorialbücher konnten
in ihrer ursprünglichen, einfachen Gestalt in den Jahren \^%^-\?>%b
ang^ertigt seio. Da vollzog, sieh im letzten Dezemiium des
14. Jahrhunderts ein vollständiger Uniäcliwung, der sich in ganz
.nogewöbnlicben und seltsamen -Manipulalionen, die Nikolaus von
tiSwea^aaden bereits bestehenden Haiidscliriften vornimmt, kund
gibt Wie von ungdahr wurde Nikolaus von Löwen imie, dali
dCT Text des lateinischen Memorials mit dem deuLscheu Texte.
wie er aus dtan Munde des Gotleafreundes hervorging, nicht mebr
übareinstimmte. Er zerteilte darum da^ lateinische Memorial, da^
bisher die erste Rolle gespielt hattf, in zwei liücher und benannte
ue mit dem Namen t^übriggebliebciu"' Laleinbiicher. So ward
das Erste Lateinisdie Memorial seines uri^priin^lichen Wertes be-
raubt und a«f die Seite gesetzt, wit- es schon im Wort „übrig-
gi^^ben'* deatUch genug ausgedriickt i^t, und wodurch Nikolaus
yoD Löwea seine ganze Tätigkeit aurdeckt. Dal) solche Vorgänge
nicht ohne Einfluß auf dm ursprünglichen Text des Grollen- und
des Kleinen Deutschen Memorials blieben, ist leicht erklärlich. Auih
sie erfuhren mannigfache yeräaderungen. Dem Großen Deutschen
Memorial wurde ein zweiler -Teil mil neuem Titelblatt beigenigt
nnd an dem älteren Teil maon^&che und nicht unwichtige Ände-
rungen durch Rasuren und Korrekturen voryenummen. Gleiche
Vorgänge werden sich an dem Text des Kleinen Deutschen Me-
morials abgespielt haben, wenn wir dieselben auch nicht mehr
feststellen können, da die Originalhandschrift verloren gegangen ist
An Stelle des Ersten Lateiuischen Memorials trat nun eine
lieue verbesserte und vermehrte Auflage, das Grolle Lateinische
Memorial. Auch das Kleine Deutsche Memorial hatte eine ver-
besserte aber gekürzte Auflage in den drei Pflegermemorialen er-
halten, zu deren SchaiTung äullere geschichtliche Vorgänge, die
sich ums Jahr 1393 im Johanniterhause abspielten und weiter
unten zu besprechen sind, den Anlali gegeben haben. Während
die ersten drei Urkundenbücher zunächst nur Tür die Brüder des
Hauses und zu historischen Zwecken bestimmt waren, sollten die
drei Pflegerqiemoriale mehr praktischen Zwecken dienen, um in
den drei Pflegern jene Gesinnung gegen das Haus wach zu halten,
wie es der ausdrückliche Wunsch und das Verlangen der gott-
seligen Stifter des Johanniterhauses von Anfang an gewesen
war. Ein ums Jahr 1399 eingetretener Weclisel im Amte des
Johannitermeisters in deutschen Landen gab den Anlaß, auch
73
diesem ein den Pflegermemorialen gleichlautendes Exemplar zu
\^idmen, um seine Sympathien zu gewinnen und jeden Eingriff in
die ganz eigenartigen Konstitutionen des Hauses zu verhüten.
Auch diese vier Memoriale erleiden im Laufe der Zeit mannig-
fache Abänderungen und Zusätze vor allem vom 25-31. Kapitel
ihres Inhalts.
Um die gleiche Zeit, d. h. zwischen 1394 und 1400, denkt
Nikolaus von Löwen auch daran, die allerwichtigsten Schriften
der beiden Stifter des Hauses, des Gottesfreundes vom Oberland
und Rulmann Merswins, ihre eigenhändigen Lebensbeschreibungen
und ihren Briefwechsel, in einem eigenen Ürkundenbuch, dem: er
den Namen Brief buch beilegt, zu sammeln. Damit hatte Nikolaus
von Löwen sein Ziel erreicht, zwar spät und in der regellosesten
Aneinanderreihung, von der das Briefbuch Kunde gibt, aber immer
noch vor dem Ende seines Lebens. Ja er hatte sogar noch die
Muße, das Große Lateinische Memorial teils auszuziehen, teils zu
übersetzen, um daraus das erweiterte Pflegermemorial zu schaffen.
Es war wohl eines seiner letzten Werke. Der Tod nahm ihm
im April 1402 die Feder aus der Hand, die er niit so vielem
Fleiße Jahre hindurch als Sekretär Heinrich ßlankharts von
Löwen wie Rulmann Merswins geführt hatte.
in.
Die Memorialbücher von Grünenwörth nadi
ihren einzelnen Bestandteilen.
So verschiedenartig auch die Namen und die (xestalt der
ürkundenbücher des Straßburger Johanniterfaanses sind, so Ußt
sich doch ihr Hauptinhalt in vier Gruppen susammenfessen.
Diese sind:
1. Die Chronik oder die Gründungsgeschichte von GrOnea-
wörth zu Straßburg.
2. Die angeblich eigenhändigen Viten der beiden Gründer des
Hauses: des Gottesfreundes und Rulmann Merswins.
3. Verschiedene aszetisch-mystische Traktate, angeblich verfallt
von den genannten Gründern.
4. Der sog. Briefwechsel des Gottesfreundes vom Oberiand
mit StraUburg.
Um einen sicheren Untergrund für: die folgende Untersuchung
zu gewinnen, behandeln wir zuerst die Traktate, weil man von
ihnen aus am besten beurteilen kann, von welchen Gedanken sich
NUcolaus von Löwen bei seinen Arbeiten leiten ließ.
l. Die aszetisch-mystischen Traktote.
Bei den Traktaten können wir unterscheiden: solche, welche
nur in deutscher Sprache, und solche, welche sowohl in latei-
nischer als deutscher Sprache von Nikolaus von Löwen in die
ürkundenbücher gesclmeben wurden. Ihrer zeitlichen Entstehung
nach zerfallen sie in drei Abschnitte.
75
a) Der Traktate erster Teil. Der erste Teil der
deutschen Traktate — 16 an der Zahl — ist im Großen Deutschen
Memorial enthalten, wo sie den ältesten Bestandteil der Hand-
schrift bilden. Bei der kritischen Behandlung dorsdben ist der
eigentliche Text dieser Traktate von . den Rubriken und einleiten*
den Bemerkungen streng zu scheiden, da diese insgesamt von
Nikolaus von Löwen stammen. Dies ist umsomehr im Auge zu
behalten, weil die einleitenden Rubriken sich auf Dinge beziehen,
welche für die Kritik sehr wichtig sind, nämlich auf die Herkunft
und Deutung der Traktate.
Die 16 deutschen Traktate stehen im Großen Deutschen Me-
nwrial in folgender Reihenfolge (20*29 ff.):
1. Zwei fünfzehnjährige Knaben.
2. Der gefangene Ritter.
3. Zwei Klausnerinnen: Ursula und Adelheid.
4. Zwei hl. Klosterfrauen im Baiernland.
5. Die geistliche Stiege.
6. Die geistliche Leiter.
7. Das Fünklein in der Seele.
8. Eine „letze" fiir einen jungen Ordensbruder.
9. Von einem eigenwilligen weltweisen Manne.
10. Eine dem Gottesfreund in der Christnacht zuteilgewordene
Offenbarung.
11. Ein junger Weltmann, der Deutschordensherr wurde.
12. Eine Warnungstafel des Gottesfreundes.
13. Das Bannerbüchlein.
14. Die drei Durchbrüche.
15. Die sieben Werke der Barmherzigkeit.
16. Von der zuvorkommenden Gnade.
Von einer Wiedergabe ihres Inhaltes kann hier abgesehen
werden ; man müßte nur wiederholen, was J u n d t bereits sehr aus-
führlich behandelt hat.^) Außerdem ist der größte Teil der Trak-
tole gedruckt, so daß sich jedermann ihren Inhalt vergegenwär-
tigen kann.
Nikolaus von Löwen läßt in seinen einleitenden Bemerkungen
keinen Zweifel daran aufkommen, daß nach seiner Ansicht allen
') Vor allem in seinem Werke: Rulman Merswia et Tarai de Dieu de TOber-
^. Paris 1890.
7«
Trakten wirkliche Erlebiii»se:zu Grunde liegen. Die Perstonäi,
die genannt sind, sind historische Personen und die Worte und
Taten, die von ihnen beschrieben werden, sind wirklich0, greif-
bare Geschehnisse. An erster Stelle steht unter den genanten
Personen der Gottesfreund vom Oberland, Rtümann MerswlAs
heimlicher Geselle, wie er immer genannt wird, der gerade so .wie
Rulmann Merswin eine historische. Persönlichkeit gewesen seu
Auf die Frage,. wen die Traktate zum Verfasser .baben,.a&ft-
wortet uns Nikolaus von Löwen ganz schlagfertig: alle Traktate
stammen von den beiden Stiftern des Hauses (22*1), und zjnrar
näherhin Nr. 1-12 vom Gottesfreund im Oberland, 13-16 dag^en
von Rulmann Merswin, der sie jedoch nur auf An^gung des
Gottesfreundes geschrieben h^t (22*4). Freilich kamen den Bfüdem
des Johanniterhauses die Schriften des Gottesfreundes (Nr.. 1-12)
nicht unmittelb^ von ihm zu, sondern durch Vermittlung Rul-
manns. Rulmann aber erhielt sie in den ersten ..Jahren ^seines
anfangenden Lebens^S d. h. nach Nikolaus von Löwen in den Jahrm
1348-1352. Dreißig Jahre behielt sie sodann Rubnaim im QesitEe,
ohne sie auch nur einem der Brüder zu zeigen. Erst yier,:Jahre
vor seinem Tode schrieb er sie den Brüdern .auf Wachsti^eh,
ließ aber alle Orts- und Personennamen weg und verbrannte
darauf sofort die Originale (19*35 ff.)-
Fragen wir Nikolaus von Löwen weiter um die Deutung,
welche Stellen in den Traktaten von dem Leben und Wirken
des üottesfreundes, welche von Rulmann Merswin handeln, dann
lautet die Antwort ganz bestimmt und zuversichtlich: Men soU
üllewegent in denselben bücJieren verston in dem Niderlender^ RuU'
wan Merswines namme und bi dem Öberlender eines heinielichen
gesellen namme, des lieben frnnt gottes in Oberlant, wo und wie
dicke es iergent in allen disen bücheren und materien geschrtben
stot (24"4). Das ist zeitlich die erste Deutung, die uns
Nikolaus von Löwen mitteilt. Doch bald darauf verbessert er sich
selber. Was er hier mit apodiktischer Sicherheit geschrieben,
radiert und tilgt er wieder aus, um uns dafür in der nach Vol-
lendung der 16 Traktate geschriebenen Vorrede eine andere un-
bestimmtere Deutung zu geben. Da heißt es, daß in den Trak-
taten enthalten sei, was die beiden Stifter von %r selbes leben und
übunge geschriben hant und ouch von den sünderlichen erlühtef^n gottes
77
(runden, die sie wol bekantent (20*26; 17*7). Darnach hätten wie
also in den Traktaten das Leben und die Taten der beiden Stifter
wohl von dem Leben und Wirken ihrer bekannten Freunde zu
scheiden. Prüfen wir daraufhin die Traktate, so sagt uns Niko-
laus von Löwen, daß in Nr. 1 unter dem Sohn des reichen Kauf-
manns der Gottesfreund vom Oberland zu verstehen sei ; in Nr. 2
ist der ungenannte Berater des Ritters in seinen 9 Jahren der
Gottesfreund. In Nr. 5 und 10 werden die dort erzählten Offen-
barungen dem Gottesfreund zugeschrieben; in Nr. 6 ist der eine
der Sprechenden der Gottesfreund, dagegen sind unter den anderen
auftretenden Personen nicht mehr Rulmann Merswin, sondern dem
Gottesfreund und durch den Gotteslreund auch Rulmann bekannte
Freunde und Freundinnen zu verstehen i).
Aus diesen Ausführungen schon wird jeder erkannt haben,
worauf es bei unserer Untersuchung allein ankommt. Es handelt
sich lediglich darum, ob die Deutung, welche uns Nikolaus von
Löwen von den Traktaten gibt, die richtige ist oder nicht.
Aber ist denn Nikolaus von Löwen nicht glaubwürdig? wird man
fragen. Haben wir überhaupt Grund, seine Glaubwürdigkeit in
Zweifel zu ziehen, wo er Rulmann Merswin, durch dessen Hand alle
Traktate gingen, doch so nahe stand und darum am besten von
ihm ihre Deutung und Herkunft erfahren konnte? Ganz gewiß, denn
was Nikolaus von Löwen über die Deutung der Traktate bringt, das
kann von vornherein nicht den Anspruch eines sicheren Wissens^
sondern bloß den einer subjektiven Meinung machen. Sagt
er doch selber, daß Rulmann Merswin, von dem in letzter Linie
alle Traktate stammen, den Brüdern aus lauterer Demut weder
rinen Namen noch irgend eine Deutung der Traktate geoffenbart hat.
Darum übergab er den Brüdern auch nicht die Original-Traktate,
sondern schrieb sie selber in Wachs tafeln, in denen er alles
wegließ, was irgend eine Person hätte verraten können, und ver-
brannte sofort die Originale (20*6 ff.)- Sind diese Angaben richtig,
^nn können die Deutungen Nikolaus von Löwens im letzten
Grunde bloß subjektiver Art sein. Nikolaus von Löwen konnte
Qach seinen eigenen Angaben selbst nie mit Sicherheit sagen,
*) Sehr lehrreich ist es, daraufhin die Rubriken der einzelnen Traktate 24*10 tf.
°^t dem InhaltSTerzeichnis 20*29 ff. zu rergleichcu.
78
welche von dw irielen in den Traktaten als Gottesfireonde ein-
gefiihrten Personto gerade der gansE bestimmte Gottesfreund
Rulmann Merswins GeseUe, war. Darum haben alle Deatnqgs-
versnche Nikolaus von Löwens nur soviel Werti als GrQnde fii
sie sprechen. Die nähere Unt^nuchung aber wird uns nicht blof
von der Unrichtigkeit der Angaben des Nikolaus von Löwen Ob»
sengen, sondern auch klariegen, daß er nicht etwa durch Ruimami
Herswin getäuscht wurde, sondern aus ganz bestimmten Zweckei
von sich aus zu den vorgetragenen Deutungvonnichen gegrifibn bat
Fassen wir zunächst die zwölf ersten Traktate ins Auge
die nach Näolaus von Löwen von einem ganz bestimmten,
wenn auch unbenannten Gottesfreund im Oberland stammen und
von Begebenheiten aus dessen Leben erzählen, die ihm wirklicli
widerfahren sind.
Diesen Angaben Nikolaus von Löwens gegenfiber zeigt ein«
nähere Untersuchimg dieser Traktate:
Die Traktate können nicht das Leben und Wirken einet
Gottesfreundes, d. L des Gottesfireundes vom Oberland e^
zählen, weil die betreffenden Angaben sich gegenseitig wider-
sprechen.
Um die ganze Tragweile dieses Satzes richtig zu verstehen,
muß man im Auge behaltcD, daß nach Nikolaus von Löwen dei
Gottesfreund sein Leben in den meisten Traktaten selber, und zwai
kurz nacheinander (1348-1352), beschreibt. Eine Selbstbiographie
wird und kann aber nie, falls sie auch nur irgendwie auf Wahrheil
Anspruch erheben will, widersprechende Dinge von sich enthalten
und das noch bei Momenten, die in dem Leben eines Menschen
von größter Bedeutung gewesen sind.
Nehmen wir doch nur die erste Deutung Nikolaus von Löwem
an, daß an allen Stellen, an denen von dem „Oberländer" in dec
Traktaten die Rede ist, Rulmann Merswins heimlicher Geselle, ir
dem ,.Niederländer" dagegen Rulmann Merswin selber zu ver-
stehen sei, so bekommen wir vom Gottesfreund wie von Rul-
mann Merswin eine Biographie, wie man sie ungereimter nichl
denken könnte. Eines weiteren Nachweises bedarf es gar nicht
da schon bei oberflächUchem Lesen der Traktate die offener
Widersprüche kundbar werden ; außerdem hat schon Denifle dies
79
bis ins einzelne nachgewiesen^). Wir brauchen aber auch auf
Nikolaus von Löwens Angabe gar kein großes Gewicht zu
legen, da er ja selbst von seiner ursprünglichen Deutung abging
und zwar allein £uis dem Grunde, weil von dem Niederländer =
Rulmann Merswin, Dinge berichtet werden, die gar wenig als Züge
zu dem von ihm beabsichtigten „Heiligenbilder^ passten. In der
Folge sieht Nikolaus von Löwen völlig von Rulmann ab. Von
jetzt an spricht der Gottesfreund in den Traktaten nur von sich
und Freunden, die ihnen beiden, dem Gottesfreund und Ruhnann,
wohl bekannt waren. Das ist die zweite Deutung Nikolaus von
Löwens, die nicht minder ungereimt ist als die erste, denn:
Die zwölf Schriften können und wollen nicht wirkliche
Erlebnisse erzählen. Sie sind lediglich aszetisch-mystische Trak*
täte, eingekleidet in die ansprechende Form fingierter Beispiele.
Auch dieser Fundamen talsatz bedürfte keines weiteren Be-
weises, wenn es nicht so schwer fallen würde, sich von dem
Banne zu lösen, in den seit Nikolaus von Löwen alle verwickelt
wurden, die die Gottesfreundfrage behandelten. Nur Denifle hat
mit einem Schlage den Knoten durchhauen und mit großer Schärfe
den Nachweis geführt, daß wir in allen Traktaten keine Menschen
von Bein und Bhit, sondern Schablonenmenschen vor uns haben,
die gleich Puppen im Marionettentheater sich aufführen, kommen
öQd gehen, wie man es gerade wünscht. Betrachten wir nur
einmal die zwölf Traktate in ihrem Aufbau.
Die ersten vier Traktate stimmen in ihrem ganzen Aufbau
voUständig überein. Wie in Nr. 1 und 2 die beiden Knaben und
die zwei Edelknechte handeln, so handeln in Nr. 3 und 4 die
beiden Klosterfrauen. Ihre Bekehrung, Visionen, Übungen, Ver-
suchungen u. s, w. kehren fast mit denselben Worten wieder.
Weiterhin bilden zusammengehörige Stücke Nr. 5 und 6, die
geistliche Stiege und Leiter. In Nr. 7, 8, 9, 11 ist der Grund-
ton der gleiche: Gespräch eines Weltmannes mit einem Alt-
vater, der ihm den Weg zu einem vollkommenen Leben weisL
Nr. 10 und 12 endlich handeln von den Plagen, die Gott über
^Je Menschen wegen ihrer Ungerechtigkeit sendet. Daneben bieten
') Denifle, Die Dichtungen des Gottesfreiindes im Oberlands. 2. Die Proteus-
"*tar des Gott^sfreandes (Zeitschr. f. deutsches Altertum 24 Ub80\, ^ÄC)«.V
80
aber die einzelnen Traktate unter sich wieder unzählige Anklänge
und Übereinstimmungen, vor allem dann, wenn die eine Person der
andern ihr Leben, ihre Versuchungen und Frömmigkeitsübungen
erzählt. Eine so weitgehende Ähnlichkeit ist aber bei wirklichen
Erlebnissen, die zu verschiedener Zeit und an verschiedenen Orten
sich abspielen, schlechterdings undenkbar. „Trifft man schon in
der Natur um uns herum nicht zwei Blätter an, welche sich voll-
kommen gleichen, so noch viel weniger zwei Menschen, zwei
Charaktere von derselben Beschaffenheit und Naturanlage. Und
wie es im natürlichen Leben ist, so auch- im übernatürUchen.
Die Gnade zerstört nicht die Natur, sondern vervoUkomnmet sie,
heißt der alte Satz. Man lese nur die verschiedenen Viten jener
Heiligen, die historisch verbürgt sind, welcher Mannigfaltigkeit
begegnet man da! Kein Charakter, ist er auch in derselben Ge-
sellschaft wie ein anderer gebildet, wiederholt sich in derselben
Weise. Mögen aber solche Charaktere so oder anders geartet
sein, immer sind es greifbare Gestalten von Fleisch und Bein.
In den Schriften des Gottesfreundes erhalten wir gerade den gegen-
teiligen Eindruck. Vor allem begegnen wir dort keiner einzigen
Durchschnittsfigur; ein jeder Charakter zeigt sich zu einer ge-
wissen Zeit wie mit einem Schlage in der höchst erreichbaren
Vollendung. In den Ubergangsstadien findet sich im großen und
ganzen keine Abwechslung . . . Immer haben wir Automaten vor
uns, Gott spielt ihnen gegenüber den Mechaniker. Es sind nicht
lebensfiihige Menschen, nicht greifbare Gestalten, . . es sind mit
einem Worte Phantasiegebilde ').^' Mit diesen Worten hat Denifle
ganz trelTend die Gestalten der Traktate gekennzeichnet. Es sind
Phantasiegebilde, aber sie sollten und wollten auch nach
dem Plane des Verfassers nichts anderes sein. Es ist nur die
ihnen später von Nikolaus von Löwen gegebene Deutung, die bis
jetzt ihren wahren Charakter verdunkelt hat. Das wahre Wesen
dieser Schriften ist in den Worten ausgedrückt: es sind aszetisch-
mystische Traktate. In ihrem innersten Wesen wollen diese Trak-
tate den Widerstreit der Well- und Gottesiiebe im
Menschenherzen darstellen, und zwar nicht in trockener, schul-
mäßiger Form, sondern in anziehender, greifbarer Sprache.
^) Ehvüihd S. 4 74.
81
Dafür wählte der Verfasser höchst geschickt und geistreich die
Dialog- und Briefform. Er läßt die Menschen vor unsem Augen
gleichsam vorüberziehen, läßt sie sprechen und handeln, in Fehler
und Laster fallen, um sie gleich darauf zu den höchsten Höhen
des geistUchen Lebens zu erheben. Als Beispiele wählte sich der
Verfasser Menschen aus allen Ständen: Kaufleute, Ritter, Edel-
knechte, Klosterfrauen und Ordensbrüder, Beichtväter und Meister
der Heiligen Schrift haben mit der Weltliebe zu kämpfen und be-
dürfen der Führung und Beratung heüigmäßiger, mit Gott ver-
einigter Menschen, der „Gottesfreunde'S um selbst „Gottesfreunde'* zu
werden und endlich zu jener Stufe zu gelangen, wo die Seele
von allen äußern Hindernissen entledigt und keines andern Führung
mehr bedürfend, allein mit Gott verkehrt im übernatürlichen
Schauen. Das sind die aszetisch-mystischen Wahrheiten, die in
den Traktaten verkörpert sind.
Im engsten Zusanunenhang damit stehen andere Gedanken,
die in diesen Schriften so oft wiederkehren : weü die Menschen
statt zur reinen Gottesliebe sich auCzuschwingen, sich immer mehr
in die Weltliebe verstricken und auf die Warnung der gottver-
vereinigten Seelen, der „Gottesfreunde", nicht hören, darum kommt
Gott mit seinen Plagen, um die Menschen mit Hungersnot, Pest
nnd üngewitter heimzusuchen^).
So sehen wir also einen offenen Widerspruch zwischen dem
Charakter der zwölf Traktate und der Deutung des Nikolaus von
Löwen. Seine Behauptungen sind unrichtig. Die Traktate er-
zählen nicht vom Leben und Wirken des Gottesfreundes und
seiner Freunde, weü sie von vornherein keine wirklichen
Erlebnisse berichten wollen. Wenn aber Nikolaus von
Löwen in diesem Punkt so unzuverlässig ist, so werden wir ihm
kein größeres Vertrauen bei seinen Angaben über die Herkunft
<ler Traktate entgegenbringen können, wie sich später zeigen wird.
Weder aus der Rubrik noch aus dem Inhalt des 13. Trak-
tats (32*16) ist zu ersehen, daß mit ihm eine neue Abteilung von
^) Maq u^g ja geteilter Meinung sein, ob die Form, in welche diese Gedanken
«intekleidet sind, unter allen Umstanden gelungen ist, ob es nicht Beschränktheit
^^rit, wenn alle Gestalten nach einem Schema so mechanisch vorgefflhrt werden.
^W nitii darf anch nicht an die mittelalterlichen Literaturwerke den Maßstab unserer
^«otiien Zelt anlegen.
82
▼ier Traktaten beginnt, die Ruimann Merswin zum VerfiBisser
haben. Nur die Vorrede Nikolaus von Löwens belehrt uns dar*
über und zwar mit dem charakteristischen Zusätze : wm [B$UmanJ
sehreip oder schriben müste, das hei er also gar verborgen under
andere materien und het etteliche geschrift andern goUesfrunden
und lerem zügdeii und in ire buchere vermüschet von groewr
grunddoser demütikeii wegen, das er woUe von allen menschen un^
bekant sin und von niemanne erhaben (22*5). Nach Nikolaus von
Löwen ist also die schriftstellerische Tätigkeit Rulmanns nur
eine kompilatorische, er nimmt „bucher^ nicht mehr allein von
dem Gottesfreund im Oberland, sondern von unbekannten und
bekannten Gottesfreunden und Lehrern und vermischt sie
bloß mit seinen eigenen liebeglühenden Worten. So haben wir
also nicht, wie in Nr. 1-12, Originaltraktate, sondern bloß Kompi-
lationen schon vorhandener mystischer Traktate vor uns. Wie
die Traktate des Gottesfreimdes, so schreibt Ruimann auch seine
eigenen Schriften den Brüdern in Wachs (.33*8)i und zwar in den
Tagen seiner letzten Krankheit, offenbart aber den Brüdern vor
seinem Tode, daß Gott ihn genötigt habe, diese Traktate zu
schreiben (34*6, 23*18). Für Nr. 13 und 14 hat Nikolaus von
Löwen die Quellen nicht genannt, die ihnen zu Grunde liegen.
Er betont in Nr. 14 bloß, daß Ruimann Merswin die dort be-
handelten Materien selber geschrieben habe und ^ auch vermüschete
mit »inen inbrünstigen hitzigen zügeleiten minne warten (22*21).
Des näheren besteht der 14. Traktat aus mehreren Teilen, deren
Quellen Denifle aufgedeckt hat\). Traktat 15 besteht aus drei
Teilen: von den sieben Werken der Barmherzigkeit; von den sieben
Gaben des hl. Geistes; von der Vorbereitung zum Empfang der
hl. Kommunion. Nach Nikolaus von Löwen stammt der erste Teil
US eines Juristen buch, der zweite usser eime anderen buche, das
die bewerten lerer gemäht hant ; der dritte Teil endlich ist ein
Zusatz Nikolaus von Löwens selber (33*22 if.). Traktat 16 ist der
Hauptsache nach dem Bninldf bücheUn des Bruder Johanse von
Bi'isehruch, des waltpriesters in Brohant entnommen.
Diese Geständnisse Nikolaus von Löwens sind für uns von
der größten Wichtigkeit. Aus ihnen erfahren wir deutlich, daß
•) DüiiiÜe, Taulers Bekehrung' S. 3W u. I;i7 tt'. — Vd. auch Strauch, Zur Gottes-
fr^-und frage I (Zeit>chr. f. deutsche Philolu'sno 34. "235 ff.).
8S
die Traktate auf bewährte Lehrer und ^Gettesfreunde^ unter an^
derm auf Johannes Ruisbrock zurückgehen und angeblich anter,
der Haad Rulmanns nur einige Textänderungen erfahren haben.
Die erste Angabe Nikolaus von Löwens ist unzweiielhaft richtig,
da UB0 von Traktat 14 und 16 die Urquelle«! bekannt sind, wäh-
rend es noch nicht gelungen ist, diejenigen von 13 und 15 auf-
zudeckea Dagegen muß die zweite Angabe Nikolaus von Löwens
noch geprüft werden, ob Rulmann Merswin irgend «ine schrift-
slellerische, wenn auch nur kompilatorische Tätigkeit an Traktat
13-16 zuzuschreiben ist. Ein nicht hoch genug anzuschlagendes
Hilfsmittel bei dieser Prüfung ist das Geständnis Nikolaus von
Löwens, daß er selber zu den angeblich von Rulmann über-
kommenen Traktaten Zusätze gemacht habe. Jedoch wird diese
Frage erst vollständig klar werden, wenn wir diejenigen Traktate
b^rachtet haben, welche den zweiten Teil des Großen Deutschen
Manorials bilden. Es sind
b) die lateinisch-deutschen Traktate. Die bisher
behandelten Traktate haben nach Nikolaus von Löwen nur im
Großen Deutschen ^Memorial Aufnahme gefunden. Anders verhält
es sich mit den drei Traktaten, welche den zweiten Teil des Großen
Deutschen Memorials bilden : dem Meisterbuch, dem Zwei-Mannen-
buch und den Neun-Felsen. Diese drei Traktate waren auch ein
Bestandteil des Ersten Lateinischen Memorials und sollten nach dem
ursprünglichen Plane Nikolaus von Löwens niemals ins Deutsche
übertragen werden. Außerdem waren noch alle drei Traktate
im Johanniterbause jeder für sich m einem besonderen deutschen
Büchlein vorhanden. So heißt es vom Meisterbuch: alse [gerade
so wie das lateinische] dasselbe buch seit, das wir öch zu tütsche
hont von worte zu warte noch dem latine (18*6); vom Zwei-Mannen-
buch: Und dasselbe buch von den zweien menschen, die fünf iore
des lieben frunt gottes anefang in Öberlant, hant wir in guter texste (!)
geschrift zu tütsche geschriben [in eime sundern büchelin, das Rül-
mans was, das er selber schriben tet noch dem exemplar, das ime
gegeben wart von sime heimelichen gesellen dem lieben gottes fründe
in öberlant .... Und darzü ist es in dein ersten (lateinischen) buche]
gantz und gerwe von worte zu worte zu latine geschriben glich als
das tütsch seit (18*35). Von den Neun Felsen endlich bemerkt
Nikolaus von Löwen: Das buch von den nun veihen ist oucK zu
84
kUine geschriben» : . von tvarte zu worte glich ais mr es ouch in
Misch hani (19*22).
Gelingt es, diese drei Büchlein oder wenigstens eines der-
selben aufzufinden, dann sind wir in den Stand gesetzt, drei Texte
miteinander vergleichen zu können : den lateinischen Text, wie er
im lateinischen Memorial enthalten ist, den deutschen Urtext des
besonderen Büchleins und eine zweite deutsche Abschrift, welche
uns im Großen Deutschen Memorial votüegt Aus diesen Ver-
gleichen können wir dann auch am besten die Arbeitsweise des
Nikolaus von Löwen kennen lernen.
a) Das Zwei-Mannenbuch.
Nach Nikolaus von Löwen stammt das Zwei-Mannenbuch
vorti Gottesfreund im Oberland, alse er es selber geschriben gap
unserme lieben Stifter e Rüleman Merstvine (18*32) und zwar vor
dem Jahre 1352. Rulman wieder schrieb es nach dem Exemplar,
das ime gegeben wart von sime heitnelichen gesellen dem lieben gottes
frunde in Öberlant (19*3) in ein besonderes Büchlein, während es
Nikolaus von Löwen nach diesem Exemplar ins Lateinische und
später wieder ins Deutsche übertrug.
Nach Nikolaus von Löwens Deutung ist der eine von den
zwei in diesem Büchlein geschilderten Menschen der Gottesfreund
im Oberland, dem die großen Mirakeln widerfuhren in den ersten
fünf Jahren seines anfangenden Lebens (IS'^IQ). Nicht so deut-
lich erfahren wir, wer der andere Mensch gewesen ist, dem die
grosse trngyiisse und tcntruwe widerfür von dem valschefi einsidde
(19*12), da gerade an dieser entscheidenden Stelle eine ganze Zeile
ausradiert ist. Wir begegnen also hier derselben Erscheinung,
wie wir sie bei der Deutung des ersten Teils der Traktate beob-
achtet haben. Nikolaus von L()wen war sich selber nicht klar
über diese so wichtigen Dinge und darum tilgt und verbessert
er, was ihm früher als sichere Tatsache gegolten hat. Ebenso
wichtig ist aber das Zugeständnis, daß in dem von Rulmann Mer-
swin geschriebenen Exemplar, dem besonderen Büchlein, die beiden
auftretenden Menschen nur als der eine und andere ohne weiteren
Zusatz angeführt werden, während Nikolaus von Löwen in dem
lateinischen Memorial den Menschen mit den fünf Jahren zur
besseren „Unterscheidung" den Jüngern^ den andern dagegen den
8&
aliem nennt (19*1 7), um endlich im Großen Deutschen Memorial
auch diese noch unbestimmte Benennung durch den Zusatz zu
Yerdeutlichen: Btämann Merswines heimelicher geseUe (41*17). Um
dieses Geständnis in seiner stufenmäßigen Entwicklung deutlich
ZQ machen, sollen hier beide Texte nebeneinander gestellt werden.
I.Teil des Memorials.
„Und das men derselben menschen
ODderscheit an dem nammen künne
wissen and yerston, dammb ist in dem
latine buche der mensche mit den
f üü f i 0 r e n , unser lieber frünt, ge-
nennet der jüngere und der ander
nensche mit den sibentzehen ioren
ist genennet der elter" (l9*17).
2. Teil des Memorials^
Und umb das men den onderscheit
dirre zweyer nienschen kunne wissen
und gemercken, darumb so ist der
liebe gottes frünt in Öber-
lant, Bülman Merswines un-
sers Stifters heimelicher ge-
selle, genennet in disem buche
der jünger und der ander mensche
ist genennt der elter, der dem iünge-
ren, dem vorgenannten lieben
gottes früude in Öberlant,
widerumb seite von sime lebende''
(41*3).
Bei der näheren Prüfung der Angaben des Nikolaus von
Löwen kommt uns ein glücklicher Zufall sehr zu statten. Denn
einen Zufall kann man es nennen, daß die angebliche Urschrift
Rulmann Merswins vom Zwei-Mannenbuch noch erhalten ist. Es
ist die Handschrift Cod. germ. 642 der Straßburger Universitäts-
und Landesbibliothek, die Friedrich Lauchert herausgegeben hat^).
In ihr finden wir alle Merkmale, die Nikolaus von Löwen in den
obigen Ausführungen von seiner Vorlage angegeben hat. Durch-
weg werden die beiden Menschen „der eine'' und „der andere"
genannt ohne weiteren Zusatz. Das Büchlein enthält keinen Titel
und kein Vorwort, sondern beginnt mit den einfachen Worten:
In gottes namen amen. Es beschach uffe eine zit, daz ein mensche
groser krancheit an sin selbes nature befant . . . Nirgends ist die
Rede von dem „Gottesfreund im Oberland"; der eine redet den
andern bloß an mit den Worten: nu lieber frünt, oder: ach lieber
frünt gottes. Nirgends wird im ursprünglichen Text gesagt, daß
der Gottesfreund vom Oberland dasselbe Ruhnann Merswin ge-
sandt habe, noch auch ist das Jahr genannt, wann es entstanden ist.
') Fr. Lftachert, Des Gottesfreundes im Oberland [= Rulmann Merswins^
Baeh ron den zwei Mumen. Bonn 1896,
Nur zwei Einträge am Schtusae klärea nos flbw msBßcffleiä aoC
Der erste besagt, daÜ das Bach der Gematlin Rulmann Merswins
gehörte; leer dis bück findet, der sol wissen^ das es ist frouwe
Gertrut, Büleman Merswins wih, und sol es ir durch got ni'd ror-
bekeben «nd sol es ir widder gehben. Darnach mülSte Hulmann
dieses Büelilein vor 1370 geschrieben haben, — wenn er &£.
wie Nikolaus von Löwen behauptet, geschrieben hat — da
3fflne Frau Gertrud in diesem Jahre gestorben ist. Der zweite,
gleich darauffolgende Eintrag stellt dieses Büchlein als Eigentum der
Johanniter dar: Dis hüch ist des kuses und der brüdere zu dem
Qrünemeerde saute Johans Orden und ist in worden von iren stif-
iem: Rüleman Merswine und sime genellen dem lieben erlühteie»
goites fründe in Oberlant, durch den üch got dise selben gnode»'
riehen wertf unirckete. Darumb sol dtsselbe buch dem husr zu dem
Oräneniverde nieman in keiner wise niemer etipfüren noch abege-
itiehm oder vorbehaben; er veÜet anders in ungenode der Iteiligen
Trivaltikeit und der himelhinigin Marien, der müter gottes, und
aller Patronen dezselben golzhuse» und tempels zu dem Grinentcerde,
die sA darumb pflogende wurdent in zit und in ewikeit, ulse sunder
allen zwivel tcol zu glöbende ist. Dieser Eintrag slammt mit aller
Sicherheit TOn Nikolaus von Löwen, da die Schrift mit der im
Großen Dentschen Menwrial identisch ist'). Seine Angaben hier
bedürfen also derselben Prüfung wie diejen^en im Großen Deutschen
Memwial.
Der Urtext des Zwei-Maoneobuchs bietet nicht den ge-
ringsten Anhaltspunkt für die von Nikolaus von Löwen später
ausgesprochene Deutung, hn Gegenteil, der Urtext bildet einen
vollständig anonymen Traktat, der so wenig wie die Traktate des
ersten Teils wirkli<^e Erlebnisse beschreiben will, während auf der
andern Seite die lebensfrische Form, in welcher die aszetisch-
mystischen Wahrheiten ausgedrückt sind, förmlich dazu herau»-
fordmi, den dort voi^eführten Personen Menschen der G^en-
wart unterzuschieben. Darum beginnt die Deutung 'bereits in
diesem Texte von zweiter Hand, welche gegen Ende des Büch-
leins über die Worte der eine und der andere, der jüngere und
der ältere setzt, ein paar Seiten später zu der Benennung der
') Vgl. Dia SchriftUfelD Nr. 7 u. B.
87
jüngere den Beisatz macht RMmannes geselle, um aber sofort
wieder diese Deutungen auszuradieren *). Was hier begonnen wurde,
wird im lateinischen Text weitergeführt Hier verschwindet im
Tat die Benennung der eine und der andere vollständig, an
ihre Stdle treten durchweg die Worte der ältere und der jüngere,
die aber noch ebenso unbestimmt sind, wie der eine und der
mtere. Die dritte und letzte Stufe in der Entwicklung bietet
endlich der Text des Großen Deutschen Memorials. Hier erst
ist die unbenannte Person, der jüngere^ durch den Zusatz Kai-
man Merewines heimeUcher geselle unzweideutig bestimmt Die
Gegenüberstellung der drei Texte wird dies am besten veran-
sdianlichen.
1.
Besonderes deutsches
B fl e h 1 e i n.
In f otte« namen. Amen.
Es besckach äffe eine zit,
du ein mensche groser
^itDcheit an sin selbes na-
tore befant, und was daz
u einer morgen stunden
Krfrago, also er sin emesch-
Udi gebet pflag zu tönde.
Bnd do dirre mensche der
baocheit gewar wart, do
stänt er von sime gebette
Bf und wolte der naturen
XQ iMlfe kumen und wolte
uch ürgon und st&nt dch
of and gieng hinweg und
gieng uffe eine Strosse.
Und do er uffe die strosse
kam, do siht er, wie ein
nenscke gegen ime gonde
kuMt, desMlben menschen
er Tor Jangen ziten mit
groter begirde begeret bette
z& sehende nnd 5ch ette-
wu heimeUcher worte mit
Erstes Lateinisches
Memorial.
Es waren zwei brOder
und freunt im Elsaß, der
eine wäre in der weit wohl
und eines glücklichen Stands
und geehrt, doch waro sein
lebenswandel dem anderen
unbekant, bis daß sie un-
gofehr zusamen komen und
einander ihren lebenslauf
erzeilt, da sprach der jün-
gere zu dem älteren also ...
(235*6).
8.
Großes Deutsches
Memorial.
In gottes nammen. Amen.
Es beschach uf eine zit,
das ein mensche B&lemaa
Merswinos unsers Stifters
heimeUcher geselle, der in
diseme b6che genennet ist
der iüngere, an einre morgen
stunden gar früge, also er
sin emestlich gebet pflag
zu tünde, grosser krangheit
an sin selbes nature bcfant.
und er stunt uf von sime
gebette und wolte zu helfe
sinre naturen sich orgon.
und ging enweg uf eine
Strosse und sach, wie ein
mensche kam gegen ime
gonde, der in diesem büiche
genennet ist der eitere, des
er vor langen ziten mit
grosser begirde begeret
bette zu sehende und euch
ettewas heimelicher worte
mit ime z& redende, und
1) Zum erstenmale ist über ander mensche etwas Übergeschriebenes wieder
wegradiert BJ. 67^ (Lanchert 43,3; rgh ebenda 44,to : 48 anm.).
ime li redeods. t'nd do
samineiie kanmat . . . .
do sprach äer aadet
menacha wlderambu ....
(Lsacbert 3. l|.
iungori) uad der allere, i
da sprBL-h der ilingei
KnUluBDue^ g«se11i!, Hid
be tu dem alMrsn .
■r.tt.].
Dali diese TextveränderuDgen nur auf Nikolaus von Löwe
zurückzululiren sind, wäre selbst dann über jeden Zweifel ei
haben, wenn er es auch nii.-ht so ausrdhrlieh in den von ihi
stammenden Rubriken belont hätte, wie wir oben gesehen habet
Auch diese Rubriken machen eine der Zeit entsprechend
Entwicklung durch. Die älteste deutsehe Vorlage hatte keir
Überschrift, Die Rubrik des ältesten lateinischen Textes v
nicht mehr sicher zu bestimmen, einmal weil Götzmann selber i
dieser Rubrik nachträglifhe Korrekturen anbringt, und sodann we
mit der Möglichkeit zu reclinen ist, dall bereits ähnliche nact
trägliche Korrekturen schon in .seiner Vorlage vorhanden warei
die fiir uns nicht mehr zu erkennen sind. Nach Götzmann lautel
die Überschrift:
Nun fulgt das gespräck zwischen des Rulmann Merschweit
heimlichem freunt in Oberland wohnend und von eim ander
guten freunt von ihrem eigenen leben und Offenbarung, w^hes gt
sprach obgemelter Rulmann Merschweins heimlicher freunt selbt
geschriben und dem Rulmann Merschwein schriftlich geschickt. 1
disem gespräch wird der heimliche freunt und freunt gottes dt
jüngere genannt und der ander der älter und fangt also an
Es waren zwei brüder und freunt im Elsaß . . . ')
Über von eim andern schrieb Gölzmann Rulman seinem
selbst steht über einem ausradierten Worte; über ander steht But
man. Auffallend ist jedenfalls die Korrektur an den Stellen, wo c
sich um die Deutung handelt, wer unter dem „andern" Mensehe
zu verstehen sei. Götzmann hätte hier in seiner ÜbersetzuD
wohl nichts korrigiert, wenn nicht die Korrekturen schon in de
lateinischen Vorlage vorbanden gewesen wären, aber dort in de
umgekehrten Form, wie es sieh leicht psychologisch erklären laß
In der lateinischen Vorlage lautete demnach die Stelle: das getpräc
•) BaaSsehntt G Bl. 13". Vgl. 23*"89 IT,
89
zwischen des Bulman Merschweines heimlichem freund in Oberland
wohnendund Rulmann seinem gtUenfreund selbst von ihrem eigenen
leben . . . Dieser Wortlaut würde vollständig mit der allgemeinen
Bemerkmig des Großen Deutschen Memorials übereinstimmen, daß
in allen Traktaten unter „dem einen" — dem Oberländer — Rul-
manns heimlicher Freund, unter „dem andern" —dem Niederländer —
dagegen, Rulmann selber zu verstehen sei (24*4). Sie stimmt
außerdem zu der Bemerkung Götzmanns, der sieh auf ein mit C
bezeichnetes Meinorialbuch beruft, das unter „dem einen" Rulmann,
unter „dem andern" deu Gottesfreund verstanden wissen wollte i).
AÜein Nikolaus von Löwen korrigierte diese Stelle später, weil er
sah, daß seine Deutung den erhabenen Stifter des Hauses in ein
ganz ungünstiges Licht bringen würde, da Rulmann dann jener
Mensch gewesen sein müßte, dem die grosse trugnisse und untruwe
wider für von dem valschen einsiedele. Es besteht also ein innerer
Zusammenhang zwischen beiden Korrekturen an den gleichen
Stellen, zwischen der hier und jener des Großen Deutschen Memo-
rials (19*15). Beide zeigen, daß der Schreiber der Handschrift —
und dies war Nikolaus von Löwen — über so wichtige Dinge sich
selbst anfangs nicht klar war, beziehungsweise mit sorgsamem
Bedacht die Widersprüche später zu entfernen suchte, in die er
sich mit seiner Deutung notwendigerweise verwickeln mußte.
Völlig bestimmt lautet dann die Rubrik erst im zweiten Teil
des Großen Deutschen Memorials (40*31-41*16).
Die Deutungsversuche Nikolaus von Löwens können
demnach keinen Anspruch auf Wahrheit machen. Werden nun
seine Angaben über die Herkunft des Zwei-Mannenbuchs glaub-
würdiger sein?
Das älteste lateinische Memorial betönt, daß Rulmann dieses
Buch von dem Gottesfreund erhalten habe. Das Große Deutsche
Memorial sodann gibt nähere Auskunft über das Verhältnis der
drei Exemplare zu einander. Darnach schrieb Rulmann das be-
sondere deutsche Büchlein nach dem vom Gottesfreunde erhal-
tenen Exemplar (19*3). Nach Rulmanns Texte dagegen schrieb
Nikolaus von Löwen das Zwei-Mannenbuch einmal in das Erste
Uteinische Memorial gantz und gerwe von warte zu warte . . . glich
') Vgl. 40* anm. zu Zeile 32.
als das tüfsch seit flyT) tmf äpSter
deutschen Exemplar in den zweiten Teil des Großen Deutschpi
Memorials. Prüfen wir dagegen unabhängig von den Angabei
Nikolaas von Löwens das gegenseitige Verhältnis der drei Texti
zn einander, so ist richtig, dati das Zwei-Mannenbuch des Grofiei
Deulschen Memorials als Vorlage das besondere Büchlein halte
Dies bestätigt auc-h Lauchert, wenn er schreibt: „Die Vergletchunj
unseres Textes mit dem von K. Schmidt veröffenthchten zeigt, dal
wir es hier (im besonderen Büchlein) mit dem Originaltext zu tui
haben, von dem der Text bei Schmidt eine Bearbeitung ist; eim
Bearbeitung, die sich zwar nur auf wenige Äußerlichkeiten er-
streckt, in diesen aber immerhin willkürlich eingreift"'). Eine freit
Erfindung Nikolaus von Löwens ist schon die erste Kapitelsiiber
B(*rift; „die für die übrigen Kapitel ihm vorliegenden hat er nacl
seinem Ermessen omgesiaUet und za weiterer Verdeutlichung er
weitert und dabei die Kapitel gezählt"«). Wie schon erwähnt
sind die übrigen eigentlichen Textabweichungen gering. Sie be-
stehen nur darin, daß Nikolaus von Löwen an allen Stellen, ii
weichen in seiner Vorlage die beiden als sprechend auftretende
Personen als der eine und der andere eingeführt sind, zum besserer
Verständnis dafür überall der euere und der jüngere, R^«man«
geselle einsetzt.
Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem lateimscbei
Text (235*6 ff). Die Übersetzung, die Götzmann davon gibt, st^
es auBer Zweifel, daß der lateinische Text keine Übersetzung vm
Worte zu worte tat . . . glich als das tiUsch s»f. Die Abweichungen
sind zu groß, als daß man die Angabe Nikolaos von Löwens retta:
könnte. Im Gegenteil, Nikolaus von Löwen schreibt das Zwei-
Mannenbuch gerade deswegen später in das Große Deutsche Me-
morial, weil er gefunden hatte, daB der lateinische Text des Ersten
Lateinischen Memorials eben nicht mit dem Text übereinstimmt
wie Rntmann denselben angeblich eigenhändig in das besonder
Büchlein geschrieben hatte. Nikolaus von Löwen benutzte also bei
Anlage seiner Memorialbücher zwei völlig verschiedene Vorlageo.
eine lateinische und eine deutsche; die deutsche Vorlage fuhrt
91
er aitf Ruhnaim znr&ck, über die Herkunft der lateinischen schweigt
er sich völlig aus, was soviel bedeuten will als: Nikolaus Yoa
Löwens Angaben über die Herkunft der Handschrift sind so
wenig glaubwürdig, wie diejenige von seiner Deutung. Rulmann
kann das Zwei-Mannenbuch nicht von dem Gottesfreund er-
halten, das Originalexemplar verbrannt und den Brüdern des Jo-
haaniterhauses dafür ein eigenhändig geschriebenes Exemplar
übergeben haben, denn sonst könnte Nikolaus von Löwen neben
dem deutschen Text nicht ein völlig davon abweichender latei*
nischer Text vorgelegen haben, den er anfänglich als identisch mit
dem dentschen ansah, um erst später wie von ungefähr auf die
Verschiedenheit au&nerksam zu werden!
Hat aber Rulmann vielleicht doch das besondere Büchlein
geschrieben? Der Eintrag auf der letzten Seite desselben spricht
nur davon, daß die Johanniterbrüder dasselbe von Rulmann „er-
halten haben^s eine Angabe, die durchaus richtig sein kann, so
lange man den ersten Eintrag, der das Büchlein als Eigentum von
Rulmanns Frau bezeugt, aufrecht erhalten will. Mit dem Aus-
druck: das Zwei-Mannenbuch ist inen [den Johanniterbrüdern]
worden van iren Stiftern, ist aber nicht besagt, daß Rulmann
dises Büchlein geschrieben habe, obwohl Nikolaus von Löwen
disen Umstand als wichtig genug hätte ansehen müssen, um ihn
ausdrücklich hier zu erwähnen. Von einer „eigenhändigen" Schrift
bricht nur das Große Deutsche Memorial: das er [RidmannJ
selber schriben tei noch dem exemplar, das ime gegeben wart ton
shne heimeliehen gesdlen, dem lieben gottesfrunde in öberlant (19*2).
Allein diese Stelle steht auf Rasur und wurde erst nach Vollendung
des zweiten TeUs des Großen Deutschen Memorials geschrieben,
während alle früheren Bemerkungen über das Zwei-Mannenbuch
davon nichts wissai. Die Stelle ist also nur ein Beweis, wie un-
zuverläsag Nikolaus von Löwen gerade da ist, wo er für die Wahr-
heit seiner Angaben einstehe sollte. Nicht zu verwundern ist
dannn, daß er mit seiner Angabe: der lateinische Text stimme
mit dem deutschen völlig überein, später in Widerspruch gerät
Er hatte an der gleichen Stelle vergessen, die nächste Zeile auch
noch amszuradieren, so daß der Widerspruch ungelöst stehen bliebt
So können Nikolaus von Löwens Angaben über Herkunft
und Deutung des Zwei-Mannenbuehs keinen Anspruch aut Q(\dL\iSE>-
würdigkeil machen. Das Zwei-Mannenbuch berichtet weder wfflt
lieh geschehene Ereignisse, noch stammt es von n^em Gottes
fi[^und", der Rulmanns Freund gewesen sein soll.
ß) Das Meisterbuch.
NdL'h den Angaben Nikolaus von Lowens im Lateiniäche
Memorial und im ersten Teil des Großen Deutschen Memorial
stammt das Meisterbuch vom Gottesfreund im Oherland, der e
im Jahre 1369 den Weltpriestern von Griinenwörtii mit einem be
sondern Begleitschreiben sandte, Angaben, welche im zweiten Te
des Großen Deutschen Memorials (42*4 ff.) noch näher erläuter
sind. Eine Gegenüberstellung beider Texte wird auch hier Gleich
heit und Verschiedenlieit am besten veranschaulichen.
1. Teil des deatsche:
rials.
Item das buch, iu dem die '>borsta
zile gescbribäD stot, das der liebe
gottes friint in öberlant mit dem
selben briefe den weltlichen priestern
harabe sante, wanne er selber der
leye was, der den gnissen meister
der hi^iligen gescbriftwiseteand leite,
das er kam af den weg der worheit
und ein erlühteter übematiirlidier
begnodeter gottea frnni. wart, alse
das selbe buch seit, das wir 'ich zu
tütscbe hant, von worte zA werte noch
dem latine (lS*l).,
Die dirte materie dis hinderste-
teiles ist de^ meisters buch mit dei
a, b, c. der drie und zweutzig buch
Stäben, das der liebe gottes front i:
öberlaot Bülman Merswins ge
seile, des selben meisters geistliche
sun und getrnwer rotgebe, in eim
bapira mit sin selbes hant geschribe^
bcrabe sante und oucb gar eine gno
den riebe besserliche missive, eine:
seadebrief, denbnidern zä dem Qrn
nenwerde in den ziten. du die weit
liehen priestere die kircbe besungen
nnd regiertent us benömnnge tui'
gunste des bobestes, vor dem es ii
erwürben wart des iares, <lo roen zait
von guttes gebiirte dritzehenhunder
iar sehtzii: und nun lar (42*4).
Damach ist es keine Frage, daß Nikolaus von Löwen io
Meisterbuch eine Darstellung wirklicher Erlebnisse erblickt Dabe
ist der Gottesfreiind der leye, der den grossen meister der heüiffei
yeackrift wisete und lerte, das er kam uf den weg der teorJieit . .
Nirgends aber in allen Urkundenbüchern von Grunenwörlh is
auch nur eine Deutung versucht worden, wer der im Memorial
buch auftretende große meister der heiligen gesckrift gewesei
sei. Später Tauler darunter zu verstehen, war ebenso unb^runde
i.Teildas deutschen Hemo
rials.
93
UDd fußte auf demselben Fehlschlüsse, wie das Verfahren in
den Deutungsversuchen Nikolaus von Löwens.
Wie das Zwei-Mannenbuch war femer auch das Meisterbuch
nach Nikolaus von Löwen in drei Exemplaren vorhanden: in einer
deutschen ürvorlage, einer wörtlich damit übereinstimmenden latei-
nischen Fassung und einer zweiten deutschen Abschrift
Wenn wir diese Angaben Nikolaus von Löwens auf ihre Richtig-
keit prüfen wollen, so wird die erste Frage auf die deutsche
Ürvorlage des Meisterbuchs hinauslaufen müssen. Allein bei ihrer
Losung sind wir keineswegs so glücklich, wie beim Zwei-Mannen-
buch; denn es ist bis jetzt keine für sich bestehende Handschrift
des Meisterbuchs bekannt geworden, die eine Beziehung zum
Johanniterhause zu Straßburg aufgewiesen hätte. Auch der latei-
nische Text des ersten lateinischen Memorials ist nicht mehr
vorhanden, sondern nur die von Götzmann angefertigte Übersetzung
desselben (225* ff.). Die zweite deutsche Bearbeitung endlich
Hegt uns, wie schon bekannt, im zweiten Teil des Großen Deutschen
Memorials vor, womach Schmidt das Meisterbuch ediert hat^.
Vergleichen wir die beiden letztern noch erhaltenen Texte
miteinander, so zeigt der lateinische — soweit die deutsche Über-
setzung es noch beurteilen läßt — mit dem deutschen Überein-
stimmung mit Ausnahme der Rubriken und einiger Textzusätze,
die jedoch nicht bloße Äußerlichkeiten, sondern für die Lösung
der Gottesfreundfrage von der größten Bedeutung sind.
Schon in der Gegenüberstellung der beiden oben mitgeteilten
Rubriken wird man das Bestreben des Nikolaus von Löwen er-
kennen können, die Beziehungen des Gottesfreundes zu Rulmann
Merswin mit der Zeit immer klarer und bestimmter hinzustellen.
Das gleiche zeigt sich in den Kapitelsüberschriften:
Lateinisches Memorial.
Das 14. capitel des lateinischen
Memorials erzeilt, wie der vielgelibte
Weltliche freund gottes im Oberland
^inen magister in der gottsgelehrtheit
^nchte, er sollte eine hoch gestu-
^«rte predig thnn; so er auch gleich
Deutsches Memorial.
Item das erste capitel seit den
anevang desselben büches, wie der
liebe gottes frunt in Öberlant, R ü l-
mans geselle, der begnodete leye
was, der us göttelicheme tribene wol
drisslg milen weges für zu diseme
*} SebmMt, Nikolaus von Basol Beriebt ?on der Bekehning Taulers. Straß-
^ö'» 1875.
9*
gethau
I Ton 24 paukten eines toLI-
k (im eo eil leben s. Dieser üreaatgi
schreibt wie folgt:
ImNamenGottesÄmen . , (22 f
selben ineist«re der beiligen greschi
Qitd in bat atah eine hob» v^rndnfti
bredige, die der meister üch zähs
darooch tet yun vier und zwent:
Btnclten eines volle kam meneB lebf
des (42*20),
Die lateinische Vorlage hatLe demnach noch gar keinen Hi
weis darauf, datt der im Meisterfmeh au/tretende Goltesfreu.
ein Freund Hulmann Merawins gewesen ist, und doeh stamm
beide Kajuteisüberschriften von Nikolaus von Löwen. ') Die übrig
Kapitelsüberschriften sind im lateinischen wie im deutschen Exei
plar die gleichen. Sie bestehen einfach in der Kapitelzahl oh
weiteren Zusatz. Die InhaltsaDgabe bei Schmidt S. 1/2 ist ga
das Werk Nikolaus von Löwens. Beachtenswert ist, daü er (
wo von dem Laien die Rede ist, die Worte RiUmans gest
beifügt aber nicht überall, sondern nur bei der Inhaltsanga
von Kapitel 1. 2 und 10, dagegen nicht bei 3 und 5, wo m
diesen Zusatz ebenso erwarten würde. Es ist darum leicht denkbi
daß in der deutschen Urvorlage, wie es auch in der lateinisch
tatsächlich zubitFt, gerade diese Zusätze fehlten.
Soweit sich die beiden Texte des Meisterhuchs selbst m
einander vw^leichen lassen, stimmen, wie schon erwähnt, bei
überein, mit Ausnahme jener charakteristischen Zusätze, die i
auch im Zwei-Mannenbuch gefunden haben.
Lateinisches Hemorial.
Im namen^tte3. Amen. Im jähr
dreizehenhnndert viertiig sechs wäre
in einer gewissen ststt ein magister,
der in selbiger statt predig und ein
grollen Kulauff hatte; uod das volk
ihn gern bürte predigen, so daß man
viel stuDd weit von diesem prediger
redete, dessen rnhin ancbbis za einem
gewissen weltlichen weit Ton diser
statt entlegen käme, diser weltliche
wurde drei nacht nacheinander im
schlaffermabnt.daBerhingeheD sollte
in dise statt, disen prediger hOroa
Deutsches HemorisL
In gottes namen. Amen. In d
iare do man zaite von gottes gebä
dritiehenhiiiidert iar viertzig nnd st
iare, in demselben iare do geschi
es, das ein meister der heiligen |
Schrift in einer stat tu brediende wi
nnd man borte in ooch gerne, «
das man über tII milen von sii
lere seite. Dis wart ein leye, i
gnadenricher man, d«r lieba gott
fnintin Oberlant, Rülotan Mersmi
unser» Stifters geselle, gewar. und
wart zu drin molen in dem slaSe •
I itm Sendbriof £25*16-226*.^ spriclit iiicht da«ef«n,
n dieser Faisung aicbt urspranglich ist.
91^
piidigeD. er gienge also hin in dise
statt 80 gegen 30 stand von seiner
wonnng entlegen wäre ... (226* 1 1).
manet, er solte goa in die stat, de
der meister was and solte in hören
bredien. NA was die stat in eime
andern lande wol drissig milen von
ime ; doch gedofate dirre man, EM»
mana geadU, der solt rehte do hin
?aren . . . (42*28).
Aus dies^ Gegenüberstellung ergibt sich die Arbeitsweise
Nikdaus von Löwens wieder von selbst Zum besseren Ver-
stäadnis"^ fugt er einem anonymen Traktat seine ganz zweck-
entsprechende Deutung, die zudem keinen großen Scharfsinn er-
forderte, hinzu. Zieht man demnach im Meisterbuch alles ab,
was sicher von Nikolaus von Löwen stammt, so bleibt ein ebenso
einfacher Text übrig wie bei der ürvorlage des Zwei-Mannen-
buchs. Für die ürvorlage des Meisterbuchs, die nicht mehr vor-
handen ist, bilden andere Handschriften uns einen gewissen Ersatz.
Solche Handschriften gibt es in großer Anzahl^), die keineswegs
alle den gleichen Text bieten, die aber alle, soweit sie nicht
direkt auf das Große Deutsche Memorial zurückgehen, darin über-
einstimmen, daß sie die für die Gottesfreundfrage wichtigen Zu-
sätze Biimanns geselle usw. nicht enthalten. Ebenso fehlt
jede Einleitung, die besagt, daß das Meisterbuch von dem Gottes-
freund im Oberland herstammt, und daß er es den Weltpriestern
MGrünenwörth gesandt habe; kurz es fehlen alle jene Zusätze
über Deutung und Herkunft, die wir als das Werk Nikolaus von
Löwens erkannt haben. Wie das Zwei-Mannenbuch, so beginnt
der Urtext des Meisterbuchs direkt mit der Erzählung: In gottes
«ftwtfn. Amen, In dem iar, do man zaU ... Es kann nun hier
0 Sie sind aufgezählt bei Denifle, Taulers Bekehrung 97 ff. — Priebsch,
Putsche Handschriften in England U, 124 nr. 146 erwähnt eine bisher unbekannte
^' des Meisterbuchs ex a.® 1488. Sie gehörte in das Kloster Mediingen, Prediger
''^dens: „Es liegt ein bisher unbenutzter Text des Meisterbuchs ror . . . Unsere
^Msiing stellt sich zu der der Grazer Hs. M (Denifle S. 98-100), indem sie gleich
^«er drei Predigten unterdrückt und mit ihr in der Form des Nachworts zur Braut-
Pfö^iigt übereinkommt. Schmidts Abdruck gegenüber erscheint der Londoner Text
D»ehr(ach gekürzt, die Bezeichnung des Laien als der liebe gotes frünt in Oberlant,
«M^wa» Merswines geselle fehlt durchwog, die Bauer des neuen Lebens des Meisters
^gt 11, nicht 9 Jahre n. s. w.** Der Traktat beginnt: In goUes namen amen.
*» dem jar do man zalt von gottes gehurt tusent und drewhundert jar und
'^Jar . . . geaehaeh das, das ain maister ... in ainer stut vil bredigen voo% . . •
nicht meine Aufgabe sein, Alter und Herkunft des Me
zu beätimmen oder zu untersuchen, welcher von den üb
Texten der ursprüngliche ist. Für die Gollesfreundfra
es festgestellt zu haben: als NikoSaus vuq Löwen
dem Tode Rulmaiins an die Zusammenstellung der I
biicher des Johanniterhauses machte, da lag ihm ein
Meisterbuchs vor, der vor das Jahr 13(i9, also in die 1a
ging, wo der Johanniterorden von Grünenwörlh noch n
genommen hatte. Wie dieser Text näher beschaffen w)
I wir nicht. Wenn wir jedoch die Arbeitsweise Nik(
LÖwena beim Zwei-Mannenbuch seiner Vorlage gegenül
Iraeht ziehen, so können wir mit ziemhcher Sicherh
daß Nikolaus von Löwen mit Ausnahme der auf RuId
swin sich beziehenden Zusätze und den Kapitelsüb«
nichts geändert hat.
Sehr vieles spricht dafür, dali das Meisterbuch ii
der literarischen Tätigkeit des Nikolaus von Löwen
größere Rolle spielte als später. Deon auffallend ist,
Meisterbuch im Ersten Lateinischen Memorial an zwe
stund vor den Vier-Jahren und dem Fiinf-Mannenbi
fallend ist femer die Angabe Nikolaus von Löwens, d<
freund habe es herabgesandt in ^me bapire mit sin i
gesckribetij ein Ausdruck, der ähnlich beim Fünf-Mi
wiederkehrt (vgl. 71*28 ff.)- Auffallend ähnlich sind auch
Stellen 82*21-26 u. 70*7-17 in dem Begleitbrief zum M
wie zum Fiinf-Mannenbuch. Sollte das Meisterbuch bi
wesen sein, einmal dieselbe Rolle als „Autograph" zu s
das Fünf-Mannenbuch ? Wenn es seine Bedeutung späi
so liegt der Grund wohl darin, dall Nikolaus von L
dem im Meisterbuch erwähnten Meister der hl. Schrift i
fangen konnte, wenn er versucht hätte, ihn in irgend
Ziehung zu Ruimann Merswin zu bringen.
Im Großen Deutschen Memorial ferner fehlen gege
latemischen Vorlage einige an und für sich selbständige,
Nikolaus von Löwen zum Meisterbuch gehörende Slüc
Stücke hatte Nikolaus von Löwen nicht ins Große Deu
morial, sondern m das Kleine Deutsche Memorial, das n
vorhanden ist, geschrieben, nämlich das Begleitschre
97
Meisterbuch und die Sakramentspredigt (42*13). Mit dem Begleit-
schreiben werden wir uns näher bei der Behandlung der Briefe
befassen. Die Einleitung zur Sakramentspredigt im lateinischen
Memorial ist aber für die Auffassung des Meisterbuchs sehr lehr-
reich (227*16). Sie besagt, daß der Gottesfreund die Sakraments-
predigt einem weltlichen Priester zum Grünenwörth gesandt hat
und zwar ein halbes Jahr nach Ankunft des Meisterbuchs.
Die Abfassung des Meisterbuchs und der darin enthaltenen Pre-
digten fallen also zeitlich nicht zusammen; denn wenn dies bei
der Sakramentspredigt der Fall ist, warum sollte es nicht auch
bei der Klausnerinnenpredigt und den andern zutreffen? Darnach
wäre das Meisterbuch nur eine Kompilation verschiedener, jedoch
aus demselben Verfasserkreis stammender Stücke. Jetzt begreift
man auch, wie in vielen Handschriften gerade die Predigten fehlen,
oder wie andere wieder einen wesentlich gekürtzlen Text enl-
balten»). Der Text des Meisterbuchs im Großen Deutschen Me-
morial ist nur einer von den vielen, die schon vor 1370
im Umlauf waren, aber von niemandem herstammen, der mit
Rulmann Merswin jenen heimlichen Verkehr unterhielt, von dem
Nikolaus von Löwen uns fälschlicherweise berichtet.
Während ferner Nikolaus von Löwen in der Einleitung betont
bat, das Meisterbuch sei den Priestern von Grünenwörth gesandt
worden, spricht er hier bloß von „einem weltlichen Priester
zum Grünenwörth.-' Es liegt auf der Hand, daß Nikolaus von
Löwen unter diesem einen Priester sich selbst verstanden wissen
wollte, denn er war zu jener Zeit tatsächlich als Weltpriester
im Dienste Rulmanns auf der Hofstälte zum Grünenwörth.
Aus allem dem ergibt sich der Schluß, daß die Angaben
Nikolaus von Löwens über Deutung und Herkunft des Meister-
buchs keinen Glauben verdienen. Der Gottesfreund vom Ober-
lid beschreibt hier nicht Ereignisse aus seinem Leben, weü das
Meisterbuch von vornherein keine wü*klichen Erlebnisse erzählen
^; darum stammt es auch nicht von dem unbekannten Gottes-
freund, der in heimlichem Verkehr mit Rulmann Merswin ge-
standen sein soll Den Fälschungen Nikolaus von Löwens liegen
vielmehr zwei völlig anonyme Urtexte zu Grunde, ein lateinischer
') Siehe näheres bei Veniße a. a. o,
l.
h
and ein deutscher, an aenen er' von Stute zu Stufe Üär^
erläuternd alle jene Veränderungen vornimmt, wie wir sie ac
Hand der ürkundenbüdier verfolgen konnten.
■[) Das Buch von den Neun Felsen.
Wahrend das Zwei-Mannenbuch wie das Meisterbuch di
auf den Gottesi'reund zurückgeht, haben die Neun Felsen i
Nikolaus von Löwen Rulmann Merswin zum Verfasser. Fre
sehrieb es Rulmann Merswin nur gezwungen, da er aus Dt
nicht wünschte, dali jemand von seinen Visionen erfahre, di
den Neun Felsen geschildert sind. Sie entstanden im Jahre ]
zu gleicher Zeil mit den Vier-Jahren, Rulmanns eigenbanc
Lebensbeschreibung (19*22; 38*1; 4«*6; 49'25).
Die Neun Felsen, die uns jetzt im Übriggebliebenen Lal
buch erhalten sind, bildeten zuerst einen Bestandteil des Er
Lateinischen Memorials, wo sie am Schlüsse ihren Platz gefui
hatten. Für die Kritik ist es wieder wichtig, die Entwick
zu verfolgen, welche die Neun Felsen unter der Hand Nikolaus
Löwena durchgemacht haben. Sieht man zunächst von dem '
der lalPini-^ch™ Fa^^sung ah, sn bielet lirr ganze Text auch r
die geringsten Anhaltspunkte dafiir, dalt er jemals zu Ruin
Merswin in Beziehung gestanden hat. Die ursprünglichste lateini:
Rubrik hat diesen Traktat als anonym aufgefaßt, denn d
lautete nur: Incipit prologus in libmin qui intytulatur de tu,
rupihus (50*1). Dem fügte Nikolaus von Löwen in einem ;
teren Stadium hinzu ||j ctus Bülmattnus Merswin fundator m
[instrumenlumj dei fore oportebat coactus hoc scribere sicut pti
eredmdum per quam pltira et diversa teatimonia que in pre.
libro sunt presct-ipta (50*3). Dieser Zusatz zur Rubrik ist i
den Rand hinausgeschrieben, weil der freigelassene Platz d
nicht reichte"), ein deutlicher Beweis, dalS sie urprünglich n
beabsichtigt war, obwohl wir nur aus ihr erfahren, daU Rulm
die Neun Felsen gesehrieben habe. Um jedoch der Wahr
Zeugnis zu geben, beginnt Nikolaus von Löwen nicht lange m
her den Zusatz wieder auszuradieren; es gelingt ihm bloU
') Siehe Schritttaftl Nr. 11. Strauch etuTilmt die-e so nithlLje Kom
Hiebt (ZeitSL'hr. f. d-ut-ili« PtiLlologie 31. 2631.
99
ersten Worte, während er die übrigen, um das Pergament nicht
zu beschädigen mit blauer Farbe durchstreicht, ein Zeichen, daß
die Annahme der Autorschaft Rulmanns nach Nikolaus von Löwen
selbst höchst zweifelhaft ist^). Die erste Entwicklungsstufe in
den Neun Felsen bietet also nicht nur keinen Anhaltspunkt für
die Autorschaft Rulmanns, sondern schließt diese im Gegenteil
völlig aus. Denn alle übrigen Angaben, die als Einleitung
im Übriggebliebenen Lateinbuch stehen, können hier noch nicht
in Betracht kommen, weil sie wie das ganze ÜbriggebUebene
Lateinbuch erst in einem späteren Stadium der Entwicklung
entstanden sind.
Auf ein zweites und zwar deutsches Exemplar der Neun
Felsen weisen uns die Worte Nikolaus von Löwens, wenn er von
dem lateinischen Exemplar spricht, daß es im Ersten Lateinischen
Memorial geschrieben stehe von worte zu worte glich als wir es
«ttcA in futsch hant (19*23). Im Straßburger Johanniterhause war
demnach außer dem Text des Großen Deutschen Memorials ein
besonderes deutsches Büchlein der Neun Felsen vorhanden. Nim
berichtet uns Schmidt von dreien solcher Büchlein*), von denen
er das eine als Autograph Merswins bezeichnet, während er
von einem andern sagt, daß es auf Pergament geschrieben und
*us der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stanmie. Ersteres
ist uns noch in der Handschrift L germ. 665 der Straßburger
Cniversitätsbibliothek erhalten^), letzteres nur noch aus einigen
Brachstücken bekannt, welche Schmidt zur Ergänzung des soge-
nannten Autographentexts mitteilt. In ihm dürfen wir ein Ana-
logon finden zu dem Pergamentbüchlein des Zwei-Mannenbuchs
(Hs. U)^ was Format (12^) und Ausstattung anlangt. Wie dieses,
hatte auch das Neun Felsenbüchlein keine Überschrift noch irgend
einen andern Hinweis, in dem die Autorschaft Rulmanns ausge-
sprochen wäre*).
Die Hs. L germ.665 dagegen galt bisher als Autograph Mer-
swins, weil sie mit der Schrift der Vier-Jahre, die ebenfalls von
Mepswin eigenhändig geschrieben sein sollen, vollständig überein-
'} Diö Korrektur ist auf dieselbo Weise ausgeführt wie '24 "4.
') Schmidt, Tauler S. 180 anm. u. Neun Felsen S. IV.
^1 Vgl. Strauch, Zeitschrift f. d. Philologie 34, 258.
"•l Siehe im xweiten Teil die J/iuierkungen zu Seite SO^-o:)*.
stimmL Leider fehlenm^m sögMannien Aulograph einige Blätter,
vor allem am Anfange, die Tür unsere Untersuchung selip wichtig
wären. Wir werden aber in der Annahme nicht fehl gehen, dall
ebenso wie der lateinische Text und das Pergamentbüchlein, auch
das sogenannte Autograph nicht besagte, daU Rulmann die in
den Neun Felsen geschilderten Visionen selbst erlebt, oder daö er
der Verfasser der Neun Felsen ist»).
Einen dritten deutseben Text des Neun Felsenbucbs über-
liefert uns endlich der zweite Teil des Grollen Deutschen Memo-
rials. Er entstand gleichzeitig mit der Umwandlung des Ersten
Lateinischen Memorials in die beiden Übriggebliebenen Laleiu-
büeher. Wiihrend Nikolaus von Löwen noch im ersten Teil
des Grollen Deutschen Memorials behauptet hat, das der lateinische
Te.\t dem deutschen von woiie zu worle <jlich sei, merkt er
CUR, daü dcts latine bück von den min veilsen ettewas tnissehilUt
dem li'itschen an abei/ebrochenen icorten und zügeleiten glasen ut
der geschrift (48*2). Darum zerteilt er das Erste Lateini.scbe
Memorial und schreibt die Neun Felsen nach der deutseben Original-
vorlage in den zweiten Teil des Grollen Deutschen Memorials, und
in laieiniseher Übersetzung in da- neu an.Liefertiste grosae ladti'
memoriaU bück des huses zu dem Grünenwerde . . . von worte zi
toorte glich dem tütschen^ als« e» us dem heiligen geiste kummen wu
und sü Rülman Merswin sckriben müsle (48'''4). Dem deutschen
Text des Großen Deutschen Memorials lag darum nach Nikolaus
von Löwens eindeutig bestimmten Worten die richtige von Rul-
mann stammende Bearbeitung der Neun Felsen zu Grunde. Niniml
man alle Behauptungen Nikolaus von Löwens unbe-'^ehen hin.
dann muß man demgemäß annehmen, dal) der Text des Großen
Deutschen Memorials nur eine Abschrift des sogenannten Auto-
graphs darstellt, wie es auch bis jetzt die allgemein herrschende
Ansicht war. Folgerichtig muß man weiterhin annehmen, daü
nicht nur die im Johanniterhause zum Grünenwörth vorhandener
anderen Handschriften der Neun Felsen, sondern auch alle übrigen
wo immer heute aufbewahrten Neun Fel,sen-Tex le, soweit sie dl«
■| Daü die Us. iiicbt v
fefGlirt n erden.
iol
längere Textrezension bieten, in ihrem letzten Grunde auf das
sogenannte Merswin-Autograph zurückgehen^).
Betrachten wir zunächst die zu Grünenwörth entstandenen
deutschen Texte, wobei zur leichteren Übersicht nachstehende
Siglen eingeführt seien. Wir bezeichnen das sogenannte Auto-
graph der Neun Felsen mit o, die von Schmidt zur Ergän-
zung des Autographs benützte Handschrift {Cod. E 152, aas der
zweiten Hälfte des 14, Jahrhunderts, Perg., klein 8^ oder 12^) mit
f und endlich den Text des Großen Deutschen Memorials mit y-
Wenn Nikolaus von Löwens Angaben nun richtig sein sollen,
dann muß sich das Handschriftenverhältnis so gestalten, daß a
die Vorlage von ß wie y bildet, während y entweder direkt
von a oder durch Vermittlung von ß aus a abgeleitet wäre.
Die Textvergleichung zeigt aber gerade das entgegengesetzte Ver-
hältnis.
Zur Bestimmung dieses Verhältnisses kommen vor allem die
Anmerkungen bei Schmidt, NF. S. 19 und 122 in Betracht. Die
erste zeigt, daß a die Kapitelsüberschriften des Rügenbuchs zu
Unrecht weggelassen hat, während sie stehen müßten, wie die
analogen Rubriken bei Schmidt S. 10, 15, 64, 80, 85, 88, 94,
97, 100, 104, 108, 147 beweisen; ß wie y hat darum den
richtigeren, ursprünglicheren Text, der nicht erklärt werden kann,
wenn ß wie y ^^s a abgeleitet sind 2). W^as Schmidt ferner in
der Anmerkung S. 122 in ß — und hier stimmt abermals y mit
? überein — als Zusatz zu der von ß benützten Vorlage a
bezeichnet, ist tatsächlich kein Zusatz, sondern auch hier hat a
einen weniger glücklichen Text als ß und y? was wieder nicht
erklärt werden kann, wenn ß und y aus a abgeleitet sind. Freilich
sucht Strauch gerade diese Abweichung durch Homöoteleuton
zu erklären»), allein mit wenig Erfolg, wovon die Gegenüber-
<ler verschiedenen Texte jeden leicht überzeugen kann.
M Das nimmt auch Strauch an, a. a. o. S. 259.
') Vgl. Straoch, Das Neunfelsenbuch S. 267 zu anm. 19,1.
^) Ebenda S. 268 anm. 122,82: „Nach sehhm ist mit gleicher Tinte, mit
^^r das Ganze geschrieben, ein verweisendes Kreuz (yC,) gesetzt, zum Zeichen, daß
'^«r etwas ausgefallen ist ; ein Nachtrag ist in der jetzigen Gestalt des sog. Auto«
S^phs nicht Torbanden, doch mag bemerkt werden, daß das diesem (48.) Blatte vor-
^Qiffoliende (47.) wie folgende (49.) Blatt fehlt und nur von junger Hand de% 1%. ^%.
hornDiba »til got nül
banfigSD, iv- er di'-b irelle
Mccen lA dirr« esseil e-
svbaft, du nü3t üi'h in ilsn
urepran« lelboi sebheii.
NA dun uf dien« ii
{genuadsifli. Di
b«rcan unii tptSL-b
Bsmiab wil gnC niit
beDÜgi'ii. dl) et dich «eil«
isDtZtfti ift dirro geielle-
sch&ft, du mü>l ODcli in
den urBpruoE lolbei Babeu.
D«i meritcbs cprach :
ich bdtizu lisp mins, dite
K»r I
Fn'iuiade rede, das du apri-
ciiader iu dan urspruag
lossun Gelisu.
IIbs diu und drUiii;sU
cspitel lail. wie der Totje-
oaate ineiiBclte nirt be-
Dur mtnsiiba erscbrnc
Ton gründe sias bcrtzea
und sprscb . . .'I
igitur >pud deum nou ia-
convauieas bis eat adopeki
f|[iia babltatucus Fum in-
«olis haluE fupi< jia, sad
eciam in dcl ftintsl« prlo'
dpi am iutfnduceDdas.
Houo dilil : o domio»
Don aum di^Lius illonu»
cobabitaciona quintominns
rastro apei-iei eonWoipla-
Consei]UBiil«r sequi tar
qaoniudo hie homo ik de»
introire Foiitale priadpinui—
Capltuluia dacimiiru.
Re&puliijo diTiuK dLUb
it laMUectam afis
Ule prlDclplum.
Max booio omi
Würe die Auslassung in der ersten Spalte durch Homöote —
leutoo (sehhen) zu erklären, dann Mtte a weilerfahren müssen^*-
mit: Die atitwuHe sjji-acii, udec mili Di:i- »miiischc cmchi-ai/, keines "
falls aber mit: Nu dün uf diene inren vgen. Mag demnach dupch^^
das verweisende Kreuz im sog. Autograph die Stelle in etwa^^^
verbessert worden sein, so kann trotz der Verbesserung weder ^^
noch Y seinen Text aus « abgeleitet haben. Die Folge ist, daEI^^
eigiknzt, rurliügt. Das wus Schmidt in der Amnerli. ä. I-ä als Zusatz bezeicbnet^^'*'
&t«ht in almtUcheii (voD mir fett K»druckt| Hss. und Druckun des kfinaren Trakt»tt=— ^'
MerswlDS Voila^e. auch in CKmin.: es iiandult sich im so;, .tutograph also Dur u^^^*"
eiueu lufilUigen Ausfall, herbaigofabrt durch Homiiululeuton, der nacbttiglicb IDSI "^
merzt »erden sullta. DaB dies geschehen. UBt sich jetzt nicht mebr feststallan '^^-
') ß stimmt mit I rollstindig flbarein mit Ausnahme der Kapitelsüberscbrie^fc;
103
a, d. h. das sogenannte Autograpb, nicht der Urtext und darum
auch nicht eine selbständige Arbeit Rulmanns sein kann. Nikolaus
von Löwen gerät also mit sich selber in einen unlösbaren Wider-
spruch, wenn er behauptet: y ß sei von Wort zu Wort nur eine
Abschrift von a.
Femer kann ß nicht y zur Vorlage haben, schon deswegen
nicht, weil in ß die y eigentümlichen, den Text der Neun Felsen
erläuternden Zusätze, durch welche die Neun Felsen als Werk
Rulmanns ausgegeben werden, fehlen. Diese hätte aber kein
Angehöriger des Straßburger Johanniterhauses in ß weggelassen,
wenn y die Vorlage gewesen wäre. Umgekehrt läßt sich jedoch
•f als Ableitung aus ß leicht verstehen. Soweit wir den noch
erhaltenen Text bei Schmidt i) vergleichen können, stimmt y auch
nütß wörtlich überein; nur die Rubriken hat Nikolaus von Löwen
dem Großen Deutschen Memorial entsprechend geändert.
Ebenso läßt sich a als Ableitung von ß erklären, wenigstens
hat Schmidt nirgends eine größere Abweichung von a und ß be-
merkt^), während auf der anderen Seite der noch überlieferte Text
von ß vollständig mit a übereinstimmt. So sind denn aus ß, dem
anonymen Traktat der Neun Felsen, im Grünenwörth zwei ver-
schiedene deutsche Textrezensionen der Neun Felsen geflossen:
TUnda, und zwar zeitlich zuerst 7, später erst a; denn wenn
Nikolaus von Löwen in dem Augenblicke, als er den Text ins Große
deutsche Memorial übertrug, das Autograph a schon bekannt ge-
wesen wäre, wäre es undenkbar, daß er nicht a, das so laut ge-
priesene Autograph, zur .Vorlage gewählt hätte. Tatsächlich hat
6f aber a nicht gewählt, darum kann a als Autograph Rulmanns
^och nicht vorhanden gewesen sein, d. h. a ist erst nach 1390
^gefertigt, darum keine selbständige Arbeit Rulmanns nochr viel
Weniger Autograph, da Rulmann bereits 1382 gestorben ist.
Zu dem gleichen Ergebnis führt uns die im Johanniterhause
ß^chriebene lateinische Textrezension. Diese gehörte, wie wir
S^sehen haben, dem ältesten Teile aller Memorialbücher an. Sie
^st aber, wie Nikolaus von Löwen selbst zugibt, eine von Johann
') Mit dem Text seiner Neunfolsouaus^be vgrl. au«;h «len Text bei SchmiJt,
^^ttler S. 216-219.
') Die oben S. 102 behandelte Abweichung läßt sich nicht durch Homöoteleuton,
^'^Qdern durch freie Bearbeitung des Textes erklären.
]U4
von Schäirolsheiin augeferLigte Überarbeitung einer deutscher
Vorlage, Mit den oben betrachteten deutsehen Rezensionen stimm'
sie dem Inhalte nach völlig überein, zeigt jedoch durchaus da:
Bestreben, den deutschen Text zu kürzen. Insofern behält Niko-
laus von Löwen Recht, wenn er sagt, dall die lateinische Fassunj
«Iwas misBeheüet der deutschen an abegebroclu-nen warten (48*2l
weniger richtig ist aber, daß sie mit Stellen der hl. SchriT
„glossiert" sei (49^21). Solche Glossen treten nur veremzelt ad
so dal! sie kemeswegs den Grund bilden konnten, die Neun Felsei
abermals und zwar jetzt nach dem deutschen Büchlein, alse e.
US dem heiligen geiste kummm ist und sü Ridman Merawin, d^.
Stifter . . . schriben müsle (48*5), in das Grolle Lateinische MemO'
riai zu schreiben. Wie ist es nun zu erklären, dali Nikolau;
von Löwen in seine fiir die ganze Geschichte von Grünenwörll
und seines Stifters gewiü wichtigen Memorialbücher eine lateinisch*
Rezension aufnehmen konnte, die mit dem angeblich von Rui'
mann stammenden Text nicht übereinstimmte, wenn es wirkhd
wahr ist, daü Ruimann der Verfasser der Neun Felsen ist? Um
wie wäre es möglich, daß Nikolaus von Löwen die Abweichungei
des lateinischen Textes von dem deutsehen erst so spät gemeri;
hätte, wenn Nikolaus von Löwen von vornherein der Autorschaf
Ruimanns sich bewußt gewesen wäre, und wenn nicht diese Über-
zeugung sich erst im Laufe der Zeit gebildet hätte? Sagt ei
doch im ersten Teil des Großen Deutschen Memorials noch, dei
lateinische Text des Ersten Lateinischen Memorials stimme toi
worte zu worte mit dem deutschen übetein (19'24), während da:
einige Jahre später angelegte Übriggebliebene Lateinbuch bemerkt
daü die lateinische Rezension ettewas missekUlet dem tatschen at
abegibrochenen warten und zu geleiten glonen us drr schrift {48*S
und 49-21)!
Von einer Autorschaft Ruimanns wissen auch alle übriger
bis jetzt bekannt gewordenen Handschriften der Neun-Felsen nichts ')
Mag man die kürzere oder die längere Textgestalt betrachten
so stimmen sie bei aller sonstigen Verschiedenheit doch darii
■| Mit grfiBtcr üBulikvniitais sind diese Handschriften L«i Strsucli. Das Naun
felsonbui'b S. äSG If. und 2ö8 IT. zusammengestellt. Leider t^iad jedocU send* di<
Uoniente auGeracbt galassen trordeD, die die AiitorGclmft Kulmatins an den Stirn
105
Überein, daß keine derselben Rulmann als Verfasser nennt, d. h.
mit andern Worten : in der ganzen Reihe der Neun Felsen-Uber-
lieferung behauptet Nikolaus von Löwen allein die Autorschaft
der Neun Felsen durch Rulmann Merswin.
Auf die Unhaltbarkeit der Angaben Nikolaus von Löwens
weisen uns auch die dem Text selbst entnommenen Gründe, die
bereits Denifle ausgeführt hat^). Sie zeigen die Übereinstimmung
der Gedanken in den Neun Felsen mit den dem Gottesfreund zu-
geschriebenen Traktaten in so auffälliger Weise, daß man unmöglich
zwei Personen, dort Rulmann und hier den Gottesfreund als Ver-
fasser annehmen kann. Eine nur oberflächliche Einsicht in den
Inhalt der Neun Felsen genügt aber auch, um jeden zu überzeugen,
daß die Neun Felsen wie die sämtlichen übrigen Traktate gar keine
wirklich erlebten Visionen schildern wollen. Der Verfasser be-
diente sich dieser Bilder nur, um mittelst derselben verschiedene
sehr herbe Wahrheiten in ansprechende Form einzukleiden. Niko-
laus von Löwen dagegen suchte es durch geschickte Schachzüge
zu erreichen, an und für sich anonyme Traktate, die keine wirk-
lichen Erlebnisse berichten wollten, umzudeuten und sie ganz
bestimmten Personen, hier Rulmann Merswin und dort dem Gottes-
freund unterzulegen.
Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, auf die Textgestalt
der Neun Felsen des weiteren einzugehen 2) und etwa nochmals zu
untersuchen, ob am Ende nicht doch die längere Textgestalt die
Ursprüngliche ist, die kürzere nur eine Ableitung aus ihr; oder
8ar die Vermutung zu beweisen, daß die Neun Felsen aus verschie-
denen, früher getrennten Teilen zusammengeschmolzen w^urden^),
geradeso wie das Zwei-Mannenbuch, das Meisterbuch, Traktat
^J*. 2, 14, 15 und 16 aus verschiedenen von einander unab-
'^ängigen Teilen bestehen. Begnügen wir uns vorerst mit dem
n Zeitschrift für doutsches Altertum 24, 518-521.
*) Ich beschränke mich absichtlich auf die zu Grüncnwörth ontstandoiion \oun-
'^Uenrezensionea, denn soriel neues, gediegenes Material auch Strauch in stnuer
^^handlang über die Neun Felsen beigebracht hat, mu(3 die ganze Frage dorli nocli-
^8 untersucht werden.
'l So auch Strauch, Nounfelseubuch S. 280 ff. : «Wir werden kaum in der
^^hme fehl gehen, daß hier Themata mit einander verbunden sind, die ursiirüng-
^^^ ge8ond«»rt nebeneinander bestanden.**
unumslölllichen Resullate: ebensuwenig wie beim Zwei-Mannen-
buch und Meisterbuch sind die Angaben Nikolaus von Löwens
über Deutung uod Herkunft der Neun Felsen irgendwie beweis-
und annebinbar. Denn die Neun Felsen bilden für sich betraehtel
einen Traktat, von dem uns weder Entstehungszeit noch Verfasser
bekannt sind. Die Neun Felseu berichten ferner keine wirklichen
Erlebnisse Rulmanns, noch stammen sie von ihm, sonst müJiie
Nikolaus von Löwen, der ja erst nach Rulmanns Tode alle ür-
kiindenbücher anlegte, sich über Deutung und Herkunft dieses
Traktates ,völlig klar gewesen sein, ohne Jenes unsichere Tasten
und Sueben nach Klarheit, bei dem er sich zuletzt in unlösbare
Widersprüche verwickelt, wie es die ürkundenbücher verraten.
Die Traktate des zweiten Teiles: Zwei-Mannenbuch wie Neun-
Felsen und Meisterbuch stimmen demnach darin überein, dali ihre
erste Fassung in den Memorialbüchern lateinisch war. Diese latei-
nische Fassung stimmte nach Nikolaus von LÖwens früheren Angaben
wörtlich mit einem deutschen, separat gebundenen Text übereil»
(18*7, 19*1; 19*2S}, nicht mehr aber zur Zeit der Umwandlung,
des Großen Deutschen Memorials und des Ersten Lateinischen
Memorials. Deswegen schreibt er alle drei Traktate nochmals
in den zweiten Teil des Großen Deutschen Memorials, aber jetzt
wörtlich nach den deutschen Vorlagen, von denen wir diejenige des
Zwei-Mannenbuchs wie der Neun Felsen, nicht aber die des-
Meisterbuchs kennen, nämlich nach den Handschriften F u. Cod. C
152. Diese in Format und Ausstattung übereinstimmenden Büchlein«
die keinerlei Hinweise auf Rulmann Merswin besaßen, bildeten die-
Vorlagen zur deutschen Rezension im Grollen Deutschen Memo-
rial wie zur verbesserten des Großen Lateinischen Memorials, das
leider nicht mehr erhalten ist,
c) Der Traktate dritter Teil. Zu Beginn des Große»
Deutschen Memorials hat Nikolaus von Löwen hervorgehoben =
im lateinischen wie im ersten Teile des Großen Deutschen Memo-
rials sind alle Bücher niedergeschrieben, welche die beiden Stifter
den Brüdern des Johanniterhauses hinterlassen haben. Trotzdem
findet Nikolaus von Löwen, allerdings erst zehn Jahre nach Rul-
manns Tode, noch einige Traktate (4.^*9 IT.), die nach ihm gleich-
falls von den beiden Stiftern stammen und darum als Nachtrag
im Großen Deutschen Memorial ihren Platz gefunden haben. Für
107
uns ist vor allem der erste und letzte von besonderer Wichtigkeit.
Der erste, der ouch Bülman Merswine, iinserme Stifter, in 8ime
ersten kere herabe geschriben [wart] von sime heimelichen gesellen,
dem lieben gottes fr linde in o6er/an< (43*17), enthält die Belehrung
eines jungen sündhaften Priesters durch einen alten Klosterbruder,
der ihn auf den Weg der Vollkommenheit weist. In der Schilderung
der Verzückung, welche dem Priester während des Essens zuteil
wird, kehren dieselben Gedanken wieder wie im vierten Traktate
von den beiden Klosterfrauen im Bayernland. Dieselbe Rolle,
welche dort die Priorin spielt, spielt hier ein alter Klosterbruder.
Lassen wir die von Nikolaus von Löwen stammende Einleitung weg,
so haben wir nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, daß der
Gottesfreund im Oberland denselben Rulmann Merswin gesandt
hat Es ist ein durchaus anonymer Traktat, der mit den Worten
b^nnt: Es beschach in einen ziten^ das ein iunger brüder in
eime closter was . . . (43*19). Sein Inhalt ist aszetisch-mystisch,
eingekleidet in die Gesprächsform zwischen einem alten und einem
jungen Klosterbruder, um dieselben Gedanken zum Ausdruck zu
bringen, wie die Traktate Nr. 7, 8, 9 im ersten Teil des Großen
Deutschen Memorials.
Der zweite und dritte Traktat enthält Gebete und Beleh-
ningen für alle diejenigen, welche von Gott auf den Weg der Voll-
kommenheit geführt werden. Ersterer stammt nach Nikolaus von
Löwen von dem Beichtvater einer Jungfrau, denselben bihter RuU
^*^, unser Stifter, grosliche minuete und vil sinre lieimelicheite
*^«(44*7); beim zweiten ist kein Verfasser angegeben. Dagegen
Wgt der vierte und zugleich letzte Traktat den Namen des be-
rühmten Tauler. Dieser schrieb ihn eime sime liehen f runde in
^wi zUen^ do die grossen erschröckenlichen ertbidemen alle koment
(45*1), und zwar im Jahre 1356. Dieser Traktat enthält manche
Ähnlichkeiten mit dem zehnten Traktat, der ebenfalls von den
^'finftigen pflogen gottes handelt. Wer der Freund war, an den
Tauler diesen Traktat gesendet hat, hat Nikolaus von Löwen nicht
angegeben.
d) Vergleicht man alle Traktate miteinander, 5>o
ergeben sich manigfache Übereinstimmungen, aber noch mehr
^Verschiedenheiten, die zuletzt auf offenen Widerspruch hinaus-
laufen.
108
Wir haben bei allen Traklalen gesehen, daß die Deutui
Nikolaus von Löwens eine durchaus unrichLige und verfehlte i;
k Alle Traktate sind ihrem Wesen naeh anonyme Traktate, redi
immer nur von einem GotLesfreund, einem jüngeren Brude
einem alleren Bruder usw.. spielen aber niemals auf eine In
stimmte Person an, deren Lebensschieksale sie etwa beschreibt
woIHen.
Weiterhin war genau das Bestreben des Nikolaus von Löwf
zu verfolgen, diese Traktate in irgend eine Beziehung zu dt
(.beiden Stiftern des Hauses" zu bringen. Dabei war es seil
ursiirüngliffcte Ansicht, dall überall, wo in den Traktaten vr
„dem einen" oder ,. andern" die Rede ist, unter „dem einen" dt
Gotte.^tVeund vom Oberland ') — dessen Name uns nirgends g(
nannt ist — unter „dem andern" Bulmann Merswin selber ve;
standen werden müsse. Das war die Deutung der ersten 12 Tral
täte und. soweit eine Nachprüfung möglich ist, auch diejeni|
der lateinischen Traktate. Die Ungereimtheiten, die dadurch en
standen, waren aber doch zu groli, als dati sie Nikolaus ve
Löwen hätten entgehen können. Vor allem hätte Rulmann M«
swin eine LebensroJle gespielt, die wenig geeignet gewesen war
sein Leben den Brüdern als nachahmenswert vor Augen zu stelle
Nikolaus von Löwen tilgt darum überall diese Deutung; beha
unter dem „einen" den Gottesfreund vom Oberlande bei, dessc
Leben und Wirken ja doch niemand nachzuprüfen vermocht
und fertigt aus dem „andern-' einen ebenso unbekannten Freur
des üol teefreundes. Für Rulmann aber wurde dadurch Eraa
geschaffen, daß die Traktate teils dem Gottesfreund, teils Rulmac
Merswin als Verfassern zugesehrieben wurden. Daß die letzten
nicht auf Huimann, sondern auf andere uns teils bekannte, tei
no(.'h unbekannte Verfasser zurückgehen, gibt Nikolaus von Löwe
selber zu, und wie wenig er selbst von der Autorschaft Rulmaoi
bei dem lateinischen Texte der Neun Felsen überzeugt war, bewei:
seine in der Prolog-Rubrik vorgenommene Rasur, wodurch di
ursprüngliche anonyme Gestalt der Neun Felsen wieder hergestel
' I Zu der ba^timiiiteu deutsi:lieD .Vusdruik^wcisu ; der Guttetfreund im Obu
lund luai: ilie lateinisilm Farm : amicus dei giipei-Haturtüiii i-iel lioigetmgea bsbei
lii ■ ja Iwi ilur ( h.'rstUiinK mit bcslimriitom «i« iiiiWstiiniiit<ini Artikel wiudorfajelie
wurde. Von Stufe zu Stufe können wir sodann Nikolaus von
Löwen bei seiner Deutung verfolgen. Bei dem ersten Teil der
Traktate beruht die ganze Deutung in den von Nikolaus von
Löwen stammenden Rubriken. Die gleiche Erscheinung be-
gegnet uns bei den lateinischen Traktaten und bei dem dritten Teile
der deutschen Traktate. Im Text selbst finden wir keinerlei
Zusätze. Ganz anders bei den Traktaten im zweiten Teile des
Großen Deutschen Memorials; hier ist auch der Text verändert, wie
wir es eingehender beim Meisterbuch und Zwei-Mannenbuch ge-
sehen habend). Das eine stellt eben eine zeitlich frühere, das
andere eine zeitlich spätere Entwicklung in dem Gedankengang
des Nikolaus von Löwen dar.
Alle Traktate des ersten Teils wurden angeblich vom Gottes-
freund in den Jahren 1349-52 anRulmann gesandt, der sie 30 Jahre»
also bis 1378-82, verborgen hielt. Die Johanniterbrüder erfuhren
also erst in den letzten Lebensjahren Rulmanns vom Gottesfreunde
wie von seinem Verkehr mit ihm — das Meister buch aber und
damit auch das Zwei-Mannenbuch wie die Neun Felsen sind den
weltlichen Priestern von Grünenwörth schon vor 1370 bekannt.
Irgend ein Grund, die Traktate des ersten Teils den Brüdern zu
verheimlichen und die des zweiten ihnen bekannt zu geben, kann
nicht vorliegen, da der Inhalt der letztern von dem der erstem in-
den Grundgedanken derselbe ist. Alle Traktate des ersten Teils
schickt der Gottesfreund direkt an Rulmann — das Meisterbuch
dagegen an die weltliehen Priester, ohne daß einer Vermittlung
Rulmanns Erwähnung geschähe. Alle Traktate des ersten Teils
übergibt Rulmann den Brüdern auf Wachs geschrieben — das
Zwei-Mannenbuch dagegen ist schon vor 1370 als besonderes von
Rulmann selbst auf Pergament geschriebenes Büchlein im Besitze
') lu derselben Weise hatte Nikolaus von Lowon auch dou NeuulVlseutext
'39*17) etwa so gestalten müssen : Es heschach in einen ziten in eime udvtniim
^^ dem hochgezite unsers lieben herum yehurt an einer morgen stunden fruge^
"<** tin tnenschi, Rtdman Merswine^ unser stiftery wart rermanet . . . Eiuo solche
'ilschung mochte aber Nikolaus von Löwen selbst zu plump vorgekommen sein. Dou
?*iu!en amfangreicben Traktat in die erste Person zu übertragen, wie er es spater
^ den Vier-Jahren getan hat, in der Form : e^ heschach . . . daz ich wart ver-
*^f>nä.,, mochte auch seine S'-hwierigkoit haben. So zieht Nikolaus von Löwen
vor, dem Leser zu beteuern, man möge sunder zwivel glouben, daß Gott die Nouu
^«Imq dufch Rulmann habe schreiben iassen.
der Frau Rulmanns, ■
des Gotlesfreundeä Eigentum der weltlichen Priester viin Grünen-
wörtli, das Neun Felsen-Buch endlich ehenraüs von Rulmann
eigenhändig geschrieben. Das alles sind unlösbare Widersprüche,
wenn Nikolaus von Löwens Angaben richtig sind: lösbar aber,
wenn zwischen der Anlage der einzelnen Handschriftenbesland-
teile und den in ihnen ausgesprochenen Gedanken ein ursäch-
licher Zusammenhang besteht, d. h. wenn Nikolaus von Löwen.
weicher der geistige Urheber der Handschriften ist, auch der Erßuder
der in Rubriken und Text ausgesprochenen Deutung und Herkunft.
der Traktate ist. Denn solche Widersprüche zwischen dem ersten
und zweiten Teil der Ti'aktate könnten nicht vorhanden seüi,
wenn der Plan zur Anlage der Handschrift in Nikolaus von Löwea
von vornherein lest vorgezeichnet gewesen wäre.
Allen Traktaten lagen ferner Vorlagen zu Grunde, deren,
niihere Beschaffenheit wir hei den Traktaten des zweiten Teils:
Meisterbuch, Zwei-Mannenbueh und Neun Felsen ^'enau kennen
gelernt haben. Dali das gleiche hei den übrigen der Fall ist, soll
hier noch besonders nachgewiesen werden.
Den deutlichsten Beweis dafür liefert uns Traktat 10: die Offen-
barung, welche „einer Kreatur, einem Menschen" — so im Texte;
in der Rubrik Nikolaus von Löwens dagegen: dem lieben GotUs-
fründe in Oberlant (30*10) — in der Christnacht 1356 von dea
„Plagen" Gottes zuteil wurde. Dieser Traktat war in einem beson-
deren Büchlein geschrieben, welches K. Schmidt noch vorgelegea
und dessen Text er in seinem Werke über Johannes Tauler S. 2iJ0ff.
und auch separat herausgegeben hat. Er bezeichnete dieses Büchlein
als „Cod. E 987 in 16" der ehemaligen Straßburger Johanniter-
bibtiothek. — Auf der Decke dieses Manuskriptes steht von einer
spateren Hand, dall das Schreiben im lateinischen Memoriale des
Johanniterhauses cap. XXIX. fol. 3 als von dem Laien herrührend
angeführt war, in einer Stelle, die mit den Worten anfing: Huic
eliam lai/co supernaturali modo etc.'^ Dieses Düchlein nun bildete
Für Nikolaus von Löwen die Vorlage zum 10. Traktat des
Grollen Deutschen Mejnorials; denn die Textvergleichung be-
stätigt die vollständige Übereinstimmung zwischen beiden Texteo.
Von ollenkundigen Schreibfehlern abgesehen, zeigt der Text des
•Oroßen Deutschen Memorials gegenüber der bei Schmidt gedruckten
111
Rezension nur eine einzige Variante, die aber bei näherem Zu-
sehen unsere obige These nur bestätigt.
Vorlage.
Schmidt, Tauler 229.
so wil er, daz wir mit ime nnd bi
ime in sins vatter riche ewikliche
Qnser wonunge do mit ime habende
sint.
Großes Deutsches Memorial.
Schmidt, Nikolaus von Basel 197.
so wil er, das wir mit ime nnd bi
ime in sins vatter riche ewicliche
unser wonunge habent und do mit
ime wonende sind.
Die Einsicht in die Handschrift BI. 101* belehrt uns, wie das
Große Deutsche Memorial zu dieser Variante kam. Die Stelle
lautete ursprünglich, durch Schreibfehler hervorgerufen: unser
wonunge do mit ime uomnde sind. Um den Fehler zu verbessern,
fügte der Schreiber, da mit wonunge die Zeile schloß, an dem
Rande an: habent und. Beide Texte stimmen also vollständig
miteinander überein.
Der im ersten Teil des Großen Deutschen Memorials er-
scheinende Traktat war demnach als besonderes Büchlein im Besitze
der Johanniter 1). Dieses Büchlein war in Straßburg schon im
Jahre 1356 bekannt — Nikolaus von Löwen läßt es erst in den
Jahren 1378-82 durch Rulmann bekannt werden. Dieses Büchlein
hatte keine Anfangsrubrik — die Rubrik des Großen Deutschen
Memorials ist das Werk Nikolaus von Löwens. Dieses Büchlein
^'ar, wie der Schluß besagt, von einem unbekannten Gottes-
freund Tauler gewidmet — nach Nikolaus von Löwen aber von
dem nur Rulmann Merswin bekannten, allen übrigen Personen
unbekannten Gottesfreund Rulmann selbst gewidmet. Die Arbeits-
weise Nikolaus von Löwens tritt also hier völlig klar zu Tage:
€r benützt bei Anlage des Großen Deutschen Memorials bereits
vorhandene, im Umlauf sich befindende anonyme Traktate und
l^ringt sie durch geschickt gewählte Rubriken in Beziehung zu
Rulmann Merswin, dem Stifter von Grünenwörth. Die Worte,
<lie in seiner Vorlage am Schlüsse standen, setzt er in seiner
Abschrift mit zweckentsprechenden Änderungen als Rubrik an den
Anfang des Traktats.
Zu erwägen bleibt noch, ob der Schluß des Büchleins ur-
sprünglich oder vielleicht nur ein späterer Nachtrag ist. Da das
M Vgl. 80*10 ff. und dif Anmerkung zu ;jO*l'K
111 I
Büchlein aus dem 14. Jahrhundert stammt, im Besitze der Johan-
niter war und die Vorlage Nikolaus von Uiwens bildete, ist es
unmöglich, dall ein Johanniterbruder nach Vollendung des Großai
Deulst:hen Memorials irgend einen solchen Zusatz hätte machen
können. Denn seit der Anlage des Großen Deutschen Memorials
war die ganze Tradition in die festen Wege gebannt; das Send-
schreiben an die Christenheit stammt von dem Gottesfreund im
Oberland, der es Rulraann gesandt hat. Wohl aber ist es
möglich, daü die Schlultworle vor Anlegunf; des Grollen Deutsehen
Memorials dem in allen Punkten anonym erscheinenden Traktat
vielleicht von Nikolaus von Löwen selbst hinzugefügt wurden.
P'reilich fand er es nach Rulraanns Tode für besser, die gleichm
Worte entsprechend dem Zwecke, den er verfolgte, ainngemäll zS 4
andern. Aulierdem sorgte die auf der Decke des Memorials stehend^ I
Notiz dafür, daü trotz des anderslautenden Schlusses niemand 1
der Herkunft durch Kulmann zweüelle. Merkwürdig ist sodaiu
dali der letzte Traktat des Großen Deutschen Memorials (44*37)i*
der mit dem ebengenannten nach Entstehungszeit (1356) und Inhalt
vielfach übereinstimmt, nach Nikolaus von Löwfen von Tauler ver-
falit ist. Beide standen also ursprünglich nii;ht in Beziehung zu
Ftulmann, sondern zu Tauler; ersterer war ihm von einem Freund.
gesandt, letzteren sendet er einem seiner Freunde. Hat sich,
hier Nikolaus von Löwen nicht abermals in seiner Arbeitsweisa
verraten V
Ahnlich verhält es sich mit Traktat 12 {31*7). Auch hier ist
es sehr lehrreich zu verfolgen, wie sich bei Nikolaus von Löwen
der Übergang von einem unbekannten Goltesfreund zu dem Gottes-
freund im Oberland vollzieht. Das Gebet, so lautet der Schluß
wart einem tceltUcken natiirlkken man (/eieret und undenoit^
von einte heiligen erlühteten gottes friindel^iVü) zur Zeit der Rom-
fahrt und der grollen Plagen, die Gott über die Mensehen sandte-
Der Laie wurde durch dieses Gebet sehr gebessert und bat darum
den ungenannten Gottesfreund, das er in dis gebet Hesse abeschribe»,
das er es sinen guten (runden gebe zu lerende, das lui sich sin
ouch underieiindent und detton gebessert wiirdent — eine Formel, die
auch bei den andern Traklaten vorkommt und darum hier nichts
besonderes sagen will. Darauf geht der Text weiter: In der-
selben wise und meinunge, d. h. damit andere Menschen gebessert
113
■
würden, het es auch ein begnadeter übernatürlicher gottes frunt,
demnach ein anderer als der obengenannte Gottesfreund, vor vid
ioren von verren landen^ also nicht yom Oberland, har, d. h.
nach Straßburg, geschriben und gesendet ie zu den ziten, so unser
herre die cristenheit mit sterbotten oder mit anderen erschrocken^
liehen pflogen ane greif, und ist noch nie eigentliche und dumeh--
Wdiche verkündet worden noch des lieben got minnenden f rundes,
also eines dritten, jetzt bestimmten Gottesfreundes, begirde und
meinunge. darumb het er (der Gottesfreund) es nü aber . . . har^
d. h. nach Straßburg, verbotschaftet in der Meinung, daß es gerade
jetzt im Jahre 1381 verkündet werde. In einfacheren Worten
ausgedrückt besagt aber die Stelle nichts anders als: das Gebet
entstand ums Jahr 1350 zur Zeit der Jubelfahrt und des großen
Sterbens. Seit jener Zeit ging es von Hand zu Hand, und wer
es betet, der handelt nach dem Willen aller gottliebenden Seelen,
der Gottesfreunde, vor allem jetzt im Jahre 138 li wo Gott die
Qiristenheit aufs neue mit Plagen heimgesucht hat. Gleichwohl
überschreibt Nikolaus von Löwen den Traktat mit den Worten:
^ ist eine tafele des lieben frünt gottes in Öberlant , . ., während
er in Wirklichkeit ein anonymes, schon längst auch in Straßburg
verbreitetes Gebet benützt, mit seinen Zusätzen versieht und ihm
eine besondere Empfehlung dadurch mit auf den Weg gibt, daß
ßf es als kostbare Sendung des Gottesfreundes vom Oberland
darstellt
Wie die Vorlage zum Zwei-Mannenbuch hatten auch die
Vorlagen der Traktate des ersten Teils entweder keine oder eine
durchaus einfache Überschrift Diese ursprüngliche Überschrift
finden wir noch in Traktat 3: Dis ist von Urselen einre heiligen
(^losenerin leben (26*18); und etwas verändert in Nr. 8: Dis ist
9^ eine gute letze, alse sü eime iungen brüder in eime orden
p^ 9ime eitern gegeben wart (29*1) . . . Ähnlich in Traktat 9
{29*22).
Daß die sogenannten Traktate Rulmanns (32*16 ff.) auf längst
'bekannte Schriften bewährter Autoren wie Johannes Ruisbrock,
Seuse, Bischof Albrecht und andere zurückgehen, hat die Kritik
schon erkannt ; Nikolaus von Löwen gibt es auch selbst zu, ja er
Diußle dies tun, wenn nicht seine Fälschungen zu plump ausfallen
sollten. Hier konnte Nikolaus von Löwen nicht sag^exv, öly^^^
BMtrJ. %
114
Traktate hätten Rulmann zum Ver£Bisser, da dies in damaliger
Zeit jeder wissen konnte, und darum würdigt er Rulmann zum
Interpolator herab, der die einzelne Stücke nur zusammenstellte
und mit wenigen Zutaten, „seinen inbrünstigen Worten^, versah.
Aber auch diese Behauptung Nikolaus von Löwens ist unrichtig.
Nikolaus von Löwen arbeitete hier nicht anders als bei den vor-
hergehenden Traktaten, wie es eingehender an dem 16. Traktat,
der dem Brautlaufbüchlein Ruisbrocks entnommen ist, gezeigt
werden soll.
Die Münchener Hof- und Staatsbibliothek besitzt eine Abschrift
der Vorlage, welche Nikolaus von Löwen zu dem 16. Traktat
benützt hat Diese Handschrift (Cogm. 818) aus dem 15. Jahr-
hundert stammend, beginnt mit dem Prolog (BL 1^) : Dis iti gar
eine gewore fruhtbere nütze lere, genummen usser dem tmefangi
des brtUhuf büchdinSy das ein lieber heiliger wdttpriesUr tu
Brobant sckreip, heissei brüder Johannes Busebruch; und eamU
es herus in Öberlani den goUes frunden des jubd iores do men
sxdete von gottes gebürU xiii^ und l ior und vohet alsüs ane... Der
nachfolgende Traktat stimmt, von offenkundigen Flüchtigkeiten
abgesehen, wörtlich mit dem Text des Großen Deutschen Memo-
rials überein. Am Schlüsse jedoch steht die Bemerkung: DU
is dz buch von der fürkummenen gnoden und von der verdienlichen
gnoden, in dem och geschriben stont die vij goben des h. geistes,
dazu der liebe Stifter Rülman Merswin von goite betwungen wart*
dz er dieselbe bück schriben müst in sinen aller hindersten such-
tagen... (34*24 anm.), genau so, wie die Einleitung Nikolaus
von Löwens im Großen Deutschen Memorial lautet. Was hier
also Einleitung ist, ist dort Schlußbemerkung. Wir haben also
hier denselben Fall wie beim besonderen Büchlein (Hs. H) des
Zwei-Mannenbuchs und wie beim oben betrachteten SendschreibeO^i
wo Nikolaus von Löwen dem in einem besondern Büchlein stehende^
anonymen Traktat durch eine am Schlüsse zugefügte Bemerkung
seine Deutung auf Rulmann und den Gottesfreund gibt.
Beide Texte (Cogm. 818 = A, und Großes Deutsches Memo-
rial = B) gehen darum auf dieselbe Vorlage X in der Formel
/\ zurück. Dieses X nimmt in den Gottesfreundschriflen die-
selbe Stellung ein, wie die noch erhaltene Vorlage des Zwei-
115
Manna[ibuchs. Das Verhältnis der Handschriften umgekehrt b^
B
stimmen zu wollen durch die Formel x d. h. so, daß A direkt oder
I
A
durch Vermittlung einer oder mehrerer X aus B geflossen ist,
geht nicht an, da in diesem Falle völlig unaufgeklärt bliebe, aus
weldiem Grunde der Abschreiber die im Großen Deutschen Me-
morial stehende Rubrik Nikolaus von Löwens an den Schluß
setzte. Verständlich aber ist — und wir haben ja anderweitige
Analoga — daß Nikolaus von Löwen eine früher an den Schluß
des ihm vorliegenden besondem Büchleins gesetzte Bemerkung
später als, Rubrik verwendet, ohne zu beachten, daß der Inhalt
der einen Rubrik den der andern Lügen straft
Die Vorlage X läßt sich noch genauer bestimmen aus der
weitem Bemerkung Nikolaus von Löwens: der Anfang des 16. Trak-
tates sei genommen us dem brutlaußücMein. Nun besaß die Straß-
burger Johanniterbibliothek mehrere Handschriften von Ruisbrocks
Brautlaufbüchlein, deren zwei bei Ullmann xx^) folgendermaßen
beschrieben sind:
„Unter den Straßburger deutschen Handschriften ist die älteste
(Co4 B. 152 in 12® auf Pergament, aus der zweiten Hälfte des
U. Jahrhunderts, ursprünglich der mystischen Bibliothek des
Slraßburgerischen Johanniterhauses angehörend) bei weitem die
vorzüglichste unter allen bekannten oberdeutschen Hss. Sie ist
ohne Titel und Inhaltsverzeichnis, und nicht in Bücher oder
Sektionen abgeteilt, sondern nur in 85 Kapitel, deren fortlaufende
Ziffern von etwas späterer Hand über die Seiten geschrieben
sind. Die Kapitelabteilung entspricht jedoch fast durchaus der
^insrigen, auch da, wo man eine von dieser abweichende bei Surius
fadet Das Ende von Nr. 84 und 85 ist abgerissen und fehlt.
Der Dialekt ist der oberrheinische.
Eine zweite Hs. (Cod. B. 138 in 4P auf Papier, Seiten mit
2 CoL, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh.) gibt im Ganzen die-
selbe Übertragung, nur mit einzelnen Abweichungen, indem nament-
Bch ältere Ausdrücke mit späteren vertauscht sind. Ein voran-
stehendes Inhaltsverzeichnis enthält dieselben 85 Überschriften,
^h mit einer andern Numerierung. Am Schlüsse steht : Die ist
') Ullmaoii, Vier Schriften ron Job, Eusbrock in niederdeutscYiei ^^t^OcL<i.
'die gezierde des^ göüichen bruüofes: Amen. Finüo • libro sü laus
et gloria cristo. Amen, Anno damini Mccc^ Ixxxx^ in vigüia beati
Mathei ap^stoli et ewangeliste. Deo gratias. Die Jahrzahl muß sich
auf eine frühere Abschrift, nach welcher diese gemacht wurde,
beziehen; vielleicht war dieselbe der Cod. B. 152 und hat dessen
abgerissenes Ende die Jahrszahl enthalten/V Soweit Ullmann*
- Mag die letztere Vermutung zutreffen oder nicht, so zeigt
diese Stelle wenigstens^ daß zu derselben Zeit, da Nikolaus von
Löwen seine Urkundenbücher anlegte (um 1390) bereits Vorlagen
des BrauÜaufbüchleins vorhanden waren, aus welchen er seinen
Text schöpfen konnte. In der etwas „spätem Hand", welche die
Kapitelzahlen 1-85 fortlaufend über die Seiten schrieb, erkennt
man unschwer die Arbeitsweise Nikolaus von Löwens, der über-
all bei der Anlegung seiner Handschriften so verfuhr. Dieser Hand-
schrift entnahm nun Nikolaus von Löwen den Anfang des 16. Trak-
tats, wie die Textvergleichung unzweifelhaft sicherstellt
Nikolaus von Löwen bildet zunächst die Überschrift bei Uli-
mann 8,1-3 selbständig. — 8,4 der lateinische Spruch fehlt. Aisdana
stimmt der Text, abgesehen von Zusätzen oder Auslassung einiger
Worte, von 3,4-5,i; 5,i-6,5 fehlt durch Homöoteleuton (Giristus}
hervorgerufen. Die Schrift des Großen Deutschen Memorials zeigt,
daß hier der Schreiber mit etwas blasserer Tinte neu einsetzte, so
daß ein Übersehen leicht zu erklären ist. Alsdann stimmt de^
Text wieder von 6,5-10,2; nur hat die Abschrift Nikolaus vo*
Löwens im Großen Deutschen Memorial keinerlei Kapitelsübe«^'
Schriften. — 10,r,-ll,s ist im Großen Deutschen Memorial ul:*^
auszugsweise wiedergegeben. Diese Abweichung beginnt an de*^
selben Stelle, an welcher bei Ulimann S. 151 angemerkt is ^
„10,:i diese Kapitelabteilung ist ofVenbar falsch, findet sich aucT^'
nicht in Str. 1" (=der Straßburger Handschrift Cod. B. 152). D«
Übergang von Ullmann 10,1,-2 lautet im Großen Deutschen Mem«
rial Bl. 123^: iind hiemitte so endet die furkomene genode ur-^
beginnet die andere verdienliche genode, in der ouch entspHn^^^
ein grosser gantzer friger /iville und denne mohte icol neher denr^
in eime ougen blicke minne darzü springen^ das got die sele ette"
was fnrhasser vereiniget in der minne . . . 11. 7 entspricht iiD
Großen Deutschen Memorial: und ouch danne gotte welle genüg
117:
iufi noch eines b^cheideneti bikters rot und oüch denne alle tigende
ane vohen und zu beginnende.
Darauf geht das Große Deutsche Memorial seine eigenen
Wege. Es beginnen Auszüge aus dem zweiten Buche des Braüt-
laufbüchleins, wie schon der Übergang El. 124* zeigt: Welre
memcheznü harzü kommet und die vorrede des ersten cappitels
dis biichelins wol verstet und es ouch wol geleret und.gelebät
kä, denne so ist gotte wol zu getruwende^ das er nutenlot noch
gdossen mag, er sende eime solichen gutwilligen ruungen ane vohen^
im menschen ein vaste grösser übernatürlicher lieht und stürtzet
in in deLS übernatürliche lieht der frölichen goben des iubüierendes
des heiligen geistes . . . mit Anklängen an üllmann 57,i5-5949.
BL 124^ beginnt alsdann: Dis ist das andere cappittel dis
hieheilins, das do wiset und seit von dem frölichen jubilierende .\ »
schließt 125*: das ist das erste werg sinre nuwen Zukunft in dirre.
<«uleren wisen. Nu sprichet Christus geistliche in disen menschen:
jßang wf^ noch der wise, alse ich dir zöge = Ullmann 60t29 ff.
Diese Überschriften zeigen deutlich, daß immer wieder auf die
Auslegung des Ruisbrock'schen Textes und zwar auf Cod. B. 152
zurückgegriffen wird. Bl. 126* heißt es weiter: nü ein solicher
^f^ensche, der dise wise armüt des geistes durch gangen und demü»
^Hdiche und geUssenliche durch litten het^ der ist nü rerre bas dran
^ höher ufkummen, danne er fioch ie kam, wanne er ist gotte
^ getuUigen Udetide herren ettewas noch gegangen. Get er nü
ßr iich one hinder sich sehen und oue von keren und lidet es alse
^^«, alse es got haben wil, damoch schenket er ime über alle sinnc'^
^*ßfe Vernunft die siben goben des heiligen geistes. Weleme menschen^
^h die selben siben goben des heiligen geistes von gotte geschencket
^^dent, der ist selig, das er ie geboren wart, wanne ei* befindet
^'l^oliche übernatürliche wundsr^ die über menschliche sinne sint;
^onne von alsolichen Sachen nüt [126^] zu redende ist und un-^
^nchenliche sint.
Hie hebe ich ane von den siben goben des heiligen geistes zu
^ende, alse rerre man es zu worten bringen kan mid us gesprechen
^; nochdem mich es ouch die heilige geschrift bewiset.
Die erste gobe . . . folgt die Abhandlung über die sieben Gaben
^ heiligen Geistes bis Bl. 130*, verwandt mit Ulimann 112-123.
HS
Das Ganze ist also im Anfang eine wörtliche Abschrift des
Brautlaufbüchleins, dessen spätere Teile mehr oder minder selb-
ständig verarbeitet werden. Als Vorlage aber diente die im
Johanniterhause sieh betmdUche Hs. Cod. R 152'), worauf auch die
Lesearten, soweit sie bei Ullmann wiedergegeben sind, hinweisen.
Vgl. ülimann S. 157 IT. Leseart zu 70,i7.ai; Um; 114,eo; 115.1 ;
116,ä; 122,3u; 123,«,3s usw.
Der 16. Traktat ist demnach nur ein bald mehr bald weniger
wörtticlier Auszug aus dem bekannten Traktate Johanns Ruis-
brocka, den Nikolaus von Löweu zunächst in ein besonderes
Büchlein mit der durchaus richtigen Rubrik 34*18-22 schrieb.
Inwieweit die Jahreszahl 1350 als Äbfassungszeit richtig ist, sei
noch dahingestelll. Aber von den Bemerkungen, die diesen Traktat
Butmann zuschrieben, stand noch nichts in diesem Büchlein. Des-
wegen setzt Nikolaus von Löwen zunächst eine „Erklärung» an
den Schluß des Büchleins, womach dieser Auszug Rulmann zum
Verfasser habe, der freilich aus „Demut" seinen Namen niciil
habe nermen düi-fen. Und damit in Zukunft niemand mehr an
dieser Behauptung zweifle, schreibt er diesen Traktat zum zweiteit-
male ab, nun m die ofiizielle Sammlung der sogenannten Goltes-
freundschriften, wobei die Schlußbemerkong als Hauptsache in
den Anfang gerückt wird.
Allen Traktaten lag fernerhin eine lateinische Urrorlage xK
Grunde, die mit der jetzigen deutschen Überlieferung nicht übet-
einstimml& Wir wissen das, wie oben näher aosgeTührt word«;
vom Meisterbach, Zwei-Mannenhuch und den Neun Felsen, mit
aller Sicherheit, da zum Teil beide Überlieferungen uns noch
erhalten sind. Das gldche war aach bei dem ersten Teile der Trak'
täte der Fall. Es »ei hier besonders auf eine Stelle im S. Traktat
verwiesea, wo der Schluß lautet (39*7): Nu vü lieber »uh, di$0
Utze, die ich dir hie geschrieben habe mit der helfe gölte», da bitt (te*-
nüt aÜeiiie intie gemeinet, do sint auch andere menschen ittne g^^
nteinti, die ouck dinne lertnde tcerdent. wanne ich ein alter mo**
') Schmidt, £tudeB lur 1e DirsticiBme kUenand an XIV^ aUcle 0
de racBd«mle lojaie des sciences mor&Iea et poliUques de l'lnst'itut de Frwieg. Tod H-
Miaati dUtngera. Paria 1817) crw&lint S. 438 folgsnde SliDaturan toa d«m im 3b*V-.
boTVir *I<^D[iitorhiiaB sich' baflndUcben BOchlain : B 148 in ^; B 1S2 Ai tl*f
B225 in i°.
119
Uli und nüi lange in dirre zit hüben sol, dammb so habe ich auch
mmne, das ich dise letze hinder mir losse. harumbj vid lieber
»un, so bitte ich du^ bi gehorsamme^ das du bi mine lebende
nieman van mir sagest und auch dise letze usser latine zu
tütsche sckribest. Wer sü danne bedürfende unirt^ er sigepfaffe
oder letfe, dem lieh su tUsa das ich nüt darmitte vermddet werde.
Auch Traktat 16 war außer deutsch noch lateinisch vorhanden*).
Ferner werden wir nicht fehlgehen, wenn wir die große Mehr-
zahl der von Nikolaus von Löwen gesammelten mystischen Traktate
anf einen einzigenVerfasser zurückrühren. Das verlangt ihre
stilistische wie inhaltliche Übereinstimmung^). Wir müssen uns aber
einstweilen mit dem Ergebnis begnügen, daß der Verfasser dieser
Traktate wie die Zeit ihrer Entstehung uns noch völlig unbekannt
sind. Wohl weist in der Uberiieferung Nikolaus von Löwens
der 9. Traktat auf das Jahr 1338; der 3. auf 1346; der 5. und
12. anf 1350; der 6. auf 1357 hin; wohl ist nach Nikolaus von
Löwen der 8. Traktat im Jahre 1345 abgefaßt, die Neun Felsen
im Jahre 1352, der 10. sowie letzte Traktat im Jahre 1356, das
Mftstörbuch endlich im Jahre 1369; allein die Richtigkeit dieser
Angaben muß doch erst durch eingehende Untersuchung jedes
einzahlen Traktates sicher gestellt werden. Denn es ist leicht
njögüch, daß alle diese Jahreszahlen im Laufe der Zeit von ver-
schiedenen Händen Veränderungen erfahren haben. Bemerkenswert
ist immerhin, daß nach obigen Angaben alle Traktate um die
Mitte des 14. Jahrhunderts abgefaßt sind, was mit der Bemerkung
Nikolaus von Löwens im Einklang steht, Ruimann habe alle Trak-
tote in den Jahren 1348-1352 vom Gottesfreund als Geschenk
Ehalten.
Schließlich darf als sicher gelten, daß alle Traktate vor 1370,
^^ bevor Grünenwörth durch Ruhnann zu einem Johanniter-
«) Vgl. Engolhardt, S. 347 ff.
*) Ihrem Charakter nach gehören sie in die Klasse der großen mittelalterlichen
^^gendensamralungen, nur ist die Form, in der die Legenden eingekleidet
^Uid, Ton den Alteren Vorlagen rerschieden. Sehr lohnend wOrde es sein an der
^^d der Legenda aurea, des Gäaarius von üeisterbach, des Thomas Gantipratanus,
^^ Yinzenz Ton Beaurais and anderer die gegenseitigen Berührungspunkte aufzudecken.
^^ Besnltat wflrde flberraschend sein. Ein ähnliches, sehr lehrreiches Beispiel bietet
^ Krebs, die MTstik in Adelhausen. Eine vergleichende Studie über die Chronik der
-^Qna Ton Monziogen. (Festgabe fflr Finke 1904).
hause umgewandelL wurde, schon im Besitze der weltlichen Priester '
d. h, des Nikolaus von Löwen waren, wie das Meisterbueb, das
Zwei-Manneiibueh und, diesem entsprechend, Traktat 16 zeigen,
auch wenn Nikolaus von Löwen noch so sehr beteuert, dal3 Rul-
mann Merswin alle Traktate erst in seiner letzten Krankheit
d. h. in den Jahren 1378-1382 geschrieben und ihre Herkunft den
Brüdern geoffenbart hat.
Zieht man alle vorliegenden Momente in Betracht, so wird
das SchluÜergebnls dieses Abschnittes tauten müssen: als
Nikolaus von Löwen die beiden ersten Memortalbücber, das
Lateinische und Grölte Deutsche, anlegte, waren ihm die darin ge-
sammelten Traktate bekannt in der Form anonymer, auf Pergament
geschriebener Traktate, von denen jeder für sii-h besonders ge-
bunden war. Nikolaus von Lüwen kannte diese Traktate in zwei-
facher Version, in lateinischer wie deutscher. Die einen schrieb
er darnach in das lateinische Memorial, die anderen in den ersten
Teil des GroÜen Deutschen Memorials. Beide Versionen hielt er
ursprünglich fiir identisch, sieht aber später, daß sie dem Wort-
laut nach verschieden sind. Darum schreibt er die noch fehlenden
deutschen Traktate in den zweiten Teil des Großen Deutsehen
Memorials und übersetzt die deutschen Traktate, denen er nun
den Vorzug gibt, ins Lateinische und bildet aus ihnen Teile des
Großen Lateinischen Memorials. Die zeitlich zuerst geschriebenen
lateinischen Traktate dagegen setzt er außer Kurs und verwandelt
sie zu den „Übriggebliebenen Lateinbüchem." Parallel nüt diesra
Vorgängen sucht er die anonymen, mystisch-aszetischen Traktate
in wirkliche Erlebnisse umzudeuten und ihnen eine Beziehung zu
dem Stifter des Johanniterhauses, ßulmann Merswin, zu geben,
der nachweisbar weder irgend einen der Traktate verfaßt, noch
kompiliert oder auf Wachstafeln geschrieben hat. Diese Versuche
sind anfänglich unklar und unsicher, ja vielfach widerspruchsvoll
läutern sich aber von Stufe zu Stufe, wie wir es an der Haod
der verschiedeneD, zeitlich getrennten Teile der Urkundenbücher
verfolgen können. Das alles beweist, daß derjenige, der die Ur-
kundenbücher angelegt hat= Nikolaus von Löwen, auch der Schöpfer
des Gedfuikens ist: Rulmann ist ein GottesCreund, lebt wie ein
Gottesfreund, steht in regem Verkehr mit Gottesfreundea und
sdir&bt Schriften wie ein Gottesfreund.
121
Die weiter sich ergebende Frage nach dem tieferen Grunde
dieser Manipulationen beantwortet uns die Betrachtung der Grün-*
dungsgesdiichte des Straßburger Johanniterhauses.
2. Die Chronik oder die Gründungsgescliichte des Hauses
zum Grflnenwörth.
a) Die Geschichte von Grünenwörth in der Über-
lieferung des Nikolaus von Löwen.
Die Chronik von Grünenwörth zu schreiben, war das erste
Bestreben, das Nikolaus von Löwen die Feder in die Hand drückte.
Sie bildet darum auch den ersten Bestandteil des lateinischen
Memorialbuchs, fand ihre Übersetzung in dem Kleinen Deutschen
Memorial und ihre Fortbildung in den Pflegermemorialen und dem
Meisterbuch- Auch das Große Lateinische Memorial wie das er-
weiterte Pflegermemorial enthielten dieselbe. Von nicht zu unter-
schätzender Bedeutung wäre es, wenn wir alle diese Urkunden-
bücher noch besitzen würden, da wir an der Hand derselben genau
<üe Entwicklung verfolgen könnten, welche die Chronik des Hauses im
lAufe der Jahre in den einzelnen Memorialbüchern genommen hat
So aber hat das Schicksal, das über diesen Urkundenbüchern waltete,
^ders verfugt und uns nur noch spärliche Reste übrig gelassen,
AUS denen wir, wenn auch mit Mühe, einige für die Gottesfreund-
frage wichtige Punkte feststellen können.
Außer in den oben genannten Memorialbüchern ist die Chronik
^on Grünenwörth noch im Drucke zum Teil bei K. Schmidt unter
dem Titel : „Stiftung des Straßhurger Johanniterhauses durch Bul-
^n Merswin und die Gottesfreunde. Auszüge aus dem Memorial'^
überliefert Schmidt beschreibt mit keiner Silbe das genannte
Memorial. Der Vergleich mit den anderen Urkundenbüchern er-
gibt, daß seine Auszüge nicht, wie man von verschiedenen Seiten
genommen hat, dem Kleinen Deutschen Memorial, sondern einem
^ßf verschiedenen Pflegermemoriale, vermutlich dem erweiterten
Pfiegermemorial entnommen sind. Auch ist der Text an manchen
Stellen so verderbt, daß man nur auf eine schlechte Abschrift eines
vorhandenen Textes schließen darf, wenn nicht die Fehler, wie
^ Allerdings sehr wahrscheinlich ist, Schmidt zuzurechnen «vsA,
I
122
Vom ursprünglichen lateinischen Text, wie er sieb im Ersten
Laleinischeii Memoria! vorfand, kennen wir nur einige von Gölz-
mann gelegenllich hingeworfene Bemerkungen, die jedoch Rir di&
Kritik von gröUter Bedeutung sind.
Vergleicht man die verschiedenen Überliefertmgen miteinander,
so ergibt sich folgendes :
Die deutsche Chronik'} war in 13 Kapitel eingeteilt, so vor
allem in den Pllegermemorialen und seinen Ableitungen; im Ersten
Lateinischen Memorial dagegen, also zeitlich dem jiltesten Teile,
enthielt die Chronik bloU 1 1 oder 12 Kapitel*!), d. h. die älteste Vor-
lage und ihre Ableitungen umfaUte weniger Kapitel als die späteren
deutschen Bearbeitungen. Ferner zeigen sich bei dem deutschen
Texte Schwankungen in den Kapitelsüberschriften, indem die eine
Überiieferung nur die einfachen Kapitelsübepschriflen hat: Diß ist
das erst capittel usw., andere die Kapitel nicht zählen oder den Ru-
brikentext im Vergleich zu den andern kürzen beziehungsweise
erweitern. Ob aber diese Verschiedenheiten nur dem Abschreiber
zuzuschreiben sind, oder auf Nikolaus von Löwen selbst zurück-
I gehen, wird man bei dem jetzigen Stand der Überlieferung iiidiL
mit Sicherheit entscheiden können.
Soweit sich aus den überlieferten Stucken erkennen läßt,
stimmt die deutsche Version der Chronik in den Pflegermemorialen
mit den von ihnen abgeleiteten ürkundenbüchem überein, nur
bat im erweiterten Pflegermemorial das 9. Kapitel eine größere
Einschaltung erfahren. Allein die Frage nach dem Verhältais der
einzelnen deutschen Versionen zu einander ist für unsereZwecke
>) Den Text dar Cbronik siehe im 2. Teil Ui'S.
>) QotiDUDa ist hier mit sainon Angaben niclit ganz zureilässig. Seit« IH
heißt es : in deni 12. eaplUl ät» latimücktn und im 13. capiUl des tatUAot
memorifäs Stehtl am *nä ru Uten, teer Bulman Merschitein ffeweten. äStt*
Molte unter dag erste capitel iein laiUtt wie folgt ; Diser Bulman MerdeJivem eil*
und betior er seinen frommen icandtl angefangen, wäre er ein uterel und handeil-
mann. = 18S'14. S.SIT da|:flgen : Nun folgt auf das end der btsekre^ung oOm
detsen, was »ieh mü Bulman Merschtcein bis 1383 zugetragen, die beadutibmif
de» ende etintt lebent, so in dem lateinischen dae !!'• [verheuert aas IS), «•
lutschen aber das 13. capitü ist und lautet also: Auf icievielfliltige und fremd*
uieis unser lieber kerr und gott vidfältige vtrenterung belcränkung, Iritde ttnd
trObsal aber das haus gum OrUnen W*rth hat lotsen körnen, iH nidU Mtf
,CT( beschreSten =^ 187'21.
12$
Ton keiner Bedeutung; yiel wichtiger ist zu untersuchen, wie sich
der Text des Ersten Lateinischen Memoriab zu dem des spätem
Pflegennemorials und seinen Abzweigungen verhält.
Schon a priori können wir eine Übereinstimmung beider
UberBefemngen, der lateinischen mit der deutschen, aussehließen,,
da ja das Erste Lateinische Memorial nur deswegen in die Reihe
der „übriggebliebenen" Bücher gestellt wurde, weil der ursprüng-
liche lateinische Text mit dem späteren deutschen nicht überein-
stimmte. Das bestätigt auch Götzmann durch seine Nachricht^
daß die Chronik des Ersten Lateinischen Memorials wahrscheinlich
nur 11, sicherlich höchstens 12 Kapitel statt der jetzigen 13 um-
faßte. Wenn aber ganze Kajritel in der ürvorlage fehlten, so ist
man auch zur Annahme berechtigt, daß auch der Text der 11
oder 12 Kapitel in manchen Punkten anders lautete als dar der
entsprechenden deutschen, selbst wenn auch nur — den Traktaten
analog — aus dem einen Gottesfreund „der Gottesfreund vom
Oberlande^^ mit dem charakteristischen Zusätze Rülmanm gesMe
geworden wäre*).
Eine nähere auf dieser Wahrnehmung aufgebaute Analyse-
dw Chronik wird uns noch einige weitere Anhaltspunkte für ihre
BeurteUung bieten.
Die ersten 4 Kapitel der Chronik behandeln die Vorge-
schichte des Johanniterhauses zum Grünenwörth, denen man
die vier kurzen Überschriften geben könnte:
Kap. 1: Die Gründung von Grünenwörth durch Marschall
Werner von Hüneburg.
Kap. 2: Grünenwörth unter den Regularkancmikem.
Kap. 3: Grünenwörth unter den Benediktinern zu Altdorf
Kap. 4: Grünenwörth unter den von Rulmann Merswin, den*
zweiten Stifter, angestellten Weltpriestern.
0 inffallend ist, daß im Großen Lateinischen Memorial die Kapitel eine andere-
°^U« einnehmen als in der erhaltenen deutschen Überlieferung. So handelte im Latei-
^^*^^ das 6. Kapitel (60*18) rem Sakrlsteiban : im Deutschen das 8 ; das 9. Kapitel
(o9*26) Yon der großen WOrde des Johanniterhauses zum GrQnenwörth : im Deutschea
^^S'^^ daa 11. Die Kapitelzahl ist demnach um zwei Kapitel vorschoben. Fehltea
"* IftteinUcben die jetzigen Kapitel 6 und 7 ? doch wohl schwerlich, da ja Kapitel 6^ '
^^^eltüggt« der Chronik Ist.
124
Mit dem 5. Kapitel beginnt der zweit« Teil der Chronik: die
Geschichte von Grünenwßrth unter den Jolianmtern vom
Tage der Gründung durch Rulmann Merswin bis zu dessen Tode.
Kapitel 5 gibt Antwort auf die wichtigste Frage der ganzen
Chronik: warum hat Rulmann Merswin die Hofstätle von Grünen-
wörth den Johannitern überlassen? Das 6. Kapitel enthält eine
Abschrift der Süftungsurkunde, das 7- ganz entsprechend die
Bestätigungsbulle des Johannitermeislers Raimund Berengar.
Kapitel Ö-IO erzählen von den verschiedenen baulichen Verän-
derungen (betreffend Kirche, Spital und Gartenaniage), die unter
Rulmann Merswin vorgenommen wurden, im 11. Kapitel werden
die Quellen aufgezählt, welche die Wahrheit aller vorhergehenden
Kapitel beweisen. Das 12. Kapitel berichtet von den Schickaals-
sehlägen, die über Grünenwörth durch die Überschwemmung im
Jahre 1374, die KngländereinTätle im darauffolgenden Jahre und
den Plan der Stadt, die neue Ringmauer durch den Garten der
Johanniter zu führen, hereinbrachen, was zu mannigfaltigen Ver-
wicklungen mit dem Straßburger Stadtregiraent führte. Den
passenden AbschluU iindet die Chronik mit der Erzählung des
Todes des Slifters und einem Überblick über sein ganzes Leben,
Geht die Kritik auf den jetzigen Text der einzelnen JOq)itel
näher ein, so wird sie schon aus inneren Gründen manches ent-
fernen können, was aller Wahrscheinlichkeit nach auch in der ersten
lateinischen Vorlage nicht stand. Schon die Überschrift des 1. Ka-
pitels ist im Zusammenhange mit den übrigen Kapiteln nicht
logisch; sie fehlte entweder ganz, wie die Handschrift B 54
bezeugt, oder lautete bloß : Das erste capUel seit, wie das hua ssA
dem GrvneHwerde von aUer w( harkommen utid in dem Ursprünge
ffestifftet worden. Sodann ist der Anfang des ersten Kapitels. (164*6-
165*23) ganz auszuscheiden. Dieser Teil mag einmal den nach-
träglichen Titel der Chronik gebildet haben, die wir ursprünglit^
für sich bestehend betrachten müssen. Daraufhin weist der Eingang:
Dia ist die ernuwerunge des kuses und der wonunc/e zu dem Oritten-
aerde und seit . . .') Den Schluß dieses Titels bildeten die Worte:
I) Man Teifleiche dimit dea Titel das Pfle^rmemorials : Dia itt di* ktt
<indervng und »ihm ttiftunf dea clost4rs zii dtm Grittemeerd. . . (160*85), odet
dan lltel tat OroGaD DaoUchaD Uamorials : Di» i»t der dritr Urkunde b&dur tiM ...
0*'iB).
125
. . also die iiochgonde rede wol heweret und hezxiget, die do seit
von dem Ursprünge und von dem ende alle die werg, die got do-"
miUe gewurcket het, womit schon auf das Folgende als selbstän«^
digen Teil hingewiesen wird. Demnach hätte das erste Kapitel
ohne oder mit der oben erwähnten einfachen Überschrift begonnen:
Der idler erste ursprtifig und anevang unsere kirchefi und dez alten
gAuwes zu dem Grünenwerde beschach der heiligen trivaÜikeit zu
eren umbe die zit, alse man zcdte von gottes gebürte ölf hundert ior
und fünfzig ior, durch den erwirdigen wolgeboren weltlichen herren
kern Marschalk Wernher von Hüneberg ... d. h. mit denselben
Worten wie der betreffende Eintrag im Großen Deutschen Memo-
rial (12*6), der meiner Ansicht nach den Anfang des alten Wort-
lauts wiedergibt. Kapitel 2 und 3 bieten für die Kritik keinerlei
Beanstandung. Kapitel 4 schloß mit den Worten : do man zalte von
gottes geburte dritzehenhundert sehtzig und siben iore (169*2). Was
nachfolgt, ist ein äußerlicher Zusatz, der nicht in den Zusammen-
hang hineinpaßt, jedoch mit dem Anfang des 1. Kapitels und den
Ausführungen im 5. Kapitel viele Berührungspunkte bietet. Das
5. Kapitel, das den Kernpunkt der ganzen Chronik bildet, ist zwar
nur wenig überarbeitet, aber mit solchen Zusätzen versehen, die
dem Kapitel einen ganz andern Sinn beilegen. Kapitel 6 und 7
geben in richtiger Weise zwei Urkundenabschriften wieder, wälu^end
das 8. Kapitel wieder zum größten Teil umgearbeitet und ergänzt
wurde. Den Grundstock desselben bildet einleitend die Apologie
des Pflegerbriefes, sodann die Nachrichten über den Bau des
Chores und der Sakristei. Kapitel 9 ist noch in seiner ursprüng-
lichen Gestalt erhalten, ebenso hat Kapitel 10 nur kleine Ver-
änderungen erfahren. Dagegen paßt Kapitel 11 nicht in den
Zusanunenhang; das ganze Kapitel trägt den Charakter eines
Nachwortes, das ursprünglich auf der letzten Seite der in sich ab-
geschlossenen Chronik seinen Platz gefunden haben mag. Es ist
gleichsam die Zusammenfassung der geschilderten Tatsachen und
^eist auf die Zeugnisse hin, die für die Wahrheit des Erzählten
"^en. Kapitel 12 ist nicht zu beanstanden, ebenso das letzte,
13. Kapitel, welches von dem Tode Rulmanns handelt, wenn auch
^ demselben am Schlüsse einige Veränderungen vorgenommen
^^«L Eis wird nicht nötig sein, besonders darauf hinzuweisen^
^ diese Scheidong von ursprünglicher und überaTbevlelet Qvtoxäl
nicht das Produkt reiner Willkür, sondern in der Chronik selbst be-
gründet und der Arbeitsweise Nikolaus von Löwens, wie wir sie
bei den Traktaten gefunden haben, konform isL Wenn sodann
tiötzmann die Chronik des t)rsten Lateinischen Memorials einmal
mit 1 1, das anderemal mit 12 Kapiteln berechnet, so will es mir
bedijiiken, dall dieses Schwanken in seiner Angabe daher rührt,
daß im lateinischen die Kapitel der Chronik nicht gezählt waren').
Auf alle Fülle i?t man aber berechtigt, wenigstem! eines oder
auch noch ein zweites Kapitel von der uns überlieferten Chronik
mit 13 Kapiteln zn streichen oder je :;weL Kapitel in eines zu-
.sammenzuziehen. Ich scheide darum Kapitel 11 ganz aua. Es
liUlt sich am besten mit den Einschaltungen im Büchlein von den
Vier-Jahren vergleichen (vgl. 195*39 u. 197*7) und schon der Aus-
'druck OMCA m lUß buch setzt eine Mehrzahl von Büchern voraus.
während doch das lateinische Memorial urspünglicb das erste
Memorialbuch war und das einzige sein sollte. Kapitel 1, 5, 8
dagegen boten einen wesentlich einfacheren Text, in dem von dem
Gottesfreund im Oberland noch keine Rede war. Dieser
fache Text ist mit Sicherheit noch in Kapitel 1 und 5 zu erkeniu
dagegen nicht mehr in Kaj>il.el 8 und 11,
Je nachdem wir nun die ursprüngliche oder die überarbeitele
<]estalt der Chronik ins Auge fassen, müssen wir auch die Frage
nach den von Nikolaus von Löwen benützten Quellen ver-
schieden beantwortea Als Quellen der ursprünglichen Gr«atalt
•dienten ihm die Haustraditioneo, die ihm durch Erzählungen alter
Benediktiner des Klosters Altdorf^ das vor Rulmami im Besitze
von Grünenwörth war, vermittelt wurden (183*25 u. 13*5), sodaon
die Urkunden des Hauses und all das, was er selbst als Bundes-
genosse Rulmanns miterlebt hat Die Urkunden, auf welche sich
Nikolaus von Löwea an verschiedenen Stellen beruft, die er
wörtlich auszieht oder inhaltlich wiedergibt, sind ims größtenteils
noch im Original erhalten, oder in Abschriften in den Koinal-
büchem. An den Originalurkunden ist noch heute zu erkeimeD,
welches Interesse Nikolaus von Löwen diesen Urkunden
brachte, wie er sie ordnete, verwertete und verarbeitete.
■) Dunit stimmt Oberetn, lUG ttach die Inhaltuagibo im GroGaD DaatMbM
Jlatooiitl TOD «iMr lUpitaleinMiluDg oicbU «eiQ (17'S5ff.).
127
genügte ihm nicht, die Urkunden nach bestimmten Gesichtspunkten
zu ordnen und darnach auf der Rückseite zu signieren, er machte
gleich auf die Rückseite das Regest, bald ein kürzeres bald ein
längeres, je nachdem die Wichtigkeit der Urkunde es zu fordern
schien. So bilden die Urkunden des Hauses die feste und sichere
Grundlage seiner Darstellung und die Nachprüfung muß durch-
weg Nikolaus von Löwen das Zeugnis ausstellen, daß alle seine
Angaben in dieser Hinsicht zuverlässig sind.
Auf der anderen Seite liegt der Plan Nikolaus von Löwens,
deQ er bei der Abfassung der Chronik hatte, klar zu Tage. In zwei
Abschnitten wollte er die Vorgeschichte wie die Geschichte des
Johanniterhauses zum Grünenwörth bis zum Tode Rulmanns be-
schreiben. Darum schildert er im ersten Teil in großen Zügen
die Besitzwandlung, welche das Haus im Laufe der Zeit durch-
gemacht hat, von den Tagen der Gründung durch Werner von
HOoeborg bis zum Kaufe durch Rulmann Merswin. Der zweite
Teil dreht sich um die drei Punkte: Stiftungsbrief (Kap. 6, 7)<
Bau der Kirche, des Spitales und Klosterhofes (Kap. 8-10) und
zuletzt um die äußeren Schicksale, die Grünenwörth durch die
Naturgewalt oder vonseiten der Stadt erUtten (Kap. 12). Dem geht
«Is Einleitung (Kap. 5) die Erzählung der Übergabe von Grünen-
wörth an die Johanniter durch Rulmann voraus, während der Tod
des Säftars die Chronik sachgemäß schließt. Jedermann wird zu-
geben müssen, daß diese EinteUung durchaus logisch und methodisch
ist, während die Stellen, die vom Gottesfreund und seiner ge-
^^^ioHiisvollen Einwirkung auf Rulmann handeln, nur rein äußer-
lich dem ursprünglichen Texte einverleibt erscheinen. Hätte Ni-
kdaus von Löwen von Anfang an an den Grottesfreund gedacht,
^^osk hätte die Chronik eine ganz andere Gestalt und eine ganz
Andere Eünteüung erhalten müssen. Wie einfach ist zum Beispiel
•
u» 4. Kapitel beschrieben, wie Grünenwörth von den Bene-
^tinem von Altdorf an Rulmann Merswin überging. Und in
v^hem Gegensatz dazu stehen dann auf einmal die grossen
*^en trücke und die guten Wortzeichen, durch die die beiden
Stifter, die ganz unvermittelt auftreten, zu dem Kaufe gezwungen
^'^eiL Was ursprünglich dem Geiste Nücolaus von Löwens
vorschweben konnte, war höchstens der Beweis, daß die Grün-
dung eines Johanniterhauses m Straßburg ein Werk des \)1. (j^v&V.^^
I
128
ist, da ohne übernatürliche llilffi die Schwierigkeiten nicht häi
überwunden werden können, die sich einem solchen ünternehi
in damaliger Zeit in den Weg stellten. Eine solche Anschau
ist für die damalige Zeit nichts Außergewöimliehes, umson:
da der Christ alles, was geschieht, als Ausfluii des göttlic
Willens ansiebt, ohne den nichts geschehen kann, ja ohne
nicht einmal ein Haar von dem Haupte fallt.
Dieser Gedanke weht uns auch noch unverfiiischt in
ursprünglichsten Teilen der Chronik entge;;en.") Aufden Gott
freuiidkommt Nikolaus von Löwen erst durch i
Traktate, die denn auch die neue, aber spätere Quelle für
Stellen bilden, in denen der Gottesfreund vom Oberland und st
Genossen erscheinen. Hier ist darum Nikolaus von Löwen kein
"wegs schöpferisch tätig, er übernimmt bloJ die Gedanken
Traktate, die er zu wirklichen Erlebnissen umstempelt. So g
gleich zu Beginn der Chronik die Erzilhlimg von den grot
aweren trücken in der airistnacht und den wortreichen, die ai
im 4. Kapitel so unvermittelt wieder anklingen und darum ol
l^jeden Schaden für den Zusammenhang ausgemerzt werden könn
auf dieselbe Traktatvnrlage zurück wie die analogen Stellen
Briefe Nr. 1 (76*29 ff.) und Nr. 7 (88*1 ff-), Gedanken, welche
Chronik ursprünglich etwas durchaus Fremdes waren; denn m
dem ganzen Aufbau der Chronik wäre es allein logisch i
naturgemäß gewesen, daß der Anfang des 1. Kapitels in den Beg
des 4- Kapitels hinein verarbeitet worden wäre. Daß der Seh
des 4. Kapitels lediglich ein ungeschickter späterer Zusatz
ersieht man auch daraus, daß er denselben Gedanken von d
huß der flucht (169*7) enthält, wie das 5. Kapitel (170*16); i
stehen diese Worte im 5. Kapitel in logischem Zusammenha
während sie am Ende des 5. Kapitels keinen Sinn haben, i
Zusätze des 5. Kapitels, bei denen von dem Gottesfreund
Rede ist, beruhen auf der einfachen Manipulation, wie wir
bei den Traktaten bereits zur Genüge kennen gelernt hab
Diese Zusätze erfüllten vollkommen ihren Zweck und darum dür
wir uns auch nicht wundem, wenn wir von den geworen urkünd
die der Gottesfreund vom Oberlande herabgeschrieben haben £
') Vgl. 168"19; 168*34; 170*15; nä'B usw.
129
(170*9 ff.)i ^^ ^^™ Brief büchlein und auch in den andern Memo-
rialbücherü nichts finden. Ebenso ist nicht bekannt, daß der
Gottesfreund irgend welche Abneigungen (170*31) gegen die
Johanniter gehabt hätte, die Stelle 1 33*18 flf. spricht vielmehr eher
iur die gegenteilige Gesinnung. Viel wichtiger war Nikolaus von
Löwen später die Apologie des Pflegerbriefes zu Anfang des
8. Kapitels, die ursprünglich nur die sachgemäße Überleitung vom
7. zum 8. Kapitel bildete, wie ja auch die Überschrift des 8. Ka-
pitels nur auf den Kirchenbau hinweist. Darum kehrt auch die
Stelle 177*26 ff. in den Briefen wieder (134*19 ff.), nur versteht
Nikolaus von Löwen in den Briefen den Pflegerbrief d. h. die
eigentliche Stiftungsurkunde des Johanniterhauses, während in
der Chronik dem Zusammenhang nach mit dem Ausdruck des-
idhen hriefes ein ahegeschrift (177*25) nur die Bestätigungsurkunde
des Püegerbriefes verstanden werden kann! Man ersieht daraus
wieder, wie rein äußerlich diese Gedanken den Traktaten entlehnt
und der Chronik eingefugt sind. Daß der Schluß des 8. Kapitels
auf die Briefe und damit auch auf die Traktate zurückgeht, gibt
Nikolaus von Löwen selbst an (179*11), während der ursprüng-
liche Inhalt des 8. Kapitels nur vom Sakristei- und Kirchenbau
und den Zwistigkeiten handelte, die zwischen Komtur und Rul-
niann anläßlich der Bauart entstanden waren. Diese Reibereien
bildeten denn auch den Grund der gänzlichen Umarbeitung dieses
Kapitels. Rulmanns Starrsinn mußte gerettet und beschönigt
werden, und dazu half als Dens ex machina „der Gottesfreund
vom Oberland".
Die weiteren Zusätze am Ende des 10. und ini 13. Kapitel
sind, wie Nikolaus von Löwen ausdrücklich betont, den Vier-
Jahren Rulmann Merswins entnommen (183*17; 190*5), einem
löystisehen Traktate, mit dem wir uns später eingehender be-
schäftigen werden.
Die angeführten Gründe allein würden genügen, um uns zu
^^rzeugen, daß wir uns die Chronik des Hauses in ihrer ur-
sprünglichen Gestalt etwa analog dem Zwei-Mannenbuch als ein
anders gebundenes lateinisches oder deutsches Büchlein Vorzü-
gen haben, in welchem sie nur 11 oder auch 12 Kapitel ura-
lte und noch keinen Hinweis auf den Gottesfreund enthielt,
^ter dessai Einfluß RüImann bei der Gründung von Grünenv^'otV^i
IMrX ^
gehandelt haben soll. Eine solche Deutimg gaben der Chromk
spätere Bemerkungen, welche auf freiem Platze am Schluß oder
Anfang der Chronik in bestimmter Absicht angefügt wurden.
Diese Bemerkungen kamen beim abermaligen Abschreiben als
eigene Kapitel, wie bei Kapitel 11, oder als Zusätze, wie
bei Kapitel 1 und 4, in den Text der Chronik hinein, was gleich-
zeitig ein Überarbeiten der Kapitel 5, 8, 10, 13 notwendig
machte.
Diese Ergebnisse werden noch bestätigt, näher erläutert und
vor allem tiefer begründet, wenn wir die Hofstätte zum Grünen-
wörlh im Lichte der Zeitgeschichte betrachten, wie sie sich un-
abhängig von den von Nikolaus von Löwen angefertigten Memo-
rialbücherii aus den noch vorhandenen Urkunden sowie aus den
allgemeinen kirchlichen Verhältnissen der Stadt Straßburg wie
denen des Johanniterordens ergibL
b) Die Hofstätte von Griinenwörth zu Straßburg im
Lichte der Zeitgeschichte.
Zu verschiedenenmalen hatte Griinenwörth seinen Besitzer
gewechselt, bis zu jenem Augenitlicke, als es Rulmann Merswin
den Johannitern einräumte und damit zu neuem Aufschwang
verhalf Die erste Kunde führt uns in die Mitte des 12. Jahr-
hunderts und verweist uns auf den Marschall Werner von Hüne-
burg als Stifter des Hauses •). Was Nikolaus von Löwen über ihn
berichtet, ist nicht anzuzweifeln, denn die ständige Tradition im
Kloster betrachtete ihn als Stifter des Hauses, und seine Grab-
stätte, die sich im Griinenwörth befand, gab der Tradition inuner-
währende, nie versiegende Nahrung. Im steten Kampfe mit der
Stadt Strasburg zeigte Werner die Natur eines „Wüterichs", d«n
nichts heilig war und der gegen seine Feinde keine Schonung
kannte.
Doch die Stadt zeigte sich seinen Angriffen gewachsen, Werner
unterlag und sah sich genötigt Frieden zu schUeßen. Dieser äußve
Friede brachte ihm auch den Frieden des Herzens; in Gesinnung
1) V^. 12*5 : iS'ib. t^ber Hat GeschUchC ran HOnebui^ od*r ron HaawbMf
Tgt. J. Ruei*r, Chronik dor Stedt und Luidgcbaft ScbalThftQUD. SohsSk. ISBi-H
JI, 796-800. Ebmto Cltnß, Eltt.-topoir. Wortocbuch dsa EIsu«m. 9.4»7f. i
131
Hnd Lebenswandel tritt eine Änderung ein, gleich der des hl Paulus,
die sich in guten Werken, vor allem in der Gründung eines
Klosters kundgab. Zwischen der Breusch und dem St Marga-
retheokloster außerhalb der Mauern der Stadt war ein unbebautes,
sumpfiges Gebiet, mit Recht genannt „Grüne- Wörth''. Diesen Platz
ersah er sich zu dem neuen Kloster aus. Der hL Dreifaltigkeit
sollte es geweiht sein, und Augustinerchorherren wurden mit dem
Gottesdienst beauftragt. Diese Verhältnisse mochten bis in die
erste Hälfte des 13. Jahrhunderts bestanden haben, wenigstens
finden wir noch 1226 einen Prior B. an der Spitze des Drei-
fitltigkeitsklosters ^). Jedoch seine ungünstige Lage vor den Mauern
der Stadt, die es bei allen Kriegsläuften der Schädigung und Be-
raubung aussetzte, war Schuld, daß zu verschiedenen Zeiten
Armut und Not im Kloster einzog, so daß es schließlich seine
Selbständigkeit nicht mehr behaupten konnte. Es wurde zu einer
Propstei des Klosters Marbach umgewandelt Nicht so leicht
wollten aber die Pröpste ihre Selbständigkeit aufgeben; ständige
Besitzstreitigkeiten zwischen dem Abt Heinrich von Marbach und
dem Propste Gerhard nötigten Bischof Berthold von Straßburg
die Propstei vom Kloster Marbach zu trennen und erstere seiner
eigenen bischöflichen Leitung zu unterstellen »). Um die finanzielle
Lage des Klosters zu heben, inkorporierte der Bischof, der all-
gemeinen Gewohnheit der damaligen Zeit entsprechend, demselben
den Kirchensatz von Alt-St. Peter zu Straßburg s) und erteilte allen,
die die Klosterkirche besuchten und Almosen spendeten, Ablaß*).
') Im Jahre 1225 gibt der Straßbarger Marschall Werner seine Ansprüche auf
«ine Mfihle in Otterswörth zu Ounsten des Straßburgors Spitals auf. Vermittler in
4em Tergleich war unter anderm B. prior sancte Trinitatis (Straßb. Ü-B. I, 161).
*) 1250, Sept. 20 : Da zwischen dem Abt Heinrich von Marbach und dem Propst
^hard schon mehrmals Besitzstreitigkeiten entstanden waren, trennt Bischof Heinrich
^6 Propstei der hl. Dreifaltigkeit zu Straßburg vom Kloster Marbach und unterstellt
Propst and Chorherren der Dreifaltigkeitskircbe seiner bischöflichen Leitung. (Straßb.
ÜB. I, 258).
*) Straßb. U-B. I, 201. — 1274, Oktober 4 geben Abt und Konvent des Klosters
Altdorf dM ihnen von weiland bischof Berthold Obertragene Patronatsrecht der Kirche
Alt-St. Peter xn StraBburg dem Bischof von Straßburg wieder zurück. Sie begründen
die Zurückgabe damit, daß ihnen von dem Patronatsrechte kein Yorteil erwachse, da
schwere Strdtigkeiten wegen gen. Kirche sich zu erheben scheinen, welche dem Kloster
|roßeo Schaden verarsachen konnten. (Straßb. U-B. II, 23).
«) EbMdA I, 271.
1S2
Doch alle dieae Mittel versagten: die Zahl der Klo3terbriider wurde
immer geringer, die Not immer grÖÜer, danim vereinigte Bischof
Heinrich von StraUburg im Jahre 1264 das Kloster mit dem
Bencdikünerkloater zu Altdorfi), nachdem er den Brüdern die Er-
laubnis erteilt hatte, die Benedilttinerregel anzunehmen, eine Mall-
regel, die bald darauf von Urban IV. wie Klemens IV. die päpstliche
Genehmigung erhielt^). Man hatte erwarten können, daß jetzt eine
neue hoffnungsvollere Zeit für Grüuenwörth anbreche. Doch es
kam anders. Die ganze Regierungsweise der Benediktiner von
Altdorf war nach Nikolaus von Löwen nichts anderes als eine
„Ruchlosigkeit" gegen die Hofstätte, die den Verfall anstatt aufzu-
halten, nur noch beschleunigtes), jn der Schilderung des KJoster-
lebens wie es Nikolaus von Löwen erzählt, finden wir nur einen
Wiederschein der Zustände, die allmühüch das ganze Klosterleben
StralShurgs zu Beginn des 14- Jahrhunderts ergrilTen halte*). Die
Hofstütle von GriinenwÖrth war gleichsam zu einer „Tafeme"
geworden und die Kirche stand da „eilend und öde" wie eine
Sciheune, als Magazin für alte Fässer, aber ohne jeden Gottesdienst.
Die Worte Nikolaus von LÖwens sind keineswegs übertrieb«i.
Sie erhalten ihre voHe Bestätigung dun'h den Bischof von Straö-
burgs). Die Gebäude waren ia der Tat dem Verfalle nahe, darum
war dringende Hilfe notwendig. Doch woher sollte sie kommen?
Das Mutterkloster Altdorf war selbst Inder schlimmsten fmanziellen
Lage. Es hatte selbst nicht genug Leute, um den Gottesdienst
r^elmäßig halten zu können, geschweige denn, daß es von setn«i
') 1S61, F«biuar 30 |U-B. I. 415).
>) ISm. Mal 15, Orriota. Papst Urbaa IV. bastAtigt die Einverleibung dM StnB'
burgor Draifamskeitsklostsrs io dio Benediktinembtej iki MUorl. (SttaUb. V-B. I, 4851.
— istin, AuRusC IS. Papet Klsmens IV. bestAtigt die durch (Jrban Tollzogeao Inkor-
poration des ßruihltisliviuklnstors .^ugustiiiorordeus ia das Kloster .Mtdorf Benediktille^
Ordens. D. Parusii 15. kal. sapt,, a. 1. _LitUras felicis." — Or. Beziiksarch. StraObucf
(H 135B'). — Köcksaits tou Nikolaus von Uwon: Dia ist tint confimtacio alti
bcbal Urban und Bohent ilemtna »in nachkamen gebeut dem apptte «inil dem
oonvrnle sii Altdorf über der heiligen TriraltekeiUleirchr zä dem Orüntitverdt
ZH 8lro»burg . . ,, rfo $i ditselbr leoHunge enphingetit und inttommt nm tetUi
Augustinus orden aiHonici rei/ulares.
•| Vg!. W. Kutho, Kirchliche Ziistinde SttBÜburgs im 14. Jahrb. Fteihurj 1M8.
') Vgl. die Urlriindo 239 "10 ff.
Brüdern einige auswärts hätte senden können. Die Engländer-
einfälle ^) hatten seine Finanzkraft erschöpft, es erklärte sich darum
selbst vor dem Bischof als unvermögend, der Notlage von Grünen-
wörth abzuhelfen. Warf man sein Augenmerk auf andere. Bene-
diktinerklöster in oder außerhalb der Straßburger Diözese, so
fand man, daß sie ebenso unfähig waren hier Wandel zu schaffen;
kurz es fand sich niemand, der für einen regelmäßigen Gottes-
dienst im Grünenwörth Sorge tragen wollte, weil eben die Mittel
für den Unterhalt von Priestern fehlten. Das war der Zustand
von Grünenwörth, alsRulmann Merswin sich dieser Hofstätte
erbarmte und sie an sich zog. Und wenn nun Rulmann Mer-
swin diesen verrotteten Zuständen neues Leben einzuhauchen
imstande war, wenn aus der alten zerfallenen Hofstätte unter
seiner Leitung ein neues Prachtgebäude entstand, wenn an Stelle
eines heruntergesunkenen, nicht mehr lebensfähigen Ordens ein
anderer lebenskräftiger und das geistige Leben befruchtender trat,
sollte man es Nikolaus von Löwen verargen, wenn er diese Um-
wandlung einem besonderen Eingreifen Gottes zuschreibt, und
Rulmann Merswin als das Werkzeug hinstellt, durch den Gottes
Geist so Wundervolles geschaffen hat? Eine andere Frage aber
ist, ob Rulmann sich in der Tat von jenen erhabenen und hehren
Motiven leiten ließ, von denen Nikolaus von Löwen berichtet
Die ganz nüchterne Betrachtung der nun folgenden Vorgänge auf
Grund der vorhandenen Urkunden wird uns die richtige Antwort
von selbst finden lassen.
Wir haben schon oben der Urkunde Bischof Johanns von
Straßburg vom 17. August 1366 gedacht, in welcher zu Anfang
der trostlose Zustand von Grünenwörth in beredten und ergreifenden
Worten geschildert ist. Dieser Notlage abzuhelfen, so fährt ge-
nannte Urkunde weiter, entschloß sich ein wohlhabender und
gottesfurchtiger*) Laie und Bürger der Stadt Straßburg, Rulmann
Merswin. Das Mittel dafür wäre ganz einfach gewesen. Rulmann
I) Ober die Engländereinfälle vpl. H. Witte, Straßburg zur Zeit des ersten
■Engl&ndereinfaUs 1865 (Ib6. Els.-Lothringen. 13 [1897] 8-55. — Königshofen (Chro-
Jiiken der deattchen St&dte XI, 814).
*) Der Aasdmck hämo devotus (240*1) ist in diesem Zusammenhange rein
iormelhaft and hat keine weitere Bedeutung für die Beurteilung des Charakters von
^Rolmaim Merawin.
■ 184
durfte nur die zerfeUenen Gebäude aus seinem veraogeii i
herstellen und dem Kloster Altdorf soviel sichere jährliche Ein-
künfte zuweisen, die zum Unterhalt einiger Mönche notwendig
waren. Das wäre eine lautere Tat ohne jeden Egoismus ge-
wesen, die dem frommen Sinn Rulmanns alle Ehre gemacht hätte.
Doch davon war Rulmann Merswiu weit entfernt. Die Sympathien
der Slratlburger Patrizier waren den Klöstern der Stadt keines-
wegs günstig, und so dachte denn au('h Rulmann. „dal3 es viel
besser und angebrachter wäre, daü man mit seinem Vermögen
arme Leute unterstütze, um sie dadurch vor dem Hungertode zu
schützen, als dal! man neue Klöster damit baue; gut gebaute
Klöster gäbe es ja genug in der Christenheit, leider finde man darin
wenig gottminnende, andächtige Personen" (164*27). Wie trefflich
hat damit Nikolaus von Löwen die wahren Gedanken Rulmanns
verraten ! So war auch einstens die Gesinnung eines Judas,
der die Wohltätigkeit gegen die Armen vorschützte, in der Tal aber
aus dem Geld nur fiir sich selbst Vorteil ziehen wollte. Rulmann
hatte gesehen, wie die Müllenheim bereits auf einer früheren Hof-
stätle des Klosters Allerheiligen eine neue Kü-che als Familien-
gotteshaus und BefiPäbriisstätle jiehauf, dort für ihr See!en)ieil
ständige Kaplaneien gestiftet und sich das erbliche Patronatsrecht
zugesichert hatten»). Desgleichen hatte sich die FamÜie der Zorn an
der Nordoslseite der Kirche Jung-Sl. Peter eüie eigene Begräbnis-
kapelle erbauen lassen*). Sollte es nun nicht den Ruhm der
Familie Merswm vergrölJern helfen, wenn sie dasselbe erreichte,
nur in groliartigerer, der Macht ihres Geldes entsprechender
Weise? Geeignet und passend dazu war ohne Zweifel die dem
Verfalle nahe Hofstätte von GrünenwÖrth. Aber wie konnte
Rulmann das volle Verfügungsrecht über dieses Kloster samt
Kirche und Friedhof erhalten, wo nach geltendem kirchlichen
Rechte Kirchengui nicht oder nur unter ganz besonderen Um-
ständen, immer aber nur mit Gutheißung des apostolischen Stuhles
in Laienhände übersehen konnte? Und selbst wenn dies ermöglicht
wurde, wird das Kloster Altdorf so leichthin ein stattliches
Besitztum aus den Händen geben? Das waren also Schwie-
■) Vgl. Käthe, Kircblicbe ZutUndo StraUbuigs im 14. Jithrh. S. S3.
*; £t.anda S. 93. Von Granen*ötth handelt Koth« S- 85 If, nnd S. lofit
rigkeiten, die überwunden werden mußten. Solcher Schwierig-
keiten gab es weder bei den Zorn noch bei den Müllenheim, -denn
bei ersteren bandelte es sich bloß um den Neubau einer Seiten-
kapelle bei Jung-St. Peter; Heinrich von Müllenheim dagegen
kaufte für seinen Zweck eine dem Kloster Allerheiligen gehörige
Hofetätte zu Straßburg, auf der früher bloß ein Oratorium stand,
dessen Dienst einige Sackbrüder besorgten. Dieses Oratorium war
zerfallen, die Sackbrüder hatten den Gottesdienst aufgegeben ^) und
nun baute Heinrich von Müllenheim eine ganz neue Kirche aus
seinem eigenen Gelde, behält sie aber nicht zu Eigentum, sondern
überträgt sie „Gott .dem Allmächtigen, der allerseligsten Jungfrau
und allen Heiligen*^ zu vollem Eigentum, ut ecdesia seu capeUa
sab iure rei ecdesiastice inantea censeatur^). Bei Rulmann Mer-
swin dagegen handelte es sich um eine noch bestehende Kirche
samt Friedhof und Konventgebäude, über die ein eigentlicher^
kirchlich approbierter Orden das Eigentumsrecht besaß. Daran das
Eigentumsrecht zu erwerben, konnte Rulmann im Ernste nie denken.
Was er erstrebte und erstreben konnte, war nur das freie Be-
nützungsrecht dieser Kirche mit dem Konventgebäude zu erlangen,
oder Kirche samt Konvent und Friedhof auf ewig zu mieten.
Dazu mußte aber vor allem das Kloster Altdorf, abgesehen von
der Gutheißung der rechtmäßigen Obern, seine Zustimmung er-
leüen. Sehen wir zu, wie Rulmann Merswin diese erlangte.
Um seinen Verhandlungen ewigen Bestand zu sichern, ver-
band sich Rulmann mit seinem Bruder Johannes Merswin, jenem
Bankier des Straßburger Bischofs, dessen Geld in Straßburg eine
Großmacht bildete»). Der andere Verbündete war Heintzemann
') Übor den Zustand dieses Oratoriums berichtet uns die im II. Teil S. 243*ff.
beigegebeno Bittschrift, deren Inhalt kultur- wie rechtsereschichtlich auch für unsere
Frage Ton größter Bedeotung ist.
>) StraBbarger U-B. III nr. 1254; vgl. damit die Urkunden III nr. 1166, 1181 ;
V nr. 347.
") Kothe S. 86 und die Register zu den yerschiedonen Bänden des Straßburger
U-B. Aach dem Johanniterhaus gegenüber spielt sich Johann Merswin als Groß-
pondbesitser auf. — 1372, Oktober 31 : Johan Merswin^ Burggraf zu Straß-
hurg, verkauft dem Komtur und Konvent des Hauses zum Orünenwörth, St Johann
(frdene, näher benannte, meist im Kolmarer Bann, liegende Güter um 1800 fl. baar^
Gegeben an aUer heütgen obent 1372. — Or. Bezirksarch. Straßburg (H. 1445). Es
tiegeim der Aussteller, Heintzeman Wetzet, ritter, und Rideman Mtnxcin^ bürgere^
13«
WeUel, der bereits zweimal Städlemeister in Straßburg gewe
luid darum in Straßburg zu den angesehensten und einUußreichs
Familien gehörte.^) Für den Fall, daß einer der drei stürbe, soll
jeweils die beiden Überlebenden einen dritten wählen. So i
alles darauf berechnet, dem Werke Ruimanns, der nur als \
ireter eines Verwandtschaftsbundes handelte, ewige Dauer
sichern (240*30).
In Aobetracbt der oben geächilderten Notlage von Grün
wörth trug nun Rulmann dem Bischof von StraÜburg vor,
wolle zur Aufreehterhaltung des Gollesdieiisles Grünenwc
durch Weltpriester versehen lassen und diesen soviel sieb
Einkünfte aus seinem Vermögen zuweisen, als zu ihrem Um
halte notwendig wären. Sollte ihm diese Vergünstigung n:
für immer gewahrt werden können, so vorerst wenigstens
einige Zeil*). Abt und Konvent von Alldorf sowie der Bisehof
StraUburg erteilen Rulmann beziehungsweise dessen Verlret
die erbetene Erlaubnis auf zwölf Jahre; wälirend dieser Xeit sol
Rulmann erlaubt sein, den Gottesdienst durch Weltpriester \
sehen zu lassen, deren Auswahl in der freien Hand Rulma
liegen soll, sofern sie nur den kanonischen Gesetzen entsprec
und einen erprobten, ehrbaren Lebenswandel führen. Dafür äl
nimmt aber Rulmann eine zweifache Auflage : 1.) für den Uni
halt dieser Weltpriester und für die zum Gottesdienst notwendi
Utensihen zu sorgen und 2.) den gesamten Gebäudekomplex
Grünenwörth zu renovieren beziehungsweise in gutem Bauzusta:
zu erhalten.
Für die erste Auflage hat Rulmann nach Ablauf der zwölf Ja
von niemandem irgend eine Entschädigung zu verlangen. 0
zur Einsprache berechtigt zu sein, sollten auf einen eventue
Antrag hin die Weltpriester Grünenwörth ohne weiteres räut
und wieder den Benediktinern überlassen. Hätte nun Rulm:
seinen idealen Smn besser zeigen können, als dadurch, daß
auch in Bezug auf die zweite Auflage auf alle Entschädigi
and »cheffeU zu Stroiburg. Ibre äieESl sind erhalten. .Vuf der Kackssite
varbUQte BemeikunK Nikolaus von LOwaus.
') Vgl. StraGburger U-B. im Kegiatet.
*) Vgl. in der Urkunde ^iO'i S.. decun WurClaut für das Falgaoda toq
Bcboeidender Bedeutung isC.
137
verzichtet hätte? Lesen wir die Lobeshymnen Nikolaus von
Löwens, so müßten wir solches von vornherein annehmen. Doch
wie ganz anders handelte Rulmann in Wirklichkeit! Urkundlich
ließ ersieh zusichern: Abt und Konvent von Altdorf sind, sobald
sie die Vergünstigung nach Ablauf der zwölf Jahre widerrufen,
verpflichtet, Rulmann beziehungsweise seinen Bevollmächtigten alle
Baukosten zu ersetzen, über deren Höhe sie dem Eide Rul-
manns Glauben schenken müssen, ohne Rechnungsablage zu fordern.
Welche Härte lag nun gerade in der letzten Bestimmung!
Sie war dazu angetan, das Kloster Altdorf ständig unter dem
Daumen zu halten. Denn was hätte es für Rulmann für eine
Bedeutung gehabt, Weltpriester als Kapläne nach Grünenwörth
zu setzen mit dem ausgesprochenen Zweck, für seine, seiner
Vordem und Nachkommen Seelenruhe zu beten, solange das
Kloster Altdorf noch die Möglichkeit besaß, sobald es ihm be-
liebte, die Priester wieder zu entfernen und mit den eigenen
Mönchen Grünenwörth zu beziehen? So wäre ja das ganze
Projekt Rulmanns und seiner Verbündeten, ein eigenes Familien-
Gotteshaus und Begräbnisstätte mit dem erblichen Patronat über
die hiefür einzusetzenden Kapläne sich zu erwerben, rein Uluso-
risch geworden. Daß sie es nicht wurde, dafür sorgte die bei-
gefugte, an Härte jedes menschliche Recht übersteigende Klausel.
Denu wie sollte es dem Kloster Altdorf nach menschlichem Er-
messen möglich gewesen sein, nach Ablauf der zwölf Jahre die
&ukosten zu zahlen, wo es nicht einmal imstande war, dem
Mutterkloster mit eigenen Mitteln aufzuhelfen? Und würden sich
^cht endlose Zwistigkeiten in der Bestimmung der Summe des
^ bezahlenden Geldes ergeben haben? So lange aber die Summe
^cht bezahlt war, solange hatte Rulmann auch das freie Be-
nutzungsrecht des Klosters.
Doch Rulmann war mit dieser Bestimmung nicht zufrieden,
^hon am 2. Januar 1367 sollte sich noch eine günstigere Gele-
genheit bieten, das Kloster Altdorf zu einem willenlosen Werk-
^ng ia Rulmanns Hand zu machen ^). Rulmann lieh dem schwer
1) Straßburger U-B. Y nr. 744. Auf der RQcksoite des Originals (Straßb. Bezirks-
*«•». H 1852) steht von Nikolaus von Löwens Hand : 1367. [Diser hrief Beitj dz
^^^*9Mn Mer$win dem appete und dem convente zu ÄUdorf »ante Benedickien
^^^^ ffduhen hei fünf hundert marg eilbers, die er niemer von in yfHeiacKen
138
bedrängten Klosler 5o0 Mark Silber, um dessen augenblicklicher
Notlajje aufzuhelfen. Es moclite überhaupt nicht das erstemal
sein, daß Rubnann auf diese Weise dem Kloster seine „Freund-
schaft" bewies, sonst würde die betreffende Urkunde Rulmann
nicht als specialis amwus des Klosters Altdorf bezeichnen. Die Not-
lage des Klosters Altdorf war groß. In feierlicher Sitzung beraten
Abt und Konvent, wie dem trostlosen Zustande abzuhelfen sei. „Die
Engländereinrälle haben das Kloster verwüstet", so berichtet die
Urkunde, „und die Fruchtbarkeit der Felder auf Jahre liinaus ge-
schädigt. Innerhalb der Straltburger Mauern hat das Kloster
keinen Hof, um in KriegsRillen dort Hab und Gut in Sicherheil
zu bringen. Für den Anbau der verwüsteten Felder fehlt das
Geld und die Arbeiter; auch Kostbarkeiten besitze das Kloster
nicht, um sie zur Abhilfe in der Not verpfiinden zu können."
In dieser Notlage lieh ihnen Hulmann r»00 Mark Silber. Wie hätte
hier Rulmann, der ..Gottesfreund", abermals seine wohltätige Ge-
sinnung im Werke zeigen können, wenn er aus Liebe zu den
Ordensleuten dem Kloster diese 500 Mark unverzinslich und un-
widerruflich geschenkt hätte! Statt dessen wird folgendes ver-
einbart: Rulmann beziehungsweise seine Nachkommen sollen das
dem Kloster Altdorf geliehene Geld erst dann zurückfordern, wenn
das Kloster ersterem das freie Renützungsrecht von Grünenwörth
kündigt. Diese Kündigung darf aber nicht vor 30 Jahren erfolgen.
Im Falle der Kündigung rauli das Kloster an Rulmann alle wäh-
rend dieser 30 Jahre laufenden Baukosten bezahlen samt den
500 geliehenen Mark Silber, die er sich als besorgter Geldmann
überdies durch ein Pfand sichern lieÜ. Damit war die Schwierig-
eit, jemals den Vertrag mit Rulmann aufzulösen und den Welt-
priestern Grünenwörth zu entziehen, ganz bedeutend gewachst,
während Rulmann seinem Ziele einen merkliehen Schritt näherkam,
umsomehr da diese Urkunde die bischöfliche Bestätigung erhielt
«ol, eg teere dtnne dz sii [den] Qrünenwerdt wider hahrn iroltent, ifc sü dodi
in drittig ioren noch der date die bi-iefee tiin niit ensölleni; domock möUent
iii wot die hovegCal irider an eich losen mit den fünf hundert [marg undj mä
ailen dem koilen, der do zirAtchent an dieselbe /lorestat rerbuictn und gewit
trete. Doch iel Bäleman Metsiciii »int males einer andern beredungen und tmee
etoigen Jtouffe* mit in [Obereinkomea, der] diaen grgenwertigen britf tötet »ni
Mrefidog mnehet.
13»
Näher besehen war diese Urkunde jedoch nur eine Schein-
Urkunde, die man dem Bischof vorlegen konnte, während eine
gleichzeitige, geheime Abmachung zwischen Rulmann und dem
Kloster Altdorf in Wirklichkeit gelten sollte i). In dieser Urkunde
war die Kündigungsfrist auf 100 Jahre angesetzt und von selten
Altdorfs das Versprechen beigefügt, sobald Rulmann beziehungs-
weise seine Nachfolger es verlangen, wolle das Kloster um
Genehmigung beim Papste nachsuchen, damit aus der zeitlichen
Leihe eine ewige (ein ewig ding) würde. Damit hatte Rulmann
sein eigentliches Ziel erreicht. In seinem Belieben stand nun das
freie ewige Benützungsrecht der Kirche von Grünenwörth mit
Konventgebäude und Friedhof, wenn auch das Kloster Altdorf
dem Namen nach noch das Eigentumsrecht besaß. Aber auch
dieses Eigentumsrecht suchte Rulmann zu einem rein illusorischen
herabzudrücken und zwar dadurch, daß er die sämtlichen Be-
sitzungen des Klosters Altdorf, die an Grünenwörth anstießen,
durch Kauf zu vollem Eigentum erwarb. Dieser Kauf vollzog sich
am 29. November 1367 und betraf 2 Höfe, 7 Häuser samt Hof-
raite, 3 Gärten und 2 Weingärten mit allem Zubehör, lauter zu-
sammenhängende Güter, welche an den Burggraben der Stadt
Straßburg, an den Graben des St. Margarethenklosters und hinten
an die Breusch stießen»). Ausdrücklich von dem Kaufe ausge-
nommen waren das Kloster, Kirche und Friedhof und alle anderen
geweihten Orte und Dinge, welche an oben genannte Güter an-
stießen (monasterio seu ecclesia ac cimeterio et aliis locis et rebtcs
I) Ebenda nr. 745. Auf der RQckseite des Originals (StraCb. Bezirksarch. H 1352)
steht von der Hand des Nikolaus von Löwen : 1367, In disem hriefe het sich der
9ppei und def convente zu AUdmf versprochen, daz sü die wonunge zu detn
Orünenwerde vor hundert ioren nut an sich lösen söUent; und soUent auch gehen
einen bette brief an den hobest, daz er ein ewig ding darus mache, alse euch
hesehehen ist, daz der bebest sint moles eine huüe darüber gegeben het Rtdemanne^
Merswme, der es donoch eiceJUiche kaufte utnbe die von Alidorf, De^'selbe kouf^
briwf und auch die bulle disen gegenwertigen brief totent und kreftelos machent.
«) Straßburger U-B. V nr. 767. — Auf der Rückseite des Originals (H 1352)
Ton der Hand des Nikolaus von Löwen : 1367, Dis ist der kouf brief alse RvUeman
Mempin umb die von Altdarf kaufte die hovestat und die hüser zu dem Ordnen"
werde nut 600 pkunden und zehen phunden, dazu der ertcirdige her bisehof
Jokame m& Stroeburg sinen willen het gegeben. Zu beachten ist, daß die Familie
Manwia telu»!! Mher in der N&be ron Grflnenirörth Oater besaß, Stta^\>. \3-^. \\\,^^v
■consecratU inter preacripta bona sitia ac eiadetn contUjuia et annfxäs
dumi^xxat exceptia). Der Kaufpreis betrug 60 U^ und die Kauf-
handlung war vom ßischoi' zu StraLSburg gulgeheilien. Was nützte
nun den Benediktinern zu Altdorf noch Kloster, Kirche und Fried-
hof zum Grünenwörth, wenn sie alle anstoUenden (jüter unwider-
ruflich an depjenigen veräulierten, dem sie schon zuvor das freie
Yerfiigungsrecht über das Kloster auf ewige Zeiten zugeslanden
hatten? Das alles war geeignet, die Rechlsbegriffe mit der Zeit
zu verwischen, d. h. das Kloster Altdorf vollständig auf die Seite
au schieben und Ruimann als Eigentümer von ürünenwörlh mit
allem Zubehör anzusehen. Es dauerte nur vier Jahre und dieser
Zustand war eingetreten.
Unterdessen aber hatte Rubnann bereits mit der Renovalion
der Kirche und des Klosters begonnen (168*28). Die Kirche wurde
höher gebaut und mit einem neuen Dache und steinernem Turme
versehen. Die Altare in der Kirche erhielten andere Plätze, nur
■der Hochaltar blieb unversehrt. Das Grabmal Werners von Hüne-
hurg (13*12), das sich in einer Nische unter dem hintersten Glas-
Xenster befand, wurde zerschlagen, die Steinsärge zu AUarplatten
verwendet, das Wappen der Hiineburg mit einem Gemiilde über-
malt, das die Auferstehung des Herrn abbildete, und dement-
sprechend an Stelle von Werners Grab das heilige Grab angebrachL
Man sieht daraus, wie radikal Rubnann bei seiner Renovation zu
Werke ging. Auch eine neue Kapelle zu Ehren der 11000 Jung-
frauen wurde gebaut, die bereits am 25. November 1367 einge-
weiht werden konnte (169*2) '). Damit war die Bedingung geschaffen,
dali von Ruimann eingesetzte Weltpriester den Gottesdienst im
Grünenwörth wieder aufnehmen konnten. So gründete denn Rui-
mann zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil vier Kaplaneien, die
er durch vier Weltpriester versehen ließ*). Einer dieser Weit-
et Gani bemwkenswart ist die Begrandung 7';IS uz neüteai gitttUche» »r-
Jeütidtg, aUe er und atidert goltta fründe in denselben eilen meiitdttU. Vam
,Gottesfieund im Oberluid' ist da aJsu noch k«iDe Kedü :
*| StralJbur^r U-B. V dt. 798, Auf dnr ROckaiite dati OriEiDile Toa dar Bind
4ea XikolauB tun Lauen : 1368. Item bobegt Urban hei in dieer buUen erloubel
Räiananne Mersirine vi«f leeltiiehe cappdon [godetdietui] ru!eklith4 zu haÜtuA
und zd verstkrnde uf dtr hoveitat xa dem Qr&nenwerdt, di4 d*r haligmt tri-
fdtikeiU kitche in erat halten aüUent mit eimt IMetichtH gottet dienttU.
141
Priester war Nikolaus von Löwen, der frühere Sekretär Rulmänns^
dem dadurch ein dauernder und angenehmer Lebensunterhalt ge-
sichert war. In ihm hatte Rulmann zugleich einen Priester, auf den
er sieb verlassen konnte und der stets die Interessen Rulmanns ver-
treten sollte. Die Namen der übrigen Priester sind nicht bekannt.^
Dieser Zustand dauerte jedoch nicht lange. Mochten es die Schwie-
rigkeiten gewesen sein, geeignete Weltpriester zu erhalten, die in
allem den Wünschen Rulmanns entsprachen, oder mögen ver-
schiedene Klöster nun ihr Augenmerk auf das neu erbaute
Griinenwörth gerichtet haben, wir sehen Rulmann bald in Ver-
handlungen mit dem Orden der Augustiner, Prediger und Zister-
zienser wegen der Überlassung von Griinenwörth (169*19). Am
meisten Aussicht mochten die Zisterzienser gehabt haben, denen
Peter von Kaisersberg dicht neben der St. Margarethenkapelle ein
eigenes Haus gebaut hatte (8*1). Jedoch alle Verabredungen zer-
schlugen sich, weil kein Orden auf die Bedingungen eingehea
konnte, die Rulmann stellte, ja stellen mußte, wenn er seine mit
Schlauheit und Klugheit gewonnene Position nicht preisgeben wollte.
Nur ein einziger Orden fand sich bereit, auf Rulmanns Bedingungen
einzugehen, der Orden der Johanniter. Die Lage der Johanniter
war keineswegs besser als die der anderen Klöster in und um
Straßburg, weder finanziell noch moralisch. Die Statuten, welche
der Johannitermeister Konrad von Braunsberg auf dem General-
kapitel zu Heimbach im Jahre 1363 erließ, lassen uns deutlich
genug erkennen, daß die alte Ordenszucht auch bei den Johan-
nitern längst geschwunden war (237*). Sodann umfaßte die ganze
Balei „Oberland" im Jahre 1367 nur 46 Häuser mit 288 Personen
(123 Priester; 21 Schwestern; 144 Laien), so daß auf ein Haus^
durchschnittlich 6 Personen kamen i). Der Mangel an Personal
zeigte sich demnach hier so gut, wie in den andern Klöstern»»).
Aber es war nicht die Notlage des Johanniterordens, die Rul-
mann zu Herzen gegangen wäre oder gar die Vorliebe Rulmanns
ßr denselben, die gerade diesem Orden die Benützung von Grünen-
^orlh einräumte. In Rulmanns und seiner Verbündeten Augen
') Eine Übersicht Ober die yerschiedenon Klöster der Balei Oberland und ihrer
^'^'^en gibt ein Papierheftchen Straßburger Bezirksarchiv H 1363.
*) Dieser ICangel an Personal machte Nikolaus von LOwen später schwere Sorgen.
^*^*«»; 18BM8.
waren alle Orden gleich viel oder besser nichts wert, und Niko-
laus von LÜwen hat die Gesinnung deutlich gezeichnet, wenn er
ron Hulmann und seinen Verbündelen schreibt: sie kettend aUe
gar wenig ntj/nnen zu den persotien in aande Johans ordeii und
misse rielenl in sa gr&sseliche an irme wandele und worent in also
gar widderzeme inirme sinne, das sie das vestekliche in sich sattetü...,
ebe sie iren willen iemer darin wolteiU gegeben, das der Grüne-
wert den Jühansern wurde, so wolt^it sie e nl lieher eneel^tt, das
er verhrante (170*31). Demnach konnte sich Rulmann mit irgend
einem Orden nur insoweit einlassen, als er seine Pläne zu ver-
wirklichen versprach. Dieä taten die Johanniter. Wie es dazu
kam, zeigt uns der sogenannte Pflegerbrief oder der Vertrag,
den Rulmann Merswin am 12. Januar 1371 feierlich mit dem
Johannitermeister in deutschen Landen, Kunrad von ßraunsberg.
abschloß (172*12). Es war ein feierlicher Vertrag, geschlossen
im Beisein des Johannitermeisters und der Komture zu Vülingen,
Basel, Kolmar, Dorlisheim, Sulz und Schlettstadl sowie mit Gut-
heiüung der elsäßiachen Konvente von Dorlisheim, Kolmar, Rheinau
und Schlettstadt. Dadurch sollte der Vertrag seine ewige Geltung
auch äußerlich dokumentieren.
Dieser Vertrag hat folgenden Inhalt:
Die Leistungen Rulmanns: Rulmann übergibt dem Jo-
hanniterorden zu Händen des Johannitermeisters Konrad von
Braunsbei^ das Kloster zum GrünenwÖrth samt Kirchen >), Häusern
und Gärten mit allem Zubehör; außerdem eine jährUche Rente
von 50 Pfund*) StraÜburger Pfennige zum Unterhalt des Chor- und
Gottesdienstes durch die Johanniterpriester.
Die Leistungen des Johanniterordens:
Der Johanniterorden erkennt Rulmann Merswm, Heintzemann
Wetzel und Johannes Merswin beziehungsweise deren Nachfolger
als „Pfleger" von Grjinenwörth an, darum darf
1. ohne Zustimmung der drei weltlichen PDeger kein Ordens-
oberer der Johanniter zum Grünenwörth gehörende Güter ver-
kaufen, vertauschen oder verpfänden, vielmehr muß
■) BemerkBasMort IbI, iUQ sich Bulm&na in dieser Urkunds (ne'SO) b«mb
aU £i|:etitümei' dar K i r c b a botnchtet.
■) Diese di«DteD dem Uaterhalt der Tier Weltpriester ( 4 tatl 1£). Vgl. abM
die Bebe siner Pries terpfrUnde 4*35 u. Kotha S. 115/116.
143
2. jeder Komtur alljährlich vor den drei Pflegern und den
Brüdern des Hauses Rechnung über die Verwaltung ablegen. Hat
ein Komtur das Kloster in seiner Verwaltung geschädigt, so soll
die Meisterschaft ihn entlassen und mit dem Rat der Bruder einen
anderen an seine Stelle setzen.
3. Auf Verlangen der drei Pfleger müssen die Brüder von
Grünenwörth Pfründner aufnehmen, es seien Ritter oder Knechte,
Laien oder Priester, welche in Grünenwörth fem dem Lärme der
Welt üir Leben beschließen wollen. Die Pfründner leisten dem
Hause bestinunte Beiträge, erhalten Wohnung und Lebensunter-
halt und unterstehen dem Komtur des Hauses in der Einhaltung
der Ordnung. Ausschluß eines Pfründners aus dem Hause unter-
steht in letzter Linie den Pflegern.
4. Kein Bruder oder Laie soll in das Haus aufgenommen
werden, er sei denn zwantzig Jahre alt Das Vorschlagsrecht für Auf-
nahme der Ordenspriester kommt den drei Pflegern zu, ohne deren
Willen die Meisterschaft niemanden in genanntes Kloster setzen
l^ann, aber immer soviel setzen muß, als die Pfleger verlangen;
nur Priore, Komture oder Verwalter eines selbständigen Hauses
sind vom Vorschlagsrecht der drei Pfleger ausgenommen.
5. Das Bestrafungs- oder event. Ausschlußrecht eines Bruders
aus dem Hause haben die Ordensobern.
6. Grünenwörth soll durch keinerlei Steuern oder Abgaben
von Seiten des Ordens belastet werden, auch dann nicht, wenn
von Papst oder Kaiser den Johanniterhäusern insgesamt solche
Abgaben auferlegt werden. Dagegen bezahlt Grünenwörth jährlich
6 fl. an die oberste Meisterschaft zu Rhodis.
7. Im Falle irgend ein Ordensoberer oder ein Johanniter-
bruder einen Artikel der vorgenannten Satzung übertritt, soll auf
Antrag der Pfleger der Komtur des Hauses innerhalb eines Mo-
nates Abhilfe schaffen; tut dieser es nicht, so soll die strittige
Angelegenheit dem Komtur zu Dorlisheim vorgelegt werden, der
innerhalb eines Monates für Abhilfe Sorge zu tragen hat. Im
Falle der Rechtsverweigerung auch von dieser Seite, können die
Pfleger ohne weitere Appellation sofort die sämtUchen Güter von
Grünenwörth — Kirche und Friedhof ausgenommen ^) — an sich
*) 174*87 Ufit wieder das alte Eigentomsrecht des Klosters Altdorf an Kirche
und Mtdhof ron OrOnenwOrth zam Vorschein kommen.
144
ziehen. Vor dieser Maßregel s{)!I den Jobanniterorden kein päpst-
liches oder kaiserliches Privileg, kein Stadt- oder Landrechl, kein
Land- oder Burgfriede schirmen,
8- Im Falle einer der drei genannten Plleger stirbl, sollen
die beiden andern einen dritten wählen; können sie sicli nicht
auf einen dritten einigen, so gibt der Komtur des Jnhanniterhauses
znm GriinenwÖrth den Ausschlag.
Nachdem so der .lohanniterorden sich Rulmann gegenüber
verpflichtet hatte, erfolgte zwei Monate darauf, am 23. März 1371,
die eigentliche Übergabe von Grünenwörth an die Johanniter.')
Vor dem Richter des Strallburger Hofes beurkundet Rulmann,
daß er zu seinem und seiner Vorfahren Seelenbeile dem johanniter-
orden zu Händen Koiirads von Braunsberg das Patronatsrecht
der Kirche zum GriinenwÖrth sowie das Eigentumsrecht*) an
jenen Häusern, Hofstiitten und Gärten, welche er von dem Kloster
Altdorl' gekauft hat, unwiderrull ich schenke, Aulierdem verpflichtet
sieh Rulmann mit Unterpfand all seines beweglichen wie unbe-
weglichen Gutes zur Zahlung einer jährlichen Rente von 50 ff
StraÜburger Pfennige an den Komtur des Johanniterhauses. Die
oben genannten Abniachungeii zwischen den Johannitern und
Rulmann werden in der endgültigen Schenkungsurkunde mit keiner
Silbe erwähnt; ebenso wenig die Zustimmung des Klosters Alt-
dorf. Diese Schenkung erhielt am 22. Februar 1372 durch Bischot
Lambert von Straüburg die bischöfliche Genehmigung^), nachdon
der Pflegerbrief bereits am 20. Oktober 1371 durch den obersten
I) Stratburgflr V-D. V nr. 956. — Or, Beiirksarch. StrallburB (H. i:Jö3). Auf
dar Rüokteito oben (lerblaDt) ; donacio datii per Iti'ätnanH Mfrurin. Unton diru
von der Hand \iliolaus ron LOweos: 1371. Dtt i9t der gift brief, alse BiHema»
Mertmin daz hit» zit dem Gränenteerde gap nantt Johane orden m gegniteartv-
ktit dt» ei-wiirdigen geisllkhen htrren brüder Cünratea tun Brunaptrg, meiittr
in Ihittgchen landen, daz mich biachof Lamprfkl besietiget het mit »im« rigem
ingetigde, daz er gekencket het an eine sünderlichc glich hellende copit disttlbtit
briefes.
*l Hier let also genau iHiKeheo PHtrana.tB- und Eig« atomare cbt nalerecbiaden.
') Or. StraGburgar BezirksarchlT [ü 135^1. Auf der Knckseite ron Nikok»
von Löwen ; Bis iel eine confiniiacion, alse bischof Lamprcht bettttiget htt tanti
Johans orden dz hu» zu dem Gr&nenirerde, dz in gap R'deman Mtrttcm •■
eimt Ȋnderen briefe, baigelt mit der . , . ingesigel an des bitchore* gerlMte, der
do j/lich hellet dirre confirmaeion.
145
Meister der Johanniter, Raimund Berengar, gutgeheißen und be-
stätigt worden war (176*1).
So hatte denn Rulmann alles, was er erstrebte, nur in viel
vorteilhafterer Weise als früher. Jetzt hatte er nicht mehr für
die Anstellung der genügenden Anzahl Priester zu sorgen, er
durfte aus den Johanniterpriestem die tauglichsten und tüchtigsten
nach seinem Belieben aussuchen, die Johanniterobern hatten in
allem seinen Wünschen nachzukommen. Für den Unterhalt sowie
ßr die richtige Besorgung des Gottesdienstes hatte nicht mehr Rul-
raann, sondern der Johänniterorden Sorge zu tragen, und so war er
sicher, daß Chor- und Gottesdienst ständig und pünktUch abge-
halten würden. Durch die Übergabe von Grünenwörth an die
Johanniter war der Straßburger Bischof ganz auf die Seite ge-
schoben, der bei der Einsetzung von Weltpriestern immer ein
Wort mitzusprechen hatte und den Plänen Rulmanns gefährlich
werden konnte. Aus diesem Grunde werden auch die Artikel
des Pflegerbriefs dem Bischof gegenüber n i e erwähnt. Der un-
sichere Begriff des Eigentums an Klosterkirche und Friedhof von
Grünenwörth, und der Schein, ein Laie sei Eigentümer desselben,
war geschwunden, zwar nicht auf rechtlichem, aber auf faktischem
Wege. Das Kloster Altdorf verschwindet vollständig aus der Ge-
schichte von Grünenwörth und hat, soviel bekannt ist, später
niemehr einen Rechtsanspruch auf Grünenwörth erhoben. So sehr
hatten sich die Rechtsbegriffe innerhalb vier Jahren verwischt, daß
der Johänniterorden Rulmann als alleinigen Eigentümer ansah,
von dem sie Grünenwörth zu eigen empfangen konnten. Ander-
seits hatte diese Übergabe nach außen keineswegs etwas Auf-
fallendes, denn Grünenwörth war und blieb dadurch Kirchengut.
Und dennoch hatten Laienhände eine Gewalt darüber, wie Rul-
ßiann sie nicht größer wünschen konnte.
Es ist nicht zu leugnen, daß Grünenwörth durch diese Ver-
f^ungskonstitution viele und große Vorteile andern Klöstern
gegenüber erwuchsen. Sie diente einmal dazu, das Kloster finan-
ziell auf der Höhe zu halten. Kein Gut konnte ja veräußert,
verschenkt oder verpfändet werden ohne Zustimmung der drei
^eger. Die jährliche Rechnungsablage und Kontrolle verhinderte
jedes Zurüc^ehen, jede Mißwirtschaft. Dazu kam, daß die
^i Pfleger Männer waren, die Jcaufmännisch gebildet xxtvöl not
146
allem in der neu aufötrebenden Geldwirtsehafl, die so vielen Klöstern
neben der Bedrückung des Adels den Todesstoli verheizt hatte,
durchaus erfahren waren. Die Wirkung dieser IrelTlichen BesÜm-
raung blieb denn auch nicht aus. Daa Haus zum Grünenwörüi
wurde in der Tal zum festen finanziellen MitLeipunkt der übrigen
elsässiächen Häuser. Je tiefer die andern sanken, umsn höher
stieg von Jahr zu Jahr der Stern des StraÜburger Jnbanniter-
hauses, in dessen Glänze sich andere sonnten. Das Haus zu Rheinau.
ein Glied desjenigen zuDorhsheim, war das erste, dasGrünenwörlh
einverleibt wurde'); bald folgte das Johanniterhaus zu Schlett-
stadt nach*). Um die Finanzkrall des Klosters zu erhöhen, war
das Haus auch abgesehen von eine.n jährliehen Beitrage von
aller Steuer befreit, die so oft auf anderen Klöstern lastete.
In den drei Pflegern halle das Kloster ferner eine gute lie-
präsenlation nach aulien. Die drei Pflegerb ildeten eine unüber-
treffliche Schutzwehr gegen alle Übergrüfe vonseiten des Bischob,
des Adels, vor allem aber der Stadt. Denn sie gerade war keines-
wegs dem Kloster günstig gesinnt. Das zeigte sich schon bei dem
Engländereinfall 1375 (185*26). Zur Sicherheil der Stadt wollte der
Rat alle Gebäude auHerlialb der Stadimauer abbrechen oder nieder-
brennen lassen, um den Engländern jeden festen und sichern
Hinterhalt zu nehmen. Diese Maßregel traf auch ein zerfollenes
Haus von Grünenwörth. Schon waren Wellen um das Haus auf-
getürmt, um Feuer zu legen. Die Johanniter trugen sie aber
heimlich hinweg und kehrten sich nicht um Zorn und Drohung
des Rates. Die Beilegung des Zwistes schreibt Nikolaus von
Löwen einer übernatürhchen Wirkung zu ; wir werden nicht fehl-
gehen, dabei an ein Eingreifen der drei Pfleger zu denkea
Ähnlich wird der Fall gelegen sein, als die Stadt im Jahre 1380
Miene machte, die neue Ringmauer mitten durch den Garten der
Johanniter zum Grünenwörth zu fuhren (18ö*26). In solchen Fällen
wäre das Kloster rettungslos der Willkür des Rates ausgesetzt ge-
wesen, wären ihm nicht drei Männer zur Seite gestanden, die im
Leben der damaligen Stadt selbst eine bedeutende Rolle spielteo-
i| 1:174, Jauuar 20 : Sttalll>ureer l'-B. VU, -169 iir. Ittly.
'1 ):I91t, Juni 30 inkonioi'iurte Hesse Scbles'cllioli ilas Baus zu ScblcitUtid c
tle]n zu Strasburg. Das Glied zu SrIileU-tadt, De'Kheim Kamt dem lern |taltu>f, )iatt>^
Konmd ron BraunsUorf bereits im Jahre 13S8 GiünanivOrih eingefügt.
147
und dadurch in der Lage waren, alles Unheil abzuwenden. Durch
das alles erhalten die Ausfuhrungen Kothe's über das Verhält-
nis zwischen Kloster und Bürgerschaft der Stadt Straßburg im
W.Jahrhundert') eine neue Beleuchtung und Bestätigung, wie denn
auch im Jahre 1381 das Johanniterhaus sich der Stadt gegen-
über verpflichten mußte, auf alle Kollekten und Ablässe zu Gunsten
des neu erbauten Spitals, das in den Augen der Stadt dem alten
Stadtspiial nur Konkurrenz machen konnte, zu verzichten 2).
Weiterhin offenbart sich in dem Pflegerbrief ein hoher, sitt-
licher Ernst, um den verrotteten Zuständen im Klosterleben Straß-
burgs abzuhelfen. Wie wichtig war nicht die Bestimmung, es
dürfe niemand unter zwantzig Jahren aufgenonmien werden ! Da-
durch war ein- für allemal dem Übelstand abgeholfen, daß der hohe
Adel seine minderjährigen Söhne mit Pfründen in Grünenwörth
versorgte. Außerdem mußte ständig eine bestimmte Anzahl Priester
in Grünenwörth vorhanden sein, nicht zu viel aber auch nicht
zu wenig, so daß das Kloster vor allen unnötigen Ausgaben be-
wahrt blieb. Solcher Priesterpfründen gab es anfangs vier, die
im Laufe der Jahre durch weitere Stiftungen anwuchsen 3). Daneben
erstrebte Rulmann, noch strenge Klausur für die Brüder einzuführen
(182*20). Darum stellte er den luxuriösen Klostergang her und
versah den Garten und das Haus mit allen Annehmlichkeiten,
mit Brunnen und Badestuben, die der Erholung dienen konnten.
Allein die Meisterschaft ging auf eine solche Bestimmung mit
Rücksicht auf die Zeit- und Ordensverhältnisse nicht ein, sie er-
achtete dieselben als nicht zum Frieden dienend. Waren so der
Vorteile für das Johanniterhaus durch die Konstitution Rul-
öianns viele, so waren doch die Nachteile für den Johanniter-
orden noch viel bedeutender, denn im Grunde genommen durch-
schnitt der Pflegerbrief den Nerv jedes Ordenslebens. Das zeigte
') Kothe S. 67 ff.
*) Straßbarger Ü-B. VII, 580 nr. 2005. Das Original (Straßburger Stadtarchiv
^> lad. 67) ist Yon Nikolaus von Löwons Hand geschriebou.
^ Dio ersten vier stiftete Rulmaun, die fQnfte (quinta missa debeat appellari)
^'^"^hu Zorn-Lapp, der spätere PÜoger am 7. Sept. 1377 (U-B. VII, 522 nr. 1801):
^ Sechste und siebente (que misse appellari dobeant scxta ot septima) am 4. August
^'^'S Heinrich ron Ändlau und seine Frau Agnes (U-B. VII, 534 nr. 1845). In diesem
^^maenhanff ist f&r die angeblich bereits am 24. September gestiftete St. Jakobs-
"'*'•« (Ü-B. Vn, 449 nr. 1544) keiw PJatz. NÄheres darüber uuteiv.
\0*
sich zunächst in der Aufnahme von Pfründnem, moch^f esTäien
oder Priester sein. Dadurch kam zu den eigen Üic-hen Ordensbrüdern
ein driltes dem .lohanniterorden fremdes Element, das das Ordens-
leben mehr slören als fordern konnte. Nicht umsonst klagt
Nikolaus von Löwen an verschiedenen Stellen über die Unruhe,
die solche Pfründner in das Haus bringen (128*10: I69'I2). Frei-
lich, lügt er bei, könne und dürfe man sich diesem Mißstand
niL-ht entziehen, weil Rulmann. der Stifter, dies so augeordnet
haha Bedenklich wurde aber diese Bestimmung, wenn Fraueuj-
personen als Pfrimdnerinnen autgenommen wurden, wie dies bei
Bertba Wetzet, der Frau Konrads zu der Megede, der Fall war.
Man merkt Nikolaus von Löwen deutlich die Verlegenheit an.
dieses Zugestündnis zu rechtfertigen {181*12). Heintzemann Wetzet
und Konrad zu der Megede, beide zu diesen Zeiten Pfleger, werden
es ihrer Verwandten zulieb ohne den Willen der Brüder so anzu-
ordnen ^ewutit haben. Für den vornehmen Bürger oder Ritter
mochte es angenehm sein, ein Haus zu wissen, in dem er ruhig
seine alten Tage verleben konnte, bedient von Ordensbrüdern,
die von Anfang an selber auf den Adel der Geburt und der
Gesinnung den grüliten Wert ;ielegt hatten und deren Ordens-
statuten nicht jene Strenge atmeten, wie die andern Klöster,
Ihnen sollte es „ein Haus der Flucht" ( 169*7) sein, wo sie ihren
Pfennig ehrbar zehren könnten. Darum machte auch Rulmann von
dieser Wohltat Gebrauch; anfangs wohnte er bei den Brüdern,
baute sich aber zwei Jahre vor seinem Tode eine eigene Wohnung
neben der Kirche, weil sein Leiden ihn an der Bewegung hinderte,
er aber dennoch die hl. Messe hören wollte (183*1). Noch mehr
jedoch wurde die Ordensdisziplin durch die drei Pfleger durch-
brochen und aufs tiefste gcfiihrdet. Welche Macht war ihnen
nicht über das Kloster gegeben! Im Grunde genommen leiteten
und regierten sie GrünenwÖrtb '). Sie waren die drei Pfeiler, auf
denen das Haus ruhte (62*10), der Komtur war nur das willen-
lose Werkzeug, um den Willen der Pfleger zu errüllen, in der Auf-
nahme und Entlassung der Brüder und Priester, in den Einnahmen
und Ausgaben und in allen äußern Angelegenheiten. Den Ordens-
149
Obern war nur die Strafgerichtsbarkeit und die Absetzung des
Komturs vorbehalten. Nirgends aber im ganzen Pflegerbriefe ist
bestimmt, was die Pfleger nicht tun dürfen, nur was der Orden
den Pflegern gegenüber zu tun schuldig ist. So konnten sie sich,
ohne den Widerspruch der Obern fürchten zu müssen, in alle
Angelegenheiten des Hauses einmischen, denn sie hatten ein sicher
wirkendes Mittel, die Obern zur Nachgiebigkeit zu zwingen: sie
durften ihnen nur die Güter entziehen und dadurch die Ordens-
brüder gleichsam auf die StralJe setzen.
So nahm Grünenwörth eine Ausnahmestellung ein unter
allen übrigen Johanniterhäusern. Das Kloster trug bloß den Namen
Johanniterhaus, war aber in der Tat nur ein Pfründnerhaus tür
vornehme Straßburger Familien, dessen Direktion in der Hand
dreier Pfleger lag, die sich aber zur Ausführung ihrer Pläne der
Johanniterbrüder mit ihrem Scheinkomtur bedienten. Von diesem
Gesichtspunkte aus werden wir nun verstehen, warum Rulmann
nül Augustinern, Zisterziensern und Dominikanern verhandelte,
kein Orden aber auf die artikele der heredunge eingehen konnte.
Darum legte Rulmann auch soviel Wert darauf, den Pflegerbrief
^^ht nur von dem Johannitermeister sondern auch von den
Komturen der Häuser in Oberdeutschland und von den Konventen
der Johanniterhäuser im Elsaß bestätigen zu lassen. Hatten sie
die dem Johanniterorden völlig fremde Konstitution von Grünen-
wörth anerkannt, so konnten sie niemals dagegen Einsprache er-
heben oder Grünenwörth von dem Johanniterverband aus-
scheiden. Gelang es Rulmann noch, die Zustimmung des obersten
Meisters zu gewinnen, dann konnten von keiner Seite Einsprüche
gegen die das Ordensleben im Grünenwörth regelnden Statuten
erhoben werden. Diese Bestätigung zu erlangen war deswegen
Rulmanns eifrigstes Bestreben, der Weg dazu mußte abermals
durch Schlauheit und Hinterlist (177*21) gebahnt werden, dadurch,
daß man dem obersten Meister den Wortlaut des Pflegerbriefs nicht
zu wissen tat, sondern nur im allgemeinen verlangte, er möge
die Stiftung in aller der wise, gedinge und beredunge (176*30)
bestätigen, alse dem ordene von Rülmanne namhaftikliche usge-
dinget ist, da diese Bedingungen keineswegs ividder götliche ere
und , Widder gesetzede des ordens (177*24) wären.
150
Auf diese Weise ist die Hofstätte von Griluen*örtli io den
Besitz des Johanniterordens übergegangen. Es begann die zweite
Bauperiode, welche mit dem Bau eines Armenspitals eingeleitel
wurde. Der Johannitermeister Konrad von Braunsberg iiatle die
Forderung einen Spitalbaues an Rulmann gestellt; so verlangten
es die Konstitutionen des Johanniterordens, der in der Pflege
der Kranken ein Hauptziel seiner Tätigkeit sah. Allein kaum
waren d.e Räume vollendet, als man das Spital wieder niederzu-
reilien begann samt der Kapelle zu Eliren der llOOO Jungfraueo
und dem tiir die Zisterzienser bestimmten, an Grünenwörth angren-
zenden Hause (9*26). An ihre Stelle sollte der schöne gewölbte
Chor treten, wie es der Wunsch des Komturs und des Konventes
gewesen war. Schon war das Fundament gelegt und das Gebäude
bis zur ebenen Erde autgetührt. als Rulmann wieder alles ab-
brechen lieü (178*18 ff.) und den Neubau der Kirche mit dem be-
schlossenen Ghor begann ussewemliy lier sicibo^ene tut der alten
kirc}ieH, die ouch tlomilte yew'Uert ist. Auch dieser Bau schaut«
schon aus dem Boden heraus, als sich auf einmal zwischen dem
Komtur, dessen Geduld durch Rulmanns Vorgehen auf eine harte
Probe gestellt war. und Rulmann DilTerenzen zeigten, bei denen, wie
vorauszusehen war, Rulmann Sieger blieb '). Zum erstenmale hatten
sich hier die großen Nachteile der Pflegerinstitution geoffenbart.
Eine solche Institution war eben nur für den Augenblick berechnet
und berücksichtigte ideale Zustände, wahrend in ihr wie von
selbst die Keime innerer Zerwürfnisse lagen, die im Laufe der
Zeit immer stärker sich entwickeln und vermehren mullten. Es
lag ja auf der Hand, daß der Johanniterorden, der nur der Not
gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, sich zu dem Vertrage
herbeigelassen hatte, mit allen Mitteln erstreben muüte, das lästige
Joch der drei Pfleger abzuschütteln. Und ebenso war voraus-
zusehen, dalf die drei Pfleger dahin strebten, immer mehr ihre
Machtbefugnisse, denen ja im Pdegerbrief keine Sehranke gezogen
war, zu erweitern. Das gegenseitige Zusammenwirken endlich
von Pflegern und Ordensnbern in der Besetzung von Stellen oder
in der Entlassung von Brüdern und Pfründnern aus dem Hause, bot
151
in sich schon Zündstoff genug zu gegenseitigen Reibereien. So-
lange nun Rulmann in dem Hause wohnte, war die Gefahr noch
gering, denn sein Wille entschied bei jeder Meinungsverschieden-
heit. Viel gefährlicher mußte sich jedoch die Sachlage gestalten,
sobald die durch Rulmann beherrschte Tradition im Hause durch
den Wechsel der Ordensobern einerseits und durch den der
Pfleger andererseits immer schwächer wurde. Das zeigte sich
denn auch, als Rulmann und seine Mitpfleger gestorben, und
Johannitermeister wie Komtur, die beim Pflegerbrief seinerzeit
mitgewirkt hatten, in ihrem Amte wechselten. Den besten Einblick
in diese Verhältnisse gibt uns der sogenannte Pflegereid vom Jahre
1393 (125*25), der unwiderleglich zeigt, wie schwer damals schon,
faium 10 Jahre nach Rulmanns Tode, die Pflegerinstitution ge-
fährdet war. Der Stadt Strasburg wie der Meisterschaft des
Johanniterordens waren ettelkhe puficte und aHickele (125*37)
des Pflegerbriefs sehr unangenehm, die sie darum zu beseitigen
trachteten. Allein die Pfleger wehrten sich festiglich und brachten
es mit Hilfe bewährter Lehrer, die um authentische Auslegung
des Pflegerbriefs ersucht wurden, dahin, daß die Meisterschaft
wie die Stadt den Pflegerbrief anerkannten. So ist der Pfleger-
eid gleichsam ein Notschrei, um in Zukunft aflen Zwist, alle
Angriffe auf die von Rulmann dem Hause gegebene Institution
zu beseitigen*). Allein auch so hätte das Haus die Krisis nicht
'l DaÜ noch später der Pnogerbriof dorn .Johannitorordcn ein Dorn im Auge
*»r. zeigt eine Verhandlung auf dem Straf^burgor Generalkapitel vom Jahre 1417. —
1417, Oktober 2. Bruder Hugo von Montfort, Meister in deutschen Landen, beur-
kundet, daß Erhard Thomann, Komtur, und dio Brüder des Johanniterhauses zu Straß-
borg, auf dem Kapitel zu Strasburg vorgebracht haben : Konrad von Braunsberg,
Meister in deutschen Landen, habe zugegeben und angeordnet, daß jeder Komtur des
Straßbarger Johanniterhaasos alljährlich vor den BrQdern und drei LaienpÜegern Rechnung
ablegen mösse : stellt sich dabei heraus, daß dieser das Haus geschädigt hat, so
müsse er abgesetzt und mit Zustimmung der Brüder ein anderer gewählt werden.
Um allen Streitigkeiten vorzubeugen, wird obige Bestimmung näherhin dahin erklärt :
sobald ein Komtur des Hauses stirbt, soll der jeweilig? Ordonsmoister genanntes Haus
einem andern Komtur übergeben mit Rat und Wahl der Brüder des gen. Hauses.
Data sabbato post festum b. Michahelis arch. in capitulo nro. Argentine colebrato 1417.
Die entscheidende Stelle lautet: Conradus de Brunsperg olim prioi' ptno-
ratus [AlamannieJ per sucts litteras indulsefü et ordinaverft, qiwd quilibet com-
mendaior domus Arg. singulis annis racionem swe computacionem facere debeat
eoram untpersis fratribus et tribus gnbernatoribu8 laicis domus tnemorate ; H %\
152
überstanden, auch s;) wäre die Pflegerinstitutioii ihrer äicherr
und baldigen Aullösung entgegengegangen, wenn Nikolaus von
Löwen nicht der Reiter in der Not gewesen wäre Er war ja
stets das gefügige Werkzeug Rulmanns gewesen; auf Rulmanni
Wunsch bin wurde er Weltprie^ter, um nach Rulmanns Willen
Grünenwörtb vorstehen zu können ; und als die Johanniter von
der Hofstätle Besitz ergreifen, vers|»ürt Nikolaus von Löwen soforl
Beruf zuiu Ordensieben, um auch hier die hiteressen Rulmanns
vertreten zu können. Und er hat diese Interessen auch ver-
treten, denn er hat den Hauptanteil an der Abfassung des Pfleger-
briefe3(l371)'); seinen Geist alraet am;hderPt!egereid(1393). Wirö
er nun nicht alles wagen, um die ihm ans Herz gewachsene, weil
von ihm und Rulmann stammende Plleger-Institution zu retten;
Er wuHte zu gut, daß mit dem Pdegereid, der sein eigenes Werk
in Schrift und Wartlaut isl^), nicht alle Bedenken gegen die lästige
Nebenregierung der drei Pfleger, welL'he den Obern wie der StadI
Strallburg ein Dorn im Auge waren, verschwunden sein konnten
Moralische Stützen haben nouh immer weiter gereicht als phy-
sische Gewalt, Darum entschliellt sich Nikolaus von Löwen zui
Dichtung des Gotlesfreundes. Nicht auf einmal freilich
ist sie ins Leben getreten; schon vor der Krisis in den neunziger
comprHum fuerit quod Ijisf dotnuni daiiijmifieavfri't, quod tunc amoeeri debtai
ft Kiius aHtt- siibalitui cum consitio ningnloriim fralrum eiusdem dornus. El lu
futurie ttmporibu» nulla discordia necque et-ror oriantur ft iit nciam domui
onlfdicta in »ua ivra ardii aciaae et statu religimo permoHtat de consilio prr-
ceptofitm giipradictorum predicta clariiiB declararüniia in hunc modum eideliert,
giiod quandocunqiie contigerit couimeitdatorem eiugdem dutitus mori «t di«m tUMV
ctdudtre extreninm, quod tunc noa ei umna aucccMoi-ea noatri debetnus cmntnil-
Irrt eandnn doiiium qiiotiena caau» occiirerit um' tüttri eitm euntttio et elfcciont
frati-iim domue pitseriple. — Obige Yerfüjuag bost.ltigt uutar dmu i. Oktober 14i6
Br.Lilai Pbilibert Ae Nulbacu, oberster JofaaDUitorordenitiiiaister. Die papstliciie Be-
etutigung erhalteu ähsa .UiiiaFhuiigen uut«r dem lö. April 1133. IKopiu Beiirks-
arcbir U i:l.'il|. — KiugerQckt iii eiu NotariatsiuEtruiuent vuii 14:ii : Or. Builrkearcb.
StroChurg |U 13ri4|. Diu Urliuude zeigt ziitileicb. wie die Pfleger sich imniür mcbr
Befugaisse mizuoiguen suctiteii. Die ii i « i t i v e □ Pflicbtoii dvr Pdeger nerdea ',iS:r30 S-
bestimmt, dio nls Ergütiiuag des Pttegeibripfcs unzuBehaii sind. Ober deren Eutst«huD;«-
zeit ich aber nichts uähereit ausfindig machen konnte.
') Der Pflcgorbrief ist Tgn Nikuisns von Lünen eis;eub«ndig gcsobrieben. Siben»
') Vgl. Sciitifttfltel Xr. -1.
153
Jahren waren die Fäden angezettelt, es bedurfte jetzt nur sie weiter
zu spinnen und in richtiger Weise zu einem einheitlichen Gebilde
zu verweben. Diese Entwicklung in ihren einzelnen Phasen zeigt
uns am besten die Chronik. In ihrer ursprünglichen Gestalt
drückt sie nur den Gedanken aus: die Wiederherstellung der
zerfallenen Hofstätte zum Grünenwörth und noch mehr die Über-
gabe derselben an die Johanniter ist ein Werk der hl. Dreifaltig-
keit, die zur Ausführung ihrer Pläne sich Rulmanns bediente, ihn
innerlich erleuchtete und antrieb das gottgefällige Werk auszu-
führen. Und Rulmann folgte dieser inneren Anregung, der bei der
Gründung von Grünenwörth nicht sich, sondern in allem nur die
Ehre Gottes im Auge hatte. Wer aber stets Gottes Ehre zu be-
fördern sucht, der ist ein Gottesfreund. So ward Rulmann zum
«Gottesfreund'-. Dadurch nimmt er keine andere Stellung in der
Geschichte von Grünenwörth ein als der erste Stifter des Hauses,
Werner von Hüneburg, durch den Gott ebenfalls seine Werke
wirken wollte. Auch dieser folgte der Gnade Gottes und wurde aus
einem „Wüterich" ein „Gottesfreund" i). In diesen Gedanken liegt
demnach noch keine Fälschung vor. Es ist eine ideale, der Wü'k-
lichkeit freilich nicht entsprechende Darstellung der Gründungs-
geschichte von Grünenwörth, die von dem christlichen Gedanken
ausging, daß alle große Unternehmungen eines Menschen und
dessen Erfolge in letzter Linie auf Gott zurückzuführen sind.
Eine Weiterbildung erfahren diese Ausführungen durch den
ersten Teil der Traktate. Nikolaus von Löwen hält den Gedanken
fest: Rulmann ist ein Gottesfreund, um darauf nun alles weitere
aulzubauen. Und was war natürlicher als die Auflassung: Rulmann
als Gottesfreund steht im Verkehr mit andern Gottesfreunden, liest
ihre Schriften, schreibt selbst solche und führt ein ähnliches
gnaden- und wunderreiches Leben wie sie. Von diesem Gedanken
ist jener allgemeine Satz Nikolaus von Löwens beeinflußt: in all
diesen Traktaten sollt ihr unter dem einen Gottesfreund Rulmann
selber, unter dem andern dagegen seinen intimen Freund vom Ober-
land verstehen (24*4). Damit leitete Nikolaus von Löwen bewußt
und absichtlich eine falsche Interpretation ein, die sich dahin
«) Vgl. 14*12 ; aro : 46*7 : 149*20 : lG:ri5 : 209*6 imd im Glossar unter dem
Wort «Oottesfreund.*-
steigerte, (iall er RLitmanii Schriften ;!uschrieb, die er niemali
geschrieben, interpoliert oder gar verfalit hat. Fortan steht das
ganze Tun imd Lassen Ruimanns unter dem Schulze seines ,4ieber
heimlichen Freundes im Oberland". Ihn fragt er bei den wich-
tigsten Entscheidungen seines Lebens um Hat. Und was wän
wichtiger gewesen als die Wiederherstellung von Grünenwörth
was bedeutungsvoller als der Pjlegerbrief, der für alle Zukunf
dem Hause und seiner ganzen Einrichtung als Richtschnur dienet
sollte? Darum verbindet Nikolaus von Löwen in der ersten Über
arbeitung seiner Chronik den Namen Ruimanns mit dem Naraei
seines heimlichen Freundes im Oberland, der überall durch Ra
und Tat auf Ruimann einwirken mulite 'j. Daneben verfolgte Nikolaui
von Löwen in den Memorialbüehern den durchaus praktische)
Zweck, seine Mitbrüder zum Streben nach höherer Vollkommenhei
anzueifern. Deswegen behauptet er: Ruimann habe noch va
seinem Tode alle Schriften, die er ihnen in den Meirorialbüchen
nun vorlegt, selber geschrieben und gleichsam als letztes hebe
Angedenken den Brüdern des Hauses hinterlassen, damit sie nacl
seinem Beispiel den Geist eines höheren, übernatürlichen Lebeni
stets in sich wach erhallen.
So hatte Nikolaus von Löwen auf Kosten der Wahrheit dii
Stiftung und den Stifter von Grünenwörth verherrlicht, ein«
Fälschung, die umso milder zu beurteilen sein wird, als Nikolau:
von Löwen ja mit allen Fasern seines Herzens an der Stiftunj
Ruimanns hing, dem er seine Lebensstellung wie den Lebens-
unterhalt verdankte.
Damit hülle die Fiktion Nikolaus von Löwens sicherlich ihrei
Abschluß gefunden, wenn nicht die Zeitumstände ihn zu weiterer
Sirhrilten genötigt hätten. Von den neunziger Jahren at
wird darum Nikolaus von Löwen zum Apologeten des
Ptlegerbriefs sowie seiner über Ruimanns Leben früher aufgestellten
apodiktischen Thesen. Abermals kamen ihm hier die mystischer
Traktate zu Hilfe, deren Gedanken er nur zu übernehmen und
auszuführen brauchte,
155
Unter diesem EinfluÜ erhält darum das Erste Lateinische Me-
morial eine ganz andere Gestalt, oder besser, es wird als veraltete
Anschauung über Rulmann und seine Stiftung außer Kurs gesetzt ;
jetzt wird dem Großen Deutschen Memorial der zweite Teil bei-
gefügt; jetzt entstehen die Pfleger memoriale, von denen weder
Rulmann noch dessen Mitptleger etwas wußten; jetzt erhält auch
der dritte Johannitermeister seit der Erneuerung von Grünenwörth
sein eigenes Meistermemorial, wie es weder Konrad von Brauns-
berg noch dessen Nachfolger besaß, nur um jene Szenen zu ver-
hüten, wie sie beim Regierungsantritt seines Vorgängers sich
ereigneten: lauter Beweise, daß Nikolaus von Löwen nichts anderes
bezweckte, als in den neuen Pflegern und den neuen Ordens-
obern die Tradition aufrecht zu erhalten, wie sie Rulmann be-
gründet hatte, damit niemand es wage den Stiftungsbrief anzutasten,
auf dem Grünenwörth ganz aufgebaut ist So hatte denn auch
die Chronik des Johanniterhauses, wie sie in ihrer älteren Gestalt
im Ersten Lateinischen Memorial enthalten war, die zweite Um-
arbeitung und Erweiterung erfahren müssen. Aber wie unge-
schickt ist Nikolaus von Löwen dabei verfahren ! Schon oben ist
darauf hingewiesen worden, daß die Zusätze im ersten und vierten
Kapitel rein äußerlieh angefügt sind, während wir die dort ausge-
sprochenen Gedanken — wenn ursprünglich — sicher zu Anfang
des vierten Kapitels hineingearbeitet erwarten müßten.
Von dem Standpunkte der Apologie aus ist dann auch leicht
erklärlich, wie ein ganz neues Kapitel, das 11., beigefügt wurde,
ohne daß es in den Zusammenhang von 10 und 12 paßt, aber
den gleichen Zweck verrät, von dem auch der Pflegereid (1393)
spricht Denn ausdrücklich wird hier als Zweck der Chronik
bezeichnet: das die ere gottea und sine gnadenrichen wer ck und der
gute götlirh anefang der erbern gesellschaft de sie minner ab»
gange und zerstört werde von unser n nachkamen (183*33) und
ebenso, daß die Brüder nicht ., wankelmütig" werden. So begreift
man auch, daß das 8. Kapitel eine besondere Umänderung erfahren
mußte, da die ursprünglich geschilderten Zwistigkeiten zwischen
Rulmann und Komtur nicht zum Bilde des „Gottesfreundes'' paßten,
to den Anfang dieses Kapitels kam als neuer Bestandteil die Be-
hauptung herein: der Pflegerbrief ist deswegen einzuhalten, weil
er gemacht ist mit rote der erluchteten goftei*f runde und etteliclxev
15G
ffelerter iiiriateiiHnr/er in {in*S3)'-)- Darnach würde man annehmen,
Rulmann habe diesen Brief, bevor derselbe seine Vertragsgütigk^t
erlangte (d. h. vor Januar 1371), oder wenigstens vor der Be-
stätigung durch den obersten Meister der Johanniter, an die Gottei-
freunde geschickt, ohne deren Rat Rulmann ja keinerlei sache gerne
enden wolle (177*29). Nach Nikolaus von Löwen sendet aber Rul-
mann diesen Brief erst nach dessen Bestätigung durch Raimund
Berengar an die Gottesfreunde*), ein deulUches Zeichen, dali solche
Gedanken der urspriingliclien Chronik fremd waren und jetzt aus
apologetischer Tendenz eingefügt wurden. Dal) den Gottesfreunden
die artikele des briefes alle gar wolgerielent{\Tl*50), ist unter solchen
Umständen selbstverständlich. Jeder Widerspruch wäre ja rein
illusorisch gewesen. Die darauf folgende Ermahnung an die Pfleger
(177*35 ff.) zeigt deutlich, data dieser Einschub nur für das Ffleger-
buch bestimmt war, darum im Ersten Lateinischen - oder Kleinen
Deutschen Memorial noch nicht stehen konnte.
Die ursprüngliche, einfache Gestalt der Chronik hat demnach
eine zweifache Umarbeitung erfahren*), jedeämal bedingt mid be-
einflullt durch die Zeitumstände und im Anschluß an Gedanken,
wie sie die anonym-my.stischen Traktate enthiellen: das erstemal
unter dem Gedanken, Rulmann ist ein Gottesfreund und handelt
wie ein Gottesfreund ; das anderemal unter dem Einilusse, den
Pflegerbrief gegen alle Anfeindungen sicher zu stellen.
Dali in den Jahren 1390-1.193 in der Geschichte von Grünen-
wörth ein Wendepunkt eingetreten ist, die den Tendenzen Niko-
') Zu boHcbUu ist auch, ilall iin FQnf-Miiniii>Dbiich uur von eine ui JiirisUii
ilie Kade ist (SOr:)"), wie es KTlJS rielitiB »nsegeben ist. Ein paar Zeilon dsmuf
red<:t jadocli Xilcoluua villi Loneii GCboii van Jiiristnii (177*33i:
»I Doli mit dai» Wort „Briet" (17""->.j| das «iBemsl dur Bbs ts tiir»u|s-
brief des Kuiiiiund HeriiaifU', das iiLdureiiinl der l'f Ic git rb rl o f rerEtaiideu i^t.
1) Wir haben aas demnach die Chronik zuiiiUbat als separat Kebundenas Büchiein
vorzustollen, dessen cinraohor Te:it im Ersten Liteiniscban- und dorn Ton ihm abfc-
leiteteu Kleinen Deutschen Memorial seiue erste und in den Pfleger nie in urialen seiue
zHcitu Überarbeitung erfabien bat. Vielleicbt wurde die erste CberaibeitiiDE aurli
erst im Kleinen Deut^ehen MeiiiDrial vorguuonimen und darnach eiiii|[e Stellen im
Ersten Latein Ischen Meiueriai ausradiert und verbessert. wAbrend das separat gebun-
dene HQchleiit Hie da> Er»ite Lateinischem Memorial ursprnii glich den einfachen
Teit i'nthitOten. Auch die-e Antiohmo itiidert nichts an den "bigen Ausfilbning«!.
157
laus von Löwens eine ganz andere Richtung gaben, zeigen auch
die Vorgänge, welche sich anläßlich der sogenannten St. Jakobs-
messe abspielten 1).
Die Stiftung dieser Messe knüpft an den Namen Heinrich
Blankharts von Löwen an, in dessen Diensten Nikolaus von
Löwen gestanden hatte. Zur Sühne eines Mordes hatte Blankhart
eine Wallfahrt nach Santiago diCompostela zu unternehmen gelobt,
die jedoch wegen der Unsicherheit der Wege nicht ausgeführt
werden konnte. Mit päpstlichem Dispens vom Gelübde entbunden,
wurde ihm die Verrichtung anderer guter Werke als Ersatz auf-
erlegt An verschiedenen Punkten zeigt sich auch in der Folge-
zeit seine Mildtätigkeit zur Ehre Gottes und zum Wohle der Armen
und Kranken^). So vermacht er unter anderm dem Spitale zum
Grünenwörth eine jährliche Gülte von 4 U 4>^ deren Nutznießung
vorerst Nikolaus von Löwen zeit seines Lebens haben sollte. Auf
seinem Todbette hatte er ferner Nikolaus von Löwen zu seinem
Testamentsvollstrecker ernannt und ihm eine Summe zur Stiftung
einer Messe zu Ehren des hl. Jakobus übergeben, die eine jähr-
liche Rente von 8Ä/^ abwarf. Allein nach seinem Tode (11. Ok-
tober 1371) ergaben sich in der Durchführung dieser beiden
Legate mannigfache Schwierigkeiten.
Einmal wurde kurz nach dem Tode des Heinrich Blankhart
das Spital zum Grünenwörth niedergerissen und die Kranken auf
den Aussterbeetat gesetzt (9*26), da fürderhin keüie Kranken mehr in
(iriinenwörth untergebracht werden sollten. Wie und wozu sollten
öun die Stiftungsgelder verwendet werden? Wohl sollte sie Nikolaus
von Löwen genießen, solange er lebe, wer aber nach seinem Tode?
Mit dem Rate „bewährter Lehrer's und mit Zustimmung der Frau
des Heinrich Blankhart von Löwen wurden die 4 9»/^ jährlich
den Brüdern zu pietancien übergeben und eine genaue Ordnung
dafür festgesetzt (9*36 ff.)- Da veränderte sich die Sachlage aber-
mals, als im Jahre 1381 ein neues Spital gebaut wurde^), und so
*'e Stiftung des Heinrich Blankhart aufs neue wieder auflebte,
^s ist nun begreiflich, daß die Brüder das einmal zu pietancien
'stimmte Geld nicht so leicht aus der Hand geben wollten. Doch
') Für die fol^nde Darstellung vgl. 3*1 12*4 ; 208*10, 10, 28 ff.
*) Vgl. ans anm.
*) Vgl. 10*18 anm.
I5U
half wieder der Hai eines der grölilen Lelirer, des Johann von
Siihäffolsheim, der ron gnoden und von gesckrlft ein richsinniger leol
wissender lei-er utid leaemeister (ll*i) gewesen ist. Sein Ral ging
dahin, daß die 4 ^ ^ eime spitlal zu dem Grünenuierde eicidicli
hlihen soUe den armrn dih'ftigen zu diensfe noch des gebers erste be-
girdv und iiingester willt(l\*7). Die Begehrlichkeit der Brüder mußte
also einem das Gewissen verpflichtenden Rale eines Goltesgelehrten
zum Opfer fallen, mag nun die Erzählung Nüolaua von Löwens auf
Wahrheit beruhen, oder mochte er selbst den guten Ral ge-
geben haben, um die Stiftung seinem ursprünglichen Zwecke wieder
zuzuführen').
Auch bei der Durchführung der St. Jakobsmesse kam es zti
Verwicklungen mit den Johannilerbrüdern, die wir zunäehsl nach
der Darstellung des Nikolaus von Löwen verfolgen wollen. Die
gestiftete Jahresrenle von S ^ ^ reichte zum Unterhalt eines
eigenen Kaplans nicht aus, da die übliche niederste Taxe 12 ff 4
betrug. Von vornherein weigerten sich darum die Johanniter einen
eigenen Priester zur Persolvierung dieser ungen igeod dotierten
Pfründe einzusetzen. EsgelangjedochNikolaus von Löwen, die Frau
Heinrich Blankharts, Luitfiard, zu bewegen, die fehlende Summe
zu ergänzen, so dall die Stiftang am 24. September 1372 ihre recht-
liche Gültigkeit vor dem Richter des Straßburger Hofes erhalten
konnte (5*1). Zur Aulrejhterhaltung dieser Stiftung waren drei
weltliche Pfleger bestimmt: Kuno gen. Gürteler, Wilhelm genannt
Gürteler und Friedrich gen. Büchsener. Im Laufe der Jahre waren
an Stelle des verstorbenen Kuno und Friedrich Klaus Büchsener
und Klaus Schmalriem getreten, die jedoch am 4. April 1388 ihr
Pllegeramt den gemeinen Pflegern des Hauses übergaben^*). Die
Gründe für diese Maliregel sind wohl zu beachten: Wir hanl alle
drge, heißt es, einheUeklicke anegesehen abelehssikeit und sumems2t
itnsevre nochkutnmen, also das wir vörhlent, das steh vtUihte
nach uns nif.man me bektimbere oder underwinde die
') .\urralleui1 Ist, dail all« Si-bwierlglctiten stvta mit rote der bfirerletten Ifrer
('r33: 11 '10) aus dem Wage Evr&umt wecdea. Das lüGt ilatuiir echlioQea, dal) diex
steruritypo F»rmcl nur fluo ai]OiiFm-iii.vstischi.'ti Truktateii vutl«hiit ist, «o ahnlicIiL'
Aiitidrüclie retacbiadsnonial rnTkn^iimen.
') StrallbiirBer U-B. VH, «7» iir. SSriS, eino U.liuiiilc, die oichl im Ori^niJ
159
wesse zu hanthabende utid die pflegere zu ursohssende noch
des torgenanlen Heinrich Blanghartes von Lofen seligen hegirde
und meinunge in aller heredunge desselben besigelten latine bHefes,
darumb so hant tcir einmüfikliche gekosen und gewelet die drye
erbern weltlichen pflegere des . . . huses zu dem Grünenwerde. Die
AufrechterhaltuDg der ursprünglichen Ordnung im Johanniterhause
war also das Motiv, das bei dieser Veränderung mitwirkte und
die Befugnisse der Pfleger von Grünenwörth aufs neue steigerte.
Wie notwendig es war für die Aufrechterhaltung dieser Messe
Sorge zu tragen, sollte sich einige Jahre später deutlich zeigen.
Im Jahre 1391 nämlich kam Nikolaus von Löwen wegen der
St Jakobsmesse in neue Kollision mit seinen Brüdern (6*1). Diesmal
handelte es sich um die Frage, in welcher Weise und nach welchen
Rubriken die Stiftung des Heinrich Blankhart zu persolvieren sei.
Nikolaus von Löwen hatte soeben das lateinische Memorial voll-
endet (5*2) un(f war dabei auf die Bestimmungen des Stiftungsbriefes
aufmerksam geworden. Diese Bestimmungen schienen ihm bisher
nicht erfüllt zu sein, und so trat er mit dem Hinweis auf den
früher beschworenen Stiftungsbrief mit neuen Anforderungen vor
die Brüder, die nicht ohne weiteres auf diese Forderungen ein-
zugehen bereit waren. Denn das Stiftungsgeld, das nach kirch-
lichen Bestimmungen nicht angegriffen werden durfte, war längst
nicht mehr vorhanden, l^ulmann Merswin hatte es zum Bau des
großen und prächtigen Klosterganges verwendet (9* 15). Die Stimmen
der Unzufriedenheit wurden darum immer lauter, als ob die Brüder
nüt der Persolvierung der St. Jakobsmesse wohl die drückende
Last aber keinen Nutzen hätten, und so erhob sich die Frage,
ob man überhaupt, und wie man eventuell verpflichtet sei, den
Willen des Stifters zu erfüllen. In dieser kritischen Lage erholt
sich Nikolaus von Löwen abermals den Rat eines geistlichen gelerten
pfaffen kartüser ordens (6*4), der die Entscheidung fällt, man
müsse in allen Dingen den Anordnungen des Testamentsvoll-
streckers, d. h. des Nikolaus von Löwen, Folge leisten. Darum
verfertigt Nikolaus von Löwen mit Hilfe des Karlhäusers durch
der brüdere friden willen eine Tafel, die in der Sakristei ange-
bracht wurde, und auf welcher die Regeln für die Abhaltung ge-
nannter Stiftung genau bestimmt waren (6*39). Ferner wies Ni-
kolaus von Löwen die Brüder darauf hin: niemand \\ä\X^ ^tvitvdi
100
»ch zu beklagen, als genieüe er die ^tiflang nicht, da der mi
8tiflungsgeld erbaute Klostergang sunäeiihfie der naturen eing.
behtlf und ufenthalt ist aller tirüdfre (9*21), Aber gauz
sehen von der den Jtihannitern obliegenden Rechlspfliclil s
die Brüder schon aus LiebesptÜcht gegen die ständige Abhf
der St. Jakobsmesse keinen Widerstand leisten, da deren £
Heinrich Blankhart von Löwen, wiihrend seines Lebens Gr
wörth stets nur Wohltaten erwiesen habe.
So halte auch hier die Tatkraft Nikolaus von Löwem
Sieg davongetragen. Es waren ledigiiuh moralische Alitte
er anwandte, um den Brüdern das Gewissen zu schärfen,
dritten Unbeteiligten iUiit er die Streitfrage entscheiden,
nach der ganzen Sachlage nicht anders urteilen konnte
der Testamentsvollstrecker habe das imbeschränkte Recht,
die Durchführung Bestimmungen zu treffen. Damit warer
Anordnungen Nikolaus von Löwens sanktioniert und die Ji
niter im Gewissen verpQichlet, diesen Anordnungen nachzukoQ
Allein diese ganze Darstellung fordert die Kritik zur I
Prüfung heraus, ob sie überhaupt auf Wahrheit Anspruch mi
kann. An dem Wohltätigkeitssimi Heinrich Blankharls ist fr
nicht zu zweifeln, da dieser durch die Stiftimgen vom 22.
tember 1371 (8*13 anm.) aulier Zweifel gestellt ist. Aber a
liegt die Frage, ob er auch in der Tat die Sl Jakobsmess
stiftet hat. An der Erzählung Nikolaus von Löwens fällt zun
die Bemerkung auf, Heinrich Blankhart habe keine Zeit g(
die Stiftung selber zu vollführen, w > er doch kurz zuvo
22. September 1371 zu eime rehten selgerete eine Anzahl
Stiftungen macht. Der j^anze Stil tungs Vorgang der St. Jakobsi
beruht demnach auf dem, was sich zwischen Heinrich Blan
(gest. 11. Oktober 1371) und dessen früherem Sekretär, Nik
von Löwen, an dem Todbette abspielte, also ein Vorgang, bei d
Annnahme wir ganz auf die Glaubwürdigkeit Nikolaus von Li'
angewiesen sind. Ebenso auffallend ist, dalt die Brüder voi
Stiftungsurkunde der Messe und der Art ihrer Ausführung neui
Jahre lang nichts wußten und auch glaubten, daß man in Zu
an diese Urkunde sich nicht halten werde. Nicht minder aul
ist das Benehmen Rulmann Merswin?, der das Stiftungsgeld
Baa der Kirche und des langen Ganges verwendete, statt i
161
nutzbarem Gute anzulegen. Das alles legt den Gedanken nahe,
daß der Revers des Johanniterhauses vom 24. September 1 372,
durch den die Stiftung ihren urkundlich beglaubigten Ausdruck
findet, eine Fälschung Nikolaus von Löwens sei. Inhaltlich
freilich bietet die Urkunde zur Beanstandung keinen Anlaß, aber
merkwürdig ist doch, daß an dem angeblichen Original alle Siegel
fehlen, und daß statt dessen an den Siegeleinschnitten einer in
der bischöflichen Kanzlei ausgefertigten Urkunde von Nikolaus
von Löwens Hand die Namen der einzelnen Personen stehen,
deren Siegel an der Urkunde hängen sollten. Eine zweifache Mög-
lichkeit wäre nun denkbar: die Urkunde ist entweder in der
bischöflichen Kanzlei nicht ausgestellt worden, sondern nach
Schrift und Inhalt ein Fabrikat Nikolaus von Löwens ; oder aber :
die Urkunde ist zwar in der bischöflichen Kanzlei geschrieben,
aber wegen des Widerstandes der Brüder, von dem Nikolaus von
Löwen berichtet, nicht ausgefertigt, d. h. nicht besiegelt worden.
Im innigsten Zusammenhange mit der Stiftungsurkunde steht
die Urkunde vom 4. April 1388 (207*14 ff.)i in welcher der Wechsel
der Meßpfleger eintritt. Eine Prüfung dieser Urkunde auf ihre
Echtheit oder Unechtheit ist zur Zeit unmöglich, da das Original
nicht bekannt ist Möglich aber wäre es, daß wir es nur mit
einer rückdatierten Urkunde zu tun haben, die gleichzeitig mit
dem Pflegereid (1393) entstanden ist. Ihr Inhalt wenigstens ent-
hält dieselben Gedanken, wie 5*1-6*3 und 125*29 ff. Die ganzen
Maehenschaflen Nikolaus von Löwens wären dann lediglich aus
dem Bestreben zu erklären, auch dem Wohltäter von Grünenwörth,
der bei seinen Lebzeiten mehr als 1 300 fl. dem Hause zugewendet
hattei) und mit dem Nikolaus von Löwen einstens so eng verbunden
^ar wie mit Rulmann, dem er auch denselben Beistand an seinem
Tode leistete wie später Rulmann, ein Denkmal der Pietät zu
^tzen, das in der Stiftung einer mit besonderer Feierlichkeit
^angenen Jahrzeit seinen ideal schönen Ausdruck fand. Dazu
l^onnte Nikolaus von Löwen die Johanniterbrüder moralisch umso
n^ehr verpflichten, weil empfangene Wohltaten zur Dankbarkeit
verbinden, imd er annehmen konnte, daß auch dem Willen des
^'erstorbenen nicht entgegengehandelt würde. Drang Nikolaus
') 6*86.
L u
von Löwen anfangs mit seinem Vorhaben nicht durcli, so konnte
es ihm 20 Jahre später mit Hilfe einer erfundenen Urkunde viel
besser gelingen, da Ja niemand die Richtigkeil zu prüfen imstande
war. Die einzige Schwierigkeit, die man vorbringen konnte, war
nur die, daß kein Stillungskapital vorhanden war; allein Nikolaus
von Löwen verweist seine Brüder darauf, daß sie ja alle die
Wohltaten des Stifters tagtäglich in dena SL-hönen Bau der Kirche
und des Kreuzgauges genielSen, für die Rulmann, „der erleuchtete.
ühernatiirUch große Gottesfreund" (209*6), das Geld verwendete. Die
letzten Bedenken entfernte dann wiederum der Hat eines gar erlern
geistlichen gelerten pfaffen karti'tser ordena (6*4), der sie im letzten
Grunde doch wieder an das „Gewissen" Nikolaus von Löwens
verwies. Historisch an den Ausführungen Nikolaus von Löwens
wiire demnach nur, dal) Heinrich Blankharl samt seiner Frau
Luilgard ein Wohltäler des Klosters war, der noch auf seinem
Todbetle, jedoch ohne nähere Bestimmung, Nikolaus von Löweu
eine größere Geldsumme übergeben ließ, das Hulmann Merswiii
zum Bau des Hauses verwendete. Nikolaus von Löwen aber glaubte
seiner Anhänglichkeil an seinen früheren Lehrmeister, der Uim
noch kurz vor semem Tode eine jährli(;he Renie von 4 (? -^ aa«-
warf, keinen schönern Ausdruck verleihen zu können, als wenn
er alle Brüder aneiferte für die Seelenruhe des Verstorbenen zu
beten, was am besten durch Abhaltung einer feierlichen Jahrzeil
geschehen konnte').
Alle diese Vorgänge stehen in engstem Zusammenhange mil
der Anfertigung der Memorialbücher, denn erst dadurch wurden
die Brüder auf ihre neuen Verpflichtungen aufmerksam. So ver-
bindet sich mit dem Angriff auf den Pllegerbrief gleichzeitig der auf
die Bestimmungen der Stifter überhaupt. Die ganze Institution des
Hauses ist wenige Jahre nach Huhnanns Tod gefährdet; die Obern
■l Von iem ^ t. Jakobsaltar lipricht iio<:h lUa Urkunde tou 13SS üinli
(11' snm. ii), KobsL jedoi^h mit in Betrncht zu zieti«a ist, daG auch diese Vitaai»
von Nikolaus von LOwen oigvnhandig gHSchrieban ist. Das AnDiiersar beieicluct
ihn ainfacb als ,altar« upu^tuloruin" (10' aam. T|. Diu Cbruntk erwähnt von di»"
Stiftune nichts (vgl. 1S0*6). EiH gawichtigos ZeuBnis für die fAlschende D»f
Btellung Nikolaus von Lowens ist der Umstand, ilati dio St. Jakobsmeiaa, ^>
zeitlich nacli der Stiftung Kulmaans kouiuieii sollta. in die Reihe der urkuDdlich p-
stiftetea Fhanäea nicht hiiieinpallt (vgl. obeu S. 14 7 Aum. i).
163
3 Brüder wollen die Last abschütteln, die ihnen durch ihre
auferlegt wurda Wenn es ihnen nicht gelang, so ist
lein Nikolaus von Löwen zuzusehreiben, der die vorhan-
Urkundenbücher zu einer Apologie der Institutionen des
umgestaltete, die, wie wir noch sehen werden, ihren Höhe-
im Briefbuch und in der Anfertigung der beiden eigenhän-
iTiten der Stifter erreichte. Die Ursachen der angeführten
Tigkeiten jedoch gehen in ihrem letzten Grund auf Rul-
nirück, der dem Hause eine unerträgliche Institution in dem
brief aufbürdete, mit Stiftungsgeldern nach freiem Ermessen
te, ebenso wie er das alte Spital, zu dessen Gunsten Hein-
m Löwen em Legat vermacht hatte, abbrach, ohne sich
zu künmiem, wie die dafür gemachten Stiftungen ander-
verwendet werden sollen. Erst als Rulmann von der großen
rulst, d. h. der Wassersucht heimgesucht, dem Tode nahe,
i war das Pflegeramt zu versehen, und bereits andere
'' an seine Stelle getreten waren, drängt der Johanniter-
r abermals zum Bau eines Spitals, das der neue Pfleger
J von der Megede erbauen ließ. Von einer Mitwirkung
iner Zustimmung Rulmanns ist keine Rede mehr. Von der
engen und schmerzhaften Krankheit erlöste ihn der Tod am
li 1382, das Haus zum Grünenwörth in Institutionen ver-
ä, die den Keim der Auflösung in sich selbst trugen und
lenschenalter überdauert hätten, hätte nicht Nikolaus von
^ der unzertrennliche Freund Rulmanns im Leben wie in
hartem Todeskampfe, dem von Rulmann ins Leben ge-
Q Werke neben den Memorialbüchern auch durch die Chronik
anses eine moralische Stütze gegeben, welche den unwider-
en Beweis für den Schlußsatz liefert: der Verfasser der
literchronik, d. h. Nikolaus von Löwen, ist der Schöpfer des
kens : Rulmann Merswin handelt bei dem Kaufe von Grünen-
bei Übergabe desselben an die Johanniter und vor allem
estsetzung der Konstitutionen des Hauses im Pflegerbrief
n Rat des unbekannten Freundes im Oberland. Diese Be-
mg kann unmöglich auf irgendwelche Einwirkung Rulmanns
gehen, da sie erst nach dem Tode Rulmanns entstanden
IT Reife gebracht durch die Zeitverhältnisse, welche die
Verfassung des Hauses gefährdeten, und genälül notl (sxw
Hchauungen, wie sie in den damaligen mystischen Traktaten, die
von „Gottesfreunden" sprachen, niedergelegt waren.
3. Die sogenaniiteD Viten der beiden Stifter des Johanniter-
hauäes.
Schon oben wurde nachgewiesen, dali die im Grollen Deutschet»
Memorial vereinigten Traktate von Nikolaus von Löwen als wirk-
liche Lebensbeschreibungen ausgegeben werden, ohne daß sie
es in Wirklichkeit sind oder auch nur sein wollten. Diese Cm—
deulung hat ihnen die absichtliche Verfälschung Nikolaus von
Löwens beigelegt, die in üirer Entwicklung von Stufe zu Stufe
sich klärt und offenbart. Im innigsten Zusammenhang mit diesen.
Traktaten stehen nach Form und Inhalt die sogenannten Viten der
beiden Stifter von Grünenwörth, Rulmann Merswins und des so-
genannten Gottesfreunds vom Oberland, oder das „Büchlein von den
Vier-Jahren des anfangenden Lebens'' und das „Fünf-Mannenbuch."
Alle Traktate des Großen Deutschen Memorials stammea
nach Nikolaus von Löwen zwar von dem Goltesfreund oder Rul-
mann Merswin; kein Traktat ist jedoch als Autograph in den
Besitz der Johanniter gekommen, da Rulmann alle Originale ver-
brannte und deren Inhalt auf Wachstafeln schrieb. Die Vier-Jahre
und das Fiinf-Mannenbuch dagegen durften die Johanniterbrüder
nach Nikolaus von Löwen als teures Andenken selbsthändig auf-
bewahren und als solche sind sie auch uns noch im Briefbuch
erhalten. Mit dieser althergebrachten, von Nikolaus von Löweo
heraufbeschworenen und verteidigten Ansicht hat Denifle ener-
gisch aufgeräumt, der die angeblichen Viten der beiden Stifter
als bewulite Fälschungen Rulmann Merswins hingestellt hat. Allein,
soviele Gründe auch auf seiner Seite zu sein scheinen, die Goltes-
freundfrage ist damit noch keineswegs gelöst. Unberührt von
den Erörterungen früherer Forscher, betrachten wir demnach die
sogenannten Viten in dem Zeugnisse Nikolaus von Löwens, in
ihrem Zusammenhang mit den Traktaten des Großen Deutschen
Memorials und in ihrem Selbslzeugnis.
a) W'o immer wir die Viten der beiden Stifter, die Vier-Jahre
und das Fiinf-Mannenbuch, antreffen, erscheinen sie stets bei-
165
sammen und zwar immer zuerst die Vier-Jahre, darauf das
Füüf-Mannenbuch. Beide bildeten einen Bestandteil des Ersten
Lateinischen Memorials und erscheinen außerdem im Kleinen
Deutsehen Memorial, in den Pflegerbüehern, dem Meisterbuch,
überall als Abschriften Nikolaus von Löwens, als Auto-
graphe dagegen im Brief buch und zwar hier zuerst das Fünf-
Mannenbuch, später erst die Vier-Jahre.
Will man die Auffassung Nikolaus von Löwens über die
Vier- Jahre näher bestimmen, so empfiehlt es sich von den Be-
merkungen des Großen Deutschen Memorials auszugehen, um eine
möglichst sichere Grundlage zu erhalten. 18*8-12 spricht Niko-
laus von Löwen von einem Buche, das unser lieber Stifter Rüle^
nan Merstvin noch sime tode mit sin selbes geschrift w%d under
^me eigenen ingesigele lies hinder ime geschriben vinden von den
fTüen vier ioren sines anevohenden lebendes, alse er sich von der
u}dt€ zu gotte kerte. Deutlich ist hier klargelegt: die Vier-Jahre
behandeln nach ihrem Inhalte wirkliche Erlebnisse Rulmanns und
zwar die „vier ersten Jahre seiner Bekehrung*^; die Vier-Jahre
fanden die Brüder erst nach seinem Tode und zwar versiegelt;
die Vier-Jahre sind eigenhändig von Rulmann geschrieben.
Es sei hiebei kein Wert darauf gelegt, daß in dem oben
angeführten Satze die gesperrten Worte auf Rasur stehen,
da durch etwa anderslautende Worte der Sinn kaum geändert
werden dürfte. Eine Erweiterung erfahren die obigen Sätze durch
die Stelle 18*32-35. Hier wird der Grund angegeben, warum
ßulmann das Büchlein von den Vier-Jahren schrieb: er war dazu
genötigt vom Gottesfreund, der ihm als Gegengabe für die. Vier-
Jahre das Zwei-Mannenbuch übergab. Auch der Zeitpunkt, wann
Rulmann die Vier-Jahre verfaßte, ist im Zusammenhange mit den
Neun Felsen 19*27 noch näher angegeben; es ist das Jahr 1352.
An anderer Stelle betont Nikolaus von Löwen ausdrücklich,
daß die Brüder von Grünenwörth nicht ahnten, daß ihr Stifter
ein solicher tisgenomener gnodenricher erlühteter gottesfrünt war,
alse es befunden wart noch sime tode in dem buche von den vier
ioren »Ines anefanges (20*9-15). Dies ist kurz zusammengefaßt
die Ansicht Nikolaus von Löwens über die Vier-Jahre im Großen
Deutschen Memorial.
■ 16ß
Die Vier-Jahre stände aber Rudi im Ersten Lateimschen
Memorial, das ja zeitlich dem Grollen Deutschen Memorial vor-
ansteht. Da für diese Untersuchung jedoch zur Zeit kein Original
mehr vorhanden ist, sondern nur die spiirlichen Auszüge Götz-
manna, so sind drei Möglichkeiten immer im Au^e zu behalten:
entweder Götzmann überliefert uns tatsächlich den getreuen Wort-
laut des Ersten Lateinischen Memorials, oder er überliefert uns
zwar den getreuen Wortlaut, der aber im Lateinischen Memorial
nicht der m^sprüngliche war, sondern über Rasur stand; oder
endlich Götzmann verbindet mit dem Text des Lateinischen
Memorials seine eigenen durch die später entstandenen Memoriale
beeinflullten Anschauungen, welche den ursprungtichen Text des
Lateinischen Memorials im Smne der späteren Memoriale ergänzen-
Schon aus dieser theoretischen Erwägung wird man die Schwie-
rigkeit zu erkennen vermögen, hier zu voller Klarheit durchzu-
dringen. Zunächst kommt die Stelle 228*9ff. in Betracht: Das
25. capitd handlet von einer vorred von dem iebenslauf der ersten
vier jähren Rulman Merschweins, unseres Stifters, wie er seihst
schriftlich nach seinem tod hinterlassen i»ii anfang seines lebens.
Dieses buch irird einifjeru-fiiihetitlei dastehen der zweien stifferen
des hauses zum Grünenwert . . . Mit dem letzten Satze beginnt
nach Götzmann die Vorrede, während das Vorhergehende zum
Rubrum gehört. Rubrum und Anfang der Vorrede stimmen aber
nicht zusammen. Denn wenn man sich fragt, welches Buch das
leben der zweien Stifter des hauses zum Grünenwert betitelt wird,
so muß man darunter nach dem Rubrum notwendig die Vier-
Jahre verstehen, während der Anfang der Vorrede auf das Zwei-
Mannenbuch schließen läßt. Ja dieses allein kann und muß,
wie sich aus dem ganzen weiteren Zusammenhang ergibt, unter
„diesem Buch" verstanden werden. Entweder hat nun Götz-
mann das Rubrum aus dem ihm vorliegenden Pflegerbuch ent-
nommen und denigemäli vielleicht auch die Vorrede in etwa
umgemodelt; oder aber Nikolaus von Löwen hat schon den ur-
sprünglichen Text des Ersten Lateinischen Memorials später aus-
radiert und umgearbeitet, so daß der jetzt verstummelt seheinende
Text zum Vorschein kommt. Mag dem aber sein, wie ihm wolle,
in der heutigen Überlieferung spricht das Erste Lateinische Me-
morial von den Vier-Jahren inhaltlich genau so wie das Große
167
Deutsche Memorial : sie enthalten die Lebensbeschreibung Rulmanns
von den vier ersten Jahren seines bekehrten Lebens ; sie wurden
nach seinem Tode als eigenhändige Schrift Rulmanns gefunden
und zwar mit silberner pittschaft an einem Riemen. Eines aber
betont hier Nikolaus von Löwen gegenüber dem Großen Deutschen
Memorial ausdrücklich, daß alles wahr sei, was in den Vier-
Jahren geschrieben stehe: Rulmann hat auch bei Verlust seiner
seel vor seinem tod bekennt^ das aUes wahr seie, so darin geschriben
und beschriben stehet (229*26). Diese Betonung der Wahrheit des In-
haltes finden wir in keinem einzigen der kurz nach dem Ersten La-
teinischen Memorial entstandenen Memoriale, obwohl eine solche
Betonung der Wahrheit in den Pflegebüchem den Pflegern gegen-
über viel mehr angebracht war als im Ersten Lateinischen Me-
morial. So scheint doch diese Stelle ein Beweis dafür zu sein,
daß man es in der Überlieferung Götzmanns schon mit einer und
zwar sehr späten Umarbeitung zu tun hat.
Die Vier- Jahre finden wir dann in den Pflegebüchem sowie
dem Meisterbuch, überall mit dem einfachen Hinweise Nikolaus
von Löwens, daß es das Buch sei, das man hindei- Rülman Mer^
swin dem stifßer geschriben fandt von den vier joren sins anfohen^
den lebens; oder etwas erweitert: das man kinder Rülman Mer-
swine dem stiffter geschriben fand under sin selbes ingesigel
(191*).
Im Gegensatze zu dieser einfachen Ausdrucksweise steht die
Einleitung, welche Nikolaus von Löwen den Vier- Jahren im Brief-
buch vorausgeschickt hat (115*13). Hier sind die bisherigen Ge-
danken in voller Breite ausgeführt; hier betont Nikolaus von
Löwen, daß es das eigenhändige Schriftstück Rulmanns sei, das
man nach seinem Tode fand in eime beslossen kensterlin und sin
eigen süberin ingesigel ussewendig an dem cooperiorio hangende.
Auch die Zeit der AufBndung gibt er näher an: es war umbe
sani Marien Magdalenen dag anno 1382^ während das Übrige bis
zur Ermahnung mit den Gedanken 228*13 ff.; 18*32; 19*25; 38*1;
195*39 übereinstimmt. Ganz neu jedoch ist die Erweiterung der
bisher ausgeführten Gedanken mit dem Hinweise, daß das im
Briefbach voriiegende acht Papierblätter umfassende Exemplar die
eigenhändige Schrift Rulmanns sei. Warum Nikolaus von
Löwas das Vorhandensein dieser eigenhändigen SdatSSl ^täV
im Briel'bucli, in den friUieren Memorialeii dagegen nirgends
erwähnt, ist nur dann zu begreifen, wenn das im Briefbucli ein-
gefügte Buch der Vier-Jalire auch erst in und mit dem Brief buch
entstanden ist, d. h. wenn die Vier-Jahre weder die Lebensbe-
schreibung noch die eigenhändige Schrift Rulmanns sind, sondern
Nikolaub von Löwen ihr Fälscher ist.
Lag nämlich die eigenhändige Lebensbeschreibung Rulmanns
bereits vor, als Nikolaus von Löwen das Erste Lateinische .Me-
morial, das Große Deutsche und das Kleine Deutsche Memorial
anfertigte, dann ist es unbegreiflich, wie er die eigenhändige
Lebensbeschreibung seines Stifters nicht eüiem dieser drei Bücher
beigebunden hat. da Nikolaus von Löwen ursprünglich nur diese
drei Bücher anlegen wollte und erst durch die Zeitumstände
tnach 1390) gezwungen wurde, die Pllegebüi/her und das Brief-
buch zu verfertigen. Das ist doch nur erklärbar, sei nochmals
wiederholt, wenn das sogenannte Autograph erst mit der An-
legung des Briefbuehs, d. h, zwischen 1390 und 1400 entstanden isi.
Zu dem gleichen Ergebnis gelangt man, wenn man den Test
der Vier-Jahre in den verschiedenen Überlieferungen miteinander
vergleicht. Der Text des Ersten Lateinischen Memorials ist eben-
sowenig bekannt, wie derjenige des Kleinen Deutschen Memorials.
Man kann deswegen nur den Text der Pflegebücher mit dem de#
Briefbuehs vergleichen. In den Pilegebüeliern beginnen die Vier-
Jahre übereinstimmend mit den Worten: In </oltes uamen. amen.
Alle lieben ernten menschen söüetit it-issi?« {191*15). Den gleichen
Anfang hat das erweiterte Pfiegermemorial. Das Autograph im
Brief buch dagegen beginnt mit der Beteuerung: Allen d«n si
kiint getan, die dis bücheUn lesent oder herent lesen, was heran ge-
schrihben stot, dan es also ist und liiter icorheit ist. und das be-
hebe ich bi der gi'ingensten ferlhe. also ich usser der zit gesckeidfU
bin; und zu eitne gereluen geworen worzeihen, so sol men finden
hangende min eij/in ingesigel an eime riemen an dieseme bi'ickeli«.
In gottes nammen. amen. Alle Hebe crislon menschen, ir
säüeiit rirwor wissende sin . . . Ferner hat das Briefbuch keine
Überschriften, wie die Pflegebücher; ihr Urheber ist Nikolaus von
Löwen. Dagegen bringt ein Teil der Pflegebüt:her im 16. Kapitel
zwei Parenthesen; davon hat der Text Götzmanns keine, Schmidt
die zweite, die Handschrift 1) u, i.' zwei. Sie gehören nicht zum
169
Text der Vier-Jahre, sondern sind nachträgliche Einschaltungen Ni-
kolaus von Löwens (195*39 u. 197*9). Sonst stimmt der Text der
Abschrift mit dem sogenannten Original, abgesehen von den sprach-
lichen Eigentümlichkeiten, inhaltlich, aber keineswegs dem W o r t-
laut nach überein. Das Original hat zunächst ein Plus in seinem
Anfange. Einen ähnüchen, jedoch viel kürzeren und in seinem
Zusammenhange auch anders aufzufassenden Gedanken findet man
im Ersten Lateinischen Memorial (229*26). Hier aber nicht im
Text als Worte Rulmanns, sondern in der Vorrede
als Worte Nikolaus von Löwens: er hat auch bei vertust
seiner seel vor seinem tode bekennt, das alles war seie, so darin
geschriben und be^chriben stehet. Darnach würde man schließen,
Rulmann habe den Brüdern die Wahrheit seiner Lebensbeschrei-
bung noch vor seinem Tode beteuert, wie er ilmen noch un-
mittelbar vor dem Tode die andern, dreißig Jahre lang geheim ge-
Wtenen Traktate übergeben hat. Nach dem Anfang des Originals
dagegen ist diese Deutung ausgeschlossen; hier wurde ihnen die
Beteuerung der Wahrheit erst mit der Auffindung des Büchleins
bekannt, während sie vorher nicht ahnten, daß Rulmann ein so
großer Gottesfreund war. Daß beide Texte in Zusammenhang
miteinander stehen müssen, ist einleuchtend. Welcher von beiden
ist nun der ursprüngliche? Schöpft Nikolaus von Löwen seine
Vorrede aus dem sogenannten Autograph, oder das sogenannte
Autograph aus der Vorrede Nikolaus von Löwens? Ist die An-
gabe Nikolaus von Löwens richtig, daß die Vier-Jahre Autograph
Rulmanns sind, so muß Nikolaus von Löwen in der Vorrede des
Lateinischen Memorials aus ihm geschöpft haben; läßt sich aber
das Gegenteil nachweisen, dann können die Vier-Jahre auch nicht
Autograph Rulmanns sein.
Es ist ein allgemein anerkannter psychologischer Grundsatz :
wenn jemand etwas durch Abschrift überliefert, was ihm teuer
und lieb ist, so überUefert er es mit aller Sorgfalt, ganz, ohne
jede Auslassung und ohne jede Zutat. Ein teures Andenken
mußte aber für Nikolaus von Löwen wie für die andern Brüder
von Grünenwörth die eigenhändige Lebensbeschreibung ihres
Stifters sein, umso mehr als dieser seine Lebensbeschreibung bei
Lebzeiten so geheim gehalten und mit silbernem Siegel versehen
hatte. Nikolaus von Löwen durfte also beim Abscbteibexi \\\e\\\a
weglassen, was in ihr geschrieben stand. Nun fehlt aber in all
seinen Abschriften der Anfang: eine völlig unbegreifliche
Eracheinung, wenn diese Abschriften nach Ruimanns Original an-
gefertigt worden sind, fider mit andern Worten, wenn diese „eigen-
händige" Lebensbeschreibung vor Anlegung der Pflegebücher schon
vorhanden war. Ist aber die ,, eigenhändige" Lebensbesehreibung
erst mit Anlegung des Briefbuchs entstanden, dann läiU sich
leicht erklären, wie Nikolaus von Löwen einen Zusatz beifügen
konnte, der zuerst in kürzerer Fassung in einer seiner Vorreden
stand, und später in den Text selbst übernommen wurde, um die
Wahrheit des Inhalts zu bekräftigen und vor jedem Zweifel sicher
zu stellen'). Nikolaus von Löwen gibt also etwas als eigenhändige
Schrift Ruimanns aus, was in der Tat keine solche ist; Nikolaus
von Löwen ist ein Fälscher. Doch eine eingehendere Test-
vergleichung zeigt noch viel ergiebigere Früchte. Bezeichnet man
den Text der Ha. D mit Bi denjenigen von E mit p, das Auto-
graph endlich mit -j, so müüte — in der Voraussetzung, daß
Nikolaus von Löwens Aussagen über die Vier-Jahre wahr sind —
a und ß entweder direkt oder indirekt aus •( geflossen sein. Die
Vergleichung vnn a, j3 und -f. wie sie in den Kolumnen 191*-198*
wiederjiegeben sind, wird aber jeden von dem Gegenteil über-
zeugen. Denn nach den Grundsätzen über Testvergleichung ist
es nnmSglich, daß a oder ß aus ^ geschöpft bat. Das gegen-
seitige Verhältnis der Texte stellt sirh vielmehr so, daß y aus o.
'l Süllto Nikol&us Yim Uwen diuson .Viifaiig der Vier-Jahre nur dar Vorreda
Tftulurs xui Nachfolgung den sniien Lobuns Jesu catuoninioii haben, die „n&ch Cod. A 89
der abemaliEea Jo h ann i tu rbi b 1 i otb ek" (Suhiuidt, Taiilur 2l\) also baftsn ;
In ihr eiligen iciahtU iinurs htiren Jheau Christi ttillrnl ivistrn alle, die ilifr
büchdin Ifsent oder hürent Itsen, wie dal diar nochgetchribea lere gatitz lätfrtf
einttütlije wnrheit M, »o iit »i dm'h gar aorglich allen den zu leaendg und «i
icisende, die ir selbes nii( irUleklichen zi\ male rerzigen . . . Hne »ielfache Utt
HitrÜkhe t'beru in Stimmung luit AusdrQiikaa und äätzen, die bi^ jetzt Tauler lafi-
si!hri«beii werden, zeigt üicli auch sou'it in den Ale nioriilbil ehern und Traktaten ite«
Jahanntt«rhauDes. Laicht iinil bequem kann man sich darabor oriontieran, «ean mia
dks atn Scblusse des 11. Teiles beiEeicebene Glussai mit K. Schmidt, Histariscfaet
Wort«rbui'h der eUäs!isi:hea Mundart iSttaUb. ]DÜ1| verglaicbt Srbuiidt benfltit«
nach S. .\IV zu seinem Glossar zwei Abscbriften, die er -nach Cud. A 89 und C^d.
A SS der ehemaliien J i> han u it« r bl b I i n tb ek zu .Straßburg" angefertigt hatt*.
iTfls far Wijjfore ^jiriichlichB UnttrsuchungeTi wohl /u beachten ist.
171
direkt oder durch Vermittlung von ß hervorgegangen ist, d. h.
aber: bei Anlegung des Pflegermemorials wußte Nikolaus von
Löwen noch nichts von einer Lebensbeschreibung, die als „Auto-
graph" Rulmanns in Grünenwörth aufbewahrt worden wäre.
Nicht zu übersehen sind ferner die Schlußsätze der Vier-
Jahre. Ganz korrekt ist der Schluß in a und ß, nicht aber der
in y; |denn der gegenüber der Fassung von a und ß charakte-
ristische Zusatz in y- wnrf lies es gesehrihhen finden noch mime
*)(/« beweist deuüich, daß das sogenannte Autograph erst nach Rul-
manns Tod geschrieben wurde. So hat Nikolaus von Löwen sich
selbst verraten, indem er den einfachen, durchaus richtigen und in
den übrigen Traktaten in ähnlicher Weise wiederkehrenden Ge-
danken i) seiner Vorlagen a und ß zu verdeutUchen suchte, um
jeden Zweifel an der Wahrheit seiner Aussagen abzuschneiden.^)
Zu gleichem Resultat führt die Betrachtung des Fünf-
Mannenbuchs. Auch dieses fand sich im Ersten Lateinischen
Memorial Kap. 32-38, ohne daß man jedoch imstande wäre, über
Robra oder Textgestalt etwas festzustellen, da Götzmann hier
ganz dem deutschen Text des Pflegerbuchs folgt. Die erste Nach-
richt von dem Fünf-Mannenbuch findet man zeitlich im Großen
Deutschen Memorial. Hier bestätigt Nikolaus von Löwen, daß das
Fünf-Mannenbuch einen Teil des Ersten Lateinischen Memorials
Mdete, und fügt hinzu, daß es das Buch sei, das uns derselbe
9^ite8 frunt in Öberlant ouch schreip zu eime gehesserlichen exem-
plar von sin selbes leben und von aller sinre briider leben, die
') Die Ausdrücke noch dem tode finden oder hinder sich finden lassen ge-
hören zum aUgemeinen Sprachgebrauch der anonym-mystischen Traktate ; vgl. 205*32.
'iD 4. Traktat heißt es : Und were es aber, das si sich nüt woUent lassen begnügen
[>Blt einigen En&hlongen von ihrem Leben | so sprechent, ir weUent uwerme bihter
S^futrsam 8in, und dem weUent ir uicer leben sagen, das er es abe schribe, wenne
^ dtnne ersterbent, das men es denne doch hunder üch fünde. GDM. Bl. 64b.
hnüt hin eröffnen die beiden Klosterfrauen dem Konvent ihre Verzückung. Ähnlich
im 7. Traktat : kum aber Hiber drige tage herwider, so sol ich dir es alle^ sagen
ftiid gesehriben gehen, aber mit alsolicher gedinge, das du mir gelobest^ diewüe
das ich lebe, dfts du deheiner creaturen niemer gesagest, das ich dir es geschriben
gAen habe. 0DM. Bl. 82^.
*) Die Alt und Weise, wie Nikolaus von Löwen bei der Erweiterung seiner Vor-
lage Terfohr, ist ohne alles weitere durch die Gegenüberstellung dos DreispaHen-Textea
klar und bedarf hier keiner näheren AosfOhrung.
173
do obenan hi einander wonent in einre geseüescbaft (18*24).
Nach Nikolaus von Löwen slammt also dieses Buch vom Gottes-
&euDd und behamlelt sein wie seiner Brüder wirkliches Leben.
Ganz kurz sind sodann die Überschriften des Pflegerbuchs. Die
Hauptüberschrifl lautet bloß: die dritt mntierie von den fi'oiff
mannen in Oberlant und seit diß capitel von dem ersten manne
(199*1 ff.). Erst beim letzten Kapitel erlähren \rir von Nikolaus
von Löwen: dieses Kapitel seit von dem fünften manne in ober-
lant itnd dm' was Rülman Merswins des stiffters heimlicher geaelle
(204*26)'). Im ganzen ist es alsiT sehr wenig, was Nikolaus von
Löwen in den zuerst entstandenen Meraorialbüchern von dem
Fünf-Mannenbuch zu sagen weiß. In aller Ausführlichkeit dagegen
spricht von ihm das Briefbuch. Hier gehl dem Fünf-Manoenbueh
zuudchst ein Brief voran, datiert um Pfini;sten 1377, in welchem
vor allem Nikolaus von Löwen den Auftrag erhielt, das Fünt-
Mannenbuch in besserem Deutseh abzuschreiben (69*24 ff.). Ein Vor-
wort (139*12^.) betont ausdrücklich, daß die vier dem Briefbuch
angehän^ften Bogen die eigenhändige Schrift des Gottes&eundes seien.
die Ruprecht, der angebliche Diener des Gottesfreundes, Rulniaun
brachte, der es den Brüdern wieder um Pfingsten 1377 übergeben
hat. Noch ausführlicher handelt das Nachwort (71*2ölT-) vom
Fünf-Mannenbuch. Nochmals betont Nikolaus von Löwen, daß
dieses das Buch sei, welches der Gollesfreimd eigenhändig ge-
schrieben habe, um daran die Mahnung zu knüpfen, dieses Buch
recht sehr in Ehren zu halten. Was den Inhalt betrifft, so weist
Nikulaus von Löwen hier von selbst darauf hin, daß das „eigen-
händige" Fünf-Mannenbuch ettewie vil heimelicher rede und artickele
enthaltt', welche in keime buche uiergent anderswo geschrieben sint.
Über den Grund, warum diese Artikel fehlen, unterrichten die
Worte: wenne si'i niemanne zügekörtnt deniie uUeine »rnvenl dem
hnse und den bivderen hie ^ü dem firiinenwerde {72*6fi.), da der
Gotlesfreund dieses fjanz besonders in einem Briefe so angeordnet
habe. Ähnliche Gedanken kehren in der Vorrede des erweiterten
Pllegermemorials wieder (199* 2. Spalte),
'I Hior acfaluiiii wir nlsu zum rrsli^uiiml uUas von dor Buziehuag des Gottes-
173
Vergleicht man den Text des Briefbuchs mit dem der Pflege-
bücher, so findet man die Angaben Nikolaus von Löwens bestätigt.
Das Äutograph enthält im letzten Kapitel einen Zusatz, der in
Schmidts Ausgabe 3\'a Druckseiten umfaßt (vgl. 205*39 ff.) und
der Hauptsache nach eine Ermahnung an die Brüder zum Ge-
horsam in sich schließt, sowie sich zu hüten vor allen wibes nawme
und vor der werlte. Angesichts dessen erhebt sich auch hier wieder
die wichtige Frage, welcher Text der ursprüngliche ist : derjenige der
Pflegebücher oder der des sogenannten Autographs ? Ist ferner der
Grand, den Nikolaus von Löwen für die Auslassung der genannten
Stelle in den übrigen Memorialbüchem angibt, stichhaltig oder
nicht? Die nähere Nachprüfung ergibt zunächst auf die letzte
Frage ein entschiedenes Nein. Denn die Fortsetzung des Textes
nach dieser Ermahnung enthält die gleichen Ermahnungen, zu
streiten wider die Unreinheit und die Versuchungen des bösen
Feinds, Ermahnungen, die ebenfalls nur für die Brüder gelten.
Man hat es denmach in dem Autograph nicht mit einem ursprüng-
lichen Text zu tun, der in den Abschriften ausgelassen worden
wäre, sondern mit einer Einschaltung, die eine Erweiterung des
ursprünglichen Textes der Memorialbücher darstellt, um der in den
Grondzügen schon ausgeführten Ermahnung kräftigeren Nach-
druck zu geben. Daraus ergibt sich aber, daß das Fünf-Mannen-
buch nicht ein Autograph des angeblichen Gottesfreundes sein
kann, sondern zeitlich erst nach den Memorialbüchem in und
mit der Entstehung des Briefbuchs zustande gekommen ist.
Wäre ferner Nikolaus von Löwen das sogenannte Auto-
graph des Fünf-Mannenbuchs bei Anlegung der Memorialbücher
schon vorgelegen, dann hätte er keinen Grund gehabt:
1) den „eigenhändigen^^ Begleitbrief im Brief buch wegzulassen
nnd sich mit der Abschrift 'zu begnügen;
2) seine Angaben über die Herkunft des Fünf-Mannenbuchs
ün Großen Deutschen Memorial wie den Pflegebüchern auf die ein-
fachste Form herabzudrücken; denn nirgends erwähnt er hier,
daß das Fünf-Mannenbuch noch eigenhändig vorhanden sei,,
wie er es beim Meisterbuch, Zwei-Mannenbuch und den Neun
Felsai tot (19*1);
3) die Ermahnung (205*39) an die Brüder wegzulassen, obwohl
die gleichen Ermahnungen nicht nur in dem angeblich ^^VivarXi^Xi
Text, sondern schon in der Chronik des Hauses und an den verschie-
densLen Stellen der übrigen Memorialbücher') in extenso wieder-
kehren. Alles dies läLlt sich nur erklären, wenn das sogenannte
„Original" erst in und mit dem Briefbuch entstanden, also kein
„Original" ist, d. h. wenn es den ursprüDglichen fälschenden Ge-
danken Nikolaus von Löwens erweitern, vertiefen und vor jedem
Zweifel an der Kchtheit sicher stellen suUte. Daß Nikolaus von Löwen
gerade hier diesen Zusatz einfügte, hatte seinen ganz bestimniten
Zweck, auf den das sogenannte Autograph schon dadurch hin-
weist, dalt es die wichtigen Worte (206*5-11) umrahmt. Diese
Einfassung genannter Worte kann nur auf den zurückgehen, der
das sogenannte Autograph geschrieben hat, da die gleiche Tinte
zu beiden verwendet wurde. Sie hatte keinen Sinn, wenn sie
vom Gottes freund vorgenommen wurde, ist aber wohl zu be-
greifen, wenn sie von Nikolaus von Löwen stammt, dem viel
daran lag, jedermann zu überzeugen, daß es eitel Mühe sei, dem
Guttesireund und dessen Gesellschaft auf die Spur zu kommen,
oder das Verhältnis, wie es angeblich zwischen Rulmann und den
Gottesfreunden bestand, fortzusetzen. Ebenso ist der Gedanke
205*39 IT.: „ihr werdet mein volles Leben erst dann finden, wenn
Rulmann länger lebt als ich", wohl als nachträgliche Erläuterung zu
den Worten 205*36-38 zu verstehen, unmöglich aber ist eine Er-
klärung für den Grund zu fmden, der Nikolaus von Löwen bewogen
haben könnte, gerade diese Worte in den Hss. D und £ wegzu-
lassen. Würde nun der Autographentexl mit dein Texte der Pfleger-
memoriale auch an allen übrigen Stellen wörtlich übereinstimmen,
so würde die behandelte gröliere Einschaltung doch allein genügen
für den zu beweisenden Salz: Der Text der Pllegermemoriale
gehl dem Text des sogenannten Autographs zeitlich voran, oder
das sogenannte Autograph schöpft aus dem Pilegermemorial, nicht
umgekehrt.
Die eingehendere Vergleichung der drei Kolumnen (199*11'.)
w, ß, f, womit die drei Texte der Kürze halber wieder bezeichnet
werden mögen, werden aber, wie ich hoffe, zur Evidenz be-
weisen, daß weder a. noch ß direkt oder indirekt auf f zurück-
gehen können, wie sie es müßten, wenn Nikolaus von Löwens
I) Vgl. ,-,8";ia, 184"U, 2;(2'24 uml Juiidt. KuIdimi S. 130, Uli.
175
Angaben die Wahrheit enthielten. Der Text von y ist viehnehr
nur eine Ableitung und künstlich angefertigte Erweiterung^) des
Textes a durch Vermittlung des y näher stehenden Textes ß.
Weder die Vier-Jahre noch das Fünf-Mannenbuch sind demnach
von den Personen geschrieben, die Nikolaus von Löwen als Ver-
fasser derselben ausgibt, beide sind vielmehr eine Fälschung von
Nikolaus von Löwen, der beidemal ihm vorliegende anonyme Trak-
tate — denn das sind im Grunde genommen die Vier-Jahre wie
das Fünf-Mannenbuch — erweiterte, umdeutete und schließlich
als Äutographen ganz bestimmter Personen ausgab.
b. Dieses Resultat wird noch bekräftigt durch den Vergleich
der Viten mit den übrigen Traktaten.
Das Buch von den Vier-Jahren bringt Nikolaus von Löwen
zunächst und in erster Linie in Vergleich mit dem Zwei-Mannen-
buch. Der Gottesfreund im Oberland, berichtet Nikolaus von
Löwen, gab Rulmann diesem Buch als seine eigenhändige Lebens-
beschreibung, während ihm Rulmann dafür seine Lebensbeschrei-
bung, die Vier-Jahre, gegeben hat. Jenes erzählt von den fünf
ersten Jahren des Gottesfreundes, dieses von den vier ersten
Jahren Ruhnanns^). Schon dieses Schema muß von vornherein
als etwas Gekünsteltes auffallen, umsomehr, als die Darstellung
der Bekehrungsart, der Visionen, der Versuchungen fast genau
übereinstimmt. Wir wissen schon, warum in diesen „Lebens-
beschreibungen'* alles so schematisch verläuft, weil das Zwei-
Mannenbuch in Wirklichkeit keine Lebensbeschreibung sein will,
sondern nur von Nikolaus von Löwen so gedeutet wurde. Der
Schluß liegt nahe, daß es sich geradeso bei den Vier-Jahren ver-
halte, daß auch diese von vornherein keine Bekehrungsgeschichte
') Dies tritt in dem mitgetoiltcQ Text dor dritten Spalte nicht so sehr zu Tage,
da die eigentliche Abweichung der Texte erst gegen die Mitte jeden Kapitels beginnt.
Sollte das bloßer Zufall und nicht schlaue Berechnung sein, um äußerlich die Nicht-
flbereinstimmang zu rerdeckenV Besonders auffallend ist das II. Kapitel, dessen Text
in f bis zum Tollendeten Unsinn gegenüber der einfachen Vorlage erweitert ist. Daß
vir es djurom nar mit einer künstlichen aber auch plumpen Mache zu tun haben, liegt
Auf der Hand.
*) Einen ähnlichen Austausch zweier sogenannter Viten wird im Traktat von
den zwei fQnfeehnj&hrigen Knaben erzählt: so schribent och darzu, tvie ir diae fünf
»or gdAet hant und gmt mirs . , . also wai-t dem gaties frunde von dem ritUr
*« gutkrift tmd er trug si mit ime heim und las 8». GD^. B\. ^0^ = ^x^. \^^
1T6
gebea wollten, aber von Nikolaus von Löwen ffir seine ganz TO-
stimmten Zwecke als solche ausgegeben wurden.
Ungemein wichtig ist sodann die Bemerkung 19*211., dall das
Zwei-Mannenbuch Nikolaus von Löwen vorlag in g&ler texste ge-
Schrift zä tütsche geschrihen in eime sundern buchelin, dfis Hülmans
was, das er selber schriben tet noch dem ej:emplar, das inte gegeben
wart von sime heimelichen gesellen dem lieben gottesfründe in Öberhnt.
Ich will hier nicht mehr betonen, daß diese Stelle erst geschrieben
wurde, nachdem der zweite Teil dem Grolien Deutschen Memorial
beigefügt war. Aber diese Stelle zeigt doch unzweideutig, daß naeh
dem Tode Rulmanns noch andere angeblich „eigenhändige" Schriften
Ruimanns vorhanden waren, vor allem das Zwei-Mannenbueh,
das jetzt noch die Handschrift L germ. 642 der Straflburger Uni-
versitätsbibliothek enlhält. Sind also die Ausführungen Nikolaus
von Löwens richtig, dann müssen die Vier-,fahre des Briefbuchs
sowie die genannte Handschrift des Zwei-Mannenbuchs von der-
selben Hand, nämlich von Rulmann Merswin geschrieben sein. Leider
ist durch paläographischen Vergleich hier nicht zum Ziele zu
kommen. Denn die Vier-.lahre sind in llüehtiger Kurrentschrift,
das Zwei-Mannenbuch dagegen in gotischer Schrift geschrieben;
beide können von einer Hand geschrieben sein, müssen es
aber nicht'). Sicher dagegen lallt sich bestimmen, daU dieselbe
Hand, welche die Bemerkung auf der letzten Seite des Zwei-
Mannenbuchs schrieb, auch die früher erwähnten Bemerkungen:
liülmannes geselle usw. über den Text des Zwei-Mannenbuchs gesetzt
hat. Von derselben Hand stammt aber auch das Buch von den
Vier-Jahren, ä) Daß dies die Schrift Rulmanns sei, sagt zwar Niko-
laus von Löwen, aber diese Versicherunfi; ist erst noch zu prüfen.
Nach dem, was Nikolaus von Löwen von der schriftstellerischen
Tätigkeit Rulmanns berichtet, ist es ausgeschlossen, dall dieser
die übergeschriebenen Bemerkungen in lls. H hinzugefügt hat,
denn Rulmann Heß ja nach Nikolaus von Löwen absichtlich die
Namen ans und verbrannte die Originale. Dieser Zweck wäre
vollständig vereitelt worden, wenn er nachtriigUch wieder ir»
seiner Abschrift seinen Namen hinzugefügt hiitte, um ihn wieder
'1 Vgl. Schrifttarel >
') Vgl. Sclirrfttafc) >
177
einzelnen Stellen auszuradieren, an andern stehMi zq lassea.
« Bemerkungen können demnach nur von einer andern zweiten
d stanomeo, von der dann auch die Vier<Jahre wie die Be-
kung am Schlüsse des Zwei-Mannenbuchs stammen müaaeQ.
. daß dies Nikolaus von Löwen igt, zeigen deutlich all jeoe
lipulaüonen, welche er mit dem Zwei-Mannenbuch vorgenommen
bis er zu jener Deutung gelangt war, welche seinen Zwecken
besten entsprach.') Diese Manipolationen wären völUg uq-
tändhch, wenn Rulmann die Handschrift H seihst geschrieben
mit seiner eigenen ühei^eschhebenen Deuttmg versehen hätte;
a hätte ja Nikolaus von Löwen nicht so lange nach einer
immten Deutung zu suchen brauchen, wenn diese ihm schon
'h seine Vorlage deutlich gegeben gewesen wäre.
Vei^eicht man endlich die Schrift des Zwei-Maonenhuchs
dem zweiten Eintrag am Schlüsse'), so ist höchst wahrscbein-
daß beide von ein- und deraelbea Hand stammen, das Zwei-
cenbuch nur etwa 20-30 Jahre früher als die Schlußbemerkung,
aber die Schrift der Schlußbemerkung sicher identisch ist mit
im Großen Deutschen Memorial schreibende Hand, dieses
' die Hand Nikolaus von Lowens ist, so ist damit die Wahr-
önliehkeit gegeben, daß Nikolaus von Löwen anch das Zwei-
nenbucb geschrieben hat und zwar zu der Zeit, als er noch
Schreiber in Rulmanns Diensten stand^).
Höchst auffallend ist es auch, daJ3 Nikolaus von Löwen die
^Jahre so sehr in Ehren gehalten wissen will, während er ander-
I das angeblich „eigenhändige" Zwei-Mannenbuch im Grunde
V»ges3enheit verschwinden läßt, da sich später nirgends wieder
Erinnerung an diese „eigenhändige" Schrift Rulmanns findet:
dt begreifhch, wenn weder das Zwei-Mannenbuch noch die Vier-
re Autograpbe Rulmanns sind. Und selbst die Scblußbemerkung
angeblichen Original des Zwei-Mannenbuchs ist, trotzdem sie
Dach 1382 entstanden ist, Eehr kühl gehalten, keineswegs den
(KD Lobeshymnen auf Rulmann entsprechend. Dies alles ver-
') »aha oben S. 84.
1 V|L S«llimtBr*l .Vr. 7 u. 8 mit 9 u. 10.
1 Warn uieb NIkoUns ron Ltwan Bi. H (sichrSabea hat, lit duilt noch lue«
tktvitMn, iaB «T »ch dir Vartkiier de« Tr^itak* Ul.
178
stiirkt den Beweis, dali die Vier-.lahre nicht von Bulmann ge-
schrieben sind.
Weilerliin erklärt Nikolaus von Löwen, das Zwei-Matmenbuc!i
entlialte die Lebensbesehreibung des Gitlesfreundes. Aber aucli
das Fünf-Mannenbueh bringt das Leben des Gottesfreundes und
zwar im letzten Kapitel. Man mag aber dieses letzte Kapitel
prüfen, wie man will, von einer Lebensbeschreibung wird man
sehr wenig fmden. Nach langer Entschuldigung heiUt es endli(;li:
„ich lasse euch wissen, alles was die Brüder geiitten haben, das
habe auch ich gelitten, ebenso habe ich auch alle übernatürlichen
Freuden empfunden wie sie." Darauf erzählt der angebliche
GoUesfreund noch eine Verzückung, welche derjenigen St. Paui?
I ähnlich war, um dann zu schlieÜen: Ach ril lielan mine frÜHl,
»cA furhte kk hahbe es zu ril gemäht ton mir selhar zu schribandt'
Im Gegensatz dazu berichtet das Zwei-Mannenbuch ui groUer
Ausführlichkeit voti dem angeblichen Leben des Gottesfreundes
Wollen diese Angaben Nikolaus von Löwens Anspruch auf Glaub-
würdigkeit erheben, dann ist es ein unlösbares Rätsel, wie der
angebliche Goltesfreund den .lohanniterbrüdern wohl das Fünf-
mannenbuch als „Anlograph" hinterliilU mit dem ausdrücklichen
Auftrag an Nikolaus von Löwen, dasselbe in besseres Deutsch
abzuschreiben, während das Zwei-Mannenbuch, das ja nach Niko-
laus von Löwen das Leben des Gottesfreundes viel ausführlicher
erzählt, den gleichen Brüdern nur in einer Abschrift Rulmanus
mitgeteilt wird und dazu noch ohne jeden AufschluU darüber,
wer unter „dem einen" und „dem andern'- der im Zwei-Mannen-
buch auftretenden Personen gemeint sei. So wird die Verbindung,
in welche Nikolaus von Löwen das Zwei-Mannenbuch mit dem
Leben Rulmanns und des angebliehen Gottesfreundes bringt, nicM
nur für die Vier-Jahre, sondern auch für das Fünf-Mannenbucb
verhängnisvoll. So wenig darum das Zwei-Mannenbuch das Leben
des Gottesfreundes erzählt, wie wir oben nachgewiesen habfli.
so wenig erzählt dasselbe das Fünf-Mannenbueh. Nikolaus von
Löwen hat ersterem jene irreführende, auf Täuschung des LeseM
berechnete Deutung gegeben, geradeso ist es beim Fünf-Manoen-
buch. Und so wenig die Vier-Jahre das Autograph Rulmawiä
sind, ebensowenig ist das Fünf-Mannenbueh die eigenhändig'
SchriÜ. des Gottesfreundes.
17»
Id nicht minder groDe Verlegenheit bringt man Nikolaus von
Löwen mit seinen Angaben, wenn man die Vier-Jahre den Neua
Felsen gegenüberstellt Nikolaus von Löwen setzt beide inZusam-
menhang mit einander 19*22; 38*1; 48*2; 49*25; !16*8; 196*3,
Stellen, welche inhaltlich scheinbar das Gleiche besagen. Nikolaus
Ton Löwen betont hier überall, daß die Neun Felsen Rulmann
Mefswin zum Verfasser haben, und daß Rulmann es ist, dem
diese Vision zuteil wurde usw. Die Neun Felsen schrieb Niko-
laus von Löwen in das Lateinische Memorial, das später in die
Übriggebliebenen Lateinbiicher umgestaltet wurde, und in das Große
Deutsche Memorial >). In 19*22, zeitlich der ersten Mitteilung,
spricht er davon, dal3 der lateinische Text von worte zu worle
gliek sei, als wir es auch in tülach hant. In der späteren Nach-
richt dagegen erfährt man das gerade Gegenteil Quia liher harum
«xem mpium in verfne non ex toto cum vulgari theutonico
toneordat, prout eadem verba a sui prtncipio a spiritu sancto
procegaerunt, darum seien sie directe secundum vulgare theutonicum
aofs neue in ein anderes lateinisches Memorial geschrieben worden
— zwei Nachrichten, welche nicht miteinander in Einklang zu
bringen sind, wenn Nikolaus von Löwen das mit dem Ausdrucke
tulffare theutonicum benannte, von Rulmann eigenhändig geschrie-
bene Exemplar bei Abfassung des Großen Deutschen Memorials
Torgelegen hat. Denn das Autograph der Neun Felsen mußte
Nikolaus von Löwen geradeso in Ehren halten wie das der Vier-
Jahre, da jene wie diese nach Nikolaus von Löwen von dem
übernatürlichen Leben, vor allein von den Visionen erzählen,
welche Rulmann zuteil geworden sind. Statt dessen nimmt aber
Nikolaus von Löwen in das Erste Lateinische Memorial einen latei-
nischen, von Johann von SchäJTolsheJm völlig umgearbeiteten Text
auf^ und merkt die Nichtübereinstimmung von Autograph und
lateinischem Text erst lange Jahre später, d. h. bei der Anlegung des
tweiten Teiles des Großen Deutschen Memorials. Eine solche schrift-
stelleriscbe Tätigkeit wäre unmöglich, wenn Nikolaus von Löwen
') V(l. duu oben S. 98'106 und 10t) Aomeik. 1, womit ichon von selbst b«-
oinM i*t, d&B du anieblicha .AutoE'''ph'' dei VioT'Jfthre nicht Ton Rulmta st&aiuit.
^n Ist DButliebkeit vacen In einer so verwlckelcen Frage rolgeD n&chstabende Aui-
ISO
bei Anlegung des Ersten LaleiHisi:hen Memorials ein deutsches '
^Autograph" Rulmanns vorgelegen wäre.
Sodann tritt die weitere Frage an uns h^-an: wanio] sam-
melt denn nicht Nikolaus von Löwen einfach alle „eigenhäs-
digen" Schriften Rulmannä oder des tji.iltesfreundes: die Neun
Felsen, das Fünf-Mannenbuch und Zwei-Mannenbuch in einem
Geheimbuche von Grünenwörth, warum übersetzt er sie zuerst
ins lateinische, um erst viel später zu betonen, wie all diese
„eigenhändigen" Schriften In Ehren zu halten seien? Ja ins latei-
nische Memorial nimmt Nil^olaus von Löwen sogar, ohne es selbst
KU merken, umgearbeitete Texte auf, welche mit den ur-
sprunglichen Eingebungen, wie sie Rulmann vom hl. Geiste em-
pfmij, nicht mehr übereinstimmten, an welche schon Menschen-
hand ihre zersetzende Tätigkeit angesetzt hat! Das ist nur be-
greiflicli, wenn diese Texte erst später von Nikolaus von Löwen
zu „eigenhändig geschriebenen Erlebnissen" umgedeutet wurden.
Man beachte sodann die Gründe, welche Nikolaus von
Löweu iin Zusammenhange mit den Vier-Jahren anführt, um
Rulmann als Verfasser der Neun Felsen zu erhärten. Er weist
darauf hin, dali beide gliche hellenl an demüttt/en uorten, an iVi-
brünatiffen minnen und an übernatürlichen grossen wunderlichgH
wercken und gaben göltet und dali beide zu gleicher Zeit ge-
sehrieben und vollendet worden seien, nämlich im Jahre 13Ö2,
wie die Daten der beiden Bücher beweisen. Aber das sind im
Grunde genommen doch sehr schwache Beweise. Nikolaus von
Löwen hätte eine viel bessere, durchschlagende Begründung ge-
habt, wenn er nur darauf hingewiesen hätte, daü beide SchrifleD,
die Vier-Jahre und die Neun Felsen, wie jeder durch den Augen-
schein sich überzeugen könne, von ein und derselben Hand ge-
schrieben seien. Das mültte man auch im Zusammenhange mit
1 1&*8 fr. erwarten, umso leichter als er das „eigenhändige" Exem-
plar Rulmanns so gut wie das angebliche Autograph dw Vier-Jahre
dem Briefbuch hätte beifügen können. Paläographisch ist es ja
über jeden Zweifel erhaben, dali die sogenannten Autographen der
Neun Felsen wie der Vier-Jahre von einer einzigen Hand her-
rühren. Nun betont aber Nikolaus von Löwen nicht au ein^
einzigen Stelle, dali ihm zu seinen Abschriften die Neun Felsen
ah „Autograph" Rulmanns vorgelegen haben. Dieses Schweigen
181
Über die Neun Felsen wäre im Zusammenhange mit den beredten
Aosfühningai über die Vier-Jahre unerklärlich, wenn die Neun
Felsen und damit auch die Vier-Jahre ursprünglich als „eigen-
händige Lebensbeschreibungen" Rulmanns im Johanniterhause
ram Griinenwörth aufbewahrt worden wären. Im Gegenteil, wie
die Vier-Jahre und das Fünf-Mannenbuch als Autographe den
Text der Pflegermemoriale zur Voraussetzung haben, so hat auch
das Neun Felsen-Autograph den Text des Großen Deutschen Memo-
rials zur Voraussetzung, wie wir oben schon nachgewiesen haben.
Sollte Nikolaus von Löwen etwa nur verhindert worden sein, auch
die Neun Felsen wie die Vier-Jahre und das Fünf-Mannenbuch
als „Autograph" weiter auszubeuten?
Daß weder die Vier-Jahre noch das Fünf-Mannenbuch wirklich
Erlebtes berichten, zeigt endlich ihr Verhältnis zu den übrigen
Traktaten. Schon Denifle hat dieses Verhältnis zur Genüge dar-
getan i), wofür noch eine Menge anderer Parallelstellen beigebracht
werden könnten. Sie alle würden aber das Resultat Denifles nur
noch verstärken, nicht aber verändern. Deniile nimmt Rulmann
als Verfasser beider Viten an, der hier nur kompilatorisch
tätig war. Nach dem Vorausgegangenen müssen wir jedoch Rul-
mann Merswin völlig ausscheiden, werden aber anderseits auch
nicht soweit gehen dürfen und nun Nikolaus von Löwen als Kom-
pilator, als eigentlichen Verfasser der beiden Viten bezeich-
nen. Die äußere und innere Gestalt der beiden sogenannten Viten
zeigt vielmehr deutlich, daß sie demselben Verfasser angehören
wie die übrigen Traktate, während sich die ganze Tätigkeit Niko-
laus von Löwens auf die gleichen Manipulationen beschränkt, wie
wir sie bei den andern Traktaten genau verfolgen konnten.
I^itssen wir nur einmal beim Fünf-Mannenbuch alles, was
sieber von Nikolaus von Löwen stammt: Vorwort, Einleitung,
') Zrttochrift für deutsches Altertum XXIV, ibOe., *b4ff., 495, 507 IT., OKI.
Dah«r itamnit auch du harte Urteil i. a. C. ^^. 495 : ..es wird souiit klar sein, daD
daa Ftnf-ManDBDbnch ein miserables Machwerk ist, betrachten wir es nun iin GruBan
BBd QaBian, oder in den alnielnen Teilen, oder In Beiug auf andere SebrifteD. Alls«
Sndat lieb d«ilD koaMntriart : ichabloum&BiKa Arbeit, WideraprDcha, Fiktiooen und
FbantHlecabUda, UnmOtliehkaltea, die gaoie Ooseilaohart hangt in der Luft Dod liat
keinan Boden auf der Erde, keine einiiie Oeatalt ist «reirbar, keine besiut Fleisch
Dsd Beia." Du DrMl wird loCurt anders lauten, wenn man bedenkt, daQ die IrskUte
18S
Rubrizierung bei Seite und betrachten wir den einfachen Text
des Fünf-Mannenbuclis l'iir sich, so haben wir einen völlig ano-
nymen Traktat vnr uns, der denselben Zweck wie die übrigen
verfolgt: das Gegenspiel von Welt- und Gottesliebe darzu-
stellen. Nikolaus von Löwen allein deutet die hier im Bilde aul-
tretenden und handelnden Personen als historische Persönlichkeiten
und zwar als die Gesellschaft der fünf auch ihm unbekannten
Gotlesfreunde. Dieses Schema des Fiinf-Mannenbuchs findet sich
schon im 6. Traktat, wo der eine daselbst auftretende Gottes-
freund fiinfe übernatMiche erlülitete geivore goties friinde (JR. 144)
kennt und auch gar viel von ihrem Leben zu erzählen weiß, um
dann zu schheüen: ach viel livber friini gotf-es nü habe ick dir
OKch widerumbe von den verborgenen frvnden gottes geaeü, die ich
von der gnaden gottes bekennende bin trnd sü ouch i« heimdicheit^i
t«lber ril mit mir geret hanf (GDM. Bl. 81* = JR. 145). Von fünf
üoltesfreunden rodel auch der 8. Traktat: viel lieber sun, ich
getoube das, und fürest du zu fünf grossen gottesfrüiiden und ittje-
licheme ditie sacke fiirleitesl . . . so geloube ick, das sii dich denne
alle fünfe nüt gelich wisetent . . . (GDM. Bi. 88/89). Ein ähnliches
Stück findet sich im 14. Traktat. Hier fordert Meister Eckhart
den Gottesfreund auf, ihm sein und seiner Brüder Leben zu er-
zählen. Der Gottesfreund beginnt: ir soüent wissen und solte ich
unser drier leben von iegelicheme mit sunderheite sagen oder schriben,
so kette ick von iegelicheme wol ein gantzes •bück ßl zu schri-
bende, eine immer wiederkehrende Phrase (vgl. VJ. 65, 68, 75 ;
NvB. 127, 101, 194, 195; MB. 1], 14; NF. 9). Unter seinen Brüdern
befindet sich auch ein Konrad, der ist also gar süsse senftmutig
und ingenuntmen, das er zu vil ziten verzogen wurt also, das er
von dirre zit nüt enwes (GDM. Bl. 117"); vgl. dazu 202*41 ff.
Der dritte Bruder, Michel, der ist ouch gar atzümole ein süsser
mensche . . . Aber ton mime lebende, fährt der Gottesfreund weiter,
do kan ick tich nüzümole wol von gesagen, wanne das eine, das
mich ettewas wundert, das got so grosse wunder durch mich armen
sünder gewürcket het: also genau so wie im Fünf-Mannenbuch,
Wenn dieses im letzten Kapitel von der Verzückung Pauli erzählt,
so kehren auch diese Gedanken fast wörlHch im 7. Traktat wieder:
das merke an dem lieben sancte Faidus, do er sprttch: ich weis
ei/ien menschen, der wart verzucket in den dirten himel, aber obe
183
das in dem übe teere oder orte den lip, das weis ich nät (GDM.
Bl. 86''); vgl. MB. 55; NF. 146; NvB. 131/2, 194. Nikolaus von
Löwea brauchte demoach das Fünf-Marmenbuch nicht erst zu
verrassen, er brauchte nur den Ter t igen Traktat, der mit den
übrigen demselben Verfasserkreis angehöri, herüberzunehmen
und mit den zweckentsprechenden Rubriken zu versehen, dann
hatte er ein Lebensbild der Gottesfreundgeaellschaft im Oberlande.
Im Gegensatz zu den übrigen Traktaten gibt er Jedoch das Funf-
Mannenbueh als „eigenhändige" Schrift des Gottesfreundes aus,
um seiner Ausführung über die Existenz des Gottesfreimdes mehr
Glauben zu geben, dies aber erst bei Anlegung des Briefbuchs,
also in einer Zeit, in welcher die Institutionen des Hauses von
den verschiedensten Seiten, wie wir früher ausgeführt haben, an-
gefochten wurden.
Auf gleiche Weise ging Nikolaus von Löwen bei den Vier-Jahren
zu Werke. Auch diese sind nur ein Teil eines aszetischen Trak-
tates, nämlich die fingierte Selbsterzählung eines Bekehrungsbildes,
wie die andern Traktate derartige Stücke in Menge aufweisen').
Nikolaus von Löwen brauchte in diesem fertigen Traktat höchstens
die dritte Person in die erste zu verwandeln«) und nach „ich" den
Namen „Rulmann" zu setzen; dann war der anonyme Traktat,
den vorher niemand für eine wirkliche Lebensbeschreibung ge-
halten hätte, zu der Lebensbesehreibung Rulmanns geworden.
Um aber seiner Deutung auch hier einen über allen Zweifel er-
habenen Beweis beizufügen, erklärt er die Schrift der Vier-Jahre
im Briefbuch als „eigenhändige Schrift Rulmanns", obwohl sie
erst mit dem Briefbuch entstanden ist, also zu einer Zeit, wo
den übrigen Brüdern jede Kontrolle darüber unmöglich war, ob
Nikolaus von Löwen dieselbe in der Tat nach Rulmanns Tode
gefunden habe oder nichts).
Auf diese Weise erklärt sich sehr leicht, wie der ursprüng-
liche Gedanke Nikolaus von Löwens, Rulmann als Gottesfreund
') Vgl. Denlfl«, a. a. 0. i&fi tr.
'J Der WeohMl tob direkttr and indirektsi Kade kouiiiit aui^b oft euiz uptoi-
DitUlt in deo tndem Tt»ktHt«a lor; Tgl. NvB. 193.
*) Gefanllbei den fiUhsroa Traktaten ist in beiden noKehlicbea ...lutOKrapbea"
nur dmi ftat eiganartig, daß der Teit der «infachen Vorlags in olTeakundig gekatistaltar
JlftclM «rwaltart wird. Daa lullte In d«n Brnd«m rnn rarnbenia den Eindiuck das
.aohAimniHaUMi-' ArwMkBn.
auszugeben, im Laufe der Zeit immer mehr und immer deat-
licher hervorlritt, anfangend mil den kurzen prügnanteü Worten
des Großen Deutschen Memorials bis zu den weitschweifigen
Auslüliriingen des Briefbuchs, eine Eri^cheinung, die voUständig
unverstäiidJich wäre, wenn Nikolaus von Löwen von Anfang
an die angeblich „eigenhändigen" Schriften Rulmaans und des
Gottesfreundea vorgelegen hätten. Zu der Zeit, als Nikolaus von
Löwen das Briefbuch anlegte, hatte er die übrigen „eigenhändigen"
Schriften Rutmanns, die Neun Felsen und das Zwei-Manaenbuch,
vergessen, da es ihm zu jenem Zeitpunkte nur darauf ankam nucli
zu retten, was zu retten war, wobei das Wichtigste das schon
früher von Nikolaus von Löwen proklamierte Dogma war: Rul-
mann war ein Gotlesfreund, lebte und bandelte wie ein üottes-
freund und stand in schriftlichem ununterbrochenem Verkehr mil
einem ganz bestimmten, nur aller Welt unbekannten Gottesfreund,
wovon jetzt die eigenhändigen Schriften beider, die Vier-Jahre und
das Fiinf-Mannenbuch, jeden überzeugen konnten.
Auf den ersten Blick könnte man demnach versucht sein, die
Angaben Nikolaus von Löwens über Rulmann auf eine wunderbare,
klug berechnete Schlauheit zunickzuführen. Die Sache liest jedoch
viel einfacher, als man schlechthin glauben möchte. Wie nämlich
Nikolaus von Löwen durch eine einfache Umdeutung der anonymen
Traktate denselben historisches Leben eingehaucht hatte, so ent-
nirnrnt er auch dem Gedankenkreis der Traktate alle seine An-
gaben, um sie auf Rulmann zu übertragen. Der einfache Gedanke:
Rulmann ist ein Gottesfreund, der wie alle wahren Gottesfreunde
der Welt entsagt und dafür des himmlischen Trostes teilhaftig
wird, gestaltet sich unter dem Einllull der Traktate in Nikolaus
von Löwen zu immer ansprechenderem Leben. In den Traktaten
wird geschildert, wie der Weltmann nach seiner Bekehrung mil
den wahren Gottesi'reunden in stetem Gedankenaustausch bleibt
und sich in allem nach ihren Anordnungen richtet'): auch der
Held, den Nikolaus von Löwen feiern will, Rulmann Merswin,
tut dies. Hier wird geschildert, wie wahre Gottesfreunde sich
gegenseitig ihr eigenes Leben erzählen, darauf übereinkommen,
das Erzählte niederzuschreiben und diese Viten gegenseitig
') Itelege dafür .-iahe S. i4"-45", oben S. 171 amn. 1 u. untoii S. 186, ISI.
185
auszutauschen, um stets zum gottiunigeD Leben ermuntert zu
werden, dieselben aber niemandem zeigen, auch jeden Namen
auslassen und erst nach ihrem Tode zur Erbauung anderer finden
lassen: was Wunder, wenn Nikolaus von Löwen alle diese Ge-
danken aur Rulmann Merswin, den Stifter von Grünenwörth, dem
w wie seine Brüder soviel verdankte, überträgt ? Wie man das
Leben der zwei Klosterfrauen er^t nach ihrem Tode Bind (GDM.
Bl. 64''), so auch dasjenige Rulmanns; und wie man im Kloster bei
Lebzeiten nicht wuüte, wie begnadigt beide waren (Bl. 69'*), so wußten
es auch die Johanniterbrüder von Rulmann nicht. Allein Nikolaus von
Löwen fällt bei den Vier-Jahren insofern aus der Rolle, als er Rul-
mann in den anonymen Traktat der Vier-Jahre seinen eigenen Namen
und zwar schon im Jahre 1B52 einsetzen läUt, obwohl dies durch-
aus den in den Uhrigen Traktaten ausgeführten Gedanken, die
überall die Anonymität betonen, widerspricht. Er wollte eben
die Lebensbeschreibung Rulmanns durchaus sicherstellen and
jede andere Deutung ausschlielien und darum fügte er hier den
N'ainen Rulmann ein, wie er auch bei dem Zwei- Mannenbuch
die Worte „der eine" und „der andere-' durch Beifügung der
Worte Mulmans geselle eindeutig bestimmt hat. Die Traktate ent-
halten ferner vielfach den Gedanken, dalt irgend ein Bekehrter
nur einen ganz bestimmten Teil seines l^bens schreiben dürfe
und später nicht zu weiteren Offenbarungen über sein inneres
geistiges Leben gezwungen werden solle. Dieser Gedanke ent-
springt dem Bewußtsein, dali niemand von sich und seinem Leben,
am allerwenigsten von den aulierordentlichen Gnadengaben viel
VDD sich reden machen solle. Eine solche Versicherung wird
nun aach Rulmann zuteil, der sich in aller Demut wehrte, sein
Leben zu schreiben, obwohl mit dem Jahre 1352 nach Nikolaus
Ton Löwen Rulmanns schriftstellerische Tätigkeit nicht abgeschlossen
war. Wenn femer Nikolaus von Löwen Rulmann alle vom Gottes-
freund erhaltenen Originale verbrennen läßt, die Namen in der
Abschrift dagegen ausläßt, so geschieht dies wieder in Anlehnung
an die Traktate. Die gleichen Gedanken kehren im Zwei-Mannen-
buch genau so wieder (vplLauchertS. 15/16:61/62; 89/90)')- Auch
') Glrar daa Verbremiaii Ton Uaudsctiiiften, welche dio eiiine Lelieuabi^BchreibunK
cnthialtsn rfl. ObrissDi anch Heinrich Seuae» Verbalten lüiepeubrock ' ü. l^i(B|.
18R
die Auflbriierung, einige Traktate abzuschreiben oder sie vor
Lateinischen ins Deutsche zu iil>er3etzen, findet sich in den Trak
taten (29*12). Wir dürfen uns darum nicht wundern, wenn Niko
laus von Löwen diese Aufforderung von sich verstand und sie
„vom Gottesfreund" angetrieben fühlte, die Urkundenbücher de
Jolianniterhauses zu verfassen. Und so läBt sich eine Überein
Stimmung der Traktate mit den Augabeo Nikolaus von Löwen
bis ins einzelne nachweisen. Nikolaus von Löwen arbeitel nict;
selbständig, sondern entnimmt alle seine Gedanken den ihm voi
liegenden Traktaten, verarbeitet und interpoliert sie, kommt abc
auch dadurch vielfach in Widerspruch mit sich selbst, was e
dann durch nachträgliche Korrekturen auszugleichen sucht, ohn
dal! es ihm üljei'al! gelingt, die Spuren davon zu verwischei
Zum Ueweise obiger Ausführungen seien noch einige Stelle
angeführt, die zeigen, daÜ der Gedanke: Ruhnann schreibt at
Anregung des Gottesfreundes sein Leben, hält es aber geheii
und lälit es die Brüder erst nach seinem Tode in einem v«
scliiossenen Kensterlein finden, keineswegs im Garten Nikolau
von LÖwens gewachsen, sondern bereits in den von ihm benutzte
Traklaten in aller Ausführlichkeit vorhanden sind.
Meiäterbuch: „Do sprach der meistor: Ich geloube, das die zit ga
Dohe si, das mich got nsser der zit haben wil. und darnmb Ueber auu, S'
ist mir gar trösthche, das du hie hi mime ende sott sin, und bitte dich, da
du do nemest die bletter der bappire, do itine wirst du vindeude geschribei
alle die wort, die du vi! zites mit mir ^cret best, und ouch alle oiine entwarte
die icb ouch in vil Worten mit dir redende was und darzü ouch von mimt
lebende, was wunders got mit mir armen unwirdigen menschen, sime armen
unwirdigen knebte, geton liet; und lieber sun duncket es dich giU sin und
git dir es got zu tiinde (261'') so mache ein biicheliii drna. Do sprach dei
man, Rulmans geseiie. Herre der meistor so habe ich uwerre bredien fünft
abegeschriben und duncket es üch gut sin, so wil icb sü derzütün schribei
und wil ein büchelin von uweren wegen drus machen.
Do sprach der meister: ach lieber sun, das bitte ich dich und mane
dich gottes alse hohe, alse ich dich in göttelicher minnen gemanen mag odei
sol, das du von minen wegen nüt schribest noch minon nammen nüt drai
nennest, wonne wissest, es ist min nüt und wil sin bi inime lebende mit wissot
und wil sin euch noch mime tode nüt wissen, wanne wissest, got der hat ei
durch mich armen wurm gewürket; des ist es onch, es ist min nüt, es ist
gottes. Und Laramb lieber sun, wilt du es scbriben und duncket es diel
denne nutzber sin unserme ebenmenschen zu helfe, so tu es, und ist mir liep
.^bi'r lieber sun schrip es also, das mit nüle minen nammen dinno nenues'
rebte alse oi'te du iliiien nammeii nenaast. Du magst wol drin schriben „der
meistcr"; and darzi'i soll du mit niitodisuolbebücbolinhie in dirr« stat lossen
lesen anders meo würde es merckeude, das ich es were, da seit es mit dir
lieimindia lant füren." GDM. BL2617'*. Schmidt, Bekehr. TaDlers61/62.
Sodann Traktat Nr. 2: S. 25*23 ff.; Nr. 4:8.27*4 ff.; Nr. 7:8.28*21 ff.;
Sr,8: S. 29*7 ; Nr. 9 : 8. 29*26 ff.
Traktat 14: „Meister Bckehart lieber vatter, ir nissent wol alles, das
ich och geselt habe, das die wort alle in bihte verswigen solle ot b Üben also,
das es bi mime lebende nieman von mir befinden sol. Do sprach meister
Mebart, lieber herre, ich bitte üch, das ir mir erloubent diso ding abe zu
schdbeade, also das men es nüt von üch befinden mag, wanne wissent, ich
wsis Personen den es gar nütze wurt sinde . . ." GDM. Bl. 1 1 7^
Desgleichen .sprach Ursula, als sie im Sterben lag, zn Adelheid: „Liebes
biit Adelheit, beslüs die türo aho, das du alleine hie inne bi mir bist, und
sprach do 2Ü mir: nü nim den slüssel und gang über das kensterUn,
1^0 rindest da alles min leben inne geschriben, do nieman von
«eis denne da nnd ein man, der noch me weis wenne da. and des wonange
ist in tatschen landen, doch nüt gar verre hinnan. des namme and in weler
sUter wonet, vindest du i'ich geschriben. und liebes kint Adelheit, wanne
ich erstirbe, so lo nüt, was es kostet, so sende einen gerittenen endellichen
^ten nach ime and schrip euch alles din leben, alse da mir antze har ge-
seit nnd geoffenboret hesL unser beides leben, alse da mir untze bar gescit
UDd geoffenboret best, unser beider leben, gip ime mitteinander geschriben,
'inue er es wol von welsche zil tütsche bringen kann, denne so weis er "ich
*<'!, wenne er es hinabe in Niderlant senden sol." Jandt, Amis S. 388-
Diese wenigen Beispiele zeigen zur Geniige, daß die Vier-
Mre wie das Fünf-Mannenbucli mit den übrigen Traktaten einen
einheitlichen Gedanken verfolgen und darum auch wohl auf den-
^selben Verfasser zurückzuführen sind. Die Übereinstimmung in
andern Dingen hat Denifle durchgeführt, auf die schon verwiesen
wurde. So versteht man dann auch, wie die beiden „Autographen '
tos Brtefbuch geraten und nicht den früher und prachtvoll ange-
fertigteß Memorialbücbern beigebunden wurden. Denn es ist doch
Dur eine Ausflucht Nikolaus von Löwens, wenn er als Grund an-
führt: loiewol dis gegenaertige buch Rülemannes umers Btifters
Üben und auch das rorgonde buch ihr fünf manne leben zu tütsch
und zi UUine in den drien Urkunde büchern und in andern buchern
manigvaUeelichc gesekr'iben sint, noch danne so saÜent die zwei
bappirine büchere, der erste stam und Ursprung, ire eigene hant
und ir selbes geschriß, uf di&er hofestat zu dem Grünenwerde bliben
und gar erwirdedich gehalten werden glich einte keiltüme in der-
ttlhti «MniMUHnre Uli Seh in tlix hri^fhürh^li.«. (i«Viiin,il.en
sini (115*29), was man wohl begreifen könnte, wenn Nikolaus von
Löwen das Briefbnch gleichzeitig mit den übrigen Urkundenbüchem
angelegt oder wenigstens anzulegen beabsichtisl hätte. Auch der
Hinweis darauf, daü das ßriefbuch und damit auch die Viten
der beiden Stifter zu den Geheimbüchern des Johanniterhauses
gehörten, welche an niemanden ausgeliehen werden sollten, kann
nicht als stichhaltig angesehen werden, denn daxu gehörten auch
die drei Memorialbücher, die gleichfalls nur für die Brüder be-
stimmt waren und auswärts nicht aui-geliehen werden sollten
(vgl. 14*35; lö"!-"»)'). Auch müllte dann das Brief buch als kost-
barstes Buch schon in seiner üuDeren Anlage eine feine, pracht-
volle Gestalt aufweisen, die der prachtvollen Anlage der drei
Memnrialbücher in nichts nachstehen durfte.
Erklärlich ist dann ferner, wie Nikolaus von Löwen im ersten
Teil des Grollen Deutschen Memorials zuerst Bulmann alle Ori-
ginalschriften verbrennen lälJt, während das Fünf-Mannenbuch im
Jahre 1377 als eigenhändige Schrift des Gottesfreundes den Brüdern
eingehändigt wurde; wie Nikolaus von Löwen Ruimarm alle Trak-
tate auf Wachs schreiben läßt und zwar in den letzten Jahren
seines Lebens, während die späteren Traktate schon vor dieser
Zeit und zwar in schöner eigenhändiger Schrift auf Pergamenl,
wie das Meisterbuch und Zwei-Mannenbuch, den Brüdern bekannt
waren, während wieder andere, ho die Vier-Jahre, erst nach dem
Tode Bulmanns aufgefunden wurden. So begreift man auch, wie
die erst in und mit dem ttriefbuch entstandenen beiden ,^uto-
graphen" gegenüber den früher entstandenen „Abschriften" Text-
zusätze aufweisen, und wie gerade diese Stellen die Wahrheit
der von Nikolaus von Löwen aufgestellten Thesen bekräftigen').
Von diesem Standpunkt aus fällt auch auf die Anlegung
der Chronik neues Licht, Wie diese zeigt, war es keineswegs
die Absicht Nikolaus von Löwens ein Leben Rulmanns zu schreiben.
■) Zum AusIeihuLL waron tiur die zwei .Übriggebliebenen Latsinbacber" bostimmt
(60'29).
'I Sebr viol spiicht dafQr, ilall SikoUus von LOwen zunAcbst nur bosbsithtigt
liattc, dni FDiif-Maiiiienbuch ab ..Vutograph" auszugsben. Darum wurde dieses auch
in den ersten Teil des firierbnchs aurgenummen, führend diu Vier-Jabre aret urischeD
don spAter ents tan deueii dritten und riarten Teil der Briefe lu »tsbea
Er begoügt sich mit ganz wenigen und kurzen NoLizenM. Kurz
nach Bulmanns Tode konnte eben Nikolaus von Löwen noch kein
ideales Lebensbild des Verstorbenen sehreiben; noch kannte alle
Welt dessen Lehen zu gut und es mag ihr nicht anders er-
gangen sein als den Brüdern: solange Bulmann am Leben war,
^aüle Biemand, dal! er ein so grotJer tiottesl'reund war. Ganz
«ndere war die Sachlage, als Nikolaus von Löwen 10-20 Jahre
nach dem Tode Rulmanns mit einer Lebensbeschreibung auftrat
Und dazu mit einer, die meistens in inneren Vorgängen sich ab-
spielt. Letztere konnten doch von niemandem kontrolliert werden
Vind dadurch, daß Nikolaus von Löwen dieselbe noch auf so selt-
aame Weise aufgefunden sein laut, war wieder niemand imstande,
seine Angaben einer Prüfung unterziehen zu können.
Ähnlich verhält es sich mit dem Leben des „Gottes&eundes"
Und seiner Gesellschaft Die Chronik sowie die Memorialbücher
melden von dem Gottesfreunde, seinem Aufenthaltsorte und seinen
Crüdem keine Einzelziige, erst bei Anlegung des Briefbuchs sieht
sich Nikolaus von Löwen genötigt, dieser Gesellschaft Leben und
(iestalt zu geben, wie wir später noch genauer sehen werden.
c) Zu demselben Ergebnis gelangt man, wenn man die Vier-
Jahre und das Fünf- Mannen buch rein äulierlich betrachtet'}.
Beide Viten sind auf ganz gleiches Papier geschrieben. Die
Struktur ist dieselbe nur mit dem Unterschiede, dali das Fünf-
Mannenbuch Längsstruktur, die Vier- Jahre Querstruktur aufweisen.
Das erklärt sich dadurch, daü dasselbe Papier zum Funf-Mannen-
buch in Quart- (30/20 '|, cm), zu den Vier-Jahren in Oktavformat
(20*|i/15 cm) verwendet wurde. Wären die Angaben Nikolaus
Ton Löwens richtig, dann wäre eme solche auffallende Überein-
stimmung in Benützung des Papiers unmöglich, es mußte nur
sein, daß der reiche Kaufmann Merswin nicht nur die fertigen
Schriften vom unbekannten und „armen" Gottesfreund erhalten hat,
sondern auch das Papier von ihm bezog. Das zu den Viten ver-
wendete Papier weist keine erkennbaren Wasserzeichen auf, welche
■) Zieht maD Id Kipital lä (IBT*) alles ab, wai lichei den Vier-Jafaren eat-
Islint ist, 10 bleiben als hiatorisoh bei;laulil(ta ChantlEtanDKe Kulinanna sehr neDige Obrii.
*) Auf Innven GrDadeD htl scbon Deaifle nachgewiaaen, daS beide auf elaen
Verfoaaer iDiflBktehan mOsaen, nie »ben betuut wurde. Er irrt« nur, »enn er darunter
ein gutes Hilüsmittet gewesen wären, die Gleichhüt des Pakten
noch schärfer nachzuweisNi. Dagegm ist das xu dem Briefbuch
sonst verwendete Papier versdiieden von dem der sogenannten
eigenhändigen Viten. Dieses ist stärker imd besser als jenes.
In beiden Vitea sind die Seiten unten mit römischm Zahlra
gezählt, welche mit derselben Tinte geschrieben wordai, wie
die dazu gehörigea Viten. Diese Zahlen stimmen in ihrem Sdirifl-
charakler unter sich sowohl wie mit den in dem Text Terwandten
Zahlen (vgl. 191*21 ; 198*3?) iiberein, so daU sie und damit auch
die Viten selbst nur von einer Hand geschrieben sein köuiea
In beiden Viten stehen sodann die genannten Zahlen an derselben
Stelle: die ungeraden am inneren, die geraden dagegen am äußeren
Rande. Bei den Vier-Jahren wie beim Fiinf-Hannoibuch nnd
die Seiten von oben bis unten besdirieben, so daß kein freier
Raum übrig bleibt In beid^i ist die Kapiteleinteilung die gleiche:
der Schreiber beginnt mit einer neuen Zeile ohne jede Über-
schrift; was von der vorhergehenden Zeile unbeschrieben ist,
wird mit einem Scimörkel ausaefüUl, in der aleichen Weise
BuchsiabeQ des Alphabets beider Viten photographierea und
nebenemanderatellea lieD>). Er hat nur den richtigen Schluß
nicht daraus gezogen. Denn die Gegenübers lellung beider Alpha-
bete zeigt zur Genüge die Übereinstimmung in den Buchstaben.
Die ganze Kunst des Schreibers bestand darin, das er das Fünl-
Mammenbuch im Gegensatze zu der einfachen Schrift der Vier-
Jahre mit den Terschiedensten Schnörkeln versah. So vor allem
die OTj n, 8 und t.
Auf die Sprache der beiden Viten brauche ich nicht ein-
zugehen, da die in beiden auftretenden Verschiedenheiten auf
die bewußte Fälschung des Schreibers zurückzuführen, im
Grunde genommen aber rein äußerlich sind, wie das ständig
wiederkehrende a der Endungen, die Verdopplung der Kooso-
Qaaten oder der Vokale usw"). Auch hier kann der Schreiber
seine Fälschung nicht verbergen, wie die Korrekturen des Fünf-
JUannenbuchs ganz deutlich zeigea Ich führe nur an geatost korri-
giert in: geatosan (Bl. 11"); gegenmertigen ziten korrigiert in: gegen-
wertigen sorclichen xüani^VW^). Der Korrekturen im Fünf-Mannen-
buch sind nur wenige, obwohl man deren eine größere Anzahl er-
'Warten dürfte, da Nikolaus von Löwen ausdrücklich im Begleit-
brief betont, daß das Füni-Mannenbuch in kurzer Zeit und sehr
rasch vom Gottesfreund geschrieben werden mulite (70*10). Nikolaus
■von Löwen will mit dieser Bemerkung vor allem die sonderbare
Schrift des Fünf-Mannenbuchs erklären und sich selbst rechtfer-
') Du gUicho Eiporlmsat kOnaU uiaii auch But das Briatbuch ■anendsn und
«irmlne Buchstaben dasMlben dan sogutianoMa AuCngraphea gegsnnberstellea. Als
HeiiJUt «llrde sich auch hier Tdlliira ÜboreiDBUmmaiiE der Buchstaben er^ben, wia
ich mir an Terschisdenen Stallen des Briefbuchs angenierkt habe.
*) Wer d&min vetsuchea wollte, grammatikalische Kegeln ■ufzugtalleu, wDrde
lehr in die Irre getohrt werden. Rein äuBerlich ibt docli nur der regalluse Wechsel
iü der Anwendung von gleichwertigeu Konsonanten; füri vir; gedochthe: gedockte;
Icnmff : kroftic : eranc ; Irranekeü : krangkeil : krankeil : eiancheit ; ron: fon. WUl-
kOrlich« Xndsning der Vokale e in a; et statt e; A in i* usw. e, ü, S usw. Ver^
doppluag der Konaonanten, ParÜilpialumachraibDugen statt des einrachen Verbs, Ana-
kolntba, ZaidcktaUen rom enftUsnden in den Qesprachstoa (ifl. Schmidt, NtB. 108
Zril« !8 ; IST Zeile 19). Wie er seine Vortage erweiterte, loigt doutlich eine Korrektur
auf 81. 3b de» FOnC-Uanneubuchs : nii stant uf in allei- MfrX namme uni irkiUe
dieh A» d*r bäten de» kotiert »a*ger», rranne falle die leiüe das] du aUo diiat,
10 idrat du mm man ni*mtr. Das In | ] Oosetite ist in der Handschritt abe.-
litten, dall er dieses Buch in die Memorialbücher in Abschrift
aufDahm.
Aulfailend ist sodann, daU beide Viten je ein Büchlein von
16 Seiten umfassen und dali beide keinerlei Spuren aufweisen,
datl sie vor dem EinbefLen in das Brief buch selbst scboo geheftet
waren. Das alles beweist zur Ijenüge, dalä beide Viten nicht von
zwei verschiedenen Personen, die eine vom Gottesfreund, die andere
von Hulinann geaehrieben sein können, sondern daß beide von
ein und derselben Hand stammen, welche sie gleichzeitig mit
Anlegung des Briefbuchs anfertigte. Das aber ist Nikolaus von
Löwen.
Auf dieselbe Si^hrift führt uns noch das sogenannte Neun
Felsen-Autograph'), sowie der erste Eintrag in der 11s. H des Zwei-
Mannenbuohs*). Wollte man die St-hriftzüge Nikolaus von Löwen
absprechen, weil sie dem äulleren oberflächlichen Anschein
nach von der Schrift des Briefbuchs und der eigenhändigen Lebens-
beschreibung Nikolaus von LÖwens verschieden sind, dann müllte
man doch auch berücksichtigen, dall Nikolaus von Löwen ein
Schreiber von Beruf war und darum in mehreren Schrifl-
arten schreiben konnte. Ebenso ist wohl zu erwägen, wann
Nikolaus von Löwen irgend eine Schrift schrieb. Jedermanns
Schrift ändert sich ja im Laufe der Zeiten und die Schrift der
Jugend ist nicht die des Alters.
Die ganze äuliere Gestalt der Vier-Jahre (wie des Fünf-
Mannenbuehs) entspricht also nicht den Erwartungen, wie wir
es an eine eigenhändige Lebensbeschreibung zu stellen gewohnt
sind, und dazu noch an eine solche, die mit so vieler Sorgfalt
geheim gehalten und sogar mit silbernem (!) Siegel verschlossen
war. Die Ausstattung ist ganz gewöhnlich, die Schrift flüchtig,
die Seite von oben bis imten beschrieben, ohne auch nur den
geringsten Rand frei zu lassen — ein Zeichen, das die Unglaub-
würdigkeit der Angaben Nikolaus von Löwens noch deutlicher
darzutun imstande ist.
Alles zusammen aber ist ein unwiderlegbarer Beweis da-
für, daß Nikolaus von Löwen der Schöpfer des Gedankens ist:
'I Dan sugcimmite Naunrelfien-Autogrnph ist auf »ndaroi Pnpier Koschrieben »ll
ilio livldan sugeriaiintoii AiitOKTAphun der Vjtjtii. llio Schrift sli«r Ut dio [Itictac
'i \'g\. Schrifttafel 4 u. b.
193
Rulmann Merswin ist ein Gottesfreund, schreibt wie Gottesfreunde
seine eigenhändige Lebensbeschreibung, läßt sie aber aus großer
Demut erst nach seinem Tode zur Erbauung anderer finden.
l
4. Die Briefe.
Wenn der Gottesfreund vom Oberland nicht existierte, und
wenn Nikolaus von Löwen eine Beziehung Rulmanns zu diesem
Gottesfreunde nur fingiert hat, dann ergibt sich daraus von selbst,
dal) Nikolaus von Löwen auch der Erfinder des Briefwechsels
zwischen^Rulmann und dem Gottesfreund ist, von dem das Brief-
buch uns zu erzählen weiß. Allein das darf uns nicht der Pflicht
entheben, auch an den Briefen den näheren Nachweis zu liefern,
daß sie im Grunde genommen nur Abschnitte aus mystischen
Traktaten sind, die Nikolaus von Löwen zu Briefen umgedeutet
und seinen Zwecken entsprechend interpoliert hat. Die Briefe sind
darum, weil schablonenhaft, weder nach ihrer Datierung noch
nach ihrem Inhalt zuverlässig, gestatten aber doch von Zeit zu
Zeit einen Blick auf den historischen Hintergrund, auf dem die
Rktion Nikolaus von Löwens sich aufbaut. Den Beweis dafür werden
wir aber nur dann mit Erfolg führen können, wenn wfr stets
die ganze Anlage des Brief buchs, wie sie oben S. 50 ff. behandelt
wurde, im Auge behalten, dabei zwischen den einzelnen Teilen
eine scharfe Scheidelinie ziehen, bei jedem einzelnen Teil wieder
die Rubriken und die eigentlichen Brieftexte als zwei getrennte
Bestandteile behandeln, um so schließlich den innem Zusammen-
bang des Briefbuchs mit den übrigen Memorialbüchem des Straß-
burger Johanniterhauses richtig würdigen zu können.
Eine der sichersten Quellen für die historische Forschung
Wdet ein ausgedehnter Briefwechsel, dessen Datiemng in erster
Linie zuverlässig ist. Eine solche Quelle könnten auch die Briefe
des Gottesfreundes sein, wenn der Historiker sich auf ihre Daten
▼erlassen könnte. Eine nähere Nachprüfung jedoch wird uns über-
zeugen, daß sämtliche Daten der sogenannten Gottes-
freundbriefe einer teils willkürlichen, teils berech-
neten Erfindung des Nikolaus von Löwen ihre Ent-
ziehung verdanken« Den Ausgangspunkt für diesen Beweis bilden
^ei Absdmitte des 13. Biiefes (110*23-111*7 u. U2*42-\\?>n^^
die inhaltlich je mit einem entsprechenden Ab^choiLte in Brief
Nr. 1 (76*29-77*13) und 6 (85*21-37) übereinsLimmen. Die über-
sieht wird folgendes Schema zu erleichLera imstande sein:
Nr. 1: 1377 juli 13. Komtur. 1 Nr. 6: 1375 april 23. Komtur.
Nr. 13: 1377 april 23- Komtur. | Nr. 13: 1377 aprü 23. Komtur.
Es kehren demnach im 13. Briefe zwei Abschnitte wieder, vin
denen der erste den dritten Abschnitt in einem selbständigen Briefe,
der zweite dagegen einen Brief für sich bildet, von denen aber
beide ein anderes Datum tragen als der 13. Diese VersL-hiedenheit
könnte man zunächst durch eine unbewußte Wiederholung früherer
Gedanken zu erklären geneigt sein; allein dann wäre die fast
wörtliche Übereinstimmung von je zwei der genannten Abschnitte
doch mehr als sonderbar und psychologisch nicht erklärbar. Die
wörtliche Übereinstimmung lüllt nur auf eine absichtliche Wieder-
holung beziehungsweise worthche Abschrift derselben Vorlage
schliebeo und mütlte als solche in einem wirklichen Briefweehiel
m^jtiviert sein. Diese Motivierung gibt uns auch Nikolaus von
Löweu in seiner Rubrik zum 13- Briefe, die mit einem Sehlage
das Rätsel der Wiederholung zu lösen imstande ist. Dort heilJt es
(108*14) usser diser selben missiven (d. h. der dreizehnten, datiert
1377 April 23) smt zwene simie (= Abschnitt 7(i*29rf. u. 85*21 IT.)
vorgeschrihen in dis gegenwertige hriefbücheUn. Nikolaus von Löwen
ist es demnach, der bereits zwei Abschnitte des 13, Briefes unter
Brief 1 und 6 aufgenommen hat, obwohl er weder im 1. noch im
6. irgend eine Bemerkung beifügt, dali beide Teile aus einem
Briefe andern Datums stammen, im Gegenteil ausdrücklieh (73*5)
betont: due aelbe miasne (d b Brief 1 datiert 1)77 Juü 13) seit
drie sinne, und (So 18) <lru lOr i i dem hejinnt der zweier bebesU
Vrban und Cle neun (d h I h > "Vpril 23) to Kam ein brief. in dein
wart dem cpmnttnJiite gfschrilen unter an lern warten alsas. Die
Daten der Briefe stehen demna<.h zu einander m unvereinbarem
Gegensatz, sind aber erklirbar wenn \ikolaus \on Löwen die
Briefe selbst datiert ha und \erotandlii.h dann wenn man berück-
sichtigt, dali IJritf 1 und h der t rsjtt-n Ent tehung phase, Brief 13
dagegen der dritten angehört, Nikolaus von Löwen aUo weder
im 1. noch im 6, Brief schon an die Anfertigung des 13. gedacht
hat, den er. ohne den Widerspruch zu merken, unter einem anderen
19t
Datum vom Qottesfreund geschrieben sein ließ, als die beiden
Briefe 1 und 6.
Das Schablonenhafte der Datierungen zeigt sich noch deut-*
lieber^ wenn wir die folgenden Tabellen einer genaueren Durch-
sicht unterziehen:
1. Reihenfolge der Briefe Im Brief buche.
Nr.
1. Teil >
0
1
2
3
4
5
ß
7
8
9
10
2. Teil
\ 12
I. Teil < i 1
4. Teil
{;
3
4
5
6
7
5. Teü
18
19
20
21
22
1377 circa mai 17
1377 Juli \:i
1377 aug. 1
1377 nov. 22
1378 febr. 19
1369 Jan. 29
1375 april 23
1379 febr. 18
1379 april 16
1380 febr. 22
1380 april 4
1379 juni 1
1380 april 20
1377 april 23
[1377] kein Datum
1377 april 23
1377 märz 12
[1363] kein Datum
[1371] kein Datum
[1371] „ „
[1377 febr. 20] Nachtrag
[1371] kein Datum
1377 circa mai 17
Adressat
Brüder
Komtur
Bulmann
Bruder
Komtur
Weltpriester
Komtur
Komtur
Komtur
Bulmann
Bulmann
Komtur
Komtur
Komtur
Komtur
Nikolaus von Löwen
Komtur
Job. V. Schäffolsheim
Gottesfr. von NvL.
Nikolaus von Löwen
t1
91
Nikolaus von Löwen
Sdieiden wir zunächst die Begleitschreiben zum Fünf-Mannen*
buch (0) und dem Meisterbuch (5), sowie den Brief an Johann von
Schäffolsheim (17), den einigen, der nicht zu Grünen wörlh hiBeri€-
hung 8t6htf au8f dann zeigt sieh in den beiden Hälilerv d^^ Y. "1^^^^
196
je eine sireng chronoiogisfhe Ordnunj; von 1-4 und 6-10. Diese
t^hrouülogisehe Ordnung richtet sich aber wieder naeli dem
Inhalt der beiden Teile, von denen die erste Hälfte von detn
Bau und den innern Zustanden des Hauses handelt, die zweite
dagegen vnn den „Plagen" und den Bemühungen der Goltes-
freunde dieselben aufzuhallen. Chrunologisch ist ferner die An-
ordnung im 2. Teil der ISriefe, während die Daten des 3- Teil»
alle gleich sind. Dem 5. Teil der Briefe fehlte ursprünglieli jede
Datierung. In den Bubriken setzte sie Nikolaus von Liiwen ins
Jahr 1S71, während das Datum des 20. Briefes im AnschluD aa
Brief Iß ins Jahr 1377 zu setzen war. Die Datierung der Briefe
ist also ganz abhängig von dem Teile, den sie im Briefbuch ein-*
nehmen, d. h. aber: derjenige, der das Brief buch angelegt hat,
mult auch der selbständige Erfinder der Datumszeilen der Briefe
sein. Dabei lieli sich Nikolaus von Löweii von dem GedankeOi
leiten, alle Briefe, welche der Hauptsache nach von dem Bau
des Hauses und seiner inneren Einrichtung handeln, in die Jahrft
1377/8 zu setzen, die Briefe von den Plagen und dem Schisma
dagegen in die Jahre 1379/80. Das zeigt deutlich eine Übersicht den
Daten in der zweiten Tabelle |S.197). Mit diesem allgemeinen Satz'
stehen zunächst nicht die drei Briefe 18, 19,21 des 5- Teils in Wider-
spruch, da Nikolaus von Löwen dieselben ihrem Inhalte nach und ent-
sprechend dem Teile, in welchem sie stehen, mit keinem anderen
Datum versehen konnte, wollte er sich nicht offenkundiger chro-
nnlogischer Widerspriiuhe schuldig machen, da das Datum dieser
Briefe durch seinen Eintritt in den Jnhaiuiiterorden bedingt war.
Auch der 6- Brief bestätigt nur die oben aufgestellte allgemeine
l-ie^;el, da er seinem Charakter nach als .,Prophezie", zu dem ihn
Nikolaus von Löwen in seiner Hubrik gestempelt hat, und im An-
shiuss an die Stelle 8(5*18 ärü ior oihr me. um diese Jahre
vorausdatiert werden mulite. Damit steht auch der ä Brief nicht
im Widerspruch, da dieser Brief im Briefbui:li nicht zum ersten-
mal aufgezeichnet wurde, sondern bereits einen Bestandteil des
lateinischen Memorials bildete und nach seinem Charakter als
Begleitbrief zum Mcislerbuch in seiner Datierung von den Angaben
abhängig war, die Nikolaus von Löwen über die Zeit der Sendung
des Meisterbuchs in den Memorialbürhern bereits aufgestellt hatte.
In den Memorialbüchern aber gibt Nikolaus von Löwen überein-
197
Stimmend die Zeit an : als die weltlichen Priester hie inne zu dem
Grunenwerde wonetent unde die ktjrche hesungent sub anno domini
miUesimo cctfi Ixix. (ll'^SOff.) Eine andere Datierung als 1369 war
demDach unmöglich. Unaufgeklärt allein bleibt einstweilen das
Datum des Briefes an Johann von SchäfTolsheim. Vielleicht mag
hier das Todesjahr des Adressaten mitgewirkt habend). Das Datum
ist auch hier weniger von Bedeutung, da das Jahr 1363 nur das
Werk des Rubrikators ist, während der Brief an sich kein Datum
trägt
II. Chronologische Reihenfolge^).
Teil
Nr. Datam
Adressat
4
17
[1363] kein Datum
Johann v. SchäfTolsheim
I
5
1369 Jan. 29
Weltpriester
P
18
;i37l] kein Datum
Nikolaus von Löwen
V
19
1371]
f> >♦
>» ♦» »
U
21
[1371]
n »
»> »7 • »>
1*
6
1375 april 23
Komtur
{!
20
[1377 febr. 20]
Nikolaus von LOwen
16
1377 märz 12
Komtur
|3
13
1377 april .23
Komtur
V
14
[1377]
Komtur
U
15
1377 april 23
Nikolaus von Löwen
'
{-
U
1377 circa mai 17
Brüder
22
1377 circa mai 17
Nikolaus von Löwen
1
1377 juli 13
Komtur
2
1377 ang. 1
Rulmann
3
1377 nov. 22
Brüder
<
4
1378 febr. 19
Komtur
7
1379 febr. 18
Komtur
i *
8
1379 april 16
Komtur
2*
Jl
1379 juni 1
Komtur
<
{;:
9
1380 ft'br. 22
Rulmann
10
1380 april 4
Rulmann
2*
12
138
0 april 2u
Komtur
') Ober den AdressatoQ näheres festzostellen, ist nicht gelungen. Glöckler,
^^•chiebte des BUtoms Straßburg I. 209 bringt die einzige aber nicht zu prüfende
Niduieht, daß Br. Johann von Schaftolsheim im Klostergarten der Augustiner, denen
*^ iHthÖrtif im Jahre 1874 eine hl. Grabkapelle habe erbauen lassen.
^ DIt Britfe, wflIcJi« ron deu Plagen handeln, sind mit StemcYiQii i ^t«Q>i«ti.
1Ö8
Die zweite Tabelle gibt uns feruer Aiiföcliluli über die Daten
der Hriele 16 und 20, welche beide, wie es aui;h die Rubriken
deuLlii.^b betonen, die Homfalirl behandeln, demnacb mit den früheren
Angaben Nikolaus von Löwens im Anfange des Briefbuehs nii'ht
in Widersprui'h treten durlteri. Beide aber waren wieder ihrem
Inhalte nafh, der, wie wir später poch sehen werden, einfach aus
den Traktaten herübergenoinmen war, „um Oslern" 1377 anzu-
setzen, so dali wir das Datum Febrnar 20 und März 12 erhailan.
Ähnlieb ist das Verhältnis von Brief 0 und 22. welche beide
vom Fiinf-Mannenbuch und dessen Abschrift handeln und danim
auch beide das lateinische Datum: Datum circa feüum Penlhe-
co&les a. d. 1377 tragen, während alle übrigen Briefdaten deulseh
sirid. So wirkte auf die Datierung der Briefe ihr Inhalt offenkundig
ein und zwar nairh den zwei grolien Gesichtspunkten : alle Briefe,
welche den Bau und die innere Einrichtung des Hauses behandeln,
in die Jahre 1377|8, diejenigen dagegen, welche von den durch das
Schisma hervorgerufenen Plagen sprechen, in die Jahre 137'.' SO
zu setzen. Zu beidem aber gehörte kein grolter Scharfsinn, da
erst im Jahre 1377 die eigentliche umgeslaltende Bautätigkeit vm
Grnnenwörlh begann, anderseits aber die Briefe vor Rulmanns
Tode geschrieben sein mullten. Wir brauchen darum uns nicht
mehr zu wundern, wenn der Gottesfreuud vor dem Jahre 1377
nur mit Nikolaus von Löwen verkehrt, erst im Jahre 1377 mit
Rulmann, dem Komtur und den Brüdern des Johanniterhauses.
da auch die TrakLale im ersten Teil des Grolien Deutschen Memorials
erst im Jahre 1377 !f. den Brüdern von Rulmann geofTenbart
wurden. Es entsprechen sieh demnach der erste Teil des Grolien
Deutschen Memorials und der erste Teil des Brielbuchs vollständig.
Selbst in der Wahl der Monate zeigt sich ein gewisses Schema,
da die Monate Februar, März, April vorherrschen. Solch scha-
blonenhafte Arbeit läilt sich aber wieder nur dann begreifen,
wenn derjenige, der das Briefbuch geschrieben, auch die Daten
der .sogenannten Briefe erfunden hat; icli sage der sogenannten
Briefe, da wir im Briefbuch überhaupt keinen wirklichen Brief-
wechsel vor uns haben, wie uns der Inhalt der Briefe zeigen wird.
Vergleichen wir zunächst den Inhalt der Abschnitte, welche
im Briefhuche selber zweimal wiederkehren. 110*23-11 1*7 =
7d'^20-77*V3 zeigt einmal, dali beide Stellen auf ein und dieselbe
199
Vorlage zurückgehen müssen, und erklärt anderseits, wie der
Schreiber der Briefe gearbeitet hat. Schon die Einleitung ist ent-
sprechend der Stellung der beiden Briefe sachgemäß geändert:
Vä lieber frünt, heißt es in dem einen, ich müs üch noch me
iogeti von tromen, weil eben ein Traum bereits voranging und ein
anderer folgt. Im ersten Brief dagegen lautet die Einleitung:
tu lieber frunt, ich müs üch och sagen von eitne trome. Die anderen
Textunterschiede, die ebenfalls nicht unwichtig sind, seien einst-
weilen übergangen, um nur noch auf den Schluß aufmerksam zu
machen. Der Schluß des 13. Briefes: 111*5 es were bis offenborunge
findet sich nicht 77*10. Statt dessen lautet der Schluß im I.Briefe:
«>irf wißent ril lieber min frünt.,. Das ist aber der wörtliche
Schluß eines anderen Abschnittes im 13. Briefe (112*4-7)!
Ähnlich verhält sich der Text von 85*21-37=112*42-113*19.
Auch hier ist der Eingang seiner Stellung entsprechend abge-
ändert 113*11 und rüffent bis getruwende fehlt 85*30, während
anderes wieder unwesentlich, aber für die Arbeitsweise des Brief-
schreibers ganz charakteristisch geändert ist. Nikolaus von Löwen
übernimmt also, wie er es auch in der Rubrik 108*14 bestätigt, be-
stimmte ihm vorliegende Textabschnitte und verändert sie sinngemäß,
um daraus Briefe mit eigenem Datum zu formen. Nikolaus von
Löwen ist also nicht bloß für ihre Datierung, sondern auch für
ihren Inhalt verantwortlich zu machen.
Einige Briefe kehren dann nicht nur im Brief buch, sondern auch
in den übrigen Memorialbüchern wieder, wie es auch Nikolaus von
Löwen zu Anfang des Brief buchs andeutet (64*17). So Brief Nr. 2
im achten Kapitel der Chronik, dessen Textunterschiede 179*14 ff.
genau angegeben sind. Besonders zu beachten sind die beiden
fehlenden Stellen 77*36 daz du hinabe zu Strozburg geschriben
hesi und 79*16 Rulman du solt wißen, daz Rupreht dirre tage
eins bi mir waz . . . Beide Stellen durch Homoöteleuton zu erklären,
wird, wenn man die Arbeitsweise Nikolaus von Löwens an andern
Stellen berücksichtigt, schwerlich angehen, umso weniger, da mit
Handschrift D und E auch G übereinstimmt. Von besonderer
Bedeutung ist aber die Datumszeile, die in beiden Briefen
▼ erschieden lautet; denn St. Peterstag (179*26) ohne Zusatz
ist der 29. Juni, während St, Peterstag sinre lidigunge (79*^2^^ d^t
1. August ist
Der Begleitbrief zum Meisterbuch ferner fand sich schon im
13, Kapitel des Ersten Lateinischen Memorials (225*121?.), der,
nach der ÜberseUung Götznianns zu ^c-hHeßen, mit Ausnahme des
Datums mit Brief Nr. 5 t82*lSfl'.J übereinstimmt. Wenn wir im
Datimi keinen Ubersetzungs- beziehungsweise Sehreibfehler Götz-
manns vor uns haben, ist das eine Datum i84''8) mit 1369 Januar 29
aufzulösen, das andere dagegen (225*14) mit 1369 Februar ö.
Wichtiger an diesem Briete sind die Bemerkungen, mit weU:hen
Nikolaus von Löwen denselben begleileL Im Ersten LateinlsL-hen
Memorial wird der Brief einfach als ein Sendschreiben bezeichnet,
im Briefbuch dagegen heiflt es ausdrü(;klich, daß dies der erste
Brief war, den der Gottesfreund den Brüdern von Grünenwörth
sandte. Warum Nikolaus von Löwen dies nicht im Ersten Latei-
nischen Memorial belont, iat nicht einzusehen. Hier eine Bemerkung
über die Briefe des Gottesfreundes einzufügen, wäre ja umso not-
wendiger gewesen, als der Leser vom „Briefsehreiben" des Goltes-
freundes noch nichts erfahren halle. Anders lautet auch der
Nachsatz Nikolaus von LÖwens im Briefbuch (84*11) und im
Ersten Lateinischen Memorial (225*16).
Ausdrücklich hebt Nikolaus von Löwen ferner hervor, daß
Brief samt Meisterbuch direkt an die Brüder gesandt wurden; von
irgend einer geheimen Vermittlung Rulmanns ist nicht die Rede.
Die Brüder müssen also schon Un Jahre 13(39 genau über den
Absender des Buches unterrichtet gewesen sein, während sie nach
andern Angaben Nikolaus von Löwens erst 10 Jahre später über-
haupt etwas von den Selu-iften des Gotteslreundes durch Rulmann
erfuhren. Das lallt sich nur verstehen, wenn wir im Ersten La-
teinischen Memorial die ursprüngliche Deutung Nikolaus von Löwens
vor uns haben, welche später ihren Zwecken entsprechend eine
Veränderung erfahren niulile. In diesem Zusammenhange erhält
auch die Einleitung zum 22. Kapitel des Ersten Lateinischen Me-
morials eine neue Beleuchtung, wo betont wird, dal) derselbe Guttes-
freund im Oberland — der im Meisterbuch als von Nikolaus von
Löwen fingiert auftritt — einetn welllichen priester zum Grünen-
wörth die Sakramentspredigt ein halbes Jahr nach Ankunft des
Meisterbuchs übersandte (227*16). Dieser weltliche Priester, das
ist Nikolaus von Löwen, steht also ebenfalls im Jahre 1369 im
direkten Verkehr mit dem Goltesfreund.
201
Ein weiterer Brief handelt vom sogenannten „Vogelnest" und
steht sowohl im Ersten Lateinischen Memorial (232*15) wie im
Briefbuch (80*5), beide wiederum, soweit es die Übersetzung Götz-
maons erkennen läßt, dem Inhalte nach übereinstimmend. Daß jedoch
der Gottesfreund uf siner Metzer vart war, als er diesen Brief schrieb,
erfährt man nur aus dem Briefbuch, das Erste Lateinische Me-
morial weiß davon noch nichts. 232*15 heißt es für diaes mahl,
im Brief buch 80*5: zu diser vart, eine Änderung, die Nikolaus
von Löwen vorgenommen hat, wozu er 79*37 in der Rubrik
den Kommentar liefert: do er uf siner Metzer vart waz, also die
torgonde missive wiset. Wir haben also hier nur eine Deutung
Nikolaus von Löwens vor uns, die in ihm durch 79*5 hervor-
gerufen wurde. Wenn der Gottesfreund vom Oberlande damals
uf siner Metzer vart war, dann hätte er auch leicht bei seinem
auserlesensten Freunde Rulmann in Straßburg ankebren können,
um mündlich zu erfahren, wer unter den „Vögeln^* zu verstehen
sei, wo dem Gottesfreund doch die Deutung so große Schmerzen
bereitet und er den Bruder Johannes, der demgemäß auch mit
bei der Metzer Fahrt sein mußte, um Rat frug. Auch ließ der
Gottesfreund bei diesem Briefe etwas lange auf sich warten, da
ihm die Vision am 21. Oktober bereits zuteil wurde, dieselbe aber
erst am 22. November nach Straßburg schrieb.
Wenn schon die bisherigen Ausführungen den Beweis erbracht
haben, daß der Text der sogenannten Briefe unter Nikolaus von
Löwens Hand eine Änderung erfuhr, so wird uns der Vergleich
der Briefe mit dem Text der Traktate zu dem weiteren Ergebnis
führen, daß Nikolaus von Löwen eine Anzahl der ihm vorliegenden
Texte in bestimmter Absiebt zu Briefen umgemodelt hat Das
zeigen am klarsten die Briefe Nr. 6-10. Alle fünf stimmen darin
überein, daß sie von den Plagen erzählen, welche Gott Vater
über die Welt schicken wird, um seinen Sohn zu rächen. Sogleich
wären diese Plagen eingetreten, wenn die Gottesfreunde den himm-
lischen Vater nicht um einen ufslag angegangen und so durch
ihr gemeinsames Gebet die drohenden schrecklichen Plagen auf-
gehalten hätten. Derselbe Gedanke kehrt aber auch zu verschie-
denenmalen in den bereits behandelten Traktaten wieder.
Von der Not der Christenheit, den sorglichen Zeiten und
dem ufdag^ den die Gottesfreunde erbitten, handelt TraVL\aA. % no\i
ioi
der Klausnerin Ursula (Jundt, Les amis 388), Traktat 5: die geist-
liflie Stiege (Jundt, Rulman 128). Traktat 12: die lorde des Gottes.
Freundes, vor allem auuh der von Tauler stammende 4- Traktat
des dritten Teiles (44*37). Der Ausdruck; Es steht nörglieh in der
Zeit oder i)i der Christenheit (85*33, 86*10) kehrt unzähligemal
in den Traklaten wieder NF. 14, 15. 18. 144, Hb; NvB. 244, 187.
188, 190, 197, 202|3, 272; MB. 35. usw. — Von dem wdltcisen,
richsinniffen herrm (86*14) wissen aui'h die Traktate zu berichten
(29*20 IT.). LauchßPt IJOIT. — Zu Noe (86*2l>) und Jonas, dem Pro-
jjheten, den Gott zu einem Lügner machte (86*30; 100*31) vgl.
NF. 52, 6(1. 62, 120; NvB. 190. — Lerf^r uf dem s/»i(87*10; 10.^*4)
vgl. MB. 37 das yotles wort uffe dem släle hredigende. — 87*10
uzfaren zu den creoturen vgl, MB, 50: under die Heiden raren
Schmidt, Gotteafr. 71. — Die Ermahnung zur Einkehr 87*12 ist
in den Traktaten etwas ganz gewöhnliches. — 87*:?0 unter die
criatenheii i/eteitl werden (vgl. 99*4) wirkte auf die Erweiterung
des Fiinf-Mannnenbuchs ein (205*39 IT,), NvB. 133. ~ 87*25 alue
gar sirglich als es nu in der zit »tot NvB. 187, NF. 7, 14, 17 und
oben. — 87*;iO beten vor dem Schlafengehen vgl. 31*9 IT. Das
übt aui-h der Kaufmann NvB. 81. — 87*33 raten ussn- ffoltelirh^
minne und uz aller er isteiil icher truwe gehört ZU den allgemeinen
Phrasen der Traktate; vgl. NvB, 197. — Mit 88*1 beginnt dann
die Serie der Visionen, deren regelmäßige Begleiterscheinungen
die großen sweren trncke (88*2, 164*11. 93*15) und die «'ortmcA*«
(88*24) sind'). Außerdem ist das seltsame, daß dabei zwei oder
mehr Personen stets dasselbe empfinden; krank werden, wenn
sie der Vision nicht glauben, und mit einem Schlage wieder gesund
sind, sobald sie ihr Glauben schenken. Zu Wortzeichen (88*23,
78*36, 92-15 vgl. Jundt, Les amis 389: NvB. 85, 86, 126, 155, 241;
Schmidt, Gottesfr. 65, 69; Jundt, Histoire du Panthöisme 22.'>-
— 88*24 (vgl, 78*42) uf eine atiint gesunt werden vgl, Lauchert
11.M2- — 89*35 winde-sgeidse ^Laucherl m.t:,. —89*37 rinster-
ni/Äe NvB. 178, 2,ö0. — 90*9 stimme Jundl, Les Amis 376, 390:
NvB. 82, 214, 146, 148, 166, 208, 209. 219; MB. 12, 13. — 90^24
'I I>it.se ^1-.! noti tiDduD ilire uicrkH iriliggu Pariülelen in den Le|[eDilaDEi>iuai-
1iing:i.ii (las MitWIaICuts auf <)ie «lu uigeiiL Vrb,.it eiiizugolicii hiltte. Vi^iooeii der
MutUr Gottes <iclie \itaa fntciini kd KeichertI ■; 41 ^M: l'.ll <^ II. Der bl. Kathi-
203
das schöne Licht verschwindet - Juadt, Las Amis 391. — 90*30
nieman hievon sagent NvB. 126, 180, 164, 174, 206; MB. 9. — Zu
90*34 vgl. 87*30. — 91*28 beginnt wieder eine Vision mit den
Wahrzeichen, der Stimme usw. Diese Visionen finden vor allem
an Weihnachten statt (77*3). — 91*33 da^ ich weder reht schlief
noch reht enwachete = 77*27. Dasselbe tut auch der Gottesfreund
der geistlichen Stiege, dem eine schöne Frau im Lichte erschien
und mit ihm sprach \). — 92*6 beschach daz die drie naht alles
glich = MB. 50 beschach mir dise vermanunge zu drien stunden alUs
in dem sloffe rehte in einer wisen rehte geliche; vgl. 76*39, 92*18*).
— 92*15 Visionen ist nüt wol zu glaubende = WO* \^^), — 92*22
wanne in nut duhte, daz er wirdig tvere zu alsoUchen großen goites
frtniden zu varende vgl. 90*1, 114*1, 131*36. — Zu 93*20121
Vgl 88*314. — Die Gedanken 93*29 vor disen ostem varen
kehren ähnlich bei der Rorafahrt wieder = 121*22-26. — 93*26
nüt tasten = 121*31. — Zu dem Ausdruck krankes haupt, und na-
iuren krank (93*26 u. 121*25) vglLauchert 17,,> ; MB. 23; NvB. 164,
237. — Zu Paulus 93*31 und seiner Verwendung in den Traktaten
vgl. NF. 146; MB. 55 = SchluiJ des 6MB.; NvB. 131, 132, 194. —
Zu 94* 1 1 es erschienen ihm vil herlicher frowen in gar köstlichem
guldime gewande vgl. NvB. 210: dokoment zu mir die alhr schonesten
minnetiklichfstenjungfrowen. — Zu 94*18 «cA beswere üch\g\. 77*31;
NvB. 89; Lauchert 65,.32. — Zu 94*24 vgl. 90*9. — 94*27 ich bin
ein bott-e = 90*13. — Nach 94*29 If. bittet die Mutter Gottes um
einen Aufschlag ; ähnlich NF. 144, wo der Sohn den himmlischen
Vater bittet. — 95*9 der brief gefellet uns ußer moßen wol gibt
AnlaÜ zu den Gedanken 134*2011. — Wie der Brief abgeschrieben
wird rehte von worte zu warte (95*13), so schreibt auch der Gottes-
freund di^ Predigt des Meisters von worte zu worte rehte alse su
der meister geseit hette (MB. 7). — 95*30 IT. hat seine Parallele
') Die Visionen nach der Mette, im Halbschlaf ist Kigeutum aller derartigen
lefendariBchen Erf&hlungen : vgl. Vitae fratrum S. 187 $ IV.
*) Eine dreimalige gleiche Erscheinung „per tridum"* siehe Vitae fratrum S. 6*2.
Ähnlich Jondt, Rolman 127 : zwei Gottesfreunde offenbaren einander ihr Loben und
was ir heider offenbofunge des selben tagt^ rehte glich eins und wurdent beide
bettiset also das su beide under sich in grosser demütiger minnender gdossenhfit
soUent gan äU$ sA oush betcistt worden in der visiunen dei troumes.
>) Ibnlieb TiMiler» yi^ehfolgung des armen Intens Jesu be\ ^c^mU\.^ 1«i\x\^t "iX^.
bei Laudiert S. 6|7. — 95*42 teerffmt den hrief in rfoa fiir =
Lauchen S. löjie. — Zu 96*33, ;i7'45. 98*11, 10«*1 nüt mr
züsamene kummen vgl die ganz übereinsLiinmendeti Gedanken bei
Lauehert 91- — In dem sonderbaren herabgefallenen Uriefe (98*33)
endlich kehren die Gedanken der NeunFelscn wiederM. — 99*lHr
findet sich wöpLlich bei Jundt. Les amis 388; 99*21 wörtlich
ebenda S. 377. — Von den 6 Werken der tiarroherzigkeit (99*28)
handeln auch Lauehert 24,i; NvB. 99, 163.-99*30=97*19, nur
sind an der ersten Stelle die Laien unter den Gottesfreuaden ge-
meint, was 97*19 auf Huhnann übertragen wird*).
Damit sind wir am Ende jener fünf Briefe angelangt, die
auch Nikolaus von Löwen als eine Einheit aufgefaUt wissen will,
wenn er betont, daß es die fiinf aller hinderslen hriefe sind, die
der Gotlesfreund an Ruimann oder den Komtur geschrieben hat
(84*33). VVir kennen jetzt auch aus den oben mitgeteilten Parallel-
stellen ihren Charakter; es sind keine wirklich geschriebenen Briefe,
sondern gleich den Traktaten in anschaulicher Form wieder-
gegebene Belehrungen über Gebiete des geistlichen Lebens. Wir
wissen damit auch die Quelle, dem die Briefe entstammen: anonyme
mystische Traklate demselben Iiihalls wie die Traktate dnr Me-
morialbücher; und wir werden sc-h m daraus schlielien dürfen,
dal!, wie die Traktate, so auch die Briefe unter Nikolaus von Löwens
Hand dieselbe Verwandlung durchmachten und zwar nüherhin
in der Weise, daU Nikolaus von Löwen seinen Traktat-Vorlagen
bestimmte Abschnitte entnahm, ihnen ein Datum beifügte und
ihren Sinn durch Rubrizierung und geschickte Textinterpolation
nälicr bestimmte. Für diese Arbeitsweise haben wir auch die
autentische Hestiitigung, wenn er sagt; alle die vorgescbribenen
roherkktn haut die. brüdere zu di-m Grünenucrde (d. Ii. Nikolaus
von Löwen) .. hie zu geschrihen ini'l i/fordeitt, umbe daz man den
sin und meinunge der liehen gottezfri'inde und diser geyemter-
tigen hriefe und m<dvrien deute eigenlicher reiatan und ge-
merken kihine na und hieituch ewidiche (99*38iT.)- Um zum
richtigen Verstündnis der „Briefe" zu kommen, müssen wir uns
"^fiilirlielior ftciianilclt we.di'Li, Uu?t a'
205
also von der Deutung Nikolaus von Löwens losmachen und
wir haben wieder einfache Abschnitte von Traktaten desselben
Inhalts und derselben Form vor uns, wie sie uns schon im Großen
Deutschen Memorial begegnet sind. Die fünf aller hindersten
hriefe vor allem entstammen, wie Nikolaus von Löwen weiter
bezeugt, einem Buche, das von der uz gerechenten hindersten zit,
vdgarüer dem ome handelte (84*20). Diese bücher von dem ome
(10ö*:^O) erzählten vor allem von dem künftigen großen getrenge
der heiigen kirchen, hatten also denselben Inhalt wie der 12. Traktat
(31*8), die Neun Felsen oder der 4. Traktat des dritten Teils
im Großen Deutschen Memorial (44*37)^).
Aus dem Inhalt dieser Traktate wächst nun zunächst wie
voa selbst die den fünf Briefen folgende Ermahnung Nikolaus von
Löwens heraus (100*6-103*14) und sodann die Briefe 11-13; denn
denselben Charakter wie die behandelten Briefe tragen zunächst
Brief 11 und 12, die Nikolaus von Löwen selbst mit den vorher-
gehenden fünf in Beziehung bringt (vgl. 84*35 u. 105*12). Sie sind
demnach ebensowenig „Briefe'' wie die vorhergehenden. Wir ver-
stehen aber, wie Nikolaus von Löwen, obwohl er das Briefbuch
mit dem ersten Teil abschließen wollte, noch weitere „Briefe'' bei-
fügt, weil die in den Büchern von dem ome hinterlegten Gedanken
wie von selbst zu einer Weiterbildung mit spezieller Anwendung
auf das Haus drängten, und wir erkennen jetzt auch, warum
der 12. Brief die Bezeichnung der edler hinderste brief (105*8) und
das Datum 1380 April 20 erhält, obwohl Nikolaus von Löwen
bereits früher betonte, daß die fünf Briefe 6-10 auch die -aller
hindersten hriefe sind (84*33), die der Gottesfreund geschrieben hat
Der 6. Brief ferner führt uns auf den 13. Brief, da ersterer
nur ein Abschnitt des letzteren bildet (108*20 ff.; 112*42 = 85*21).
1) Zu den Plagea Tgl. Strauch, Margaretha Ebner und H. ▼. Nördlingon S. 267.
Brief 53 Tom Jahre 1349: mein liebii mutttr Margareta, ich hit euch, das ir uns
gebent ewem getruwen rttt, als ir mit eicer getrüufen bete in got bfifindent^ sunder-
Ucken van d/tr voreht der plaug der sunderlich der frunde unaers heren, die da
künftig sint nahe geistlicher sag in drien jaren und nach der ander sag in
zehen jaren, die swerlichen rallett sfMent, als ich euch auch geschriben hob van
den gewerten praphecien sani Hildegart, da sie meinet, das ein gotzfriund den
emdem vorhin gewamen aal, wie man sich in den künftigen plaugen stmder rer-
ierbm ke^tm suk.
-* ■»<.'.
-2(16
So sind demnach erwiesenermallen von den dreiundzwaozig acht
Hriefe nur Abs.-hnitle aus Traktaten, welche der Verfertiger am
BrieibuL-hes zu Briefen umgewandelt hal
Wird es sich nicht geradeso mit den andern „Briefen'- ver-
halten ¥ Kin groUer Wert ist in den Briefen auf die Grün-
dungsgeschich Le des Johannilerhauses zum tiriinenwürth ge-
legt, sonst wäre nicht dieselbe Geschiebte zweimal aufgenfimraen
(76*29=110*23). In etwas anderer Weise gibt die Gründung von
Grünenwörth der 7- Brief (88*1 fl'.) wieder. Allein beides sind nur
Schablonen-Erzählungen von Visi-men, wie sie zu Dutzenden in
den Traktaten vorkommen. Die Visionen wiederholen sich mehrere
Nüchte hintereinander, vgl. NvB. 124 mit 1)2*6. finden vor allem
in der Weihnachlsnacht statt (77*4 = 91*29). von einander entfernt
wohnenden Personen wird dieselbe Vision zuled (76*39 = 92*1»;
88*4 = 9ä*20), denen zur besseren Glaubhaftigkeit Wahrzeichen
folgen (77*10 erliiutert durch 88*24 = 78*42 und Lauehert ll.ai).
Das Schablonenhafte wird noch deutlicher durch einen Vergleich
mit den Visionen 77*21 ff., 8ü*5ff, 91*28 und 109*29. Das eine
mal findet sie statt in des lieben saut DijotiUius naht (76*32).
das anderemal in der naht des lieiien »ante Jacobes (77*221, das
drittemal in der naht der lieben eüf fusent megde (80'6), ein viertes-
mal zu winnakten in der heiigen crishiaht (91*29 ^ 77*3), das fiinfte-
mal endlich in der naht umer lieben fr'wen (109*30), immer aber
nacheinemS:hema: 77*27 ^91*32; 77*31 = 94*18: geradeso machte
Ursula ein knitze für sich .lundt, Les amis 373; 77*35 = 90*13- Das
erste- Wahrzeichen 77*42 ist ähnlich der plötzlichen Heilung im
Zwei-Mannenbuch. Lauchert ll.^i; das zweite ühntich dem, das
dem Juden im Fünf- Mannen buuh zuteil wird: iin in der ander
naht do wart imme abber zti vimtonde gehban, also dass er das
wissan sultc, das an dem xxiij dage, do wurt ein man van ferren
fremmeden landen her zu dir kümende und wurt sagende alles das
du in der messen gesehhen hast, und dasselba das hi dir dan abber
ein pewor worzeiehen eins geteoren urkandes sin (NvB. 126)'). Im
14. Traktat erhält Eckhard als Wahrzeichen, daß am Mittag derjenige
zn ihm ins Haus kommen wird, den er erwartet. Ferner ist
207
79*25 = 92*15/16 = 1 10* 19. -Der ganze Aufbau der Vision des 3. Briefes
(80*5) entspricht der Vision von den sieben Staffeln bei Lauchert 56f
den Traktaten von der geistlichen Leiter und Stiege oder der
Fisch- und Feben-Vision in dem Neun Felsenbuch. — 81*8
wird zur Deutung Bruder Johann gefragt, gerade wie 92*8 AT.«
während anderen Orts Ruprecht diese Stelle vertritt (74*6)* Der
Rat (81'*21), das Brieflein zu verbrennen, ist identisch mit dem
des Engels 95*42, beide aber ähnlich Lauchert 15,25 ff. — Der
zweite Abschnitt des 1 3. Briefes endlich hat eine auffallende Parallele
im Zwei-Mannenbuch: und do ich in dirre übunge aber wol uffe
drüsig dage gesin was^ do wart ich aber von mir selber verzucket
und wart gefüret in den aller schönesten minnenclicheeten kor, der
ukein also gar durchglestig, also obe er mit fineme (goJde) durchs
schlagen were; und was der kor rol liehter schöner engele und
under den engein die heiligen zwdf holten (Lauchert KXüff.); und
noch mit deutlicheren, ja fast wörtUchen Anklängen (Lauchert 12,iol '•
^ wart gefüret in ein garzümole schönes lichtes minnencliches hus
und daz waz inwendig also gar glestig von lichte, das ich den schin
kumme erliden möhte; und was das hus alles sament vol schöner
^nnemdicher iunchfrowen, und hettent die alle schöne rote rosen
^ppel uf irme hobete^); die Jungfrauen mit ihren roten rosen
^ppel uf iren höubtern (109*42) erinnern auch an die zwei
Jungfrauen mit ihren rosen schappeln im 4. Traktate. — Zu 109*44
obo das ich den schin gar käme erliden mühte vgl. Lauchert 8,-27/28
das ich ir ange^ihte kume erliden möhte, — 1 10*9 do ich zu mir selber
tarn, do stund ich geswinde uf von dem bette und viel uffe mine
tnu und gedohte » Lauchert 23,i: in diesen gedenken stünt ich
gar geswinde von dem bette uf und fiel vor dem bette uffe mine
htu und sprach (vgl Lauchert 4,ii). — 110*19 endlich ist, wie
schon oben erwähnt, der gleiche Gedanke wie 92*15il6 und 79*25.
Alles was demnach über die Gründungsgeschichte von Grünen-
wörtb berichtet wird, ist, weil schablonenhaft, unglaubwürdig.
Wollen wir den Charakter dieser Stücke erkennen, dann
müssen wir uns abermals in unsern Gedanken von den Fesseln
losmachen, in denen uns Nikolaus von Löwen durch seine Ru-
I) Bi» Alnttehe Kaj^elien-VitioQ liehe Caesarias Ton Huistorbach Über 7^ cap. 8^
dUr ftoeh ftr dM QMfe ao ParallelsteJioii aehr eigiebig Ut.
208
briken und seine Textinterpolationen zu halten versucht. Lassen
wir einmal in der Viaion 109*29-110*22 den kleinen Zwischen-
satz H)9*34;3ö: icde ich bi Rüiemanne zu dem Grünemcerde letre
weg, SU haben wir eine einfache, in iihnücher Weise öfters wie-
derkehrende Visionsepzähiung der Traktate vor uns; und setzen
wir als Gegenprobe in die oben mitgeteilte Stelle bei Laucherl
12,10 nach minnenclkhex hus etwa den Zusatz uiid wart mir,
wif daz ich bt Rühmanne zu dem Grünenwerde icere, so werden
wir in demselben Banne der Gedanken festgehalten werden, in
dem uns Nikolaus von Löwen durch seine Interpolation fiefesseU
hält. Was aber Nikolaus von Löwen in den oben behandeilen
Briefen von der Griindungsgeschichte erzählt, kehrt fast mit den-
selben Worten im ersten Kapitel der Chronik wieder {164*6-165*:J3).
was uns aufs neue berechtigt, diese Teile aus der upspriinglichen
Textgestalt der Chronik auszuscheiden.
iJarnach wird auch jeder Versuch vergeblich seiüi irgend eine
Ordnung in die Abschnitte zu bringen, welche von der Bau-
geschichte des Johanniterhauses handeln. Eine Vergleichuog
dieser Abschnitte wird auch hier das Schablonenhafte dartun.
In Betracht kommen die Abschnitte 70*27-37; 73*19-74*23 1
77*21-79*34; 97*34-41; 108*24-109*28: 111*8-112*7; 112*1^2-41:
114*9-18; 114*3132; 121*34-122*10.
Der 1. Brief (73*19j wie der 13. Brief (111*22) sprechen von
zweite sinite dez gebiiwes, d. h. von der Meinungsverschiedenheil,
welche sich anläßlich des Baues zwischen Ruimann und dem ivTiii-
tur herausstellle. Beide Briefe tragen verschiedene Daten. Der
ersle das Datum 1377 Juli 13, der zweite das Datum i37i April 23-
Dem Uang der Ereignisse nach sollten sie gerade das umge-
kehrte Datum tragen, d. h. der 13. miilite später als der 1.
geschrieben sein, da der Gottesfreund im 1, Brief noch voll-
ständig in Unkenntnis über die Din,!;e ist, die der 13. Brief be-
reits behandelt (7;t*23-2ö}. Und welch ver.-?ehie(lene Rolle spielt
niclit der Gottesfreund in beiden Briefen! Im 13. zeigt er sieh
in Bausachen ganz w<ilil unterrichtet, hn 1. dagegen veriallt
er sich ganz auf den Rat Ruprechts (74*4-8), der ihm das
Fal.'-che rät, bis die Vision in der .lakobusnacht dem Gottesfreund
den rechten Sinn des Baues eingibt (77'21ll'.). Das alles wäre
nbcr nk-lü notwendig gewesen, da ja nach dem Anfang des
209
13. Briefes der Komtur selbst geneigt war, von der Hartnäckig-
keit, mit der er auf seiner Meinung bestund, abzulassen (108*29 ff.).
Im 2. Brief stellt sich der Gottesfreund unter anderm auch des-
wegen auf Rulmanns Seite, weil der Bau über vier hundert guldin
weniger koste als der Bau, den der Komtur aufzuführen beabsich-
tigte (79*19). Im 13. Briefe dagegen würde er Rulmanns Mei-
nung selbst dann vertreten, wenn auch der Bau druhundert giUdin
oder vierhundert guldin (\ll*A\) mehr kosten würde als die Bauart
des Komturs. Über diese Widerspräche brauchen wir uns nicht
mehr zu verwundem, wenn wir bedenken, daß Brief 1 und 2 dem
ersten Teil des Brief buchs, der 1 3. dagegen dem dritten Teil ange-
hört, in welchem Nikolaus von Löwen nochmals die früheren
Gedanken aufgreift, verschiedene Abschnitte aus ihm vorliegenden
Traktaten herausgreift, sie regellos aneinanderreiht, ohne sich der
Ungereimtheiten recht bewußt zu werden. Und wäre trotzdem
in jemandem ein Zweifel aufgestoßen, so war der Schluß des
Briefes durch seine Phrasen, die in den Grottesfreundtraktaten
ähnlich wiederkehren, geeignet, jeden Zweifel abzuschwächen
(113*37-114*2).
Auch bei der Behandlung der Baugeschichte des Hauses be-
durfte es keiner großen selbständigen Arbeit Nikolaus von Löwens.
Die Gedanken des Baues lagen ihm schon in den Traktaten vor,
wie uns vor allem der zweite Abschnitt des 1. Briefes bezeugt
Dieser ist nichts anderes als ein Teil eines uns verloren ge-
gangenen Traktates. Ähnliche Gedanken sind im Traktat von
Ursula und Adelheid enthalten, denen die Klause von den Eigen-
tümern mit Freuden überlassen wurde (Jundt, Les amis 369).
Die drei Brüder entledigen sich alles Eigentumes (75*43 ff.), wie
auch der Gottesfreund in Genua getan hat (93*2), wie es Ursula
tut (Jundt, Les amis 367), der Ehemann (NvB. 1141115) und der
Domherr im Fünf-Mannenbuch (NvB. 119)^). Von dem Bau der
Gottesfreunde sprechen ferner die Stellen 107*41-108*5; 1 34*2526
und 136*15-17, was aufs neue die Annahme rechtfertigt, daß die
Gedanken von einem Klosterbau auserlesener Gottesfreunde, in
dem sie sich einschließen, um Grottes Strafe aufzuhalten, in Trak-
taten eingestreut waren (vgl. 89*5-10), welche zu Nikolaus von
UepUehes gui ywgUiche aach MB. 14, und 16*^1.
Löwen-s Zeiten in deo Klöstern handachiifllieh verbreitet waren.
Die behandelten Abschnitte wirkten dann wieder auf die Ümge-
ölaltung der Chronik ein, wie es das fj. Kapitel (177*tr.) zeigt und
das 11. Kapitel ausdrücklich bealätigt (184*10).
Nach dem Wunsche des Goltesfreundes sollten die Johanuiter-
brüder ursprünglich eine gute finanzielle Hilfskrall in drei Brü-
dern finden, die sich anfangs in Grünenwörth aufnehmea lassen
wiiUteii. Wie viel dem Gultesfreund an diesen Brüdern lag, zeigt
sich schon darin, dali er ütretwegen einen eigenen Brief, den vierten,
an den Komtur achrieb. Im ersten (75*30-76*28}, vierten (81*33-
82*5), dreizehnten (112'11-13), seehszehnten (121*40) Briefe ist
dein Inhalte nach von denselben Brüdern die Hede. Allein auob
hier zeigt sit;h der olTene Widerspruch, da in Brief lö vom 12.
März 1377 als aussichtslos bezeichnet ist, daU die Priester nach
Grünenwörth kommen, im 13. dagegen vom 23- April 1377 di«
Aussicht, diese Priester mit den reichen Gütern zu erlialten. in
nächste Nähe gerückt ist Dieser Widerspruch erkiürt sich einmal
dadurch, dali der 13. Brief dem 3- Teile des Brief buehes, der 16.
dagegen dem 4. Teile angehört, und er wird anderseits umso
verstündliclicr. weil die drei Vlriider überhaupt nur als Schabion
von dem Vert'ertiger des Brietbuchs her übergenommen wurden.
Denn gerade in der D r e i z a h 1 steckt das Schablonenhafte :
87'''2Ö: liulmann und ich mit drien unseni hrüdern. 89*13:
dirre litlen goites friimle der worent drie prie-4ere. 128*20:
((■i> hant drie erbere güthertzlge einfaltiye priedere In uns ton
saute Johans orden. 133*22: ich bekenne in unserme lande drie
prieatere dez Ordens, da: t/ar ijüthertsige sKuse priesfere sint. (Vgl.
dazu 70*28 vur driijen ioren. T6'-20 "ol drü ior. 92*6 drif nalit.
(0^20 drie laffe alle tage. 86*18 dni ior oder me. 105*36= 94*33
dni ior einen tifdnij usw.).
Nicht minder versagt vor der Nachprüfung die Stellung,
weiche der Johannitermeisler in den Briefen einnimmt, der als
ein ireltwiser richxiinüger herre (86"14) charakterisiert wird. Fast
dei- ganze siebente Brief (86*13-87*42), sodann der 11. und wieder
der grüUte Teil des 1:;. Briefes handeln von ihm. Da alle drei
Briefe den Traktaten über die Plagen entnommen sind, brauchen
wir keinen weiteren Versuch /m mai.:hen, die Stollen auf die reale
Wirklidiked za prüfen. Die Rolle des rat;iebcnden Gottesfreundes
2U
ist dieselbe wie bei den aufgetauchten Zweifeln über die Art und
Weise, die Kirche von Grünen wörth zu bauen. Hier wie dort ist
sein Rat kein gleichbleibender. Was er früher geraten, das
widerruft er später (106*1 = 79*14). (Vgl. 105*30 ff. nait 78*23Ä;
105*36 dini ior mit 73*20 und 86*18; 87*41(42 = 88*12 = 76*45).
Auch brauchte es keinen großen Scharfsinn, die Partien der Trak-
tate von dem „Meister^^ auf den Johannitenneister zu deuten, denn
von einem „Meister'^ handelt ja das ganze Meisterbuch, von der
Unordnung, in welcher die Ämter versehen werden (106*27 fif.),
^as Neun Felsenbuch und die Standespredigt des Meisters (MB. 35 fif.)i
von dem weltwisen richsinnigen herren (86*14; vgl. auch 86*27 mit
83*2 und 104*12), das Zwei-Mannenbuch (Lauchert 60 fif.)' ebenso
Traktat 9 (29*20) usw. Auch die Anrede: herre der commendüre
im Meisterbrief (106*27) ist der Anrede: herre der meister des
Meisterbuchs nachgebildet.
Schablonenhaft ist in diesem Zusammenhange ferner die
Mahnung an den Komtur, die Leute in den Predigten vor den
Plagen zu warnen. (Vgl. 70*20; 104*41-105*5; 105*4 lere üf
dem etül = 87*10 lerer uf dem etül; 113*11-13 fehlt 85*32;
133*16 := MB. 2)3: ich eolte gon in die stat, do der meister ioan
und solle in hören bredien . . . und horte sine bredie und sine lere
zu fünf molen).
Werden nun nach all dem die Stellen über Rulmann zu*
verlässiger und der Wirklichkeit entsprechender sein ? Die Visionen
und die damit verbundenen großen sweren trücke können wir ja
von vornherein streichen, an einen Brief austausch zwischen Gottes-
freund und Rulmann ist auch nicht zu denken, da Nikolaus von
Löwen ja ihm vorliegende Traktatabschnitte gleichzeitig mit der
Anlage des Brief buchs zu Briefen umgeformt hat. An einem wirk-
lich stattgefundenen Briefwechsel zwischen Komtur und Rulmann,
wobei Rulmann, um seine Pläne durchzusetzen, diese Briefe
erfunden hätte, wird doch niemand im Ernste testhalten können,
der auch nur oberflächlich ihren Inhalt betrachtet. Mit Ratschlägen,
die man heute gibt und morgen widerruft, die vielfach geradezu
lächerlich sind (vgl 81*18; 107*31), wird niemand seinen eigenen
Starrsinn durchzusetzen vermögen, erst recht nicht, wenn er sich
etwa auf einen jedermann unbekannten Gottesfreund vom Ober-
lande benifiKi Würde. Und doch handelte es sic\\ \ueT \xm d^fe
312
tealstCD, ins tägliche Leben tief einschneidende Dinge: Häuser-
bau, Amtsealsetzung, Abfall im Schisma usw. An ein solches
Spiel konnte Rulmanu, und hätte er auch als gewandter Geschäfts-
mann nie gedacht. Ganz anders konnte man über diese Din^e
schreiben, als zwanzig Jahre über dem iiäuserbau verslricheii waren,
der Johannitermeister imd Rulmann tot, der Komtur nicht mehr
im Amte war. Dafiir waren auch Schablonen gut genug, wenn
sie nur nicht offenkundig der Wahrheit ins Gesicht sehlugen oder
wenigstens infolge ihrer Unfaübarkeit und Vieldeutigkeit nicht
na^^hgeprüll werden konnten. Diese Schablonen boten dem Niko-
laus von Löwen die Traktate auch da, wo er den Gottesfreund
von Rulmann verabschiedet und Rulmann selber ein zurück-
gezogenes Leben in seinem an die Jobann iterkirche angebauten
stüiielin führen lälit (9lj*20-98*ü7). Schon der Wunsch Rulinanns
aller creaturen lidig ?h stun (96*23) ist der Zentralgedanke, um
den sich die Traktate drehen: der Kreatur abscheiden und sich
immer mehr mit Gott vereinigen. Der förmliche Abschied sodann,
der in den Worten ausgedrückt ist: huruwb «* md^ent teir mit
uitserre heder geijenwertike'U nüt me zäsatnene kummen, so ennaht
du mir noch ich dir niH nie fnintliche briefe tfeschrieben (|lfi*vtäir.
und 97*43 IT.) kehrt ähnlich am Schlüsse des Zwei Mannenbuchs
wieder: A'k taye inir^ lieber frünt, sollen irir zwei einander uhu»
losaeit, daz wir in dirre zit niemer liiMlich wort me züsummene
gereden söllent'^ Do sprach der itmler mensche: io, es iat nu die
zil kamen, daz wir alle lüsÜichi>. reden lossen sölleni, die wir vor-
moles geübet hanl. (Lauchert ül.iH'., vgl dazu den Abschied des
Güttesfreundes vim Nikolaus von Liiwen lir)*7-ll und den vom
Komtur 108*1-5). Wenn ferner der Gollesfreund Ruimann das
KinschheUeu (y(i*41 --- 108*2] erst erlauben will, wenn er iibernalitr-
liehe ifeziigniße (l.)()*-i3) hat, so gibt Johann \)-i*\\ dem Goltes-
Ireund einen ähnlichen Rat: lont es also hlil/en titils an die zit,
daz irir nterre irurtzeichen befiiident. Den liat, alles zu verkaufen,
kiimmeni und slitben (97*12). und beim Grünenworth zu wohnen
in einem sti'ibHiii nohe an der kirchen (/ele_fr:nj linden wir in ent-
S|irechender Weise im Traktat vom gefangenen Ritter: nü do
dise dinij alle bes'-hohenf noch des gefangenen rilters rol, do fürte
in do der herre in ein i/ar schöne hau und garten^ das er helle in
der stiit nohe hi den Oarf üssen und sprach : wie will du roten, was
213
ich mit diseme schönen dinge tun solt do sprach der gefangene
ritter: aoUe ich üch danne roten, so riete ich üch, das ir herabe
ton der bürge zügent in dis schöne gemach, so hortent ir und die
frowe messe und bredige zu den barfüssen, wanne ir woUent
(NvB. 162). Die Aufforderung an der mittewochen und an dem
fritage zu dem sunnentage (97*19) das' hl. Sakrament zu em-
pfangen, ist die gleiche Aufforderung, wie sie auch in dem vom
Himmel herabgefallenen Brief an die Laien unter den Gottes-
freunden ergeht (99*29). Ebensowenig entspricht der Wirklich-
keit, daß Rulmann sich vor xxx ioren entwonet hat noch dem
nahtmole collacie zu trinckende, schon deswegen, weil die Zahl 30
hier, wie oben die Zahl 3, rein schablonenmäßig gebraucht wird^).
Der Satz endlich: gib sü (die Gulden) alle dem commendüre und
den brüdem zu letze, daz sü unser gedenckent, und gib in die
guldin in der wise also daz sü an die kirche verbuwen werdent
(97*33 ff.) fmdet seine Illustration durch die Art und Weise, wie
Rulmann das angebliche Stiftungsgeld des Heinrich Blankhart von
Löwen an den gebu der kirchen verwandte (9*15 ff.)- Alles in
allem aber zerfließt der ganze Abschnitt, der von Rulmann handelt,
in eine rein schablonenhafte Erzählung, die mehr oder minder
wörtlich einem Traktate vom Charakter derjenigen des Großen
Deutschen Memorials entnommen isL
Eine besondere Bedeutung beanspruchen die sogenannten
Begleitbriefe zum Meisterbuch und Fünf-Mannenbuch : Briet
5 und 0, mit welchem Brief 22 in Verbindung steht. So verschieden-
artig auch die Zeit ist, in der sie angeblich geschrieben wurden
— der erste ist im Jahre 1369, die beiden andern im Mai 1377
geschrieben — so zeigen sie doch gerade in den Partien, die
ausschließlich von dem Meisterbuch bezw. Fünf-Mannenbuch han-
dein, eine auffallende Ähnlichkeit Ich denke an die Abschnitte
82*20-25 im Vergleiche mit 70*7-17. Diese auffallende Überein-
stimmung in den Gedanken und doch wieder die Widersprüche,
die sich aus einer gegenseitigen Vergleichung ergeben, beruhen
gewiß nicht auf Zufall. Die Priorität kommt dem Brief 5 zu,
der sich ja schon im Ersten Lateinischen Memorial vorfand, aber
ebenso wenig wie die übrigen bisher betrachteten Briefe als ein
>) Yi^ Stnuich, Anzeiger fOr deutsches Altertam VI, "äOl uuai Vm'^^^XftV^V^.
21«
Brief im heutigen Sinn des Wortes aufgefallt sein will'). Der grüß
Teil des Briefs befatil sich gar nicht mit dem Meisterbueh, w
man es eigentlich von einem „Sendschreiben- erwarten solll
Es sind allgemein gehaltene Ermahnimgen, die irgend welch*
asketischen Traktaten entstammen und vnn der Gnade Gotti
handelten. Diesem Briefe ist nun der Begleitbrief zum Fun
Mannenbuch nachgebildet, der nur den Zweck hat, die sonderba;
Schrift des Fünf-Mannenbuchs zu erklären, die, wie wir oben g
sehen haben, auf Nikolaus von Löwen zurückgeht. Die Gedankt
zu Eingang des Briefes sind dem Anfang des Fünf-Mannenbucl
entnommen. Die Plu-ase: dtiz ich «s kunte an ein gantzes meß
blich geedtriben möhfe htthen (69*36), kehrt ähnlich wieder in d(
Vier-Jahren bei Schmidt, Gotte=fr. ti5, 68, 75; NvB. 194, 127 u.
— Zu 69*38 MiJ iper es, duz es becchehe, das ui€er brüder eiti
eUrtoliche gnade wurde vgl. die Parallelstelle im gefangenen Ritli
25*3011'- — Zu 70*4 got ist sine fri'tnde gar ungelich infiirende v(
die Parallele; goi der wiirket und fi'iret in gar vil und i» yt
maniger hande verborgener wiae dne fri'int und eins shs und d\
andere so, m/m er selber wol iiekeiittende, iraa ein iegelichgr menx,
liden inl. Der weitere Gedankengang des Briefes ist dann dun
zwei Abschnitte unterbrochen (70*18-37), von denen der ers
vom bredien hören (vgl. Lauchert 09 IF., 83 IT.), der zweite vo
Bau handelt, wie schon oben in anderm Zusammenhange au
gefiihrl wurde. Der natürliche Gedankengang wird erst mit 70*5
wieder aufgenommen, aber in einer Weise, die den Ausfiihrungf
des 22. Briefes diametral entgegengesetzt ist. Dies ist eigen
lieh der wichtigste Brief des ganzen Briefbuches, da er das „Auti
graph" des Fiinf-Mannenbuchs retten sollte und auch reiten würd
wenn er keine Erfindung Nikolaus von Löwens wäre. Auffalle!
muli schon sein, dall das Künf-Mannenbuch als Autograp
dagegen die beiden Begleitbriefe nur in Abschrift erhalten sin
Nicht minder seltsam ist die Stellung de^ :i2. Briefes, der er
nach Vollendung des ganzen Briefbuchs auf dem freien Plat;
von Bl. 75'' nachgetragen wurde, während man ihn in unmilte
barer Verbindung mit dem ersten Briel erwarten würde, umsi
215
mehr, da er denselben Gegenstand behandelt und zudem noch
direkt an denjenigen gerichtet war, der das Briefbuch anfertigte.
Wenn aber Nikolaus von Löwen einmal die Briefe in einem Brief-
bach sammeln wollte, dann müßte ein Übersehen dieses Briefes
seinerseits doch wohl ausgeschlossen sein. Außerdem birgt der
Brief selbst eine ganze Reihe von Widersprüchen in sich. Im
15. Brief, der hindersten missiven, vom 23. April 1377 bedeutete
der Gottesfreund Nikolaus von Löwen, daß er weder ihm noch
sonst jemanden schreiben werde, ez sige dan reddiche notdurft
(115*7 ff.). Trotzdem schickt der Gottesfreund ein paar Wochen
später einen neuen Brief, nämlich den 22. um den 17. Mai 1377!
Desgleichen kam der Gottesfreund nach 154*11 ff. mit Rulmann
vor den Fasten 1377, d. h. vor dem ersten Tage des Februar,
überein, keine Briefe mehr zu schreiben. Allein zu allererst hält
sieh der Gottesfreund nicht an dieses Abkommen, weil er glaubte,
es hege für ihn ein ernesüicher redelicher Grund zum Schreiben
Tor. Rulmann dagegen hält dies nicht für einen ernstUchen Grund
und schreibt deswegen dem Gottesfreund diser seihen faden f d. h. vor
dem 29. März 1377 einen Brief, in dem er unter anderm um eine
Lebensbeschreibung der Gottestreunde im Oberlande für die Brüder
zum Grünenwörth bittet. Obwohl der Gottesfreund auf diesen
Brief selbstverständlich wieder antworten muß, da Rulmanns
Begehren doch eine emestUche redeliche suche ist, schreibt er
am 23. April 1377 (Brief 15) an Nikolaus von Löwen, daß
er in Zukunft weder ihm noch sonst jemandem schreiben würde,
um gleich darauf im Mai 1377 den Brüdern das Fünf-Mannen-
buch samt zwei Begleitschreiben, eines an die Brüder, eines an
Nikolaus von Löwen, zu übersenden I Diese Widersprüche lösen
sich mit einem Schlage, wenn man im Auge behält, daß Nikolaus
von Löwen das Datum des ersten Begleitbriefes zum Fünf-Mannen-
buch schon festgestellt hatte, ehe er an die Anfertigung der
übrigen Briefe dachte, und daß der 22. Brief seiner Stellung im
Briefbuch entsprechend die letzte freie Erfindung Nikolaus von
Löwens ist, dem er dasselbe Datum geben mußte, wie dem Be-
gleitbrief zum Fünf-Mannenbuch, auch wenn es ihm nicht gelang,
die Widersprüche zu lösen. Wenn endlich 154*26 ff. der Gottes-
freand Nikolaus von Löwen auffordert, das „Autograph^^ für
sieh 2a behalten, die Abschrift dagegen den Brüdern txx %^^tl,
216
SO steht dies, wie SL'hon erwähnt, im Gegensatz zu den Gedanken
70*3811., nai-h denen die Brüder das Autngraph dem Komtur
geben sollen, der es ihnen nach freiem Ermessen ^zurückgeben
oder aber auch behalten kann, mag dies den Brüdern reclit sein
oder nicht. Das alles erklärt sich dadurch, daß wir in den
„Brieten" nur eine schablonenmäliige Arbeit Nikolaus von Löwens,
aber keinen wirklichen Briefwechsel vor uns haben. So lösen
sich auch die Widersprüche, die zwiscbeu dem Begleitschreiben
zum Meisterbuch und dem zum Füni-Mamienbuth bestehen. Jenes
schrieb der Gottesl'reund angeblich im Jahre 1369 innerhalb
vier Tage und in reinem elsässisehen Dialekte. Zu diesem dagegen
— in seinem Umlang nicht einmal halb so groll wie das Meister-
budi, aber acht Jahre spater (1.377) geschrieben — braucht er fdiif
Tage, hat aber inzwischen den elsüssischen Dialekt vergessen, so
dali die Sprache ein Mischmasch verschiedener Dialektformen dar-
stellt und der Sinn oft uuverstündlich ist. Wenn Nikolaus von
Löwen diese Briefe gefälscht hat, so ist dies leicht verständlich, da
ihm alles darauf ankam, gerade die unnatürliche Schrift des FUnf-
Mauiienbnchs zu erklären und zu rei^htfertigen.
Einen ganz eigenartigen Briet stellt Nr. 17 (i 22*35 ff.) dar. wel-
cher nach Nikolaus von Löwen an den Lesemeister Johann von
Schällolsheim gerichtet war. Dieser war Bistumsvikar in geistlit-hen
Sachen des Slraßburger Bischofs und m ichte wohl in dieser
Eigensi-haft bei der Übernahme von Grünenwörth durch Rnlmann
ein Wort mitgeredet haben. Nikolaus von Löwen spriclit von
einem „engen Gewissen", das dem Lesemeister eigen war. Wenn
dieser Ausdruck nicht abermals schablonenhaft ist, so könnte man
darin eine Anspielung aul die Sciiwierigkeilen erklicken, welche
der Verkauf eines Klosters an einen Laien kiruhenreuhtlicli mit
sich brachte. Der Brief selbst trügt kein Datum. Das Datum,
welches Nikolaus von Löwen in der Rubrik (122*26) angibt, ist
darum nicht näher zu prüfen. Wichtig aber ist, daß nach diesem
Briefe dieser Lesemeister im Besitze des Zwei-Mannenbuchs war
und dasselbe gelesen hatte und zwar schon im Jahre 1363, noch
ehe also Rulmann an den Kauf von Grünenwörth gedacht hatte;
denn die Stelle (l:^:(*:i) herre der lesemeister, gat der het i'tch tÜ
diiii/es durch midi sui armes ije^'^irdin an eime. l/riefe geschrihen,
fO haut ir ''ck nnegesehen an eime Oiicltelin fi'inf jore mins
*217
anefohenden lebenden kann nur vom Zwei-Mannenbuch ver-
standen werden. Wir sehen also Johann von SchäfTolsheim im
Besitze eines lateinischen Exemplars der Neun Felsen (Hs. C),
sowie im Besitze des Zwei-Mannenbuchs. Ebenso besaß Gertrud
von Bieteaheim, Rulmauns Frau, das Zwei-Mannenbuch schon
vor 1370 in einem schön geschriebenen Pergamentbüchlein (Hs. Ä).
Dann aber sind die Angaben Nikolaus von Löwen unrichtig : Rulmann
habe erst am Ende seines Lebens die übrigen Traktate in Wachs
geschrieben, welche doch mit den Neun Felsen und dem Zwei-
Mannenbuch in innigstem Zusammenhange stehen und kein an-
deres Thema behandeln als diese. Begreiflich aber erscheinen
diese Widersprüche, wenn derjenige, der die Memorialbücher und
da$ Brief buch anlegte, auch der Erfinder dieser Gedanken ist,
so daU jeweils einem bestimmten Abschnitte der Memorialbücher
auch ein bestimmter Gedankengang entspricht, welcher s.ch mehr
und mehr klärt, je weiter Nikolaus von Löwen in der Anlegung
seiner Memorialbücher fortschreitet. Der ganze erste Abschnitt
des Briefes 123*8-124*2 handelt von der Gnade des hl. Geistes
und ist demselben Gedankenkreis wie der 16. Traktat entlehnt —
Zu I22*'36ff. do rette got der heiligtist die worheit durch Kayfas, der
^w Sünder waz, also mag er och wol durch mich armen mnder
^^en, waz er wil vgl. MB. 16: warzu geloubent ir denne och nut,
ias der heilige geist durch mich armen »ander zu üch reden mag?
^f rette doch die worheit durch Cayphas, der och ein minder was.
Ähnlich im Ursula-Traktat (Jundt, Les amis 369) und den Neun
Felsen 10. — Der Ausdruck gezowelin kehrt in gleicher Anwendung
MB 19; NF. 6; NvB. 278 wieder. — Zu 123*7 mü kurtzen unl^e-
Mceten warten vgl. Jundt, Les amis 372 : und worent die wort alse
gar bedecket, das ich sü mit wol verston künde. Der gleiche Aus-
druck kehrt immer wieder, wenn es sich um die Unterredung eines
Beichtvaters mit dem Beichtkinde handelt — Der Ausdruck die
Gnade Gottes muß ein alse gar reines leres fas haben (123*22),
kehrt inhaltlich ähnlich wieder 136*2 : Der hl. Geist kann in kein
Herz einkehren, er finde denn ein leeres Herz. — Zu 123*44 one
^warwnbe vgl 83*26, wie überhaupt die ganze Stelle 83*7-33
^ aui&ülende Ähnlichkeit mit 123* aufweist — In beiden Ab-
r schnitten ist auch auf den hl. Paulus verwiesen. Über die Ver-
weDdnog des hL Paulus in den Gottesfreundschn(leiivg\.^\B.V6\.\i^-
218
194. 279; NF. 14ß; jundt, Les amJs 381, 384, 394, 398; MB.
55 u. a. — Zu 123*27 wir bahettt nu die heilge geachrift zu hilfi
vgl, 1 15*10, — Im zweiten Abschnitt geht dann der Brief zur Armi
des Geistes über, von der auc-h der Iti. Traktat redet, und über d
eigens im Kleinen Deutschen Memorial gehandelt war (14*31
Der einzige Absatz, der von geschichtlichen Vorgängen redet, i;
der dritte 124*20-42, allein die Ausdrüi-ke sind so allgemein uti
darin so unfallbar, daü jede Nachprüfung versagt. Aspiratione
nach fremden Bischofssitzen hatten ja verschiedene Stratlburg«
Bischöfe, von denen hier Lambert von Burne (1371-1375) un
Friedrich U. von Btankenheim (1375-13!>3j in erster Linie in B<
tracht kämen. Der Ratschlag aber des Guttesfreundes gehört i
dieselbe Kategorie, wie der Rat beim Bau des Hauses oder beii
Ausbruch des Schisma, d. h. man ist nach dem Rate so klu
wie vorher. Der Text dazu ist eben derselben Gattung vn
Traktaten entnommen, wie derjenige der obengenannten AbschnitI
vom Klosterbau und Siihisma. Zu seiner ursprünglichen Gesta
kommen wir, wenn wir nach unser f^rre den Zusatz der bischt
ci/n Strazbiirg weglassen. Über eines aber klärt uns dieser AL
srhnitt mit aller Deutlichkeit auf, wn die Heimat des Briefsteller
zu suchen ist. Die trüberen Gottesfreundforscher haben an alle
möglichen Einsiedeleien in den Tälern der Schweiz angeiiocht un
nach der Wohnung der Gotlesfreunde gefragt. Man halte dafii
nicht sn viel Scharfsinn aufzuwenden brauchen, denn dieser Brit
besagt, dal3 wir diesen brief?;chreibenden Gottesfreund im Strallburge
Bistum zu suchen haben. Der StraHburger Bischof ist sein Herr
wie es klar aus den Worten hervorgeht: wanne, wissent daz rii
war, daz unser herre von Strazburg clteiraz werbende i'
gesin noch dem blstiim zi'i lOMe (124*35). Ein Schreibfehler U
hier ausgeschlossen, da an der analogen Stelle 124*21 das Wor
unser von Nikolaus von Löwen zweimal geschrieben, aber da
einemal getilgt wurde. Der „Briefsciireibende Gottesfreund" is
aber nicht blotl im Bistum Straliburg wohnhaft, sondern er is
auch ein Johanniter, da er an mehreren Stellen den „Meister*
— nach Nikolaus von Löwen den Johannitermeister — wie dei
Bischol seinen Herrn nennt; 103''21 "■ snllent unserm kern
dem meist er Luntlitn, ebenso 104*25; 105*26; 106*7 u.a. AuUer-
dem wohnt dieser Johanniter zu Straliburg. worauf der aus Ver-
219
sehen geschriebene Ausdruck hie nidenan zu Strozburg (76*40|41)
hinweist (vgl. damit 77*4 u. 110*34). Auch auf diesem Wege be-
stätigt sich demnach, daß niemand anders als der Johanniter-
brader Nikolaus von Löwen der Redaktor der sog. Briefe ist
Der letzte Abschnitt endlich spricht von Küntzelin, dem Beicht-
sohn des Johann von Schäffolsheim. Will man dabei an eine
geschiehthche Persönlichkeit denken, so läge am nächsten, dar-
unter Kuntzo von der Megede, den Erbauer des Spitals, zu ver-
amten. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, daß hier dieser Name
nur schablonenmäßig gebraucht ist, wie überhaupt die sonst noch
in den Gottesfreundschriften vorkommenden Namen : Johann, Ru-
precht und Konrad. Wichtig sind nur wieder die Widersprüche,
die dieser Abschnitt aufdeckt. Alle Briefe gehen ja nach andern
Stellen Nikolaus von Löwens direkt durch Rulmann, der sie direkt
döi Adressaten übergibt. Hier aber ist Johann von Schäffolsheim
im Besitze eines Briefes, der an sein Beichtkind adressiert ist,
in dem zudem noch der Name steht, während es sonst Gewohn-
heit der Gottesfreunde ist, die Namen auszulassen. Bei 125*13
^nd wißent und ginge mir sin vetter abe setzte der Schreiber
J^it neuer Feder und Tinte em, was den Gedanken nahe legt,
daß Nikolaus von Löwen den Brief schon mit den Worten: den
^(d gar liep het beschließen wollte. Seltsam ist wenigstens, daß er
l^er wieder zu Ende einer Lage den Gottesfreund von Johann
>on Schäffolsheim Abschied nehmen läßt, wie er an ähnlichen
Stellen Abschied genommen hat von Rulmann (96*20 ff. — es ist
^er ^hinderste Briefe*), vom Komtur (108*1 ff. — es ist der „aller-
Itoderste Brief") und von Nikolaus von Löwen. (115*7 ff. — es
i^t abermals der „hinderste Brief-), also Schablone über Scha-
tilone, was unbegreiflich wäre, wenn man in dem Verfasser der
Briefe Rulmann zu erblicken hätte oder wenn jemals die Briefe
^larauf berechnet gewesen wären, zu Rulmanns Lebzeiten eine
^ealpolitische Rolle zu spielen. So beweist aber die Stellung, welche
^ie vier Abschiedsbriefe einnehmen, schon iür sich unsere These:
^ur deijenige ist der Erfinder der Gottesfreundbriefe, der das Brief-
tmch selbst angelegt hat, das ist Nikolaus von Löwen.
Aitf Nikolaas von Löwen als deutlichen Verfasser dieser Briefe
fähreo HOS endlich die Briefe 18 und 19, bei denen wir zum
^ntouDil etwas festen Boden [iir unsere Untersuchung g^v^Vsmföiv.
Nr. 18 ist der einzige Brief, der an den GuttesCreund gesebriebeo
wurde; Nr. 19 die AntworL des GolLesfi-eundes auf diesen Briet
Beide Briefe setzt Nikolaus von Löwen in den Rubriken ina
Jabr 1371. Auch seinem Inhalte nach muH Nr. 18 nacb März 23
{die Johanniter sind schon im Besitz von Grünenwörth) aber vor
Juni 24 (Nikolaus von Löwen ist noch kein Johanniter) geschriebea
sein. Die Antwort auf diesen Brief erfolgte ebenfalls vor Juni 24.
Brief 18 setzt voraus, dall Nikolaus von Löwen schon länger
mit dem Gottetfreund verkehrt, da er wenigstens drei Briefe schon
von diesem empfangen hat ( 127*28). Der 18- Brief ist das eigentliche
Werk Nikolaus von Löwens, aus ihm ist dai'Uiii auch der Brief-
stiel Nikolaus vonLöwens genau zu erkennen. Nikolaus von Löwen
versichert zunächst dem Gnttesfreund seinen Gehorsam, da et
sich ihm ganz zu Grunde lassen will. Dann geht er zu den
IvJngen über die Johanniter über. AnstoH erregt ihm zunächst
der Ablal), den die Johanniter sich erworben und der zu viel
wellliuh Volk ins Kloster zog (128*li-24), sodann das weltliche
Benehmen der Priester im Gottesdienst und Kleidung (128*25-35}
I2'.)*(j-I5 vgl. damit die Urkunde S. 237*) und nicht minder die
geringe Anzahl der Priester, über welche der Johannilerorden zn
verfügen hatte (128*39). Dagegen gefüllt ihm über alle Mallen
die eine Bestimmung des Pflegerbriefs (129*28 fT.), daü ohne der
drei Pfleger Willen kein Ordensbruder dem Hause zum Grünen-
wörth gerieben oder genommen werden könne, während er sonst
sehr fürchtet, dall alle übrigen Bestimmungen des Pflegerbriefs in
die Brüche gehen möchten, weil man schwerlich solche Pfleger
linden würde, wie Rulmann und IJeJntzemann Wetzel; wsnne so
die 2u:enn uhegoiit, so ist oiicii deiuie //nisUrhr zu fvrhlende <iif
ffi'äfi amhkli(/c ijötUche oi-deiiitiiife und mtrinuiige. die wir ieljeiU
ane gerne anefiiiffenl und och eines teites anegefanijen hatit^ die werde
och abegonde von tage zii taije ieraer duz mevfie led. Das liege
eben in der Zeitströmung, weiine leider, wie wol und wie krefteclicht
man alte geintdche ding ordenl und verbindet, so niminet es doch alles
ton tage zii tage ine abe, wenne es :i'i nimet (129*87).
Man finde keine Priedter, so lautet die weitere Klage, welche
Liebe zum Grünenwörth hätten und selbst jene, welche Anfangs
grollen Kifer gezeigt ballen, verlielien das Haus wieder, wie vor
aUem rfa^ tfeispiel zweier Brüder zei^je. denen man zur Aufnahme
•121
nach GriinenwörLh half, welche aber ebenso schnell wieder aus-
traten. So ist er abermals Id Furcht, dall das Haus niemer me
7(1 friden noch zu roUekumener »tetikeit gelangen könnte. Mit der
Versicherung der 'freue schließt Nikolaus von Löwen seinen Briel
und dem Wunsche, in die Gesellschaft, der Gottesfreunde einzu-
trelen, um allen Miihsalen ein- für allemal enthoben zu sein.
Punkt für Punkt gehl dann der Gottesfreund im 19. Briefe
auf das Schreiben Nikolaus von Löwens ein, um alle seine Be-
denken zu zerstreuen. Schon der allererste Absatz setzt den
Kardinal punkt an den Anfang: an der Existenz der Gottesfreund-
gesellschaft im Oberland ist nicht zu zweifeln, und ihre Liebe zum
(irünenwörlh ist so groU, dali sie selbst für die Johanniterbrüder
in den Tod gingen. Die volle Zustimmung der Gottesfreunde findet
TOT allem der Pflegerbrief, wie ja überhaupt die ganze Grün-
dung von GrünenwÖrtli mit rote dez heiligen geistes angefangen
Wurde. Hier kehren demnach dieselben Gedanken mit denselben
Worten wieder, die in der Chronik verwendet wurden (134*4011.
= 16ff"19fT.). Besondere Furcht bereitete es Nikolaus von Löwen,
man möchte ihn, wenn er in den Johanniterorden trete, nach
Rulmanna, seines lieben Meisters, Tode in andere iiauser senden
und ihm dort ein Amt übertragen, obwohl er sich dafür nicht
tauglich dünkt (ia<l*39if. und 135' 15 ff.). Auch hier tröstet der
Goltesfreund Nikolaus von Löwen, da Bulmann das gewiß ver-
hindern wird, wie er auch bei der Aufnahme Nikolaus von Löwens
in den Orden aul' den Rat des Gottesfreundes bestiinmle Bedin-
göBgen stellte (129*16fr. u. Iü4*12!r.). Als einzige, anscheinend
fiislorische Persönlichkeit tritt im 19. Briefe ein „Herr Jakob- auf,
fier loonete etwenne zii SiUtze und ick [der Gottesfreund] habe etle-
«tnne sine sermone f/ehöret, daz er mir wol gefiel. Haben wir es
hier nicht mit einer Phrase zu tun, worauf der Ausdruck: sine ser-
moite gehöret wohl hindeuten könnte, so kommen nach dem Anni-
Tersar folgende drei Einträge in Betracht: 5. August: obiit f ruter
Jacobm, primus prior huius domtis. [Todesjahr fehlt.] ; — 30. AW. :
obiit frater Jacobus Pfowe, conventualis huius doinus, a<*. d. 1426.
hie sepiUtu»; — S. Nov.: obiit frater Jacohus Kalt, conventualis
kuiue domua, a'. d. 1430. hie aepultus. Das natürlichste wäre, hier
an den ersten Prior des Hauses zu denken, der möglicherweise
wurde. Alles übrige sind Ermahnungen im Stile der Gottesfreuod-
schriften, ?.u denen mit Leichtigkeit Parallelatellen in den Trak-
taten gefunden werden können. Ausdrücklich erwähnt ist das
Meisterbuch (134*6.7), das demnach Nikolaus von Löwen schon
im Jahre l:(7l bekannt sein mußte, während die übr^en Traktate
alle erst in den Jahren 1378-L382 von Ruhnaon den Brüdero
aur Wachstafeln übergeben wurden.
Audi die Ermahnung zum Gehorsam ist bei Nikolaus von
Löwen auf keinen fruchtbaren Boden gefallen, denn so sehr «
den Guttesfreund seüier Ergebenheit versichert, handelt er doch
nach seinem eigenen Willen. Nach 129*16ff. hatte ihm der Gottes-
freund geraten, nur unter gewissen urkundlich zugesicherten Be-
dingungen in den Johanaiterorden einzutreten; das will Nikolaus
von Löwen nicht, er hätte sonst keinen Frieden im GtewisseQ
mehr. Sofort ändert nun der GotLesfreund seine Ansicht und
entschuldigt sich noch, er habe es anders gemeint (134*12 IT. u.
135*15 ff.)! Desgleichen riet ihm der Gottesfreund, erst dann bd
lic.n .loliannitfrn zum Griinftriwörlh e.
223
dieser Briefe, auch wenn sonst gar keine anderen Gründe vor-
liegen würden, zum Fälscher stempeln, weil er sich selber einen
Brief an den Gottesfreund noch vor Rulmanns Tode schreiben
läßt, den er erst nach dessen Tode und zwar gleichzeitig mit
der Anlage des Briefbuchs verfaßt hat Bei diesem Brief gibt
es nicht den Ausweg die Schuld der falschen Datierung und des
mißverständlichen Inhalts auf einen Irrtum des Abschreibers
zurückzuführen, da der Verfasser des 18. Briefs unzweideutig
Nikolaus von Löwen ist, und sein Inhalt erst auf die Vorgänge
hinweist, wie sie sich nach unserer obigen Betrachtung (S. 150 ff.)
in den Jahren 1390-1400 in Grünenwörth abspielten. Hier zeigte
sich erst der üble Zustand, in welchen Rulmann das Johanniter-
haos durch die Bestimmungen des Pflegerbriefs gebracht hat Wie
Nikolaus von Löwen darum in den früheren Briefen die Gründungs-
und Baugeschichte von Grünenwörth verteidigt hat, so hier vor allem
die Artikel des Pflegerbriefs, der seine feierliche Sanktion durch den
Gottesfreund vom Oberland erhält. Der Johanniterorden hatte wenig
tüchtige Priester aufzuweisen, und diese waren zu jfreiheitlich ge-
sinnt, um sich dem Regimente der Pfleger unterzuordnen. Daher
das Angstgefühl Nikolaus von Löwens, Grünenwörth möchte
gar nicht genug Leute erhalten, die den Absichten des Stifters
entsprächen und die gestifteten Messen persolvierten. Nikolaus
von Löwen mochte nicht am wenigsten unter solchen Zuständen
2u leiden haben. Weder die Priester noch die Pfleger entsprachen
den Anschauungen, welche er und Rulmann bei der Stiftung des
Hauses gehabt hatten. Daher sein Wunsch, nicht mehr länger
2a leben und in die Gesellschaft der Gottesfreimde aufgenommen
2u werden. Man mochte auch daran gedacht haben — der
Brief läßt deutlich darauf schließen — Nikolaus von Löwen aus
Grünenwörth hinwegzutun und ihm ein Amt in einem anderen
Hause zu übertragen, obwohl er sich nicht entfernen lassen
wollte, da er glaubte, hier in diesem Hause eine hohe Mission
füllen zu müssen, um allen ,.Schaden und Gebresten'' abzu-
wenden (130*41), umso mehr da er nur Gottes Lob und Ehre
darin suche (135*36). Dann könnte man die Anlage des Brief-
bachs als eine Art Selbsthilfe auffassen, die den Namen „Fälschers
den wir Nikolaus von Löwen beilegen müssen, in milderem Lichte
erscheineQ ließe.
Eiri den vorhergehenden Briefen ähnliches Tema behandelt
in seinem Hauptabsi'hnilt Brief 20; die Klage Nikolaus von Löwens,
daß er zii vil zit gerihte gon inüste (136*38) und zwar vor das
weltliche wie geistliche Gericht, Vielleicht ist damit auf die Pro-
zesse angespielt, die einst Rulmann mit dem Komtur deä Baues
wegen zu führen hatte, oder auf die Prozesse, die Nikolans von
Löwen wegen der St. Jakobsmesse und anderer Dinge, deren Einzel-
heiten URS nicht überliefert sind, mit den Brüdern zu führen hatte 'l.
So lassen uns gerade diese Briefe einen Bhck in die Verhiiltnisse des
Johanniterhauses tun und beleuchten damit das Bild, das Nikolaus
von Löwen bereits in der Chronik gezeichnet hat. Auch andere
Stellen in den Briefen lassen die beri'ihrten üblen Zustände erkenne-n.
Die Ordnung in der Kirche lieli viel zu wünschen übrig (Vgl-
70*22-^6 u- 74*17 mit 128*27 ff.), eine Ermahnung zum Gehorsam,
Demut und Frieden (8iJ*27) mochte bei den Brüdern nicht minder
angebracht sein. Darum sollte es auch die Hauptsorge des Meisters
sein, vor altem darauf zu sehen, gute Priester heranzuziehen, da
ea nichts nütze viele Häuser zu haben aber schlechte Priester
(87*40; 76*45; 88*1111., 114*36,37; 112*8-21). immerhin ist bei
der Übertragung dieser allgemeinen Ermahnungen auf das Johan-
niterhaus zum Grünenworth grolle Vorsicht anzuwenden, da diese
größtenteils ganz schabloneomäüig aus andern mysliscben Traktaten
ausgeschrieben sind.
Nai-h den obigen Ausführungen wird man auch nicht mehr
die Reihenfolge der Bricf-ümpfänger*) befremdlich finden.
An Kulmann sind von den 22 Briefen nur drei adressiert,
die siimüich im ersten Teil unters^ebrachl sind. Zehn Briefe
dagegen erhält der Komtur, fünf Nikolaus von Löwen, die Johan-
nileriiriider zwei, wiihrond je ein Brief an Johann von Schäflols-
heim und die Weltpriesler von Griinenwörth gerichtet ist. Dabei
beginnt die Korrespondenz am frühesten mit Johann von SchäiTois-
heim, am spiUcslen erst mit Kuhnann 1 inid zwar an einem Punkte,
wo mau es am wenigsten erwarten würde, mit Brief 2, der natur-
gemiili als Widerruf vom 1. Briefe an den Komtur gerichtet sein
miillte. In gleicher Weise ^iollten audi die Briefe It und 10. da
'1 Vd. (ibri)(Oiis :iliiitii:lii; tiuilatikan iih-:i ilu-s yi'rihti- im jafaiigi-'imu üi""
Nvß. Hil IT.. ilaiui die Nvuii Fi:U<!ii u. :>.
=) ainliu Talidk 111 S. -l-i:..
225
sie ja nur die Fortsetzung von 6-8 sind, an den Komtur gerichtet
sein. So beruht auch die Bestimmung der Empfänger auf einer
gewissen Willkür, die Nikolaus von Löwen als Verfasser der Briefe
deutlich verrät
III. ßeihenfolge nach £iiipf8iigerii.
Teil
Nr.
Datum
Johann y. Schäffolsheim
4
17
Fl 363]
Weltpriester zum Grunenwörth
1
5
1369 Jan. 29
5
18
1371
kein Datum 1
5
21
[1371]
kein Datum 1
Nikolaus von Löwen
5
20
[1377 febr. 2 o] Nachtrag
3
15
1377 april 23
22
1377 circa mai 17
1
6
1375 april 23
4
16
1377 märz 12
3
13
1377 aprü 23
3
14
[1377]
Komtur
1
1
1
4
1377 juli 13
1378 febr. 19
1
7
1379 febr. 18
1
8
1379 april 16
2
11
1379 juni 1
2
12
1380 april 20
Johanniterbrüder
1
0
3
1377 circa mai 17
137 7 nov. 22
■
1
2
1377 aug. 1
Rolmaiin
1
9
1380 febr. 22
1
10
1380 april 4 1
Wie die Chronik und der beiden Stifter Leben, beweisen
demnach auch die Briefe, daß sie in ihrem letzten Grunde auf
den zurückzuführen sind, der das Briefbuch angelegt hat, auf
Nikolaus von Löwen.
Neben den vier oben (74) aufgeführten Ilauptgruppen bean-
spruchen noch einige andere Materien eine eingehendere Behand-
Jiing, die am besten in diesem Zusammenhang besprochen werden.
\h
5. Die Begleitteit« der Briefe.
Dar Titel des ßriefbuchs (64*1-15) besagt, daß in der«
Briefbüchlein alle Briefe aulbewahrt sind, die der Gottesfreu»«
jemals Rulniann oder den Priestern von GriinenwÖrth jüeschrieb» ■
hat. Allein im Teste der Briefe wird an den verschiedenal^i
Stellen auf Briefe verwiesen, die man vergebens im Briefbucs]
sucht. Sie miiliten also verloren t^ejiangen sein. So sind BrieC
an Rulmann erwühnt: 79*I3|14; 89*16;i7; 104'24|l'5; 107*3»J4O
125*8|9; 134*17;i8; 137*17; 154*14'15; 154'30- 70*1G!17. A.B
den Komtur: 89*20; 103*27; 106*1; 106*7 usw. Nicht eimnal
alle an Nikolaus von Löwen gerichteten Briefe des Gottesfreundes
sind aufgenommen: 127*8; 127*28; 129*16: 130*45; 149*5, und
diese durfte Nikolaus von Löwen doch am allerwenittsten ver-
gessen! Ebenso auflallend ist, daß nur ein einziger Brief erhalteo
ist, der an den Goltesfreund gerichtet ist, und doch halten
Komtur wie Rulmaiui gewili ihre Konzepte sorgsam aufbewahii
Wir werden uns aber über diese Ungereimtheiten nicht mehr
wundern, wenn wir in Nikolaus von Löwen den Verfasier
dieser Briefe sehen, der ganz willkürlich die Adressaten gewühll
hat. Unter allen missi/vfn (64*2) wollte ei- auch urrtprüniilii'h
nur die ersten 10 bezw. 11 Briefe verstanden haben. DaruiQ
weil! der Titel des Briefbuchs noch nichU von einem Brief
an Johann von SchäiTolsheim, sondern nur von den Briefen, di*
den prieslern und personen si'i dem Griinenwerde (64*5) S^
schrieben sind; darum ist auch als unterste Zeitgrenze das Jalir
1366 (64*15) angegeben, während der Brief an Johann von
Schäitblsheim ins Jahr 1363 gesetzt wurde, Der zweite AbschniH
(64*16-60*71 erklärt daim den Zweck, den die ersten 10 Briefe
verfolgen. 'Aa den Briefen der drei Memorialbücher, in welche
nur die notdürftigsten Sinne geschrieben wurden, sollten sie die
Er).'änzung bilden, d. h. sie sollten den Guttesfreundgedanken nühff I
erlihitern und vertiefen, und über jeden Zweifel stellen, dali der
Goltesfreund vor allem auf den Bau des Hauses einen groUeo ,
EinfluU ausgeübt hat. Von diesen 10 bezw. 11 Briefen gilt au'-ii
dali sie nai'ii malfrien geordnet sind (Brief 1-5 u. Brief 6-10)i j
und datl für ihre Reihenfolge niclit der < hronnlogisohe, sondern .
'/er sachliche Ge^i' btspimkt matigfbcnd war. Bei den Maclii- J
227
Dationen, die Nikolaus von Löwen mit diesen Briefen vorgenommen
hat, werden wir es auch nicht mehr unnütz finden, wenn er
ausdrücklich betont, daß niemand an den Briefen „vürwitzig zwei-
feln" (65*4) solle.
Die eigentliche Einleitung zum Brief buch beschäftigt sich
mit der Geschichte der Gottesfreunde, ihrer Niederlassung und
Romfahrt. Sie wird gleich zu Beginn mit dem Fünf-Mannen-
huch in Verbindung gebracht (65*91 10). Nach den früheren Aus-
fiihrungen ergibt sich aber von selbst daraus, daß wir weder in
der Geschichte der Niederlassung noch in der Romfahrt mit wirk-
lichen Erlebnissen, sondern mit einer Fiktion Nikolaus von Lö-
tens zu rechnen haben.
Sollte man an die Existenz der Gottesfreunde glauben, dann
mußte Nikolaus von Löwen vor allem darauf bedacht sein, den
Gottesfreunden eine Wohnung anzuweisen. Daß nun ihre Nieder-
lassung in dieselbe Zeit fällt, wie die Niederlassung der Welt-
priester in Grünenwörth, wird so nicht mehr auffällig erscheinen.
-Auch konnten die Johanniterbrüder im Jahr 1390 die Wahrheit dieser
Erzählung nicht in Zweifel ziehen, da angeblich alles auf den münd-
liehen Berichten Rulmanns beruht, wie er sie Nikolaus von Löwen
zu einer Zeit gegeben hat, wo die Johanniter Grünenwörth noch
nicht bewohnten. Und gerade auf diesen Punkt legt Nikolaus
von Löwen großen Wert, sonst hätte er nicht in jedem Abschnitte
wiederholt, was er hier erzähle, erzähle er so, wie es Bulman
Mer stein selber seile hruder Clauaen von Lofe7i, Ihrem Inhalte nach
erinnert die ganze Niederlassungsgeschichte an die Legenden,
wie sie bei Klostergründungen, bei dem Aufkommen von Wall-
fahrtsorten oder bei Reliquienüberfiihrungen so mannigfaltig über-
liefert sifid^). Ein schwarzes Hündchen weist den Gottesfreunden
den Weg; wo es stehen bleibt, ist der Ort für ihre Niederlassung.
Nikolaus von Löwen brauchte dabei nicht einmal selbständig zu
arbeiten, sondern er konnte auch diese Geschichte aus den Trak-
taten herübernehmen. Ahnliche Parallelstellen finden sich vor
allem im Ursula-Traktat. Die Gottesfreunde verlassen die Stadt,
um io der Einsamkeit sich aller lidiged uml abgescheidenlichest
halten zu können. Dasselbe tut auch Ursula (Jundt, Les amis
*) Tfl. ftoeh Grimm, Mythologie* 904 ff.
Z2S
36!J!3ß6). Die Gottesfreundfl folgen dem Hündchen durc^'^ff^uH^
durch studm, iititz dm sn komenl uf einen hf.rg, der im Lande der
Herzoge von Österreich gelegen ist — ähnlich heißt es bei Ursula:
ao künde, ich dir, das du uf standest und fangest enweg das innt
uf in frömede lant; und gang alse lange und aUe verre uf sie
berge, untze das du klimmest in ein lant, das ist tcdsck und kMnitt
des Herren lant ron Berne (a. a. o. S, 366). AUo giiigent aü dnt
lant ismerme uf hin zu berge (ebenda S. 368). Die Gottesfreunde
beraten sieb, wie ihnen die Hotstatt werden möt-hte — Ursula
berät sich mit ihrer Gefiihrtin Namens Sophie (Vye) und sendet
diese fort, um zu sehen, wem die Klause gebore, und wie sie ihi
Eigentum: werden möchte (a. a. o. S. 369). Der Bote eiidUch»
der ein ganzes Jahr im Gefängnis lag, erinnert an den Tralita.
vom gefangenen Ritter,
Viel deutlicher sind noch die Quellen aufzudecken, aus denei
Nikolaus von Löwen bei der Romfahrt sehopfie. Er selbst git>
an, daß die Erzählung auf den Briefen beruhe, welche der Gölten
freund herabe achreip Rtdmannt Merswine und bräder Claus^r
von Liifene (66*34135). bi der Tat reden auch die den Briefe
zuaruTide lick-enden Traktate vielfach von ..F'ahrten" der Gntlp^
freunde, die diese unternehmen, um die Menschen zu bessern, Vo.
allem erzählte das b/ich ron dem öme von der Fahrt der dreizebn
Gottesfreunde ins Gebirge. Andere wieder von einer Fahrt nach
Strallburg (79*1), nach Metz (79*5.37), uacb Köln (I24*:il), oder
zum Bischof oder dein Rate der Stadt (74*. u. 75*). Die Rooi-
fahrl ist also nur eine Ergänzung zu diesen Gedankenreiheo.
Von ihr handelt eingehend der 16- Brief, der seiner ganzen An-
lage nach mit der Fahrt der Goitesfreunde ins (Sebirge überein-
stimmt (vgl. 92*93* mit 121*). Die Zeit der Fahrt ins Gebirge
ist Ostern, die Zeit der Romfahrt ebenfalls. Beidemal ist der
Gottesfreund in der naturen kräng. Vor beiden Fahrten ermahnl
der Gottesfreund Rulmann, er möge nicht zu viel fasten. Allein
die Gottesfreunde unternahmen nach Nikolaus von Löwen nicht
bloß im Jahre 1377 eine Homfahrl zu Papst Gregor, sondern be-
absichtigten noch eine zweite im Jahre 1379, aus der aber .,mclits
geworden ist" (103*26IT.). In Wirklichkeit fand aber eine Rio-
tahrt weder im Jahre 1377, noch 1379 statt, da diese Daten ja
nur eine freie Üriindnng Nikolaus von Löwens sind, der bestimmte
229
Abschnitte in den Gotlesfreundtraktaten, welche von einer Rom-
fahrt redeten, auf einen ganz bestimmten Papst übertrug und da-
durch eine fingierte Erzählung zu einer historischen stempelte.
Wundern wir uns also nicht mehr, daß die ganze Romfahrt-
geschichte (66*29 ff.) bei der Nachprüfung an der Wirklichkeit in
nichts zerfließt, wie es Denifle so treffend nachgewiesen hat'). Die
ganze Erzählung zeigt denn auch viele Parallelstellen mit den andern
Traktaten, so vor allem mit dem Meisterbuch: „Wie der Gottes-
freund dort von Gott ermahnt 30 Meilen weit geht, um den
Meister zu bekehren, so macht er hier von Gott ermahnt die
weite Reise nach Rom, um den Papst zu bessern. Mutalis mu-
tandis leuchten in den Unterredungen mit dem Meister und dem
Papste ganz dieselben Momente hervor. Und wie der Meister
schließlich durch seine Predigten im Geiste des Gottesfreundes
dessen Bestrebungen anerkennt und bestätigt, so erkennen auch
der Papst durch die Bulle und später der Bischof durch seine
Briefe die Tendenzen des Gottesfreundes an und besiegeln sie."
B)euso wurde in Rom „der bekannte Römer für den frommen
alten Mann so eingenommen, daß er ihm ein Pferd schenkte, wie
im Buche vom gefangenen Ritter der Burgherr dem gefangenen
-Ritter, nachdem dieser ihn bekehrt hatte 2).^^ Vgl. zu 69*3 und ga^
darzü dem leigen ein gar gut zeltende pfert NvB. 162: und der herre
wdte nüt enbern, er miisste nemmen mi gut zeltende pferd. — 68*3:
beze an den munt= NvB. 127: becze an minan bagken; MB. 10: d^
meüter umbving in und gap ime das betze an sinen backen, —
68*15116 entspricht im gefangenen Ritter, NvB. 162: Heber herre nü
gefU mir urlop, wenne es ist nü zit . . . we?ine ir min bedarf ent und
mich gerne hetteivt, so walte ich gerne zu üch kummen und walte
ich gerne gehorsam sin^ wozu ir min bedarf ent: ähnlich MB. 25.
— Zu 68*2ul30 vgl. MB. 24; Jundt, Les amis 386. — Zu 67*5:
erbot es in gar wol vgl. NvB. 152: da nam der herre die zwene
rifiere und fürte si zu tische und bot es in gar usser mossen wol^).
Damit wäre der Beweis erbracht, daß Nikolaus von Löwen
in der Erzählung von der Niederlassung wie der Romfahrt der
Gottesfreunde sich aufs engste an die Abschnitte anonymer Trak-
*) Zeitsehr. f. deutsch. Altertum 24 S. 301 824.
*) Denifle a. a. o. S. 323.
*) Ebenda finden sich noch andere Parallelstollon.
täte angelehnt, sie hocngT wäHreeEemliaräat geringen Verände-
rungen wörtlich ausgeschrieben, aher dureh seine Interpolationen
zu historischen Vorgängen umgedeutel hat
Der erste Teil der Briefe schliellt ganz entsprechend mit
einer Ermahnung (lOO'efT.), indem noohmals alle Gedanken
ziiaararaengefalit werden, von denen vor allem Brief 0-10 han-
delten. 101*7fF. hat eine auffallende Übereinstimmung mit der
Stelle des Ursula-Traklales ; Nii liebes kinl Ädelhcit, ich mm »och
me mit dir reden. Du bist noch iung und wurst noch in kurtzen
ioren sehende, wie got die kristenheit in manigerhaud« wise mit
Piloten anegriffeiid« wurl, mit rit grossen sterbotlen, mit üherftmif
der icaeaere, mit ertbidemen, mit mwaeicoAss« der frühte, dovon
oarh türunge kummen miig, und danneii von vil zwegunge »lui
kriege ufdonde teerdent, darus «trite icerdenl, utui vil lütes sii lau
und zu sei« verderbent. Und werdet^ auch stritbere houbetlo»
unbekante lüte ufstonde, die der cristenheüe in manige» laiidti
vil WC werdenf lünde^). {Jundt, Les arais 388). Von dieseu PI>D
redet auch das 12. Kapitel der Chronik (184"24ff.) in aller Aus-
führlichkeit Wichtig ist ferner, daÜ \0i'22B. die Briefe ti-10 in
Verbindung gebracht werden mit der Offenbarung in der Christ-
naeht l;!ö6 d. h. mit Traktat 10. Dort aber wird diese Offen-
barung dem lieben gottesfriinde in Oberlaiil (80*10), hier jedoch
ettelichen disen selben gotlesfriinden (102*23) zuteil, wodurch die
Deutungsversuche Nikniaus von Lc5wens aufs neue klar zuta^s
treten.
Das Brielbucb in seiner jetzigen Gestalt schüelit mit dem
historischen Nachwort 137*2111., das an den vergeblichen
Bemühungen der Straliburger Johanniter, die Gottesfreunde auf-
zusuchen, jeden von der Unmiiglichkeit überzeugen sollte, den
Gottesfreunden auf die Spur zu kommen. Allein dieses historische
Nachwort pallt bei näherem Zusehen gar nicht in das Briefbuoh
und war auch ursprünglich nicht für dasselbe bestimmt. Schon
der Ansehlult: dise corge&chribenen liehen f runde gottes ist un-
logisch. Noch mehr der Hinweis darauf, dall sie „auch des
Hauses Stifter und der Brüder Freunde" gewesen sind. Und waä
soll si^blielUiL'h die Bemerkung, die Gottesfreunde haben ,4n aller
J
231
Heimlichkeit, viel minnesamer Briefe" geschrieben, wo doch das
ganze Briefbueh dafür den handgreiflichsten Beweis erbringen sollte?
Ihrer ursprünglichen Stellung nach bildeten diese Teile das histo-
rische Nachwort zu den Viten der beiden Stifter, Rulmann Merswins
und des Gottesfreundes im Oberland, wie wir es im erweiterten
Pflegermemorial noch finden (218*12(1.). Im Anschlüsse an diese
Viten hatte Abschnitt 137*21-32 allein einen Sinn, nicht jedoch
im Briefbuch. Dortliin paßte auch sehr gut die Erwähnung des
Fünf-Mannenbuchs (139*20). Auch die Stelle 218*23-26 erweist
sich als die ursprüngliche, während 139*35-140*1 daraus ab-
geleitet ist, denn zweimal sind hier die briefe erwähnt (139*37
briefe und 140*1 eiteliche materien dis gegenwertigen bt'«;he8). Ver-
gleicht man den Text des Briefbuchs mit dem des erweiterten
Pflegermemorials, so kann man ganz deutlich die Absicht Niko-
laus von Löwens verfolgen, den Grundgedanken der Unauffind-
barkeit der Gottesfreunde im Briefbuch zu erweitern. Ganz
charakteristisch ist der Vergleich von 138*15-19 mit der Leseart
218*18. Auch der Zusatz 140*10-14 sollte nur dazu dienen, die
Wahrheit der Erzählung Nikolaus von Löwens zu erhärten. Darauf
läuft auch die ganze Erzählung 140*15-141*7 hinaus, die im An-
schlüsse an die vorausgegangenen Briefe weitere Beispiele der
ünauffindbarkeit der Gottesfreunde bringt. Mit einer gewissen
Schlauheit sind diese Beispiele gewählt, denn jedermann mußte,
wenn er die Briefe gelesen, an den Bischof von Konstanz denken,
der den Gottesfreunden im Oberland so hilfreich bei dem Bau
ihres Klosters zur Seite stand, und nicht weniger an den Komtur
Heinrich von Wolfach, an den die meisten Briefe gerichtet waren,
und der dazumal noch am Leben, wenn auch nicht mehr in
ürönenwörth w^ar. Wenn Nikolaus von Löwen dem gegenüber
betonte, daß nicht einmal der Komtur „die lieben Gottesfreunde
finden konnte'S so sollte und mußte dies alle weiteren Bedenken
niederschlagen.
Daß diese Abschnitte eine Erfindung Nikrjlaus von Löwens
sind, zeigt sich schon darin, daß er bei der Suche nach den
Gottesfreunden selbst die größte Rolle spielt. „Ehrbare Ix'Ute von
Straßburg^ ziehen aus, die Gottesfreunde zu suchen, sie finden
sie nicht Nikolaus von Löwen nennt auch ihre Namen nicht;
um so eindringlicher betont er jedoch, daß Kulmaim M(*.rHmu ^"h
ihm so gesagt liabe. Ebensowenig uennt er die Namen der „zwei
ehrbaren Boten" (139*9), die nath Rulmaniis Tode den gleielieii
vergeblichen Versuch machten. Nikolaus von Löwen ist demnach
die einzig historisch beglaubigte Persönlichkeit bei den Unter-
suchuDgsfahrten, der freilich ebensowenig wie die andern die
Gotteaireunde finden konnte. Man glaube aber nicht, dati der
Grundgedanke: die Gottesfreunde sind unaufündbar, weil sie selbst
unbekannt bleiben wollen, etwa eine Erfindung Nikolaus von
Löwens ist. Nikolaus von Löwen verwertet aut'h hier bloß die
Gedanken der Traktate, die olle von dem „ünbekannlbleibeii-
reden (vgl. 27'6; 2\>'i2: 29*32; 30*1; Lauchert. 90,3i).
Üer Vermittler aller Briefe vom Gotteafreund an Rulmann ist
der heimliche Bote Ruprecht. Nun erinnert dieser Name schon
an die volkstümliche Gegtalt jenes Boten, der in der Weihnachtszeit
im Gefolge des Christkinds erscheint, utn seine Gaben, gute oder
schlimme, auszuteilen. Der Name dieses Boten ist demnach von
vornherein unlatlbar, Unrichtig ist es auch, daß Ruprecht und
dieser allein sämtUche Briefe (137*30) Rulmann überbracht habe;
denn wie aus der Stelle 74*18|20 und 79*1|13 her\*orgeht. ver-
kehrte angeblit-h aulSer Hupreeht noi*h ein anderer Bote mit
Rulmann. Ebenso unrichtig ist, dali die Briefe nur durch Rul-
manns Ilitnde gingen, der sie den Personen überantwortete, an
welche sie gerichtet waren (137*31|32), wenigstens erhält Johann
von Schülfolsheim vom Gottesfreund den Auftrag, einen Brief an
Küntzelin aufzubewahren und hei seiner Rückkehr von Köln zu
übergeben (125*llf.). Auch war es unnötig, wenn nicht gerade
widersinnig, den Komtur des Johanniterhauses aufzufordern, den
empfangenen Brief Rulmann vorzulesen (107*40), wemi die Briefe
durch Rulmanns iland gegangen wären. So verwickelt sich Niko-
laus von Löwen im Bestreben, die Art und Weise zu erklären,
in der der Gottesfreund mit Rulmann zu verkehren pflegte, selbst
m \\ idersprucht. Das Wii htigste aber war ihm, jeden von der
Lnim)r,liLhkeU zu überzeugen, jeinals die Wohnung der Gottes-
fieunde auffinden zu können. Anstatt den Gottesfreund in dieser
/citlichkeit 7\i suchen, sollten die Brüder hier vielmehr ihrem
Ratf folgen, dann werden sie auch in der Ewigkeit sicher einstens 1
mit ihnen vereinigt sein (141*80".), Damit setzt Nikolaus von I
Liin en seiner h dischung die Krone auf und gibt sieh zugleich als I
233
denjenigen kund, der seine in den Meniorialbüchern niedergelegten
Ideen auch bei andern zu verbreiten- sucht (139*36)^).
Die besprochenen Partien des Briefbuchs enthalten ferner
einen Auszug aus einer Schrift Rulmanns, die Nikolans von Löwen
als Jetzte Ermahnung'- Rulmanns bezeichnet. Sie bildete
einen Teil des lateinischen wie des deutschen Memorials und zwar
dort das 29. Kapitel und die vierte Materie, hier das 18. Kapitel
und die dritte Materie. Wir finden denn auch diese letzte Er-
mahnung im 29. Kapitel des Ersten Lateinischen Memorials wieder
(230*10 ff.), welches dem 18. Kapitel des nicht mehr erhaltenen
Kleinen Deutschen Memorials entsprach. Von da ging sie eben-
falls als „dritte Materie" in das erweiterte Pflegermemorial über
(213*20 ff.). Im Brief buch folgt zunächst ein Auszug (142*36-143*36
entspricht 214*23-216*3), darauf der eigentliche Text (143*36-
146*20 entspricht 216*3-217*30 u. 230*22 il'.j. Auch einen äulioren
Unterschied finden wir zwischen dem Text des erweiterten Pfleger-
memorials und dem des Brief buchs: dieser ist in bestimmte Ab-
schnitte eingeteilt — gecapUelieret — jener steht an einer materien
ungeteilet und nüt f/ecapifelieret (146*24). Nach Nikolaus von Lciwon
stammt dieser Traktat von Rulmann selb.^t, d(;r ihn den Brüdrirn
um Lichtmeß 1382, also in seinem Todesjahre, als letztes Andcjnken
auf eine Wachstafel geschrieben gab. Ebenso bestimmt behauptet
Nikolaus von Löwen, dal) die in diesem 'i'raktat als sprechend
eingeführte Person niemand anders als Iiulrnann selber sei, wie
dies eine Vergleichung dieses Traktats mit den Vier-Jahren l>eweise.
Anderseits muß er aber auch zugestehen, daß f^ulmann hier nur
mit bedecketen icorten (143*36; von ihm selber schreibe, und daß
er sich nicht nennen wollte unfze noch nime iodn 044*23;. An
anderer Stelle sagt er wieder, Bulmanns Name sei wohl genannt
') Johaun ron Bolseuheira. Propst zu YA\%*-\\tf.x%. <:r-':h'jifit in *\\\m:x V.tV\%\A*\
l'tll April 23 (Staatsarcb. Lr-izerL fa-j':. »Ir;». ',oIIr/; NjkolaK ron l/tW'-.u »Uh -^nu/.ti
St«Ue ftas dem Verkehr Heinrich >,*: ,\k' mit \y*tiii'A*im'\.u'. vfm i't'th'-uU-.itu Uf.rUii-r
genommen haben? Etwas ihLlkb«s.i findet ».ich w«:fitariti;rt4 in <:in^ni K^Ui\*>y^ «lor
Dominikanerprorinziale. ü*;d i^uiz. Ui^V/irf: 4 i p«nrn«;i<rn<; \i*',fki .y[*://:h'}U hat.. t)',ti
heißt es S. 289 : A*^. d. IS'jH [-^i^] >/r. h'irihUomdu< ton lu'd^^-nhflfn, mHnUr
gMieher kunttt und ein nelujfr man, D*nr nwUhtid rMt-r hr. Ihinfich HfUM
MimI ifit^r tdUr prorinzial tear^nd €innn/Ur gar Hfh un/l fj^hfim und ftUchrr
Hner hüehergap tater Heinrich dem yr'/zinzial zk ut/er Heften un/I zu über harren
•cfkf MÜ beworen bff wmder ieiAzuch^ >Au:herf die er fffm^uthet hui.
in den Vier-Jahren, nicht aber in dieser liimiersten htze (145*15V
Trotz alledem sei zu glauliendej daß er (Kulmann] seiher ira»
lier lideniie mensche, den er inen za eime exemplar in dise mlnnent-
liclie warnutvje gesetzrt kH (-JlS'Sl). Wir werden dies Nikolau»
von Löwen jedoch umso weniger glauben, als er diese ..letzte
Ermahnung" in Verbindung bringt mit den Vier-Jahren (217*35l,
dem Zwei-Mannenbuiih ('217*41), dem Meisterhuch (218*1), der
OlVenbarung, die dem Golte?freund in der Christnachf zuteil wurde
= Traktat 10 (231*3), und dem Büchlein von zwei fünfzehn-
jährigen Knaben ^ Traktat 1 (231'9). Ein näherer Vergleich.
zeigt denn auch die Übereinstimmung dieser Traktate mit der
„letzten Ermahnung" nach Form und Inhalt, woraus wir den.
Strhlull ziehen können, daß wir in der ..letzten Ermahnung Rul-
manns" ebenso wenig eine Erzählung wirklicher Erlebnisse vor"
uns haben, wie in den genannten Traktaten, sondern einen anonym-
mystischen Traktat, der demselben Verfasserkreis angebörl wie ^^
jene. Nikolaus von Löwen ist es wieder, der diesen anonymen -^
Traktat auf Ruhnann deutet und ihn den Brüdern dnreh Rulmann -^
unmittelbar vor dessen Tode zustellen läÜt. Ganz deutlich springt —
die Arbeitsweise Nikolaus von Löwens ins Auge, wenn wir den -^
Text des Briefbuchs (143*;i6- 146*20) mit dem des Pflegermemo- —
rials (216*3-217'30) vergleichen. -^
Pfleger memoria!.
11 [rr.
rehten
grosse
icllje
:iiscb iietle guit ei
gesworen, das ur k
u sümle nieuierme w
aber uiich ikm joro, do kam aber
gottmit silier äuuilerbercngnoili?!! iu
einer anileren wise, dieselbe giiüde er
OQch iiiemaiiae git, danne den er ette-
was n-blo tvol g-etruwet . . .
Briefbnch.
Diser aelbf raeiische. Ridman Mtr-
sifin, unser Stifter, wie doch tr sieh
nüt nennen iiolle untze noch simt
tode, also Mi sin anevang der okr
iore, sin aribes hant und ffeaehrifl,
bewerft und diaer maierien glithet,
wii' daz er gutte bette eineu rehten
eit gBSwoni, das er keine große swere
siinde niemer mo wolle getfln . , .
alsii vant dirro menscbe, Bülrnan
Merswin, anders ndt ic ime . . .
aber nocb dem jore do kam aber
got mit siner snnilerberen gnoden in
eine ander wise zii unserm lieben
Stifter RMman üeratrine, ijenenntt
in ct«u >'w- ioren !fins ersten anfangts
dieselbe verdienliche gnode, die er
<3isein selben menschen anderwerbe
sab . . .
und do er vil zites and lange in
tliseme grossen lidende der manig-
\raltigen grossen unreiDen bekorangen
^as gesin . . .
235
und nüt in diser hindersten leize, die-
selbe gnode er och niemanne git
denne den er ettewas rehte wol ge*
truwet . . .
dieselbe verdienliche gnode, die er
diseme selben menschen, Rnlman
Merawine, unserme Stifter^ ander-
werbe gap . . .
und do diser mensche, Rulman
Merswin unser lieher Stifter, vil zites
und lange in diseme großen lidende
dirre manigvaltigen großen unreinen
bekorungen waz gesin . . .
Wie bei dem Zwei-Mannenbuch hat Nikolaus von Löwen
demnach zum „besseren Verständnis" auch dieses Traktats das
unbestimmte diser me fische näher erläutert und durch den Zusatz
Mulm an Merswin eindeutig bestimmt. Und damit man ihm vollen
Glauben schenke, betont er nachdrücklichst, Rulmann habe sich
nur aus Demut nicht öffentlich nennen wollen (143*31, 217*37).
Aber nicht nur der Text, sondern auch die Rubriken werden
in den verschiedenen Memorialb'üchern eine Wandlung durch-
gemacht haben, bis zu jener Deutlichkeit, von der das erweiterte
Pflegermemorial Zeugnis gibt. Die Rubrik zum 29. Kapitel des latei-
nischen Memorials (230*10) hat Gölzmann nicht überliefert. Das
erweiterte Pflegermemorial (213*20) hat zwei Überschriften. Viel-
leicht lautete die ursprüngliche Rubrik : Dis cappittel ist die dirite
tnaterie und seit von der hindersten stroffungen und Warnungen, die
Jiülman Mersivin us gütlichem tribende den hr ädern schriben muste.
In ähnlicher Weise klingt diese Überschrift im Brief buch (143*33-
36) an.
Den Schluß der vierten Lage wie die ganze fünfte Lage
des Brief buchs umfaßt ein Traktat, der den Namen „Schüre-
brand" führt (149*17ff.), mit dem Briefbuch und seüiem Zweck
jedoch in keinem Zusammenhang steht. Vor kurzem hat ihn Pro-
fessor Philipp Strauch in Halle herausgegeben i). In seiner Aus-
*) Strauch : SchQrebrand. Ein Traktat aus dem Kreise der Straßburger 6otte&-
f^onde. Haue 1908.
gäbe folgt Strauch wolil dem Text des Rriefbmihs, nicht aber in
der Anordnung der einzelnen kleineren Abschnitte. Hier bevor-
zugt er die Reihenfolge zweier Handscbriften vod St. Gallen, welche
hundert Jahre jünger sind. Leider Uef er dabei Gefahr, durch ein
solches Verfahren die Gottesfreundfrage für den Uneingeweihten
nur noch mehr zu verwickeln. Denn wie die bisherigen Unter-
suchungen gezeigt haben werden, ist es nicht gleichgültig, wo
und in welcher Reihenfolge irgend ein Text im Briel'buch
oder auch in den übrigen Meraorialbachern steht. Und die Will-
kür, mit welcher schon Karl Schmidt den Text der Memorial-
bücher und vor allem den des Briefbuchs behandelte, trug mit
Schuld daran, daß die Lösung der Gottesfreundfrage sich so lange
hinauszog. Nachdem aber der Sehürebrand einmal gedruckt ist, J
werde ich mich in der Numerierung der einzelnen Abschnitte w
Strauchs Ausgabe anschließen. I
Nikolaus von Löwen hatte diesen Traktai mii Nr. 81 gan* m
sachgemäß geschlossen, da aber am Ende der Lage noch freier J
Raum war, benützte er diesen zu drei für sich stehenden Ein- '
trägen ( = 55, 56, 65). welche die geistige Armut behandeln und ^<
einen durchaus einheitlichen Gedanken verfolgen. Mit dem fol- —
genden Abschnitt, der auf dem letzten Blatte der 5- Lage stellt,,»-
ändert sich die bisherige Darstellung. In drei weiteren Abschnitten, •!-
welche jedoch mit den drei vorhergehenden einer Gedankenreihe, .«-
derjenigen der geistigen Armut nämlich, dienen, nimmt die Dar- —
Stellung historische Färbung an in der Erzählung von selbst Er
lebtem, deren wichtigste Stellen lauten:
Hl] Anoo liomini 13fj7 in den
ziton, do unser klosler zu dem ersten
anegefangKii wart xü ernuweiide, di'
was ich in eime wulde bi Winterlur,
heißet der Rerenberg. bi gar erbem
priesteni eins ordens beiße nt die
B. C.
Ich bin vor ziten als man zalt nacl^j
Christus pcbnrt MCCC und lirij Jon;
selber gewesen in ainem wald bS
daz ich selber sacb, wenne ich wol
iviij Wochen bi in und mit lu wonete
und wandelte in irrn^' cl^sterlin ge-
nant Unsere frowen ztUe iu dem Rer-
daz ich selber sach.
237
"berge, die wile ich noch do ein welt-
lich schaler was and wenig gedoht
hette waz asser mir oder nz anserme
hnse werden solte . . .
do ich noch do ein janger weltlicher
Schüler was . . .
In Sollicher getrnwer fruntlichen
warnnng and och dick and vil mit
grossem ernst alle aigenschaft wider-
raten und abgesprochen ist von unsern
Stiftern, den grossen ubernatarlichen
gottesfründen and eriahten personen,
das ich noch kain min conventbruder
naigklichait dar zu haben mngen von
rehter angstporkait unser concientz,
so wir . . .
G4] In solicher getruwer frünt-
licher minuen und meinungen ouch
ansere lieben stiftere, die heiligen
großen gottesfrunde, uns vil und dicke
mit großeme ernste alle eigenscbaft
widerroten und abegesprochen hant,
daz anser keinre von rohter augest-
berkeit in siner conciencien neigli-
cheit dar zu haben oder gewinnen
mag, so wir iren begirlichen minnen-
deu ernst ansehent . . .
Alle drei Abschnitte füllen den Rest der letzten Seite der
5. Lage sowie die erste Seite der 6. Lage. Auf der zweiten Seite
der 6. Lage beginnt der Schreiber mit der Rubrik (Abschnitt 81):
Dis vorgeschribene (/egenwertige biichelin genant des heiigen geistes
minneglünsenden ganeisterlins schurebrant het corrigieret . . . Das
ist im Briefbuch der Zusammenhang, in welchem die drei „histo-
rischen" Abschnitte, wie ich dieselben nennen möchte, stehen.
Zwei Fragen fordern nun eine Beantwortung:
1. Wer spricht hier von sich in der ersten Person?
2. Gehören die drei Abschnitte 61, 62, 64 notwendig zum
Schürebrand-Traktat Ist demnach derjenige, auf den diese drei
Abschnitte zurückgehen, auch der Verfasser des ganzen Traktats?
Aus der Jahreszahl 1367 und dem Beisatz: do unser kloster
zu dem ersten anegefangen wart zu ernuwende folgt mit Sicherheit,
daß sich hier ein Konventbruder des Johanniterhauses zum Grünen-
wörth als Sprecher einfuhrt, denn derselbe Ausdruck kehrt ebenso
in der Chronik des Johanniterhauses wieder. Er spricht dann
von utisern lieben stifteryi^ den heiligen großen gottes f runden, was
ebenfalls auf Rulmann Merswin und den Gottesfreund im Ober-
land bezogen werden kann. Außerdem war der Sprechende damals
noch ein weltliclier schüler und weilte als solcher 18 Wochen auf
dem Beerenberge bei Winterthur. Nun ist der geistige Urheber
der Chronik des Hauses wie des Briefbuchs Nikolaus von Löwen,
und so liegt es von vornherein nahe, auch au di^a^i ?i\.^<^ ^u
[ 238
ihn zu denken. Nikolaus von Löwen hat ferner das Briefbuch
eigenhändig gesehrieben, er konnte sich im Jahre 1367 noch ein
melilicher schi'der nennen im GegensaUe zu seiner späteren Ordens-
Zugehörigkeit. Er wußte damals noch nicht, was aus ihm nnd
Griinenwörth, dem er nach seinen Ausdrücken schon damals
angehören muUte, werden solle. Er konnte sieh vor seiner
Diakonataweihe, die er am 1:.'. Juni 1367 empfing, ganz wolii
18 W'oohen auf dem Beerenberge auflialten, vielleicht gerade zur
Vorbereitung auf diese Weihe,
Diese neue Kloslergriindung ist durch die in den Regesten
der Biscliöfe von Konstanz verarbeiteten Urkunden hinreichend
belegt'). Bischof Heinrieh vonBrandis, der sehrottinlvlingnau ver-
weilte, hat ihm seine besondere Sorgfalt zugewandt»). Er hat den
Brüdern die Ordensregel bestätigt, ilmen die Erlaubnis gegeben,
für den Bau ihres Klosters in der ganzen Diözese eine Kollekle
zu veranstalten, und liat selbst ihre Kirche und Kloster geweiht
Der damalige Prior Ueinrit'h von Linz war nach Nikolaus von
Löwen ein gar mnderlicher großer begnodeter gottesfrünt, dem tjat
tä großer IteimlickeU offenbarte.
Dazu kommt noL^h, dall Heinrich Blankhart von Löwen unter
dem 22. September 1371 dem Prior und Konvent sä tiiiner frowen
zelle in dem Berherge 10 ff 4 ^u einer Jahrzeit vermacht {H*Vd aiim,).
Gewinnt diese einfache Nachricht nicht an Bedeutung, wenn Niko-
laus von Löwen, der ehemalige Schreiber Heinrich Blankharls von
Löwen, einmal selbst bei den Steigern auf dem ßeerenberg weilte V
Also Gründe genug, um Niknlaus von Löwen als Verfasser der
historischen Abschnitte zu bezeichnen, umso mehr, als kein an-
derer der s|iiiteren Konvenlbriider schon im Jahre 1367 mit
Grünenwörth in Beziehung stand ^1. Nikolaus von Löwen konnte sich
aucli vor dem 18. September 13()7 wohl wdükher schiilflr, nicht
aber weltlicher priexf er nennen, einfarh deswegen, weil er erst am
18- September 1367 zum Priester geweiht wurde. Wenn Slr.iuch
I) Vfc-I. lUedor, Züitsdirift rat G«sdi. de- Oborrlidiis i:,«llt.
-') Viclleicbl orkUreu sicli ilaraus die ötelleii im Kriufbucli niiu Konsiama
Hi-^oh"t IHO'ilff.K
■■) liuiuit sind diu Kiiiw.md« Strnuthä gugmi iiiainu in dar Zeit^clirii't tär lio-
239
als weiteren Gegenbeweis anführt, daß die dem Briefbuch ange-
fügte „Autobiographie Nikolaus von Löwens von anderer Hand-
geschrieben ist als der, die sonst im Briefbuche tätig war", daß
demgemäß Nikolaus von Löwen wohl die Autobiographie, nicht
aiber das Briefbuch geschrieben hat, so ist ganz richtig, daß beide
Schriften auf den ersten Blick einen verschiedenen Charakter auf-
"weisen; prüft man jedoch beide Schriften genauer, so flndet man,
daß beide Schriften von einer Hand stammen, wie sich jeder durch
die hier beigefügten Facsimilia selbst überzeugen kann. Die Schrift
des Briefbuchs ist sorgfältiger und mit gerader Federhaltung ge-
schrieben, die der Autobiographie dagegen flüchtiger und mit
steiler Federhaltung. Zu bedenken ist dann auch, daß wir, wie
schon bemerkt, in Nikolaus von Löwen einen geübten Schreiber
^or uns haben, der in mehreren Schriftarten zu schreiben ver-
stand. Auf alle Fälle dürfte es sehr schwer fallen, aul paläo-
^raphisehem Wege den strikten Beweis zu erbringen, daß Niko-
laus von Löwen nicht beide Schriften gesclirieben haben könne^).
Obwohl nun Nikolaus von Löwen als Verfasser der histo-
:rischen Partien bezeichnet werden muß, so ist damit noch
keineswegs der Schluß gerechtfertigt, daß er konsequenterweise
auch der Verfasser des ganzen Traktats ist. Wer die Arbeits-
kreise Nikolaus von Löwens bis hieher verfolgt hat, wer femer
die Stellung bedenkt, welche diese drei Abschnitte im Brief-
buch einnehmen — Ende der 5. Lage — , der wird zugeben
müssen, daß diese Abschnitte auch ohne den vorausgehenden
') Ebeaso irrt Strauch, wenn or in der Anmerkung S. öo ausführt: ^Nikolaus sagt in
{»einer Autubio^aphio, er habe, auf dall mau jetzt und in Zukunft seiner nicht rer-
gä6o, diese Lebensdateu auch in etliche ändert; hucher eingetragen. Wenn das richtig
ist — und warum sollte man es bezweifein ? — Dann kann keine der suust noch
rorhandenen Handschriften, die sich auf das Johanniterhaus zum GrünenwOrth be-
ziehen, hiefflr in Betracht kommen, denn nur das Briefbuch hat jene Aufzeichnungen.**
Hier ist wohl richtig, dal5 die vorhandenen Memorialbücher die Autobiographie Niko-
lans Ton LOwens nicht enthalten, ist damit aber aur-h bewiesen, daß diese noch Tor-
handenen Memorialbachor, unter die etlichen andern hucher fallen, von denen Niko-
laus Ton Löwen sprichi V Es gab eben noch eine groHo Anzahl «anderer Bücher^ die
auf Xikolaas Ton LOweu zurückzuführen sind, die uns nicht mehr erhalten sind, die
aber die Lebensdaten Nikolaus von Löwens enthalten konnten. Sicher wissen wir,
daß das nicht mehr erhaltene Bruderschaftsbuch die Autobiographie Nikolaus ron
T x....^.- «^Akl^lA.
:;4ü
TrakLaL als elwas für sich Bestehendes betrachtet werden köimen.
Trotzdem brauchen aber die in den genannten Abschnitten ans-
gefiihrten Gedanken keineswegs als eigenes geistiges Produkt Niko-
laus von Löwens angesehen üu werden. Wie wir es ja schon
Öfters verfolgen konnten, lehnt sich Nikolaus von Löwen an seine
Vorlagen fast sklavisch an, soweit nicht seine Zwecke- eine Um-
formung des Textes verlangen. Wieweit er dies hier getan hat,
wird jedoch mit den vorerst zu Gebote stehenden Mitteln sehr
schwer zu entscheiden sein.
Sofern man allein die Überlieferung des Traktate im Brief-
buch betrachtet, steht demnach auller Zweifel, daß Nikolaus von
Löwen der Verfasser des Schürebrand-Traktates nicht zu sein
braucht, ebenso wie Clau^ von Blofelden tatsächlich dessen Ver-
fasser nicht ist, wenn auch auf der anderen Seite ebenso fest-
steht, dall Nikolaus von Löwen in den historischen Partien als
Sprecher auftritt^).
Strauch jedoch hat diesen Text in Vergleidi mit zwei
St. Galler Handschrilten gebracht, die er zum Unterschied dea
Briefbuchs ( = A) mit B und C bezeichnet, in welchen die dreE"
historischen Abschnitte eine ganz andere Stellung einnehmen.
Obwohl beide Handschriften 100 Jahre später geschrieben sind als
das Briefbuch, so hält Strauch die Reihenfolge, welche diese
Handschriften in ihren einzelnen Abschnitten einhalten, für richtiger
als die des Brief'buchs. Bei der Vergleichung der drei Hand-
schriften können wir C von vornherein ausschalten, da dieses ent-
weder auf dieselbe Vorlage zurückgeht wie B oder, was das
wahrscheinlichste ist, bloli eine Abschrift von B ist. Wie ver-
hält sich nun A zu BV
Lasicn wir zunächst alle Varianten des Textes B beiseite,
von denen auch Strauch nicht zu ent^^cheiden wagt, auf wen sie
zurückgehen, so stimmen A und B in der Reihenfolge der Ab-
schnitte 1-Ö4 v(illst;indi|; überein. Dann aber gehen beide aus-
einander. In A folgt nach Abschnitt 54: 57-(»(>, 03, l>(i, (J7, 73-81,
öö, 5(). t;5. i)l, 61', 04, >i-2-a4. (»9-72, 8ö, 08. Welche der beiden
i
241
ist die beste Reihenfolge? Nach Strauch diejenige von B. In B
herrsche in diesen Kapiteln eine „leidlich systematische Folge der
einzelnen Abschnitte", in A dagegen „Willkür und Unordnung".
Die nähere Nachprüfung ergibt nun, daß in A wie B der Über-
gang von 54/57 bezw. 54/55 gleich unverständlich ist. Der Über-
gang von 60 auf 63 in A besser als der von 60/61 in B. Der
Übergang in A von 63/66 schlechter als der von 63 64 oder
65:66; von 67 auf 73 schlechter als 67/68 oder 72^73; von
81/55 schlechter als 81/82; von 5665 gerade so gut wie 56 57,
aber schlechter als 64/65; von 65/61 schlechter als 60/61; von
62/64 gerade so gut als 62/63; von 64/82 schlechter als 04/65;
von 84/69 schlechter als 63/64; von 72/85 schlechter als 72/73;
von 85/68 so gut wie 67/68.
Diese Probe zeigt deutlich, daß die Reihenfolge in B, wenn
auch nicht gut, so doch tatsächlich besser ist als A. Darum konnte
Strauch mit Recht in der Aufeinanderfolge der einzelnen Ab-
schnitte B vor A bevorzugen. Wie erklärt sich aber die Unordnung
in A ? Strauch nimmt an, es handle sich in A „um eine nachträgliche
Anfügung auf Grund einzelner Blätter, die in Unordnung geraten
waren", was sich um so leichter verstehen ließe, „als wir an-
nehmen dürfen, daß einzelne Abschnitte ursprünglich wohl als in
sich abgeschlossene Apostrophen an die Klarissen gedacht waren".
Zu diesem Erklärungsversuch sieht sich Strauch genötigt, wenn er
als Verfasser des Traktats einen Johanniterbruder annehmen
will. Allein die Verwirrung in A läßt sich auf andere und zwar
viel einfachere Weise erklären, wie sie allein mit der Entstehung
des Briefbuchs im Einklang steht.
Nikolaus von Löwen hatte mit Nr. 54 den ihm vorliegenden,
dem Verfasser nach unbekannten, inhaltlich zusammenhängenden
und einheitlichen Traktat ins Brief buch übertragen und fürs
erste abgeschlossen. Als er später wieder von neuem begann,
— mit diesem Abschnitt setzt die gleiche Hand,
jedoch mit anderer Tinte ein — war es ihm klar, daß er
mit dem ihm noch zur Verfügung stehenden Platze rechnen müsse,
wenn er den ganzen Traktat noch auf dem freien Platz der
5. Lage unterbringen wollte. Deswegen schreibt er statt der bishe-
rigen 39 Zeilen 42{43 auf die Seite, läßt jeweils einige aufeinander
folgende Kapitel aus, nämlich: 5556; 6162; 64.6b; 6%-"^^ \mä
dadurch bis zum Schlüsse des Traktafs (81,) zu ^elaogeii, und
kürzt an den verschiedensten Stellen den Text seiner X'orlage, um
sie später wieder zu ergänzen, wie die nachlrägliclien Korrekturen
in diesem Traktale deutUch beweisen. Da iedoch nach Abschnitt
81 noch ziemlich leerer Platz auf der 5. Lage blieb, so beginnt
er nach 81 einfach wieder mit den ersten zwei ausgelas-
senen Abschnitten 55, 56, fügt Urnen 65 an, damit sie eine Eüiheit
bilden, um auf der letzten Seite der 5. und der ersten Seile der
6- Lage mit den drei ebenfalls einheitlichen historischen Abschnitten,
welche er jedoch umarbeitete und mit einem eigenen Schlüsse
versah, zu schlielien. Kein Schluß konnte auch wirkungsToUer sein
als der durch die drei historischen Abschnitte gebildete. Denn
hier lälit er nochmals die Mahnung zur Einfachheil und Besitz-
losigkeit zusammen und beweist es seinen Brüdern durch die
eigene Erfahrung und durcli die Mahnung von Gottesfreunden, mit
denen er schon bei Beginn des Baues von Grünenwörth verkehrte.
Die Unordnung ist also nur eine scheinbar zufällige, in Wirkhch-
keit eine klug berechnete Mai3regel des Schreibers, Nikolaus von
Löwen.
So hatte er alle Kapitel des Traktats von l-ß7 untergebracht,
es fehlten ihm nur noch 68-72 als Nachtrag, sowie die nicht
streng zum Traktat gehörenden Regeln des Claus von Blofelden.
Auf der 2- Seite der 6- Lage beginnt Nikolaus von Löwen darum
in der früheren Zeilenzahl mit den Regeln des Claus von
Blofelden und schiebt zwischen die Regeln [82-84] und deren
Schlull [85] die noch fehlenden Abschnitte 69-72 ein, von denen
er 68 entweder übersehen oder absichtlich ausgelassen hat. Dieser
Abschnitt palit auch sehr schön zu 85, da in beiden die Auflor-
derung, in der Jugend Sitte und Einkehr zu lernen, weil man es
im Alter nicht mehr so leicht lernen kann, in den Vordergrund
trilti). Nur so ist auch erklärlich, warum die Abschnitte 72 und
68 in A je einen eigenen SchlulS haben, der in R fehlt, ebenso
warum Nikolaus von Löwen gegenüber U den Eingang von 85
veränderte. Alle diese Erscheinungen sind bei der Annalime
Strauchs nicht erklärbar, so tiefsinnig auch sein Erklärungsver-
i| Hui dar UnorJiiiiiig, die jcLoii in ilcr Vuilaje Xikulaiiä vüu Lüwoqs herrsclil.
243
«uch scheinen mag; denn würden dem Schreiber bloß einzehie
Abschnitte des Traktats vorgelegen haben, welche in Unordnung
gerieten, so könnte die „Unordnung^^ nicht so regelmäßig aus-
gefaUen sein.
Von vornherein dachte Nikolaus von Löwen auch nicht daran,
den ganzen Traktat in das Briefbuch aufzunehmen, wie vor
allem aus den zv:ei im Briefbuch durchs trichenen Abschnitten,
welche nach 44 folgen, zu ersehen ist Der erste Abschnitt ist
zusammengesetzt aus Teilen von Abschnitt ö7, 60 und 63, d. h.
Nikolaas von Löwen will schon nach Abschnitt 44 seinen Traktat
dem Ende zuführen, schreibt darum ein paar Sätze aus 57 ab,
dann aus 60 und 63 und bUdet aus diesen dreien einen einzigen
Abschnitt, während er den Rest von 63 zu dem folgenden Ab-
schnitt benützte. Unmittelbar darauf tilgt er beides wieder, um
in der richtigen Reihenfolge mit 45 fortzufahren. Beide durch-
strichene Stellen stehen außerdem am Ende einer Seite. Schon
nach Abschnitt 44 wollte demnach Nücolaus von Löwen das
Verfahren einschlagen, das er tatsächlich nach Abschnitt 54 nicht
durch Zufall, sondern in kluger Berechnung eingeschlagen hat
Daraus ergibt sich aber der weitere Schluß, daß beide Fassungen
des Traktates A und B auf ein und dieselbe Vorlage zurückgehen
müssen, welche auch die drei historischen Partien enthielt, die
jedoch von B derart verändert wurden, daß aus ihnen allein,
wäre A unbekannt, kein Schluß auf den Ort und die Person des
Sprechers mehr gezogen werden könnte. In dieser Vorlage stan-
den überall die Namen „Franziskus und Clara^s was im Gegen-
satz zu Strauch (S. 60) als ursprünglich anzusehen ist, da nur
diese Namen dem Zweck des Büchleins entsprechen. Daß A dafür,
aber nicht durchweg, die beiden Johannes einsetzt, ist leicht er-
klärlich, auch wenn Nikolaus von Löwen den Traktat nicht ver-
faßt, sondern bloß aus vorhandenen Vorlagen abgeschrieben und
interpoliert hat
Vermutlich stund der Schürebrand ganz oder zum Teil be*
reits in einem der übrigen Memorialbücher des Johanniterhauses,
vrenigstens spricht das Kleine Deutsche Memorial (14*31) von drei
Artikeln: Armut, Keuschheit und Gehorsam, die gleich nach den
Ordensregeln geschrieben stehen. Von Armut, Keuschheit und
fidiorsam handelt aber auch größtenteils der ^:^\a^t«xi^-
344
Traktat. AuUerdem ßndet sich ein ähnlicher Traktat im erwei-
terten Pflegemiemorial (223*4 ff.). Mag nun diese Vermutung
zutreffen oder nichl, ao wird auch durch sie die Frage nach dem
Verfasser einstweUen noch ungelöst bleiben müssen, da die drei
bekannten Handschriften A. B und C nicht geniigen, um aus ilineo
ein auL-h nur einigermalJen begründetes Urteil über den Verfasser
zu sewinnen. Für die Gottesfreundfrage ist aber auch die Kennt-
nis des Verfassers von nebensächlicher Bedeutung ; die Hauptsache
ist der bereits geführte Nachweis, dalt Nikolaus von Löwen der-
jenige ist. der sich in Abschnitt 61 als Sprecher einführt, mag
er nun diesen ganzen Traktat aus verschiedenen früher getrennten
Abschnitten zusammengesetzt oder nach einer fertigen \oriage
nar abgeschrieben und seinen Zwecken entsprechend veränclert
haben.
Ziehen wir nun in kurzen Strichen das Schlußergebnis,
80 zeigt sich, datS. so rütsellial't das Briefbuch im Anfange auch
zu sein scheint, sich doch an der Hand unserer Betrachtung das
Dunkel lichtet. Der Zauberachlüssel zu dessen Verständnis ist
allein die Entstehungsweise. Wer aucli nur ein Stück aus dem
Zusammenhang herausreilU, um es für sicli zu betrachten, oder
gar mit andern ebenso unsicheren Handschriften zu vergleiclien,
wird niemals zu einem befriedijjenden Ergebnis gelangen k'*innen.
Wie den Memorialbüchern insgesamt, so liegen auch dem
Text des Briefbuchs bereits vorhandene mystische Traktate zu-
grunde. In beiden erreicht Nikolaus von Lüwen seinen Zweck
durch Umdeutung dieser Traktate, nur geht er dabei im Brief-
buch viel weiter, als in den Memorialbüchern. Das Briefbueli ist
der konsequente Ausbau der früheren Gedanken, denen Nikolaus
von l,üwen im unbestimmten Drange, den Stifter des Hauses zu
verherrlidien, gefolgt war. die er nun aber angesiclits der Zeit-
umstände vor jedem Zweifel scliützen mulS. Gegen alle Einrich-
tungen, die Hulmann zu Grünenwörth getroffen liat, sieht Niko-
laus von Lüwen Feinde sich erheben, die er abzuwehren sich
verpflichtet sieht. Und in diesem Kampfe greift er gleichsam nach
jedem Strohhalm, wenn es nur für den Augenblick Hilfe zu
bringen versprach. Es ist, als ob ein Gedanke den andern her-
vorruft, die ohne systematische Ordnung im Briefbuch nieder-
gesfhrieben werden. Darum dieser Mangel an Einheitlichkeit im
245
ganzen Briefbuch, den Nikolaus von Löwen selber genugsam em^
pfand, was ihn auch bewog, sich in diesem Punkte zu rechte
fertigen (65*2).
Wenn in den Memorialbüchern Rulmann zu einem Gottes-
freund gestempelt wurde, der mit dem fingierten Gottesfreund
in Schriftenaustausch stand, so sehen wir Rulmann hier mit
dem Gottesfreund vom Oberland in regelmäßigem Brief austausdi,
in denen er sich in allen Fällen Rats erholt, welche ihn, sein
Haus zum Grünenwörth und dessen Brüder betrafen.
In den Memorialbüchem hat Nikolaus von Löwen die ano-*
nymen Traktate zu wirklichen Lebensbeschreibungen umgedeutet:
denselben Traktaten entnimmt er seine Gedanken, um sie zu
Briefen umzuwandeln. Und was war folgerichtiger als dies? An
den verschiedensten Stellen wird ja in diesen Traktaten von einem
Briefaustausch von Gottesfreunden geredet So heißt es im
7. Traktat (28*27): harwnb lieber smw, nim disen brief und schrip
in selber abe an ein kleines büchelin^ d(M du enweg gelihen makt,
$eo du truwest reht zu tunde; und behep du disen brief und übe
dich und lere vaste in diseme brief e , . . Ähnlich im Zwei-Mannen-
buch (Lauchert 90, i): ich schreip edle die wart, die wir zwei miU
einander geret hettent an einen brief ^ und die briefe habe idi alle,
do alles daz ane stot, das wir von anegenge unze her uffe dis$
stunde miteinander geret hant; und dunkel es dich gut, so wöUe tcA
usser den brief en allen ein büchelin machen der cristenheite zu hdfe^).
Damit war für Nikolaus von Löwen das Vorbild des „Briefbüch-
leins'* schon gegeben. Ebenso ist in den Traktaten die Rede
von einem heimlichen Briefaustausch: und Ursela die gap
den beginen einen brief, das das sü den über ahte tage und nüt e
matter und müter soUent mit eime fromeden botten entwurten, also
das SU sdber nüt vermeldet möhtent werden (Jundt, Les
amis 368). Außerdem hatte Nikolaus von Löwen ein Vorbild
2um Briefbuch im Briefbüchlein Seuses') oder in dem Heinrichs
1) Vgl. aach MB. 1 5 : also wart diseme Heiden ein brief durch mich gc-
nekriben, dae er »u erisfeme glauben kam. Freilich ist aoch zu beachten, daU
Mkolaus Ton LOiren den Ausdruck brief in ganz anderem Sinne gebraucht als die
Traktate.
*) IHepenbroek^ 457 ff. : Dies lehre ist ausgelesen aus den gemeinen brief en,
4k Mr üiener der ewigen tceisheit seiner geistlichen tochter imd cm<ieren %«iM«r
gekUkken kinder sandU.
1 Nördlingen ')
ch Nikolaus von Löwen einen Briefwechsel zwischen Hiiimann
id seinem heimlichen Freunde fingiert. Zudem ist der Text der
ralitate so ansprechend, dalS aus ihm unschwer die Briefform
egossen werden konnte. Ich greife aufs Geratewohl zu den
fihon erwähnten Beispielen eine Stelle aus dem gefangenen Ititter
Heraus (NvB. 163): VU lieber heimeliclifr friint minre.' du solt
wissende sin, das der gefangene ritter des morgens rf-hte friige
zä mir »ante und tet mich mit i/rosseme emeste bitten, das ich
es iüterliehe durch got tun solte und zii ime kämmen solle. Lieber
hnmelicher fn'ml minre, do soll du wissen, das es mich gur ulsü-
mole friimde kette; und wart gedenkende: solt du sü deme gon,
der dich also gar übäe hasset?... Man braucht diesem Text nur
die Überschrift zu geben: „Brief des Ijottesfreundes an seinen
heimlichen Freund Bulmann", ihm ein Datum beizufügen, und
wir haben grolitenteils ganz genau die Manipulation, wie sie Ni-
kolaus von Löwen im Briefbueli ausgeführt hat (vgl. 99*38lT.).
In den Memorialbiicliern erfahren wir bestimmt, daU Rul-
mann die Originale verbrannt und die Namen ausgelassen bat:
hier finden wir verschiedene Namen in den Briefen. Dort ein-
halten wir Auskunft darüber, wann und wie Rulmann oder der
Gottesfreund den Brüdern die Traktate übergeben hat: liier von
all dem iiichtö, wenüyleicii vorausgesetzt ist, dali Rulmann vom
Jalire 1363 an in Briefverki^hr mit dem (.lottesfreund steht, der
des letzteren Briefe den Adressaten direkt übermittelt, was wieder
voraussetzt, dal! diese bereits von einem solchen Verkehr Rul-
manns mit dem üottesfpeund Kenntnis haben muDten. Im tiegen-
satz sodann zu den Memorialbüchern, die nur die apodiktischen
Behauptungen enthalten : dies oder jenes ist so oder so aufzu-
fassen, unter dem einen ist der Gotlesfreund, unter dem andern
Rulmann zu vorstehen, sucht Nikolaus von Löwen hier seine Be-
hauptungen viel überzeugender und einsclimeiehelnder dur^ll
fingierte Briete zu erhärten.
in der Chronik hatte er erzählt, wie Bulinann vom (iottes-
freund geleitet wurde bei der (jründunj: des Hauses, bei dem
247
Baue und der Einrichtung der Kirche , bei den Statuten des
Hauses, dem Pflegerbrief: das alles erhält hier seine Stütze durch
fingierte Briefe. In den Memorialbüchem hatte er erklärt, zwei
Traktate seien die Lebensbeschreibungen Rulmanns und des
Gottesfreundes samt seiner Gesellschaft: hier führt er diese Viten
dem Leser als „eigenhändig" vor Augen, fügt im Vorwort und noch
mehr im Nachwort eine Bekräftigiuig ihrer Echtheit bei, wodurch
jeder Zweifel ausgeschlossen werden sollte. Darum sucht er auch
dem Gottesfreund und seiner Gesellschaft eine bestimmte Woh-
nung zu geben, ganz im Anschluss an die Vorgänge beim Bau
in Grünenwörth. Wie das Johanniterhaus zum Grünenwörth
aus besonderer Eingebung des hl. Geistes gestiftet ist, so finden
auch die Gottesfreunde ihre Wohnung auf wunderbare Weise; sie
durften nur der Leitung des hl. Geistes folgen. Der Übergang der
alten Hofstätte von den Benediktinern auf Rulmann macht Schwierig-
keit bei der kirchlichen Behörde, bei der Stadt und jedenfalls auch
an der römischen Kurie — nicht so der Bau des Hauses der
Gottesfreunde, wo Papst, Bischof und Volk wie auf einen Schlag
alles gutheißen, was die Gottesfreunde nur wollen: eine verdeckte
Mahnung an Volk und Brüder, mit den baulichen Einrichtungen
Ton Grünenwörth, wie sie Rulmann Merswin im Gegensatz zu
Komtur und Brüdern getroffen hatte, zufrieden zu sein. Und da
Nikolaus von Löwen einmal in der Einleitung zum Briefbuch den
Gottesfreunden eine Wohnung angewiesen hatte und demgemäß
leicht jemand auf den Gedanken kommen konnte, diesen Wohnort
auch zu erforschen, läßt er die ganze Gesellschaft der Gottes-
freunde ebenso rasch, wie er sie ins Dasein gerufen, von der
Welt wieder verschwinden, und den Boten Rulmanns, der den
Vericehr mit den Gottesfreunden vermittelte, sterben; das alles
wieder im Anschluss an Gedanken, wie sie in den ihm vorlie-
genden Traktaten hinterlegt waren. Freilich ist es nicht mehr
möglich, für alle Einzelheiten auch den historischen Beleg zu
bringen; aber das ganze Brief buch hat doch den Zweck, die
Stiftung des Hauses in ein helleres Licht zu setzen, als dies in
den Memorialbüchem geschehen war.
So erreicht Nikolaus von Löwen auch im Brietbuch jenen
historischen Zweck, den er bereits in den Memorialbüchem
:!4K
verfolgLe: den Gründer umi die ürUndmig des Hauses zum Grünen-
wörth zu verherrlichen.
Noüii deutlicher tritt aber hier der asketische Zweck in
den Viirdergrund, Dafür liatte das 13uch von den „Plagen Gottes",
welche alle diejenigen trilTl, die ^ich der Welt nicht abkehren.
Nikolaus von Löwen gulc Dienste geleistet Besitzlosigkeit, Ein-
fftcliheit in der Kleidun;/, Zurüekgezogenheit von der Welt sind
die Mahnungen, welche Nikolaus von Löwen in dem Briefbuch
mit starken Akkorden anschlägL Solche Ermahnungen hatten die
Brüder notwendig, welche in ihrem t'reiheitsdrange sich nicht an
die von Kulmanii dem Hause gegehene Ordnung halten wollten.
Dazu kamen die kirchenpoUtisehen Wirren, welche von vielen
als Strafgericht Gottes wegen der Bosheit der Menschen angesehen
werden mochten'). Mitten in diesen Wirren steht nun Nikolaus
von Löwen und muiJ zusehen, wie das ganze Fundament, auf dem
das Haus zum Grünenwörth aufgebaut ist. zusammenÄuatürzen
droht 1 129*38). Gerne möchte er die alte Ordnung aufrecht er-
halten, allein das Alter macht ihm bereits Beschwerden und der
Todesengel kündigt sich ihm an, und doch wäre er dem Hause
noch so notwendig (l.'i0"-tl'42)- Und so greift er zur Fälschung
des Briefbuch5, um an seinem Lebensabend den Brüdern noch
ernste Mahnungen und Warnungen unter Androhung von Gottes
Strafgericht ans Herz zu legen, aber nicht in seinen eigenen
Worten, sondern in denen von Gottesfreunden, wodurch ihre
Wirkimg eine ungleich nachhaltigere werden sollte.
Wie die Memnrialbiicher insgesamt, so erbringt also auch
das Uriefbuch den vollen Beweis für die These: nur derjenige
kann der Trheber der im Briefbueh niedergelegten Gedanken
sein, der das Briefbuch seihst angelejit hat: Nikolaus von Löwen.
0. Die von Nikolaus von Löwen gescliriebeDeo Urkunden.
In der Einleitung zum Grollen DiiUlschen Memorial (l6*4iT.l
iindet ^ielt die Abschrift einer Urkunde, welche, von dem Johan-
), groi;« Stciblk
hkcit. Krankheiten. CbcrschBBminuu?
it aU NikoUii« '
von Lüweii das ütiefbuch anlegte (Tjl.
StÄdWli, 77a, S
.;S7 IT.), was gar lubbaft an die .Flagau*
249
nitenneister Konrad von Braunsberg ausgestellt, die Obsorge über
drei Memorialbücher dem Küster von Grünenwörth über-
tragt, damit sie zu eime ewigen memoriale im Hause für alle Zeiten
aufbewahrt werden. Unter den drei genannten Memorialbüehem
können nur das Erste Lateinische, das Große Deutsche und das
Kleine Deutsche Memorial verstanden werden. Von der besagten
Urkunde, die ich in der Oberrheinischen Zeitschrift von vorn-
herein als Fälschung Nikolaus von Löwens hingestellt hatte, fand
sich nirgends ein Original, nirgends eine von den Memorialbüehem
unabhängige Abschrift, als ein glücklicher Zufall mich vor kurzem
die Originalurkunde im Erzbischöflichen Archiv zu Freiburg finden
ließ, deren treue Wiedergabe in den Schriftbeilagen (Nr. 12) mit-
geteilt ist.
Nehmen wir nun den günstigsten Fall an, dal) diese Urkunde
wirklich, wie sie ausgibt, dem Johannitermeister Konrad von
Braunsberg vorlag und von diesem am 2L Januar 1385 besiegelt
wurde, so müssen wir folgerichtig schließen, daß im Johanniter-
l^use bereits im Jahre 1385 drei Memorialbücher vorhanden
waren, nämlich das Erste Lateinische, das Große Deutsche und
^Kleine Deutsche Memorial. Allein diese drei Memorialbücher
hatten im Jahre 1385, wie wir bei der Entstehungsweise der Hand-
^hhften nachgewiesen haben (s. oben 17-22) eine viel einfachere,
iinverfänglichere Gestalt als um das Jahr 1390i dem Tode£yahr
Konrads von Braunsberg. Wenn darum Nü^olaus von Löwen
erst um das Jahr 1390 die bereits angeblich im Jahre 1385
Ausgestellte Urkunde des Johannitermeisters dem nun völlig ver-
änderten Großen Deutschen Memorial als autentische Beglaubigung
beifügte, so schrieb er zwar eine echte Urkunde ab, ihr Inhalt
aber war nicht Tür den überarbeiteten Text berechnet. Das
Verfahren Nikolaus von Löwens ging darum unter allen Um-
ständen darauf hinaus, andere zu täuschen.
Wer femer glauben wollte — und dies war die allgemein
gültige Ansicht bis heute — diese Urkunde stelle die Wahrheit
der in den Urkundenbüchern enthaltenen ÜberUeferung außer
Zweifel, wurde sich sehr im Irrtum befinden. Denn die Urkunde
druckt sich über Wahrheit oder Unwahrheit der Urkundenbücher
überhaupt nicht aus. Der in der Einleitung stehende Satz, die
Uii^undeiibücher enthalten aUe die löffe, alse mr \VLora^di n^m
260
Braunsberg] vernommen und gehOret haut i-oh erbern persontit
[Nikolaus von Löwen?] besagt keineswegs, dal3 der Johanniter-
meister auch Einsicht in die Urkundenbiicher genommen und
ihren Inhalt einer Prüfung unterzogen hat, um-sowenigei- als ihm
voD Nikolaus von Löwen die fertig geschriebene Urkunde
unterbreitet wurde, die er als .lohannitermeister nur zu besiegeln
brauchte. Denn diese Urkunde ist von Nikolaus von Löwen selber
und zwar im Schrifteliarakter seiner Autobiographie gesL-h rieben,
wie jedermann sich dun.-li Vergleich der beiden beigegebenen
Schriftlafeln [Nr. l u. 12] überzeugen kann.
Nikolaus von Löwen beabsichligle auch nicht in erster Linie
die Wahrheit des Inhalts der Memorialbücher bestätigt zu er-
halten, es genügte ihm vielmehr, dieselben sorgsam verwahrt zu
wissen, so dali kein Bruder ohne Wissen des Küsters sie hätte be-
nutzen oder gar entwenden können. Darum sollte auch die Ober-
aufsicht über diese Memorialbücher den drei Pflegern überant-
wortet sein, welche mit aller Sorgfalt sehen svllent und ijeUuirr-
lich tvarnemmen, daz die drii memoriale hiicher ihm hnse zii ,iem
Gninenwerde von niemanne in delteiner iriae niemei- gntfnret trenUnt.
Zu einer solchen Urkunde konnte demnach Konrad von Brauns-
berg unbesorgt und ohne weiteres seine Zustimmung geben.
Viel größere Wahrseheinhchkeit spricht jedoch dafür, dall
diese Urkunde dem Johannitermeister niemals vorlas und dal!
sie Nikolaus von Löwen nicht nur eigenhändig geschrieben, son-
dern auch selbst mit dem Siegel Konrads von Bmunsberg be-
siegelt hat, das alles jedoch erst zu der Zeil, als die Urkunden-
biicher in den neunziger Jahren ihre eingreifende Veränderung er-
fuhren. Dabei müssen wir dann annehTiien, daß Nikolaus von
Löwen die Urkunde willkürlich zurückdatiert hat. In den Besitz
des Siegels zu gelangen, mochte Nikolaus von Löwen niuht schwer
fallen, da der .lohannitermeister zeitweise im .lohanniterhausp zum
tirünenwörth wohnte und Hof lüelt.
Mag dem nun sein wie ihm will, auf alle Fülle ist diese
Urkunde weit davon entfernt, die Wahrheit der in den Memorial-
büchcrn enthaltenen Krziihlungen zu bekräftigen, nur ein deut-
lidipr Beweis für die besonderen Zwecke, welche Nikolaus von
Löwen damit zu erreichen strebte.
251
Auch in anderen Punkten treiTen wir Nikolaus von Löwen
als Urkundenschreiber tätig. Schon die allererste und wichtigste
Urkunde, auf der die ganze Konstitution des Hauses zum Grünen-
wörth aufgebaut ist, der Pflegerbrief vom Jahre 1371, entstammt
seiner Feder. Und als die Einrichtungen des Hauses, wie sie
durch den Pflegerbrief getroffen wurden, von allen Seiten heftig
angegriffen wurden und in die Brüche zu gehen schienen, da
schreibt Nikolaus von Löwen abermals eine Urkunde, den Pfleger-
eid vom Jahre 1393, in welchem er sich aufs innigste mit den
Pflegern zum Kampfe gegen jeden verbindet, der es in Zukunft
wagen würde, sich über die von Rulmann dem Hause gegebenen
Statuten hinwegzusetzen.
Pflegerbrief, Pflegereid und Bestätigungsurkunde der drei
Memorialbücher werfen somit neues Licht auf das Bestreben
Nikolaus von Löwens, die Ordnung des Hauses aufrecht zu er-
halten, wie sie ihm Rubnann, der Stifter, gegeben hatte.
Welchen Anteil Nikolaus von Löwen an einer anderen Reihe
von Urkunden hat, die er zu gunsten seines ersten Meisters, des
Heinrich Blankhart von Löwen, in betreff der St Jakobsmesse
aufsetzen Ueß, haben wir schon oben gesehen. Im Anschlüsse
daran ist auch die Stiftungsurkunde der Luitgard von Löwen über
zwei Ewiglichter (11*21) von Nikolaus von Löwen eigenhändig
geschrieben; ebenso finden wir seine Hand in einer Urkunde von
1381 September 30, worin der Komtur Heinrich von Wolfach und
der Konvent des Johanniterhauses der Stadt Straßburg gegenüber
sich verpflichten, auf alle weiteren Ablässe und Kollekten zu
gunsten ihres von Konrad von Braunsberg gestifteten Spitals zu
verzichten, i)
Im Zusammenhange damit mag es angebracht sein, die
Arbeitsweise Nikolaus von Löwens noch etwas näher zu be-
leuchten. Ich beabsichtige jedoch keineswegs, die Frage er-
schöpfend zu behandebi; ich möchte nur in kurzen Zügen den
Weg weisen, den die philologische Untersuchung zu gehen hal>en
wird. Will man die sprachlichen Eigentümlichkeiten Nikolaus von
Löwens bestimmen, dann muß man von den Teilen ausgehen, bei
denen er durchaus selbständig arbeitet; das sind aber in erster
<) TgL StnSborger U-B. VIJ, 580.
25S
Linie die von ihm geschriebenen Urkunden und die noch zaW-
reicheren DorsualnoLizen, Kin sfilbstündiges Werk Nikolaus von
Lüweiis ist so dein 11 die Chronik des Johanuiterhauses, die Einlei-
tungen zu den verschiedenen llrkundenbüchern, in letzter Linie diu
Rubriken, bei denen sicli jedoch schon der Einlluü der Traktat«
geltend macht
W'enn wir ferner den sprachlich grammatikalischen Maltslab
an den Text der verschieden überlieferten Traktate anlegen, so
lassen sich dieselben in drei große Kategorien scheiden- Die erste
Kategorie bilden die Vorlagen Nikolaus von Löwens. Dahin
gehören das Sendschreiben in Hs. E 987 (Schmidt, Tauler 22011.);
die Neun Felsenvorlage, soweit sie noch bei Schmidt, Taoler 2l6tT.
und in den ergänzten Stellen seiner Neun Felsenausgabe erhalten
ist, und schließlich das Zwei-Mannenbuch indem von Lauchert
herausgegebenen Text, in die zweite Kategorie gehören sümtltclie
Traktate der Memori albiicher, während die dritte Kategorie
von den sog. Autographen: Neun Felsen, Vier-Jahre und Fünf-
Mannenbuch, gebildet wird, in denen die Eigentümlichkeiten der
ersten Kategorie jedoch in gesteigertem Maße wiederkehren. Eine
Vergieichung de.s drei Spaltentextes von den Yier-Jahren und dem
Fiinf-Mannenbuch (191 ff.) wird dies am klarsten machen. In der
Vokalisation wechseln gerne die Vokale vor allem in den Endsilben
ron: ran; kabba: hahhe; schriba: nchribbe: schribbu usw. Dahin
gehört auch die Regellosigkeit in den übergeschriebenen Vokalen
und die Verdoppelung derselben. Die reinste Willkür herrseht
(erner in der Verwendung der Konsonanten, wo Media und Tenuis
regellos wechseln: mit: mid; mcker mente: stgker mente; fan: von:
für: lir; kräng, kraue, cranc usw. .Auf der gleichen Willkür be-
ruht die Verdopi^elung der Konsonanten. Im Satzbau wird da:*
einfache Verbum durch das Partizipium umschrieben, der Haupt-
satz zum Nebensatz gemacht mit der plmnpen Einleitung; wissen!,
ir s'illeid irissemie sin und anderer Phrasen. Oft finden sich ab-
gebrochene Konstruktionen, ein Übergang vom erzählenden in den
llespräch^ton; besonders auiriUlig ist die Häufung der Synonyma
und der Flickwörter, wovon der mitgeteilte Text Beispiele in
Menge bietet. Auf Absichtlichkeit lallt auch die Trennung von
zusammengehörenden Worten schliellen wie sncker mente^). Die
293
oben b^roGhenen Eigentümlichkeiten lassen sich ebenfalls am
Text der Briefe nachweisen, wie eine Vergleichung von 110*23 ff.
mit 76*Sf9ir. and überhaupt alle jene Texte zeigen, welche zwei
oder mehrmals in den verschiedenen Memorialbüchern wieder-
kehren. Ein gutes Hilfsmittel, der Arbeitsweise Nikolaus von
Löwens auf die Spur zu kommen, bilden weiterhin die in den
Antographen vorkommenden Korrekturen. So wird man z. B»
in dem Satze: und gedenkent lieban bruder gedetJeent, was üch
deir liebe milte getrüwe got gutes in diesen gegenwartigen ziten
serdichen zitan geton hat ... die kursivgesetzten, in der Hand-
schrift getilgten Worte schwerlich aul einen bloßen Schreibfehler
zurückführen können.
Der allgemeinen Sitte der Zeit entsprechend wird Nikolaus
von Löwen seine Entwürfe zunächst in Wachs geschrieben haben^
am sie von da auf Pergament oder Papier zu übertragen, wenig-
stms betont er diese Arbeitsweise bei Rulmann ausdrücklich
(20*6 u. a.). Daneben benützte Nikolaus von Löwen für seine
Konzepte Papierblätter in Oktavformat, wovon das beigegebene
Faksimile Nr. 3 eine Probe bietet. Es ist dasselbe Papierformat»
auf das die sog. Autographen der Neun Felsen und der Vier-Jahre
geschrieben sind.
7. Einwände und ihre Losnng.
Mit Recht kann man die Frage aufwerfen, wie es möglich
war, daß die Johanniterbrüder, die Pfleger des Hauses, der Jo-
hannitermeister in deutschen Landen, Hesso Schlegelholz, von
Nikolaus von Löwen so getäuscht werden konnten. Das ist leicht
zu verstehen, wenn man den Entwicklungsgang verfolgt den die
Fiktkm Nikolaus von Löwens genommen hat Einmal schloit sie
an Traktate an, die vermöge ihrer lebendigen Darstellungsform
zur Täuschung anderer wie geschaffen waren und bis heute fi'ir
Erzählongen wirUicher Erlebnisse gehalten wurden.
Sodann ist Nikolaus von Löwen der einzige, der als Ver-
mittler zwischen Rulmann und den Johanniterbrüdem auftritt;
aof seine Angaben allein waren darum die Brüder angewiesen,
die sie «onehmen maßten und um so leichter annehmen konnten^
alii IfikcAMs von Löwen alle B^ebenheiten entwe&er not ^^qsh
tlinzuii der Johaimiter in GrOnenwörth setzte oder erst in die
letzten Lebensjahre Rnlmanns, wo dieser, schwer erkrankt, der
aus^chlielilicheo Pflege Nikolaus Ttm Löwens sidi ofrenta Was
konnten die Brüder einwoideii, wenn Nikolaus von Löwen, dtt
amtliche Schreiber Rnlmamis, ihnen etwa 8-10 Jahre nadi Rnl-
mann? Tod Schriften zeigte, die dieser angeblidi vor seinem Tod
auf Wachstafeln schrieb, um sie von Nikolaus von Löwen auf
Pergament übertr^oi zu lassen?
Weiterhin ist wohl zu bet^Mtcfaten, daß Nikolaus vmi Löwen
mit i^einer Fiktion nicht mit einem Schlage tot die Brüder tut,
sondern sie denselben Weg gehen ließ, deu er selbst an der Hand
der vorliegenden Traktate g^angen war: anbngaid von den
kleinsten Anfängen bis zu d&i vollendeten Fülscbungen im Biief-
t'UCll.
Und sollte Nikolaus von Löwen nicht woiigstais äiügß Brü-
der jiefunden haben, welche von demselben Geiste beseelt, wie
er, den Ruhm des Hauses aut jede Weise zu vermehrea tnudi-
leten und jene Ordnung nicht angetastet wissen wolltm, die Rol-
255
vor dreißig Jahren bei der Gründung des Hauses mitgewirkt
haben, Meister und Pfleger, schon lange tot, eine Nachprüfung des
Inhaltes also auch dem neuen Meister nicht leicht möglich, umso-
mehr als das Meistermemorial keinen andern praktischen Zweck
verfolgte als den, jede Abänderung der Statuten des Hauses von
vornherein auszuschließen.
Noch eine andere Frage fordert Beantwortung: Welches sind
<iie der Fiktion zu Grunde liegenden lüstorischen Elemente?
Unbeschadet der These, daß Nikolaus von Löwen allein der
Interpolator wie Verfasser der Memorialbücher ist, kann die ge-
stellte Frage verschiedentlich beantwortet werden. Es kann voll
und ganz zugestanden werden, daß Rulmann ein „Gottesfreund"
var, insofern er tatsäclüich die Scliriften besaß und las, welche
Nikolaus von Löwen später seiner Fälschung zu Grunde legte.
i)agegen ist völlig ausgeschlossen, daß Rulmann sich selber als
nGottesfreund'* ausgegeben und jene Rolle gespielt hat, die ihm
iii den Memorialbüchern zugewiesen ist. Auch der Annahme steht
'Nichts im Wege, daß Rulmann durch seinen Schreiber Nikolaus
^on Löwen den einen oder andern Traktat hat abschreiben
^^ssen; ausgeschlossen ist dagegen, daß Rulmann irgend einen der
'Traktate selber schrieb, fremde Vorlagen selbständig erweiterte
^d sie, wie Nikolaus von Löwen sagt, vermischte mit sinen in-
"^^^mistigen hitzigen zügeleiten minneworten.
Wenn Nikolaus von Löwen sodann die Zeit der Abfassung
^er meisten Schriften in die Krankheitstage Rulmanns verlegt,
^o mochten gerade diese mystischen Traktate Rulmann in der
*^iigwierigen Kranklieit Trost gewähren, umso melir, als er von
Olaubenszweifeln und Todesfurcht gequält und gepeinigt war.
^ie Angabe, daß den Johanniterbrüdem das Meisterbuch und
^ünf-Mannenbuch von „den Gottesfreunden" direkt zugesandt
>Vurde, kann darauf hindeuten, daß solche Scliriften den Brüdern
Von Grünenwörth für ihre neue Bibliothek geschenksweise über-
lassen wurden. Eine solche Bücherschenkung ist uns von dem
Komtur Heinrich von Wolfach ausdrücklich bezeugt >) ; nicht um-
*) 1386, Hai S7 : Bruder Konrad yon Braansberg bestätig aof dem Generalkapitel
^ Heimbaeh die dnrch Brader Heinrich ron Wolfacb, Komtur des Hauses zum QrOnen«
W<lrtlL| g«i« Hmw6 gemacbte Schenkung yon Bachern. Heinrich von WolCach hatte
^orfstnfta, «r kftbe diese Bacher zur Zelt seiner Versetzung xou Ix^Yrax^ u%ß\k
nst beloni Nikolaus von Löwen auch an verschiedenen Stellen.
tli die Anfertigung der Memorialbiicher einer „rrommen Süf-
ing" ihre Entstehung verdanke. Er hatte also die Ausgaben filr
'ergament, Papier und Farbe von anderer Seite (von den Pfle-
jem?) stiftungsweise vergütet erhalten.
An mystischen Traktaten war auch die frühere Biblioilifk
der Johanniter sehr reichhaltig. So nennt Schmidt, Tauler S. 6 =
„Eine Schrift des Nikolaus von Basel: De adventu Cliristi" 1326
[1356?]. — Ebenda S. 82 Anmerkung 1: „Von diesen Regeln (ABC
des Meisters) finden sicli Abschriften in verschiedenen Codd. der
StraÜburger Bibliothek z. B. 000.6.133,4°: Cod. B. 146 in 12». beide
aus der ehemaligen Johanniter-BiWiothek mit dem Anfang: Dwe
ober zile lerte ein gnodenricher bewerler goltesfriint, ein leige,
rlnen hohen meisler der heiligen geschritt" Es war also darin
keine Rede von dem (.iottesfreund, Rulmann Merswins heimlichem
tiesellen. — Ebenda S. 46 Anmerkung 3: eine allegorisch mysti-
sche Auslegung des Auszugs aus Ägypten i^von Marcus von Lindau :
Bleistiftnotiz am Randel Ms. aus dem 14. Jahrb. ehemalige Johan-
niler-Bibliolhek. E 987. 16". — Ebenda S. 180 Anmerkung 3: „drei
Handschriften der Neun Felsen, wovon die älteste auf Perg. IP.
die Nummer D t81 trug" Ferner führt der von Weislinger an?<-
Katalo" 1 ber die Handscl r ften und B \ er der Johanniler-
k au hrc 14 ne grobe \i zahl von mystische«
1 aUa pn hte n en deut I e auf De größten Mystiket
V. e Bernl arJ M ertu Magnu Su o Taul r L kliard, Rui*l'ri>c:^
0 b g a 9 a E gon um tg b ae n en HU h n ind aiifit-iihlt ; H.E:
n no nsnuB nliu n dui« pirMS -luestioi»- ""
B 0 Th n do B p BJi ec Dil ut u n » n a tatuni do profectii ^^^"'
g un e n bu Bus an u to n trtt a in dv doctrina cor^^^ '
n K ha d de pM a qu au an sutniiDCS du mint c^^^^'
Ja s^ls nuu po ü lia^bl 1:|66. proi^^*"'*
na n ba pap k a Slralthuis- (H. MB"^^''"
ab A e R U le Ua d Nikolaus T^.n l,.iir<^- ■"'■
/ n f tbe debit n lir H n h o Wolfa<A, commemC *«
I G n if l d a i Hb. ii ffemrwe.» n^f ''■^
flt e g a k p n nseU h l G u mwfxde ftctkliclii- -''
bib n>e nl an z nd
aa mnpon h Od. Hiorolrmilaiii ArKW-
267
und anderer sind hier handschriftlich vertreten. Leider gibt der
Katalog nur den kurzen Titel, nicht den Inhalt der Handschrift,
noch deren Entstehungszeit und Herkunft an.
Als Bücher Ruhnanns sind am Ende des Handschriftenkatalogs
S.56 aufgezählt:
3ulmanni Merswini, Fundatoris Domus Viridis
Insulae, scripta. Teutonice. M. f. /= Großes Deutsches Memo^
rial?].
Eiusd. Scripta quaedam ex Teutonico in Latinum translata.
Praemittitur iis brevis Narratio de Fundatione, Renovatione et
Incremento laudatae Domus. M. f. [= Lateinisches Memorial?],
Eiusd. Tract Von den nien Felsen. M. 4. /- Autographf.
Eiusd. Tr. de Egressu spirituali ex Aegypto. Teutonice. M. 12.
Eiusd. Narratio quid sibi evenerit in Vigilia Nativitatis Christi
1356. Teutonice. M. 12. /= Sendschreiben].
Ein Buch, welches seit von unsers Herren Christus Liden,
das er hat gelitten in der Zit, und von siner Herschaft, die er
hat in der EwikeiL M. 4"^).
Sonderbar ist, daß dabei die übrigen Memorialbücher, vor
^em das Briefbuch fehlt Waren diese damals nicht mehr in
der Johaniterbibliothek vorhanden, oder als Schriften Rulmanns
Und des Gottesfreundes in Vergessenheit geraten ? Dagegen finden
3ich unter den Handschriften einige myätische Schriften, die viel-
leicht analog dem Zwei-Mannenbuch und dem Sendschreiben an
X^auler die Vorlage zu den in den Memorialbüchem gesammelten
X^raktaten bildeten. So unter der Rubrik : A 92, 2 : Hübesche rede
K'cm zwein weltlichen gesellen^ wie die zu gotte gezogen wurdent
[^Traktat von den zwei fünfzehnjährigen Knaben?). — B 84, 4:
jtVacUUus quidam mystici, Germanice. — B 134i 2: Die lehre des
^9%4igiers. — B 134i 4: Lere, die ein gut frünt dem andern ge-
^ckriben. — B 138 : Die wiisti und der usgang des tolcks ton Israhel
Egypto. — B 146, 11: Der geistlich sende brieff. — B 146. 15 :
'e und underweisung der minnenden sede von dem namen Jesus
(y^ 154*35: Gedicht auf Jesu Namen). — C 18. 15: Visio cuiiM-
*) Nicht alle diese Schriften sind such Ton XikoUus tod Löwen auf Ruimann
'^itdgeftthrt worden, es muß also noch andere gefeben haben, die ihrem Eintrai;
SQiiriii voB »"i— — Iterstammen soJJten.
258
dam IleremUae continens tu u aUereationem corporis et amme.
canniHice (vgl. 47*5). — C 21, 15 : Traäatua de $piritiuäi6us ateen-
aiouihm. — D 108, U: Epistola cutuadam prioria Carthuaiani de
anniveraariis et alUs »pirüiK^ima beneficüa praestMtdia (vgl 6*4)>
— 1> HO: Joh. Eiteschenbroech Omatua apiritualia deeponaatiomt ;
ex teuiovica iranatatua a Gerhardo Magno da Datentria dt. 4.
Unter diesen Schriften mochte aacb der Bücherbestand sein,
der nach dem Tode Rulmanns in das Eigentum der Johanniter
überging — Tür Nikolaus von Löwen also AnknüpCungspnnkte
genug für seine Zwecke, die er verfo^te. Alle wräteren Gedanken
durfte Nikolaus von Löwen nur dem Text der anonymen my-
stischen Traktate entnehmen, so daß Zeile fOr Zeile in der schrift-
stellerischen Arbeitsweise Nikolaus von Löwens — die historischen
Partien ausgenommen — tatsächlich durch Parallelstellen aus den
Traktaten mit Leichtigkeit zu belegen wären.
Die Fiktionen Nikolaus von Löwens sind aldo keineswegs so
grollartig angelegt und ausgedacht, wie man anzunehmen gewohnt
ist. Sie sind mehr hervorgegangen aus dem unbestimmten Drange
259
ist Vielmehr dürfte schon ein BUck in das Register des 7. Bandes
des Straßburger Urkundenbuchs jeden überzeugen, daß eher an
Katharina Merswin, Priorin von St Marx zu Straßburg, wo die
Mystik eine große Pflege gefunden hat, zu denken ist. Dafür daß
Gertrud von Bietenheim im Besitze mystischer Traktate war,
spricht nur der Eintrag am Schlüsse des Zwei-Mannenbuchs
(Hs. H), vorausgesetzt, daß er nicht eine freie Erfindung Niko-
laus von Löwens ist. Vornehme FamiUen aber im Besitze solcher
Erbauungsschriften zu sehen, ist nichts Auffallendes. Jeden-
falls hat das Laienelement im Mittelalter einen größeren Anteil
^n allen religiösen Strömungen genommen, als man gewöhnlich
annimmt; und gerade reiche Familien mochten es sich als Ehre
anrechnen,, im Besitze schön geschriebener Erbauungsschriften zu
Sein. Ebenso wenig spricht für die besondere Pflege des mystischen
I^«€bens in der Familie Merswin die jüngst publizierte päpstUche
ATergünstigung*) der absolutio plenaria in mortis articulo, d. h. die
ATergünstigung, womach Rulmann Merswin und seine Frau Gertrud,
Jakob Merswin und seine Frau Agnes und Kuntzo Merswin und
^^ine Frau Katharina sich im Todesfalle von jedem beliebigen
I^riester die Generalabsolution erteilen lassen können, da solcher
Bittschriften von vornehmen FamiUen zu hunderten in den päpst-
lichen Supplikenregistern des 14. Jahrhunderts erhalten sind. Wenn
^ich nun darunter auch die Familie Merswin befindet, die gewiß
^ Straßburg eine große Rolle gespielt hat, so entspricht dies der
Oewohnheit der damaligen Zeit, ist also nichts Außergewöhnliches
^ehr.«)
1) Vgl. Kotho, die kirchl. Zustande Straßbur^^K S. 125.
*) Schließlich wird man bei den Fiktionen Nikolaus von LOwens lebhaft an
<)«iie mittelalterlichen Historiographen erinnert, die ihre Zeitgeschichte aus den klas-
^t^chen Schriftstellern ausschrieben und mehr oder minder gut auf ihre Zeitrerhält-
^iss« zustatrten, oder an die Verfertiger der zahlreichen BriofbQcher, in denen dem
^Ußeru Anschein nach alles in historischer Farbe schillert, während bei näherem Zu-
^ohcn das meiste reine Fiktion ist. Einen Einblick iu diese Verhältnisse bietet die
^^ktoratsrede ron Professor B r e s s 1 a u : Aufgabe mittelalterlicher Quellenforschung.
IV
Schlussergebnis. |
Die Üichtuug des Nikolaus von Löwen und ihre Erklämvg-
Entst«lmng und Zweck der Dichtung. Charakter Nikol ^ns
von Löwen». Charakter Kulmann Merswins.
Die Kreuz- und Querzüge auf dem Wege unserer lln •*'"
sucliung führen uns zu folgenden unumstößlichen Resultaten =^
1. Die Memorialbiicher des Hauses zum Grünenwörth -*^ef"
mitteln uns allein die Kenntnis vom geheimen Gottesfreund ""
Oberland und seiner intimen Beziehung zu dessen Freund F^»'-
mann Merswin, dem Stifter von Grünenwörth.
2. Diese Memorialbiicher sind insgesamt erst nach Rulma- *"'*
Tod angelegt worden.
3. Sie verfolgen deutlich den /.weck, die Stiftung des Joh, *""
niterhauses zu verherrlichen und die dem Hause durch Rulm^*"°
gegebene Ordnung gegenüber den mannijifachslen Anfechtua.^^''
aufrecht zu erhalten und sicherzustellen.
4. Um dieses Ziel zu erreichen, erfahren die in den Memori*J-
büchern ausgesprochenen Gedanken eine Entwicklung, die v«n
achwankenden und allgemeinen Andeutungen ausgehend von Stufe
zu Slufe sich erweitern, klären und verlieren. Dabei sind de"'-
lieh zwei Fcrioddii zu untersf;lieideii:
ai die Zeit von 1382-1385C[*): Anlegung der drei Meinoriaf-
biicher in ihrer ursprünglichen Gestalt;
In die Zeit von 1390-1400: Umwandlung dieser Memoriül-
bücher, Anletjung der Pflegermemoriale. des Meistermemo-
rials und de.> Hriefiiuchä.
261
5. Diese Entwicklung erfolgt auf Grund verschiedener, ano-
nymer, mystischer Traktate, deren Verfasser, Entstehungsort und
Entstehungszeit unbekannt sind.
6. Nur derjenige kann Urheber dieser sich stetig entwickelnden
Gedanken sein, der die Memorialbücher angelegt hat.
7. Als Verfasser der Memorialbücher erweist sich aber ein
Johanniterbruder, der in inniger Beziehung zu Heinrich Blankhart
'Von Löwen sowie zu Rulmann Merswin stand.
8. Dieser eine Verfasser kann nur Nikolaus von Löwen
^ein, dessen Autorschaft über alle Zweifel erhaben ist.
Zum ersten haben wir in Nikolaus von Löwen einen geübten
•Schreiber vor uns. Als zwanzigjäliriger junger Mann kam er
^u einem Kaufmann Heinrieh Blankhart von Löwen, dessen
•ausführlich in den Memorialbüchern gedacht ist, und diente ihm
sieben Jahre als Schreiber. Darauf trat er als Schreiber in Rul-
mann Merswins Dienste, wurde Priester und erster Konventual des
Ton Rulmann gegründeten Johanniterhauses. Sodann schreibt er
seine eigene Lebensbeschreibung in das Briefbuch wie in etliche
andere Bücher, damit man seiner im Johanniterhause zum Grünen-
^örth nicht vergäße. Was hätte das alles für einen Zweck, wenn
«r an den ürkundenbüchern keinen Anteil hätte?
Von allen Brüdern sodann ist in den Memorialbüchern allein
l^ikolaus von Löwen genannt im Bunde mit zwei andern, welche
^s „die ersten Johanniterpriester" bezeichnet werden i). Von diesen
ersten Priestern heißt es ausdrückUch, daß sie die ersten Memo-
rialbücher geschrieben liätten; darunter war also sicherlich Niko-
laus von Löwen.
Nikolaus von Löwen ist ferner in den Memorialbüchern an ver-
schiedenenen Stellen als Schreiber in der ersten Person eingeführt,
an verschiedenen anderen in der dritten Person.
Nikolaus von Löwen ist der einzige, der schon vor der
tjnüidung von Grünenwörth näheres über den angeblichen Gottes-
freund und dessen Gesellschaft durch Ruhnann Merswin erfahren hat
M AnffiUliger Weise spricht er nie davon, wolclies vorher seine Mitgonossen
^s MWeltpriester** waren. Hatte vielleicht Rulmann Qberhaupt keine KapUne für
«rine fMtiftoteii Kaplaneien erhalten? Das würde die Übertragung der Hofstitte
JBom Ortt&enwOcth an die Johanniter noch begreiflicher erscheinen lasseik.
Von den Johannitern zu Straßburg ist niemand für den an-
geblichen Gotlesfreund mehr begeisLert wie Nikolaus von Löwen,
Er will sogar in seine Gesellschaft eintreten, wird aber auf spater
vertröstet. Andererseits wird vom Gottesl'reund niemand mehr
bevorzugt als Nikolaus vnn Löwen. Er allein von den üriidera
empfängt vom Gotlesfreund mehrere Briefe. Und unter allen
Briefen ist nur ein einziger, der an den Gotlestreund gericlitet
ist. und dieser einzige stammt von Nikolaus von Löwen. Das
allein würde schon geniigen, in Nikolaus von Löwen den Ver-
fasser des Briefbuchs und der damit in unlöslichem Zusammen-
hang stehenden Memorialbüchei- zu erkennen. Doch der Gotles-
freund will Nikolaus von Löwen aucli an der Verbreitung seiner
Schriften und an der Übermitllunjz an die Johanniter einen lier-
vorragenden Anteil nehmen lassen. Er erhält darum den Auftrag,
das Fiinf-Mannenbucli abzuschreiben, das angebticlie Original zu be-
halten, die Abschrift dagegen den Brüdern zu übergeben. Sodann
ist Nikolaus von Löwen eifrig bemüht, die Schriften des Gottes-
freundes bei andern zu verbreiten. Als er sich auimachte, von
dem Prior zu Engelberg. Johannes von Bolsenheim, über den
Aufenthaltsort der Gottesfreunde etwas Näheres zu erfahren, da
r/ap bri'ider Claus ron IJifeii demselben lon Bolsenheim vU kuiit-
schuft, hrtefe tuul ein abegeschrift der Urkr weltlicher pfteyere hi'ivk,
in dem demelhen 'jottes fründe leben geschriheit slot und ■cU etU-
liehe materiell dis ijegemcertigen hi'iches [des Briefbuches].
Nikiilaus von Löwen legt vor allem im Brief buch, das zeit-
lich am spätesten entstanden ist, aber über die Gottesfreunde am
ansfülirliclisten bericlitet, grollen Weri darauf, dal! man ihm Glauben
sijhenke. Wie oft betont er nifht, dali er all sein Wissen von
Rulmann Merswin habe und dieser vum Gottesfreund! In jedem
Abschnitt der historischen Partien des Urielbuchs kehrt die Eormel
wieder: alse es' Riilman Mertiirin tiMi-r seile briider Claiiseii ron
Löfen. Er ist so der einzige, der näher in die Geheimnisse des
Gotleslreundcri und dessen Gesellschaft eingeweiht ist und die
lingierte Vermittlerrolle spielt zwischen Rlerswin und den Joban-
niterhriidern zu Straliburg. Er weill darum auch ganz genau,
dall Rulmann die Schriften des Gottcst'rcundes auf Wachstafeb
■jesehrieben, dabei Personen- und Ortsnamen weggelassen und
die Originale verbrannte. Und \ven v<m den Brüdern hätte Liiil-
263
mann eher beauftragen können, den Text der Wachstafeln auf
Pergament zu übertragen als seinen ehemaligen Schreiber Niko-
laus von Löwen?
Als geistiger Urheber der Memorialbücher wird Nikolaus von
Löwen auch durch den Zweck erwiesen, den dieselben verfolgen.
Denn wer von den Johanniterbrüdem hätte mehr darauf bedacht
$ein sollen, Rulmanns Leben und Wirken zu verherrlichen als ge-
rade Nikolaus von Löwen V Und wer hätte mehr als er dafür
hesorgt sein müssen, daß die Statuten des Hauses unverbrüchlich ge-
lialten werden, wo er doch der langjährige Vertraute Rulmanns
"war. wo er den Pflegerbrief und dessen Artikel aufgesetzt und
«eigenhändig geschrieben hat? So ist leicht verständlieh wie überall
^er Grundton hindurchklingt: der Johanniterorden und vor allem
<las Johanniterhaus zu Straßburg mit seiner Lebensweise und
meinen Kegeln verdient den Vorzug vor allen andern Orden und
Ordenshäusem. Welchen Dank ist man darum Rulmann Merswin
schuldig, der weder Augustiner, noch Benediktiner, noch Zisterzienser,
oder Dominikaner, sondern allein die Johanniter für würdig hielt,
^6 Hofstätte zum Grünenwörth zu bewohnen ! Und wieviel mehr
jnüssen die Johanniterbrüder darnach streben, die Ordnung des
Hauses voll und ganz einzuhalten, da Rulmann nicht aus Will-
J(ür seine Anordnungen getroffen hat, sondern den innem Ein-
^precbungen Gottes folgend und dem Rate des „großen Gottes-
Ireundes im Oberland''! Solche Gedankengänge sind doch nur
^verständlich, wenn sie von Nikolaus von Löwen stammen, dem
geistigen Urheber der Memorialbücher. Will man dagegen trotz
dieser durchschlagenden Gründe Nikolaus von Löwen als Ver-
fasser ablehnen, so steht man vor einem unlösbaren Rätsel.
Die Fiktionen Nikolaus von Löwens traten nicht mit eüiem
Schlage ins Leben. Das erste, was er unternahm, war, die Chronik
des Hauses zu schreiben in schlichter und einfacher Sprache,
jedoch getragen vom Geiste des Christentums, unter dessen Ein-
fluß die Ordnung, welche Rulmann geschaffen, als Werk des hl.
Geistes dargestellt wird. Und war etwa Nikolaus von Löwen zu
dieser Auffassung nicht berechtigt? Man vergegenwärtige sich die
traurigen Zustände, in welchen Grünenwörth sich befand, bevor
Rulmann sich seiner annahm: die Gebäude zerfallen, die Bene-
diktiner von Altdorf unfäliig, dem völlig damiederUegetvÖL^tv YIXo^Xät
264
aufzuhelfen. In diese zerrütteten Zustünde greift Rulmann nun ein,
ein Praelitbau entsteht auf dem Gri'menwörth und neues Leben be-
ginnt darin zu erblühen. War dieses Werk nicht wert, den Werk-
meister darob zu feiern? Da» willitommene Mittel dazu gal>en Nikti-
lausvon Löwens verschiedene asketische Traktate, die als FJrbgut
der Bibliothek des Hauses gehörten, mögeu sie nun von Nikolaus
von Löwen selber aus den Niederlanden mitgebracht oder schenkungs-
weise von Rulmann und andern Wohltätern dem Hause übergeben
worden sein. In ihrem Aufbau waren diese Traktate ganz eigen-
artig, in ihrer Darstellungsform ungemein lebendig und anspre-
chend. Die einen behandelten das Kämpfen und Ringen des
Menschen mit dem Diesseits und Jenseits, die Parole GottesUebe
im Gegensatz zur Weltliebe, um den wahren vom Menschen-
herzen heiß erselmten Frieden in der ewigen Ruhe bei Gott zu
finden, ein Ziel, so hocli, dalJ es nur mit Hilfe eines Führers, der
selber diesen Weg zuerst gegangen, zu erreielien ist. Der Name
dieses Führers ist ,,GoLtesfreund", seine Aufgabe, andere zu
„Gottesfreunden" zu machen. Andere lYaktate wieder reden in
düsterem Ton von den Strafgerichten Gottes, welche über die
Mpn?ehen aller Stünde und aller Rerufsklassen kommen, wenn sie
nicht dem Beispiele Gott minncnder Seelen folgen, sich den .,Gotte3-
freunden zu Grunde lassen." Zu diesen Weltkindern gehörte
i^ulmann Merswin nicht. Rulmann, der Stifter von Grünenwörtli,
war ein Gottesfreund, der sicli von der W'elUiebe abwandle, weither
(T in den Jugendjalircn den Tribut bezahlt hat. dann aber ein
Leben der Rulie. Einkehr und der Selbstheihgung führte, darum
auch des himmlischen Trostes gewürdiget wurde: das alle.-^ in
der Weise, wie die asketisclien Traktate es in lebhaftesten Farben
beschreiben. Dan war der erste Gedanke, dei' in Xikolaus von
Liiwi^n aufleuchtele, als er diese Traktate, zuniichst das Zwi'i-
Mannenbui-li näher besah. Sie waren iiim hüchsl willkummen;
sie bedurften keiner grollen Umarbcitunp, sie waren sclion fertii.',
um aus ilinen das Bild zu entnehmen, das er alsliald von dem
Stifter von Grünenwörth zu zeiclinen beginnt. Wahre Gentes-
freunde, so verlangen es die Traktate, stehen in bestündigeni
Verkehr miteinander: auch Rulmann tat es. Wahre Gottesfreunde
.'schreiben einander ihr Leben und geben es einander um Gottes
Werke zu preisen, die er an ihnen getan hat: auch Rulmann tut
265-
dies. Wahre Gottesfreunde sehreiben Schriften zum Wohle der
MitmenscheDt nennen aber keine Namen: auch Ruknan tut dies.
Was Gottesfreunde selbst erlebt und in ihren eigenhändigen
Lebensbeschreibungen niedergelegt haben, das verwahren sie sorg-
faltig und lassen es nach ihrem Tode erst finden, da .sie bei Leb-
zeiten von den außerordentlichen Gnadengaben nicht sprechen
sollen: auch Rubnann handelt so. Um diesen Zweck zu erreichen,
bedurfte es nicht langer Überlegung oder künstlerischer Umfor-
mung der Traktate, Nikolaus von Löwen durfte nur über die Trak-
tate die Rubrik setzen: Unter den hier beschriebenen und auf-
tretenden Personen ist „der eine*' Rulmann, .,der andere** sein
S^eheimer Freund vom Oberland, und niemand konnte sich melir
ciieses Gedankens beim Lesen entschlagen.
Allein diese Deutung war doch zu unbestimmt und brachte
^^ikolaus von Löwen vor allem in Widerstreit. mit dem Bilde, das
^x von Rulmann zu zeichnen beabsichtigte. Denn von diesem
-»-»einen" waren in den Traktaten oit Züge erzählt, welche bei
^^l)ig6r Deutung Rulmann in sclüefem Lichte hätten erscheinen
lassen. Jetzt wälilt Nikolaus von Löwen unter den Traktaten
^iis, jetzt klären und vertiefen sich seine Gedanken. Er geht
^och einen Schritt weiter und überträgt die Deutung der Ru-
tipiken durch geschickte Interpolation in den Text der Traktate
Selber. Die Vier-Jahre erhalten den Namen „Rulmann", die an-
deren den Zusatz: der Gottesfreund vom Oberland, Bülmannes
heimelicher geselle. Damit war Rulmann zum Gottesfreund ge-
stempelt, der lebte und liandelte wie ein wahrer Gottesfreund.
Da kamen andere, weniger erfreuliche Zeiten für Grünen-
wörth. Die Institutionen, welche Kulmann dem Johanniterhaus
gegeben, geraten ins Wanken. Sie erleiden Widerspruch vom
Johannitermeister, von den Pflegern, von den Brüdern. Nikolaus
von Löwen, der treue Anhänger Rulmanns auch nach dessen
Tode, greift abermals zur Feder, arbeitet die drei Urkunden-
bächer um, gibt jedem Pfleger und dem Johannitermeister ein
eigens für sie bestimmtes Memorial in die Hände, aus dem sie
die grolie „Würdigkeit der Ilofstätte zum Grünenwr)rth" erkeimen
sollten, um die Ordnung des Hauses unangetastet zu lassen.
Dazu kamen noch die kirchenpolitischen Wirren der damaligen
Zeit, die den Unfrieden unter den Brüdern noch acYvüTleiv, ^\sv
Leben der Einkelif und der Abkehr von der Welt unmöglich
machten. Die Pracht des Jolianniterlmuses war den Straliburger
Bürgern ein Dorn im Auge, das ieiclitfertige Leben der Jolian-
niterbrüder ihnen zam Ärgernis. Das alles muUte Nikolaus von
Löwen mitanschen. und um diesen MiDständen zu begegnen, greift
er zu den Traktaten, die von den Plagen Gfittes redeten. Auf
sie konnte er vor allem jetzt um die .lalirliundert wende die Brüder
verweisen, wenn sie ni^/ht unverbrüchlifli festhalten an dem, was
Rulmann auf den Rat „des Gotlesfreundes" angeordnet hat. So
entsteht das Rriefbuch, das auf der einen Seite Ruimanns Ver-
hallen bei der üriindung und dem L'mbau von Grünen wörlli.
wie seinen VerkeJjr mit dem angeblichen Gottesfreund zu be-
gründen und zu reclitfertigen sucitt, auf der andern Seite
den Mrüdern, die von den Fesseln, die Rutmann ilmen angelegt
sich befreien wollten, in mahnenden und warnenden Worten zu
Herxen reden will. Barum bildet die Schlußermahnung des Briet-
buchs den Seliwanengesang Nikolaus von Liüwens, wo er noch
einmal in schweren Worten die Mahnung zur Besserung anschlägt,
die jetzt so not tut, wie einst in den Tagen von Ninive, umso
mehr, da Gott bereits vierzij; Jahre die Bewohner vonGrünenwörth
strafe, obwohl alles <fai- wenig verfangen, diu nit ieman merklich
darabe gebessert habe. Darum sollen die Brüder als wahre Jünger
der liottesfreunde in disen hinderden sürfflichen ziten alle die Briete
lind die andern Traktate vornehmen, darin lesen, einander auf-
muntern, damit der obere aitefang und die gute geistliche oräe-
iiuiige dix hiises si'i dem Griiticitirerde .... ewiclich gehanthabet
und auch den Nachkommen „eingeimpft und eingepflanzt" werde.
.Mit diesem Gedanken isl Nikolaus von Löwen wieder an dem
i'unkle anjiplanüt, von dem er aufigogangen i^^t: die gute ijeislUchf.
ordeiiunge des Hauses vor allen Anfeindungen zu bewahren. Um
.-ichlielilich auch denen gerecht zu werden, welche an die Walu'-
lieit seiner Erzählung niclit felsenfest glauben wollen, betont er.
(iall man alles, was die Urkundenbiiclier enthalten, wohl nicht
.-^o f;luuhen müsse, wie etwa die lil. Schrill und die christlichen
(llauhcnssätze, doch seien sie nützÜch und verdienstlich, da in
ilmen niclits enthalten sei, was der hl. Schrift und dem cbrist-
lithen Glauben widerspr;i{-he, denn dodurch volget uns auch icmer
/lertiide i/ronse fruht, drr irir eiricliclie manijeln und enbern niiistettt,
267
obe fiir es von unahtsamkeit verwerffen und nüt glouben wolleni
(148*19). Nikolaus von Löwen fiihlte also selbst die Schwierig-
keit, seinen Angaben volles Vertrauen zu schenken und darum
sucht er jede kritische Beurteilung mit dem Hinblick auf ewigen
Lohn abzuweisen. Für sich selbst beansprucht er für all seine
Mühe nichts anderes, als daß die Brüder seiner im Gebete ge-
däeliten und seinen Jahrtag gewissenhaft halten. Das verlange
von ihnen die Liebe zu den Stiftern, mit denen er in Ergebenheit
und Treue in Grünenwörth aufgewachsen sei (157*24).
In dieser Weise gelang es Nikolaus von Löwen, die Statuten
des Hauses aufrecht zu erli alten nicht durcli Gewalt, sondern
durch die Waffen des Geistes. An seinem ehrlichen Willen und
seiner sittUchen Größe ist nicht zu zweifeln. Ein großer sittlicher
Ernst spricht aus allen seinen Worten, besonders wenn er seine
Brüder mahnt und warnt. Aber er verwandte, um einen guten
-Zweck zu erreichen, ein schlechtes Mittel, in der Absicht, andere
TM täuschen und in die Irre zu führen. Zu seiner Entlastung
kann man freihch auf die allgemeine Anschauung der damaUgen
2eit verweisen, welche sich der Verwerflichkeit derartiger Fik-
ionen nicht bewußt war.
Soll man auf Grund der Tatsachen eine Charakteristik Rul-
manns bieten, so kann man mit Nikolaus von Löwens eigenen
Worten antworten: niemand wußte bei Lebzeiten, daß Rulmann
-ein so begnadeter Gottesfreund war^). Dieses Urteil behält auch
nach seinem Tode volle Geltung. Rulmann ist kein Betrüger,
als den man ihn auf Grund der Gottesfreundschriften hinzustellen
suchte, denn er ist an ihrer Abfassung vollkommen unbe-
teiligt. Er teilt den tiefen, innerlichen Glauben des ganzen
Mittelalters, der sich in guten Werken und frommen Stiftungen
auszuwirken suchte. So nimmt er sich Grünenwörths an, um sich
selber, dem kinderlosen Manne, ein Heim zu schaffen in den Tagen
der Krankheit und des Alters und für sich eine Grabstätte zu
bereiten» an welcher für sein und seiner Angehörigen Seelenheil
gebetet würde. Mit Elnergie führt er sodann den Plan durch,
das Haus zum Grünenwörth zu einem Muster-Ordenshause zu ge-
stalten, wo neben den geistlichen Ordensobem auch Laien mit-
') Zar Charakteristik lassen sich nur die Stellen '20*11; 1SV\% ^Qti(«ii^wci.
I
2ßH
zuredeo liättcn. Sciilaulieit, Hürte und Rücksichtslosigkeit, wie sie
nur einem Geldmann eigen sind, mußten aber lielfen, dieses Ziel
zu erreiclien. Aui' der anderen Seite ist wieder die treue An-
hängliclikeit Nikolaus von Lüwens an seinen friilieren Mebler
ein schöner Zug, der auch das Ciiarakterbild liulmanns zu ver-
klären imstande ist
Mit vorliejieuder Unlerauciiung ist die tiruiidlage gesclialfen.
aul" der allein die weitei'en nocli ungeUisten Fragen i-^rlolgreieh
zu beliandeln sind. Diese Fragen sind: Woher stammen die
Schriften, welche Nikolaus von Löwen zu seinen Zwecken he-
nülzle? Wann sind sie entstanden und wer ist ilu- Verlasser'^
Wie war iiire ursprüngliche Textgestalt und in wie weit verän-
derte Nikolaus von Löwen diesen Test-' Werden aber diese Fraaen
gelöst werde» können, wo wir in der ErlDrschung der deutschen
Mystik über die ersten Anlange noch kaum hinausgekommen sind?
wo vor allem die lateinisch-asketische Literatur bislier so slief-
raütlerlich beliandelt wurde und wir selbst von den größten
Mystikern, eiueni Eckhard, Suso und Tauler noch keine einzige
kritische Ausgabe haben? .ledenfalls genügt nicht das zufüllige
Auflinden dieses' oder jenes Traktates, um die oben aufüeworfenen
Fragen zu lösen. Ebenso irri;; wäre es, die Uikundeubiiclier
von Grünenwörlli aucli in /Cukunlt noch als Ausgangspunkt liir
die Textuntersucliungen der einzelnen Traktate zu betrachten.
Sehr viel Wahrscheinlichkeit spricht dnliir, dalt alle Traktate,
wie sie in den Memorialbiichern vereinigt shid, ursprünglich nur
lateinisch abgefaßt waren, und dali ihre Heimat die Nieder-
land eM md die üeburt statte \ikolau \on L uens
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269
Ihr Inhalt erinnert in manchen Punkten an die Reform-
traktate des 14. Jahrhunderts vor allem in der Schilderung der
Mißstände, die damals in der Christenheit herrschten, und in der
Androhung der Plagen, die Gott deswegen über die Menschheit
verhängen wird. Die Verfasser der Reformtraktate sind uns größten-
teils noch unbekannt, wir dürfen demnach auch bei diesen mysti-
schen Traktaten nichts Besseres erwarten.
Man streiche also aus den Literaturgeschichten den Namen
«Der Gottesfreund im Oberland und dessen Gesellschaft**! Denn
ein Gottesfreund ist jeder, der von ganzem Herzen nach höherer
Vollkommenheit strebt und sich in der Leitung seiner Seele ver-
trauensvoll einem andern erfahrenen „Gottesfreunde** hingibt, der
die Weltliebe immer mehr in sich zu ertöten sucht, um der Gottes-
liebe Platz zu schaffen. „Gottesfreunde" waren sie alle, ein
hl. Augustinus, Bernhard, Albertus Magnus, Berthold von Regens-
Wg, Thomas von Aquin, Bonaventura, Suso, Tauler und wie sie
^Ile heißen, weil sie alle nach höchster Vollkommenheit strebten
^nd auch andere in Wort und Schrift zur Vollkommenheit an-
'^iteten. Eine „Gesellschaft von Gottesfreunden" bildeten all die
großen Zentren, in welchen die deutsche Mystik ihre höchste Blüte
Entfaltete: die Klöster Adelliausen, Unterlinden, Töß, DiessenhofeUt
^etenbach, Basel, St. Katliarinenthal, Straßburg, Wittichen und
^Jidere mehr, nicht zu gedenken der Schriften niederdeutscher
-^lystiker, deren Einfluß auf die oberdeutsche Mystik noch zu wenig
4^achtet und untersucht ist.
II. Teil.
Text-Beilagen.
II. Teil.
Text-Beilagen
Vorbemerkungen.
Diu Tü>tl.uil»götL a«- iiruUwi Toila» luilma doli Z«L-ck, die i'l.erlipferuiii,- -li'r-
■OEVuanntnti (loUesfranDdBchiifivii suiii aritBnintla nbocikliiiicb and oiiimhiilcb Ki"di;['
lugvtion, Sowglt durum Original tiaiiilficlirirti-n in Uctncht kommBn. micdv
dnrou Teit ohu« jndo Xnderunit, dlplatnntlgch (»lUini hiai nbfudniakt. In modurntr
Weiiii wiirdo Jiiitoeli uln« sliiii- uuil 9«i-li{{0inltiu lutvrpunktlou an^irniiidt, idibuiuii^u-
gebnrige älltinn EusammKiigeio^o, AbknrZnUKHn aurgeUist, H in « transkribiert iiml
DDiKDtohrt; dt «urde »U-tf in das aufgelöst : die Bandschrin «uhrdbt bald Alt.
bald dai. Alle Zusatie des HeiausgolieTE, «lo dl" ÜborsnbrlRen a. a., und alt eolrb''
leicht ertLeanbar und verfolgen daa Zweck, duu forkcber in das TontAndniB i1°i —
Handsohrld l«ictit und bequem eloinTahreD.
Für dan Druck ins GruDcii-lmutscbcu-tlemurials wurdo eine dreifnebe Buch&tabrtt—
Erötl« aii|f»andt. In irroü.T SiUrilt L^t Oi^t Jll.iM.i T.il, d.^. i;ruiid-t"i-t .!■ . "
Hfliid'^ilirifl. BC'liiifkt: iii ml l tl lt.- r S.lirift .li..> T.il.'. nul.lin bui .Ut UniitdiidL.N^
I.
Das Grosse-Deutsche-Memorial
Historische Einleitnng.
Dis ist ein memoriale, usser was Sachen man die ewige messe in sancte
Jacobs ere tegeliche schuldig ist zu haltende von Heinrich Blang-
hartes seligen wegen von Lufen eins burgers zu Strasburg, also sich
d&r coyente zum Grünenwerde verbunden het in eime besigelten latine
briefe.
Diser selbe Heinrich Blanghart was schuldig einen totslag zu if. Bla
verbessernde und solte in bilgerins wise zu sancte Jacobe in Spangen laut haH v<
gefaren sin und vil anderre swerer besserunge und penitencien geton haben, LSwe\
die ime des erslagenen mannes frünt und möge zu süne an mütetent und
von ime haben woltent. do er nü die besserunge ane ving und uffe der bil-
gerin verte untze für Avion kam, do was so gros unfride und krieg indem
lande, das er nüt fürbas kummen mohte. und des bobestes penitencier einre
dispensierte mit ime und mit allen andern bilgerin, die in den ziten uf sancte
Jacobs yart worent, und verwandelte in die arbeit und den kosten in andere
werg der miltikeit und erbermede und schickete sü wider heim.
Nühette der selbe Heinrich Blanghart von Lofen donochdem
lieben sancte Jacobe mit dem kosten, alse in der penitencier hies und ime
verwandelte für die bilgerin vart und für die ander penitencie, gar gerne
eine iemer werende ewige memorie und reverencie erdoht und uf gesät mit
zierlicheme gesmeltzo und mit ettewas tegeliches dienestes, so er iemer lobe-
lichest und erlichest hette gekünnet mit allem dem Ornamente, der zu dem
gottes dienste gehuret durch bewegunge des volkes zu andehtigeme mitte-
lobe, do was er ein einfaltiger grober leyge rmd vcrstunt sich nüt umb die
1 D zu^ kunstvoUer Initiale ausgemalt. In der Mitte der hl. Jakobus mit einem
Stab in dar rechten Hand, in der linken eine Muschel. Rechts und links dsTon je
ein Tier Jnit lienschenkopf. 1—5 rot 1 * 1— -7 • 27 Schriftchat«.U«it ^t, ^ V«^^i\jL^ \\i
4«n ^ ^hrifWnfeJ 9), 20 femdfzef
V
g'itliclien ainpt der cristenheit noch umb Veinen imderscheit der hocbgezil,
die durch das ior geMlent, in Ata d\e pfafbeit ie zi'i mole sunder urdeDonge
halten musseut mit dem gottea dienste, uod bat eiDveltiklicha die brudere
ziira Grünenwerde, das sü imo einen nuwen altar tetent buwen nnd
wiben in sancte Jacobs ere, su nolte er in zieren und ahto pfnnt ewiges i
geitä darzü machen, das man alle tage ein messe darobe spreche von sanct«
Jacobe, und oueh alle ior au sime liochgeüit eine singende messe tind ett«-
liche sprechende messen darobe hielte, und hotte kein veraton von eiginen
ampten oder collecten in sancte Jacobs ere zu erdende zu zimelichen ziten,
wanne das er sprach, sine meinunge were, das er gerne eine neigunge machen i'
' wolte in dem volke den lieben erwirdigon | apostelen sancte Jacobe tegeliche
zü erende und au zä raffende in einre geraeinen kyrchen, do aller meist
roLkes hin wandelte.
Nu gebrast irae zites. das er sine meinunge niit selber us getragen
mähte, wanne unser herrc greif in stnmppfelingen an mit der pestilencien
des gemeinen sterbottes. der da zü zi1«ngar gros was. und in dem totbetl«
do hat er michbnider Clausen von Löfen angestberliche und begirlicbe
mit gar grosseme erneste, das ich ime sancte Jacobes altar und die selbe
ewige messe vollefürte. und er gehörete gar klegeliche und erbermekliche
lind gewan grosse consciencie nnd engestliche vorbte siner seien ande duhte
in, er mäste gar übel gefaren, das er die messe und euch den altar solange
gesuraet hetto. und er gap mir hundert und sehtzigpfunt barer Strasburger
Pfennige, die man ime usser der kisten an das bette bringen moste, donntte
ich ime konffen solle ahte pfunt ewiges gelts und irae die messe und «uch
den altar noch siner meinunge stiften und vcrtigen. das gl ob te ich tme euch
zc timde mit willen und gehello aller brüdero undpersonen, die in den ziten
ziim Grünen werde i'iberste houbet liite nnd pflege re worent, wanne wir
in mit gerne «n gel leistet woltent lossen in solicher sttTbender not, wie wol
sine vorderunge den bn'idern ottewas widerwertig und untröstlich was und
uuch des geltes zü lützel einen ewigeu priester domitte zü haltende und zü -
beköstigende, das onchdie erber frowo Lükart von Li>fen, sine wittewe.
mit grosser minm'n und erbermede ane sach, do er so gar klegeliche und
angestber liehe geburete untze in sm ende, alles nuwent von snmenisse wogen
der ewigen messen, und daiiimb gap su noch sime todo ahtzig pfunt Stras-
hurger pfennige darzii siner seien zu helle, durch das es eine volle priester .
]ifrüiide würde von zwölf plunt gelts, und die brüdero owikliche deste uie
minne hettent und dcstc gebundener werent sine begirde und meinunge zii
erfüllende mit einreteirelichenmeniorien den wirdigen apostelen sancte Jacobe
zii ereude, alse ouch diebrüdere in den ziten globetent mit henden und mit
munde eime geswornen nolarien für sieb und für alle Ire nuchkunimen. -■
li; rip.:f .11.-.- -;t,rli..» i:;!. K..iiisNli"f''N. Clir.uiik.-ii .l.jr il'uUclieii Stidto '*■
~.--2 l..;..:iit zu '/.■']]- -'. ID AU T.-isiii.'iilsviOMruvkLT rfir Hüiiiri.-b Rlaiikliail oi-
damber oach ein instrumente gemäht wart, das die brüdere donoch tiber
omitzehen ior geschriben fnodent in dem latine Urkunde buche, und wurdent
1 Urkunde von 1372 sept. 24 u. okt. 14 (U-B. 7, 449). Die entscheidende, später
strittige Stelle lautot im Original (Straßb. Bezirksarch. Hld85[14J): nobligamus
nos : unam missam cottidianam et perpetuam per unum fratrem dicti nostri ordinis
in altari per nos ex parte quoudam Heinrici dicti Blanckbart et Luscbe eins rollet«
prescriptorum in ecclesia ipsius domus nostre zu dem Gruneuwerde construoto
et in honorem omnipotentis dei et sancti Jacob! apostoli consecrato perpotuis tempo-
ribus procuraro celcbrari et cottidie ac perpetuo spocialiter officium de saucto
Jacobo apostolo prcdicto in ipsa missa ut sie habenda et ceiebranda legi, si et in
quantum nos et ipsi nostri successores per institutionem dicti nostri ordinis et cano-
nieis institutis ac noniinabilia sollempuia festa accidenda uon impediremur sine dolo :
si vero nos et nostri successores predicti per iustituciones dicti nostri ordinis ipsaque
nominabilia soUempnia festa ut est promissum rite et notabilitor impediremur, quod
officium de sancto Jacobo apostolo in missa seu nüssis habendis et celebrandis ut
prescribitur ad plenum peragi et legi nou possot, quod ex tunc ad minus una specialis
coUecta de eodem sancto Jacobo apostolo in missa seu missis eisdem celebrandis
ut profatur legatur et peragatur, tarnen si non obstont nominabilia sollempnia festa,
in quibus hoc inhibetur et instituciones dicti nostri ordinis, de quibus est premis3um.
promittimus eciam .... annuatim et perpetuo in festo eiusdem sancti Jacobi apostoli
eidem sancto Jacobo in dicto suo altari speciales devotas reverencias et honores
offerre et exhibere cum missis cantandis et legendis secundum ordinacionem sancte
apostoUce sedis et cleri et iuxta consuetudinem nostri ordinis predicti. Ut autem ipsa
perpetua missa in dicto altari in modum prout prefatur eo sollempnius et promptius
perpetuo celebretur et peragatur et non impediatur, ob id nos . . . promittimus per
presentes quartum presbyterum ipsius nostri ordinis in ipsa domo nostra zu dem
Orünenwerde spocialiter teuere et habere et eidem quarto presbytero in victua-
libus et aliis suis neccessariis competenter iuxta consuotudinem dicti nostri ordinis
providere ad huiusmodi perpetuam missam celebrandam in modum ut est promissum."
. . . Actum quoad commondatorem et couTontum dicte domus ac gubernatoros dicte
domus zu dem Gruneuwerde ac Lnscham proscriptos 8. kal. octobris ; actum rero
quoad gubernatoros dicte misse 2. id. octobris 1372. — Das Original hat keine
Siegel. An den Siegeleins chnittuu steht von NvL.s Hand der Reihe nach : sigillum
curie Arg. und unten daran Er. ; sigillum fratris Cunradi de Brünesberg magistri ;
fratris Heinrici de Wolfach commcndatoris ; Heintzoois Wetzel ; Bülemannus
Merswin; Cünonis Gurteier: Wilhelmi Gürtoler; Fridericus Büessenor. — Auf der
Rflckselte steht .von NvL. : „Die ovrige messe in sante Jacobos ere von Heinrich
Blanchartcs seligen wegen von Lcfone eines burgers zu Strosburg. darüber sint des
huses pflegere ih dem Gruneuwerde in eime besigelton thützschen bricfe erwelet
ond gesetzet an der ersten pfieger stat, die in disomc gogenwertigen briefe geschribon
ttont. 1872.** Diese Dorsnalnotiz kann erst nach 1388 april 4 geschrieben sein,
da sie auf die Urkunde Ton besagtem Datum hinweist (U-B. 7, 679). — Von obiger
Stiftaiif der St. Jakobsmesse ist nur der von Komtur Heinrich ron Wolfach und dem
KonTeot ron €rrflnonwörth ausgestellte Revers erhalten, der Stlttun^\>Ti«t ^^VorwOo.
▼Oft LOwei» iMfW. »^er Frau Laitgard nicht.
alle gemeinliche mit stroffeiider conscieucien in sich selber geslai^en, do sii
es loaent, wanne sü Ddt diihte, das sü es nacli sitire Inte gelialten hetteDt
oder iemer gehalten würde von iren nachkiimmen, und noraent rot darüber
eins gar erbern geistlichen gelerten iifafTen kartiiser ordens, dem sü das in-
striimente gobent zn lesende, der sprach: sü werent schuldig and Terbundea
, noch des instrnmentes lute alle tage tegeliche das ampt vgu sancte Jacobe
nffe sime altar lä sprechende, kein hochgeiitlich fest us genommen, sider es
des Stifters iüngester wille gesin were, der in ouch sin gut in der selben
meinunge uf das leste gegeben hettc für siae u [gesatte bässe des penitcnciers
> von des totslages | wegen, es w>.'re denne, das es der vollefürer bi siner con-
scieucien declarierte und underscboidenlicbe ordente, alae er es in dem be-
ginne meinde, doraitte iu onch dnbte, das der meinunge des Stifters gnüg
beschehe, das mühtent die brüdere mit guter consciencieu wol halten, darumb
SD habeich der vorgenante brüder Clans von Lüfen, vollefürer derselben
messen, eine tofele mit eiere tegelichun ordenunge in die sacriatje gehenckel.
die oucli hjonoch geschriben stot, wie man sich noch ie der zit durch das
ior darinne halten sol, so ichs aller bescheidenlichest in miner cen seien cieu
uf das mittelste en:ügen und geletsten mühte mit rote des selben gelerteii
pfafTen, der mir die tofele lialf machen us disen gegen wertigen wort«n. diu
er von minem munde horte, und umb das die ordenunge denbrädem owik-
liebe deste gegenwertiger si und niemer vergessen werde, si> ist dise memorie
unde buch das Instrumente und die tofele zu tütsch und zu latine ettwie
manigenthalben geschriben in dise dru urliünde bücber und in ettelicbe ajidere
bucher, das man deste dicker daran {remanet werde, das nieman kein nn-
wissen noch unzimelicbeitentschvildigenmüge; wanne die artikele des Instru-
mentes nf das aller libteste und zimelicbesto in diser ordenunge begritfi'n
sint, alse ichs hrüder Claus von Löfen vollefürer liabe genommen ull'v
mine sele durch der brüdere friden willen, das sü desto me minne ÜLibent.
die selbe ordenunge zuhaltende uno urdrutz und abelessikeit, wanne sü und
alle ire nachkummen sich in dem Instrumente mit gelübde darzü verbunden .'
hant und sü ewikliche schuldig sint zu haltende und sü billiche gerne halten
Si'illent dem lieben sancte Jacobe zu eren und ouch darmitto zu erfüllende die
begirdo des vorgonanten Heinrich Blanghartos seligen von Löfeii
und Lü'kart sinrefrowen, die disem liuse zum Grünenwerdo medeuue
dritzenhundert guldin wert hi lebendem libe usser der hant gobent und ouch :
vil anderre früutschaft den brüdeni totent, darumb man ir ouch ewikliche
schuldig ist zu gedenckende undgot tegeliche für ire seien zu bittende gelrü-
weliche und ernestlicbe. unser herre gebe in die ewige rüwe. Amen,
Hbrih-ii- Dis ist eine tofele, wie man die ewige messe in sancte Jacobs ere toge-
ifet .-Kl- lii'he schuldig ist zuhaltende von Heinrich Blangharts seligen wegen '
Itihoi"- von Li'ifen eins burgers zu Strasburg, alse es sin vollefürer gemeinet het
i>ie«sr. in dem beginne der vertigunge des besigelten briefes, der darüber geV^rl.
f
Item alle hochgezitliche feste durch das ior, so es totnm duplex ist,
endarf man weder ampt noch collecte von sancte Jacobe nf sime altar nnt
sprechen.
Item alle Sonnentage durch das ior ist man gebunden eine collecte von
5 sancte Jacobe nf sime altar zu sprechende, so es nüt totum duplex ist.
Item alle hochgezitlichen tage der heiligen semiduplex und von nun
letzten ist man schuldig eine collecte von sancte Jacobe | uf sime altar zu 2^
sprechende und nüt me.
Item alle ior an sancte Jacobs tag ist man schuldig und verbunden
o eine messe zu singende und etteliche zu sprechende uf sime altar, das euch
Heinrich Blanghart der Stifter und sin vollefürer indem beginne und
in dem ende mit sunderre begirde emestlicbe gemeinet haut.
Item in allen octaven durch das ior ist man schuldig tegelichen eine
collecte von sancte Jacobe uf sime altar zu sprechende, so es nüt totum du-
o plex ist alse zu winahten, zu ostem und zu pfingesten.
Item durch die gantze vaste darf man tages nüt me denne eine collecte
von sancte Jacobe uf sime altar sprechen, waune die tegelichen ampt der
cristenheit an in selber löbelich und andehtig sint, die billiche alle andere
gestiftete ampt ersetzent.
o Item an der mitwochen, an dem fritage und an dem samestage in den
vier frone vasten und alle hochgezitlichen vigilien, die an in selber sunder
eigene ampt haut, darf man nüt denne eine collecte von sancte Jacobe uf
sime altare sprechen.
Item alle tage tegeliche durch das iar, so es ferien sint und hochgezit
5 der heiligen von drigen letzen, ist man schuldig und gebunden das ampt
von sancte Jacobe uf sime altare zu sprechende, usgeuommen die vaste und
die vier frone vasten uud die hochgezitlichen vigilien.
Dis ist die ordenunge und anderuuge der ahtzig pfunde Strazburger Stifti
Pfennige, die der vorgeschriben Heinrich Blanchart von L6fene der 1
0 und Lückart sine eliche fr5we gesundes libes einhellecliche vor gerihte in gard
eime gemeinen selgerete briefe under anderme irme selgerete besattent unserm JJhi
spittol zu dem Grünen werde, der euch mit anderme gebuwe verändert
wart zu den ziten und in die wise also hienoch geschriben stot.
Item dez iores do man zalte von gottes gebürte drüzehenhundert ior
sehtzig und siben ior, do Büleman Merswin, unser Stifter, den alten i$i
gebn zu dem Orünenwerde ane ving zu ernuwende, do buwete er 5ch
eine nnwe cappelle in ereder eilftusent megede uf derselben stat, do nuder
beslossene kor stot nz neiswaz götteliches urkündes, alse er und andere
gottes fründe in den selben ziten meindent.
f>
88 D einibebe InitUle. 28--8.3 rot 34—12*4 Schriftchtfakter Hr. 10.
37 DiMs JUpelle wurde 1367 dot. 25 foweiht. Vgl. unten die Chronik des jQhiAnit«&-
buttM, Kapital, i*
8-
Item Tor der selljen eilf tusent megedo «appelle baweta Peter Ton
Eeiser^berg ^in bas den growea münchen von sante Bemhardes orden
zu P e r i s in den zitea alse sü h.ir zii dem Grüneawerde warbeot dez iore-
es do man zalte von gottes gebiirte drüzehcnhundert ior sehtaig und nän ior,
3* nnder dorn selben huse bawete Riilemau Merswin den ersten spjttal | mit
rotebrüder Ciinrates von Brnnsperg, dez obersten meisters intatschfii
iFinden sante Jobans orden, in dem selben ersten iore, do er dis hos zu dem
Grünenwerde in genomen and enpfangen bette nnd man ouch zalte TOu
71 gottes gebürte driizehenhundert ior sibenzig nnd ein ior.
Item diseme selben ersten spittal nnd ouch den dürftigen gap der vor- t
genante Heinricli Blanchnrtvon Löfeiie und Lückart, sine elich"
früwe, für diu vorgescbribenen abtzig pfände Strazbargerpfennige vier pfiiot
ewigea geltes bi lebendeme Übe iiz der hsnt, die alle ior ierlich zu eime erbe
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Zinsen sol Andres Claman der moler, die halben zu winnahten nnd die
andern halben zu sünigehten, von dem hose nnd hofestat, in dem er sitzet
und gelegen ist uf dem graben züStrazburg nebent Heintzen seligen hus
YonTümenheim einsite, und ander site nebent Hen sei ins hus von
Rynöwe.
Item dise selben vier pfunt ewiges geltes öch der egenante Heinrich
Bl an Chart von LOfene mit zwein und sibentzig pfänden Strazburger
Pfennigen selber köfte umbe Wulfolin Berlin einem burger zu Straz-
bürg, alse der koufbrief seit, der ime darüber gemäht wart under der stette 13'i
von Strazburg groz ingesigel, den er uns öch gap in dem dotbette mit ^<'^-
anderme baren gelte, daz zu der ewigen messen in sante Jacobes eren ge-
horte, also dovoi" geschriben stot und brüder Claus von Lofene, sin exe-
cutor, von ime enpfing umbe sant Gallen tage der aller nehsten vorgeschri-
benen daten, alse er öch verschiet und starp.
Item dis selbe bare gelt leite Büleman Merswin, unser Stifter, an
den gebu der kirchen und dez lange urganges umbe den garten zu einer
gemeinen tröstlichen ergetzunge, die man tegeliche nützen und niessen mag,
wir und alle unsere nochkommen begirlicher und ergetzenlicher denne vil
andere koste liplicher spisen oder kleidungen, durch daz nieman geklagen
möge, daz er dez selben geltes nüt niesse oder genossen habe ; wenne der
gang sunderliche der naturen ein grosser behelf und ufonthalt ist aller brudere
nnd Personen, die ein abgescheiden innig behutsam leben minnent nnd
meinent und gerne wellent alles weltlichen kumbers lidig sin, alse öch dis
hus zu dem Grünenwerde vongotte und von sinen fründen, den Stiftern,
ane gesehen und gemeinet ist.
Item diser selbe erste spittal, der eilf tusent megde capelle und der
von Peris hns wart alles wider abe gebrochen noch dez vorgenanten Hein-
rich Blanchartes vonLöfene tode, in den ziten do man den beslos-
senen kor ane ving zu buwende dez iores do man zalte von gottes geburte
drnzehenhundert ior sübentzig und siben ior. und die dürftigen lies man j^^;
alle uz sterben und meinde niemer keinen spittol me zu haltende zu dem
Grünen wer de. und darumbe so | ordente die egenante Lückart von 3b
Lofene die vier pfunt ewiges geltes mit rote der bewertesten lerer den
brndem züpietancien ufdie iorgezit sin und ir und sinerdohter unddohter-
man Iiienoch geschriben :
Item zu dem ersten sol ein pfunt vallen den brüdern uf den tisch zu
pietancien alle ior an sante Jocobes dag, so man die messen von sante Jocobe
nf sime altare singet und sprichet in der ordenunge dovor geschriben.
die über die selben vier phunt goltes gohorent, der eine ist dütz, besigolt mit der
stette inaigel zö Strosburg; der andere ist latine, bosigelt an des küsters gerihte zu
Stroftbmng, do ooch dirre gegenwertige brief gegeben wart, und iigent euch beide bi
des eoiiTaiites briefen zft dem Grünenwcrdo.*"
4 Üb«r 4ie genannten Besitzrerhältnisse Tgl. U-B. l^^oi^^^ uu^ Ka\m.. \.
1 ywr. d'9 J?ine darOber ausgesteUte llrliLxiudQ i«t mc\it\^«>us»v\..
Item iJai änae» piont soi d^F'S^Srailern z^ pietancien nf den tiscb
Valien zii iorgezit der vorgeachribeDen ewigen inesseD Stifter Heinrich
1371 Blanchart von L'M'ene, der starb umbü sante tiallen tag quinto idoj
t*. 11 octobris.
Item liax dirte pfunt sol i'icb den brudern iii pietancien dienen zä ior-
138^ gmitdez vorgenanteu Heinridi Ulanchartes fn'we Lückart von Ix'ifeDe,
ui. HD die starp an sant Benihardes tag XIII. kallpndas aagasti.
r Item darnoch sdllent x Schillinge von dem Herden pfände den briidern
I zii pietancien werden zu iorgezit fröwe Lysen, de/. egenant«u Heiutien
P von Lijfene döhter, die starp dez vierden tageä in dem mertaen. i
Item die bindersten i scbillinge süllent den bnidern zti pietancien
werden zii iorgedt Jecfcelin Talers, derselben Lysen Heinrich Blan-
cbartea von V'feni; dohtcrraan, der starp umb sante Micbels tag ijuiutu
Ikallendas octobris.
Item noch dez ersten spittals nndergang und abebrach vier ior wart i
andervrerbe ein nuwer spitlal liie zu dem Grunenwerde gebuwen darcli
erbere weltliche lüte mit stüre and helfe doz obersten meisters dovor genant
1381 in dem iore do man zaito von gotz gebiirte driizchenhandert ior ahtzig umi
ein ior, in dem man tegeliche die werg der erbermede übet und arme dürf-
tigen darinne spiset, daz iVh die erste meinonge nnd iüngester wille dtz -•
vörgeschribenHeintzen von LöfeneundLiickart sinerelichen fn'wen
in irre gift gewesen ist, alse ichbrüder Clfiwes von Li'fene, ir eieeuior.
wol weis nnd mir von in beiden us göteme getruwende uf mine conscii'nrie
befollien wart, daz mich üch zu diseme schribende getrnngen het.
Item die vorgeschribenen vier plant geltes siillent den egenanten pie- -'
tancien nnd iorgeziten niemer gedienen, denne nnwent zu den ziten obe
iemer zii dem Grünen werde kein spittal oder dürftige sinde wurde, alse
er in dem anefange vier ior ostüre stunt, das aber liarnoch geschehen mi'ihte.
tili.. ..iu. •:
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j OS vor •'.cb goätiliohoD ist) inrnz 'mh dise cirdouunge der ogeuanten
ckart von L<>feDe noch ires maiiDea tode geroteu wart von den alter
sten lerem, snnderltchelbniderJohana von Schaftolzheim, der von 4'
'den und von geschrift ein richsinniger wol wissender lerer und lesemeiator
'esen ist s^nte Augnstinas orden und vil ior ein vicftrie and peaitsDtner
bischofes zö Strazbnrg. der gab ir disen rot aller meist, also daz die
iDSchaft der vier pfände geltes eime spittal z& dem Grünennerde
dich bliben solte den armen dürftigen zd dienste cocb dez gebers erste
Irde und iüngester wille.
Item DZ solicher ordennnge und rate der lerer het die vorgenaate Ld-
irt Ton LTifene den besigelten selgeretebriefbevolhen und in gegeben
spittols Stifter, nmbe daz er and alle sine nochkammen and weliche
'.telmeister sinde werdent oderdezspittals zudem Grünen werde iemer
flegen söllent, sä sigent geistlicb oder weltlich, nn nnd Jiaraoch ewiciicbe
>i wissent den nr^pmng der vier pfunde geltes, and daz sä oacb dise
enuDge bantbabent, ahe sü bievor and assewendig af dem selgerete briefe
L is dem selbücbe gnscbriben stot. doch sallent die selben vier pftmt
t«3 brüder Claawes von Li'ifene dienen, also laii^e er lebet, und
h sime tode dem spittal nnd den dürftigen zu dem Grünenwerde
den nnd dienen in aller diser vorgeschribenen ordetinngen.
Item dis selben spittels Stifter and meister aad alle sine nochkomen
it r>ch einen besigelten tütschen brief in bendes von der egenanten Lü- JS83
irte wegen von L<'ifene über zwei ewige liehter nnd über ettelich >"A^ 1^-
■ezit, stiftete die selbe Lückart von L<'jfene selbe dirte; and sol daz
I lieht vor unser fröwen altar hangen, und daz ander vor sante Jacobes
r in anserre kircben zu dem Grünenwerde. dozu gcbörent dri pfnnt
ges geltes, die man alle ior zinset, dio halben zu winnahten nnd die
em halben zu süntgibten, von dem grossen bofe nnd bösem gelegen nf
bofestat gegen der badestaben über; wordent mit sebtzig pfänden Straz-
ger Pfennigen gekoaft umbe Johans Kölbelin and omb jancfrüwe
eden sine swester, Uietsche Ei'ilbelinB seligen kint, eins borgers
3 Johann rnn ijchälTalsbgiin tU „lector ordinie liereniitarum 1. Ausuatini" er-
int in einer Urkunde ran 1356 ukt. 31 (U-B. 5, 337). NUiaras Ober ihn feat-
sUan, iit niebt gelnoKen. Von ihm stammt auch die Obertoacunc der Neen-FelaeD
Uteinlache ja der üs. C. 16 Über diese Donualootiz i. oben 8*13 IT mT-
* korr. aus tdben biiehe ii a. 30 ig]. IJ-B. 7, r>gs (28 u. 37) das antniirllchera
!*t dar Urkunde lautet: 1382. Hin 12: Bruder Heinrich lon WalCach, komtur,
dt« brader dea liaaKei zum ärllDenwärth lu Strutburf, verpflichten lieh nr
rhaltsnc iweier enigen lichter. lon denen das eine Tor dem St. Jacobaallar, dai
n Tor dem Xnttai^ottessltar breonan soll, das ontara itittete ala laeifttUa
■ick Dod Oae Tprbhren Trau Lückart, Heinrich Blancbartes laL «itwe, da« lotitu«
I, gam. Löbo-DinliD, der ^nannten t. Uwsq dienerin, nud Brida, Clam Oartnur«
loakt«'. dM Uoator erhUt datOr 3 6 awifen Kaltes, die die «fUtaAnnaL w&
TOD Jobuta Cdibelia and daswn uhwettei Qiade vkaiA bi!M».
12"
zü Strazbnrg. dise sdtieu liehter uud ouch die iorgezit hantbaben sol ein
ieglicli Epittuimcister oder pflpger dez spittals zii dem Qruiienwerde bi
den peneii, die in dem besigelten briefe nnderscheidenliche beret sint oiid
oaeli zu hinderste in dem kleinen nrkiinde buche geachriben stüut.
4b Der aller ersta ursprang und auevang unsere kircben und dez alMu
gebawes zu dem Grünenwerde beschacb der heügen trivaltikeit zu eren
]160 umbe die zit, also man zalte von goltes gebürto i'ilfhnndert ior nnd fiinfiig
ior, durch den erwirdigen wolgeboren weltlichen berren hem marschalt
'enm- Wem her von Hüneburg, der dozumiile gar ein wunderlicher barster
lfm und niitericb waz und ein vigent dirre stette zu Strozburg, und reit uITp '
tuburg. Sil und kriegele mit ir und sehedigete sii. wo er mobte. und in diseme kriegi'
wirckete der milte erb arm hertzige got sine gnödenricben werg mit ime nucb
ettelicber wise, a!se er tet mit dem lieben sante Pauwelse ; und gab ime einen
kreftigen ker von allen Sünden niid mähte nsser eime grimmen wolfe fin
senftmCitig schof, daz er sin leben wart bessernde; und versiinde sieb mii '
gotte nnd mit diser stat and wart ir beder frünt. und ving do aae dis closter
zu stiftende und /.ü buwende der beiigen trivaltikeit zu lobe, dozü ime die
Oeti^ii ui aaat« (irar"i«>> tag i^«" 1iellig«u boLasfiiii 138S. ¥.-. i\eet\n: der komtui.
du konrent und die |)tlager äat h«DEea : Claoa Zaru tnin. Lappe, ritter, der Utgre;
itl*r; Knnrsd T.b dur Mesfldo.
bflrfiT tu Slrasubnr?. — <
l'KVf. H«Kirk.ari-h. Str:
1.^1.. Hl:C<«IHI. - Ili.. rrkuu.lv
i-l L-aiiz vni, Ai-f Hand Svl
b-asolirlBbcn. Auf il,r
(tni'liM.it.. b..Hiiil..ü .i,-li k^'ii.^
irLuii'bziiiig™ N'ii1jii-n. i
AiiMivui>areiiilfng üln'i
■ J..bai.ii K„lb..|ii. finil.l <irh 1,
iili'i d.-iii ^U. Juli IT. tjil
,..bii; fnii.jr J11I1S11110S
K.Mbdiu. .■..nv.i.ti.ali. Imiu- .bi
iiuiis atiu" dnmiiii 14^1. 1
seVultus.- Ui.' Zalil 1
H-Jl i-t Uli- 14^1; k..in(?i.it.
l>-.-. — I + -14K
tiiiS,:britlcbiirakt.T 1«L-..vrbric-l".i
1. D ,„i luitiak. 1 ern-ud
9 IliiiiL'bur^. ciiiti Vm\
iniiD'.' in iUt G"uiviiii1p 1«)-m'Ii)ii'
im. lif-,tand scboii aritaui '1
]->. .luUrliNndiTt';. [las
. Gt'si'lib'i'bt A»T von HniiL'biirj: b
.'sal! das Erbiiiarscliallamt .!
1ll^lurN~ Slialiliur^'. \
.'!.'l. ilarflh<'i: !<»'< Itr-icb<]nii<1 l^:
l-.all-Uthriiig.Mi 111. 411;. n
KIimII-'I v.,11 KiiublnHi
: Ua-> t"'!')''!!!' Kiii-b lull Slrslll
.iir^ 1. Vi«. itä~ .tuiilvr,.
vnii (liüuonwo.tli bat
di'ii Eintrug: .J.iniinr 7. VII. i.l
us: NMambmi .,„„d .insu
aimi. -luiHT iidiii« .li
■■ <tii.i roiiliiiüil ;i>niiver.|iriu n-b-l
.rare, iiviaifftur aniiiv<Tsarii
n.il.Uis ,■!.■ Bii"r.>.i .1.
Miiiii bLc ^.imlli hiT Mar-,'hal.l
r (V,rnli.T d<- Him-butp. 1
13*
von Strozburg zu sture gobent die hofestat und alle die almende, die ietweder
Site darbi und darambe lag von sante Margreden closter untze harüber uf
die Brusch. und daz waz in den ziten allessament ein wilder hegehter wert»
fool barsten und wiltb<Me, darumb es genennet wart und noch heisset der
Grünewert, alse zwene ahtzig ierige priestere von sante Benedicten orden
seitent, die eltesten und die erbersten, die bi des nochgonden Stifters Bü le-
rn an Merswines ziten zu Altdorf worent, alse sü ez von iren vordem
hortent. der selbe erste Stifter, her marschalk Wernher von Hune-
burg, och begraben lit in der selben unsere kirchen under dem hindersten
glasevenster vor der borkirchen indewendig an der alten muren, die in den
covente stosset gegen der stuben und dem dormenter, do nu die frowen
stöle stont. do stnnt hievor ein erlich erbebet grap mit zweien sercken, den
einen sarg über den andern uffe vier stein ine sülen gesetzet und in die mure
^eveltzet, zierliche und adelliche noch altfrenescher wise, wenne er och uf
daz zil diser nehsten nochgeschribenen daten bl zweien hundert ioren dar
begraben wart; und sine woflen in eime swibogene obe dem grabe gemolet
stundent: ein geteilter schilt mit zweien velden, daz ober velt swartz und
daz nnder goltfargel ; und in dem obem swartzen velde ein wisser swanes
bals, alse die date siner begrebode uf dem grabe gelesen wart biBüleman
Blerswines, des nachgondeu Stifters ziten, do er dis selbe closter zu dem
Grünenwerde von den von A 1 1 d o r f kofto und in nam und den geba
ane ving zu emuwende und zu verändernde und dez selben grabes sercke zu
alter steinen mähte und in den | swibogen für die woffen von Hüneburg 5^
die urstende onsers herren Jhesu Christi molete sub anno domini MCCCLXYI. ^^^^
und daz heiige grab uf der selben stat donoch gehalten wart manig ior,
antze daz die frowen stüle dar gemäht wurdent, alse ettelichen den ersten
and den eltesten covente brüdern des selben huses sante Johans ordens wol
angedehtig ist, sunderliche brüder Clawes Lappen, bnider Heintzen
von Andelo und bruder Clawes von Lofene, die dez selben grabes
künde hattent und es vil gesehen hant, obe sü zu dem ordene koment. dis
erwirdigen ersten Stifters hörn marschalk Wernher s vonHüuebarg
gedehtnisse man uf diser hofestat zu dem Grüneuwerde billiche niemer
14 aUfrenescher ! 28 Nikolaus Zorn gen. Läpp erscheint im Auuirersar unter
dem Eintrag: «11. Mai. o. id.: Ob. frater Nicolaus Zorn dictus Läpp conventualis huius
domos a<*. d. 1404, qui dedit rcdditus 18 seh. hie sepultus.** Späterer Zusatz: in
la'tere circa choruin. Heinrich Ton Andlau : ^«Febr. 4. II. non. : Ob. frater Heinricus
Je Andelow conTentaalis huius domus, qui fundavit duas missas perpetuas in nostra
ecelesia ante ingressum ordinis. bic »epultus.** Am Rand: 1398. Die hier genannte
Xeßstiftung ist rom 4. August 1378 beurkundet (U-B. 7,534). Gr. Perg. Bezirksarch.
Straßb. H 1386(1). Auf die Rückseite des Originals schrieb NvL. : «In diseme b riefe
haut wir uns Torbunden zwo ewige messen zA haben von bruder Heintzen wegen ron
AaMo und Ton fro Nesen wegen, die sine eliche frowe waz, nnd heisset die sohste
und die sibende messe.** Die Frau Heinrichs von Andlau Ist noch 1S9^ k^iVV %^ vcgl
0). n gcitfargd! S2 hofefat!
14'
vergossen sul. und umbe daz wir sin doste diclter vermanet werdont fcöru-
lichi> one vil mittels und laiigseiines erfarendes dnrcb dise geschrifi, die mit
menglich geleseo kan oder tou urdratze gelesen mag: so sint sine woH'eii.
schilt und beim, andersite dis blattes ond in dem kleinen nrkünde buche Diid
in etlichen andern biicherngemolet. nnd werp '>ch ziralich und billich, gebe .
got ieman minne. daz er die selben sinewofTen von Hün^barg i'>cb molete
in die kirche uf die selbe stat, do er begraben lit. also dovorgeschribenstot.
odpr uf ein andere gemeine ane gesibtige stat aller mengalichenie zii einie
andehtigeme gcbesserlicheme gegenwarffe; wenne es ist zii gloübende li
diser gnodenricben ersten Stiftungen and bi sime audehtigeme emsthafUi i«
kere, hievor und in den urkünda bücbern geschriben, daz er ein grosser
gottes fnint gewesen sige, in dez gemeinsame wir billiche gerne sin süllent.
Gut losse DDS sin und aller siner nz crweltcn lieben Made owei'liche geoiessen.
Amen.
iiemnlte-^ Wa|i|it'n des Werner von llüaehars.
G^ Dis ist der drier Urkunde biicher eins, das andere, ond ist gliche gTfi»
^l jgj an niüdele dem ersten latine buche, in dis selbe gegenwertige andere bü*li
iiorioh^^^ znsBmene f^eschriben alle dietätscbenbüchere, dieSülman Merswin
selige, unser lieber Stifter, unlange vor sime tude den brüdern in vab^
schrf ip von vil uiirakeln und Tongriissomiberiiatiirlichen fr''ii)ii?den wundpni, -'
die gut mit ettolicheii ?inen l'ninden gewürket^ het, alse dem vorgenauteii
Ri"i I man Hersw in c zu eime esemplare von Ob er laut berabe geschriben
Wiirt in sime ersten anefange, do er begmide sin leben zu bessernde und dfr
weite urlub z gebende
Item d thh d dbht tsch gescliribeii di*' -
drii- materie d 1dm nsclien und von dem
mei:-ler mit I b 1 d t b li 1 tine gescbriben stjui
and in dem d t 1 I d g t gelossen.
It.-in d 11 1 t b l t t I g 1 I t von «orte zu «\>rif
di>m (.TSlcn 1 t I I , j, m 1 Ib „ inten drier inat^riMi.
wenne das die drie artikelcktiscUikeii, gelmvsame und armat aller geistliclie:
iTgebi'Ui^r lüte geliibede oueh darinne stont zu aller nebest noch unser-
Ordens regele undo mit in dem ersten latino bucin'.
Item dise diii Urkunde biiuher sidlent ewiklicbe bliben in dem vcriie-
nantf huse /.» dem üriinen werde und ligen an eiiire gemeinen stul zii ■
t'ime ewigen meraoriale, alsn düs nieman keine eigenscbaft darane h;ibeii
15*
welle, darüber hant die drie weltlichen leyen and pflegere einen besigelten
brief von dem obersten meistere des ordens in tatschen landen, der hie ane
Yohet und alsas sprichet:
Wir brüder Conrat von ßransberg, meister in tatschen landen
5 sancte Johans ordens des heiligen spitoles von Jherasalem, bekennent in diseme
briefe, das mit onserme willen and wissende zu latine and zu tatsch in dru
buch geschriben ist alle die loffe, alse wir veraommen and geboret hant von
erbem personen, wie das hus zu dem Grünenwerde in dem aller ersten
Ursprünge von alter ist bar kämmen; donoch der Stifter leben und vil
10 anderre gebesserlichen materlen, durch die es ist ernuwert worden ; and
euch alle meinungen und wisen, alse es noch vil anderungen unserme ordeno
gegeben wart, dobi wir euch selber gegenwertig worent und es enpfingent.
and darumb wollent wir, das dise selben drü bücher zu eime ewigen memo-
riale in dem vorgenanten huse zu dem Grünenwerde bliben sollent in
15 geheltnisse und besorgunge eines küstcrs, der sii an einer gemeinen stat sol
haben ligende, die allen brüderen des selben huses erloubet sige ; den wir
euch gebietent bi der togent und kraft der heiligen gehorsame, das kein
bruder nü oder harnoch sich der selben drier memoriale bücher niemer under-
winde oder ane genemme eigenschaft darane zu habende, wer sü gerne
10 lesen oder brachen wil, der sol sü donoch zu stunt dem küster wider ent-
wurten nfdie selbe gemeine stat zu einre steten vermanungen an diegnoden-
riehen werg gottes und sinre fründe, die dis selben huses wirdikeit ewikliche
bezagen sollent^ umb das es in deste grossem eren und in eime deste lobe-
liebem gottes dienste von allen brüdern des vorgenanten unsers ordens
!ö ewikliche gehalten werde, darzü euch die drie weltlichen pflegere: her
Claus Lappe ritter, her Heintzeman Wetzel ritter, Cünrat zu
4 Schönes laitiale W. Die ganze Urkundo von 4 — 16 '10 umrahmt und mit dem
Wappon Rulmanu Meiswins und der Johanniter geziert. In folgendem sind in Kursiv-
schrift die Lescarten der Originalurkunde (Erzhischöfl. Archiv Froiburg i. B.) wieder-
gegeben: Cünrat Brunsperg Vmizschen o sante spittoU Jheruselem
6 daz thuiz 8 erberen duz 9 kommen 10 gebesaerlicher 11 alle
die 12 oeh enphingent 18 darumhe daz 15 besorungef einre
16 die den br. huses ist am Rand angefügt, die Originalurk. hat daftlr conventes
17 daz IS nu 21 entwiirten 22 icurdikeit ewekliche 23 daz grosse-
ren lobdicheren 24 dieneste brüdej-en 2'> ewekliche 26 Clawes Heime-
man 26 Nikolaus Zorn gen. Lappe, rittor. erscheint als Ptleger urkundlicli
zum erstenmal 1378 aug. 4 (U-B. 7, 534). Das Anniversar verzeichnet seine und seiner
Fraa Jahrzeit nntor dem 18. März. 15. kal: ^obiit. Xicolaus Zorn dictus Läpp miles
et Ennelina Stürmerin uxor eius, qui dederunt rjdditus 16 ß. et quattuor cappo-
uam. nie sepultorum" (ohne Jahreszahl). Am 7. September 1377 stiftet er und seine
Frau, eine and zwar die fünfte PriestcrpfrOnde in das Johanniterhaus — die 4 ersten
waren Yon Merswin gestiftet. ~ (U-B. 7, .522). — 1392 nov. 13 stiftet er för seine
rentorbene Fran u. seinen Sohn ein Seelger&te (U-B. 7, 752). — Heinrich \V<itx^\,
rittor, ersehet als Pfleger erstmals 1372 Juli 14 (U-B. 7, 445). t!:V><äT %^\\i^ *^v!\\«iiV\k\i%
16*
der Megede uid alle ire nochkuinmen mit flisse sehen S'Mlent aad gelro-
weliche warnemmen, dai die vorgenanten drü momoriale bücher dem hase
zii dem GriTiieii werde von niemanne in deheiner wise niemer entfiirel
werdent, wenne wir sii oncli des nichtig machent mit volleme gewalte, so
wir !D darüber gebent mit dtseme gegenwertigen briefe, den sä üch ewiklich?
in irre gewalt haben aölJent. des zii Urkunde hant wir, der vorgenaute brüder
ConratronJiransperg, meiatcr in tiitscheo landen, nnser ingesig«!
haran gehenckct und wart gegeben bq der lieben heiligen jnngfroweu sant
Agnes tag in dem iore, do men zalte vcn gottes gebürte dritzehenhnndert
ior abtzig und fünf iure. ii
*u GrOüenwOrth tgl. U-B. 7,518(19), l)ei liiniverftwointrag Untet: .36. Okt oWil
iluminni Boinricas Wettnl mUc» tutor huius lionius, >iui aedit reddituc i. libi.
Iilv ■Dpultun." \h rarstorben wird «r urwllint 13Sliiiul4 (l'-B. T, 640). Du
NAlmro nbor di-xn boiduu uod doa drltiua Pflvgei: Knnnd lu dec Uegde, dur am-
uiili 13S1 nni » als fnesur encboüit (L'-B. 7,568) and iiu<:h am I.Juli UOe all
-i-omniol-aiis lu domu ilirta «fl doiu G r ii n e o k « r rt u" pininnt ist, bIbIio Straßbiirjfur
l'.R. Bi1. VU im Kujistur uotjr ilcn eiiinehion Xamaa.
I nackkomiHen h aeetUiA» T Cünriä thüixtchen & h-irimt
»inte Jgnestn 9 xaltte dräUthen l(J ior. Da tiriglnal nt gvu, iiin
NtL'il Band geiichriatieD, ntit duin erhaltsnen Siege) Konradg tou Braiiniberg. Auf
der RnetseitB von andsrer Hand: „Iteni ein brieff, wia 1>rAd<ir CSniat Ton Bn'iDipiut
infUtpr In titacliBn laodon wil, du» diu drj 1i>l''li Jin dun) Bescliriljen stot d"r sliffKr
Erster Teil
In dem nammen unsers lieben herren Jhesu Christi ist hie in t*
guter fnihtbringender gebesserlicher meinunge versamelt und nam- Forwsrt
haftikliche iolytulieret und verzeichent alle die tütscben biichere, m.
die unsere gnodenrichen stiftere, RülemBn Merswin selige '"*«'*■
■■ und der liebe silnderlicbe verborgene gottes frünt in Öberlant,
sin beimelicher geselle, beide geschriben hant von vil mirackelen
und von grossen ilbemattirlicben frömeden wunderen, die got mit
in selber und mit anderen gnodenrichen erlühteten menschen
gewürcket het, die si wol bekantent und in heimeUch worenL dirre
> selben biicher sol billicbe nä und harnoch uf diser bovestat zß
dem Grünenwerde niemer vergessen werden, alle brüdere
unde alle personen »illent mit grosser dangberkeit ewekliche daran
gedencken und dobi merken und verston die lobeliche wirdikeit
und den trösilichen fruhtberen anstadel dis huses zu dem Grünen-
■ werde, und das die ernuwerunge ein sünderlich userweit gnoden-
rich werg gottes ist, durch das vil menschen söllent grösliche
begebet und begnodet werden und ewiges lebendes versiuberl,
die es alleine glouben wellent und minne darzü haben mit de-
mütiger beglrde und mit langmütiger volle hertender uslidunge
die werg und die goben gottes, wie sü danne ie zu mole vallent
sur oder süsse, also euch dise selben büchere alle wisent und
lerent und esempel gent eime ieglichen menschen noch sinre
neiglichheit und conplexiunen, in weler wise er ioch von gotte
getriben und vermanet wurt oder ut was grotes sin leben stot
Item zii dem ersten ist in latine ziisamene in ein buch ge- LtOtüH-
schriben alle die urki'mde und mirackele, domitte dls selbe hus zu «eft«*
dem Grünenwerde iat ernuwert worden, und öeh wie es in **"m*^
dem aller ersten Ursprünge gestiftet wart, und was grosser manig-
valt^er &Y)meder trücke sider daruf gefallen sint.
Item donoch ein briei, den der liebe gottes frünt in Öber-
lant harabe sante den weltlichen piiestern, die zu dem aller
ersten nwle hie inne zu dem Grünenwerde wonetent unde die
kyrehe besungent sab anno domini millesimo CCC° LXIX«. iseg
Item das buch, in dem die 6berste zile yeschriben stol, das
der liebe ^ottes frünt in Oberlant mit dem selben briefe den
weltlichen [»riestern harabe sante, warme er selber der leye was.
der den t;ro35eii meister der heiligen geschrift wisele und lerte,
das er kam uf den weg der worheit und ein erlühteter uber-
naliirücher begnodeter gottes fnint wart, alse das selbe biich seit,
das wir ^ich zu tütsehe haut von worle zu worte noch dem laüne.
Item donoch das buch, das unser lieber Stifter Rüleman
Merswiii noch sime tode mit sin selbeü gesuhrift und under
ßime eigenen ingesigele lies hinder iine gescliriben vinden von "
den ersten vier ioren sines ane vohenden lebendes, alse er sich
von der weite zii gotte kerte.
Item die hinderste stroflunge und rnmtliche wamunge, die
uns der selbe Rüleman Merswin nüt lange vor sime tode us
göttelicheme tribende in eine wahs tovele schreip. i<
Item das nest mit den siben blutten vogelen, das uns der
liebe gottes Irünt in überlanl glitih einre liguren schreip, die
ime in einre visiunen zu Lothringen geoffenboret wart
Item zu aller nebest noch diser visiunen ist geschriben eine
tovele, die dn wiset kürtzliche ufTe alle dlae nialerien, in der die ■'■<
■ brüdere stillent|'vermanel werden an die gnodenrichen werg gottes
und sime erlühtelen tVünde, durch die dis hus emiiwert ist, unii
si darinno versamelt.
Item der fünf manne leben, das uns der selbe gottes fninl
in Oberlant i)Ui:h schreij) zii cime gebe^sserliclien exemplar von -■
sin selbes loben und von aller sinre bnidcr leben, die do obenan
bi einander wnnent in einre geselleschafl.
Item das buch von den zweyen menschen, under den .selben
zweyen der liebe gntte-; Irunt in Oberlant einre fiewerfcn i:-t,
dem die biren, das bliilige tiidiclin, das sihnne vingerlin wart "■
und die andern grossen mirackelen alle widcrfurent in den ersten
fünf inren sine.- anefanges. alse er es selber ges:liriben gap
unseriue lieben stiflere Riileman Merswine, der ime doge^ene
widerumb ge.schriben muste geben das vorgenante buch von den
vier iiiren sines anevanges. und das selbe buch vim den zweyen ■■'■
mensi:bcn, dir IVml iore des egenanten lieben frünt gottes anefani;
19*
in Oberlant, hant wir in gAter texste gescbrift zu tiltsche ge-
schriben in eime sandoni büchelin, das Bülmans was, das er selber
schriben tet nocb dem eiemplar, das iipe gegeben wart von sine beimelicheii
gesellen, dem lieben gottes fninde in Oberlant, dovor nnd hieDoch dicke
-'< ^nennet, and stot onch in dem hindersten teile dis gegenwertigen tatschen
büchea. und darzü ist es io dem ersten buche 1 1 1 1 gantz und gerwe von
worle zii worLe zu latine geschriben glich als da? trttsch seit,
wie die selben zwey menschen in lere wis mitteinander retteat
von aller hande gebresten, domitte die kristenheit umbe get,
D nocbdem do si einander ir leben geofTenbortent, der liebe früDt
gottes in Oberlant von sinen fünf ioren und der ander von
sinen sibentzehen ioren, in deme irae zii iiingest die grosse trüg-
nisse und untruwe wider fiir von dem valschen einsidele. nü
möhte ieman wenen, das es Riileman Merswin were gesin,
> dem also beschach von dem valschen einsidele, und das enist
ODch iljl Rüleman Merswin des lieben rrünt gottes in Ober-
lant beimelicher geselle selbe, und das men der selben menschen
underscheil an dem oammen kiinne wissen und verston, danimb '
ist in dem latine bAche der mensche mit den fänf ioren, unser
0 lieber frünl, genennet der jüngere, und der ander mensche mit
den sibentzehen ioren ist genennet der elter.
Item das buch von den nun veilsen ist ouch zii latine ge-
schriben bi disen egenanten versamelten büchem von worte zu
worte glich, als wir es ouch in tütsch hant; wanne die selben
■■. bilde alle geoffenboret wurdent Rülmanne Merswine, unserme
stiltere, und öch der biicher eins ist, äaa er schriben müste, alse
die date und die minnerieben wort der vier iore sines ane vo-
henden lebendes hellent, das er sich des schribendes von grunde-
loser demütikeit der selben vier iore so grösliche werte zu glicher
(I wise, alse ouch in dem anevange der nun veilse geschriben stot
Item alsus seit das latine bAch von allen disen vorgenanten Ofot»«»-
biicbcm und vohet hie an ein ander buch zA tütsche. in dem ^^**'f^*'
sint geschriben die überigen bücher der egenanten unserre zweyer
stiftere, die not in dem latine buche geschriben stont und siinder-
ä liehe 8o schreip der liebe gottes frünt in Oberlant Rülemanne,
unserme stiftere, gar vil büchere in sime ersten anevange, d:) er
sidi der weite abe tet die selben bücher Rüleman von grosser
demütUteit wol drisaig ior Rar heimcUcAe und verbörgenliche ^emelt.
das er si niemanne olVenboren wolle, und wol n(?r ior vor aiine
todc (tu engetorste it sii von cimsoiencii'ii niil wol ine lengei'
verheleo und sinen ebenmenschen und ouch die brudere der
1 unoden und der fruhte beröben und dchreip si | do erst mit sin
selbes hant in waha. er enwolte aber etteliche stette und per-
sonen nut darinne nennen und verbrante i'ich do zu stunt die
exemplar, die ime gesendet wurdent, durch das er noch nieman
vermeldet würde in den biicheren; wanne er sich mit grossem
Bisse häte und sin leben verbarg mit eime frolichen lihtvertigen )
usseweodigen hisllichen wandele vor allen menschen, das nieman
solle merken noch verston, das er ein solicher ua genomener
gnodenricher erhihtetei- siinderlieher heimeücher grosser gottes
fpi'int were, alse es befunden wart noch sime tnde in dem vor-
genanten buche von den vier ioren sines anefanges. «
Item mi sint die selben ti'ilschen büohere alle von ersl hie
■genennet und namhaftikliche intytuheret und donoch ie eins
noch dem andern von worte zii worte gantz unde gerwe ge-
schriben und mit der zale gezeichent, wo men iegliehes bäch
vindet noch nrdpnun^e a)s von ersl nf den nammcn lüe ^ale ge- -'
schriben stot, also stel si ouch donoch an allen biederen eines
iegliL-hen büches, wie vil es ioch bletler hei von dem anevange
unlze zii ende us. und ist ÖL'h keine ander materie in dem
latine nOLih hie in diseme gegenwcrtigen tiilsflien bliche geschriben,
wenne aileine nuwent die biiehere und nialerien, die durch unsere -'■
/wene vor^enaiilen liehen süllere bar kummen sint, und si von
ir seilte:^ leben und ubunge fieschriben hanl und (»uch von den
Sil iider heben crhihtelen ^oltes Ininden, die si wul bekantent:
1. Itein das buch von den zwcycii jungen l'unfzehen ierigen
knaben, eins edcleii ritlers siiii und eins riehen koulmannes suii, ''
der selbe oui-li mit Kitlüinannc Merswine dis buses zii dem
ii ninenwerdc stiller und Iriiut gewesen ist, abe dicke in
disen beiden biichern erzalcl und K^'^cil ist.
2- ilein das buch von tlcra ycvaiigcn ritler. mit dem gol sn
•jap vil trostlicheP ubenialin-licber luirackeln wurkcte in der gi- ■'
vengnisse und ouch darnoch untzc in ^in oudc.
21*
3. Item das bäch von einre heiligeD closenerin, hies Ursula,
die got 80 gröslicben übete mit übernatürlicbeme frömedeme
lidende unde ouch donoch bcg(ri)ele mit noch grössere fröiden-
richer übematürlicber genoden.
'•> 4. Item das buch von zweyen heiligen closterfrowen in Peyer-
lant, den an der vastnaht die roten rosen schappel nf irm
hAbetern funden wurdent in eime grossen i)bematürlichen zuge.
5. Item das bäch von der geistlichen siegen, die dem lieben
gottes fründe in Öberlant in eime slolTe geofTenbaret wart
0 Q. Item das buch von einre geistlichen leitern, wie der
mensche von dem heiUgen geiste wurt geleret uf gon von einre
tugent zii der andern.
?■ Uem das buch von dem fünckelin in der seien, das der
heilige geist noch vil grosser bekorunge tut wahssen in eime
ö iegelichen got minnenden menschen also lange, untze das zu
iiingest ein gros inbrünstig hitzig niinnen filr darus wurt.
ii. Item eine letze, wart eime jungen brüder gegeben in eime
orden, wie er leren solte alle untugent über winden.
9- Item das bäch von eime eiginwilligen weltwisen manne,
'■» der von eime heiligen waltpriester gewiset wart uf demütige ge-
horsami
10- Item das buch von einre olTenbarunge, die dem lieben
gottes fründe in Öberlant in einre kristnaht geoffenboret wart
in den raten, do die grossen erschröckenlichen ertbidemen alte
'& koment anno domini millesimo C1CC° LVI. ist
11. Item die materie von eime jungen weltlichen wol ge-
fründen manne, wie der von grosseme göttelicbeme tribende in
der tatschen herren ordeu kam und priester wart
12. Item die tovcle, die der liebe frünt gottes in Öberlant s*>
*" dicke bar and in ander lant gesendet het dem gemeinen volke
ziü einre wamnngen ie zu den ziten, so unser herre die weit
pflogete; and seit von eime gar kurtzen gebette und nützlicher
betrahtongen, wie sich ein ieglicher mensche halten sol morgens
und obendes, der gerne sin leben bessern welle.
I Mmatirtidur kort, ans iütmalärlki^it U htüifft g*i*t doppelt (c-
Item alle lüse votgtiiiaiiten tiitschen büclu-r liel der liebe
Oberiender selber gesehriben und herabe gesendet RiiUmanin:
Merswine, unaerme stillere, alse hievor besebeiden isL
Nil het Riilemaii Merswin oueh biieher gesrhribon, der
ein teil hienoeb gesehriben stont. aber was er schreip oder *
Bchriben mäste, das het er also gar verborgen uuder andere
materien und het elteliclie geschrift andern gottes [runden und
lerem zu geleit und in ire biiehere vermüsuhet von grosser gründe-
loser demi'ilikeil wegen, das er wolle von allen menschen unbp-
kant sin und von niemanne erhaben. '*
13- Item das baner buchelin. in dem die wort und die sione
hellent glich allen den demiitigen minnenrichen werten, die der
liebe Stifter Rüleman Merswin sellier gesehriben het von den
vier ioren sines anefanges und ("ich anderswo ; und ist eine emest-
hafte warnende lere allen güliiert^iigen einvalligen menschen, wie '^
si sicli sf'iUent hüten vor dem valschen Iryen menschen.
14. Item das buch von den dryen durchbnichen und von eirac
gnodenrichen gelerten prallen, der meister Ktkeharten. den
grossen lerer, stroffete umb sine bebende hohe lere, die er pflag
zi'i tiinde vor dem gemeinen groben volke, und ettelicbe andere '-o
jiiite nialerie, die Riileman Merswin selber schreip und si
ouch vermiischete mit sincn inbrünstigen hitzigen zu geleiten minne
Worten.
15. Item dif siben wcr^' der erhermcde, die unser iiebiT
lierre geistliche wircket in eime ie:jlielieii mensclien, alse dicke ■'■
i-r in wirdikli^lie enptbhel in dem heiligen saeramente. die schreip
Kniemail Merswin us eines jiiristcrL bfn/h und verbarg darin
sine hit/ige inbniiislige bcgirlii-he ineiiiun.üc, das die wort gemerri'l
wurdent, dif er simc elienmenscheii von minnen wol jiundi' uinl
si doch von demiitikeit gegen niemannc woltetdTenliehe us sprechen. ■"
und ist ouch ein iegelich wcrg der erbi'rrncde hewerct mit der
heiligen spnu-he und ouch dii- siben gobcn des heiligen gcistes
dar/.n gesehriben usser eime anderen biiihe, das die bewerten
lerer gemäht haut, darus ouch hie zii gesehriben ist, wie ^Wh
der mensche bereiten sol, das er mi'igc wirdikliihe enptohen das ■■
heilige saeramente, durch das got mit ime mnge gewurken die
23*
Tgenanten siben werg der orbermede noch aller- wise, also si
enoch an disetne gegenwertigen buche geschriben stont.
U>. Item das tifich von der fi'irkonieoen gnoden und von der
rdienlichen gnoden, in dem ouch geschriben stot die siben goben
s heiligen geisles in einre anderen wise, dozü der liebe Stifter
i'ileman Merswin von gotte betwungen wart, das er das selbe
!(;h schriben miiste in sime aller hindersten siechetagen der
ossen geswulst, des er öch zii hant darnoch starp. und do er isi
:h dis sc-liribendes usser grosser demtilikeit werete und sine
iliohe grosse krangheit fi'irbot, domitte er sieh des acliribendes
rne entslageii hetle, do wart innerliche von gotte zii ime ge-
rochen: was ime die krangheit sines lil)es schatte, gol üesse
le doch das houbet gesunt und starg, und er endorfte es ouch
le selber nüt zii le^en, er solte es in das brunlftf Itüchelin
briben und die ere gölte geben und das werg zu legen brüder
ihanse von Rnsebrüch, dem lieben heiligen waltpriestere
Brobant, domitte ouc-h dise selbe materie angefangen und be-
iffen ist. dis|veriach der hebe Knleman Merswin in sinre 9'
adersten krangheit ülfenhche vorettelichen brüderen, und enwolte
ch vormoles kein solich gnodenrich werg us rehter grundeloser
mütikeit von ime selber nie veriehen. doch wart er dovor
rtzliehe in den hindersten zilen sines lebendes ouch von gotte
Iriben und vermanet, das er müste den brüderen sagen und
ch geschriben geben ettewie vil tröstlicher werte und über-
türlicher gnodenricher werke von ime selber, domitte die brü-
re sollent getröstet und gesterket werden in eime zA nemenden
besserlichen lebende, alse ir das meiste teil in dem latine bCiche
schriben stont.
1 7- Item zu iüngest noch der egenanten hindersten materiell, di do
t von der färkammeDen gnoden Dod von der verdienlichen gnoden, ist
:h in tütsch geschribea die drä buch von den nun reitsen, von den iwein
luchen und von dem meister mit dem a. b. c, icgeliches mit einre vor-
iden sünderlingea tofelen nnd nawen ane TohendeD zaie, die ofein iegelich
}itel noderscheidenliche wiset.
aat Riutur. 28 — 3J wurJu erst geschrieben oacti ftAleniMO^
■AUilr.
•24'
9'' Item. DU hebent die tutschen büclier lue aue uiid ttint alle
ttmrt iio;;h einander geschrüieii in dis gegenwertige büeii noch orde-
ßuiige, a!se die nammen Iiievur zii aller neheste inlytulierel sinl
Dnd men sol alUwegent in den nell'en hücheren ifrston in dem
JSiderlender RiUeman Meiiuiines namme, und bi dem obtr- ''
lender sinea h«imelich«n gesellen namme, des lieben frünl
gottes in Überlant, wo und u-ie diclv e-v iergent in allen diu«
bücheren und malerten geschriben aiot.
oktal f. 1.
Item das erste buch ist vor den zweyen iungen knaben und ''
seit, wie der liebe Oberlender eins riehen koufniannes siin
was, der in mit ime fürte in fromede larit und in koitlmans schaU
lei'ete. also ouch in dem latinen buche die materie und die arti-
kelc mit kurtzen Worten begriffen sint, wie er sich gesellete zil
eines wol gebomen edlen ritters aun, der Ach in sime altere was '-'
fünfzehen ierig, also der texst seit von puncte zu puncte, der hie
ane vobet und alsus sprichet:
— -So'' ^» i)a«ehach lü einuD litea, da« shdui^ junge liiubvii icul iif Ire Mabuluiu Im
alt gax nuhe iu i^inre stat bi elnanilur seseKseD ivornnt. und ti norent lulltuiDfiniln
f«r piH« (wnallon und wnrunt (rar hnlt oiimnder .... gedruckt bei SchmÜI, -'
trikuhi'f von Ha$d 79—101. Schlug: lisrumli so >ol meii i-ar billirlii- uad garac
lewari'ii ^nUi^s früuden liuiuiuliditi sin. Darauf ZuaiiU Xiholaut von Löuetu;
Wie es nii der sohnnen edelen iiingfrowen ergienp, des kouf-
manncs frundin, do seit von allen disen bi'icberen keins nüt von; •
aber er sclireip es mit sin selbes bant der aller ersten priester
eime /u dem ( runenw erde m eime briefe der seit du d «ii
II f 1 1 k t L I l ht I t 1 d k f
do sprach si widerumbe zä iuio : und sol das wor sin, so wil ich mich doch daruinb
ndt Ton dir scheiden, und also du die m&ter hest genoraen, so wil ich iren sun
nenunen, und se do alles min kleiueter und ^ip os dareh mines gemahelen willen,
und donoch ubete si sich nun jor in allen tagenden und för do us der zit in solicher
5 andaht, das er sich fersibt, si sige nö vor gotte öin gros heilige.
2.
Dis ist das buch von dem gevangen ritter, des der liebe fnint
gottes in Oberlant kuntschafl hette und ouch sin heimelicher
rotgebe was in geistlichen sachen, nochdem do ime die über-
10 natürliche gotteliche gnode wart und us der gevengnisse kam.
des selben gevangenen ritters leben und alle die grossen tröstlichen
mirackele, di got mit ime wirke te in der gevengnisse^ und dar-
noch nun ior, das schreip der liebe gottes frünt in Oberlant
RülemanMerswine, unserme stiftere, sime lieben heimelichen
15 gesellen, von worte zii worte, alse dis buch seit, das hie ane
vohet und alsus sprichet:
Viel lieber boimolicher fruut in gotte I ich lo dicb in der worheito wissende tJO^-^iö**
sin, das alle dise ding rehte also boschchen sint, also du si hie in disomo btichtriln'
feschriben rindest, das ich dir mit Rüprehte mime knehte sendende bin.
^0 Xa Tohet dis bucholin also a.ie, das os beschach zu einen ziton, das zwenc
iango edel knehte, die do wol uf iro zwontzig ior alt woront, das die einander gar
holt wardent, und wurdout gar usscr müssen gute gesellen mitteinandor .... gt'
dmelri bei Schmidt, iVr/y. 139—186. ScMusa: Nu vil lieber und aller liobestor
heimelicher frünt miner, du solt wissende sin, das icb dir gescbriben habe von deu
So nän ioren dis got minnonden ritters loben, wie er dise nun ior vertriben bot, das
stot alles an diseme buchelin gescbriben, das ich ouch selber gescbriben habe, also
ich es selber Ton diseme got minnendeu ritter gesehen und geboret ha*)e. und
hammb vil lieber beimelicber frunt minor, so habe ich dir dis bucbolin usser gotte-
licher minnen hinabe gesendet, wanne du ein anvobender mensche noch bist und
^0 euch hei und iung in der genodon bist, obe es bescbehu. das dir ut von solichen
stehen wurde furkummende, das got mit dir würkende wurde, alse diseme got miu-
nenden ritter gar kürtzlicbe bcschchen ist, so kündest du dich desto bas dernocb
ferihten. und ist es, das ich üt me von diseme got minnonden ritter befindende
worde, !comme ich denne selber zu dir binabe, so wiU ich dir es mit dem munde
'^ sagen; were as aber das ich nüt hinabe zu dir kummen muhte, so wil ich dir es
aber scbriben. Nu vil lieber heimelicher frünt miner, du solt wissendo sin, das alle
dise ding unser liebe frowe an irme lieben kinde zu brobt bot, also das ires lieben
kindes minne in in verflossen ist, also das si eins mitteinandor worden sint, alse
verre es mügelichent ist.
17 — 19 Zosatz NvL.s? Der Traktat begann wabrscheinlich mit den Worten;
€8 haehaeh su einen ziten, 28 U^et- am Rand. 35 ich vor nüt m\t tq\ax
«inceseliobdn.
3.
Dis ist ^ar ein tmstlich exemplar allen menschen, die du
sint in der ^imssen gnodenrichen Übungen der unluteren heko- ■■
rungen, durch die unser herre sine aller Uebeslen frünt übet, also
diser liehen heiligen, closenerin Ursula beschach und einre wol
f^efründin dchonen riehen iunglrowen, hies Adelheit, die il«-
selben closenerin heimeliche gespüe und iüngerin was, und ir
beider leben ges(:hriben gobent in welscher sproche dem liebe» i'
yottes fn'inde in OberlanL, der es donouh zu tütsche lierabe
sehreip sitiie st'mderlichen heimelichen fnmde Uüleinan Mer-
swine, unserme lieben getruwen stillere, der selbe Rüleman
es den hrüderen zu dem Grünen werde mit sin selbes hant
in eine waha loFele sehrelp des iores, do men zalete von gottes ''
j^ebürLe dritzehenhundert sLbentzig und süben iare, und voliet
hie ane und sprichet alsus:
Üis Ut von L-rsulon elara hailisnu ulaxBoerU teb«ii.
Ilo die TtürUeheii ior «It «iü. do wis b[ gir eiuu icliine InngfrowB and woa<H
< 3li:i—391. Se/ilu
Disor zwtMfior iinchgesrlinhener lieili:.;er ulüsterlrnwen leben
s(-brei[) der liehe ;ii>lles Irünt in ' ) li e r 1 a n t heralie un:7(.'rmi,' ■
lieben .Stifter liiilemanne Merswine zu eime gebesperliihen
tnistlichen exemplar. der selbe Rtitemiin Merswin es den
briulern zu dem (ininenwcrde mit ain selbes hant in eine
wahs tofele schreip des iores, do men zalete von gotles gebürte
drilzelienhunderl sibentzig und alUc iure. '
^mblti
efroHe
D iuae
worent, dia
sich
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mit singendu
und mitlesende
und iDi
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diseme cloitete.
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it läbatent aii In
üTussem
a rridan uail
ürBHt allB
zit f
'.Ikh
und wo] ?
nifit aiitio i
n Iren tot.
5.
Dis ist die geistliche stege. die dem lieben gottes früDde in
Oberlant in eime slolle geolTenboret wart, alse er selber seile
eime andern grossen gotles fn'inde, der in do frogete noch eime
für sieb gonden wege, in dem iubil iore do men genRome TAr,
in dem iore do man zalte von goltes geburte dritzehenbundeift ^W
und fünftzig ior.
Zweue gottes friinde, die baidu einauder gar liap hettunt kiimant zu einen zitau 69b —
IN -taioone, noch dum do su wol |in| eilt iiirca ainandar lipliche nia goseboii. hattent.
I und sü vorent unch do «ol utle zwuntiig taga und nabt bigenandet und vrurdent do
iKÜscbent gar lil mitteinandoi radeiida und allo ira heiniolitheit oinandur olFaobaruudo,
wanne au gar Bei einauder gettnwatout. und uoth lil und langer rudu sprach eint«
lü dam andern ; lieber frünt gnttes und di^r luiiie, ich bitta dich uaiar güttalicher
minnen, das du mir sagest von einru Sachen, die ich dich fragen wil .... gedruckt
ö Ui Jundt, Rubnan 119—136. Schlias; nii dai liubi^r frünt gottes und dtT niine,
nü habe ich dir uuch gAseit, aUu ich dir gelobet habe, war mir und wie niir doiü
lebolfeu wart, also das ich Ottawas zu g^ttelicher niinnan mit binra grundeloaen
erbermedu kiiuiiuen hin. und dns bat gaton die lieba luinnerln sancto Marie Magda-
lena, iiü beHChach as an dem ein und zwontiigaiiton tage, das disa Üaban gottes
It (ründu urlop lü samene noment und von einander sclii'ident.
6.
Dis ist von der geistlichen leiteren, wie der mensche von
dem heiligen geiste wurt geleret uf gon von einre tugent zu der
anderen, von dirre selben leiteren | der liebe gottes frünt in 0 b e r - 7 t""
'> lant eime anderen seile in einen pfingesten, also sii mitteinander
redende wurdent von den schedelichen süntlichen löifTen der
criälenheit und ouch von zweyger leye got minnender menschen.
la dem lue do man^ lalte von gottes gehiiita ^ritzahenbundert ior un$ dbeu 135'
and fänniig ior, dar aalben pflngssten da rettont zweno grosea gattas fruade gar vil TTh — 1
mittelniinder von den frümailoii iviindürlirhen »untllch
•Ibs bi ml fii itor criituubBlt rvnd« i)
ntaalfVDlllklicbu us uniier hurra richel.
mul« lulxel nianseheii war trplleat aeo
und vll in ditra rüde «uroni rexiii, do «pracb der fiac ilsu«; oh liet
nAt (rAmadn iincb wunder, da» i>9 got in der crtiteuhelt riebet, wenne nicn io i
gsgcnwurUgDn litan »S*b gu sliÜDinle lätiel cot minnvndcr nionsrhen rindet.
urdent oiich dobl gedoncki'Dde, "if
'iDiedeii HUchan, de« ouch ^r ili>'i-
1 du dl<i! iwene gottos fründe Innp
sh dai
H rn
I ut
Doch I
moinoit .... a*dittckl M Jundt, Bl^l^m^ 137—146. Sehhu: Ach rtl UebH
FrAnt gutta«, e» int ril lihto lA dl<«inc molu fonbe, wir mAient ril litats lA nl <i' 1
cetiuTiire uud trostc-R niltulnnndcr pihcliut hm. wir sullunt uiib «idoi heim nwubrn,
iodermmi «il ninru ji-solloschafl.
Das fi'mckelin in der seien, das der heilige geist nach vil
grosser Ijekorungen tut wahssen in eime iegelichen got minnenden '
metisclieu alse lange, untze das zu iüngest ein gros inbrünstig
hitzig minnen fi'ir darus wurt.
' Kb hanchath oiiie nit, don iti» iiingvr brAder wart gunde tu oiine iieillgen al^
vitlor und wart mit Ime nHloiid« und «pnali nlaua »1 ine ; ril liaber nttsr, icb
hltt« ich, dx ir rt dnrch pit tünt und mir rlner bogv nellant sotirurtcn, die itli i'
deh froEon wil . . . . untdi*rt. Sehlut»; lieber sAu, ntt lo dich u^ in ranle p-
iiAgsn, irannu winBoiit, dt» mit >A fulnubrndo Ut, das illn creahiren beide in dt nnd
in «wilioit mit vulle »a^n liitijdeiit vuti den ni»ni(:voUigeii pruasan vcrburjr^n »orrti.u.
alKe Hii d<^r hiiilie:» ^int in hIuuii und mit Kinun frnndoii wurckondv Ist. hiruiiib
vll llubur siin, hi iiIpi disu gesclirift. disc rede, alsn ich su mit dir p^ret iiabc. iini) '-'
nlm Uli nüt von mir: wanni' »iüsi'at. iili bin sin niil f:esin, der beilige feitt der hat
liriof lind wihrip in s«llHir alu' an fin kleineM brith"lin, das du L-nwi^j geliben mihi,
wu du triini'tt reht r,A bind':, und bebep du dlHnn Itrinf und nbe dicb und lern lastr
in dlii>:uiu brii'fi.'. und ist es. das du du^fi knuimcst. alKn des du wurst sonuninieii '
in disH nciisu« riiOn' >.ns«u iibi-riiiiturliihi.. iniiiiin di'n liüili^fn (seistss — lieber «un.
kbüiidi^, nii li''lii'T suii. L's niBic r.it >in, du> du »id-^r lit'liu Eaiigc-.'. also nam der
iuDg.. lirüdiT 7.11 rlitn »Itvniti'r Iir1"|> und naiii »Intn briuf und daiickuti- ime \aA
und biit in mit grinMiin- uriii'-l*, das ur »in nulU gedi-iitkun und p>t für In bitltp- ■
viiilt.! das Mii |.'lii;ii g.'be>.siTt nurdi', »unn« vi lii^tto iin paiiitpn viill«n, alif.-. rh
Item eine letze, wart eime iungen brndere gegeben in eime
urden, wie er leren aolle alle untugent iiber winden. '■
Dis iBt gar eine yAte lotse, alse sü eimo iungcn bruder in eime orden von aimo 87<^— 89*
elter gegeben wart, xü dem er ging und sprach: lieber vatter, ich besserte gerne
min leben und ich bitte ucb, das ir mir durch gottes willen wellent roten und eine
letse geben, domite ich ane vohe nnd geleret werde, was ich tun sol, also das ich
5 ih eime guten Tollokomenen leben kämmen m5ge. do sprach der alte : ach lieber
ran, nu wissest, das es nüt g&t ist mit geswindon werten us xü sprechende ....
UHidiert. SMum: nu tU lieber sun, d.se letxe, die ich dir hie geschrieben habe mit
der helfe gottes, do bist do nüt alleino inne gemeinet, do sint euch andere menschen
inne gemeinet, die euch dinne lerende werdont. wanne ich ein alter man bin und
10 nüt lange in dirre zit bliben sol, darumb so habe ich ouch niinne, das ich diso letze
hinder mir losse. harumb vi! lieber sun, so bitte ich dich bi gehorsam me, das du bi
mime lebende nieman tod mir sagest und ouch diso letze ussor latine zA tütsche
scbribest. wer sü danne bedorfende wnrt, er sige pfafTe oder leye, dem lieh sü also,
das ich nüt darmitto vermeldet werde, nd lieber sun, nü tu wol und halt dich under
lö den brüderen demütikliche und senftmütiklicho und sist ein süsser bröder, also das
du den anderen brüderen keine bürde sigest.
Diso letze wart gegeben und geschriben, do mon zalto ?on gottes gebürte dritzehen
hundert ior und riertzig ior und fünf iore. 134&
Q
0
9.
Item von eime eiginwilligen weltwisen manne, der von eime
heiligen waltpriestere gewiset wart uffe demütige gehorsamme.
Dis ist von eimo guten heiligen waltpriestere, wie der eineu weltwisen oigin- 89* — 96*
willigen wol redenden man wiseto und zoch zu rehter gattclicher worheit, dobi alle
^thertzige got minnende menschen mit ernesto mugcnt warnemmen und bekennen,
2o wie gar sorglich und schedelich eiginwillikeit und nngelossenheit ist .... nnediert,
Schiust: ach lieber mensche, wissest, das ich nüt alse vil worte mit dir geret hotte,
wenne das ich geloube, das ich dich in dlrro zit nüt me sehen sol. und ich bitte
dich nnd mano dich der grundelosen orbcrmedo gottes und alse hoho, also ich dich
gemanon mag, das du alle diso wort, di ich ietzo lange zit mit dir geret habe, nüt
So Ton mir nemmest, und nim sü alleine von gotto, usscr der minnen quollen alles göt
fliessonde ist. unde globo mir ouch, das du es niemer wellest von mir gesagen und
mich ouch nüt vermeldest, wer ich si. do sprach der sinneliche eigin-
willige mensche: ach lieber herre, ich wil üch gerne globen, das ich üch niemer
Tormelde noch diso minnesammen wort, die ir in so grossen truwen lange zit zu mir
^'i gesprochen hani. niemer von üch gesage. doch so bitte ich üch ernstliche von
grosser gottelicher minnen, das ir mir erloubent, das ich diso selben guten wort
möge abe schriben, wenne ich sü alle gar wol in den sinnen behebet habe und ich
wil sü ouch mit uwerme urlobe in der meinungen scliriben, das ich min leben dernoch
mit der helfe gottes umbe keren und besseren wil und ouch das ich es minen genossen
^0 and minen gesellen zjigen und sagen wil.
Dosprach der liebe waltpriostor: es ist mir licp und ich orloube
dir gerne, dat du es abe schribest, also das es nioman befinde : wanne bofünde men
o** -' wOk^/ S8 urifferme!
i)t TOn mir. ich tinic« iu ein andur IftDt. <1» leb u[
liio. nJnti niiu ävr sioDBlii'hs Tuntuafligi; «iilradei
hsiligBQ «»ItpriMter iinil lohiet von im« des totes,
dritiehoDhunilsrt liir drUaig iiu'l shta iot, und heusi
Vttd darumb lüt ei nutilirh uail gilt. d>« me
Sanie lebs nuih Imio rot« oaa algiii«ililkril und
arnsiitlii'bD hi'itc vor inDniemlüp^n sliinrlicboii uiinaUiirfljpia bshsiiden «arten, dotmi
tant irero uud bUbs bl olite
lUAU urlkip TOD dam 1i«b^n
meD (glBtc TOn jullsi rtburdi
liin It^bon ^r erünliclie.
■Olga Jon irottvt trüpdan nnl
» nien «[eh mit nllonn- llisii'
10.
Dis ist die offeiiljoruiige, die dem lieben gottes friiiide in i
Oberlant in einre kristnaht geoffenbiiret wart in den zilen, do
die grossen erschröckenliclie erlbideine alle koment
I* Dl« gewulUg« kruft 'In vatturn, dia wiKholt des tiAneB, diu minDf du» lipilljci"'
t^slatw müsu um imtar liurUw uiiit iiilsit sule mit kraft be«ili«n. Amen.
K< hosebMli in der lieben krlütnsht das «viben iar««, do men iil<>te rvn gnti» I
gsbiLTt« dHtiebenhiindut lai (ünftiig und leht lar. das eiiiti iTsatom. ain manacUa.
in dui iclban a&lit ulfe dia tiilttamabt groBjar knuigbalt au ain »olbe>< natura gttitr
nart. und dar »alba mansth« stant u( i-uu sinen knowan und aatte *iph in dar bBlbnn
mejniuigen nidor, das or du' naturcn mit dum salbuu g>iganiit«itlgeu grooan hocbfoilt
lä helS« lEummen nnlto und aprach : ash min gut und min harra, ^tai ieb dicli i'
gabitten .... tdiert bei Sehmidt, Nvit. lf(7—20a. StM»»»: das wir unsar lob«
11.
Dis ist fiar (Jrie ^nniiuiirichf lnnvi'^t'iiliilii' inaterie. wio ein
junger weltlicher wol gefnirider man in tritscliciiherron ordpri kam -
und prieater wart us ^nUelichemc Iribondo und ourh us rotfi
eines erlülUeten wolfieborncn |irieritri'd sines nehe^ten moges, ai^o
es der liebe s^otLe^ fnint in Oberianl Rnloinaiine, unseniit'
.'itiitere, herabe sehrci|i.
.Dh (.»cÄ-'lin rf»,T 0
, ileiii bi-iili'jn: gesemlet r
<h, B,:stU' g.fiil.
147 — ItS. SMum: der iiingeling naiii alles siu git und i&p es &llos den tütacheu
herreo. und lü dtuiit. do «r rlarin kam. da bat er. das mea io terra In ein taätt
eloatar gaadan solte. also ^n; dirre jüngeliD[ zu und bat, das mui ia lerste, wiuns
er bette groEse mlunä danj. da» er pricster würde, also half men ima uucb dariA,
das IT priostar wirt. iIkd wart «r eiii grosser heiliger lottes [rüat, mit dem got
. auch lil iibematdrllcbDr wercke rur itlmo todu nürckiad^ nart.
12.
Dis ist eine tofele des lieben frünt gotteä in Oberlant und
seit, wie sich ein iegelicher mensche üben sni »bendes und mirgens,
" der gerne sin leben bessern wil und ewickliehe behalten werden,
und vohet alsus ane und spricbet:
Alle die mcDschsD. die von güttelicher piiniiea oder ran vorhlea der erBchröcken- 1(
Uchen pfloKen dii fegen nerti gen st^rbottae doiü gotribeu oder rarmanet wordent,
du «u sich begerent und meinent lü bessernde und gerne ein Dune güttelieb leben
i5 loltent anu ruhen, den i^t g&r atziimolo nütze und gut, das aü alle meinen, so m
tni Too dem bette u! Stent, eich mit eime geeunultan gemiite lü in selber kerent . . .
tiod süUent also sprechen :
Ach min herre und min got, dis böse siintlicbe werg wil ich durch dinen
■TilleB niidan und lossen .... edieH b«i Schmidt, NvB. 202—204. ' SeUiaa drt
'0 Gtbettt: r^rgip mir hüte alle miae sünden. wenne sii mich ruwent und gantEcn niUen
tab«. dsB leb si mit diner bclffe ninmer me getfin wil.
UMaix (NvL^af) Dia vorgeschribeno kurtze gebet und nützliche betrabtunge
wart einem weltlichen natüilichon man gelerst und nndorwiiet lun eime heiligen er-
Idhtoten gettea frunde in den ziten. do men gen Bame für und men onch gar sero
5 tiate atarp und »il sorglicher pflogen in der cristenheit worent bi den dritiehon-
bnndart und fünFtiig ieren ton gottes gobürte. wanne des aelbeu woltlichen mannes
Semüte iraa alse gar zersttovret und lerspreltet in weltlichen natüilicheu Bachen, dos
ime die g6tt«liche geistliche Hag nnsmoglich und urdrützig «otent, daa ar weder
bettau noch nüt gutes tun weite noch enmJhte. das ime Sure würde oder wider sine
0 natore was: und darumb under want er eich die gebettes durch der kurlie und Uht«
willen, und do er oa anlange getreip. do wart er alse gar grealichii dardurcta he-
gnodet und begebet, das gut so grosse wunder durch in und mit ime wnrckate, das
lin bihter grösUche ron in»- gebessert wart und in bat, das er in dis gebet Uesse
abe sehribeD. das er es sinen guten [runden gebe lü lerende, das aü sich sin onch
S udcr wündsnt nnd derron gebessert wiirdent. in der selben wias und münunge hat
et ODcb eia begnodeter übernatürlicher gottes frünt vnr ril loten Tun Terren landen
kar geachifben nnd geaendet le li den ziten, ne iinsor hene die criatenheit mit
stsriH>tt«Q oder ndt anderen erschr5ckenllchen pflogen ane greif, und iat noch nie
ijgeaüiehtt nnd dumahtikUohe verkündet worden noch das lieben got minnenden
0 Msdei baglrde und msinnnge. darnnib' het er es nü aber' ds grosser göttelicbet
nlmiaD bar Tarbotachaftet und begoret, das es der gemeinde mit emeate Terkündot
warda iu dUun soKuuwoittfan lü^Uvkra illfan und onehrnclioiillchini iterbatton di>
»in und ihttigoBtaii Inr« »il rfiiro eetruwaii rrflutllcliBii «ininnr', doTon si'b menn-
Iluh ki-ro run tätllchun piündDit niul sieh «rsobo in doti «iüen jottoi nort dl«t
knrtxou giiodonriv^un oidtuun^, dl» ninmui tabludursn noch Kdrreu nug an aiiu«
toffonchaii wcrcko, sinr« llptic^ban nsrnninii, niicli An l(stni<i g;DU»s dieneaU, andehUpr
ttfltnbtuugo odur gabetbi, dn<A »ti^h dor ni»iiBi-hH i^uosunt bat (iiter iicliuldif l«t inn
crlBt«nllRhu[ ordiinung«, von galgbeda oder von (ruIioU-a : wttien ns nA gar uotdurflie
t«t In diBBn si'irglichen HBndelbfrnn enehrScki>i>licHi.'n xiton. dis sirb t>ia iafnllcli
Bienaolio varsorKo und lianra ifi dani nuaneatan mit nino gAtiHi güttallcben fürutiii.
amb dwt iiieniiin iu oiniR Hollolien eab'in ituUe vi-rH-nrlcnet woiile uatl unbenut in
doa owtEun tut tiiii. dtnimb töllant alle msnti'licn hlllicbc nilnne bletu hslieo, ei'
waltllch. wie vitde oder nlo roilogsen sü laeli ininri iilul. natleat iti »llting il1<
gvbiit und diao bntritbtuDfD an sli^li uninmnn nnd üben allo Mk« niorptn* and obnndc-,
in «urt Tnn gotto dnrdiircli rofubon oln itCilar anafmig, «in Iwanar' mMn] luid aib Doi'li
rucin. >luti1 II
. 8*11. n
13.
DU ist das baner biichelin, und ^\-ariiet alle gnthertzige
menschen gar eigenlUelie mit groaaeme emeste, wie sü sich hüten
söUeat vor alleme vaUchen rote.
!■ Alle dla inentrhan, die pirae dam bildn cdttt nuob>ol|roDt mit guitieiiie anmte !'
und mit oiDie rustoii guublon criateii ^aubvn. den titt in diien aür^ichan [«cu-
i/rdriirkl bei Jimll, Lex ttmü äH:-.
-402 Sckl-if
iiribon dia« vi
II S'itti.-. dD-t e
14.
Diö ist (ias biiuh von dtMi ilriini (lurc)ibri'ieliGn und von eirae
wol f^clcretPü richi^n plallen, der alle iiatrirlii;he lipliche li'isle
vprsnhle und docli noch pinrn mutwilligen meintinge in allen
33*
■eaturen keinen vollekomenen lust noch genujjede nie vinden
mde untze nouli sinen fünf und zwentzig ioren, das er sich mit
■neste wart zii|gotte kereiide und ein begnodeler erlühteter iii^
idehliger priester wart, do vant er alreat rehte geniigede und
tntzen vollekomenen friden und fröide in dein heihgen geiste,
irus er meister Eckeharten, den grosten lerer, strolTete undgrös-
;he geljpsserte, alse dis buch seit, das Rüleniau Merswin,
iser lieber Stifter, mit sin selbes hant den brüderen zi\ einre
^besserlichen lere in wahs schreip und hie ane vohet und alsus
»riebet:
Ks sint drii; fruguu, iu dup uUes das begiiffou ist. das einiu aac vohsudan msnsclieii n |l>— ]]<
■1 oimo zi'i U'Miiiuenden niuiischKii und einio vollekomoaen moiisuhcn lü gebürgt, die
ito fruB"! ist ... . edürt bei Jundl, lUstoire du jianüiciame poptilair4 215 — 2SQ.
Idnaa: ner diu bncliiiUn liset iiiid es mit geiwe untze und« us wol vsrstui, iu
«in ^wor ZHkhtiu, daH er noch niit eiu iure nmnsvhe i«t. hanimb so mag oh
nie leseu ein aii-^ vulieiider uiensuhe und uucTi oin lü neinmauder ai<!nsehe, nnib
« Sil darioiii; Ktiidier''n und lareu BÜllenC. also lauge iinil aUe t|] nutze an dio
, ila'^ Sil «■■ mit der li''lirc eutles golvroilt labont.
15.
Dis sint die siben werg der erbermede, die unser lieber herre
listliche wi'irket mit eime iegeliehen menschen, alse dicke er in
irdikliclic cnpt'ohet in dem heiligen sacramente. die schreip
üleraan us eins Juristen bleich und verbarg darin sine hitzige
brünstige begirliche meinunge, das die wort gemerret wurdent,
e er sime ebenmensehen von minnon wol gunde und sü doch
iB demütikcit gegen niemanne wolle ölTenliche us sprechen, und
t ouch ein iegelich werg der erbermede beweret mit der heiligeD| 1 19''
rüche und ouch die siben gohcn des heiligen geistes darzü ge-
hriben usser eime anderen buche, das die bewereten lerer ge-
abt hant; darus ouch hiezii gesc-hriben ist, wie sich der mensche
Teilen sol, das er möge wijrdeklich enpfolien das heilige sacra-
enle, durch das got mit ime möge gewurkea die vorgenanten
beo werg der erbermede noch aller wise, alse sü hienoch an
seme gegenwertigen bijche geschriben stont, das alsus ane vohet
id sprichet:
Dil lint dis »iban werg der otbermede, die unser herre nÜTkondc und übende ijgb — lai
■it dt» menBcheii. von diseu aiben worclcen so hchenliat er in die sein die
•«n (obeo dm heiligen geistes .... uneditrt. Sekhti: wanne got Tollsbrfngot
16.
Dis ist das buch von der iürkomenen gnoden und von der
verdienlichen gnoden, in dem oueh gescliriben stot die siben jtoben
des heiligen geisle* in einre anderen wise, dozü der Hebe Stifter,
Rüleiuan Merswin, von gotte bebvungen wart, das er dis j
selbe blich schriben müste in sime aller hindersten siecheLaßeii
der grossen geswulst, des er oucli ziihant darnoch starp. und do
er sich dis schribendes usser grosser demiitikeit weretc und sinf
lipliche grosse krangheil für bot, domitte c.v sich des schribendes
gerne entslapen hette, do wart inuerliclie von gölte zu ime ge- m
sprnchen: was ime die krangheit sines libes schatte, got Hesse
ime doch das houbet gesunt und starg, und er endorfle es oueli
ime selber nüt /.n legen, er solle es in das bnmlouC biichelin
schriben und die ere gölte geben und das werg zu legen bnider
Johanse von Riisebnich. dem Heben heiligen waltpriestere u
nB aUdm ou de elbe matene ane gefangen und
begr e und a u p h
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in ria^ zu I«aendu und d&> erat« cippitsl lanite loban, so niöbte diDDe (K)t ntt
feloBseii. er hällTo ime färbu zfi dar fröUchiH jnbUiBrendan genodeu. nad «o m
Ilse lange darloae VLndelnde •rürde in groaiar damütlger gelauenhelt, notie du lü
ime got Wider nema, bUbe er denne Teste und stete in rahtet seborsunikait nntia
• as llt würde, so bülffe or ime fürbasier iG einie gu grügsecre, arnürdlfeire gnodeii
die da beisset irmilt das gaiBtes. ni^lre mensche bie iane feite und »tote bllbe und
sä litte mit eima kiiDon lerwe^DQa gemüte, alge liaio ilsa ea got biben «olta, lo
uttte er in danna Ton diser BToaser innfit In grosse übenisturliclie frStde. die über
alle meDsehlictae slnna werent und alle bertzan aüt betnhtan knndeDt. du tat dt*
) rierta cappittele dis büchellns and baisaat die lübenda foba das heiligen gelltai.
di> tnne warda er oacb Temtande lUe undcncbelde, vu lA tAnde nud ti losieode
wera in natiirllcben und übornatilrKchon sieben, winna ime imrt danne gegeben, das
ar sieb mag in keran, wenne er wil, nnd mag renton in dur beluiellcbalt ilsollcbe
«Ott, die alle unsere sinne iJber trelTent und in nnrentantlicbe tst. und dirre Denioben
' eins das ist vor gotto llfbor und Herder dinna toicnt andere manscben, die noch
utieicendig *int und klcheude blibeut an dirre aiginwiUlgan visen und docb gflM
erbtre moQschan lehinant und beisseat und auch gSttelieh sint.
Zweiter Teil.
Hie Tohet anderwerbe ane drie tofelen mit iren ma- I
io terien.
Die erste s«it tod den buche mit den niiii veilsen ; die andere von dem
buche der zweier menschen i die dirte von des metsters buch mit der übersten
ulen der drie und iwentiig büstaben des abecees.
Dise selben dm hnndersten bücher irnrdent nüt gemeinet zä schribende
'■i in kein dirre sweyer tntschen memoriale bücber, alse oncb die mbehcke seit
lü alter vorderst in dem kloinen tütschen buche, aber dnrch das ir von
nnahtsamkeit deste minre vei^esset werde and onch nüt verlom werdent
nnd den brödem ander zogen von ns Übendes wegen, sn ist ane gesehen, das
me leyen denne pfaffen sint in des lieben sancte Johans orden, wanne er
c nffe ritterschaft gestiftet ist der cristenhett zii eime schirme, nnd sünderlicbe
dis bos indem Grönenwerde ns g^ttolicher fürsihtikeit ist emnwert
worden z& eime flabthnse gütbertziger menschen, in dem noch tU leyen
mühtent wonende werden, die nnt Istine knnnent, den doch die tatschen
bncher gar nütze nnd tröstlich sint, also das die pfaffen nnd die leyen von
19-3S-18 rot. H blau. Zum Texte Tgl. U'Ü.i u. 33'S9. S7 vtroguitt!
tifiülUfmf*! 88 Cberdio Natilicbkeit deutscher BOcber tgl. Traktat 10 (Schmidt,
XtB. 199); «aber solicbe büchelin, slse dis bücbelin ist, und euch mdor tütactae
b&cbar, dia onch in dirre mosse sint und euch nüt wider <lio bailige geiebtift sint.
allen disen materiell besletigut und gesterket werdeut m miaDou und in
lüversiht. domitte sä in selber gemeinsamen t und fruhtb^r macheut die bnider-
liclie trawe und geselleschaft der würdigen patronen and d<?r minnenricbeD
erlühteten stifter nnd der grossen gorioden dirre heiligen hovestat and alles
das gut. das got in zit und in ewikeit mit solicben sinen frnnden, nnseres
getruwon vetteren, In übern atürlicbvr wJse ie gewurkete, alse zii tatinc und
zu tütsche in disen drien gemeinen meinoriale biicberen geschriben stot.
die selben mat^rien onch alle darumb alsus hie versamelt siut in der meinon^«,
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37*
14. Item das vierteebende cappittel Geit, wie got Ua^fet von deD be-
gehsrten.
] 5. IteiD das füDftzehenste cappittel seit, wie got klaget von den fceisero
and IcÖDigeD.
^ ll(. Item daa sehtzehenste cappittel seit, wie got claget tod den her-
tzogen.
17. Item das sibentzebensto cappitel seit, wie got claget von dm edeln
lütcn und von den rittern.
1 8. Item das ahtzehenste cappittel seit, wie got claget von den bürgern
11) nnde von den konflDten.
19. Item daa näotzehenste cappittel seit, wie got claget von den ant-
werken.
20. Item das zwentzigeste cappittel seit, wie got claget von den gebaren.
21. Item das ein und iwentzigeste cappittel seit, wie got klaget von
i'i den wiben.
22. Item das zwey nnd zwentzigeste cappittel seit, wie got klaget Ton
der heiligen e.
23. llem das drü nnd zwentzigeste cappittel ist die vorrede, dem man
spricbet ein prologos, and seit von eime hohen berge mit nun velsen, ie
-0 cinre obe dem andern, and welre leye menschen nf eime iegelicben veilse
mit snnderbeite wandelent.
24. Item das vier nnd zwentzigeste cappittel seit von den menschen,
die do wandelent of dero nidersten ersten veilse; nnd seit onch von aime
garne, das indewendig des selben ersten veilses über alles ertrich gespreitet ist.
-'> 25. Item das fünf nnd zventzigeste cappitt«! seit von den menschen,
die do wandelent uf dem anderen veilse.
26. Item das sehs nnd zwentzigeste cappitel seit von den menschen,
die do wandelent nf dem dirten veilse.
27. Item das siben nnd zwentzigeste cappitel seit lon den menschen,
-<u die do wandelent nf dem vierden veilse. | ' ]
28. Item das ahte nnd zwentzigeste cappittel seit von den manschen,
die do wwdelent af dem fünften veilse.
29. Item das nun nnd zwentzigeste cappittel seit von den menschen,
die do wandelent nf dem sehsten veilae.
>-> 30. Item das drissigeste cappittel seit von den menschen, die do wan-
delest uf dem sibenden veilse.
31. Item das ein und drissigeste cappitel seit von den menschen, die
do wandelent «f dem abtesten veilse.
32. Item das swey nnd drissigeste cappittel seit von den menschen, die
tu do waadelent nf dem nnnden veilse, af dem onch der nrspmog blickende ist
33. Item das drd nnd drissigeste cappittel seit, wie der vorgenante
> wart betwoogen von gotte, das er selber muste in den nrsprnng
Nu neme war tm üfftli^Ür mauelu, Air dia MtAgea^t^ene hith
von den min veüaen lesen ivelU und vor gelesen habe die vier ior, alse BiU-
man Mersuin, unser lieber alifUr, von ime selber sehribel den anenan^
iins lebendes, so mag er wot merekea und i/entsliche sunder allen eiPit^
gloubenf das got diät niin veiUe auch durch in gesdtriben het, wannt sä
uol miUeinander coneordierent und beide gliche hetlent andemütigen nvrtoi,
an inbrünstiger minnen und an übernatürlicken grossen Kunderliehen tcerektn
und gaben golUs und auch beide mitteinander geschriben wurdent in dt»
eilen, do Riilman wm gölte betuiungen wart bücher eä schribende, alse die
daten sagent, die beide gliche sinechent in disen zweyijen biichern, den niin i
veilsen und den vitr toreti Rüleman Meraicines anecang. Kenne in ir
iegelieheme ai'tnderliche geschriben slot, das es roUebroht würde des iores, </«
men lalle von gotles gebürle dritzehenhunderl ior fi'infzig und ziiey iort.
' Item dns erste capitel ist die vorrede, dem [men] sprichst ein prologa.^,
und seit von dem nutze dirre warnenden lere-
Allu (
mit alma gras'sea guitZDn aij fiigendati ui'nesto, waunr Ir sitUont dfti wiatca : wei
dar «Hiten aloD8('lIl^ mre. dnt dit bbob mit Arne fMen ^nUva sinoitD lUct «dar
hürut luafin ran TartiRa lui untw en^t i», er mfie sin Ivbon besietii, er «alle daniu
Nlber trefcallcho nad mbtwUlskllFtia In üwu ndudeo blibeti. iit »ber er (In (Ol i
eri«ton men»oho und liPt «in luben geboaicrt und ""Ito sieh gorne <il gotte tSgou. ili"
Biid.^ kinr
, .ioi- .
L-eleiut, niin,;
t »r dvr luru war mit ■
■Xüw iTf<il?,;iii1i'ii rnir-^re: -t wurt goI,^r<;
din ruht" ^tru
■SS. ist. di.i du iif SBl m
siinu iirsiirunfi^ iiiuu viudut gar littz^'l n
in disf'n zitei
n, li-^unt Sil dis h\K\i 111
iid iirmtiit der Ivru mit i'imc rpbtun ><m-
sii N«lt™t «1.
1 hetindan mul ■nudi b-^wi
sBt nerdou. na sii noch ck-b'mt iiiid .va~
invl iiiul wi
<» iiut nrt.; -■
IS dur ImftBii siiit, dun
li... n.ht.. ^iro.-..? liiLiniii,.
ii»8 Sil B.-fangHn siiil und goirrut werd
Mt. dii- dii uf (tat IN irino Hrsprutigu. .ii-
e
59*
büih, (Us ■Uen criatau memcliaii wol ifi lehörat ztl leitmda; ar si wie adodii er wall«,
et ist im nütze lü lesende : ar si wie beilig oder wie «ullakoneo ar d, ea tat tma
euch ane schade lA lesende.
Die erste rodo iat. wie eiu monsche betwunsen wart lon gutta, du er dis
i buch schriben müsta.
Die ander rede ist, wie diseiu menachaD frömeda bilde wordent tot lahebet.
Dia dirte rede ist, das disen measchea wart goloBsen sehen und hören dar
cristenhelte gebreste.
Dia Tierde rede Ist, das disen insniehen wart gülaeseD sahen ein lar imwelicber
0 frosser hoher berg mit aun failsen, und wandelteat uf isdem Tsilse eiisteu menschen,
und ist ie ein «ails oba dem andern untie uffa den beri.
Item das ander capitel seit, wie eioem raenscheo gar vil dbernatörlicber
frt'iineder wunder wnrdent gelossen sehea, nitd «ie er onch betwongen wart
dis buch Ton den nun veilseu lä schribende.
i In dem naninicn unser: lieben herren Jhesu Christi mfiasont alle unsere werg li
i»lla enden und rolle broht ^va^deD.
Es beschsch In einen ziten in eliiie adveatfln >nr dem haeh[Olit« unsars lieben
herren geburt an einer morgen stunden trüge, daz ein mansche wart rarmanet, das
er gar geswinde gölte gon an sine heimeliche atat. an die stat, do sine gowonhait
:ii «ai he im all che lü bettende Sehlusa Hl, 192*; dis buch wart ane gefangen zu schribende
in der vanten in dem iare, du nieii zalte vDn gottes gabürte tusent iar nnd viardehalp
hundert iar and iwey lar.
NIaman bedarf noch easul frogen. wor der mensche si, durch den got dia buch
gescbriben hat; wenne dicra luenscho getruwet der g.'iti gottus gar nel, daa sü in
!S behüten und beschirmen sf>l. das es bi sLme lebende uienier cveature befinden sei.
und wer an diseme buche lesen wil, der hebe vnmau an lü lesende und leee es iintze
SQ das ende us, er rcrstot ander dur sinno niit ruhte nel, die an diseme buche
geschrlben stout. und wer denne der menscho ist. der dia buch von lomaa (ui uQti
an das ende ua liaot oder höret lesen, bessert der nieusehe sin leben uilit von dirre
10 Däticn warnenden lere, die got selber gesant het durch eine arme ereiture : wer der
mensche ist und sin laben hieran uüt bessernde ii^t, der mng wo] erschracken und
lärhtende sin, das got werde attowas rallendes liber in rerhengende beide bie in der
lit and demech eweklicho. das wie uns vor dirra niitien warnenden lere unser laben
wol bessemda werdent, das helfe uns die kraft des ratters und die wishait des sbnes
5 and dia minno dca hailigeii geistus. Amen. { I
Dia ist die ander tofele dis hindersten teiles, in der die capitele ?on Zt
den twayen menschen alle von erst hie genennet sint und namhaftikliche Mm
• Ä
doieh i«t de* annoD menschen, dnreh den got dlsa warnende lere gpecbribban hat*
(SehaiUt S. 147). Weitere Abweichungen siehe nnt«n bei dem Iat. Texte der Mann-
Intftulieret und mitderzftlegbzeichent; die selbe zak dar noch an allebletUir
eins iegeliclicn capilfils aiinderliche geschribon stot, es si karte oder laiK.
1. Item das Qrsto capitel seit, wie der liebe gottes fnint in Oberiaut,
Rüleman Merswines geselle ansors Stifters, in diser materien geiienil«t '
ist der iiiugor und die ersten fünf ior sioes an e v oh enden lebendes offenbowt»
eime andern menscheti, der in diser selben materien gonennei ist d^r eitere.
'i. Item das ander capitel seit von des andern menschen lebon. der
genennet ist der eitere, wie er sibentzehen ior nmb lief rot frogende and tu
lest betrogen wart von eime valschen eiasidele. i'
:{, Item das dirto capitel ist die erste froge von binderrede, alse der
elter den iüngern frugete.
4. Item das vierde capitel ist die ander froge von nndangberkeit unser»
herren liden.
5 Item das fiinfte capitel ist die dirto froge von vollekummener minnp. i
() Item das sehsti trapitel ist die vierde froge, wie einem menseben
beschibt von dorn inevange, das er gotte dienen wit.
7 Item das snbende capitel ist die fünfte froge, wie es eines weltlichen
men<ich''n sele ergat ~o er stirbet,
a Item das ahte^-te capitel ist die selisto fruge von bredige hörende. ;
9 Item das iiiinde capitel ist die <iibende froge von einre siinden, heiss*t
unknschikeit
m Item das zthende capitel ist die ablest** froge, warumb giMteliclie
gnodn dem monschpn under zogen wurt.
11 Item da', cilfte tipitel ist die niinde froge, wie gar wenig ereii ■;
dem heiligt 11 "-arramente erbotten wart.
12 Ittm das ivi Ifte (apitel i<!t die zohendc froge, warumb so liit.tfl
lerer me bn'digeiit von der erbermi'de gottes.
13. Item das dritzehcnste capitel ist die eill'te froge von dem under-
sclieide eines verniinftigen menschen iind eines gelossene menschen.
Das erste capitel seit, wie der liebe gottcs frünt in ülii>rlaiit uniii'r
discn zweyen menschen der eine gewesen ist, dem die birou, das bluti^f
tnchclin. das schöne vingerliii wart und die andern grossen niiruckeln alK'
wider furent in den er.'ti'U fünf ioren sines ane vohenden lebendes, do er sich
von der weite xii gutti' ki-rete. alsi' er es selber gescbriben jrap unsermc "■
liebni Stifter ttiileman Merswinc. der ime dagi'gene widerumb miistf
XII. f»iltv iin'iii
geschriben geben alle die übernatürlichen gnodenrichen werg, die got mit
dem selben Rülman Merswine vürkete in den ersten vier ioren sines
anevanges, alse er sich von der weite zu gotte kerete. und amb das men
den miderscheit dirre zweyer menschen künue wissen and gemerckeu, dammb
5 so ist der liebe gottes frünt in Öberlant, Bulman Merswines nnsers
Stifters heimelicher geselle, genennet in disem buche der jünger, und der
ander mensche ist genennet der elter, der dem lungeren, dem vorgenanten
lieben gottes fründe in Öberlant, widerumb seite von sime lebende, wie
er sibentzehen ior was umb gelouffen in sime eiginen willen von walde zu
10 walde rotes frogende und zu iüngest betrogen wart von eim valschen einsidele.
Alsns ofifenboretent dise zwey menschen, der lungere und der eitere,
einander ir leben und rettent onch donoch vil gebesserlicher materien und
Worte in frogender wise miteinander von maniger leye. sache und gebresten
der cristenheite. und allewegent der eitere mit den sibenzehen ioren frogete,
U so entwurtete der iüngere mit den fünf ioren, Rüleman Merswins heime-
licher geselle, der liebe frünt gottes in Öberlant, und vohet alsus ane:
In i^ottes nammeu. Amcu. Es beschach uf ciue zit, dasein mensche Ä«/^- 19:)*— 220*
man Merswine» unsers Stifters heimelicher gegelle, der in diseme hiiche ge-
nennet ist der iüngere^ an oinre morgen stunden grar frugo, alse er sin ernestlich
20 gebet pflag zu tunde grosser krangbeit an sin selbes nature befant ; und er stunt uf
von sime gebette und wolte zu helfe sinro naturen sich ergon, und ging cnweg uf
eine stresse und sach. wie ein mensche kam gegen inie gondo, der in disem buche
genennet ist der eitere^ dos er vor langen ziten mit grosser begirde begerot hett?
zu sehende und ouch ettcwas heimelicher werte mit inie zu redende, und do dise
2.5 zwey menschen, der iüngere und der eitere, zu samenc koment, do umb vingent sü
Ton reliter fruide einander gar früntliche mit den armen, und sprach der eUere
z-i dem iüngeren: ach lieber frunt gottes, du solt das wissende sin, das ich habe
befunden, das min hertze in mime libe vert spilende von rehter frnden abe dinor
gegen wertikeit. — Do sprach der iüngere, R nie mann es geselle^ widerumbo zu
30 dem eiteren: ach lieber frünt gottes, du solt das wissende sin, das ich vor langen
ziten mit grosser begirde begeret habe .... ediert hei Schmidt, NvB. 205 — 277
Schluss Bl. 228^: nü der lieber frünt, es ist zit, das wir goiit und urlop einander gebende
sint. nü Uebe.* irünt, der g'ittoliche fiide der si ewikliche mit dir. und in dem
selben worto, do umb viengent dise zwey menschen gar früntliche einander und
^5 Qoment urlup zu samene und gingcnt do gar goswinde mit gar betrubeton hertzen
von eioander. und do sü alsus einander liesseut, das det iren naturen alse we, das
sü sin gar kräng wurdent. darumb liessent sü doch nüt abe, sü koment darnoch nie
me zu samono, es were denne, das sü iren eben menschen in grossen n'»teu be-
kantent, so koment sü zu samene und hettent keine andere | rede mit einander, wenne 229*
'0 wie sü gelugetcnt, wie sü geteteut, das sü irme eben menschen, es were lipliche
17 Mit In gottes namen amen beginnt den Traktat die Hs. H (Lauchert.
Des Gottesfreimdes im Oberland [Rulmann Me swin's] Buch von den zwei Mannen),
welche NtL. als Vorlage benutzt und seinen Zwecken entsprechend interpoU^tt W\..
Dl0^A Y»4»»«Ali^^0iien sind hier, sowie 42*32 ff., kursiv gedrwcVt.
oder BritUIdic, *ö lialtu )niiiieJit> *Ibu« h» dlrru iwaier r
ilaa nit all» guraht« galnsKiiuv aooliTulfei werduitt. di« holfe i
Die dirte matme dis liindtrsten teiles ist dea metsters bikb mit dem
a. b. c. der drie nnd zwetitzi^ biisUben. das dei liebe gottes frünt in Ober- 0
lant. Riilman Merswins geselle, des selben meisters geistlicher snc und
getmwer rotgebe, in eimebapire mit sm sflbeshautgescbribenherabesHiit«
und oach gar eine gDodenricbe besserliche missive, einen sendebrief, d"ii
brüdem zit dem Grünenwerde in den ziten, do die weltlichen priesWrf
die kirche besnngent und regiertent us beni'unoDge nnd gnnste des bobestes, U
vor dem es in erworben wart des iares, do men zalte tok gottes geburte
dritzehonhnndert iar sehtzig nnd nun iar.
Die selbe missire und oacb eine bredige vun dem heiligen sacrameate
ist hie under wegen gelossoii, wenne sn geschriben stont in dem irviii. ca-
pitele des andern kleinen tutscben memoriale bikhes. und vohet hie ane li
eine tufele, in der die capi tele Ton desselben vürgenantan meist«rs leben oud
Übungen alle von erst hie geneunet sint und namhaftiküche int}tnlii!ret ani
mit derzalegezeichent; dieselbe zaledarnoch an alle blettere eins lege licb«n
capitels si'inderliche geschriben stut, es sige knrtz oder lang.
1. Item das erste oapitel seit den anevang des selben büches, wieder i>
liebe gottes fn'int in Öbarlaut, Riilmans geselle, der hegnodete Iw
was, der us gMtelielieme tribene wid drissig milen weges ffir zii diseme selben
meistere der hi-iligon geschrift und in bat nmb eine hohe vernünftige bre-
digc, die der mcister uuch zu bant danioch tet von vier und zwentzig stürtieii
(■iiiä Tollekum nieneu lehi'ndes . . , gedrwcktbei Schmidt: Ntkotauti von Basfl. '-'
Bericht von der Bekehrung laiilers. Der Anfang des Traktates Bl. i'^''''
irirli..,. man. der Ufbf güHfi fr-inl in Oebrrlant. k'ilnian Mer/iri,
I »lifter» geselle, v-.mir. uml .t i>:ir1 />! ili »ili.ii in .luni slaff« cniin
... L-..n In .11.: sl,l(. .!■. .l.L- M:-\-^l-r w^u .... ÄcA/twn /(/, :ill2b -, „i,
iT,.l, .l.-r inun. H"linans geselle: Yi.-h'
. Rh Im ans <ieselle. m- .lariio.li siirntli •
43*
litt, er inöhta keine rfiwe haben, er erbeittete kuoio das taias. nud do ei tag wirt,
do schreip er zu atunt nlder biadoi steh dem priol nnd den biÄdem allen einen
brief. nad achrelp in eile ding, wie der meistei bi ime weis geain, nnd schraip in
allf die wert, wie er mit ime geret hette.
Xn das wir alle dem lioplichen minnenrichen bilde uniera lieben benen Jheau
niristi nochrolgende werdeat, darzA helfe uns die ewige wortaelt Amen.
Dritter Teil.
Dis ist ein eiemplar der grossen grandelosen gute and erbennede gottea,
) das bilUche alle sonder reissen soL zu eime geworeo mwen, nnd dobi sä
OQch mögent geleret werden, wie sil sich halten sällent noch der bekerden,
alse ein alter gnodeuricher erldhteter heiliger brnder in eime closter lerete
einen inngen sandigen priester, hies broder Walther, dem ein grosser
starker nnbetrogener kreftiger rawe wart amb alle sine snode darch das
> wirdigeliden ODsersherren ineinrekarfritag nahtzü mettin. dis selbe exem-
plare wart ODch Bnlman Herswine, anserme Stifter, ID siroe ersten kere
herabe gescbriben von sime heimelicben gesellen, dem lieben gottes Mnde
in Öberlant
Es beschach in einen liten, das ein iunger bcüdei in eime claeter was, und 263*—!
*> der selbe brüder was gia (reroU lebuades in maniger hunde siinde, do er iune beBecket
waa. nd beschach es, das dirre selbe sündige brAder in einer kirrritag naht i!\
mettin wart gonde .... unedifrt. Ziviegegpfäeh emtehen Hnem älteren vnd Jüngeren
Bruder, der von dem dlteren auf den Wrg de?- VoUkommenheU geleitet leerdtn
mU. BL 367* heUet t»: leb wil dir sagen, lieber sun, ich habe ein bücheliu, das
'd habe leb cesdcht usser der heiligen gescfaritt, und ist es des da ut hedacfst, su ateh
In die bücbelin nnd ergetze dich biemitte .... BI. 267*>:
Nfi iet dis daa büchelin, das hienech gescbriben stet, das selbe bücbelin, das
jer alte brfider dem iungen brüder bi sime lebende gap ; und TOhet dis büchelin
'd Unser herre sprichet, das riebe gottes ist in üch. unde wenne es denuu
beaehibt, daa der mensehe dem Heische urlop git und gotte ungeneget in selicber
vIm, tlie hlenoch gescbriben stet, so «issest, das du denne siner gegen wertiheit.
dner idknlitt sichetlieher gevar wurat, deune obe du es mit dinen lipUcben ougen
seheit .... SdäuM BI. S72* : und das ist oneh der zarte sief, ven dem unser
e herre iprichet an der minne buche, se die sele also entslolfet : ich besweer äeh,
dai tr *i iht weekent.
8 In dem dritten Teil, den Nachtrügen, sind die Traktate in der Hs. nicht
Mahr gw^hLt. ' Aaeb sind sie in dem Inhaltsrerzalcbnisae £3*31 nicht tnt^BWnA.
Dis ist gar eioe DÜtzltche letze allen den, der sieb got mit sunderheite
ane genninraen het, das er sü füren nnd leiten wil die neheren aichereu ge-
rehten wege ettewas noch irme »erroageiide inie noch durch manigfaltig
verborgen heinielich liden innerlicher and usserlicher fn'meder bekorangen- ■
diae selbe letze mit dem gobette, das dovor stot. wart gegeben einre erbiren
iiingfrawen von irma bihter, den selben bihter K ü 1 m a n , unser Stifter, gK«-
liche roinnete nnd vil sinre heimelicheite wnste ; nnd rohet das gebet 1011
erste alsus ane :
i' 0 liurro Jbusa Cbristü, min eiiiigeGtuG Uup und loin uscmiilter ü^tnivur «eiiiil"'' ''
lind anurtc, d«[i ich erkum bilu fbr nll« cresturiiu :ii uima AuniUren herti^ liube . ■■ •
juiohiim Oebtit fäkrtdtf Traktat Bl 27Bb fori ; Arhliehi^ to hier, dis rurgoschritx'ii«
gabot udur des günh eüUent ii diuko sprocbou lA uwurine Kenuholn und lidtie J)ir<ii
Christo lind sfilliat lich Imn domltli> «tetoliliche iif oppfuroti 1b slnen «illon —
Se/lliu$; acb Hebe tnlne dDbtnr, und also kmnt all» strite und riinii.';o dar bekDruupn i'
trAllcrhi' imd ritUrliche iis lidnn und hbnr niiideu, so vcrdont U karttlieli* 'i"
tippri'rri' ffeüenliebet mAiisthn und idn k(im-r fniiuniiT rlttoc, tlom dl« Bia mitt {e(ii>'>i>
u( dvin blinxUcbnii faDAi Toii sllnn nnEHleo und hoilifun. Am'n.
3.
Dis ist ein andehtig gut gebet und ermanange tüd dem lidende las^'^ -'
herreil, nützliche and rmbtber allen den menseben, die es tegeliche äbeo
und betten welli'nt mit bogirlicheme berfzeii. mit gnttelicher meiiiungt' und
misacv.1l irre Sünde» ; die m^'^gcnt vil grosser gnuden vim der milten gruiiJ«"
Inseo erbermedu gottes dardurch erwerben und enpfuhen und sunder nll^"
zwifel eweküche niessen. -
gi)ttes, schreip der
vor den vcrscliuldeten kiinftigon p
srliihtete lerer brnder Johans Tanv
•Irkliciie ist do'iii
tancte Dominicas orden eime sime lieben frnnde in den liten, do die
«n erschn'ickeu liehen ertbidemen alle koment des jores, do man zalte
lüttes geborte dritzahenbnndert ior ttntiif; nnd seba iare, i*55
0 »Mo tncnschiin ii«inent mit ernest« un<l mit littem den Tnrbtsn nar und 27:!'*— £74
int -den grossnii zürn uitil die langen TerschiiWeten pflosen der gerohttkolt sottsB,
1 diseino Ure swerlirlin ulTc die nelt gi>Tatleii ünt. denno üii In Til bnndert
io ^Tieleot .... tdiert bei Jiindt, ha ami» 40S — 405. Sckbiti: Dia grande-
arbarnihertiikeit gi>tt^4 die müsse unn sin eine Inbcndig« nfenthiitunte in daiii
t cri^tanom geloiiben. .\nien.
Schluss.
Welle nii ieman gerne dise materien lesen
Und in der selben menschen zalo wesen,
Die stMlent sich regieren irme bilde noch
Von tngent zu tagent libcr alle grete hoch,
Su mögent sü ir wol ewekliclie geniessen.
Die rede wellent wir enden nnd besliessen
Hit diseme noch gonden guten getihte
Und doch nnt vergessen dirre vorderen geschihte.
Wir lerent dobi darch alle nntngende brechen,
Dario wir oach dis gebet dicke söUent sprechen
Zii lobe and zü eren der eilenden not,
Die von onserme herreu hienuch geschriben stot.
Wie gros onch were siner betrnbeten müter hertzo leit,
Das wert wnl eines teiles in diseme gebette geaeit,
Alse wir es hie wellent kiirtzliche ane rohen.
Von gotte siMlent wir alle gaben dangberliche enpfohen,
Alse er durch unsern willen pinltche het gelitten,
Nu süllent wir in alsas ernestliche manen and bitten
Und ouch etteliche der löbelicliesten heiligen zu ime,
Das anser gebet gegrüsset werde durch ire stime :
So mäs es got deste gnedeklicher von ans erhören,
üf sine gnode wir uns alsas darzü wellent erhören.
0 erbannhertziger lieber milter herre Jhesns Erist, 275'
Wanne du das gewore nnschnldige lamp bist
SehluM des Gedichtes.-
Dei belfent ans ir lieben heiligen alle bitten
ÜDa«n) hMTen Jhesam Christum, die grandelose gäte,
Dh er nns vor alleme anheile ewekliche behüte. Amen.
'" Anno domini MCCCLXXXX an sunuentage vor saut Liieien farft.
'I sciliett tereio idtis decembris, da »Carp der erw^'irdige gtiaüieke kern unter
getruwer Datier und vtnorger brüder Ciinrat von Brunsperg, mtisttr i«
tütacktn landen aant Johana ordms; und het den orden geregiert in dem
meistei' ambakle driatig ior flisseclich und erneatlich mit grossen truwen,
wanne er hatte grosse goUes vorkte und vil nalürlteher wi»heit und wo-'
erbern personen und gottes frünäen gümüg und holl, des er billich nii gt-
niesBen sot gegen allen briidem und awestern de» Ordens, daz sri unsem herren
dtste JHaaedieher für in biUent, als si'i schuldig sint ee fände und sunderikh
die briider zi'i dem Grimenwerde, den er vil truuen und minnen bt- n
%eiset hei mit grosser sliire und helfe, als elteliehe ire bi'ieher und briefe leo!
misetil.
Nachtrag.
Dis ist ein tofele, hört bi ein gemeltze von dem jÜDgesUn geriht«, «
unser herre nrteilet alle kiinne Her menschen, einen ieglichen noch sime <e
dienende.
Maria wanne du die müter gottes bist,
So gcniche mit saut Johans Baptist
Von uns keren dins kindes zorn,
^0 die eiigele blosent daz honi ;
Stont nf ir toten zu gerillte,
Ir mi'issent fiir gottes angesilite
iri'iiitL'ug luiitvt : _lo. \K-J. -1. id. |l:i!«J|: iil>iit ruimraliilis ■lI>lnjnu^
US >l u It r 11 riK [><; ri; . iiiu^ist-'r niiliiiis llo^tl'i |>i:r Almiianiaui, in ''iiiii
SMtUS:
Daz welle die gute gottea nns allec geben
Maria, die mäter und niaget, uns daz erwerbe.
ÄmeD, sprecbent alle begirliche anderwerbe.
Dia ist eine tofele von dem sterbenden menschen, hüret zu einer ga- 278*'
«n figuren, wie die tnfele kriegent nmbe die sele, die frant nmbe daz
jid die wnrme nmbe den lip'
Die weit mohte billich tmren
Von dem anblicke diser flgnren,
In der do lendet alles unser werben
Und bezeicbent das künftige sterben,
Das wir alle müssen dulden,
Jederman nocb sinen schulden.
Wenne aber knmme die stände,
Daz ist anknnt worhaftem mnnde.
Der jnnga aise balde stirbet als der alte,
Nieman sich selber darnz schalte,
Uengelich wache und sige bereit
Tages nnd nahtes mit fürsihtekeit.
So der dot knmme nnd ane kloppfe,
Daz danne not nnser gemercke stoppfe
Besessenheit dez giltes, ere oder knnst,
Wollust dez libes und der fründe gunst.
Onch sige iederman siner fünf sinne behüt
Und erwele küschekeit, gehorsame und armüt,
Daz ist die gewarsamste fürsihtekeit und die meiste
Zu ervolgende fride and fröade in dem heiigen geiste.
Sekltua:
Ämeii, Amen, Amen sige dristnnt geseit
Zu lobe nnd zu eren der heiigen trivaltekeit. Amen.
n.
Das zweite ..Übiigg-ebliebcue Latein-Bucb"*.
Eialeitung.
' A!se m"i dise aehste nucbgoiid« rubrike seit, wie dis latiue bikü wu
den Büii vdlsen eltewas missehillet dem tütscbeo an abe gebrochenen wniion
und zu gDloiten gloseii us der geschriit, darnnibist es onch über blibeo üid
anderwerbe in das grosKS latine memoriale büi:h des buaes zu dem Gri-
nenwerde geschribün tob wurte Zii Worte glich dem lütsrbea. alse « i
ns dem heiligen geisto kummen ist ncd sü Bülman Mers win, der Stifter
des selben linses, schriben müsto, wanne er von gotto darifi belwnügen «»rt.
alse ein iegelich mensche sunder allen 2wifel wul gloaben nnd wissen Diig>
wer SU liset nnd vor gelesen het die vier ior sins anefanges, waoce sn wo!
mitte in an der coiicordierent und gliche hellent an demütigen wortcn, an In- I*
brünstiger minne nnd an übernatürlichen grossen wunderlichen werckcn wi
jtnben enttes; und durh bpifi" mitteinander gpschriben wurdent in den üiteu.
■In Kulman Merswin, desJiuscs Stifter, vtingulte betwungeii wart buch«
m schrillende, nlse die daten sagunt, die beide glich üprcchent in Ji^ti
zweygen biichern, den nun veilsen und den vier ioren Külniau Mer- l'
s w in es anofang: wanne in ir iegflichumo siindiTÜche gescbriben sliit, il*'
es vDlleljrnlit würde, dfs iores do man zalte von giittes gebürte dritzchi'ti
buiidiTi iiir liint'tzig und zwey iur. und dis gegenwertige liber blibene lati»"
liiicli villi dt'U nun veilsen und iiin'h ein «■■inplar mit ahtc sext^nien vnu
der oniuwerunge und der Stifter leben und den andern materien. die A-^ '"
buses würdikeit bewerent, ist den drien widtlielirn ptlegern beii'iini't aw\ ^•"
meinet, das sü die us lihen niiV^iit erbern giitli.^rtKisen gelerten liiteii iini'^'
f..riii.'. die y.n aller liiiiderst in diseni biirbc und oudi in dem andern i'i
tut-fli geschrilien stet dureli der leygeii willen, die mit latine kiiiineiii.
Des ersten Stifters hern ninrschalk Wcrnhers von H ün ebur:,' J^' ■'
edeln wulgrbornen herren woffcn sint zu ende dis bücbcs an daz bimlftäie
bret gemidi't zu eime ewigen inemnrialo und gedehtnisse aller unserre iieil'-
kiinien, umbe dir/, erder erste anebap gewesen ist des tiiiidamentes und des alif"
«>
gebnwes nf die ode ruhe wilde hofestst, fonl hegehter bürsten und wiltböme,
danimb es in den selben alten ziten wart genennet und nocb beisset der
Granewert des selben ersten Stifters vonHaneburg begrebede st<>t öcb
zd aller nebst vor den woffen zu ende dis bdcbes nnd in den Urkunde bu-
cbem gescbriben, zu welen ziten nnd an weler stat und in welen eren er
begraben wart nnd noch begraben lit in dem alten gebuwe zu dem Grn-
neuwerde, durch daz sin niemer vergessen werde von allen busbrudem
und hofesehssen des Grünenwerde s.
Hü quatuor sextemi de novem rupibns cum aliis sequentibus roateriis ]^
o et capitnlis fnerunt una particulamm pertinencinm in latinam memorialem
libmm, in quo coadunate sunt omnes materie tractantes sea testimonium
perhibentes, qualiter scilicet domus hec Viridis-Insule a prineipio sui hucns-
que est deducta et renovata. Et quia über harum novem rupium in verbis
non ex toto cum wlgari tbeutonico concordat, prout eadem verba a sui prin-
^ cipio a spiritu sancto processemnt, id Circo eedem materie sie mansemnt re-
manentes et extra stantes et iterato de novo directe secundnm vulgare theu-
tonicom in prenominatum primnm seüicet memorialem librum snntinnotate;
capitula tamen omnia libri eiusdem de novem rupibus in utraque parte con-
cordant in materia et in significacione, hoc dempto quod aüquaUter discor-
-o dant in verbis, idcirco quia exemplar presentis Ubri cum aliquibus incidenti-
bus applicitum est ad sacram scipturam, prout bonestus et devotus lector
bone nfiemorie frater Jobannes de Schaftoltzheim, ordinis fratrum
heremitamm sancti Augustini, fieri procuravit et in librariam eiusdem ordi-
nis in Argentina poni fecit.
Attendat quivis bomo qui presentem librum, qui intitulatur de novem
rupibus, legere voluerit et qui perprius legit quatuor annos sicut Bülm^n-
nus Merswin, noster dilectus fundator, de seipso scribit exordium scilicet
vite sne, bene potest intelügere et penitus dubio semoto credere, quod deus
bunc librum de novem rupibus per ipsum Bülmannum scribi fecit, quia
^ bene ad invicem concordant d ambo equaliter sonant in humüibus sciücet
verbis, in ferventissimo et vehementlssimo amore et in supematuraUbus mag-
nis et mirabiübus operibns et donis dei, et quia eciam bü duo libri in simul
conscripti fuerunt in tempore illo quo Bülmannus Merswin a deo coactus
foit ad scribendum libros, piout date eorundem duorum librorum dicunt,
^ qne ambe equale tempus narrant in hiis duobus libris, scilicet de uovem
rupibns et de quatuor annis Rülmanni Merswin, quia in unoquoque
eomm singnlariter scribitur, quod conpletus et perfectus fuerit illo anno quo
nnmerabatur a nativitate domini annus mülesimus trecentesimus quinquage- 1352
simns secundus.
to
1 rrl. l»*3-5 4 siehe unten C:Vö und oben 14*4,5 9-24 rot. H
IkQnstlerisch ansfetflhrto Initiale ; in der Mitte ein Meerschweinchen als Wappen Rnl-
inaaii Merswins, rechts und links Ungetiere. 14 vgl. 48**2 22 Ohor Johann ^qti.
s<.kftffiniaii«im g. ii*8 25-39 7gL oben 48*9 ff. A blauo InVüaVo,
Hauptteil.
Die Neaa-Felsen.
' Inripii jirologiis in librum, qui intyLulatur d«
novcm rupibus.
\\\\Il iilmannug Mersicin, fundotornosltr, instrumetitum dei fort
oporttbat eoaetus hoc icribere, sicut pU est creäendum per quam plura ei
diversa lestimonia, qtte in presenli libro sunt prtstripia.
0 vos «inneä christiani ascuUate snllerler et attetidite uum
quodam graodi inlegralique amativo zelo premimenti prophetice
doctrine et scilote quod quicuaqiie homo cliristianus cum reelo et
integro seno legerit vel audierit ab inicin usque ad linem huni:
librum, oportebit illum emendare vitam suam, nisi velit contunia- '
(.'iter suis propriis peccalis succ-umbere .... gUiehlauUnd dtm A-ulrttim
üS'ie— 39*11 Schiiiss: et erat unaqueque rujies gpadatim situ
9U[ier aliam ab imo usque ad sunmum.
2» Incipit alter prologus.
In Bonlne d'iuiini nottri Jliesu Cluiitt) cnnctB open uostn oportana perficec« '
uierciamur. Facluin fult quudaiu tomporB iu adventu duiniul uite antJrlbitcin di»
ijiiiji iii aurura, >|iiai1 qiiid.iui hoiii» pruMioiiitus a duniiiio vvh.uuujitei rH|.ec-iit. ^ulliii
sMiüimii oratiiiiib tubk-uliim .... SeMaXii hl.3b; Kt diiit li o : 0 ililocW nii.
faciamiis Uiiam rurbnnun et tnrhor'inu» piiupusiti iixerucioiivin. K es |mi iis i n diviiu'
.1^1111 tompus i:S9i<t obüdiiiidi Miiittu triiiitati äd ä<;ribanduiii ODiDiii, quv Ijlii nstiU"! -'
:ji' ExiiÜcit prolo<;u:5. SequiLiir execucin primi libri visin-
niiiii mirabilium iu forma piscium, iiarvum numerum ele^tfiruin
iiiterpretaticium. Capilulum jirimiim.
„Hif h,-l dit f,.r,;dd.
51"
Sequitur visio alia in qua patefacta sunt homini abhomina-
bilia reiundi crimina et pericula multa et quam periculosus sit
iam mundi Status et quam miserabiliter perierit omnis ordo chri-
stiauitatis et corrupta sit via iusticie et veritatis eciam in spiritua-
' libus religionibus.
Responsia diviiia: apeh oculus tuDS et vide nbi sIs. eodam inamoDto
lidit SU proeul iilde supaTeleratuDi in profunda tallti ad radlcem montia elc«Ui
.... Schlu»! 111.6*: llotaa dixit: o amantiseiine dniuine, ego neqaaquam hils
passum contradiceni, nud et hoo potu, ut sis illis mlBOricorB ot prcsUbOis aupor
' nequkift eorum.
E» folgen 18 Kupittt dm Bägtnbuch» mit folgmden Biibrikm:
6» Consequenter fit querimonia a domino de modernis sum-
mis pontificibus. Cap, I.
6** Consequenter querimonia fit a domino de cardinalibus
■' inordinate viventibus. Cap. II.
7* Consequenter ista querimonia est de modernis episcopis
et pigris curam carnis proficientibus. Cap. III.
7^ Hec consequens querimonia domini est de modernis abba-
tibus ambiciosis, sua elaustra periculis exponentibus. Cap. DU.
I 8' Consequenter sequitur querela domini de mendicantibus
et de eorum periculosis transgressionibus. Cap. V.
8'* Consequenter domini querimonia est de doctoribus ewan-
gelizantibus non sincere veritatem in suis sermonibus sicut intel-
ligunt. Cap. VI.
• g** Hec consequens querimonia est de monialibus inordinate
in suis claustris viventibus. Cap. VII.
l--'i Snlimidt, NF. 15: Hie het diese redd» ein ende; vnd das hitnoch etat
ftttkrlbbtn, da» tat, tei« diesen menschen learl gelosen sthhen der eristenhtiU
fftbresle und u>it gar sereticht e» alol in diesen dien itmbe dtt cristtnheit und
tt'.e gar zärgangen »int aüe ordenuiige in der erislenkeile, btddt geisMüAe orde-
tumgt und öeh velHiche ordenungt. Dieser Rubrik enUpricht in A oben 3S*26.
e-10 Schmidt, NF. 16 z. 3-lS. 11 Sie «ntxpTechep Schmidt, NF. 19-64. Im
TolgeDdeD liod darnach die überschritten ron Cod. E 152 viedvrg:eK«beii. In A bildet
da* Ra««ibach Kapitel 5-^2 mit den Rubrikeu oben 3S'30-37'17. Du Bog. Anto-
(repb hat XU Unrecht hiai keinailai Rabriken. 12 Dise nacligtachrQ}eat rtdäe
i$t WHi d*n bäbteten. 14 Dtst noehgesehribtn» redd* iet non den kardenottn^
It Ditt naeMgnehriben* rede ist von den bisehoffen. 18 Diete nochgtschribene
red* iet mm den eptlen und ebtiediinen. äO Dise nochgeschribene rede ist eon
2i Diet noehgesehribene redt iet von den Urem. Sä Dim
10» Consequenter sequilur querimonia de elericis el sauer-
dotibiis inier inundanum populum vitairi camalem ducenttbus.
Cap. V!ll.
10'' Nunc consequenter sequitur querimonia de be^inis minus
ydoneys. Cap. IX.
11» Consequenter sequitur querimonia de beghardis et sil-
vanis fralribua et discoÜs inordinate viventibus. Cap. X.
1 1"" Cnnseqiienter sequilur querimonia de imperatoribus el
regibuä plus regnum mundi quam dei querenübus. Cap. XI.
12" Consequenter sequitur querimonia de dueibua el comi- '
tibus toto corde lerrena sapientibus et pro hiis pugnantibns.
Cap. XII.
12** Isla consequens querela est de miUtibus et populis el
nobiübus servis qui pocius mundo quam deo servire videantur.
Cap. XIII. 1
12'' Hec consequens querimonia est de eivibus et mercatori-
bus se invicem t'raudantibus, Cap. Xllll.
14"* Consequenter querimonia domtni est de mechanicis aua
Opera sophistice operantibus. (.Ia|i. XV.
14» Hec consequens querela est de rusticis et villants et -
eorum fiarciosa proterva et indominabili nequicia et dolositate.
Ca|.. XVI.
14'' Consequens ista querimonia es) de modernis supt'rbis
luxuriatis mulieribus pompaliee et meretricaliler incedentilnis-
Ca|i. XVII,
17" Hec consequens querimonia est de legitimis coniugibus
Ihorum inconlarainatum non servantibus. Cap. XVIII.
Dei- ffchlxf^ ditMt Kt<l-ileh lil.-J<i^ Uutlrt : li ,■ - p u ji ~ j ., il i v i im ■ ii,-.iiia.iiiaiiL
1 hhc ,V'hije.'.-lirlh.;u- i-fh- i^l ro,i den ireVlichc^, ph^ifftn. i l)i-t
Hoi-hyschrilviu i-i-ihlr i.'t ruii ileii heiigiiti\eii. ij /*/.■•(■ iiocliiieg-:hrilieiie redt /■'
roll lim bp;igrh'-i-lfii dri' iiiiiii'hrii. •• l'ht iinchieMhrib'-iie rrde ift roii ilf"
ktij^v.i ■■„'! k.hi:gn: In H!"« •mchgcxcki-lheiie rol.- i.^l r.m den l,f,:.^t.i.
1 :; Ili^r ii'-i-liiiivlirilieif reilf i«l üvi den ■■deUii hih- und r.m ilrn rit'erii.
\-; Ili>" ,iachii<-''-hi-ilf<i '-'dr ixt r..„ den h.irger,. und von den l.\fl.ile>,. \- Di*-
iiocl'iienclirdxne rede Ul r,<-ii •/•■n niilicereheii. -1« />/<-' noehtjeachi-iht'ine re-le
!kI lon de.i •jelinren. -l:: l>i"- n'-cligexcliiibenn-- re-ldi' hf ron dm icH'en.
■J', J)/a,' ,iorh.i,'H-hr:h.'ue red.- M lon der he'hge .-.
quam Bit, tnnc tu> nsi; noi rolantu i«t biv in tompore
26'' Explicil über de querimoniis.
Incipit prologus in librum de novem nipibus.
Hoc quid nunc per gnltiHiii ilei incipere iaUndiinus Ülud ett. quilitar homiai
«dUDKUs erat mona kltuB iucdub et terribilis rtUt, qui coDtinebat in i« norom am-
jilaa nipei unam aapsr aliaiii gndallm Bitam, io qnibna ruptbua babltabant bomlnsi.
Nunc ctuidem proaequitut iatentum do prima rupe dicena sie: nemo perrenlr« proral
diiliia poterit ad deuiu, quin nrinani babiiorit habitaciODeni in prima lupe;
> tacneu qui hie in tompora fldnclallter täeo liborare rellet, ut Bue «nlme
plari uri^nile printiplum poeset. illuiu valde mafrnanliDuiii fore oporteret et inper-
tenitum. Bimulqua w aBcaadeiü Decasaa baboiot Bupar iBtaa novem ropes denac
cenderet iii sublim ioreiii ubi cupioae erudiri poMet dirioitus quouique tatsndi dt-
lieret. hie rero nobiliter ageret, qui bo eiponere mortis periculo dod trepldareti
' qui iM et ad asTeDdendnm super hunc altuni petroanni luontem cum dlfSeUl
diipiiiieret, ut omne« inlmicos in tempore hoc mala triamphars in Chriato
coronani oteme mllicie aicipuro et ad regnum etamum perrenirv.
2ß'> Explicit pmlogus.
iDcIplt llber de IX. mpibns.
Respanslg dirina diiit: oci:e dico tibi quod eipedirc
impliuB oportet do ST*-
31> De descripcione seu speculacione secunde rupis et eius-
dem babitatoribus incnits. Capitulum 5e:^unduni.
32* Sequitur capitulum tercium de descripcione seu specula-
j cione rupis tercie et de eius iocolis habitaatibus in ea.
32'' Consequenter sequitur capitulum quartum de descripcione
seu speculacione quarte rupis.
3 eiplicit-17 perrenirel Scbmidt, NF. 64 i. SS-G^ i. "> ; Biete redie lut Ate
«Mfe and dat imr nü wMent redden, das tut, mt ditttn maigeken wturt ffttottH
«Um tii% grtuatliek* groter uUtr kohtr herg .... Hb. .4 hat entsprachoBd i d e r ■ t
die Kabrik doB i'i. KipitelB (.17*18), und fihrt dann mit dem Teit fort: Dirr« amdtr
preicgii aeit, wie diaen mttieehen wart gdossen «lAm ein grwcdicktr grotter witer
koker berg..,. lS/i9 »plicit— rupibunl fehlt bei Sehnidt. B«. A hat dafftr die
Babrik dM Sl. Kapitals: s. obeo 37*ä3. SO-54'll die Nenn-FelMo-Virion siehe
bti Schmidt, NF. A5i.S-lie. Danach (ebe ich die rolgenden Rubriken, «eiche
ia Hl. .i den Eahrikea der KaplUI ih-ii entaprecben |3T*S5-40). 3! Hie
itt dimt tnlt nid» ton diemia ertttn fdm em emk, tmd Mbent himotA omm
Mi nddmd* wm dm mauehet, die itffe dtmm* mnit%-M felm wommtd* limt.
S4 Se Iket üete attdere r*dde nm dieweme andertn (ehe ein mde, mnd ketbmt
kkmdi MM lü ttddmde com den menedkm, die uff» demme dirOen fdae
»Ht. ae Hie het die*« dirUte rtide nm difem* dir^ten ftit» rtn
'. MMtKt nin kitnoeh mm* nl rtddmtde rm d$H mwMotow, die xffi
54"
33^ Consequenter sequitur descripcio seu speculacio quinte
rupis et statua incolarum eius. Capitulum quintum.
Si'" Consequenter sequitur descripcio seu speculacio rupis
sexte et de eiiis incolis. Capitulum ppxtiim.
S5* Consequenter sequitur descripcio septime rupis et spe- ■
culacio de eius habitatoribus et incolis. Capitulum septimum.
36" Consequenter sequitur descripcio rupis oclave et eius
speculacio cum suis incolis et habitatoribus. Capitulum oc-
tavum.
37» Consequenter sequitur descripcio seu speculacio none ''
rupis et de eins incolis et liabitatoribus. Capitulum nonura.
40'' Consequenter sequitur quomodo hie homo a deo coactus
est eitiam in suum introire (ontale prineipium. Capitulum de-
eimum.
44^ Viso de fontali principio nunc transeamus ad finalem ''
recapilulacionem premissoruni.
Homo diilt: cUc niibi banc fiinruin pUciiim et intsrpielaeiaDeiu eius. Ui-
»liantiu difiui: aumiiuld. IntoUi^B qae tibi tiuisliKarsTi in alf) et rntuodi> luonle
ibi supra? V[disU uciam Buiaitiu {ilcaa j>ii>cibus uiagul'> ut pufis i» uinnte, qai n
1 llif het ilip-f /ierile reilJ^' ein emh', die -lo hef ye.'i'il '-.m ■le:»nif fienln'
fthe, ,u.-l hchhenl wi hkn^h 'inne ::) redflen.l,- v>.n den meH«ehen, die :!■'
iivnnende shif »//V de,„„,e fiinfthen feUt. :l llie hei die."/ fünfüie redde v„«
'//•'M-iiie f'iiifl/ieii frlxr ein ende, und helibenl hienocli itnne Z'i itddf>ide i"» dt«
me,i,<ehen, die d: „ffe demn-e wh>-le,< feW „-m-neade sinl. :, llie hl d>.'i
KfhftC rede vo-i <liwme xe/i^fen fei',' ein einde, und lieliel n>i hieiKjrh .ine. :■•
redtmlc rm, den „le.i^rhen, die <iffe deme füllend,-,, fehe mme.ide. f!„l. '. Ihr
hei dise g,\lieiidf rede von di^emr ».ihenden feUr ein ende, und hebet n>i liien-ek
nne ;</ i-.-dende ciin den men^ehni, die d-i tconende niiil iiffe deine tihslen (A^t.
Jil llir hef die a/isle if'f roii di'^eine <i)i«tfn feUe ein ende, und h-bel hieno-li
•nie. 2" redende f-i d.:n men'Chen, die da iiff,- deine utiiiden feixe tc-iiendf 'inl,
do der ..(■.■</"-"'ij) nffrbUekende i.tt. \-i S,liiiii,ii, SK. I-J:;/1J:1 .\iiiii,.rkinii; : Di-'^
hiiuleiri'e rede iai, wi« dir/'s inen.'ehp roii gol belicimyen wart, d-iz er ■■'elhir
iniifle nehen in den inv/irunii ; .mt-iiik-lii in H-. A <A..:i, :i7'll. ir.-iO lii.-:
.liiiiilmiis /iv.rcliNifirig.. ri,cr.ftirilt M\\l li. i ^s. Iinii.lt ^. 1 In /. IT/IS, ...boi.so in H-. .1,
~/indil .-..-(imi.JI. S. I4(i /. 1--lHi ■^'■\<M-.
mei ipsius intoncione st smora usque in tlnem fit«. Cunque bic libat esset Hnitu^,
impIsTit domiDUB, quod proinieerat: himc hominani enim coUptais&rant st tun do-
lent«r ttibulaTorat qnod aun ent luodus, iiiBDp«r consustiB coBBalacionlbos apiritua-
libus et iatemis ^udlis prorsDa spoliarerBt et rBliqait honiiaeu nadum inopeni »t
• uiiseruni et in terris dagentani.
Hie hämo jncepit hunc librum in tbeutunica aciiber« in leiuaio. Datom mao
diimiDi niillesltDii CCC° quinquagetiino secnndo et CDnBDtnmatuE e^t.
Na Ullas studeat eiiploraie hniic bouiinem, qui istiim libnim diriDitui edidlt,.
quia bic hämo sperat, ut iacainiitiiB legaDtibus aunuente deo tnaalbit. Itam qnl-
cuuque bunc librum integre vult intelligere studeat Uloni a principio usque^ad üaem
attante peclegere et sie poterit in ou eipedicius proflverc.
Explieit über de nOTem rupibns.
2.
Drei Nachtragskapitel.
Item octogesimnm seitam capitnlam est deeima hnios libiiKapi
> materia et est aensDS sab brevibus conprebeasos ex libro theotonico, qni 2 Ki
tractat de daobus ia^enibas qniDdecim annoram pueris, in qao scriptam con-
tiuetur, qn(iiDodo dilectus dei amicns in snperioribDS partibas, Büleraauni
Merswin nostri fundatoris familiaris coUega et socins, inveDtatem suam
livendo dftdniit, qaomodo pater ipsins eam secum duiit ad remotas et alienas
I patrias docens eam uiercimonia eiercere, et qaomodo pust molta animobene-
placitaet volaptates anumgrande miraculam sibi evenit: qnedam enirn crnx
lignea iDcliaavit se inferins versna eom, dum orando coram eo gena flecterei
propter eandem eciam causam abrenonciavit liceociatiTe secolo et ooi&ibns
creataris et omnibos volaptatibna nature, sicnt Über tiactat, cnias senaos et
> materia bic incipit diceDS :
TemporibQS enirn illis qaibns dei amicns in snperioribaa parübos Bnle-
mannoHerswin amica familiaritate comunctus iavenls paer qoindecim
Tidelicit annonim foit, tnnc pater ipsias ad remotas eam partes dniit et do-
cait enm in mercimoDÜs se eiekere. Nobilis aatem militis filias eiasdem
I etatia scilicet qaindeciro anDornm factns est eios socins. Idem aotem miles
Slinm saoro predictnm doiit ad seculnm, ad hastlndia scilicet et tomeamenta,
in qaibas homines armnrnm commaniter se solent occapare. Dam aotem
ÜAetD dno invenes econtra in locam nativitatis reversi sont ad invicem, ma-
^am et valde familiärem amicicism ad invicem babnenint diligentes se
• matno et fldeles sibi invicem existentes. Amicabili igitor Bocietate sie dn-
K-JS rgl. Schmidt S. U7 i. 1 ff. iiiid .il.oii :t9-iO.;l.-|. 14 S.'. rot. Di"sas
Kapital iat du 86. das tiroUeti Lateinlacliun Menii>rial> und gibt dau luhalt das
l5«*
rante qnatuor annis et multum proäcieut« acoidit, nt pater et mater merrs-
toris predictri morerentor, ssbstiinciam rernm etboiiornm iQßDitam sibi relir-
qnentes, inUntom qnod abreDniiciaTit IucHh merciniouioram et eitait«* fsctns
> est totalis et integer atnicos | ßUi nobilis predicti «t sotias. Ceperattt aDt«iii
iidem dnü iuvenes eitunc ad bastladia et tornGanienla et ad alia iu qnibo»
grentiles li<inuD«s se solent eiercere eqaitare et extQUc cari et precipai apud
Robiles niQUeres bab«ri ea de caasa, qnia ipsi eas sepe aaper fontes inrita-
bant ot in ortos roagnas delicias eis preparantes.
Nee dfl eipensis sie factis cnrabant, qaia anibu valde dirites erant
tenporalia matta p'^sidentes. Da« aatem valde spcciuso Tir^af^spredareet i
nobiles .eos daos aniniü «t cordi» diligere cepeniiit et in tantum so amavomnt,
qnod qaafi corda ipsoram inTicem penlere ceperont, inteccio tanen omnimn
qnataar non ad peccata Ben vicia, sed ad bonores erat. Nobilis tarnen prediftn.«
statim cum amicis virginis sibi prodilecte convenit eamque babuit in uxorem,
eo quod eqaalis nobilitatis erant et generositatta ; mercator aatom predictas i
DOQ putait cam amicis predicte vlrginis sibi predilecte onvenire, nt aibi
eam in iixorem acciperet, eo qnod sibi iu genualogia et nobilitate tneqnalis
erat, Virgo tarnen prodicla sibi predilecta tsnto tempore et tociens cnm
matre su& lücuta est, quud amici predicte virginis voluntatem suam in hoc
et ad boc dedemnt, at eam ia ninrem faaberet, et diem assignaTenint in qaa ■:
tractatns de sponsalibns haberi deboret et oos oodem die more tnatrimoniBli
ad iiiTicem ooninngere vel copulare. De boc aatem mercatvr predictas raldr
gaodebat et iiiTitabat omnes socios snos de sero, qnod d^ mane aecoin id
spoDsalia prnmittenda ire deberent. Consuetn-Io aut^'m ciiisdem meroatori;
erat, quod a. inventnte sna cum magno conatn mortem dumiiii nostri Jhfsa .'
Cliristi cettidie invocabat necnuii et conpassionem beate Marie virginis.
eami|ue rogabat, nt filius suns et ipsa sibi vitam adoptarent secundam volun-
tatem snam magis beneplacitam sive in Itge niatrimoniali si^e extra matri-
monium; eciam quamcumque vitam sciret, quam ab eo Üben ter habere vel lent.
illam sibi libenter assumero vellet, sive sibi plaeeret sive diapliceret, sive ■•
eciam malum sive bonum exinde deberet assequi. Et antequum a tali vita
deo et beate Marie beneplacita vellet discfdero, perprius mortem snstinere
vellet ad honorem passionis et coiipassionis domini nostri Jhesu Christi et
dili'cte matris sue. Et dam idem iuvenis votum predictom novissima noct«
anti: festa sua sponsalia celebraiida iterum more suo sulito in camera sd3 "
lum una candela accensa coram lignea cruce prusoqneretnr, inspiciens
crucem vidit, quod eadem crnx lignea, martyrii Christi jinago, se quasi
ad ipsum appodiando inclinavit et ad ipsum valdc dalci et Icni voce
disit: surge et derolinque seculum et recipe crucem soper te et seqoerf
mi*. Continao autom elevavit se predicta crncis yniago et nullus sermo '
amplius est habitus. Hec autem verba crucis ad eura facta adeo in corde
Silo luerunt dukia, quod virginis predicto sibi desponsande et tocins socoli
57-
eUitns «st. Haue utem facto ideni iirrenii kbrM)iuiei»Tit { bore deepoo- 47'*
iMioDia tracUnde amieisqiu virpnis desponsande dbi, at dici wasit qwd
■poBsalia tnctiada effectnm proseqDi Dunposseat leüs aaten sie sehabea-
tibvs nabjlis pndictu eins socios in traDsmarinis partibus iu» füret et
nrers» ent et niles factos et magnifice Talde in omnibns aecilaribns Dago- ..
eüa profecit et cansis et in onmi secnlari seDBoali sapiencia pradeBiüa Tel
astacia et decidit quam mnltipliciter extra Dataralem amorem det et amiei-
ciam in baios secaii vicia irrampendo.
Econtra antem bic mercator predictns eins socios magis et quam for-
tinime in dai amore profecit et in omnibos Tirtntibns, in tantam qnod in
breribas annis ratde deo carns et f amiliaria amicas factns fbit, in qno rtdess
magna et sapemataralia g^andivea et occalta opera operatna est; ab inbotia
eoim aliqaantalDm secnm crevit timor doiniui et memoria passionia domini
DOetriJbüse Christi, Con3eqnent«r eciam in eodem libro theatonico acriptum
reperitnr, qnot adversitatas et obprobria hie predilectns mercatot a milite
prödicto de transmarinis partihns novitei reverso, eins tarnen perprint socio,
pasaoa fnerit, anteqoam dei misericordia preyeniente ad hoc enndem railitem
perdoxit, nt a peccatis suis eonverteretar. Bxtraneos eciam et alianos et
delectabilis senno est, qnomodo idem mercator dyabolnni ad hoc coegit, at
sibi diceret omnia grandia, graTla et occalta peccata et defectns, qatbos
niles predictns perpleias easet, proat idem miles posteamst confessu) eat
nee negare potoit nee scivit et magnam contricionem soper hninsmodi pec-
eate in poster am haboit et graciosnidei amicnsfactas est; beata enim virgo
ad hoc eom ioTit, sicnt in eodem libro theatonico plenios scriptum inTeDitair.
(^liter eidem speciose et oobtli virgini sponse tt amice predicti mer-
catoris incceeserit, noo est scriptum in aliqno librornm predictomra. Ideni
tvnen mercator mann sna propria scripait nni sacerdotnm, qai primo Viri-
d^-Iaaalam inhabitavernnt qoandam litteram, in qaa eontinebator, qOod
eadem nobilis vii^pvat hocbrevi tempore com soo confeasors ordinavit, nt
mitteret pro predieto mercatore sno amico, nt veniret ad quandam domam,
in qna et ipsa Tirgo presenciabter erat. Qnando vero in eandem domnm
mereatur predictca veDit, valde territna fnit, dam eam Tidit. Ipsa aatem
lacrimaatibiia ocilis enm allocota est dicens: Ach predileete, die miehi ai
contra te aliqno mode unqnam feci, qnod taliter me derelinqneredeereriati?
Asdieaa uitem mercator predictoa verba hniaamudi lacrimatos est dioans:
NoB tan firfgo, aed me deaponsavi alteri, qoe longe specLosior, kinge nobi-
üor «t dieior, qiam tm «tis, est ; et bec est dilecta mater deL Ipaa aatem
Kontra enm allocnta est dicens : et si aunt vcra, qne dicie, attamen a te noio
iiridi vsl discrepare, et ncat t& te deaponsasti enm matre dei. ita et ego
Mb om fiUo eina | despoiuabo, et ndpe omnia elmodla mM *t da ea amore 4S'
■m tptoA Uli dai. Post hoc antem Ttrgo predicta noTem annii sa in om-
BÜMi Tkivtilma axerenit et tnne migrarit a secnlo in tali deroeione qnod
ipenti 4jaoi nme eoram deo magna sit aancta,
Hviasmudi igitur ettaUa solaciösa lUToa elit^ä «emphria et super-
tiaturalia et magna miracuUi societati Viridis-Insule mnltipüciter et mnlto-
uiens in quatnortlecim primiB anitis ab illo gracioso mercatore et dei amieo
pro prinrlpio scripta sunt in libris et litteris, qiii primitas in tabnia presenlis
libri nominati et iatylnlati snnt, qne quideiD tabula directive informat, qm :
ordinacione iidem libri i'ollecti sint, et in quibuä loris udb qiieque mauria
scripta reperiatiir.
tpitcl f7 Octogesimuniseptimiim capitulnm tractat de nltimis litteris
missivia, qaas predilectus dei aaiiciis in snperioribus partibus hac iiiforins
transmisit Bülmanno Mcrsnin et fratribiis Viridis- In snte. i
Hoc eciatn idem nltimum capitulnm ammonet et avisat omnes Viridis-
Insule fratres et pcrsonas, quud aibi ipsis illam magnam graciam loncessam
iien amittant cum ingralitndino, unde plagari et vindicari tempi>ralit«r et
eleniaiiter possent.
HTJi^n Sub anno igitur domiui millesimo trecentesimo septnagesimo nono et \
sequenti anno sciliwt LXXX", quandoscisma eccleaie et romane aedis ortum
est de duobus pro papatn contendentibua, Urbauo ariliret et ClemeDt«m se
iioroinante, haicdei amico m-cnon et aliisdei amicisin communi mudo valde'
magna aünea supematuralia miracula et nrirabilla multocieus successive
eqiiali fonna et nniformi modo revelata sunt, sicut ipse idem mercator Bäl- i
manno Herswin et fratribns Viridis-Iiisnle in altiraa suo äuriptare
litt«ra scripsit de snspensionibus plagarnm dei et de tribulacionibus. inqiii-
bus ec'<'lcsia dei prouiim est et multis annis foit in tremendo tinwri' aiit«
colestem patrem. Consnlit eciani idem tnercator ibidem cum magno conatu
vi studio omnilius suis amicis, quod in istis ultimis periculosis temporibns .'
Mulla nocte unquam lectnm intrare deberent iiisi com tali sincera et inno-
CButi consciencia sicut vel in qua libenter velieiit de hac vita inigrare et
sepalcliram ingredi.
Duonim igitur tuuilaturum vita. forum libri et littere de diversis matv
riis sunl, ut prescriptum est: omnes tarnen libri concordaut in unum sensum, i'
videlicct quam aliena via per multiplices magnas passionales temptacione;
domiiiiis no:it(-r suos electos dedocit secundimi qnod in sua eterna sapiencin
discernit. qui'l unicuiqu<' attinet vel Dcccssarium est. Que ouinia nobi^ dt"
bellt pss" doctriiiii i^t qoomodo iios (i>nero et sustiiiere debeamus in omni e«
'liioii iLiiljis accidet al) iiitrii vel ab extra, sieut eciam amborum intj.'ncio lau ■"'
in iimitabili scriptura predicta.
l'redik'Cti igitur fratres et persone, qui vel que nimc vd in posterum
-ts'' UM[)u;im inltieoisto rongreigabimiiii. magiianim graciarum prcdictirum non
■iitis immemores ncc ingrati. ut vobis eternum fructuni afferant. Et cum
magna Kradarnm actione considerate et extra coi vostrum cum frequeiiti et m
^tabili latidc nunquam cadere obliviscendo perinittite grande subsidium i-t
boDiuD adTenta^iam et 6deles advocatos et intercessores, quos in eterna vita
babetis coraiD celesti patre in istis daobnE curis et sanctJs fandatoribas vobis
Gdelibas et amicabilibas patribas, qoe omnia vos roerito etemaliter in omoi
adfersitate coDsolari et confortare debent, qaod onDquam dyabolnm relnata-
'i ram Testram permittatis leviter tus in pace vestra disgregare vel destroere
et ilUns magne gracie capacitate priTari. Stndete eciam qnod omnipotentis
et eteme trinitatis domum in tali honore teneatis et tali fidelitate eam tnc-
tetis, ut non inctdatis id ingratitadinem et in iDdignacionem dignornm et
ma^ificorum bonim patronoroin et eitra commanitatem et familiaritatem
n hornin predilectorum et aanctorum fnndatornm et dilect« bic con^^regate soe
societatis, propter qaod eciam etemaliter possetis plagas anstinere et in
tempore isto moleslah cam defectibus et nniltiplicibns corpuralibus nec«HSi-
tatibus et temporalibns bonis privari, sicat alüs ordlnibns vestris predecesso-
ribns vei vos precedentibns alias factam est in loco isto Viridia-Insnle. Omni-
I potens eterna trinitas saperlandabilis et landandns digims patronus, qni Tel
qae novi bnins edificii et hnins honeste aociotatis principiam fait et initlDin,
potestatem babuat et posse medii et tlnis haias etemaliter secondnm snam
landem et nostrani necessitatem. Amen.
OctogesiiDDin octavooi capitolum tractat de- vita sea moä'is Kapitd 8
ut vivendi nntua nigri monachi de ordine sancti Itenedirtl, qni in primis anti-
qais temporibns habitavit in loco Viridis-lnsule, postquam idem locus regi-
mini monacbornm de Äitdorf fnit commandatus, sicut unus prescriptoriim
dnonuB antiquorum sacerdotum de Altdorf eiusdem ordinis sancti Benedict!
Dni Jobannitarnm commoranti iD Viridi-lnsala dedit in scrtptis in uctava
!.-. beati Stepbani anno a nativitate domtni miUesimo trecentesimo octnagesimo 1S8S
qointo ad maiorem noticiam et testificacionem, quod locus Viridis-lnsule in
magna sanctitate ab antiquo usque ad teinpora ista dednctus est et inhabi-
tatns, pront eciam idem duo antiqui octogenarii sacerdutes de Altdorf
per antea dicnnt et testificantur nono capitulo bnius presentjs libri, et sie
10 describitur;
Frater Burgbardus hamilimus et oraninm infimus fra-
tri NLcbolao salutem.
Dignnm duii vestre caritati manifestare, qne revelata sunt miclii a
senioribns nosth monasterii de persona subscripta qnam noverunt et vide-
lö ront Fnit in eo monasterio sancte Trinitatis monachus qnidain de ordine
sancti Benedicti nomine Üdalricns, vir simplei et rectos ac timens denm,
qo) bababat cellam [ constructam sibi in ecclesia sancte Trinitatis, in qua 49'
vacabst ontionibas, vigilüs, ieianeis et obsecracionibns serviena domino die
noctaqne. Habebst antem de consaetudine oportnno tempore intrare civitatem
i<i et par prins orabat psalteriom ante ingressnm civitatis, nt dens defenderet
IV-^iO rot SR Tgl. 1:1*5 i^ p.'nidiit i>l ilfts 9. üipiMl dvr Cliraiiik
«um a visu et anäitu et actiODe maie rei in qna posset mac-nlari. Item con-
stietudo fuit iit eo monastt^rio saiicte TrinitatLs, itt homiues a demonibus
possessi odducerentnr at liberureatur per sufFragia sanctoruni. Contlgit igi-
Inr iiDR die quud adductus est homo veiatua a multis demonibus, et sac«rdas
um pro tempore destinatiia fuerat ad i^oQuirandiim homines eiportavit saiii> I
tuarium ibidem et i'oniurarit honiiuem multis oracionib'is. MuHi aut«
liomiDes afTueriiiit ad hoc npaa. Predictus quoque frnter l'datricu« latebtt
clausus in <'«lla siia onmibas ignnraittibus multnm orans deam pro homioe
male Teiato, ut überaretur. Demon tlamabat de homiiie ad sacerdoteoi qui
•«niuracioneä legebat sie dicens: (.'onitir&ciones tue et oraciones tue miDinie lu
me raiitarbant; in suporiori (.-«IIa est quidam clausus cuius oratiooes me
intendunt ubique, el ea propter oportet me ab homiBe eiire. Et statim ei-
pulsus est, inmundus spiritas ab liomiDe et liberatus ext Uulta bana opers-
tus est predii-tua Üdalrictis qua nota sunt de<> et latent homines. Et post-
quam mi^avit a seculo, sepultns est retro altare saucte Tricitatis extra muroj l*<
<:bori scilicet ante fcssata civitatis iut«r peribolum seu transitam tsE pervium
saeiislie, que post idero tempus edificata est cum alio doto edificio, sicul
prescriptum est in sexto capitiilo presentis libri, qui adbiic snperest et manct
in etemum.
Schluss.
Dis gegenwerttgc buch von den nun veilsen und noch ein buch mit ■:'•
abto sexteriien in discr forme und grosse ist die ernuweraoge und der Stifter
leben und die andern materien, die von erst usser dem tutsche zi'i latine ge-
scbriben wurdent und über blibent an den drien urlii'inde biichern deshuses
zu dem tirünenwerde von sacbe wegen, alse die roltrii;ke seit, dieziivi'r-
derst inir iegelicheme geschriben stot mit eimo florierten H. -
Dise selben :wp_v ersten über blibene latine bncber sint bem' met und ge-
meinet allen gotfirhtigen gelerten personen, die gerne latine lesent DDdniit
minne hant zu tiitschen biichern und oucb gerne die weit fluhent und ir leben
bessertent: den sol man sii liiien zii welber zit es die drie weltlichen pflegere oder
andere erbero güthertzige liile begerent und vorderut an den coramendure oder
an sintn statlnlter der an d c bri lere den lie sdben buchere hefolbcn wer-
den!, düiuliabent ettlithi crberep r ^nonlr alm sen gegeben und die selben
biidierebeli stigotund^emaht inscle(,ercte^ wüe ne schaden des eiventes.
' umb das die dne weltlichen pfl gere i nth gewalt iirnbei haben s llent sii
US YAi liliende « unl weihen Inten mi truwent dis es nutze sige und frnht ■:
bringe noch dem ahe es n-s dem heiligen geiste durch die erlnhteten ge-
boren gl tt s frinde ge rdent und g meinet ist und ch dise iy.e\ überbli-
6!-
Imim latine bächer sageot, dio do concordiwent and glich« hellent in M»a
den maUrien, aUe es die Tor^sehribeneD drte weHJiehsn p&eg«re zi tatsch»
gescbriben haut ir iegelicher in eime ssadem buche, dad ine und allen
sinen nochknniineii der selben pficj^rigen lüdem Grönenwerde ewiklicbe
:> tä griiüret und bliben sol. die selben drie weltlichen pflegere oaeh alle üt
besorget sülleiit sin, das in die zwey nber blibene laüne büeher widemab '
geantwortet werdent, alse dicke so sn ir eins oder beide nd oder harnach in
solicherwiseieraernsgelihent. dammb wanne sä «il übte nüt alle latine Ter-
stont, 90 ist dnrch tren willen dise ordennnge zu tntscb bie gescbriben nsd
Kl onch in das ander latine bßch, dobi an dise bncber beide bekennen mügent
und gevordem knnnent, so anwellect, and snoncbmit desto grössere mione
bewarent nnd behätent zu eime gebesse rlichen exemplar aller gutwilliger
gelerter Inte and das sq dnrcb die materien gemanet werdent an die gnm-
delose erbermede gottes, wie mit so gar manigeme frömedem farwnrffe er
iä ona alle gerne begobeto nnd begnadete nnd ewiklicbe behielte, vil liht«wat-
dent eltliche dardnrcb gezogen zä eime gi)ttelichen bekanlen lebende, nffe
das oueh dise selben bncber fandiert sint ; wanne sn sagent den aoefang nnd
die ordennnge nnd allelüiffe des bnses zudem Qrnnenwerde, wie es von
alter bar ist kummen in grosser gnodenricher wirdikeit ie ns eime stamme
!« in den andern von dem aller ersten arsprnnge nnt/.e in sancte Johann orden,
nnd geaüftet dnrch die erlnbteten frnnde gottes zu eime flahtbnse nffe dri«
weltliche pflegere, die es haben nnd tragen sdllent in der rerbriefeton ge-
schribenen ordenonge alse drie nnterstiitzete pfiler. weihe onch iemer darza
»rwelet werdent, die mügent es von gotte för eine sondere gobe nemmen,
i'> der sä nnt nnahtsam sin 9r>llent von der frnhte wegen, die in one allen
iwifel ewiklicbe dardnrcb volgende wnrt, des sü nrknndes rebte gnüg ge~
schriben rindent in disen gegenwertigen bücbern, das onch andere gar
schin liebe zeichen gar mergliche wisent, wellent wir irwamemmen nnd mit
Tersameltem gennte and besehe idenheit ane sehen, wie die Stifter SO gar in-
^0 gezogene verborgene beimelicbet'nindB gottes worent, nbemalnrlicb begobet.
Tol inbrünstiger minnender inbilierendor früiden mit eime steten inflosse
and forsmacke göttelicbes niessendes nnd innerliches frfjidenriches trostes
und himelscber fürküstonge über alle sinnelicbe natürliche vemnnft, in dem
in gewönlicbe gar vil lüstlicher frümeder wander geuffenboret wnrdent. von
U allen den selben überaaturlicben iubüierenden fri'iden und bevintlicheme löst-
licheme fruidenrichen tröste sü sieb ns keren müstent vil iore imd zitlicben
kttsiber nnd gescbeffede haben müstent mit der weite nnd mit weltlichen
sachra nnd mit maniger widerwertiger üsserlicber verbildnnge, ebe sü das
hna nnd die hofestat zu dem Orünenwerde ie möhtent erwerben, gebnven
10 snd beBetsaa in die gött«|liche ordenonge, alse in zu erkennende gegeben i
wart, in dem as öch stnnt und voUebroht wart, ebe sü ns der zit schiedent,
das in eine eilende swere pine und äbnnge was, in der sn sich nnt gerne
gelitt«D bettent junb allen woUnst nnd ere und gut, das alle die weit ge-
C2*
leisten mag, were es rüt ein sÜDderlich werg gottes gesin, daa er voniu
haben wolte nud $in müste, alse si'i wüI befnndent iu grossen mirackeln und
iu grusseme tracke und getrenge der nataren.
Nu mag maa ouch noch me arküodes mercken and verston dis gutUs
warckes, so man aoo siht den schi'men grossen liistlicheu gebn des hnses und ■
die erlicbe kostliche gezierde der kyrchen und des gottes dienstes, der su gar
kilrtzliche uf ging und zu nam in dem ersten auefatige mit anderre lipUcher
iiotdarft, in der es got so gar v<'<lleklicbe und ge u ab tsatnik liebe versorget^
and versach and es onch ewikliche verseben wil, alse lange ein erber geisilich
leben darinne gehalten wnrt, und die drie pfleget, die man nennen mag irit i'
pfilur, in rehten giMtelichen trawen vestikliche darnnder stonda bUbent. aber
211 welber zit ir einre iemer entwichet and abe vellet von nrdratze oder ven
widerdriesse nod nüt in fnintlicber minaesammer einmiitikeit der bn'ider
gestet nacb der Stifter meinnnge, so ist zu vörht-ende, das der gebu und das
fandameut der selben geistlichen erberkeit ond ernestlicher behätsamkeit al- i'
zilmole zerst'iret und zerfallende werde, alse me bescliehen ist und noch vil
geschiht iu allen klöstern und biisern des selben sancte Juhans erden und
aller iVdene und geistlicher sammenunge, alse man wul priifeii und mercken
mag in dem mittele und in dem ende, die leider gar ungelich sint nnd nn-
gelich gerotent werden irme ersten anefango in demutiger gehursame, in ■:'
einvaltiger luterkeit, in gewilliger armüt and in den andern tagenden, die
zu eime geurdenten geistlichen lebende gebörent und sünderliche in disen
lündersten ziten iiUer meist hüser und klnster verderben! und zergont, die
mit weltliches anderstandes noch getrnwes zusehendes hant, darns onch dise
pflegerige von den fründen gottes ane gi.'seben w;irt in aller wise und orde- .
nunge, also hievur geschriben stot und di^r brief seit, danunb s^Mlent die piie-
gere durch got alles glimppfes voren und den urden noch des selben huses
bnidere mit trengen noch besworen mit keinre fr''imeder unzimelicher vorde-
ruiige, das ir brief nüt inne bet, durch das sü ewickliche in früntschaftfu
und in miniien der bnidere blibent. in keinrc andern wise mag die selbe erde- '■
nange und die behiitsammu erbcro geselleschaft biis geston liplichc nud
geistliche: wanne woltent die pficgere sich vaste stnissen nnd onfrnntlichp
gebiiren und dt'n orden vil bekumbern und bpsneren mit unredelich-.'r vurde-
runge und anesproehe. do sit nüt reUt zu heitent: so mabtent sü in seltner
grossen ungclimpf, das der ordcn deste ungewilliger und widerspeniger ■■'
n urde die schuldigen artickele des besigelteu briefes m haltende, dnrus ' imih
danne ents|irünge und uf stünde nit und blost nnd zweygunge und manigericy
unfride und vieiitliche afset;!e, die den andebtigen erlichen gottesdienst nl-
züniole zerst-'<rende würde, das sin das lius lipliclie und geistliche v'rderben
uiiiste. diivon die almchtige ewige heilige trivaltikeit. Maria die wirdii'e >■'
muti'r gottes, die hohen himelfürsten s^nictc Jobans Ijaptisl und suiicie
.lijlians Kttaiigelist und alle lieben eiigele, die li'ibelicbeii gnodenricben p^-
ß:J*
Ironen nnd erÜchen hasttsiren, ^smehet nod enteret wiirdent, das von in
oiemer nogerochen noch nDgepflnget blibe. die ^ndelose erbermede Dosers
lieben herren habe es in irre hüte und für kämme es ewikÜcb vor alleme
nngevelle lipUche and geistlicbe. Amen-
Dis sint die wotFen dez erwtrdigen weltlichen berren, hern marachalk
Wernhers von Hiineburg, derdaz doster zu dem Griioenwerde
in den alten aller ersten ziten ane vin^ und von nawem nt faiidierte and
stiftete der beiigen trifaltikeit zu eren. der selbe erste Stifter von Hüaebari;
ücb begraben lit in derselben kirchen zu dem Grjnenwerde nnder dem
I hindersten glase venster vor der borkirchen innewendig an der alten maren,
die in den convente stosset gegen der stnben nnd dem dormenter. nnd waz
ein erlich erbebet grab mit eime wissen swanen halse in eime gohalbierten
scbilte, swartz nnd goltvar darüber gemolet, nf der seltwn stat, do nn die
fröwen stüle stont and dar gemäht wardent bi Büteman Herswines
I ziten, dez andern nocbgonden Stifters, der <'>ch den selben alten gebu ane ving
zu emnwende und zd verändernde sab anno domini UCCCLXVI, also die
Urkunde bächer sagent, sonderliche dsz aller erste vorgonde blat in dem
tatschen orkünde buche, an daz selbe erste blat '>ch andersite gemolet itt
dise gegenwertigen woCTen des obegenanten ersten Stifters von Hünebarg
■ li eime ewigen memoriale, nmbe daz siner gedehtnisse niemer vergessen
werde, wenne es ist zu gb^bende bi der selben gnodennchen ersten Stiftungen
and bi sime andehtigem ernsthaften kere in dem ersten cappitele der emn-
wemnge geschriben, daz er ein grosser gottes frünt gewesen sige, in dez
gemeinsame wir billiche gerne sin snllent. Got loss« ans sin and aller siner
> nz erweiten lieben frnnde ewecliche geniessen. Amen.
Wappei 4« Werter v«d Hinebai^.
.">-ä5 SehrifwhBttkf; Nr. 10, X.ui
IS d4rDnt«t kvin <Ui> lir:ßt: J'vati^cb--. M-^u
ittaden seia iS ifl. II'II.
III.
Das Brief'buch.
' Dis isl da?, lirief iii'ichclin, in dem vertiammeU
sint alle die mi*?syven, die der liebe verborgene
gottes fi-iint inOberlant, RiitcmanMerswinps unsers
Stifters Müligen lieimelicher gp.selle, ie zi'i mole herabe
geschriben bet den prie-^tern und per^onen zudem '
(irdnenwerde vonden wercken ^ottes und ettelicber
frtimeder offen horunse und von mani.izer loige ue-
scliibt iri's und oiicb unscrs ^ebuwf.-;, wie .sicli die
vi'rlnrren liant sider der zil, daz dis lius zn dem
CrtMHMiwcrdi' warl / ü dem ersten an y cianjzeii zii it- ;
iiuweiidr, iilsn e.-' drr vor^(>nanU' Küleman Mer^win
von den von AI tdnrf enpl'an^en uTid in genoinen lit'tte
und !■< inil sineii wi^ltliclien priestern begatte, liie
darin /u^cnt uiui ilii> kircbo aiic fingeiit zn be>-ii)-
;zeiidr an santc I.u.n tage anmi dnmiiii M" ccc" iwj. !■
II. 'I
disi'i
;..scbr
und /M Intsdi
liuitcn husi'S m dem (.Im i
Inriliyi'sli'n .-jirin'', (üü in
ncbnrrnt. und sint vil worl
diHTO ;.
■crliL'i't
Lind ini^sivi'H sint cLlii-bc zu latiin'
iii' drii nrkiindi' bnt'bcr d(;z vnrLii-
■nwrrdc, doch nnwcnt die not-
'züiniillc /ii den selben inati-rii'ii
und sinne nndervve;ien blibe[), dii' -
lüelii' i;anlv: i-iesebribcn stunt noch
deouDge der materien, alse sü noch enander gehörent und eine
die andere wiset; wie doch etliche briefe werdent vorstonde,
; vil bhte zii hinderste koment und noch der daten jünger
it, abe den nieman irren sol in vürwitziger zwifelunge, wenne
sint uf daz aUer mercklicheste noch enander geordent mit
"satze, durch daz die sinne aller menglich verston kümie nu
d hamoch ewicliche.
Item der liebe gottes fpünt in Oberlant mit siner geselle- G»«A»c**«
b^ die in unsern drien Urkunde büchern zu latine und zü'^*^^"'***-
3ch geschriben stont und genennet sint die fünf manne, vingent '^
h iren gebu an unlange vor dem beginne unsers gebuwes zii
m Grünenwerde und der vorgeschribenen daten, also es
ilman Merswin selber seile brüder Clausen von Lüfen,
i wile er noch denne ein weltlich priesler waz, und keine bere-
nge beschehen waz mit den Johansern von dez Grünen-
3rdes wegen, daz sü darzü kummen soltent und dem orden
z hus von Külman Merswin in gegeben solle werden.
Item die vorgenanlen fi'inf manne worent zu den selben nre
ea seßhaft bi enander in einer slat zu Oherlanden, und waz *'*'**'■
nüt fridelieh noch Irösllich, daz su under dem gemeinen volke '"**"**
wonunge haben soltent, und koment es mit ernsüichem ge-
lte an got, daz er in zii verstonde gebe, wo er wolle, daz sü
: wonunge machen soltent, do sü sich aller lidigest und abge-
leidenlichest gehalten möhtent do wart in eins nahtes von
Itc geoffenbaret und zfi verstonde gegeben, also RiUman Mer-
fin brüder I Clause von Löfen seile, daz sü soltent irme ]•>
artzeo hündelin de/, morgens volgen und noch gon, wo ez hine
Ige; so soltenl sü wol bewiset werden, wo sü got wonende
ben wolle mit irre husere.
Ilem dez morgens volgetenl sü der oßenborunge und dem
iprechende gottes und gingent dem swartzen hündelin noch
CT daz vell uzhin durch stock und durch sluden und durch
ißer und durch graben, wenne es bleip nüt uf keiner rehten
ofien, und do daz hündelin etwie verre kam, do stont es eine
le stille bi einer grollen stat des erschrockent sich die fünl
Lies fründe gar übele, alseRälmann Merswin seile, wanne
6 got Dichb'tglich Tom Sehraibar aingengt-
Sil vorhtenl, daz si'i bi der selben slat ire wutiunge haben miislenU
dnzi'i si keine miniie haltent; wenne alles ir leben waz gekert
mit gantzer begirde uf innikeit und einikeit und lidige abge- ,
scheidenheit von allen creaturen, also ir raiunenriches schriben
wo! wtset und gezügnilie gil manigvaltecliuhe. ^
Item donoch gar zühanl ging daz swartze händelin fürba?.,
und die fünf gotles fründe volgetent ime noch aber durch slog
und durch studen, unlz daz si'i komenl uf einen barg, ist gelegen
in dez hertzogen laut von Osterich, dobi keine stat gelegen
ist inneweiidig zweien raüen. under dem selben berge IlülJel m '"
schöner liistlicher burne, alse R i'i 1 m a ii M e r s w i n seite. di
atunt daz swarlze iiündelin stille und schar in daz erlrich und
wintzeite und bal gar vaste und sprang uf die goltes frundt
elwie dicke, dobi sii wol mercketent, daz got die selbe hofestal
ineinde, uf der aü ir woniinge haben soltent. '■
Ilem donoch gingent si'i zu rote, wie in die hofestat werden
mnhte von dem herren des selben landes, und komenl dez mit
iren guten fpündeu i'iberein, daz si'i einen erbern botten uz sanleiii
zfl dem herren; der wart underwegeu gefangen, und do er ein
gantz ior in der gefengniDe gelag, alse Riilman Mers win seite, -'
do wart er erst lidig und erwarb in die hofestat; und do vingeiit
ouch die rinif gottes l'riinde zu ^Lunl un uf der selben hofeslal /m
buwende, und do hu wnl tusent guldin an den hu geleitent, do
wart so gro^ unfride in dem lande, daz sii nit fiirhaz me gebuwen
nn'.htenl; und bleip vil iore also nlonde, daz sin die lieben gulles -■
l'n'inde kein ahte me hettent, und sich ziimole daruf vcrtrnstetent
nnd es uz den sinnen slügenl und kein gedeucken me darnoih
hettcnl in gantzer gclolienhcit.
■' Item dum ich hesi.'Iiach es bi hobest (Ircgnri iis /iteii vor iler
zisnia, scilicet anno ilumini m". cci". Ixxvij, daz der viirgynanl ■
' gottes fn'int. Hulinaiiries liciiindiclKM- geselle, der Icige, luid sini'i'
priester einer, ilcrjni'iste, miistontzüdem selben bdbesLeGregorii'
varen gen Fl o nie nnd inüsU^nL ime siigen, waz in von sinen wegen
geotl'eLibort warl, alse ei' selber lierabe si-hreip It ulinannf
Merswine und iiiiider f.Maii.-=erL von Lnfene. und (io s\\ '
.u^en limne komenl. do fm^'rtf der Icvge iimh einie Hnmer, den
67*
er lange dovor bekaot bette, und fundent in noch do lebende, der
selbe Römer eopSog diso lieben zwene gotz Iriinde gar fri^Üicbe
und wohe über al nit enbem, sä müstent mit irme gesinde und
mit iren pferden und wagen bi ime zu berbergen sin, also lange
5 sü zu Rome zu schaffende hattent, und erbot es in gar wol und
hofierte in gröslich mit erlicher koste.
Item donoch sprach der Römer zu dem leigen, Rülmannes
gesellen; es nimmet mich etwaz frömde, daz du nu zu dinen alten
tagen so verre landes harin zu hofe gefaren bist, es müs gar
0 redelicbe sache meinen, do sprach der leige: daz ist wor, wir
miissent xür unsem heiigen vatter von gar ernstlicher sache
wegen, do sprach der Römer: ich sol üch wol für in bringen,
wenne ich bin ime gar heimlich und iße dicke vor ime. und er
schuf, daz sä der hobest an dem dirten tage gar müßeclicb ver-
ö hören wolte, wenne der Römer hatte dem bobeste gar vil gutes
von disen zweien lieben gottes fründen gesell, daz er meinde
alle andere sachen uf züslahende, umb daz er su alleine ver-
hören möhte.
Item also koment dise zwene lieben gottes fründe des dirten
8* tages vür den hobest Gregoriummit hellTe dez Römers; und der
jnriste rette zu ime in latine, und der leye in welsch, wenne er
nit latine künde, und sprochent under vil anderre umbrede:
heiiger vatter. do sint alse gar vil großer süntlicher gebreaten
in der kristenheit uf gestanden von aller könne menschen, domitte
i» man gotte grösUche erzürnet, do soltent ir ettewaz zu gedencken,
daz sii abe leit und geheuert wurde, do sprach der hobest: do
kan ich nüt zu getün. do seitent ime die zwene lieben gottes
fründe von sin selbes heimelichen gebresten, alse es in mit
guten Wortzeichen von gotte geoffenbart wart, und sprocbent:
äo wlBent heiiger vatter vür wor, legent ir uwers selbes gebresten
nit abe mit gantzer beüerunge, so sterbent ir dis iores. also
öch bescbach.
Item do der hobest dise stroffende rede von in gehorte, daz
siL umea eigenen gebresten rürtent, do wart er gar ußer moßen
^ raste zcvoig. do sprocbent die zwene lieben gottes fründe: heiiger
vatter, iiement uns gefangen, und künnent wir üch nit gute wort-
zeieben gesagen, so tötest uns und tünt ußer uns, waz ir wellent
An ;«iiranh -Akt hnhf>sl ahc^T aar rrimMfhi^: lutoonl nn. uinT. AW.
woweiclien aint. und do su ime die worzeichen gorieilenl, lio
.«tiint der hobest uf von sime stüle utid umbe ving sii gar fniol-
21' liehe und gab in daz beze an den | munt mit groüen fKiudai,
und sprach zil dem leigen : wir siiüenl mit enander welseh reden,
sider du nit latine kanst. und under vil andern minnenriclien '
Worten, die er lange mit in rette, do sprach der hobest zii den
zweien gottes fründen: kundent ir dem keiser i^ch aisoliche
Wortzeichen gesagen, daz were der cristenheile gar zflmole ntitzlidi
und gut
Item donocii bat der hobest dise zwene liehen gottes Iründe. H
daz Sil do bi ime soltent hüben zii Rome, so wolte er sü ve^
seilen an aller irre lipüchen notdurft; darzü wolle er in gutes
gadg geben und öeh irme rote in allen sachen volgen, do sprocheut
die zwene lieben gottes fründe-. heiiger vatler, erloubent uns wider
heim zii farende, wir weüent alle zit gehoi^am sin herwider »i "
üeh zu kummende, so ir es begerent; wenne wir enraeinent nodi
enwellenl kein irdensch gut und sint ("jch darumb ni'it Iiar xü
üch kummen, wir meinent gottes ere und der cristenheile ewi^e
selikeit obe allen geben diser zit, die zergenglieh sinL
Ilem do frngpte sii der hiebest, wn Ir heimfile were. do "
sprochent die zwone liehen gottes friiiidc: wir sint lange selihatl
ge:>in in einer ^'tat, die sii ime nantent. daz wunderte do den
hobest grosliclie, daz sulii;he gottes Iründe under dem gemeiiieii
Volke wonen solteiiL. do seitcnt sü ime aher alle ding, die liievnr
geschriheii stont, wie sit daz 5warL:<e hiindelin in gnttelicher -
oirenhorunge IVirte durch sLoi; und durch studen zu eime berge,
uf dem Sil tuscnl Tilidin vor zitcn verbiiwen hettent. und halterit
es geloljeii also bliben, da/ sn nül nie darzii gelun kundciit nocli
enrn'ihlent. do wulte in der l)id)esL flu histuni und ander iievelk'
und vil gutf's darzii /.•■ stiiro liahen gi-ben; daz versprochent su ■
und woltenl sin nit. darabe wart der hid)est grasliche j;e-
bellert und gab in gar gute briefe mit gemeinem rote der kardi-
nale, durch die seihen briele ir gebu in den selben ziten votbralit
wart i^ar gnodenrichliche, also hieuoeli gesehriben slot in einer
missivon, die der selbe leige. Hiilemannes geselle, dem cummen-
diire zii dem Gn'nienwerde lierabe schreip.
Item do nu dise liehen zwene gnltes rrunde ire sache gerililel
hattcnt mil dem hoheste und von f{ome scheiden woUent, d^
69f
\volte SU der Romer, ir wurt, bi dem su zu herbergen worent,
keinen kosten loßen bezalen, di sü bi ime verzert hettent, und
schenckete e.s in alziimole, und gap darzü dem leigen ein gar
gut zeltende pfert, und behüp er den wagen, ufTe dem su dar
5 kummen worent, und sprach: daz sanfte gonde pfert were ime
vil gemechelicher zu ritende über daz hohe gebirge wenne der
wagen, umbe daz er ein alter swaeher man w^az. nu waz der
bebest darnach der göttelichen botschaft unahtsam und volgete
ir nut, und starp in dem selben iore, also ime die zwene gottes
0 fründe geprofitiget hattent, scilicet circa Letare anno domini ^^^
W ccc' Ixxviij. '^^ ^^
* * 5MB.
Item der selbe leige und gottes frünt, Büleman Merswins unsers 3^
Stifters geselle, schreip den brüdem zu dein Grünen werde mit siu ^^\\^e& EinUU%Mg
eigener hant an Tier bogene bappires sin und siner brüder leben, daz wir
5 nennent daz buch von den fünf mannen, die selbe geschrift, dez lieben gottes
fründes eigene hant, man billlich halten sei in großer wirdikeit ghch eime
heiltume, also och me bienoch geschriben stot. dammbe sint die selben vier
bogene, dez frünt gottes hant, zu aller nehst hienoch geordent und in ge-
bunden in aller der gestalt und forme unverändert, zu glicher wise alse es
0 Bnpreht, des lieben frünt gottes diener, selber brohte Büleman Mers-
wine, unserme Stifter zu dem Grünenwerde, der es den brüdem gap
mit einer missiven, die och hienoch vor dem buche geschriben stot, in den
pfingesten anno domini M^ ccc^ Ixxvij. J^577
Dis ist eino^abegeschrift einer missiven, die der liebe BegUit-
5 gottes frünt in Oberlant herabe sante den brüdem zu dorn ^^*^f
Grünenwerde mit dem buche von den fünf mannen, daz hie-
noch geschriben stot mit sin selbes hant.
In Cristo Jhesu usser sime azflüssigen minne quellenden herzen so
müßeut gegrüsset sin mine vil lieben brüder zu dem Grünen werde. Mir
0 hat Büleman ne, min heimelicher frünti geschriben, also daz mich die jungen
brüder gebetten habent, also daz in ettewaz gutes geschriben werde, na vil
lieben brüder, ich künde mich nu zümole nit beßers verston, wan dnz ich
üch schriben snlte unser brüder leben; und dis habe ich ouchgeton und habe
üch gesant ein teil unser lieben brüder leben ; wanne wißent, und solte ich
h üch von Worte zu worte alles ir leben geschriben haben, so globe ich, daz
ich es käme an ein gantzes meßebüch geschriben mohte haben, und wißent,
daz ich üch der brüder leben geschriben habe, do habe ich inne gemeinet :
ond wer es, daz es beschehe, daz uwer brüder eime alsoliche gnode wurde,
11 VIU stellt über Rasur 17 8. unten Tl'tiS ff. ^4-'i"» tö\,.
also daz er übern&türllche von dem heilgeu geiste begnodet nnd berüret
Würde : weleme bnlder daz under üch beschehc, der mühte danne wol ette-
wax lere in nnser brüder leben ßnden, alsu daz er sieb deste baz darnocb
geritten Isniide ; wanne willent, lieben bnider, daz got sine friinde gar on-
gelic'b in fürende and ziehende ist, wanne er in siner ewigen wisheit gar <fü1 '.
bekennende ist, naz oime ieglichen meuscben mit sanderheit zu gebürende
ist. vil Heben bruder, icb bette üch gar gerne alle ding in ntrer sprocbu
geschriben. alse ich Tich wol künde und wolte es geton liaben, also vergas
es mir gar vil. und habe uwer sproche und unser sprocbe underenander g»-
scUribeu, nnd darzü so ist die geanbrift gar übele zi\ lesende: der «'S uocli k
scbribeu sol, der miis dor sinne wamemen, mir waz not, ich suhreip alle
dise ding in fünf dagen, wan ich miiste Rüprebt hinweg senden. lieb«n
brüder, and ist es nu, daz ir dise ding nit wul küiment gelesen nnd noch
nwerme dütsche anderwerbe abe geschribeu, so bofelbent oz brüder Nyco-
lause de L<'ifene, daz er es abe schribe. unddarnnibe so habe ich inöch i5
3^ gebetten nnd habe es | ime ernstliche geschriben und habe es mime heime-
lichen fründe i'ich befolhen.
Lieben bnider. mir hat R ü p r e h t onser lieber botte gesett. daz er an
B 2S anBer lieben früwen dage in dirre vasten ond noch zweno dage darzü. die
drie tage alle tage, des coromendiir bredie horte; nnd horte "ch alle awar ä«
m°l3en, bedo singende and lesende, nnd es gefellet ime allossament gar nller
moDen wnl, wanne daz eine, das wib nnd man, jung nnd alt, arm nnd rieh
gar vil in dem köre waz, daz zt'i manigen ziten der kor rehte fiNI waz, alsu
daz in wunder hatte, wie die brüder getotent «der wie ir keiner iemer sius
bertzen möbte war gencmmen. und willent, und ist daz also, so gelvllet ei '.-'
mir nit wul, und ist mir leit und ist lieh, den jnngen briidern, gar s<>rgliclie.
Und wident, und bette ich alsu vil dis irdenschen giites. also ich hatte
vor drigen iuren, ich gebi> es dar, daz der heiligen driveltikeit und sant
Johansen sin bu vollebroht wurde, R ü p r e h t der sprichet, es si also vaät
uf gemäht, und or getruwe zügotte, der zwei hundert guldin hette. erbn-bl>' i'
die maren wul zii und daz dach darul'. also daz man wol danne sünge anJ
lese dinne, s<i kerne ib.'niie daz ander innewendige von zit zu zit wol. und
wer es also, so hat mii^h wundt^r, wie es ergangen ist, daz man es bit also
stiin. ir jungen lirüder, ir solteiit dar/.ü reden, daz es ufkemo, daz wer uth
gut : und ir soltent durzu hclITeu steine nnd boltz tragen, waz man zu der '
kirihen be-trirlte, wanne willent, wie alt daz unser liruder sint, so wir bu-
went, so helffmt sü. so ez sü an der zit nüt sumet.
Lieben bnider, ich rote üch ulter gelidien truwen: alles daz ich iich
geschriben von allen unsern brüdern habe, daz irdaz gentuwerm kommen-
dür von gehorsame wegen in sine haut und lont es in besehen, sprirhet er t
denne. ez sige imi' liep, daz ir es babent, und git es üch wider, so «erneut
es von gotte und vini siner haut in gehorsame widerumlie ; und wer »'S ab.-r.
71*
laz dar comendur spreche, ir süllent ez nüt haben, so süllent ir es ime in
gehorsame öch losseD. also snllent ir io allen dingen gehorsam sin, es td
1er natnren we oder wol; and daz ist i3ch reht nnd ist 5ch ein rot dez
aeilgen geistes.
Ach lieben brüder, ich rote öch, daz ir in disen s&i^lichen ziten allezit
{swarnet sint nnd wer ez, daz es beschehe, daz gnt verhengende vorde al-
»tiche swere Sachen, do uz ir üch oit wol gerihten künden^ so lont ir üch
'A gTDiidä dinne nwernie commendiire, and wie daz er üch heißet, daz ir üch
lalten süllent, do tnne süllent ir ime gehorsam siu : dünt ir dez nüt, so wis-
lent, so mÖbte üch der düfel wol verirrende werden nnd eine verirrete con-
liencie machen. Na lieben brüder, die kraft dez vatters, die wisheit det
lones, die minne des heiigen geistes si in zit und in ewikeit ewiclich mit
ich. Amen.
Lieben brüder, ich beger an üch, daz ir got vür mich hittent nnd vnr
die unser brnder ; wanne wißent, sint wir nüt mit dem übe bi üch, so sint
SIT aber mit unser minnen vil bi üch.
Datnm circa festam penthecostes anno domini W ccc'* liivij.
Hie TOhent ane die vierbogene, dazbüch, vondemdo
'or geseit ist, alse es der liebe gottes frünt mit sin selbes
'igener hant den Johansern zu dem Grünenwerde geschri-
een het von dem lebende sin nnd siner geselleschsft in
)berlant
Darauf, folgt in besofiderm He flrJien, jetzt BI. 4"— 11° indtaive, das
Fänf- Mannmbuch mit dem Anfang: In Cristu Jesn minan vil lieban
»rüder .... gedrvckt bei Schmidt, Gotteafr. 79 — 119 und Schmidt, NvB.
102 — 138. Auf der leisten freien SeiU dieses Büchleins (BI. 11'-) fährt
larauf NvL. weiter:
Dis ist daz bäcb, daz nnser lieber vatter, der grosse heilige gottes ]
rünt in öberlant, Büleman Merswines nnsers lieben Stifters
leligen heimelicher geselle, mit sin selbes hant selber geschribon het Ton
lUer siner brüder leben, nnder den er der fünfte gewesen ist, der zu hün-
lerat in diseme buche geschriben stot. nnd wie wol dis buch dicke nnd vil
ibe geschriben ist, nnd wir es onch selber zwivaltekliche zu thützsche nnd
tu latine mit texte geschrift in zweigen wol gebondenen guten bücberen ge-
«hribenhant, noch danne so soldisgegenwertige bappirine buch, sin selbes
feschrift, nf diaer hofestat zu dem Grünenwerde ewekliche bliben nnd
;»T erwnrd^liche gehalten werden glich eime grossen heiltäme zA eime
iwigcn nrknnde, dobi wir nnd alle nnsere nochkommen ewekliche gemanet
rndant an die frnhtbere grosse gnode und würdtkeit dis hases zu dem Q r ü-
leowerde nnd an die getmwen fnrsprechen, die wir an in vor gotte in
IS-tS nt, itebt a.m Schluase der Seit« 3
26 vgl. SohriftU-tiiV Si,
himmele haut; wanne sii hie nf prtriehe unsere liehen si'inderlichen fründe
nnd vettere gewesen siut in gnttelicher minnen Qiid in bruderlicher tränen,
dariis sii ans dis buch and vil anderre giiter gebesserlicher eiemplftr in
lere dicke gesehribon hant, der wir bilUohe niemer vergessen »Mlent; s»
mag mi3 grosse ieraerwerende ewige fraht dardorch Tolgen, obe wir selkt '■
wöllent. oacb stot in diseme ge^enwertigeu bappirincn buche ettewie tU
heimelicher rede nnd artickele, die in keime buche niorgent anderswa ge-
schriben aint, wenne sü niemanne in gohi'rent, denne alleine nnwent dem
hüse und den b rüderen hie zil dem Grünen werde; und were ouch nnt
gi't, d&i sä ieman Rnders lese, der nüt zu dem hnse geh-'>ret. es het oach ii
der liebe fniut gottes in Überlant. unser getrawer vatter, nüt al»i gf-
meinet. unil er befalcli es ouch sünderliche mit grosseme emeste in eine
briefe. da£ men dis gegenwertige buch abe solte schriben and die selben hei-
niülidien artickele alle nsse Hesse, also da! Bii niemanno fr^mede* iii lesende
Huriieiit. !■'
Dis ist eio missive dez lieben Irniit gottes, kam in den ziten. Brie.
do wir den beschlossenen kor ane gevangen hattent mit vil wider '*
drießes, der uf den gebu viel, wenne es uz natürlicher neiglicheit
beschach one rot dez heiigen geisles, alse die Urkunde bücher
sagenU dise selbe missive seit drie sinne:
Der erste sin, wie er und Riipreht, sin dienet, rietent, dazwir
die kirche soltent haben umb gekert; des woltc aber die heiige
trivaltikpitnüt, alse er indiser nehston nochgonden missiven ander-
werbe schribet und diseii gegenwertigen ersten rot widerruffet
Der ander sin diser ersten missiven seit, wie die ptalheiL und
der rot und daz gemeine volg in Oberlant den gebu der lieben
{lOttes fründe so gar begirliche gehullent mit gemeiner stiimne.
Der dirte sin seit von etlicher offenborunge, wie der liebe
frünt gottej! in Überlaut und Külman Mcrswin, unser stiller,
betwungen wurdent mit grossem lidende we und getrenge zu der
stiftunge dez Grünenwerdes. und vohet die missive aJsus an
und sprichet zn dem commendi'ire, der hies do zu mnle briider
Heinrich von WolwasciL
Lieber fnint, ir habcot mir ^r vil geschriben v«n nwers gebawes
wegen, do viOent, daz es mich etwaz fniuide hat, also <laz ir wol drü ior in
großen uurüwen siat gesta na J aUe gar entsetzet in owerme gebnwe wurden
sint; and der üch vil gutes gebe, daz ir es verbowen sullent, ir werent sin
ait gar fro. nu vil heber fnint, dis het mich etwaz gar eine frümde sache
an ücb, also daz ir mir dise ding nit vur vil zites verscbriben bant, wanne
ich ücli mit der belffe gottes wol zu stnnt darnz geholfen hette, wanne ich
bekenne Bülman wol in der geluüenheit, wie daz ir es gebnwen hettent,
daz er sich wol darinne geloDen kande haben, wanne ich daz wol weis, daz
er üch gar liep bat ; wenne er scbreip mir in den selben ziten, do er üch daz
gut ander die erde leite, daz wol ij<= gntdin kostete, «laz der selbe geba wider
allen sinen willen were, und det es üch duch zu liebe ; wenne er sach wol,
daz ir gar sere danif getriben worent, daz ir gerne einen oawen schonen
kor gehebt battent. hammbe so det Eulman den anefang von sime gute
on allen lot üch zu hebe; liarambe so zihe niemanden andern mit. waz b<^
■cheben ist, dazbefelhent gotte, ond vohent nn rehte indem nammen gottes
ein nnwea ane und gont na wislich darmitte nmbe and nement werglüte
darsA; weder weg denne der beste ist, dem volgent. aber wißent, daz mir
Bftpreht dise vart geseit het, also daz ir and Rülmas oa zu binderste bi
enander worent, und hatte B ü I m a n n einen nnwen sin in dem bnwe gedoht,
do hattent ir üch einen nowen singedohL nnd Biilman derseitefiüprebte
I die Uer In p-tiB^r .Scbrift ^''^drucklen ri;.-r><-hrifti:[i sin4 iu ilvr Hsadi^hrirt
beide nwera sin andsinen sin and fronte in, weler sin ime aller bastgeti«Li.<.
do sprach Büpreht: icb wil mich daruuch besitmeo, wenaeicb nnkurtzM
her widemmb müs, so wil icb es üch sagen, and so icb heimkomme, so wil
ich öch rot ilarnnibe haben, nn wiHent, do Eüpreht lü mir kam. do saits er
mir Ton disen zweien sinnen nnd frogete mich, weler sia mir aller hast ge- >
fiele, do sprach ich: vil lieber Rupreht, dn weist doch wol, daz ich min zit
nit vil mit gebawe vertriben habe, hammb so bitte ich dich, daz da mir
■ wellest sagen, weler sin dich der wegesle nnd der beste ] danket, do sprach
B ü p r e h t : so habe ich mich allen den weg do heraf bar bedoht und doncki^t
mich dez commcndiires sin gar verre der nutzeste nnd der beste, wanne du li
werdent zwo appetsiten, do iime man wol machet cappell'.'ii nnd eine sacti-
stige, nnd waz man bedarf, do bet man wtt gnüg. und wart "ch uochdauu^
ein witer schöner kor; und sprach do: solle ich disa vart wider abe vareu,
ich riete in allen trnwen, also dax mau die kircbe ambe kerte, uud dax dete
man dia summers, UJid mabte man deime den kor und daz andere damocb iS
gar müQeclich: nnd man raahte gar wo] in der nowen kirchen ein kleines
beslofieiis k>'<rlin, dn die bn'idere friden iiine hatlent, nntze daz es gerne
gebnwea wnrde. un ril lieber fnint, ui!ihte E ä p r e h t dise vart hinabe sin, so
hette ich üch dts nit geschriben. ichhettees Büpreht mit dem ninndege-
loDen sagen, nn vil lieber frünt, nement werglüte hiezü, und mag man es -A
dis snmmers zubringen, daz man diokirche mag umb gekeren, so vohent es
in dorn nammen gottes ane, so tniwe ich zu gotte, daz üch danoe der täfel
in diser Sachen zi'i friden müs loßen.
Der ander sin. im lieber friint, ich knn mit wi.'l gelolien, ich mülti' i'f'n
■Vh schriben, wie es nris goiide wil worden mit unserme nuweii gebuw.'. Av ;■
lolle ich lieh willen, do Rupreht diso vart doiiidenan waz, do wart uns freseit,
daz unser biscliof in einer stat were, die do wol .\iij mil'^ii hortes lanires
weges von ui[S wiz und wart uns gusi^it di? er eine huge zit in der -^tat
w Üe'.in dottuidentunaer bnidcr mit uübiii rtte d-iz »irRi prc litt s ii t
bellen s Ittrit unl »ir zmnt di d v r lern b be te «er iit gesin i
-oltent wir le^ bibtste-^ briefe zu uiia ueiDin und txllent riten zu dem b
sibof und '.oltent in die bnete I Iten le-nn und solteiLt in dmiiebi ten dai
(r (s diir'b t, t woltt tun alsi er die bri te geh rt hette b r un « Ite
loten li/ wir -■ ■» It ni .jno vthPn aK 1i i ri le -at, nt odtr e f )t iii
latJin \hi <-ton io let der bischof dKogn irnntlKh unl al e gir n iiine
luhe uni aKo gar fndich darzu il e ei gduu ni bti und vprach 1 ^ir
i rnatliche zu un'» ir sull nt willen ich ged in kt un i gl be ps h reht n 1
und i\si aderblist <b «"Ib r ane ges'htn het nnd licsaiut ir e lei i
iKo at n und nut mit j^t I «.nie ernste dar/u detent bo ^toube ich la/ i
^rollc sundutit nt dis w rt und noch gar mI mc miniientlich rviort retl*
1 r Ij ih f /u mii) und gaji uns io briefo an gute pfaffeii in dtr stil al
Uz niisdie rjt n s Itenl «le l(m\olkeindi tit (erkundet wurl uul
^lhun^ rh ein II ir t du I n nt d r stette il fir nt wir Wider heim
und sa„''t(nt in p ii br iirn >iie uns krli hol gtt n liett il wiirdiii
/le/ II Ite 1 I lg
wir zu rote, daz wir alle mittenander in die stat faren soltent; also botent
uns die drie brudere, die selben die do gerne binabe zu ucb knmmen werent,
daz wir sü soltent loßen mit uns varen. also farent wir alle mitenander
dar und koment an eime fritage zu obende in die stai an dem sammestage
5 frage do gingent wir zu den pfaffen, zu den uns der biscbof gesant bette,
und ließent die unser bobest briefe lesen, do totent die pfaffen ucb gar
frontlicbe darzü und waz ir rot zu stunt, daz man die briefe morndes fruge
zu allen kantzelen lesen solte, so der lüte allermeist in der kircben werent,
und solte sü danne gemeinliche frogen, obe es si gut dubte, daz man es
10 ane finge, oder ob es sü besser dubte, daz mau es ließe also ston. also
wart ein großer geschrei iu den kircben, wanne | die lüte schruwent mit 1 3*
einer gemeinen stimmen : man sol es ane yohen, wir wellent darzü tun,
waz wir s6llent nu an dem mendage früge wart do gingent wir vür
den rot von der stat und botent den rot, daz sü uns rietent und och, ob
15 es ir wille were, daz wir ane vingent, oder daz wir ez lenger ließent also
ston. do sprochent sü mit großeme ernste : wir rotent es üch und ist och
unser guter wille, daz ir nüt lont, ir vohent es an, so ir iemer aller erste
m5gent, und darzd so wellent wir üch roten und belffen. do vordertent wir
do an den rot und sprochent, were es daz unfride in daz laut kome, obe
So daz sn uns danne woltent lüte uf daz hus geben, die es wertent. do sprach
der roi: do lont uns umbe beroten, also gingent wir vür die düre; do
hießent sü uns zu stunt wider in gon und sprochent do: vil lieben herren,
wir enwissent nüt, waz got gutes in disen dingen meinende ist, wenne wir
engedenckent keine sache nie so gut, die arm und rieh so gar sere meinende
2^ were and sich so groslicb frowende were alse in dirre sachen ; und wißent,
daz wir ikh zu rote sint worden, daz wir üch von der stette wegen wellent
geben einen guten brief, wenne ez beschehe, daz unfride wurde, daz wir üch
denne wellent lütes gnüg uf daz hus geben, die ez wol erweren mügent ;
und darzü so wellent wir üch och von der stette wegen ein gut hus zu stüre
30 geben» wenne ez beschehe, daz unfride wurde, daz ir danne hie nidenan bi
ans in der stat werent; und so ir och sns etwaz in der stat haut zu tünde,
so werent ir 5ch darinne zu herbergen. nu do dis beschach, do noment wir
zu dem rote urlop und dancketent in vaste und gingent do zu dem pfaffen,
der unser alter guter frünt ist gesin. und do wir eßen woltent gon, do
35 koment vil knehte in gonde und trügent vil kannen mit wine und starcke
große zübere mit gar guten großen vischen, die uns die stat gar erlichen
schanckte. nu do wir goßent, do furent wir wider heim, und an dem zistage
frage warty do koment die drie brudere, die selben die gerne hinabe zu üch
komen woltent sin, und sü besammeltent unsere brüder alle und sprochent
40 gar demuteeliche zu unsem brüdern : sider daz es got selber also gefüget
bei, das ir dis volle buwen wellent, und och ein tum dar uz wurt, do man
singende and lesende wurt : so wellent wir üch ußer aller gottelicher minnen
bitten, daz ir ans lont uwere brudere sin ; harumb so wellent wir ußer got-
Ucher minnen ußer der haut geben beide unser üb und unser gut, es sige
45 ligende oder farende, wo wir eshabent, daz wellent wir \vc\i^^\)^u ^iW^^'^^
-Ut n n^^cr ban und da zu s we lent «fr SS
in ende s nt, daz r m den e gcnan g te n d e w bant n h n emer ge
h tten we nt daz r keine s rge Da li e bo t d Sen dann tte haben na
0 lent d e erbe t du m tte haben und well nt ez cb wu versorgen und
we e g er w ^ egen s nt d e ds » zu geh ent a so daz r se b
' prechent ] e g te g h ent un w zu de D o man nnt verk Sm
«ee berzny rre nd nn egensntdewe en w z barerae gute bringen
a s dai man denne daz g t h e n b nutze e k ten und darzu b ngen
wnwoui dnz sammene, d w n b na stnnt uLter de bau
geben ne e a so Atu man d m tt bu«e und s an eg wo ez notdürftig
i, und dar? o p o en su h und »e es uw v e o wo tent w dn
nd ~tat aren a odaz r lui nawen Bupreh en ugebent. so w ten
n r begehen we man de dnt, zisaneue b hte und daz mag man d
anntnier u d d w n ers kume z br ngen also da man e ns ande o summe
V le lawe ia es g » be e t werd da man da gez eben mag wann
s an do buven s n man n b ste ne h wen s mts man g*«
d T I anles und Ita g ut den b g kuu mu u d b v I anders dax m^n
1 eda f und do daz d d e b de ge ettent und no h ga t warte
e d WD d t w zu ote also daz w e n vo go e nnt getu stent ve
agen w r n te t u nem u a so int s nnse e b de e wo den na
1 eber I nt, besehen w e got e n wunde st m s n u wercken der s h
ime zu gründe lot wenne es st v i o e daz w w uff tnsent gu d u an
d sen berg ve buwen bettent und hattent e a so ga e ges bu und gotte
e ga z g und geßndiw ntme darno h gedohtent btrnmh
ul ^ beul na he aeww nne n
d e g tti fee
baz ^ <n nn t dann an
1 n n n e tr me
b g d n ke daz er h no b
u um nu lent wies
d IccnsatD nsu
e wa I Id r s en
i
1
den
a so daz me b
b "len g h
n z n b enan
jrehoTtoDt, man fände klöstere gar gnäg: rehte zä gUcher wiae also T«r-
wnrffmt wir ficb dtsen tröm und worent sin g»r ahümole anahtaam, also
hwcbach es darnoch lä den nehsten ninnahten in der selben lieben | heiligwi ] 4^
kristnabt nf die mitternaht, alEo daz wir beide, er do nidenan nnd ich hie
!, obenan beide glich, in der nalnren in ein alsolich lidende getrenge nnd «e
komeat, dsz wir bede wondent in todea not sin. and in disem selben liden-
den we do befnndent wir ein solicbe offenbortinge mit alsolicben worxetchen,
daz es wol zu glonbeode waz, also daz wir müstent ein kloster zu Stroz-
bnrg machen, alsns so ist dar Grünewert barkummen mit alsolichen
ID Wortzeichen, die anspre oben lieh sint. uDd wiDent vit lieber min frnnt daz
icbgeimwe andgloube, daz got den Qrünewert mit Sonderheit meinende
si und daz er noch gar ein großes wolgefallendes ding dms machen wil, obe
daz er es an nnserme eigenen willen haben mag.
Gegeben an mendage vor sant Hargreden tag anno domini H'* ccc" Iiktü. . .-
'» Item dise nochgonde missive schreip der liebe frünt i^ottes fi«!"
Rülemanne Merswine, unserme Stifter, zuhaut uf den vor ge-
schribeaeD brief, und ist die oßeaborunge, wie der kor und die
sacristige und der nuwe gebu in der kirchen geordent sint, alse es
die beiige trivaltilceit mit guten Wortzeichen haben wolle und den
so Topgonden rot des ersten briefes widersprichet, alsus sprechende:
Til lieber snoderbarer heimlicher trünt miner, ich b dich wiDen, daz
es beschach in der naht dez lieben aante Jacobes, daz ich etwaz nnruwig iul!
waz, also diiz mir der selben gantzen naht nüt volles eine stunde zu slof-
fende wart, und gegen dem tage wart do leite ich mich an daz bette und
!d wolte versuchen, obe daz mir eine rüwe werden raöbti-. also beschach es.
daz mir die engen von rehter müde wurdent zu gonde ; and do ich also lag
and schlief nüt rehte und wachete öch nit rchte, do waz mir, wie daz ich
sehe vor mir Stoa eine gar 3ch''>ne lustliche persona, ncd wau die gekleidet
rehte alse ein ewangelier in gar schöneme snewisseme ^egerwede, and waz
10 sin antlit fürfar glenzendo liehtfar rot. nnd do ich daz sach, do mähte
ich ein krntze vur mich und sprach mit dem selben: ich beswere dich bi
der beiigen trivaltikeit, also daz du mir wellest s^en on allen schaden,
wer dn bist oder waz du wilL do waz mir rehte, wie daz er spreche : dn best
nht«, daz dn mich alsns besworen hast bi der heiigen ewigen algeweltigen
'G triTaltüceit, wanne ich hie von iren wegen bin ; nnd bin ein engel, ir hotte,
Bnd Bol dirkdoden nnd sagen, also daz dn unrehte geton hast, dazdahiuabe
td Stroibntg.geschribenhest, also daz es din wille sige, daz man der ewigen
dgeweltigen trivaltikeit iren tempel, ir altes hns, verändern nnd nmb keren
»SO»; do solt dn wiGen, daz sol ich dir künden and sagen also, daz dn nüt
0 oilost, so der selbe hotte kommet, daz dn danne zu stnnt mit ime wider abe
tAStroibsrg schribeatdimebeimelichenfründe, nnd schrip alsns : das man
dar klawwaltimn nwiirnn drivaltilreit im altn kirchn nnmntnAnTl \lA»i. viVa
78*
' I mag sü wol beOerti one umbokeren, also ilaz mnu >li« neben tmartm die nag
man wol brechen, das der unwo kor darzü dienende wart; und onch die eltei«
mag man wu! abe brechen nnd beßern nnd andera setzen, nnd wuzii nsn
minne hat xii wihende, daz mag man i'icb tun ane den fronalter, den s<jl
man wtdornmbe wihen in aller wiso rehte hIsu er Tonnols gewihet ist, viwv i
den selben fronalter mag man wol aha brechen nnd beraz ufter dem winck«!»
setzen alse verre alse man wil, also daz er iich wul zu dem nnwcn kiire die-
nende wurt, waz molk-n men singende wnrt one die Irone meBe, daz man
die darobe iresiugen mi'ge : und so man denno den selben altar uz dem win-
ekele getiit, denne so mag man den selben winckel u'ol machen zil eime geruü lo
gademe, aber daz man do inne machen solle einen alter nud sul den wiheD
in sante Michels ere nnd in aller engele ere. nu sodirre winckel gcuummtn
wnrt, noch danno so wurt der alge weltigen heiigen dri»alüteit kirche gröB«
danne sii vor waz, waune d'i wart tiz gonde der k<;r und daz gerwe gadem.
and dovon so wurt die kirche vaste gewitert. nu solt in aber me wiQea, li
daz die algeweltigu heiige ewige drivaltikeit wil, alse der nuwe gebo ange-
fangen ist, daz der giintz und gerwe für sich s^Mle gon und man in sol
lüßen gantz also ston lii erwirdikeit der lieben großen hohen hcilge» dea
beiden santu Jobannesen, und den selben nnwen fronalter, deu man do ma-
chende nnrt, und den kor und daz nnwe gebuweze alles mitenauder wih>'n m
in ere der lieben großen heiligen, der beder sante Johannese ; and daniie so
wurt nch nuwe gracie, nnwer appelos noch me do danne vor. and wiBesI
daz in dem nawen geboweze in dem liurde Tor hundert ioren gros heiltam
vorborgen iit. nnd de ist nch in kurtzpn iiten in zclien ioren menschen be-
graben, die do nolie bi di'Ui niiwvn fronalti-r ligende werdeiit, der menschen ;>
sini mit sundi-rlieite drü daruuder gcsin hie in der zit alse reine juncfri''Men
libes nnd lebendes, also daz sii vi>r gottc nu sint und süllent besitzen der
megde loii iemer ewidicli. nii die altare. die in dem nuwen gebuweze uiiJ
in dem alten gebuwen werdent stonde, die mag man si'tzen »nd wihen, wie
der commcndiire wil und sine brudcrc, aber iilso, daz der hohen liimelscben '<
kiitiigin ein sch'<ner alter werde nohe dobi, also d'> er vur stuut, alsu sn nun
er nohe bi der drivaltikeit altar stunde werden.
Nu zu liinderste do wart zu mir ges|iriichen : nu so! ich nu zuuu'le iiil
mi- zu dir reden wanne daz eine, daz ich dir sagen sul. ;ilso daz du und au-
dere menschen diser dinge desto baz gtoubt-u sülb'nt. baruuib so sul ich dir ■■■
gute norzeicheu geben, und die Wortzeichen die sinlalsus; so soll du wilivu.
zu stuut so du nuwenl von dem beltc kumniest. so lüge zu dir selben, so solt
du bevinden. dazilu vordime herzen beviudest eine grosse geswoUenc bloter*
' vordime hcraen stonde, und müst i , nch die selbe bioterc also lange habe»
ariUi- an die zit, daz du einen briid' uider abe geschribest von dirre seihen >'
Sache wegen und niit anders : und zu wurtzciclieu wennc es nuwout bescbiht.
da/, du den brief gt-schribest, so sol dir die bloteru on alles we zu stont zer-
(,'Mii. und du solt noch me zu worzeicheii haben, und daz ist liaz du soll
79*
wißen, den kneht, den da dise vart zu Strozbarg mit der nüt guten botschaft
gesanthest, do soltdu wißen, daz der selbe kneht sithar zu Hetze istgesin
nnd kämmet nuherwider; undkummet an fritage zu naht an sant Germanas juli 3
tag and bringet dir briefe, und stot an den briefen also, so du aller erste
mäht, daz du denne selber zu Motze faren müst. und dis lo dir zwei gute
worzeichen sin ; und wenne du bevindest, daz in beden reht ist, so los öch
danne nüt, du schickest dez andern tages an sant Feters tag disen selben auffuat
kneht mit dem briefe hinabe züStrozburg dime heimelichen frunde.
Na yil lieber heimelicber frunt miner, ich lo dich in der worheit wißen
also, daz alle dise ding in der rede und in den Wortzeichen rehte in aller
wise beschehen sint, rehte also ich dir sü hie verschriben habe, harumbe
yil lieber heimelicber frunt miner, so lüge, wie daz du nu getüst ; wanne
wißest, waz ich dir nu gine vart von uwers buwes wegen mit diseme selben
knehte schreip, daz widerrüif ich nu alzümole. und beschehe es nu, daz
man dich aber rotes wurde irogende von dez gebuwes wegen, so solt du mit
nute anders roten, danne an diseme briefe stot. R ü l m a n, du solt wißen,
daz Rüpreht dirretage eins bi mir waz, und ich seite ime disen sin von dez
gebuwes wegen ; do sprach er, daz were uf den alten sin, daz geviele mir noch
baz danne kein ander sin, und kostet uch über vier hundert guldin minre
danne der ander weg. do sprach ich : warumbe mähtest du do, daz ich hi-
nabe schreip den andern sin? do sprach Rüpreht^ du hattest ime geseit
also, daz unser herre der meister und der comendüre und den brüdem allen
der erste weg nüt wol gefiel ; und harumbe so frogete er mich und leite mir
di andern zwene sinne für und frogete mich rotes ; do riet ich, daz er mich
frogete. Rülman, man sprichet: visiungen densige nüt allewegent wol
zu getruwende, und daz ist och wor ; aber die visiunen, die alsoliche ding
sageüt, die wol an in selber gut mugent sin und danne och mit alsolichen
guten Wortzeichen, den mag man wol glouben. und daz weist du selber wol,
daz wir daz beide von dez selben gotzhuses wegen rehte wol befnndent, und
wie wider und wie swere es uns waz, so wnrdent wir doch betwungen, daz
es doch müste sin.
Gegeben an sant Peters tag sinre lidigungen, anno domini M® ccc°
ixivij.
Item dis ist eine figure dez huses und der brüdere zu dem 15^
Grünenwerde, die dem lieben gottes frunde geoffenbart wart in 5.
der stal zu Lutringen von eime neste mit siben blutten vögeln, Brück
do er uf siner Metzer vart waz, also die vorgonde missive wiset.
in den selben ziten worent der brüder nüt rae danne siben; dez
waz einre vast siech und starp damoch kürtzlieh. dovor unlange
worent zwene brüdere von dem Grünenwerde kummen in
OÄ ^-^s^^^^g^f 37 vorgende?
eu*
andere conveiiLe, ein vierLzig ierigtT priester und ein ahlzehen
ieriger dyauone, wenne der brüdore worent voiinols in dem selben
iore ni'me gewesen, do ("ich die visiune geschriben wart den
iiberigen aiben brüdeni in eiroe fnintlicben briefe alsus sprechende:
Mine vil lieben brüdere, ich lojle ücb wiOen, daz es m diser vart be- ö
' si:helieii ist. abo •.]»'/. es bescbacb in der nabt der lieben eilf tosest megde,
ilez selben morgens an dem tage ila wart mir ein tri'm trriinende. und vu
daz rehte, alse üb es eine yisiune wore gesin. ond waz der tn'm also, du
mir waz, wie daz ich were uf einte gar hoben berge, nnd wie daz ich vi
disome selben bei^e sehende were ein gar großes uest, nnd wie daz in dem n)
neste ligende werent siben große JQDge vogole, und wie die "ich noth nnl
Bog werent worden, nnd bettent alle gliche krnmbe snebele, also obe eii als
edete vögele werent, aber si'i worent ait der farwen gar ungelicb gevenret:
aber wie daz ieder Togel varwe hatt«, noch danne so hatte er ein willes
crütze in sinre varwen. aber under diaen vögeln einre, der gröste von libf !■
ander in waz, der hatte snnder itianiger hande manigvaltige farwe; naunä
mir waz, wie daz er die farwen alle hatte ; und also vil so der farwen wa;, bo
hatte er doch in ieder varwen ein sauJer wisses krütee. and obe disenie
neste do waz mir, wie daz ich sehe fliegende und swebende einen gar großeD
berlicben schönen adelar, und er flr^g ettewaz hohe obe dem neste alles umb ü
und nmb nmbe daz nest, und waz herabo in daz nest redende, nnd waz mir,
wie daz er sprechende were : ir vil lieben jungen brüdere, ir süllent streckeo
und fliicken uwer gevidure and siillent leren uf mir noch fliegen ; aber icb
meine mit, duz ir iisser dem neste llicgt-nt, obe daz ir wol gevidert wiTdeiii.
aber der grölte vof;cl ander in, der selbe vngel, der do alse manigvaliiire ■."■
farwe an inie bette, da/, waz mir, wie daz ich den sehe gonde binuf uf doi
ncstes ln'piiete, und sprang' und fli'ig uf riber daz nest gegi.-n dem adelar wi.-l
eins mannes hühete: und also ilicko, alse er daz versiichete, also dicke viel
er !,'ar swerliebf hcrwi.ler abe in daz liest, nnd Siicli denne iiber sich ul
ettewaz Iriirerlicb den buhüii adolar ani". aber die andern vogel. wenne ilot -'■>
ad.ilar liber in fliegende waz. so sohont sii gar einlaltec liehe und gar gut-
liclif' über sirli ut* d^m adelar noch, aber ein vogel under in der waz -.-tte-
' WM kräng triirijr ;ini zusehende, nnd lag zu ptisendo. alse|Kolte er ster^eu-
nn «az mir, wie d;i/. di-r grolie schöne lierlichc adeler ulswingende were, und
flng abo hoih ul, alsndaz es ane ziisidiende waz, alse were er untze an Am '•'■
hiniel kumuicn, und üe sich iln gar geswiiidi.' berwidt-r abe und fl.'g du
aber ob d'^m ne.ste nnib und uinbi' swubi'iidi', relite alsu vi>r, und waz du
abiT s|irechendo: mim' vil liebfii briidere, liiitent ikh. daz ücb nit besclielie
alse dem brndnr be^rlH-hni ist, diT du ■'icli hii' bi nth in diseme neste waz
und der do. l- zit, u/, geflogi^n ist uu.i uz disemi; nt.'Ste geflogen ist und disen i-'
b'Tg abe liie nidenan in daz w^ller gevallen ist, und sehcnt. wie daz er
in dem waliere lit mit sineii tlügeln zu lluttii.hcnde nnii zu slahende. rebt"
alse ob er ertrinken niulie.
81*
Nn vil lieben brudere, ich loße üch wifien, do mir dis getr5mde und ich
lo wider zu mir selber geloßen wart, do ich damoch gedenckende wart, do
iraz mir der trom etwaz frömde ; aber doch so viel mir wol ettewaz in, daz
eh gedohte, es mohte üch wol ettewaz ane gon. so gedohte ich denne wide-
HDibe, wie mohte dazgesin, Bülman der het dir doch in diseme iore ver-
jchriben, daz der brudere nune soltent sin ; wie mohte es danne gesin, daz
iQwent sibene dams worden soltent sin? also sagete ich disen selben tröm
lerren J o h a n s e unseim nuwen brüder and bat in, daz er sich mit gotte be-
lebte, ob daz wir üt knndent vinden, wen dirre tröm ane ginge, also frogete
ch herren J o h a n s e dez andern tages, obe daz er nt darnoch gedoht hette ;
lo sprach er: io, ich habe gedoht, dovon der große schone herliche adelar,
ier hoch fliegende adeler, ob in alsas üog, wen ez denne anders sulte ane gon
lenne unsere lieben brudere zu dem Grünenwerde, do sprach ich: ich
labe Mch also gedoht, wanne eins daz wolte mich irren, daz waz, daz mir
Sülman in disem iore geschriben het, daz der brudere zu dem Granen->
¥erde nüne werent. do sprach her Johans: es beschiht in eime iore et-
wentiQ vil dinges ; es sige gegangen, wie got welle, noch denne schat ez nit,
nan schribe es in. get ez si denne ane, so nement sü es von gotte ; get ez
}i danne nit ane, so ist noch danne nit vil daran verlorn, herumbe vil lieben
)rüdere, get üch dirre trom dirre visinnen nüt ane, so befelhent es gotte and
rerbürnent dis briefelin und sint sin danne massig.
Gegeben in Latringen an der lieben sant Gecilien der hochgelobten
angfrowen tag in dem Ixxvij iore und drützehenhundertigesieme iore, ^977
nov, 22
Item dis ist eine Widerrede dez lieben frünt gottes von drier 4.
brudere wegen, die zii siner geselleschaft koment in den ziten, do ^^^''^^^
jü iren gebu meindent zu vollefürende, alse der vorgonde vierde
brief seit, daz er uns der selben brudere baz gegünnet hette denne
ime selber, daz in zu haut damoch berö und ime leit were gesin ;
Mranne ez sich nit vant noch sime wone und noch iren werten,
sdse er nu anderwerbe schribet dem commendüre in eime großen
briefe under vil andern worten von dez obersten meisters wegen
ilsus sprechende:
Vil lieber commendüre, ir süllent wißen : die drio nuwen brüder, die 1 6^
lo zu uns komen sint, daz die nüt daz halbe hant, daz sü wondent haben,
and wer mir nu gar leit, daz sü zu üch hinabe kummen werent, wanne
VOL sint ettewaz einrihtig und eigenwillig, die uwere lieben jungen brudere
Qüt wol gelitten kandent haben und vil lihte ir selber ; und wißent, daz sü
onsere brudere alse gar wisliche und alse gar gütliche habent uz gelitten,
18 am vor vor gotte getil^ 23 das kursiv godruckto gpiltorer Zusats fon
demselbeii Schreiber.
I 82*
also daz BÖ alle drie sider der liehtmeße bi uns si^ent gesin und liant sich
gedeiDi'iUget nnd scboldig gegeben, daz sü wiil bekennent, daz sii eigenwil-
lige meascheii sint; and haut uns gebetten, daz wir sä also io irmu tiind«
loGeut bliben. wanue dciine ire giiure lidig worden siut, und wir den gebn
Yüllebringent, danite so siillent sä sich zit grunde in allen dingen loßen.
'7S Gegeben an dem fritdMge noch sante Veltins dag anno domini H° ccc"
■■ IS ijniij.
Dis ist der aller erste brief, den der Hebe gotles frünt in
Ob er t an t den briniern zu dem Griinenwerde ie gesante mi!
dem bliche von dem meister, der die oberste zile des abeces von m
ime gelert wart, nochdem do der selbe meister eine bredie geton
helle von xxiiij stücken eins volkomenden lebendes, daz selbe
buch und i')eh der brief komenl in den ziten, do die weltlichen
priestere die kirehe zu dem Gninenwerde besungent uud re-
giertem und von dem römschen stüle darin geselzet wurdenl mit '*
einer bliginen pullen des Bobestes. und vnhet des lieben gottes
fri'indes missive alsus ane und strichet:
In nnserm lieben lierren Jhesu Christo so sint gegrilflet ir lieben vet-
tere Qud brudere zä dem Grünenwerde
Dis Yiüclielin daz sendet man öch, and enpfohet es vnn der hant goH«9 -"
und zweite guldiu; du siillent ir einen güldin geben, daz man üch dis bi'i-
cbelin zu rehte schribe, den andern güldin süHeut ir haben zii einer pie-
tancicn. ich hutte üch gerne daz alte biiclielin gesant, su ist es wol halbes
einer solichen l'rijmden sproebeu, die ir nit gelesen kundent, und ich iibete
mich selber darane vier tage und naht, urabe daz ich ez üch gescbribe in -'
uwerre Elsafier sproche.
Kq mine lieben briidere, ich bcgore an üch, daz ir den dnt unscrs
herreu weüeut ereu ; und lerent, daz ir einmiilig werdent, und haltent üch
in aller briiderlicher cristenlicher minnen und in gi'ttelicher traweu mit
groÄseine ernste zfisameiie ; wanne wisseiit, alse es nii stut, su tut es allen ■■"
den n»t, die clito got minnent oder meinem, und ncmeut ein h<'<bet üuder
lieh ziL einie zile, weler daz ist: wenno mir liet Biilman geschriben, es
sige vor dem Uobeste gerilitct. und wenne es nu gerwe geribtet wurt. so
ist üch zii n'tcnde. daz ir uweren eigenen willen einem h'ibet" an gottes stat
gar ilemiiteeliche nf gebende sint iu allen Sachen gehorsam zu sinde. uad "'
entslahent üch «lanne aller creaturen. alse verre ir mügent; wanne wiGent
alsc t.'Ä groii" übern atiirli che verborgene gottes fründe ane sehende sint, so
habent sü alles neiswas verborgens in in und lontesdooh nit gerwe beraz;
' nnd ist mir wol, wie ander cristenheit gar sere übele | vürhtent ; nnd ir^
•>
83*
meinmige ist, sü tu danne anders danne sü noch tat» so mug m wol in
kartzen ioren darzu komen : ein mensche sige wie wise er in der natnren
welle, noch denne kan er nit wißen, wie oder wohin er fliehen solle, es
sige danne ein mensche, dem daz übemattirliche lieht luhtende ist. lieben
bradere, ich getmwe, daz ir guthertzige menschen sint, die do gerne tetent
den willen gottes, do ir es wastent.
Nu ir lieben brudere, ir sullent demütecliche und getnltecliche und
gelessenlich beitende and wartende sin der hohen liehtrichen ubematorlichen
gnoden gottes, and ir sallent sich sin gar alzömole anwirdig dancken, also
es och an ime selber wer ist ; wanne wissent, wardent ir große begirde noch
einer solichen hohen wirdekeit habende, were es denne, daz got sine barm-
hertzikeit ond awere güthertzikeit warde ane sehende and üch worde onver-
dienet die große gnode gebende, also er sü sante Paalas gap, wardent ir
danne och die starken streiche, die geischeln gottes, in maniger bände weg
ond wisen lidende, also er st damochliden mäste: so ist nüt zt gionbende,
daz nwer keinre blibe, es ist zu yorhtende, daz ir alle gotte abe gingeni und
doYon, lieben bradere, so ist ach zu rotende, daz ir nat noch einer solichen
großen geben begerende sint, es si denne, daz ir ach e lerent wol liden ; ond
doTon so ist ach aßer gottelicber minnen zu rotende, wanne ach bekorange
in nwer fleisch ane fallende ist, oder in nwere sinpeliche vemanft, oder in
welen weg oder wisen ach die bekorangen ane vallende sint, so widerstont
den snnden; wil üch denne got also in den bekorangen haben, so ist es
gnode, die von gotte kämmet, do vil menschen darch kämmen massent.
aber ir massent es demütecliche and getnltecliche leren liden und darzü one
alles wammbe, wanne got alleine zu eren. lieben bradere, lerent ach dch
setzen nnd weren aller bildelicher invelle, alsolicher infeile : da soltest gon
in einen walt, oder da soltest dis tun oder daz tun ; alsoliche manigraltige
iafelle die kamment gar dicke von der nataren und von dem tafele, daz sa
üch hinderent and vermittelent und berobent großer gnoden. und wißent,
wo ein mensche ist, daz nüt gewores liehtes hat, der stoßet sich gar dicke
an die natnre ond an den tüfel. und dovon, lieben brüdere, so setzent üch
of eine stetikeit, of einer stat zu blibeode, die stat si, wo si welle, ehte sü
g6ttelich ist
Lieben brudere, nu haltent üch frideliche bi enander, ond keinre ergere
sich ab dem andern, und ist daz einre von nataren dez lafbes zu vil an ime
hat, daz er dovon firölicbe geberde an ime hat, die ehte one grosse Sünde
sint, dammbe so sol sich ein anderer nit ergeren, der selbe der do von na-
taren der erden zu vil an ime hat und swermütig ist, er sol alle ding keren
zfl dem besten ond sol gedenken : er mag vil lihte ambe got erworben haben
die frülicheit, die er in ime het, daz mag von jubelierende dar kummen. so
sol sich der Iroliche öch nit ergem abe dem swermütigen ; er sol gedenken :
er mag gar rehte tön, er mag vil lihte in siner meinangen haben daromb,
dax golnia gftten tag gewan, darombe so welle er sich 5ch ernstliche halten.
iJao lerant, lieben bradere, in disen Sachen ond in allen alsolichen Sachen,
44 mOm «liif«flirt.
1?^ daz ir alle ding lereot zu dem bestec k»ren,T^90 das we ding; gut In
werden t.
Ach lieben brüdere, ich habe gedoht, nod were es der wille gottos. S"
I wolle ich, daz ir noch mea schlich er art atse nol kdodent spüren, ahe «in
^H TDgelhuDt Duchhundesnrt kan; nnrdent ir daane nmb ücb suchend«, vilUht« ''
^^1 wurdent ir ettewaz nildes nohe bi nch spürende, die zit ist noch uit
I knmmeo, daz man Tiffenliche reden sol. der oren habe zu hörende, der hJre.
Gegeben an dem meadage vor nnser fn'jwen dage der UehtmeOe in
-3B9' ^em jare, do man zalte Ton gotz gebarte drüzehenhundert ior sehtzig und
», 29 niin jore. '"
*Nu meinde der vorgenanLe erlühlete gottes frünt in dez vogel-
hundes spüre und in dem wilden daz verburgene heilig leben
Riülman Merswines, unsors Stifters zu dem Griinenwerde
aines heimelichen gesellen, alse er es om-h mit sin selbes haut
m bappire geschribeti hatte und noch sime tode funden wart mit '^
sime eigenen silberinen ingesigele mit eime riemen daran gehencket
umbe sante Margreden dag, also i^ch der selbe Rülman Mers-
win versehiet. und die Urkunde bücher sa^jent scilicet anno do-
[362 mini M". ccc". buucij.
Dis ist die uz gerci-hente hinderste zil wigariter daz (^me, -"
in dem die cristenheit vil iore gestanden ist in grossen swenckeii
und in zitternder vorhlen vor dem himelsehen vatter, der do
lanjie zit daruf geneiget ist gewesen und willen hette sinen ein-
gebornen sun durch alle die weit zu rei-hende mit soliehen
grossen orsehrockenlichen pflogen, dovon daz meiste teil alles -^
Volkes verdorben miiste sin und gar wenig lütes lebendig blibeii
mag, so die selben pflogen kummen, von der wegen der mute er-
barmlierlzige gol sich gar dicke het gelolien erbitten ie zu mole
umb einen uf^ilag, die oucb nu alle vitr und uz sint, daz un^ die
pllogen umb geben haut und uns uf lienr halse ligent, alse Axv ■'"'
brieie sagent, die hienoch gesdiriben slont und von den heime-
liclicn verborgenen l'ninden gottes kummen sint uns zu einr'e
fürsihligen Warnungen, und daz sint nch fünf die aller hindersten
briefe, die der liebe gottes fnint unscrme sUfter Rülemanne
Merswine und dem eommendüre ie geschreip one einen brief. ■'
der zu aller nohst noch disen fünf briefen geschriben stot, den
i'ich der liebe gottes frünt dem cnmmendüre sehreip von dez
obersten meisters wegen zu hant, do er wider heimkam von dem
göttelichen tage, den er selbe drizehenste in dem wilden gebirge
uf die Ostern leistete.
Die erste pflöge und die sörglicheste, die uns nit alleine
lipliche übel kummet sunder oueh geistliche an der seien, wanne
■' Sil dem glouben gar nohe romet und voret, an dem alle unser
selikeit gelegen ist, dez Öch aller minnest ieman abten oder
schetzen wU, wie gar grolter sorglicher unlidelicber gebreste in
zit und in ewikeit von diser selben ersten pflogen uf stonde möhte
werden, daz do ist die missehellunge der cristenheit, in der alle
i'i wisbeit der naturen, der gescbrift und der gnoden dez beiigen
geistes versigen und alse gar verlöschen und vergangen ist, daz
alle meister der gejschrift und wisheit der pfafTen verirret sint IS'
und sich nüt gerihten künnent usser diser zweier bebesten unge-
licbeit, daz sü der cristenheit zii einmütikeit hiilfFent und dem
■'' römschen sti'ile zu friden. dis mag ein ieglicb mensche in sin
selbes sinnelicbeit wol mercken und verston, daz es" ist eine ver-
hengniße von gotte. alse öch er sinen fründen ofTenborte bi ho-
best Gregor ius ziten. dru ior vor dem beginne der zweier be-
beste ürban und Clemens do kam ein brief, in dem wart dem
-u commendüre geschriben under andern werten alsus:
Vil lieber fruiit, ich kan nit wol geloßen, ich müs uch schriben, dai
ich von vil gottes fründen vernamen han und örh von ir ein teil selber ge-
hört habe, daz gar sere etwaz zu viJrhtciide sige, alsu daz die roüter der
heiigen kirchen wol in gar gros getrenge kämmen m'ge, es sige danne, daz
ti die grondelose erbermde nnscrs lieben herren über wunden werde von sinen
lieben fründen, also daz es uf geschlagen werde; und beachibt üch daz nüt,
daz es vnr sich gonde wnrt, so wifient, daz alsoliche große irrunge in die
möter der heilgea kirchen wnrde fallende, daz es wol bescheben m<'ihte, daz
maolg güthertzig mensche, daz noch oiie lieht ist, sich wol daran stoßen
'ji; möhte und in große irrange vallen. daninil) vil lieber frünt, so rüfFent die
fründe nnsers herren ans, also daz sü bittent die grandelose erbermede umbe
einen nfslag; wanne wiBent, welre mensche die valschen b'mffe in dirre ge-
genwertigen zit ans sehende ist, so siht er wol, daz es gar sorgliche in der
lit stot; nnd ist daz vaste der hübter schalt, wanne die hübet, si sigent geist-
33 Uch oder weltlich, an den es stot, die slnt verre daz meiste ti'il mit großeme
grite imd mit großer hochfart über laden; ich wil geswigen der sünden, die
in dem fleische verborgen ist et cetera.
Dirre brief wart geben amb sant Oergendag dez jores, de man zalte '"''
von gotx geborte drniebenhnndert sibentzig und fünf jore. ^I""^ ^^
Und n:)cb dis vorgeschribenen tn^fes zfk kunft vier iore, ^o
'■ hobest Gregoriua und kaiser Karle, die Kwei obersten houliel
der cristenheit, beide gesturbent, do komeiit aber die heimelicben
«"liibteten goLtes fründe in gros getrenge, und wart in vnn gotu^
geolTenborl vil großer erschröckenlioher pflogen, die man in deii ^
ziten wartende waz alles von unaerre grossen si'inde wegen, darus
aber under andern Worten dem eommendiire in warnender wise
alsus gescbriben wart:
Nu vU lieber commeiidüre, ich loße lich wiOea, es ist wol na etWM lu
förhtenda, daz es vil sorglicher io der tit stände, verre si^rglichur, deone es i!
dise weltwiscD sinnelichen menschon in aller irre sinnelicben vemnoft tu-
Btan künnent, es sigent iucb große pfaffen oder wise li'igeo.
Nu lieber cotnmendur, ez ist ietzenan nnser herre der meister, der iId
gK Biz&mole ein weltwiser richsinniger herre ist, der do große sorge h>L
wie daz es goDde sol werden, dovoo won er nuzümole höbtes nüt enhet. u
du wissent, vil lieber commendür, daK 6s ettelichen meLschen, die man wol
vindet, die do in gotte riebsinnige menscbeu siut, den es do gar eiue kleine
aorge oder vorbta ist wider der sorge oder vorhte, do sii wol drii ior inne
^ sint gesin oder me, and [ danü so ist nu alle zit zu vi'irbtende, daz die zit
der pflogen gar nohe »ige nnd gar herte werde darvilr zu bittende, aber ich iV
getrüsle mich, daz ich es von der gnodeo gottes wol bekennen bin, dax wir
einen gniilcn niilttm erbarmhertzignii berreti hahent, da^ uns nu gar not ist.
und ich belienne in wol, daz er sich zu vil ziteu het geloGen erbitten, alsu
daz ein ufslag beschach. also sfillent wir gotte wol getruwen, aud wellcnt
wir ans üt bcüera, daz es aber wol bescheheii mag; wan solle es vür sich j.
gon so möhte es der gr'isten pflogen eine werdcu <}{•' sit No6<i ziteo ie he-
schacl an 1 e ploge mag also gro er leu laz n eman [s J n w « er st Ie
s ch laruz err hten k ine als iaz 1 e n nfch i v n rehter vorl te i
renie v rd nt vi 1 eher commenl r he sngent n eman darv a wan
nn er fcrufi r herre unl unser t, t ier mahtc J n is iei großen propheten
V 1 z e I gel er un 1 st e b r laz r m t eman 1 e on re 1 n w ellput
la gent r wol m t R Imi t wa der w s ch or dr n oron ol
etwaz h von aber unserm herre d m mo stpr d o z sageale daz weis
ch nut im lall ich z 1 i ch got do g t z t nde laz tui t wan
er hat od daz als v 1 orl te d or^e als uwent larumb laz r nuz
n ole t h btes enbet
\u \ I I ober 1 erre c mmen i r nuz mole sltmrlileni m
hc mol clpf fr nt n s rae br "fe verschnben laz un erl erre derme te und
ir m t me rettent a! d Blmanmr ehr ben solle und m ch b tt«n
soU al la c! e lu I t,ot tot n I b beleießez m n selbes rede
87*
faimtieii, wolÜD daz wer, daz woltent sü gern tun ; möhte aber das von in
beden oit sin, daz ich denne nnsern herren den meister nnderwegen ließe
und den commendur allein Hesse zu mir knmmen, daz er mir mit dem munde
alle ding gesagen mohte von nnsers herren dez meisters wegen ; and wer es
och, daz ich daz nüt entete, so mohte es wol beschehen, diaz der commendur
zd ettelicher zit wurde uz farende mit willen unsers herren dez meisters und
das er nüt erwinden solte, er kerne denne zu unser geselleschaft unser bruder.
lieber commendur, daz het mich gar ein große fremde sache an üch, nüt an
onserm herren dem meister, an üch, dovon ir die gescbrift künnent und ein
wiser, ein lerer uf dem stül sint und ir nu erst wellent uz faren zu den crea«
turen ettewaz zu bevindende. lieber commendur, ich verbau es üch ; wan es
ist mir ein zeichen, daz ir dez rehten inkeres noch nie rehte versnchtent;
wan kein uzgang, so klein er ist, er beruhet iemer etwaz eins nohem in-
ganges; wan der wutt der ist bi uns und ist uns noher, denne wir uns selber
«nt doYon lieber commendüre, blibent bi üch selber ontz an die zit, das
üch got selber us tribet ; wan wissent, lieber commendur, es ist noch nüt die
zit, daz wir uns süllent offenbaren, und wissent, vil lieber commendüre,
und beschehe es, daz dise grossen pflogen wurdent anvohende, so ist zu
glouben, daz die verborgen heimlichen gottes frünt alle hervür usser iren
hülen slieffen müstent und müstent in die cristenheit geteilt werden; und be- 1 9^
schiht och daz, wie daz ich sin nüt wirdig bin, so sol ich doch offenliche zu
dem Grünenwerde kummen; und beschiht daz darumb, daz ich Kül-
man, minen heimlichen frünt, do habe, daz wir in und ander, die wir be-
kennende sint, zu gezügniße nement zu uns.
Vil lieber commendur, alse gar sorglich als es nu in der zit stat, so ist
üch und allen unsem guten fründen wol zu rotende, daz wir vür uns selber
sehent und zu uns selber lügent, alz soltent wir sterben, daz wißent, daz
het B Ulm an und ich mit drien unsem brüdem vor etwie vil zites geton,
und haut uns in allen Sachen also gerihtet, also daz wir alle naht an unser
bette gont, daz wir nüt wissent, wan soltent wir in unser g^abe gon. lieber
commendüre, sit daz ir sprechent, daz unser herre der meister sine Sachen
och gerne an uns ziehen wil und gerne unsers rotes volgen wil, so ratent
wir ime usser gottelicher minne und uz aller cristenlicher truwe, das er sich
in allen sinen Sachen rihte, also solte er des iores sterben.
Wissent, lieber commendüre, daz wir unserme herren och ratent: wil
er sich alsus rihten und sine hüser siner bruder besorgen mit helf lipliches
gutes, so ratent wir ime usser g6ttelicher minne, also daz er nüt alleine
aiisehe den hüsern zu helfende, er sol ansehen die bruder, die do in den
hüsem sint ; haltent sich die go tlich und ordenlich, es sint pfaffen oder leigen,
den sol er helffen ; er enbedarf nüt als gar vil sorge haben umb die hüser,
die er het; man fünde hüser gnüg, fünde man götliche gehorsame bruder
darin*
18 «M einfefagt in Schriftcharakter des sog. Antographs 20 kfiiMi V»tx.
int hSUmm as mit nMch dtm eingefflgt, SchriftchftrakteT de« kutocn:^^.
Vit lieber commenddr, ir Büllent wiDeD, du Bfllman min hslmiietier
front nad ich vor av ioren in großen sweren triicken stnt gesin, also >L&z nir
gar dicke wonden in dodes ni'ite sin von dez GruDODwerdes wcffeti'. «an
nD3 bescbach beden zu maDigen ziten in tromen, in risian, nf eine zh rebt«
glicb. und waz daz also, daz nns dafate, wie daz were, ikz got woito. dai f
wir ime soltent machen ein nuwes gottes hus einer nuwen kirchea nud
soltent lügten, da/, sii hesnngcn wnrde. lieher commendür, oii was ich in i]«d
ziten vil z» Strozbnrg, und wenne es heachach, daz ich nnd Bülmanin-
samen koment und wir der selben Sachen gedenckende wnrdent, so spra-
cfaent wir züsamen : waz sol dis dinges sin, wem wer es aber nfitzeV wer es i
nüt weger, daz man armen lüten hiilfie, denne daz man düster machet? man
vindet cli'ster gTiüg, fiinde mau gute bnider gnüg darin, nnd so wir dis
alsus mittenander gerettent, so giengent wir deuoe von enander und schlä-
gent es rehte von uns nnd tribent es az den sinen. und so es denne got
aber wolte, so beschach es denne aber, daz wir aber bede glich in der na- i
toren getracket wurdent, also daz wir sin kräng wurdent. a!so litient wir
uns wül uf zwei ior, also daz wir ans nie woltent versprechen dis zil timit.
also boschach darnoch gar kürtzlich, daz üiilman and ich wir bede aber
bede glich gedracket wnrdent, also daz wir bede rehte lam wurdent. also daz
wir nicrgent knmmen möbtent. do wart uns beden in einer vision beden t
l'J^ glich geben zu ' verstonde, die wile daz wir bede leben soltent, so müstent
wir also lam sin, wir t^ebent denne nuseru willen darin, nnd zu stnut su
wir nuwent nnsern willen darin gegebent, so solttnt wir daz zii eime Wort-
zeichen haben, also daz wir denne bede mitenander gesunt uf eine stant
»Orden werent. und daz besciiach iVh zu stunt, do wir nnsern willen darin .;
gegiibent, zu stunt do worent wir gesunt nnd gerech worden, nu vi] lieber
comoiendiir, also ist der Gri'inenwerd in grollen mirackeln und in großen
swereii tnickcn zu gegangen, daz icli gh'be, daz fich Bulmau wenig di>von
geseit habe.
■^'S Gegeben an dem fritdage noch sant Veitins tage, in dem Ixiviiij jore x-
'■■ ''* und iln'dzelieiihunderliijesteine iore.
l'riil viii ;;rulier angest und not und ersi^limckenliirlief gru-
■ welii-her kiinltiirer niche, so den lieben goUeri frunden in disen
vnrgeschriben drien vorlitsamen ioren und lunder:iLen ziten gei'ireii-
biiret wart und sii legeliuho wartende worenl, so koment ir ehlewe ■
überein und wurdent zii rnle, daz si'i woUcnt einhelleclithe von
minnen und von groller Iruwe und von sunderlicher erbermede
viir die cri^tcnlieit ijiUen und einen ufslag von gotte erwerben;
nnd mahtenl einen dag und sammeUenl sich in eiine grollen hohen
wilden geliirge und In^ent un.-ii'rme lieben herren mit fli:jsigem ''
89*
ebette obe nun tage lang, und do die bette geschach, und der
ag verging, do schreip aber der eine liebe gottes frünt dem
Dmmendüre, waz in zu entwurte von gotte worden waz und
priehet der brief alsus:
Lieber früat, ich loße üch wißen, daz ich bin gesin in eime gar wilden
roßen hohen gebirge, do ein vil kleines kappellelin in einen stein gehuwen
it und ein vil kleines huselin dran gebnwen ist, and do ein priester mit
ireien jungen brüdern inne wonende ist. und nf diso selbe stat do koment
iben gar große heimeliche gottes fründe züsamene an sante Gertruten dag. ^^^^^ ^^
ad bi disen lieben gottes fründen bin ich gesin alse ein unwirdiger uzwürf-
)liDg, aber von irre großen demütikeit wegen so woltent sü nüt enbem
ocb abe gesin, ich müste bi in sin und müste boren und sehen und befinden
lle ire heimlicheit; und dirre lieben gottes fründe der worent drie prie-
tere. nu vil lieber frünt, solte ich üch alle die großen mirackele der
rossen wundere, die do beschohent, solte ich üch von den allen schriben, so
lohte sin gar alzümole alzii vil werden ; aber ich habe sü mime lieben hei-
lelichen fründe gar vil geschriben. doch so wil ich üch von eime stücke
iner mirackelen schriben, und daz ist och der grosten stücke eins ander in
llen, und ist och etwaz notdürftig üch zu schribende. und ist daz sache,
az ich üch zu ettelichen ziten ettewaz me uf den selben sin geschriben habe.
Lieber frünt, ir suUent wissende sin, daz dise lieben gottes fründe got
lit gar großeme ernste obe logent und in mit großeme ernste bittende wo-
dni vür daz große gruweliche wetter, des ; man alle zit wartende waz, und 20^
ottent got bede tag und naht alles umb einen ufslag. und in disen dingen
is gebettes worent dise lieben gottes fründe von sante Gertraten dag untze
n unsere lieben fruwen dag. nn waz dirre lieben gottes fründe gewonheit, mdrz 25
az sü alle tage noch dem mitteme tage, so sü geßen hettent, pflogent zu
onde von dem huse in den walt; wan do waz ein geseße bi einem sch&nen
amen, do waz ir gewonheit, daz sü do nider bi enander sossent und rettent
0 mit einander von den dingen, darumbe sü dar kummen worent und wart
ch do ie einre noch dem andern gefroget, obe ieman üt von der Sachen wegen
ur kämmen were. also befundcnt die lieben gottes fründe von der Sachen
ie nüt untze an unsere lieben frowen dag noch dem imbisse. also do sü
her koment in den walt und also bi enander sitzende wurdent und irre
achen gedenckende wurdent, so horent sü, wie ein gar großes windes getose
nrch den walt her kummet gruweliche brochtzende. und in dem selben do
rart och domit die aller gröste grawelicheste dickeste vinstemiße, also daz
rir überal nüt gesehen m6btent dise ding die worent gar ungehüre, also
az wir alle wol merckende worent, daz es von den Übeln geisten waz. also
rorent doch die lieben gottes fründe also gar demütig, also daz sich sin
einre wolte under winden die übelen geiste zu beswerende, also daz sü ir
idig worden werent. welen man ane kam und in bat, daz er es tun solte,
19 s^rÜkmde 40 doch zweimal, einmal getilgt.
der spracb, daz amA
virdig. also befalbont si es alle in einer demütigen geU-ßecMl
gotte, daz er det<^, wa2 er wolte. alse liessent sü die Übeln geiste regnierai
mit dlrre großen ungehüren dicken vinsterniße wol af eine gantzo sliutde.
und do daz zerging, do zu stunt wart do beschach es, daz eine gar ge- i
swinde kloro schöne later heiter liebt wart dai lutere liaLt die klore sanoe
gBT Taste iiberlübtende waz, also daz unsere liplicben oagen den klcrsn
schin knme erliden mrihlent. und in diseme kloren latem lieht« do brach
eine gar ußer muBen süsse niigesibtige stimme nz ; die stimme also waz. '1(i-
von nnsiT aller nature gar große kraft enpfing. und wir hortent mit aosere i
liplichen gebärde, daz die süße stimme sprach: ir vil lieben frnnde goties.
fride si mit ücb, and ir süUent niit erscbrecken noch üch frirbten, wenne
ich bin ein gcsanter enget niid ein botte von der beugen hohen ewigen dri-
valtikeit, nnd sni üch kaut tnn und tun ücb öch knnt, also d&z die »]•
mehtige drivaltikeit nwer bette erhöret bat, und hui üch geben ein gant»'! i
ior den ufslag dez großen gruwelicben wetters, daz dn über alle die velt
gangen solto sin ; und ich sul üch ouch gobteten und gebüte es üch oncli
von der heiigen drivaltikeit wegen, daz ir noch diseme iore nüt me ron
diser seihen Sachen wegen süllent bitten, wanne der vatter wil es denue
alleine in siner baut stunde haben ; nenne so es beschiht, daz der ratter be- i
kennende wert, daz es zit worden ist, so wil er denne sinen snn durch alle
die weit rechen; nnd daz wuri i'ch daiine der cristenheite gut sinde, wanD«
dio cristenbeit die wurt sich danne von großer not und aogest nnd forbte
bessernde werden, nnd daz waz i'cb daz binderste wort, nnd do lü stunt
do zerj-'ing öch dio schöne heitere liebte geaihte, nnd wart öch do die sanm ■:
wider schinende rehte also vormols.
' Nu vi! lieber frünt, ir sallent wissende | sin, daz ich üch dise ding ge-
schriben habe, daz habe ich ußer göttelicher minnen und ußer cristenlicber
brüderlicher truwen geton, alse ich ücb in gotte wul getruwende bin. und
harumb so bitte ich ücbußergöttelicberminnen. dazirniemanhievon sagent ■■'■
es sjgent danne alsolicbe menschen, den ir in gotte wol getruwende sint
Lieber fnint, üch wart dio erre fart geschriben, also daz uns allen wol
zu rotende were. daz wir unser leben soltent anvoheu zu rihtende und im
besorgemie und also soltent leren leben, also daz wir darof möhtent sterben,
lieber frünt. waz daz dozumole zu rötende, alse ich es denne dise vart ver- ■
nomen und befunden habe, su ist es nuzümole noch gar vil baz und me zu
rotende, danne es dozumole iviu. Und lieber früut, ich rote üch ußer götte-
licher minnen, und ist daz ir dehelnen frünt hant, der do mit der weit«;
Fachen und mit diseme irdonschen gute vil zu tünde bet, daz ir dem heime-
Itchen rutent, also daz er sich mit der weite rihte und sine sele besorgende >■
si und daz ane vobonde si, also daz es zu dem leugesten dts iores bcschebea
sige; wie es danne goude wurde, so lebte der mensclie deste me one soi^«
und one schrecken und lebete nu iu der zit sicherlicbe. und mag dem menseben
nüt geschaden. und wer es loch, daz usser diseu dingen nüt wurde, und gut
sine ebermde wurde öugendo imd waiA« tüude, also er den von Ninivü i
91'
det: beschehe öcb daz, dammbe so hette der mensche nät verlorD, or hett«
gewnnnen.
Gegeben an ilem samestdage noch den oaterdage dez iores, do man '^
lalte M^. ccc". sibenzig und nun jore. "/"'^
Und do alsus der himeUche vatter sinen fründen abe seile 9.
und Sil misselrosle, daz sü noch dem ii>re dis ufslages niit *"'""
me bttteQ dnrfTent und ouch bi gehorsame mit me bitten getors-
tent, also dirre vorgeschriben nehste brief seit, do noch kam es die
liebe erbarmhertzige gnodeariche milte müter Maria, die aller
10 oberste küniditi himelriches und erteriehes, selber an den himel-
schen vatter dez winnaht obendes, do man zalle von gotz ge-
bürle driizehenhundert sibenzig und min jare, ebe der vorge- 1S7
schriben uislag uz kam, und bat in mit ernste viir die cristen-
heit, daz er die künftige pflüge noch drü ior ulslüge und ir so
•'' lange zit gebe; des sü der himelsche vatter von irre demütigen
ernsthaften bete wegen geweren mnste, wenne er ir nüt versagen
mag, aber er wolte, daz donoeh zi'i den künftigen ostern dri-
zehen der heimeliehen erli'ihteten verborgenen gottes fründe ke-
ment in daz hohe wilde gebirge uf die selbe stat, do vormols zu
'•*> den nehsten vergangenen ostem ir ehtewe woran jjesin und ein^
ior den uFslag erwurbent. und wie es ouch den selben drizehen
gottes fpünden in übernatürlicher wise mit guten Wortzeichen
verkündet und geofTenbaret wart, daz su versammelt wurdent und
in daz hohe wilde gebirge fürent, daz seil dirre nehsle nochgonde
-■• brief, der von den selben drizehen gottes fründen eime herabe ge-
sendet wart Rülman Merswine, unserme Stifter, alsus spre-
chende :
Yil lieber sanderlicher faeimelicher friint miiiro, ich lo dich wiBen, daz
esbeachehen ist na zu neliste zu ninnahtcn in derheilgeo cristnaht, daz ich
10 noch der mettin an I dem tage waz ettewaz kräng worden, and ich leite mich 21'
also nider nnd wolte gerne ettewaz rüwen. und do ich also lag, do gingest
mir vor rehter krangbeit die ongen zu also, daz ich doch weder rebt schlief
Doch rebt enwachete. und do in demselben wart, do waz mir, wie daz eine
summa zfl mir sprechende were : da sult nit loßen, da solt dich daruf rifaten,
i.> also das -ia nit loQest, dn knmmest und sigest an dem hohen dtmrestage zu
6-S7 itt nicht rot Eescfariobon wie dio sunstJEen f!bar«chrifl«u, sondara nur
n&lit SD der selben stat, do da vernent selb ahteste were, do nnrsl da nn
selb drizehenste hin bniDiaeDde werilea ; and wissest, ebe daz die zit kummet.
daz da varende warst, sn snlt da e vil ^liter woneichea bevindende werden.
Lieber frijot, du solt wiDende sin, daz mir dise vermanaii^e in dem
Hula? sluffo wart viir gehebet iu der heiigen cristnaht and in sant Steins naht und j
in sant Juhans naht; und beschach daz die drje naht alles glich In eime
dinge, rehte gliches an dem tage nf gonde. na solt du wissende sin, daz es
beschach, daz unser her Johans an sant Jü hanstage noch dem mitteme tage
zil mir kam and wart mit mir redende, and seite mir rehte alle ding, wie
daz imedise drie morgen alle morgen in dem sloffe viirgehebet waz worden, ]i
also daz er mit mir vareo solte an die stat, do ich vernent selb abtesto wsz,
du solte ich noch hure selb drizehenste hin kämmen, und do mir her Jo-
han s diz geselle, do sprach er mit ernste in trogender wisc, ohe daz ich üt
hievun waste, waz es were. do sprach ich: herre Johans, lont es also bübee
antz an die zit, daz wir merre Wortzeichen befindeut, wanne allen Visionen i
den ist nüt wol ku gloubeude. also beschach es darnoch in den vier wachen.
daz mir ein groGer gottes fnint, derdo wonet in der herren lant ?ou Meig-
lon den ich wol bekennende bin der schreip mir rehte ghchs daz -^elb selbe
rehte ein ding and tr gete mich ch mit gro^seme ernste and bat inKh, dai
ich ime nete nnd ime durch got widerumbe acbribe ob daz es gut were '
dai er uf die «(elbe zit dar solte varen oder weger were daz er hie solte
blibeu wanne in nntdahte daz er wirdig were zu alsohchen großen gölte«
frnnden zu varende al^u habe ich ime widerambe geschriben in vil worten
er solle es mit nute 1 Ben er stille m aller «ise varen alse er verminet
VI rden j'^t nu "^olt du ch wissende sin di tielben gottes frunde iie do
vernent ch nf leni g ttelithen tage w »reut daz mii der ein teil ler^chnbdi
hibont ou(h vm der selben saihen wegen \\m es in dir kämmen ist und
alse e> in vorkuii iet vi rdi n ist d iz ist lUessimment eins also gl übe ich
und getruwe daz wir die au dem h< hen dunrestagc za naht do bi eoander
«iillint <tin und ^nllent d> bi enanler bliben Icn karrntag den ostertbenl
und l n oiterdag und an lern mfndit.e Inige so werdent wir von enaiider
'•cheidendi. dn s It wißonde siii weunc wir nu alle zn^tmene kumment u
Mntdiai \ rb lg neng ttes fruiile alle )lse gargr & daz michdez dun^ket
diz ich ein reht ru^wurtldiiig under in allen bin ich 1 s^r dich luchwi i
la^ die i«eno \i\ lieben golt s Ininde v n Lngern hiruz /i mir ki nimm S
'int die seibin zw ne In d^'U iih \ r drihg lorcn gewesen bin und ich dr
-l'' üuih ettewenne m1 I* n m ge eit habe wifiest die komeiit zu mir au Jer
riiar S Ikbin uugfr Hin sint Agathen dag und su sint in dermsen zu nur kuin
meii tlsu diz si mit mii var n 'ulkut und di/ ist iii uch verkunkt s
iit 1 nu ch in IkIht gott s tiuiit zu mii kumni n d r do an burgir \ D
(j n u w t uKi r d r stat ist d n ich mit bckant habe und d r k-im z i mir
uar 14 All <aut ^c1tlns tig und der hi.t mir ch gute Wortzeichen gc^cit tr htt mr
vil dmgisg Eilt ttiedai imt V rkundet worden ist alsodaztr chmitmr
(;,' Hill'// Hilf liiisur •1\ nüie losseii iwl KHsiir.
e
93*
Taren s&lle; er bet mir geseit, daz er wol hnndert tnsent gnldin w«rt bette,
dei er alles lidig worden ist; nnd bet es allea durch got geben, nnd dammb
■0 lidet er großen nnwert zAGenewe in der stst. aber got der wircket also
grosse nbematnrlicbe werg in ime und mit ime, dovon er selber nit wol ge-
sagen kan, wanne sn über alle sinne sint. da solt wissende sin, dai nocb
nieinan nnder allen disen großen gottea Fronden wissen kan, wai got hiemitte
meinende ist, also daz er wil, daz ir drizehene an dem hohen danrestage id
obende alle do bi enander sällent sin. na nimet mich etwaz fremde, waz
got mitte meinende ist, daz er wil, daz ich varen sol, nnd er wol weis, daz
ich Yon des riten wegen kräng worden bin und ich den alle tage noch mit-
teme tage nnd zil mittemaht mit froste and mit hitze habende bin. and
dand so solt dn wißende sin, daz es bescbach dez großen hocbgezites dez
iwölften tages noch disen winnabten, do ich in der hohen meßen gar knrti- ^iMiuai
liebe zii dem alter solte gon ond daz beiige sacramente enpfohen solte,
do kam an mich daz große alte we de^ grossen alten trackes, der mir
darcb alle mine natare ging, nnd dnncket mich wol, wie es rehte der selben
träcke, der selben krangbeite eine were, die do dir nnd mir vil sA kämmen
ist, also daz es in drißig ioren dicke beschehen ist, also daz wir dez tmckes
der krangbeit in aller anserre nataren nf eine cit nnd nf eine stunde wir
bede gelich gewar wardent; ond rchte alse eime boscfaach, glicher wise also
bescbscb oach dem andern, barambe vil lielwr heimelicher fnint minre, so
bitte ich dich, daz dn mir mit diseme betten wellest schriben, obe dir nf
den zw61flen tag nt wider Taren ist, oder obe es dir nüt beschehen isi ond
ist aber, daz ez dir onch beschehen ist, so schrip mir die stunde und dib
wise, alse er dir beschach. und ist es dir öcb beschehen, so bist du in der
nitnren kräng, und tä dir selber rehte ; und da ensoit nnt Tasten, wenne du
nüt gevasten mähst da solt ouch wißen, daz ich kräng in der nataren
worden bin, ond het doch got über mich Terbenget, daz er wil, daz ich
vor disen ostem in großer krangbeite varen müs; aber sider das es got
selber also haben wil, waz ich danne nit vermag, so vermag aber er es wol,
also der liebe sant Panlns sprach: ich vermag alle ding in dem, der mich
do sterckeL barambe, wie daz got die ding füget and sü also haben wil, do
sol nieman inne verzagen, man sol in gehorsame alles TÜr sieb gon.
Gegeben an sant Peters dag, als er gestälet wart dez iores, d« man ^^a
zalte von gotz geburto drizeheuhnndert nnd ahtzig iore. .^^
♦ * •
Wie au diae selben lieben drizebene gottes Iründe von diseme 22*
tage schiedeat und waz in geofTenbart wart und wes so sich ver- la
tHnden und versprechea müstent, daz wart Rülmanne, unsenn Btdmt
Stifter, TOD sime heimelichen &iinde geschriben alsus sprechende:
Vil lieber heimelicher frünt minor, du solt wißende sin, daz die lieben
gottes frAnde alle drizebene nf den mitten dag of eine stunde züsamene ko-
meot an dem hohen dnnrestage, and koment züsamene an die selbe stat, do mBn
irir onflh vament worent. nnd wart die karMtan naht mä sax zt^^^ü«
tifiistü vertribon, und d'ju t»g mit dum groüoti b^ilgou ambahto antzt> mittag
mit grollemc eniate lertribvii, and ^iugent onch alle drizelion £ü dam altar
und ünpÖiigeiit daz boilge sacramento. und noch dem mittumo tagt» wart,
do ffir pin wenig gpßon hettcut, do gingont wir abwr ¥Ür den walt aii dii'
stat, do wir onch »erneut wurent. nu woreiit wir TOrbin überoin knmmun, ;
daz wir uns den tiifol nütüeSont irren, nlse or verneut det, niid solle iu niu
priästor bi der beilgeu drivaltikuit bosworcn ; also viul dii' ios of doii liobmi
priester nnsera hoswurt. im do wir also bi eiiander sifcjendo wordt^nt und
mitt'naudcr rcdeudo woront, sn sehuiit wir mit uusern li[dicb«>n ougou, wio
daz nßur dem waldu heruz große bünieude ki^rt^oii koment, und dea kertzeii i
giug jiDcb gar vil herlicher froweu in gar k{istlicbom guldimo gowaiidc;
und do sä Dohe zu nns koment, do sprochout sü zu aus mit gar bhideu ui-
d(irg»schlagonen ougen mit gar eiiirt^ demütigen geberden und sprocbi-nt
alsns: ir liobon brüdere, sint gegrüßot, and ir sülleut wißon, dai wir onch
'iä nch gcäant sint, also daz wir onch nvem tag uwors gesprocbes Tcrhfirpu i
süllent. do sprach der liebe prio^t^r, an den ez gesetzet waz, daz er sii be-
sworen soltv, der sprach: es ist nät zu gloabonde, daz ir in deheioe wise bi
Dnsorme tage sin süllent, und ich buswuro üch von der brnder alter wegen
and gnbiite üch von der heilgon drivaltikeit wigen, also daz ir zA stunt »n-
wvg vareut nnd in den grant der bellen varent und uns hie alzümole nuge- >>
irret lofient. also füreiit sü do ?ü sinnt in eiino gar großen »indes get''»'
von uns. damoch boschach es zu stunt, daz ein gar heiters übernatnrlich««
liebt kam, also daz wir den schiu kume erliden mi'ihtent. und indem schinv
do brach nz eine gar ahumole süBe stimme, und die stimme die waz nng"-
sihtig, und sprocbciit die wort in einer gar alzümulen siilier stimmen: ir vil ;
lieben heimclichen fründe uns<'rf berreii Jbesus Cristus, ir süllent nit it-
■Schrecken, wanne ich bin einbette zii lich gesant von der hoben, der i^roßi-ii
aller obersten künigin himelriches und erteriches und aller creatarin künigiii.
also dai; ich ücb binden sol, also daz die liebe müter gottes an den ewigen
himi'iscben valter kumiiien ist nnd hat an im erworben und zi'ibroht: und ist :i
2'' es ebti> also, daz ir allr driy.i'bene. die hie sint, wellent von minnen|tüii und
stete hab"n, also es an diseme briefo geschriben stot, und wellent ir ei tiin.
.so sol diiz^rulle weiter lier grossen pflofien dni ioruf grsla^en sin. also wart
der brief under uns gelolloii valleu, und spracli die stimme ; nement den briet,
als ir woliiarinne beende werdeiit, waz diTbimelsche vattiT von üch habi'ii -i
wil, und do beretcnt üeh umbi' mitzi' an di'ii ilirtm tag, iin«! daz ist d.T
i'5 hi'ilgr- osterdag, und kumnienl d.'inic uf den mitti'ii dag hernider und briii-
gi'ut den brief mit lieh, »"nin^ iih di'n briid' «ider mit mir fureu sol, wi'iiiu'
ir wiTiii'ut ''ch deiine i'in gros mirack'de, cnii nffart de?, briofes, sehende
werdi'-u; und |i>si-rLt den brief in widre b;)iide sproolie daz ir wellent, daz e
vindent ir alli'S dinne; und wil irman nnd<T ücb disen brief an sdirib<'n, daz
mag er tun; und kummi'iit uf die zit als iicb gesugiit ist. und ^agent mir
deniLe, wi'z ir üeh beroti'n liabetit. und do i(t stunt, do va.?. die süsse redi'
in der grolien In^iter^' us und \vax alles enw.'g. und do mmeiit wir den brief
zii uns und losfnt in in uelscher spreche, und daz waz gut zu verstimde: t
d5*
do losent wir in do in tötscber sproche, das wai och gut zA Terstonde ; do
wart er do zd laüne gelesen, daz waz aber gut zi\ verstonde ; do botent wir
dohem Jo banse, obedai er in in abrabemscber spracbe kunde gelesen nnd
in knnde verston, daz det er nnd spracb : wellent ir, so bant wir wortzei-
ebens rebte gnäg, wanne ich habe in in abrehemscher sprocbe gelesen, do
ist er OQcb gut zu verstonde inne. also blibent wir bi enander sitzende nnd
wordent mitenander redende, do bescbacb ez, daz der hnswnrt wart nmbe
frogende, wie uns der brief gefiele, do sprochent wir alle mitenander nsser
eime watenden gnmde yod hitziger minnen: der brief gefellet nns nOer
mofien wol, und wellent gerne von Interre minnen gehorsam sin, alse der
brief saget, und wellent daz gerne tun nntze in nnsern dot.
Vil heimelicher lieber frunt minre, da solt wiOen, daz ich den selben •
brief habe selber abe geschriben zu tatscher spreche rebte von werte zu werte,
rehte glicbes also ginre stant and den brief den solt da beslossen vinden
in disem briefe. so hat her Johans ans oach einen in welsch gesohriben.
Na solt da wißende sin, daz ich dir habe geschriben, wie daz wir den
karfridag nnd naht vertribent na an dem oster obende wart, do sprochent
die priestere alle meße aod gobent och den leigen daz heiige sacramente.
and do noch dem eßende wart, do gingent wir aber alle drizehene an anser
stat für den walt and soßent do bi enander and hattont vil rede mitenander,
and soßent alle bi enander, ondzedaz es rehte obent wart dogingdo ieder-
man an sine heimlicheit an sin gebet, and do es mitternaht wart, do ko-
ment wir do aber alle zusamene and noment do ansem herren az dem grabe
and hattent do ansere mettin in großer andaht, and sn werte antze tage,
and do yingent do die priestere meße an zu habene and gobent den leigen
oach daz heiige sacramente. na diso ding die verzogent sich also spote, daz
wir käme | ein wenig geßen muhtent vor dem mitteme tage, and do wir 23^
goßent, do gingent wir aber alle drizehene an anser stat yar den walt and
noment den brief mit ans. and so wir also bi enander sitzende sint, so
kämmet aber ein geswindes heiters lieht and ambe schein ans. nnd in dem
liebte, do brach aber die süße stimme az, die wir doch nienan sohent, and
sprach die süsse stimme alsas : ir vil lieben heimelichen fründe, ich bin hie,
dse ich ach gelobet habe ; und ich sei üch frogen, obe daz ir üch beroten
habent nnd tun wellent noch dem briefe, der ach gesant ist lieber frünt,
do wißest, daz wir do alle mitenander mit einre großen hitzigen minnenden
begirde mit mande and mit herzen sprechende worent: wir wellent dem
bimelschen ewigen vatter gerne gehorsam sin and wir wellent nüt alleine
die drü ior sine gefangene sin, wir wellent ime geloben, also daz wir alles
anser leben insinre gefengniße sin wellent, and wellent den brief mit großer
begirde gerne stete halten, der ans do gesendet ist do sprach die ange-
sihtige stimme: sider ir dis nu tun wellent, so heiße ich ach, daz ir na ein
flir maehent nnd werffent den brief in daz für, so werdent ir ein gros mira*
ekele sehende werden, also worent wir gehorsam nnd gingent dar and
41 tm Ter ein eingeschoben 4S für Abergeschrlebeu «lVi^i «^V|^Ai^ biricf .
mahtent eiu für und warffent den brlef obenan in die hi^itere flamme in
fäna; aber der brief der enbrante nüt und üo sprach die nnge^ibtigi'
stimme: ir lieben fründo, sidor daz ir nndem ewigen liimelschon rattere p^
horsam welli>nt sin, alsc der hrit^f saget, do ir abugeschnft gnilg von babaot.
I so gcsegene üch na die algeweltige ewige Icraft dez vatters. and in dem -,
Worte do bescbach es, daz wir alle mit unsem liplichen ongen wnrdent se-
hende, alao daz die heitere flamme des fi'iros von der mali^rio der. holt^es sieb
uf erhiip nnd den brief dinm;, aud in der hitzigen heitern Üammeo der briaf
Duverbrant bleip und in dem füre alles uffarende waz; and ie höher daz for
nf ffir, ie heiturre nnd llehter daz für wart uud da daz für also hnbe kam, ^,
daz niis dnhte, daz es obenan untze an die lüfte Icammen were, do beschafh
es, daz wir alle mit uiisorn liplichen ongeu sehende woreut, also daz sieb
dar himel uf dot und ein gar heiterer hihtender bligschos as dem himele füi
und nam unser für, daz wir de gemäht helteut, do der brief inne lag: üo
Dam <laz ^ber für nnser für und versbnt ez in sich, und du tet sich der ,
bimel wider zä, nnd soheut do nnd bortent do nüt me. lieber fnint, also
beschach es damoch. daz wir an dem oster mendage zu stnnt müstent of
brechen nnd miisten von en ander faren. nnd miiste iedennan varen, do er hin
horte, and müste besehen, daz er stete hielte, alse er gelobet hatte.
Lieber heimelichor fmnt miner, duhest mir wol nflfe zwei ior vilbrieft j,
gesant, nnd hast mich alles gebetten, dahte es mich der wille gottes, daz ich
dir daune nrlop gebe alleine alle zit zii sinde and mit niemau nüt zä tünde
hattest and aller crestaren muhtest lidig ston. and dine meioange ist nät
anders, wannodaziin zu vil fr'ilicheite und crgetznnRe niidtrostes mitdineit
2.1'' junge» briidern hast 1 in irre fjegenwertikmt. nu hast du mir mit groliume .,
ernste aber nuzümole in dirre vasten geschriben aber daz selbe, nu vil
lieber heimelicher frünt miner, dn sihsi nn wol und merckest «ol, wie An
es umb mich stot und wie daz es der ewige vatter nu bahou wil, also da;
ich von minnen dem briefe gehorsam sol sin. siderdaz ich nu gehorsam \i>n
Lnterre minnen gerne wil sin, lieber frünt. so miisichdin und aller creaturen ;;,
miissig und lidig ston und miis alleine warten, waz der ewige vatter vi.>n mir
haben wil. barnrnh so raügent wir nn alse es noch stot mit unserre beder
gegcnwertikeit nüt mo zusamenu kummoii, so eiimaht du mir, noch ich dir
mit me früntUche briefe geschriben. barumb lieber fnint, bevilhe rehie
alle ding goite und lidi<.'e dich und miissige dich nu von allen ullerlitheii ;
dingen, daz ist nu wol min rot und min wille. nnd vil lyeber heimelichfr
min frünt, sider daz belunden ist. daz es di'S ewigen vatters wille ist, da;
man sieh ime gefangen git. soensolichnuLdi enwil nitmedowider sin, dal du
dich ime ■■ch gefangen gi.'^t: unii ist i'>ch nu wol min guter wille. also daz dn
nu nchdin leben nu ottewazvürbalier veränderst, aber in alsolicher wise alse ,,
dn meinest, daz du dich gerne wollest in beslielien und dich alzümide vou
dinen briidern wollest tun, daz duncket mich iVh nüt giit; und ich erl''b«
dir esiVh nul, nannedu enhast noch keine übernatürliche gezügiiifie, waune
dai dn nnwent ettewaz forlite bast, d&z dn zfl tÜ trostos h&st mit der gegea-
«ertikeit diner jim^en brndere, hanimb vil liebar heimelicher frunt miner,
so wil icb dir nn sagen, waz icb dir du sage nBer gütlicher miiinen und dir
ODcb nrlop dozü gibe, so rote ich dir also, sider daz da von diner Sachen
j w^en nät snnders enweist wanne daz eine, daz da f5rlitest, also daz du zii
vil trostes nnd ergetznnge in dinen brndem nimmest, harambe, vil lieber
frünt, so rote icb dir nnd heiße dich and gibe dir öcb nrlop dozj, also daz
da nffe daz mittel fallest nnd dich noch nüt also gar Tun dinen brädera
scheidest, wanne sn noch tang in der natnron and in der gnoden unt. ha-
I nimb tU lieber frunt, so rote ich dir and ist es also, daz deheine kammere
nohe an der kirchen gelegen ist, also daz man zu eime altar oder me ge-
sehen mag, die nim und gip alle dine kammern nnd stnbe darambe. nnd
bammb so habe ich dir gesendet xxTiij güldin, so hast dn Büpreht ge-
halten iTJ gnldin, die nim i'ich nnd heis dir machen ein stdbelin and daz da
, bedarft. wissest, ich hatte dir me zu letze gesant, wenne daz mich dis« vart
gar Taste entblösset bet. nnd wenne dir also vi! gemaches gemäht wnrt nnd
darin kämmest, danne so rote ich dir nsser göttelicher minnen, also das dn dich
me fügest zu dem heiigen sacramente, danne dn noch täst da seit nnsera
herren an der mittewochen nnd an dem fritage zä dem snnnentage enpfoben,
I and die selben drie tage so solt dn dinne bliben nnd dinne essen nnd mit
nieman keine rede haben ; die andern ti^e so halt mit den brüdem eine ge-
müne wise. aber der irisen ensolt dn nit halten, alse der erden gevonheit
hett noch dam nabtmole collaciezötrinckende; daz | gebürt dir nnt zd, wanne 2-
dn sin TOr in ioren entwonet bettest, die brndere haltent ir swigen aber
I tisch, die gewonheit halt mit den brüdem. and halt dich na in diser wisen
in disem tünde also lange nntze an die zit, daz da oder ieman TOn dinen
w^en in einer nbematärlichen wisen befindent, daz got dich gerwe be-
sloBen wil haben, danne so ist gut zu Tolgende ; bescbibt öch dai, so mäht
da dich danne wol gerwe in besließen. nn tu lieber belmelicher frünt minre,
I were es nn also, daz da eine kammere and ein stnbelin an der kircben ge-
bnwen fnndest, dammb so gib alles din hos mit allen sime gebnwe and
nim danne die xitüj gnldin, die ich dir gesaut habe, nnd Buprehtes XTJ
gnldin <^ch darzü and gip sn alle dem commendüre and den brüdem zu letze,
daz sä nnser gedenckent, nnd gib in die gnldin in der wise, also daz sä an
> die kircbe Terbawen werdent; nnd hette ich me, ich bette wol minne dozü
gehebet, daz ich me gesant hatte, wanne mich erbarmet die kircbe, daz sü
also gar wüste nngebnwen ston sol; wanne mir min botto in dirre Tasten
geseit het, die nawe kircbe die stände noch rebte also eine schüre nnd
spricbet: die mnren ilie sirit noch nüt glat reine Terworffen, so ist noch
' k^iue büuc obenan an der kirchen, so ist die kirche nuwe nnd alt, der bert
noch zu estrichende.
Na TÜ lieber heimelicher nsserwelter frünt, got der gesegene dich, and
gedencke min, alse ich dir wol getmwe, wenne wir nit wissen mügent noch
getmwen mügent, also daz wir in dirre lit mit naserrebeder gegenwertikeit
-. T,u»..^o ^Äaamo», komen mi^ent, es were denne a\ao, äai «atwaft^^B»
(•/iri! 4
noch diaen drten ioreo, daz alsoliche ding bescbebende wnrdeat, also es die
lieben gottes fniode rötende sint von keime wissende ; do wissent sii nnt Ton,
daz wissen daz gebort dem ewigen vatter zii. lieber friiot. and were es du
es beschelie, also es die gottes frunde rotent, so m''bte es danne wol W-
schohen also, daz wir noch disen drien iorcn gar vil bi enander nod mit :
enaniler wurdent wonende, aber daz snllent wir gotte befelhen and süllent
wir sin müßig und lidig ston, alse der brief seit, ßülinan, beimeÜclier
fnint miner, also es nu stot, so müs ich liern JobaDse gehorsam sin, abe
da wol an dem briefe gebi'irt best, banunbe sc bitte ich dick also, daz do
mir arlop gebest nad mich der gehorsame wellest erloüen, wanne wir zwen« i
mit dem übe noch mit brieten mit nie züsamene bomen mugent. harambp
so erloQe <'>cb icb dich diner gehorsame und rote dir also, daz da dinea com-
mondüre neinmest and ime an gottes stat gehorsam sigest. und dis babe
ich dem commendüre gescbriben nod habe in gebetton, daz er dine gehorsame
welle nemen. lieber heiuielicher fnint, na lidige dicb and massige dich und t
entslauh dich aller creatareu und hüte dich vor alleo den dingen, die dir
aEi;erltche bilde in tragea m'>gent, es sigent briefe oder irdensch gut; bet
dir daz ieman bevolben, daz bevilch dem commenddre oder wi^mme es zu ge-
hört; und du bist noch pfieger doz hases, dez tiln dicb üch abe and bit.daz
man einen andern an dine stat uemme und dich aller uBcrllcher dinge er- :
' loDent, nnd dich in allen usserlicben sacben balteut, rebte alse obe | da dot
werest. vil lieber fnint, wilt du dem g>ttllcben briefe etwaz noch volgen.
der do nnder die frunde gottes wart geloüen vallen, des du öch eine abege-
schriftbest, wiltdn dem briefe ettewaz noch volgen, also daz dir zu gehört, so
halt dicb inuerlicbe und liileclicbe und abgescbeideiilicbe aller creatur''n unii :
w«rte gottes alleiiie. daz wissest, daz müssHit wir alle tira- nu got der jn-
segi.<ne dicli und müsse din pllegen in zit und in ewikeit. Amen.
(Jegeben an saut Ambrosien dag in dem Ixxk ioro unddrülzehm hiin-
derleatein iore.
Uini (iie !ilt('goschritt viui dem selben giiltelii/lieii lieralie ^le- ■
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geben und noch den drien ioren alles ires lebendes, und ob es beschehe, daz
es also gonde wurde, daz noch den drien ioren der heiige geist sü verma-
nende wurde also, daz sn also in irre stille soltent bliben, oder umb und umb
in die weit zu farende. do ieglicher hioe wurde vermanet: nu wellent die
') drizehene lieben frande dis von minnen gerne t&n und stete haben, so sol
es die dru ior uf geslagen sin, also daz das grosse wetter der großen pflogen
uf geslagen si. aber in disen selben drien ioren so wil der himelsche vatter
nüt abe Ion, er welle die cristenheit ane griffen in nianiger bände wise, also
er dohar vil iore geton het ; und wil ez e me, denne minre tun, also daz er
0 besiht, obe sich die kristenheit in den drien joren üt beßern welle, beßert
sich denne die weit nüt, so stet aber die weit in eime i^me, in einer zittern-
der Yorhte vor dem himelschen vatter. nu der himelsche ewige vatter der
wil also, daz sich diso drizehen heimelichen fründe dise dru ior also ge-
vangen und in besloßen gent, also daz sü ir swigen süUent halten und mit
5 niemanne keine rede dise dru ior süllent haben und süllent sich alles dez
nbe tun daz bilde oder ußewendigen kumber bringen möge, es sige loch in
welre hande weg es welle, daz sol alles abe sin ; und süllent anders nüt zu
tünde haben, wenne daz sü süllent warten, , waz in sü gesprochen wurt, alse 25'
der prophete sprach : ich sitze hie und warte, waz got in mich sprechen
!0 welle, also süllent sü dise drü ior dez ewigen vatters gefangenen sin und
süllent mit niemanne keine rede haben denne an dem zistdage noch der
noneo, so es mittag wurt, und an dem dunrestage och also, und daz süllent
sü in der meinunge tun, obe daz es beschehe, daz ir eime üt breste, daz zu
sinre natürlichen notdurft gehorte, daz mohte er vordem ; und ehe es euch
15 beschehe, daz irme ebenmenschen rotes üt gebreste, der ein solicher mensche
were, der einen got geloßenen grünt hette und gerne alzdmole ein innewen-
diger mensche wurde : und den mügent sü och wol die zwene halben tage
verh/tren und nüt me, und mogent die sehs werg der ebermde mit in üben,
und die leigen, die under üch sint, die süllent an dem sunnendage und an
;o der mittewoche und an dem fritage zu dem alter gon und süllent daz heiige
sacramente enpfohen ; und were es ouch, daz an den andern tagen denheime
ein gros hochgezit gefiele, der danne minne hat, der mag och wol zu gon ;
und wele leigen under üch sint, der do deheine wonungo bi deheime priester
habe, welre leige daz ist, der sol lügen und besehen, also daz er nüt enloße,
;5 er kumme dise drü ior zu dirre priester eime und habe sine wonunge bi ime,
aber one rede mit enander zu habende, es were denne zu bihtende oder zu
der meßen zu helffende.
Item alle die vorgeschribenen robericken und Seh
dise aller nehste nochgonde ernstliche vermanunge*''*"^
0 hant die brüdere zu dem Grünenwerde sante Johans
Orden hie zügeschriben und geordent, umbedazman
31 dtnkäm$! 40-100*5 rot»
100*
den sin und meinunge der lieben jiottez fründe und
diser gegenwertigen briefe und materien desle eigi'ii-
(icher verstan und genierken ki'inne nu und hienocb
ewicliche. und vohet die vermanunge alsus ane und
sprichet: i
Ach nu mercke menglicli und neme mit üiße war bi allen
dÜleii vorgeschriben gri)ßen wundern und übernatürlichen mira-
fkeln lind zeichen, wie jiar lange uns der himelsche vatter ver-
tragen hct die grolle unere, die sime eingebornen süne tegelteli
von der eristeriheit in allen sünden erbotten wurt. daz er vi'irbaz i
me nit lengor wil gestatten noch ungerochen Ion. und wie wiil
er sinre lieben müter Marien, der himelschen künigin, nüt ver-
sagen niöhte, er wolle sn dis hindersten ziles und ufslages öch
gewern, so müstent es doch die reinen lutem unschuldigen herzen,
die lieben drizehene verborgenen übernatürlichen sunderlichen '
Fn'utde gottes, gar sure eramen und sich dem himelschen ratter
vür uns zu bulle und zu belierunge in gefengnilte geben und in
besließen und aller creaturen lidig ston, alse lange daz zil dirre
!5'' drier iore werte, die do uz gingent des löbelichen wirdi [ gen hoch-
gezites luiserre lieben fröwen, alse ir daz ewige wort verkündet -
wart mit dem enjielsclien grülie dez hochwirdi^en gottes hotten satile
i (jahrieles in dem jore, do man zalte von gotz gebürte M° cic"
'-'' und IxxxiiJ iore.
Und bi diser selben hindersten bete der lieben müter Marien
und bi der erren dovor, so die ahte lieben erlühtelen jiottc^ -
li'iinde totent in dem hohen wilden gebirge, den cVh bi gehorsame
geholten wart nüt vüi'haz me zu bittende, so ist zu giftbende.
daz der liimelsL-he vatt<T nüt me darvür gebelteii wil sin oni'
i-ine gemeine unhelrogene gantze belierunge aller menschen glich
den von Nynive, den unser herre öch gar iiruwelich Iriew ''
durch den prophelen Jone, der in von gottes wegen verkündete
daz die slat Nynive in vierlzij tagen solte uniler goii und
umbe jiekerl werden, do gioublenl su dem iiro|ilielen und lielient
;dje viin allen sünden und beliertenl ir leben uememhi-hen und
iibetenl sich strenglich«^ mit eime geworen demutigen unbetiofienen
i'uwigen kere und mit einre gemenicn penitencien und \a»l(n,
die der künig zi'i Nynive gebot vihen imd lülen über alle
<!if ülal, die rio wa/. driev la^esvelde lauij;. und unser lieber herre
101*
sach an mit siner erbermde ire große demütige beßerunge mid
iren emsthalten geworen ruwen und ire strenge penitencie und
gehorte iren gemeinen klegelichen ruf, so vihe und lüte uf zu
ime schruwent, und gewerte sü irre bette und lies sü genesen,
•^ daz si nil verdurbent noch den Worten Jone dez propheten.
also het öch uns der erbarmhertzige milte got in viertzig ioren
gar dicke getröwen und öch in maniger leige wise angegriffen
mit großen sterbotten, mit ertbidemen, mit vil urlüges und blüt-
vergießendes, noch denne öch von eime unbekanten frömden j;iö-
10 betlosen volke, die alles tütsche lant und die gemeine weit von
gottes verhengniße twungent und durchehtetent one alle sache
und redeliche ansproche, und öch mit gruwelichen ungestümen
winden und waßern, domitte er uns vil gewarnet und gemanet
het uz großer vetterlicher truwe und in rehte früntlicher liebe,
5 wanne wir ime so gar sure worden sint und uns so türe geköft
het und so friliche erlöset mit sime kostbern wirdigen tode und
mit sime manigvaltigen bittern strengen lidende und blütver-
gießende, daz er uns nit gerne herteclich piniget und uns noch
ungerner ewicliche verdampnet, also verre wir mit unserme un-
0 geordenten verruchten süntlichen lebende sine heiige götteliche
strenge gerehtikeit nüt uf uns ladent und in nötigent und tren-
gent zu hertikeit und zu röche, daz doch wider sine gütige rain-
nenriche edele senftmütige nature ist, die er grösliche müs ver-
andern und umb keren, sol er hertecliche mit uns zürnen und
5 uns sine strenge gerehtikeit erzöugen; wanne er uns gar lange
gebeitet hat und öch in der jüngsten zit ist, daz | er eine gantze 26*
unbetrogene beßerunge von uns allen haben wil. und in welem
lande oder in welen menschen die beßerunge nüt beschiht, die
mügent sieh versehen und wartende sin eins großen gruwelichen
0 ungehüren erschröckenlichen wetters noch den briefen und großen
mirackeln, die zu eime worzeichen hievor geschriben stont und
öch dez gezügniße gent, daz der almebtige ewige erbarmhertzige
got und sine wirdige gnodenriche müter Maria unser gnüg gerne
schondent und uns minsamcliche zugent one grinmie strangheit
^ und ungestüme hertekeit zu rehter ordenunge und zu eime ver-
dienlichea gnodenriehen lebende, durch vil manigerleige wamunge,
80 Aü uns in vierzig ioren dicke getröwen haut mit gar ußer
— o^« li^wii^u^jjj minnesamen stroffe rüteu, und Aoc\v %^t ^^\vv%
102*
verfangen liat da/ acHi^iui mwgficlf ctarab*" gebeßeit habe
und meinel da? unser rolie blintheit diP di i-.t aller pflogen
vurderunRe und veilenunge la/ \vir die wunder und die werg
oOttes mit \Lir pflogen weilent lian und su alles den creaturen
zu legen m vur» itp'iger wi-^e daz wir -.preihent ts m der de '
ineolen wurcken de/ liimeK louF der --terne regnicren und det
lufte-i nature in weler leige wi'-e uns denne got le ane gnffel
und manet ■>> werdenl wir doch alles von zit zu /iL le bu&er
und le boser und le uf=iet7ipep und le sundiger m allen argen
listen domitte wir die weig goltes den creaturen ?u legent und '"
u alles schet/enl nodi unfern us-^ew endigen sinnen ? i eime ge-
meinen gewonlidien 1 lle alse uns denne le 711 mole die nalure
in treit und vergellent alles unseis manigvaitigen grollen gebresten
lomitte ftir verschuldent da/ uns t,ot iflngfn m ig in sjlicber
wise laz wir doch gai gerinf,e alitent un 1 kleine wegent dl
mmb -5) mus got etLewa/ nuwtr lunde erdeoLken dannne mai
sine almelitikeit frkeuneu miige und sm ere sLlunljer werde iinl
sin namnie in allem lobe erhübet und erwinie lieh an gerufTd
und alle hochfartige herzen gedemutiget und mit zitternder lorhle
under sii p eewilt geV u(,ft la/ u m werient kren tekfnnen! '
lind vor iUr,tn I ahm U mit et\oU( n le aller smie iboLte \\ in
\Ul disi V rgesLhnben Irufe it,cnt uu I ouch „e llenl arl hui
( tlelichtn discn seil pu ^i lt(s Ir in Ich in eiiire crisUialit le nr
10 man /ilLc v»n pOt/ .duitc Iri/d ciil un Itrt i inl/i^ un 1 -lel
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rihten, also daz sü keins nahtes niemer an ir bette slolTen kumment,
wenne mit einre solichen latem lidigen unschuldigen wolgeordenten
fridelichen conciencien in aller wise, alse sü gerne woltent gon
in ir grap, also oueh der lieben drizehenen gottes gefangenen rot
ist und in ettelichen briefen hievor geschriben stot, die von in
kummen sint, den billich wol zä gloubende und zu volgende ist
und welre mensche alsus noch irme rote lebet und sich in dise
wise haltet, daz in got bereit und gewarnet vindet, zu weler zit
und in weler wise er denne kummet mit sinre vetterliehen stroffe
' rüten, dem schadent keinreleige pflogen, wenne unser herre wil
i')ch eins solichen menschen understant sin und ufenthalt und
wil in behüten und beschirmen in zit und in ewikeit vor allem
ungefelle libes und seien, daz widervare uns allen. Amen.
Disen brief schreip der liebe gottes frünt dem commendüre
' in warnender wise in dem ersten anfange der zisma und ge-
spannes der zweier bebeste Urbanus und Clemens noch der
ersten offenborunge, die dem selben gottes Iründe selb abteste uf
die ostem in dem wilden gebirge bescbach mit der ungehüren
dicken vinstemiße einer gantzen stunden lang, also dovor in einer
V siner missiven geschriben stot :
Vil lieber Irnnl, herre commeDdür, ir sülleot UDserio berren dem meister
Icnnt tun, daz er 30l wiQeD, die fiiof güldin, die er von mioDen baruf santc,
daz die gar großen gottes frunden worden sint. nnd habe in 'ich nfier grolter
minnen befolhen, also daz sü sin milgroQeme ernste siillent gedencken, nnd
:, weite ont, daz er vür die fünf güldin fünf bnndert güldin bette, daz es nüt
t>e3chehen were. vil lieber commendür, als ir wol wiOent, wie daz ich ücb
noch disen ostern verscbreip, wie daz wir von enander schiedent also : wer
es, daz sü mir dis meigen vurscbribent also, daz ich zd Borne zA dem ho-
best« solte varen, daz solte ich in gehorsam geton haben ; do wiOent, do
j ist nüt 1 1 ns worden und bin sin lidig worden, und wisseat, daz mir die selben 27'
ril Uebw gottes Mnt verschriben hant also, daz einem under den selben
gottes Aräaden in einem großen Dbematürlichen mirackel ulr komen ist
also, du gar große irnmge in großem lidende in vil menschen in der cristen-
heit sAIle nf stände werden, nnd sol daz bescheben von der zweier bebeste
, w^en. dnd dariA so laße ich üch wißen, daz ich selber in gar kortzen
Uten Teninmmen und gebart habe von geistlichen wol gelcrten personen
mid ^ TOD weltlichen pfaffen also, daz die gar sere vaste widerwertlg
enundnr «int. wan ir ein teile haltAnt n\ch an den nnwon >\<'iWf^\. suiVt^XmA
Komtur
sicli eiu teii an doii alten Lobest, und darzii so lasse ich üoh wilien, dsi
ich öeh selber in kurtzen ziten von eime rehte großen berren. »on einu
tii inprob stt-, vemummen han also, daz er mir selber in oicier hi'imlicheit seite.
daz man in gar knrtzen ziten vil botschaft von bobest Clemens snite bv-
fin<len and oacb alsolich ding wnrt kündende, daz man wol sol gewar wer- :
den, also daz bobest C 1 e m i' ü s vor gottL- ein gerehtiT hobest ist. vil lieber
conimendürc, und ist daz also, daz diso ding bcscbeheut, so ist oacb deiiD'-
wol zu gctruweiide, wennedaz es bobest Urbanus gewar wurt, dazerdennv
zö stnnt öch botschaft hamz sendende wnrt. und mag denne gar hortf red*
mit in beden werden, vil lieber commondüre, und ist es "'ch, daz got di?" i
diüg über die kristeDheitverhengende wurt, so süllent ir wiflen, daz esdenm.'
wol beschehen mng daz denne kein so weltwiser man d«r in der rit ist dei'
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105
unwen e wol ettewaz in der geschrift gezugniße haben mag; wan der sin
war nimet, der vindet sin rehte gnüg. und dovon vil lieber commendür, so
ist es gut, alse üch got die große gnade getan het, also daz ir ofifenlich sin
lere nffe dem stdl getün mdgent, hammb so gedencke ich, daz ir na ettewaz
schuldig sint die cristenheit zu warnende.
Geben in dem M9 ccc° Ixxix. iar, an dem ersten dage dez broch- ^^^
mondes. J**ni 1
Dis ist der aller hinderste briei, den der liebe gottes frunt -^^*
10
herabe schreip dem coramendüre zu dem ürünen werde zu
entwurte sins briefes, den er ime dovor gesehriben bette von
dez obersten meisters wegen in tiitschen landen briider C Un-
rates von Brunsperg in den ziten, alse die vorgesehriben
drizehen gottes fründe sich drü ior in beschliessen* müstent, alse in
uf die Ostern in dem wilden gebirge von gölte in großen mira-
^^ ekeln verkündet wart, do öeh der gespan und zisma zwüschent
den zweien bebsten Urbanus und Clemens ein gantzes ior
gesin waz und gewert bette: in disem selben briefe rötet der
liebe gottes frünt dem vorgenanten obersten meister mit orde-
nunge von dem meister ampt zu werbende von sorglicher ande-
•ö runge wegen aller löuffe, daz er ime doch vormols gar dicke wi-
der roten het, nüt von dem ampt zu werbende in vil briefen, die
er ouch dem commendüre von des meisters wegen schreip:
Vil lieber herre der commendüre, ich habe uwern brief enpfangen und
habe in von der gnaden gottes wol verstanden, und ir habent mir nu in
ih uwerm briefe verschriben also, daz es üch gar sere erbarmet, also daz ich
üch nut enbotten habe von unsers herren dez meisters wegen, alse ir nu zu
nehste yerschribent, also daz man ime enbieten solte und ime roten solte,
noch dem als ez nu in der zit stot, obe es ime weger were|von dem am- 28*
bähte zu werbende oder darbi zu blibende : do süllent ir wissende sin, und
{0 hettent ir mir dise ding in der faston also verschriben mit alsolichen volle-
komenen ernsthaften werten, alse ir nu geton habent, so wißent, so mohte
es nüt beschehen sin, üch müste ein entwurte wider abe verschriben sin.
nu wie es in disen dingen ergangen ist, es sol noch gut rot werden, nu vil
lieber herre commendüre, sit daz ir nü jungest und och Rülman mit alse
\h gar großem ernste in vil werten gesehriben habent noch rote unserm herren
dem meister, herre commendüre, es mag uf drü ior sin oder me, daz och
hamf verschriben wart noch rote unserm herren dem meistere ; nu do stunt
OQcb in dem selben briefe, wie daz ime ein geistlich man vil gutes gotteliches
dinges geroten bette, daz uns alles gar wol gefiel, untze an den einen rot,
to d*« «^ ^** ^" "'**T er solte tun und werben alles daz et m<>\i\ft, ^"m. «t nqvl
Komtwi*
106*
dem ambahte kerne, daz wider rietent wirdozümole mit ernste, und wazdas
Sache, daz nns doziimole in dem selben briofe haruf verschriben wart, i\t vere
one alles sia werben and alles sin ziUän rehte von gotte raeister wordeu.
also do wart in dem selben zite wider abe geschriben, daz wir es wider rietent,
und «prt'Chent also * waz gut zusamene gefüget bette daz äol der mensche
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107*
liehen fremden nngöttelichen wisen und loaffe, alse es na in der zit siat, der
mag wol erschrecken abe allen ambahten, wanne er mag wol mercken and
ane sehende sin, daz man nat wol gegen gotte noch gegen der weite gestern
mag, wanne die andertone die sint nat me gehorsam, also sä soltent es be-
ü schiht wol zu ettelichen ziten, so in ire 6bertone beroten and beholffen mit
irdenscheme gp&te sigent, so sint öch sü oach af die zit oach wol noch den
oagen gehorsam ; aber wenne daz as kommet, und man in nüt fürbaßer me
hilffet, so ist die früntschaft and die gehorsame zu stant az, wenne verre
flaz merre teil der lüte, also es na in der kristenheit stot, so ist ir leben gar
10 Taste gekert af ere and afifegrit und uffe unküschekeit, und barus so springet
och ungehorsamkeit und hocbfart und andere untügende.
Herre cömmendure, irsüllent wißendesin, daz alledise wort derjariste
one alles frogen von ime selber redende waz. herre commendür, wißent do
wir also bi enander soßent, do sprach ich: lieben brüdere, wie went ir nn
15 roten? were es na, daz es also beschehe, daz mau unsorn herren den
meister dez ambahtes nüt erloßen wolte, wie solte er danne tun ? do koment
wir einhellecliche äberein, daz ime denne wol zu rötende were also, so er
ein gros cappittele bette, daz er denne den pflegern allen seito and spreche:
ir sdllent wissen, daz .mir nüt me wol fuget zu ritende ; and sider daz man
20 mich nüt von dem ambahte loßon wil, so wil ich mich nu rehte niderloßen
und wil mich setzen in ein hus ; wer mich haben wil, der suche mich, wanne
ich habe mich | vaste und yil gearbeitet, daz ich ettewaz kräng und alt 29^
worden bin, also daz ich nüt me riten wil.
Herre commendüre, ir habent ouch gescbriben, man süUe üch roten,
t:i waz üch zu tunde sige von dirre zweier bebeste wegen, wenne ir yersehent
üch, daz ir and andere pfafheit kürtzlicbe angelanget süUent werden, lieber
commendüre, wer kan dozü geroten, ebedaz anlangen geschibt? wenne daz
anlangen beschiht, so sint ir verbunden zu dem ordon ; so getruwe ich der
orden süUe tun noch wiseme rote, dem orden müssent ir gehorsam sin.
lo lieber commendüre, ir woltent ouch gerne wißen, wie daz wir uns in den
selben Sachen halten woltent. daz wissent, daz bedorfifent ir nüt, wanne
uwer sacbe und unser sache die ist in der wise nüt gliche, wanne ir ver-
bunden ander den orden sint, dez wir nüt sint; wir sint verbunden ander
den bischof, der trenget uns nüt, er tut in der sachen, alse wir wellent. dar-
ib zu so habent wir vil friheite von dem bobeste, der do dot ist, daz vil karde-
nale besigelt hant
Herre commendüre, Kulm an der het mir ouch mit ernste dise vart
vil von onserm herren dem meister gescbriben, und ich habe ime dise vart
nüt nberal gescbriben, wanne ich ime g^r kürtzlicbe alles daz gescbriben
lo habe, daz ich solte. harumb so ir disen brief wol gelesent, so lesent in danne
och ime« hene commendür, ir süllent wißen, daz wir vor disen pfingesten
hörn Johanse und mir gnüg gebuwen habent, und habent willen, daz
die kohe mefie an dem pfingestage her Johans singende wart und wart
'eh getUgrt 4ii ror die ist wir «eU\«t.
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i'ich mir iinsL'rii lifben licrren gehon ; und wenne ilie meQv uz kummei, >u
wenicnt lieiinu dio brüdiTe alle mit uns ns gonde und werdent uns in be-
sließendi). haratnbe vil lieber herr« commendriro, so bittent wir üch, <lai
ir mit ernste mit allen nwern brüdern unser und unsere hrüdere «i-lleai
gedenuken. '
1380 Gegeben an dum fritdage vor sante Jergeiitag in dem lixs iore und
irÜ 211 dridzthrn livndertigesteme iorr.
Dis ist ein missive sehrei|> der liebe goltes fnint in (Iber-
laiit dem commendüre in ripii ziten, do er uz grosser besesseii-
heit einen gewulbelen kor one götliehen rot angefangen helle und i'
wider abgebrochen, und daz l'uudamenl ulSer dem gründe (letolben
warl, lind Ach do man den ersten alten sjjittal buwete und wider
abe brach und och nieinde der i'df tusent megde cappelle ab zii-
brechende, usser diser selben raissiven sint zwene sinne vorge-
achrihen in dis gegenwerlige briefbiichelin. '
Der eine sin isl, wie imo und Riilemari in sante Dyoiii-
sius naht gUcblicbe in eime tr^me viir kam, daz aü ein kloster
zn Strazburg machen soltent, darus öch der Grüoewert er-
nuwet worden ist und anderwerbe gebuwen.
Dop andfr sin, der örh in alten bi'icliern von dem nme c<'- ■
-cliiiliin lot I-.L \on dun kiinlti-ni -ril^n (trtnr-t t r In il i
kir(hni da is iriit \oii \il ^olU-' IriinUn \nr k\m un 1 „i d
w irl dl tr sdbui missiMO inefin -judiet aNus
Mm V 1 lnber frinit in „otte und vil liele h rre der ( mmeiidur i li
I ■■ I li « i|l n iai m r m n vil li 1 er indtrl r h imeli ber trunt 1\ ii 1
man oesibrilten het mit Ki prebt mmn lieben b tten und bat mir v a
iimiii wegen ilsuv gesibriben iw uh inith bin wdgsfr wm mig uni
i t tu it il/ u h die ^'Dle duniitige t,n ie w rden ]ft als di/. ir di
te llenbtit iti id iith wa/ lon dez ine_eliiin(n nuwen kires we'in U
II I n il IuIlu «ellent lieber fnint mit Uili-nt es \ur ubele naii n ii
/i 1 rbttiii du <li eile n r;, ane^efaiigen wait m, rot dez hedgffl
gii u unl 1 t 11 z I ghul 11 1 du v- in n* re nituren mit ettem? \tT
Il fi-ditr st ll/ii it lorra 1 cbet «a/ »her 1 cb nuw nt in s^liclwr wi ii
il \w ir uth geroettlitbt bdtteiit j,r Kell heg zierdt von eime holirben
\ r di> indere gei'.tliclif tut bilenl -nit \)1 lieber fnint nu sull*ni
ir d tii Hd(>n du ir c nut ill nie ig nt ir bibent m disen s rgli lieo
/itdi letzi \i\ in 1 li II elb ii i lien n iil rdcu n unl et «tnrii
II thdtttthel t biniml 1 in h iltoundgant i ch h 1 diz ir
109*
lidig sint; wan ir süllent wißen, daz ich selber mit minen liplichen ogen
gesehen han daz in yil landen and in vil stetten, daz ie ein kloster an ge-
bnwe köstlicher mnnster and gar köstlicher k5re ie eins aber daz ander haben
wolte, also daz eins dem andern nnt vertragen wolte. and darzü ist za
0 Torhtende, daz solicher gebawe yil beschehen sige one rot dez heilg.en geistes.
yil lieber frant, ir sallent wissen, daz ich es in drissig ioren in yil landen
und stetten gesehen habe, daz got dise selben blindelingen werg selber ge-
rochen het, and habe selber gesehen große mnnstere mit gar dicken maren,
do gar kostliche gewölbe inne gebawen and gemäht worent, also daz mir
10 die Itite seitent, die es selber gesehen hettent, daz sich die großen starcken
monster maren yon dem kostlichen gewölbe schiedent and wantent in dem
ertbideme, also daz alle die kostlichen gezierde and daz köstliche gew61be
gar and gantz alzamole herabe af daz ertrich yiel and darzü gar großen
schaden dotent, and blibent doch die mnnster maren stonde ; aber men yer-
15 sach sich, daz man doch nüt me daraf gemaren möhte. na sallent ir wißen,
daz ich selber in ettelichen stetten gesehen habe, daz zwei münster in einer
stat gar nohe bi enander standent ; and daz eine münster mit steinwercke
gewolbet waz, and daz ander münster mit hültzinen tilen ane die bone ge-
machet waz : and daz eine münster mit dem sweren steininen köstlicheme
so gewölbe waz gar alzümole herabe äffe die erde gefallen, and daz andere
münster mit der hültzinen bünen bleip gantz stonde, also were ime nie leit
beschehen yon keime ertbideme. darambe lieber frünt, so rote ich ach
asser göttelicher minnen, waz ir na buwende werdent, es si weler hande ez
welle, also gar sorgliche es na in der zit stot, daz ir danne kein steinin ge-
lo wölbe machende sint and waz ir machende werdent, do machent die bünen
mit reinen tilen. and wer es danne, daz es got fügende warde, daz ertbideme
kement, so tete ime daz schütteln nit also we, als es dem gewölbe tut, die
do mit den sweren steininen lasten überladen sigent.
Na yil lieber frünt, ichkannit wolgelossen, ich müsse üch asser götte-
10 lieber minnen sagen yon eime tröme, der mir trömete in der naht anser
lieben fröwen in der yasten. wissent, do es ettewaz in die naht waz, do ^wtf»:«? 2S
waz ich müde and gar slofferig and leite mich alsas an daz bette and wart
och zu stant gar sere sloffende. and in dem herten | schlöffe do beschach .30^
es, daz mir in eime rehten tröme trömende wart, wie ich bi Bülemanne
to zu dem Grünenwerde were, and wie er mich fürte in eine kappelle, die
do nnwe gebawen ist yor der großen münster düren. and waz mir, wie man
durch die cappelle ginge in daz grosse münster, and wie ich in diser kap-
pellen sehe zwene gar schöne altare stonde, and wie ich den einen alter
rehte fool fröwen bilde sehe stonde, and hattent alle gar snewisse lühtende
10 kleider ane, wanne daz es ettewaz waz an zusehende also werent die sne-
wissen kleider mit fürroten blütes troppfen vermenget, and hattent alle gar
schöne rote rosen sehappel af iren höabtern; and waz mir rehte, wie daz
asser iren aotlitten lühtende were ein also gar schöner darchlühtender
glentrander glantz, also daz ich den schin gar käme erliden möhte. na waz
is^ ipir «ri* M>ii in A\Mf selben cappellen äffe dem andern altai^ ^«\i<^ ^^tl ^\^
110*
rehte foul manne bilde stoude, und woi-ent Ire kleider gar osser moßen fürfu
rot, DDd irc antut woront ücb also gar glestig lühteude sch<''De ane züseheuilp,
daz icb den glentzendeiJ schin oncb gar käme erliden m<'-hte. und do ii:b
alsDS in diser kappellea knuweode waz, do waz mir, wie daz ich nmbe mich
nnd über mich seheu>ie were, oiid ich sach die cappella von nndenaa der -.
erden irntz obenan au die bune umbe nnd atnbe f'M dur scbünen dorchlab-
tenden glentzenden bilde, die alle worent singende einen solieben herlichen
lobesang mit einer also gar lüstlichen süssen laten stimme, daz ich sin er-
wathete, nnd do icb zu mir selber kam, do stund icb gesniude nf von dem
bette und viel nffe mine knii und gedobte. waz trömes mag dig sin gewesen, w
also wart mir zu stnnt in die sinne vallende, daz die eine parte, die frviweu
bilde mit den rot«n rosen scbappeln uffe Iren hobtern, dnhle mich eiu
Urkunde sin von der eilf tusent megile wegen ; aber die ander parte in d«ii
fürroten kleidern, d^r msinunge wolte mir uut wol in gon, danne daz icb ge-
dabte an vil der niarteler geselleschaft ; aber n*ele ez mit snnderbtiite wercut. i'
daz wolte mir nit also gar geswiude in vallen. als es det tou den eilftoseni
megeden; also bevalcb icb esgotte. vi] lieber frünt. ich los üch wissen, daz
icli anders nit weis, wennedaz dia eingerehter tn'im istgeain, nnd sprichet
man doch, trümen den sige nüt wol z& glonbende. nnd ist oncb wor, weaoe
sü hant dicke betrogen ; aber doch so ist ez in der alten e und oach in der ■:«
nuwen e beschehfn, daz vil götes dingcs in sloffenden bilden vAr gehebet
wart, der docb vil einen vürgang gewunnent.
Nd vil lieber frdnt, icb müs ücb noch me sagen von trümen, wanne
R ü 1 e m a n der ist also rebte blüde. daz ich gedencke, daz er ücb noch nie reht"
i,'c=L'iti', wii> diT öriLii.-wiTt iiiT si kumm^-n. im süllfnt ir wissi^n, da; !'■
oi>-'i- ;< Kiilman und mir uns bi'id'*n j-'Uch in der naht dcz liebt-n santt- Dyonisiu;
i'icli iu v\m<- riditim sloffi'nd'^n U>'m<- tn^mcnde-waz, also daz wir si>ltcntb>l-
"nandiT hi>)ffi-ii und solt^'nt liigiin, daz wir zu Strozburg ^du klosUT g'-
raabtuut: abiT Aw saclu'U, wie fs »'Tdi^n soltf, daz loßi- icb undiTiivgi'H.
wi'nnc siü wurdi> a.\7.\\ vil zu schriln^ndi'. nocb dist-me tri'>mL' wart ich in ■■'
zvhcn tug'-u hinabr zu Knlmannr fanaidi;, und icb frogeti^ in zu stiiiii.
|lb^■ inii- in kurt?,"n zit-^n üt fn'imi'di'S getWimi't ivi're. do sprach lt: io, uii 1
liiib an und s.'it.' mir y\itv glicb-'s d.'n Sidlirn tr.'xn in diT svlb.-n zit. ;il.- ■
mir [(■■scbidii-n w.a. alsd daz \\ai- du nidi'uan zu Strosburg und mir lii-
iilcnaii in eiti'T naht bi-di'u glich i'iii tn'im g--tr<'imtit wa;(. also "ir nu vnr- ■
iiiiil> /,ii maiiiL-'i'H ziti'U bi ».■namb-r won^nt gi'Sin und dickt; und vil gfiKilii
SO** hatli-ut, daz c-^ u:is nirna wol s''liid, daz man nuwu klöstun- machen suh'.
und vcrwurlb-ut vs gar in unsern sinnen, und uiisit mi^inungi' waz al;o:
liiinl.' man |..Tsoncn, dii- in clMStcri' ^'i'hwtrnt, man fiindi' kl'istere gar gnup-
r'lil' Lri'lnjliiT iiis.' also vcrwurflimt wir ■lucb dis^'Q tr^m und won-nt sing^tr ■"
alziniiuli' uuabtsam. also bi-schacb ■■s darnncb zii dt-n ni^bstfn winuabi''".
in d.T si'Jbi'ii li.'l.iu b<'il!ri-[i kristnaht uttV di^' mittiirnabt also, daz wir bi'id".
!■[■ ilu iiiiii'itaii und iL')] Xiw "bi^iian b''J.- L'lifl!, in diT naturen in t-in solith
111*
lidende getrenge und we koment, daz wir bede wondent, daz wir in todes
not werent. nnd in disem selben lidenden we do befandent wir eine also-
liehe offenboronge mit alsolichen Wortzeichen, daz es wol zu glonbende waz,
also daz wir mustent zu Strozbnrg ein kluster machen, alsns so ist der
o Grünewert herkommen mit alsolichen Wortzeichen, die nnsprechenlich
sint es were noch gar billich, daz nieman kein solich worg ane finge, er
befände danne über natnro sichere ofifenborunge.
Ir vingent uch einen spittal ane mit rote and geheisse uwers herren
dez meisters; kam der selbe rot oßer dem heiigen geiste, daz weis got wol.
0 und disen selben spittal habent ir ooch gar nnd gantz gelossen undergon ;
wie wol daz unsere ebenmenschen genomen habent, daz weis öch got wol.
nn ist mir 5ch dise vart geschriben, and ist es daz ich es rote, so woltent
ir die cappelle loßen gar and gantz andergon and woltent den altar in die
kirche setzen nnd woltent in wihen in ere der eilftasent megde. na wissent,
5 die cappelle gar and gantz loßen andergon, daz ist obe got wil min rot nüt ;
tünt ir es oach darüber, so wil ich sin anschaldig sin ; wanne wissent, daz
es sorglich ist gewihete kirchen oder kappellen gerwe lossen andergon, es
were denne daz man die wihete wolte an eine andere stat ziehen, do sü bas
und ordenlicher lege, noch denne so solte man es nüt tan one arlop der
0 heiigen kirchen ; and were och rot von dem heiigen geiste dobi, so were es
och desto sicherer.
Nn vil lieber frünt, ichloßeüch wißen, daz mir Bülman einen großen
brief gesant hat, and aßer diseme selben briefe habe ich ein kleines briefelin
gesnitten nnd habe es üch in diseme briefe beslossen gesendet, and in di-
5 seme briefelin stot geschriben zwene sinne dez gebuwes : der erste sin, wie
esBüleman meinde zubawende; der ander sin, wie ir es mcindent zübn-
wende, vil lieber frünt, ir süUent wißen, daz mir awer anefang dez kores
also gar missevellet, and ehe ich wolte, daz irin nochvürbaßer afmachetent,
vil e so wolte ich volgen awerm nuwen sinne des gebawes, also awer
10 meinange in dem briefelin stot. aber eins wil ich üch roten, daz ir die
cappelle mit nute zu einre sacristigen machent, wanne die maren sint zu
kräng darza. wellent ir awern geba haben, so were min rot wol, daz ir die
cappelle also gantz abe brechent und sü sattent vür die münster türe ; nnd do
die cappelle stot, daz ir do mahtent eine sacr istige mit starcken maren, also
\s ir sü denne haben woltent. aber vil lieber frünt, and solte ich üch roten
nnd woltent ir 5ch danne rotes volgen, so get6rste ich üch wol aßer gotte-
lieber minnen geroten, also Rülemannesratin dem briefelin geschriben
stat von dez gebawes wegen ; wanne sin rot gefeilet mir noch verre bas danne
awer sin dez gebawes. und daz getorste ich oach wol geroten, and ist och
10 gut za rotende, wanne es ist zu globende, | daz der geba gotte and der weite 3 1^
wol gefallende wurde, und solte och der geba drühundert güldin oder vier-
hundert güldin me kosten denne uwer gebu, daz wer wol behalten ; und ge-
tirstent wir gotte wol getrawen, so ist er wol so riebe, daz er es gar wol
6 Tor er ist ob gotil^ 1 1 och eingefügt dB wanne %yx^\xa»^^ «v\v«i«\ ^E^>3t\^^.
l\2*
li^zaleu solle ; oiid dürfte er darüber etus bürgen, so wolle ich gerne sin bürgt
werden, und ich gebnbe, w<^r der gebn in disen weg ane gefangen, alse «
in den andern weg ane gefangen ist. er were ietzentan gantz and gar ge-
huwen. wenne wissent, vil lieber frunt, daz ich getrnwe und gloube, dai
got den Grnnenwert mit snnderheit meinende sige nnd dazferj nocbgxr i
ein großes gotte wolgefallendes ding damz machen wil, obe daz er es an
uDserme eigenen willen haben mag.
Nn hat mir Riilman geschriben, daz ir zd disen ostern sebs priestere
gewinnende wcrdent und zwene schülere; und ist es, daz es got also fägen
und haben wil, doz eine aache vür sichgondo wart, alse Riilman wol weis lo
und ich ime verschriben habe, so gewinnent ir noch drter priestere me, die
ir gar nsaer moUen gern habende werdent nnd ("ich darzii ein solich gros
irdenscb giit mit in hringent, daiabe ir ettewaz erschrecken möhtont. wil
daz got also haben und tiigen, so wardent nwer <'itf crütze. die gewihet werent.
tind habent ir denne noch zwene. daz nwer drizehene werdent, und daz were |.^
denne ein convente. und wie gros irdensch gut, daz ir gewinnent, also gar
si'irgliche es nn in der zit stot, so wer es schadeber, daz ir me danne drizeliea
brüdere liettent. und wißent, und were es ordennnge, dai man es mit briefon
versichern mi'hte. daz niemer bnider me do warde danne drizehen brudere,
und die oach one eigenschaft lebetent, alse ir na tünt, daz wero wol zd gloD- so
bende. das es gottes wille gar wol were.
Na Tillieber f rünt, wellent ir disen gcba ane vohen, so vohent in onch
frölicfa an in ere der hellgen drivaltikeit, und brechent disen sommer die
steine von dem nnwen köre uf nnd verrnnrent sü wider an die lange mare,
und das tünt ir disen summer wol mit gar kleineme giite; sogetmwo ich zu ■:'■
irotte, wir süllent in diseme snmmere wol bevinden, wie es got fügen wil in
kiisen Sachen, nu hernmbe so were mir gar liep und duhte mich ^ch gar
gut, daz man disen gebu ziistunt ane finge, wenne der gebu wart gar vil
weger danne uwer gebu ; wanne wie es liarnoch goiide wurde, so hatte mau
ifmer daz vor, da/, man einen schonen kor und eine große wite kiiche gewunne. ■■'>
und mit disem selben gebuwe so wurde man vor gotte und vor der weite der
appellen lid g nu vil lieber frunt tut so wol and nement nwere br
d<ro e u teil zu uch die irf,eme haut und oueh hero Heinnc h W tzel
Ulli legent in distn briet vur und wtrdent / 1 r te wie ir tm wellent m t
liseme gebuwe und waz ir / 1 r te w rlent da/ sagent hi 1 manne
wtnne der s 1 mii es mitRuprehte her wider uf schriben wenne li
hal R K lern in gebctten ist es da/ ir len gelu wellent ane lihen daz er
iennt n t 1 «se er kere siih heruz dis er d h o te tut, nnd daz er icl
r U. und helffe al o m1 ime g t zu tunde git wellent ir aber den gebn n t
lue foht 1 S( wil ich ime schriben daz er s n | lanne gar nnd gantz h 1 g i
tande f iget es denne got so stände ich sin w 1 lidig
Ach vil lieber frunt ich kan nit wil geloflen ich muße ucli ettewaz
ine 'ichnben und ist daz sacbe daz ich lon vil gjttes Irunden vemummeii
habe und oach von ir ein teil selber gebort habe, daz gar sere ettewaz zd
fTirhtende sige, also daz die müter der heiigen kirchen wol.in gar gros ge-
trenge knmmen möge, es sige denne, daz die grondelose erbermde nnsers
lieben herren überwunden werde von sinen lieben frunden, also daz es uf ge-
5 slagen werde, und wissent, beschiht euch daz nüt und daz es für sich gonde
wurt, so wißent, daz alsoliche grosse irrunge in der müter der heiigen kirchen
wurde fallende, also daz danne wol beschehen mohte, daz manig güthertzig
mensche, daz noch one lieht ist, sich wol daran stoßen mohte und in große
irrunge fallen mohte. und harumb, vil lieber frünt, so ruffent die fründe
0 unsers herren ane, also daz sü bittent die grundelose erbermede unsers
herren umb einen ufslag ; und ruffent ouch die lüte an uwer bredigen ane,
daz sü mit ernste bittent vür eine sache; und nüt sagent die sache, wenne
der weite ist nüt me zu getruwende. und wißent, wer der mensche ist, der
inaehende ist und die valschen loaffe der zit ane sehende ist, so siht er wol,
o daz es gar sorgliche in der zit stonde ist. und ist daz vaste sache der h6u-
beter, wanne die höbet, sü sigent geistlich oder weltlich, an den es stot, die
sint yerre daz meiste teil mit großeme grite und mit großer hochfart über-
laden ; ich wil geswigen der sünden, die in dem fleische verborgen ist,
et cetera.
0 Vil lieber frünt, mir hat R ü p r e h t geseit, da er in der tasten von
Strozburg für, da hattent ir untze uf den selben dage alle tage gebre-
diget; und seite ime Rüleman, daz ir willen hetteut, daz ir es alsus die
gantze vaste uzhin triben und tun woltent. nu wissent, das es ein großes
werg und ein gutes gotteliches werg ist und mir gar lieb an üch ist und es
5 üch gar wol gan ; und ist üch usser gtHlicher minnen wol zu rotende, also
daz ir üch fürbasser in dem gottes worte übende sigent und üch es nieman
lant nemen, got der nemo es üch danne selber, und wer es, daz es beschehe,
daz der tüfol und uwer selbes nature üch daran woltent irren und in üch
sprechende wnrdent: waz hilfet din bredigen oder weme ist es nütze, du
0 befindest nit, daz sich ieman darvon beßernde ist — ach vil lieber frünt, in
alsolichen bekorungen und och in andern manig valtigen bekorungen, der gar
vil ist in manigvaltiger wisen, ir nit alleine, ouch andere menschen, die gar
vil invallendes habent von dem tüfel und von ir selbes unerstorben eigen-
williger treger naturen, da wir doch frefelliche durch alle bekorunge müßent
15 und och durch liden müßent, ehe daz es darzü kummet, daz wir über die
sinne gefürt werdent.
Ach vil lieber frünt, vergent mir, ich forhte, daz ich mir ettewaz en-
gangen bin, also daz ich armer sünder üch alse gar vil geschriben habe,
wan ir süllent wissende sin, do ich über disen brief zu schribende kam, da
0 weis ich nüt, wie mir beschach, wanne das ich wol weis, daz ich | arbeit 32^
müste haben, wie daz ich von dem schriben kam, alse gar vil sinne warent
mir alles zd stont in fallende, daz ich wol bekennende bin, daz ich armer
11 uwer flbergeschrieben Qber arsprOngliches den IH geti*uu>eiide «t^^tru-
vende korr. 86 ^ über arsprünglichem üch :^9 do £lY>qt \iTv&v^^ai%>i<^V^m das.
Sünder gar alzümole nnwirdif bin. henimbe vil lieber fränt, so bitte Id
üch, daz ir got mit ernste viir mich bittent
I [Jeben an iav. iieben sant Gergen daj, anno domini M" ccc" liivij.
Dis iRt eine bedecküte atrotfange, scbreip der liebe gotles friiut dem
commendüre amb sin angestberes ungelossenes missetruwen, so er hotte io
dem anefange der zweier ]<'ibelicben heiigen sante Jofaansen geba, also der
selbe gottes fn'mt in dem commendüre wol bekaote. nnd ist der sin siner
missiven mit eime stamppfen anefange and ende alsns sprccbende :
Ein wäre fOttes Wkrt snu gevan^u ntter croGer ;ätlli;Uer eehorUDio uuil in groUvr
doKii'itiGur geloSEDhiiit und In sroDoin Eatrunande guttc. nu ist wal ili floabsiidg, 1
imi wer Ol beschflheii, bIsu diu ea eithsr ull« lit in dam stata «er ttoad« lilibeo.
so nii'ihM vol sider bor norb gar vi] ine iinch ^oBer pölUther vors uf gangen «in.
d4a CS nncli beschuhen iit. abur nmb die lalasetruniinEi^. die aither uf gestatidvii
i>t. haramb »o lot as got gou. alse ns uu gang hat. wanne in dum woE getrDMeiide
gott«, da ist gros raaDlgraltig gAt Inne liuslnDon liplicb und geistlich, und diu iii 1
in Til «schau lü mauigDii ElU-n gar noi befnnden. und as l*t nät iR glonhende, dni
fot kala DiinUHndH oiilt.« glitte wo) gctcunendu herlx^ wedur liplichu nuch gi^iGUirtiu
Dis ist ein minnenriche demntige entschntdignnge, amb waz sacbe der
liebo ^ottea fnmt briider Clauscn von Li''fene mit me schreip mxb -.
schrillen wolto, und manet in zu großer dangberkoit und zii gehorsamkeil
in diser liindersten missivon alsns sprechende:
115*
sehribe. und hiemitto Iftnt i'ich öcb nu gBugen und kerent üch z& gotte ond aint
demüteclicb and gotte gar geloßenlich mit großer dangberkeit nnd mit großem wol-
getruwen wartende der gnoden gottes. und sint gehorsam uweru übertönen, es sige
uwor natoren wie wider es wolle^ unserm lieben herren Bach, der sime himelsohen
5 vatter gehorsam ist gesin untz in den dot. na tunt wol, der ewige fride der si mit
üch. Amen.
Nu nit habont es vür übele, wan ich üch uu nümo sehribe noch nieman, es
sige dan redoliche notdurft ; und ir bodürffent sin 5ch von der gnaden gottes nüme,
wanne ir nu wol bi üch rates gnug habende sint, und darzu so habent ir öch wol
.0 ettewaz zit stüre in der heiigen geschrift. nu begere ich mit ernste, daz ir got Yur
mich bitteut.
Geben an dez lieben sant Gergeu dag anno domini M° cee° IxxviJ.
1377
Dis kloine sexstemelin bappires mit den abte blettern ist daz selb selbe 32^
buch Bülman Merswines nnsers Stifters eigene haut, alse er es selber Vier Jahre
5 schreip nnd schriben mnste von den ersten vier ioren sines ane vobeoden
lebendes nz gehorsame gottes und sines heimelichen gesellen, dez lieben
frünt gottes inOberlant, alse es die brudere sante Johans orden fandest
noch Rnlemannes tode hinder ime geschriben ligende in eime beslossen
kensterlin nnd sin eigen silberin ingesigel ussewendig an dem coopertorio
0 hangende nmbe sant Marien Magdalenen dag anno domini M^ ccc^ Ixxxij. 1382
der selbe gottes frunt in ÖberlantBülemanneMerswine, nnserme
Stifter, dogegene widernmb geschriben gap den anefang sins lebendes, alse
wir es zu tutsch und zu latine in den drien Urkunde büchern geschriben
hant, wie gar fromdecliche in yil großen mirackeln er och von gotte die
5 ersten fünf ior durch yil lustliches trostea und euch durch mannigvaltige
swere bekomnge und widerwertikeit von innan und von ussan gezogen und
gefurt wart; und die selben fünf ior dez lieben frünt gottes anefang ist in-
tytelieret und genennet in den Urkunde büchern daz buch von den zweien
menschen, und wie wol dis gegenwertige buch, Bülemannes unsers Stifters
0 leben, nnd ouch daz yorgonde buch der fünf manne leben zu tütsch nnd zu
latine in den drien Urkunde bnchem und in andern büchern manigyaltecliche
geschriben sint, noch danne so soUent dise zwei bappirine büchere, der erste
stam nnd Ursprung, ire eigene hant und ir selbes geschrift, uf diser hofestat
zu dem Orünenwerde blibon und gar erwirdeclich gehalten werden glich
15 eime heiltüme, in der selben meinunge sü öchindis briefbüchelin gebunden
sint zu eime ewigen Urkunde, dobi wir und alle unsere nochkomen desto me
minne gewinnen t zu allen den andern iren materien, dodurch wir billiche
süUent vermanet werden, daz wir uns der selben fründe gottes, unsere lieben
Stifter, bruderliche minne und gemeinsame desto fruhtberer machent mit
40 rehter dangberkeit, daz wir durch sü uf einer solichen gnodenrichen heiigen
die ganze Seite 32^, in roter Schritt ^S \«\. "iV^'i..
116»
hofestat voB gotte versammelt sint und m ir zäle gehüreot nod mit ui s<>lleiit
mesaeo die fmht irs gn o de d riehen Terdienendes in glichem? teile iemtr
ewicliche. ob wir selber wellont uns sin enpfenglich machen mit glonben
und mianenund mit de mil tigern erfüigende ingaotzer züversitit irsgetrawen
giMlichen rotes und irs minnesameu früntiiclieii sdiribondes, alse uns dise
gegenwertige briefe und die Urkunde biichere manigvaltilclichi' bewiseiit in
allen materien.
Onch mag ein iogUcb mensche wol mercken uml sonder allen zwitvl
gentzltche gilben bi den minnekoseudeii werten Rülman Merswins
onsers Stifters leben, alsa dicke es iemen liset und vcr gelesen het i>d« i
lesende wart daz buch von den nun reilsen, daz der selbe Rülman Mer-
s n i n i'ich geschriben bet nnd schriben müste von gntlicber betwnngnilie
und von insprechende dez beiigen geistes, in der selben meinunge ••eh daz
selb biicli von den niin veilsen zu tutsch und zu latine in die dm Urkunde
biicLer gescbriben ist, wanne sü bede mitenander concordjerent und gliihe i
hellent an demiicigon werten, an inbrünstiger minne, an liberuaturlicheu
grossen wunderlichen werken nnd goben gottes, nnd üch bede mitenander
gescbriben wurdent in den ziten, do Riilman Jlerswin, n as er stifte r, toii
gotte betwungen wart bucher zu schribende alse die daten sag^ut, die bede
glich sprechont in disen zneienbucborn den nun velsen und den vier loren "
Bülman Morswines anefang wenne in ir leglicheme sunderhche ge-
scbriben stot, daz es volbroht warde de£ lores do man zalte vuDgotzgebnrt«
M" ccc" fünfzig und zwei ior
Darauf folgen m fi/eiem H'flchm }tt I BI 4 -h- Tro
Jahre Ihdmaniia: Allen d n i k lut get i qeUwkt If' ■^elimidl
GoUesfi: :,»l-7i;.
üis ist dii! vurrede, dem mau si^ricbot ein i»rol.,g\ir,
mit der tu fehl erzalende un<i und ersehe Ldenli e he neuii^u.K-
I vier und zwentzig cappittele in dem Memoriale buche eins
obersten mo isters sant Johans orden in tütscheii landen :i
und diT drier weit) if her pf leger dez liuses v.w dem Üniu^n-
wer.le, alse ir ieglicher besun dc-r eiu.s in siner ge walt het
und alle ir luichkummen haben süllent iiu und herni.>i'b
ewiclich. uml sint die matorion und cappittele dpr selben
tufeln hie in discine gege n wi^rtigen buche ungesc hri beii :
b 1 i b e n , u in b c d a z s ü in den d r i e n Urkunde b ü c b e r n z u t li t s c li
und zu lattnc gar eigcntlirb gescbriben sint. alsu oucb
diseri-rolügusseit, der hie anevnhetund alsns sprächet;
DJs memoriale buch ist und sol sin eins ieglicheu obersten meister*
und priores in tiitschcu landen sante Johans orden, weler es dcnne ie '" *'
1.17!*
ziteD wart oder sin stathalter ist tinddaz meister ampt besitzen, und regieren
sol na andharnoch ewiclicb, wenne es ist ein exemplar and: ein abegeschrift
eigentliche von worte zu worte des memoriales der drier weltlicber pflegere,
also ir ieglicber besnnder eins het in siner gewalt, wie daz hos zu dem
Grünenwerde von alter bar ist kämmen ie uz eime stamme in den andern
von dem aller ersten Ursprünge untze in sante Jobans orden, kdrtzlicbe
genomen uz den drien Urkunde bücbem, die zu latine und zu dutscbe in
dem selben hase zu dem Grünenwerde sint, und sü der erwirdige geist-
liche berre brüder CünratvonBrunspergzuderzit meister and prior
in eime sundem briefe under sime eigenen ingesigele bestetiget and bi
heiiger gehorsame verbanden het ewidiche dobi zu blibende in besorgeunge
and beheltniße eins küsters. and dis gegenwertige buch und der drier
pflegere bücher concordierent und hellent glich mitenander in. allen materien,
die aller notdurftigest sint zu wissende eime obersten meister und den drien
weltlichen pflegern und die aller meist gezugniße und Urkunde gent der
großen gnodenrichen wirdikeit dez selben huses zu dem Grünen wer de.
daz bant etliche erbere weltliche personen in selgeretes wise alsas ge-
frummet der almehtigen ewigen hohen drivaltikeit, Marien der. lieben
müter gotes, den zweien hohen himelfnrsten sante Jobans Baptisten,
sant Johans-Ewangelisten und allen engein, den wirdigen lobelichen
Patronen zu lobe und zu eren und irme huse zu eime behutsamen ufenthalte
in aller der wirdikeit und ordennnge, alse es uz dem heiigen geiste in großen
mirackeln durch die fruntgottes ane gehaben undgemoinet ist, und snnder-
liche daz ein ieglicber meister oder stathalter nu und hamoch ewicliche
durch dis gegenwertige buch vermant werde, wes sich der orden verbanden
and versprochen het gegen den drien weltlichen pflegern von dez selben
Grüne nwerdes wegen und daz er uch desto me truwen and gnode darzü
gewinne, so er in den materien mercket und verstot die gnodenriche almeb-
tikeit der patronen und der Stifter heilig leben, daz 6ch hienoch eins teils
g^r kürtzlich geschriben stot. die selben patronen und Stifter gerne wellent
und wol vermügent eime ieglichen menschen sunder allen zwifel in zit und
in ewikeit große gnode erwerben und tusentfeltikliche gedanken, | waz in zu 41
lobe and zu eren guter übunge und andehtiges dienstes beschiht und umbe
daz man die materien dis gegenwertigen büches alle deste eigenlicher und
kürtzlicher verstände, so sint die sinne in einer vorgonden tofeln alle vor
intytolieret und genennet ieglicber sanderliche mit der zale gezeichent, wo
man ein ieglich cappittele vinde, daz man gerne haben wil ; und vobet die
tofele alsus ane :
1 . Item die erste m a t e r i e ist die ernuwerunge, von der och daz
erste cappittel seit, wie die lieben Stifter bede glich mit großen mirackeln und
mit g^ten Wortzeichen von gotte getwnngen vnirdent, daz sü sich müstent
4
1 öder Bin stathalter ist später eingeschoben, ähnlich dem Schriftcharakter
des Autographs 11 besorgeunge l 24 oder stathalter elugefa^ %^ '^^.
^n der Hs. stehen römische Zahlen in B.otacVvr\tt &m ^^AXi^«.
HB»
daz hnses zil dem Örunenwerde nnderwinden, nnd seit nch, wie es von
alter her ist komen and wie es in dem aller ersten arsprnnge gestiftet wart.
2. Item daz ander cappittel seit, wie daz selb? hns in den ersten alten
ziteD geregieret wart von dem ordene canonici regalares.
3. Item daz dirto cappittel seit, wie der Grünewert donocli den
swartzen mimchen von sant Benedicten orden wart, nnd in welen eren es
die von Altdorf bieltent.
4. Itom daz iiij. cappittel seit, in weler ineiniinKe und wenne Kai-
man Merswin den Grünen wert nmb die von Ä 1 1 d o r f konfle nnd in
zii dem ersten anÜeng zu bawende. i
5. Item liaz fiinfte cappittel seit, wie der Grünowcrt noch vil
man igT altiger andernngo zu iüngest nz g<Mtelicher fürsilitikeit dez lieben
saute Johans orden gegeben wart
6. Item daz sehste cappittel seit von der gitodeu and gun.ate dez obersten
meisters. und ist öch der jjantze brief mit alier herodnnge, wie der orden i
daz has ewecliche halten sol in banthabange drier weltlicher pflegere. den
es bcvollien ist and den selben brief in handes hant.
7. Item daz vij. cappittel ist ein abegescbrift in dütsche geachriben
von der bUginen boUen, domitte der aller oberste meister zfi ßodeis aber
mer den vorgennuten brief und alle berednnge bestätiget het. :
8. item daz viij. cappittel seit von den wercken doz heiigen geistes
nnd ist die oSeubornnge mit den großen miracketn, darch die der kor. die
sacrystie nnd der nnwe gebn gebnwen und gewihet wart.
!). Item daz vüij. cappittel seit, wenne und uz weler meinungc der
spittal iiebawon wart. :
10. Item daz x. cappittel seit, us weler inuinunge der k'isiliche lan^f
gang umbe den gartuu und iillo die andern Instlichen gebuwe gemäht wurdcnt.
' 11. Item da/, xj. cappittel seit von der gezüguiüe und beweruiige aller
der Turgonanteu cappitele, die du sagent. wie der Grünewert von alter
bar ist kummen und gestiftet worden.
1 2. Item daz xij. cappittel seit von allen manigvaltigen grollen lidcnden
tnicken, die von anegenge sint uf daz hns zudem Grunenwerde gefallen.
i:i. Item daz xiij. cappittel seit von dem ende und ouch etlewai vifu
dem gnodenrichen lustlichen wandel des lieben Stifters Kulm an Mer-
swini'!-.
14. Ilem daz xiiij. cappittel ist die ander materic und daz buch,
daz man hinder Külman Merswin dem Stifter geschriben vant von den
vier iuren sins ane vohendcii Icbendt's. daz selb S'.'lbe buch, sine eigene liam.
diT aller erst urprung, in vier kleinen b<'>gclin papires zu aller nehst hieviT
in disen gegenwertigen sexstcrnen gebunden ist. itnd seit daz selbe cappittel >'
von dem ersten iore, in dem er aller k-Mniannes schätz und aller Instlicher
geselk-scliaft urlop gap liiterlicbe durch got.
I ."). Item da)! .xv. cappittel ist daz ander ior und daz dirte, in den
der selbf Rulman so gar vil grolier übernatürlicher unreiner wiister 1"^
k-iningfii uiJii uuch andiT mmugvaltii; we liden miiste. *
119*
16. Item daz zvj. cappittel ist daz vierde ior, in dem der selbe B Al-
ma n alles iidendes ergetzet wart mit gar vil großer abematurlicher fröoden-
richer jnbilierender gnoden.
17. Item daz zvij. cappittel istdiedirte materie und seit von der
5 fünf manDe leben ; daz selb selbe buch dez lieben front gottes g^eschrift nnd
eigene hant, dez nnwent vier bogene bappires sint, ist mittein in den aller
ersten sexstemen dis gegenwertiges büches hievor gebnnden. und seit daz
erste cappittel von dem ersten brüdere, wie sich der ahtzehen ior so gröz-
liche übete in dem liden nnsers herren one allen übernatürlichen befint-
10 liehen trost
18. Item daz xviij. cappittel ist von dem andern manne, wie der ein
lidender e man waz and ein erlühteter gnodenricher priester wart.
19. Item daz xviiij. cappittel seit von dem dirten manne, wie er ein
wol gelerter übermütiger weltwiser jnriste und tümberre waz und ein gnoden-
15 richer erlühteter demütiger priester wart.
20. Item daz xx. cappittel seit von dem vierden, wie der ein Jude waz
und in großen mirackeln zu cristenem glouben kam und ein erlühteter be-
gnodeter priester wart.
21. Item daz xxj. cappittel seit von Cünrate irme koche, wie der ob
>o eime hafen mit müse bi dem füre von ime selber kam und verzogen wart. { 42^
22. Item daz xx^. cappittel seit von Büprehte irme getruwen
diener, der och ein lieber gottes frünt gewesen ist.
23. Item daz xxiij. cappittel seit, wie der liebe gottes frünt in Öber-
lant, Bülman Merswines dez Stifters heimelicher geselle, zu hinderste
13 von sin selbes loben gar kürtzliche schribet und euch der fünf manne
einre ist.
24. Item daz xxiiij. cappittel ist der brief dez obersten meisters in
tütschen landen sante Johans orden, so er den drien weltlichen pflegem
gegeben het über die drü Urkunde bücher, die sü domitte hanthaben süllent
(0 ewicliche do zu blibende.
25. Dis ist daz xxv. cappittele und daz hinderste, alse Pfl^ff^'-
es in der drier weltlicher pflegere memoriale buch ge- »w^»»ofiW
schriben stet und nüt in dez meisters buch noch in keime
andern buche, wenne in den zweien überblibenen latinen
\b büchern, von den es ouch seit, in welcr wise sü die pflegere
mügent uz lihen, und in weller minnen und früntlicheit
sich 5cb die pflegere halten süllent gegen dem ordene
und gegen den brüdern zu dem Grünenwerde, durch daz sü
in g6ttelicher minnesamer einmütikeit ewicliche deste
[Q baz blibeni
Item dise vorgenanten zwei bücher wurdent von erste ußer dem tütsche
zd latiiie geschriben und blibent über an den drien Urkunde buchem dez
er srotilgtem seit dl -40 rot.
»•7 ^«#. AK,
12«*
hnses £ii dem ßriiuoDwerde von sacbe »egmi, alse di« robericke Sfit, die
lü vArderate in ir iegücheme geschriben stot mit eime florierten H.
Dise selben zwei ersten überblibene latiuen biichere sini lten>'iinet und
gemeinet =^ dem T^xte 60*26~6.H*-i ; mit folgende» Abweichungen: statt
61*9 hie'IO buch] in die zwei iätintn bucher zu aller liinderste geschriben i
13 umb daz 23 philer eins gezirabers.
Dis ist eine missivc, schreip der liebe gotte,-' frünt deiil
commendüre bi hobest Gregorius ziten ein iop vor der zisnia
uiid dem gespane der zweiger bebeste ürbaiius und Clemens,
do er und der iuriste von gotk^ mit giiteii Urkunden vermanet "
wurdsQt, daz si'i zii dem selben bobeste Gregor io faren müslent,
alse hie vor in dem anef'ango dis brief bdchelins geschriben stoL
und seit dise raiäsive von eime nuwen miraekel in Oberlanden,
daz die liite wiues und komes vil hattent und doch gebresteut
liden miislent, darumbe die zweiie gotles (runde, der leyge und i
der inriste, nüt zere gelles gnüg uf bringen tndhtent zu der seihen
Romefart, und her Johann, ir nuwer briWer, Rüpprehten
meinde zu sendende mit smen briefen zu Moyseb smera briider
und /ii '^usiniKTi -mir swi Kr du judi n wnrdil un 1 gro i
bt_iril( luttiiitmil illi H irm< gt^ldili -dbe dris-ue-tf kn-ldi
/i wirdenili, als« disi mi-^ui -i it liKu, auctohuidi
^il lieber fiiint loli lo ikh «ilkn il-iz frot nu in dl^en iiberlan leii
ein niiwi rairickel tvircktnde ist wan h i<i'-ciit daz ich e> nut mo gedeuckendi
lim il-c (s Uli gdt »an tti--pnt Kz die liite irin ri<he =int wui wi-seut
-1 hibtiit ffir u"ir mulleu mI kimic'- mil wines abir alles daz andors /
dem munsthen gehiri dez Iiab iit si gir groliPii e hrf^itnii belo die friiiidc
g'itlcs und iiuih aller liande mpiisduii und i^t h/ -iache alsi> Uz numiii
kiin II liar n i)kuni?hat diniitt irkirn dei MingfUiniren mag hjruii t
\i\ iiebir Iruiil -l _,d lukn uh, 0 iz ith e- (tar kume ziibringui niii^re daz
ith dii. K gidlm uibrmgm miige d iiriitti nii zu d in bobe^te taieii "iill iit
wi'-sent noth hii '■ > ^preditiit In drie bnider, lit ■•elben briidtr die b
gernf. lieiabe zu udi wirtiit und ^preUieiit iKo da/ su mit nute in dem
rat sint da/ »ir uz siillent lareu es -igediiiiie da? «ir zu dein miniit'-wn
C galdm ziisamiii brüht habeiit und li'^ irehellent in unser brudtr ille uud
■•fr (lunt e/ m_'i »egu «ir Inben /u iil Im ini-gebrc-te dis rede nim
liPi 1 ilirtns unapr i n«(.i br i ier in auh und uart^nr »-ere diruf gelnb ii
li/ 1 III- '■nlti littui h/ "ir inn Hi in ht ^Iteiit liiipn -iN hz r
1J21*
sülte faren zu Moyses sime brüder nnd zu Susannen sinecswester mit
briefen, die er gen wolie, also daz sü die zl goldin dar soltent geben zu der
ferie zu sture, und er wüste wol also er iü schriben wolte, daz sü es gar
gerne tetent, wanne sü große minne zu cristeneme glouben hattent; und
sprach : in gebristet nüt me, wan daz sü sich noch nüt in die armüt mügent
geben, also daz sü. noch dem brote mügent gegen, und ire meinunge die ist
also, das man in muhte erwerben, daz man in gar zümole blos ire notdurft
Hesse, so woltent si und ire kint und ire kindes kint, also daz ir wol u£fe
drissig personen wurdent, die alle cristen wurdent. nu begert her Johans
nit me, gebe es uns got zu tünde, daz wir es dem bobeste vürleitent, und
sprichet, villihte wurde es got durch den bebest fügende, also daz der hobest
dem keiser schribende wurde, also daz er die sache liesse durch gan. nu vil
lieber frünt, ich laße üch och wißen, | daz in kurtzen ziten ein priester zu uns 44^
komn^en ist und hat uns gesaget, daz er von R o m e kummen ist, und hat
uns geseit, daz der hobest noch nüt zu B o m e in kummen ist, und er lege
aber nohe dobi in eime kastellelin zu K a r n e t a. und er het uns och geseit,
daz zwischent dem bobeste und den von B o m e grosse rede sige, also daz
man sich zu Bome versiht, daz der hobest gar sicherliche zu Letare zu
Bo m e infaren sol, und sol man die rose mit frouden umb füren, obe dise ding
wor sint oder nüt, daz wissent wir nit. nu wie disen dingen sige, so sint
unser brüder alle daruf gefallen, also daz sü ratent und gut duncket, also
daz wir bliben süllent untz ostern, und denne so habe sich der hobest knme
etwaz gesetzet, und si euch dan daz wetter etwaz besser worden, also sint
*wir zu rate worden, daz wir rehte wellent bliben untze zu der urstende.
und bin ich doch in mime höhte und in aller miner naturen ettewaz
kräng, und dis sol ich gerne liden, wan der große herre der hat in diser
zit euch gelitten ; und ich versihe mich, daz ich zu keiner natürlichen krafb
kummen mag, ich kumme dan e uz dem huse uffe die vart. und daz selbe
gloube ich, daz B ü 1 m a n euch die wile in der naturen kräng müs sin ; ha-
rumb yU lieber frünt, so bitte ich üch usser gütlicher minnen also, daz ir
zu B Ulm a n sehent und lügent, daz er dise zit nit zu vil faste, wanne wissent,
ich künde sider aller heiigen dag noch nie darzü kummen, daz ich so vil
kraft in mir finden künde, daz ich einen dag gedorste gefasten. .
Nu vil lieber frünt, ir süllent wissen, daz unser brüder und och die
drie brüder, die do gerne zu üch werent, zu ettelichen ziten des tages bi
enander sitzent und haut von guten dingen rede mitenander. nu ist es wol
zu drien molen beschehen, daz wir von uwerme gebuwe uwers kores geden-
ckende wurdent, und meindcnt, ez mohte eine fromde sache gesin, daz man
den gebu nit vollebrehte, also daz die brüder in der Sachen zu friden kummen
mohtent. und hiezü warent die drie brudere aller meist redende, die selben,
(Ue da gerne zu üch werent. nu weis ich nuzümole nieman, der üch bas
gebelffen mohte dan si ; und habe wol zu zweien knolen daruf geret, obe got
Weite ät asser in wircken, und sprach alsus : sü bnwetent gerne, so hant sü
es nit, so findent sü uch nit zu lebende one iren schaden ; und sprach :
2S worden] varden! kon-. aus raren!
wusto ich hie ieman, der os dnrch got wolle ti'iii und s\ in wolle liiieu on«
iren schaden, do wolle ich gerne liiirge vor sin und wolle geloben dez aller
ersten, so man kom nn'ihte verk^ffen, daz ich es denne gerne wolle wider
geben, ir sillient wissen, wenne ich dise rede det, so swigent die ilrf
briidere und rettent ein wort niitdarzü, und si woreotdocb wo 1 bekennende, i
daz ich es nCFe sii redende waz. harnmb vil lieber frunt, ao tdnt es darch
got und gedenckent harzü and tünt, wie daz ir miigent, und ahlent. dai dii
snnimers nnwent eltewaz ein unefang beschehe fiirbas zumachende; anJ
beschebe daz, so getniwo ich zu gotle, gol der solle dan wol belSeo. du es
danne volbraht wurde. i»
1377 Geben an dorn fritage der fronfasten in der Tasten in dem Ixivij Jon
In 12 mid drüliehtnhundertigesteme iore.
45* Der liebe jjotles fnlnt, unser goLruwer vatler in Oberlant.
hei gar begirliclie und minnesamkliche uz güteme getruwentle und
in c'infaltigcmc miniienrichemc gloiiben in etteliehen discii gesteo- ''
wenigen brielen gar vil geschriben von drien welüiclien prieslem
iler wise und meinunge ime gar wol gefiel, die ire iiuwe briidere
worenl und gerne bi uns zd dem ürünenwerde kummen
woltent sin, daz sich gar ziihant damoch anders erzöugele, alse
hievür gesebriben stot zii aller uehst noch der visiunen, die dem '-■
lieben goUes fründe in der eilf tusent megede naht zu Lulringsn
in pime slnlTe für kam von pimfi neste mit aiben blulten voircin
glicli finiT riunrcii dez huscs und der bnnlerc /.n dein liniufn-
w p r d e.
Üis is[ i'ine iiii^^ive, sclir('i|i der liclx' Kultes rriiiit in (Hut- -
laut subauiindninini Mccd.xiij dem erbern gelerten gol meineiult'ii
lesemi'istere hnider Jnhansen von Scliaftolzbetm :>ante
Aiigustirni,-' orden, der •»■h |ieniteneif'r und vicarie vi] iure gewesen
ist in gei^lliolien saelien in dem bistnme zu Stmzjjurg: uml
er hatte eltewaz eirie zu laste slnifTeiidi' nnfrideÜdu- eii'j.: om- ■
cii.'ritzie, lue in irrete der ubeniaUirliehen liehtriehen .unoden de/
lHtili;.;en gcistes, alse dise missive .-icil, und oeh der liebe gottc--
IninL in darinnc visel ulVe demutiu'e pitte wol getrnwende :jp-
lolienlit'it, alsus s|in'c]iende:
Herrc der lesenii'ister, do un^ier hi^rre und unser gut ull'e diseroe ellenJen :■
'Ttriclic' in menschlicher n:itureii wimcnde wa/, do rette gol iler heiÜL-eJst
123*
die worheit dareh Kayfas, der ein sünder waz ; also mag er och wol darch
mich armen sonder reden, waz er wil, and tun, wie er wil. herre der lese-
meister, got der het üch vil dinges dnrch mich sin armes gezöwelin an eime
hriefe geschriben, so hant ir öch ane gesehen an eime buchelin fönf iore
o mins anefohenden lebendes, nnd in disen beden soltent ir wol ettewaz ge-
mercket haben, na hant ir mir aber geschriben, ich sülle üch aber me
schriben. na wil ich üch mit kartzen anbedecketen Worten schribea, als es
got gebende ist, rehte also es ist. und ir süUent daz wissende sin, daz ir
eine concienzie hant, die ettewaz in üch selber der gnoden ettewaz irrende
10 herte ist. and wißent, daz es sache ist, daz die liehtriche gnode des heiigen
geistes awer sele and awer hertze noch nit darch schinen hant. and dis
sollent ir nat erschrecken, wanne wolte got, daz wir biderber lüte yil hettent,
es stünde desto baz ambe die kristenheit. ir wissent doch wol, daz unser
herre sprach : in mins vatter riebe ist maniger bände wonange. herre der
lo lesemeister, wissent daz vor wor, weler mensche gern hette die liehtriche
gnode des heiigen geistes, dem wart si befintliche hie in der zit nüt; die
Sache ist, gerne wellen haben also ander gottes fründe, daz ist ettewaz ge-
müschet mit ettewaz hoffart, das der übele geist eime menschen, daz noch
nüt liehtes het, in biosende ist, daz der mensche nüt gemercken kan ; wanne
20 gerne wellen haben eine soliche grosse übernatürliche gobe, daz mag gar
käme beschehen | one ettewaz geistlicher hoffart; so ist die liehtriche gnode 45^
des heiigen geistes also gar hei, and mus ein alse gar reines leres fas haben
one alle materie, do er in sol ; wol beschach es sant Paawelse, dem wart die
gnode anverdienet, aber er müste es darnoch wol erarnen ; daz bedörtte do
>5 zdmole die anefohende cristenheit gar wol. aber alse es na in disen gegen-
wertigen ziten stot, so ist es gar eine fromde sacbe; wanne got der meinet,
wir habent na die heiige geschrift zu helffe, do us wir alle ding wol bewiset
werdent, obe wir selber wellent herre der lesemeister, sol das lieht des
heiigen geistes ein menschen übernatürlich in lühtende werden, so müs der
(0 heiige geist ein menschen in voller demüt finden, und daz sich der mensche
alzümole gotte zu gründe gelossen habe, also daz er mit ime in zit und in
ewikeit du, waz er wil, und nüme also der mensche wil. und der heiige geist
mos eine wolgeordente gefridete gotte wol getruwende concienzie vinden,
do er in wil. herre der lesemeister, were ein wiser biderber milter tugent-
(5 hafter herre in dirre zergenglichen zit und hette der herre zwene gliche
biderbe diener, aber der eine diener der hiesche dem herren zu ettelichen
ziten Ion amb sin dienst, der herre spreche zu dem andern diener: sage mir,
lieber diener, wannan von bittest du mich nit also din geselle and heischest
mir öch Ion amb din dienst? so solte der ander diener sprechen: lieber
10 herre, ir sollent daz wissende sin vür wor, daz ich üch alse gar sere liep
habende bin nnd üch alse gar sere minnende und meinende bin ond üch also
gar wol getrowende bin, daz ich keines lones von üch begerende bin ; nnd
ich wil awer eigen sin, waz ir mit mir dünt, daz ist mir liep, ond waz ir
heLssenii d^ sol ich dun von rehter liebe one alles warombe. no der, wie
i?. Anm nti I«« A»sf 4\ise zwono die gliche biderbe sint, noch denne ma^ es wvt»
124*
gesiD, ist dar herre bIu nisc^r herre, er nimet den üineii an sinen heimlitheu
rut nnd lot den andern dusse ston.
Herre der lesemeister. ir haut mir i'ich g<?schriben, ich sdll? üch roU<ji>
wie ir lich halten aiiUent in der golubedo aniiiiies in geistücbeme orden. ir
snUent daz wiflende sin, daz ich lieh von der gnoden gottes wol bekennende :>
bin. DDd ffer ich denne als ir und wer ictzcntan an uwer stat nnd wer outo
all disen hütigen dag burknmmen alse ir, so wissent daz, so wolte ich al^a
in der gehorsam blibcu, alse ir nu siut, aber ich wolte micli gotte alse ser«
ich kunde and möhte loGen, nud volte ime demiitec liebe in aller wise «ol
getrnwende sin-, nnd wer es denne, daz es besi^hehe, das mich der beiige 10
geist übernatürlich nirende wurde nud in lübtende wurde, der solle micb
denne wol bewisen, waz ich tim solte und daz ich daraü ich in gehorsame
blibe, herre der lesenieister, bact ir bncber oderpfennige oder welerhande
daz ist, das mügent ir wul beheben mit nrlobe uwerra oberdon: and danü
snilent ir gotte behaben und nit üch, also daz ir got in der sacheu meinende u
werent, ehe es bescbobe, das es anders wurde gunde, also üch noch zä ette-
liehen ziten bescheben mag, das ir denne got zii einen eren wollen habeu
> und <'>cta brachen : nnd ddnt | ir ourh dis in dirre meinungeu, so habent 'Vh
keine stroffunge darumbe me und sint niwig in der sachon.
Herre der lesemeister, ir hantmir iVh geschriben, ich siiUe üch roten, a
übe es gut wöre, füre unser herre der bisobof zu KTiUo, obe ir mit ime
sülteut varen oder nüt. wissent, daz ye ist mislicb, ob er do hiscbof wart
oder nnt; were es aber, daz ez beschehe, so wissent, als ich dennoch weis.
so were üch sorgliche zii rötende i\\ farende oder zn blibende ; und die sache
'\'v ist, der üch rötet zu blilionde. so ist dez herrm ding also gestült. da/ ;
es also an ist zii sehende, das er zii Kölle gar wol biderbe lüt* bedi'irffendf
wurde, die er bekennende were: der uch denne rötet zii farende. so ist zu
firhtende, daz es üch schedelich sige; wanne beschehe es, das der herre zu
Ki'-lle keuie. so miiste er gar vil grosser sorge und erbeit lange zit habende
sin. ebe daz er dozö kerne, daz er sich etwaz zu ruwen gesatte, und m^hW :i
wol kummen. er müste irrosse ^■rbeit mit kriegende habende sin, obe daz er
ifmer darzü kummen mi'dite. daz rr zu ettewaz rüweu kerne, wer i.-s aber,
duz e.-; beschehe. daz er zu KMle wolte, so lont nit, ir schribeut mir; ;■'
M'il ich mit ernste jrot bitten, si es sin » ille, daz er mir i» bekeuueixie geb<-.
■ ibe duz ir varen oder iiliben sülleiit; wanne wissent duz vür wor, daz unser :.
herre vim Ötrazbiirg ettewaz werbende ist gesin noch dem bistum zu
K-'iUe. daz wilkut. daz waz nit ■■in werg noch ein rot dez heiigen geiste?,
uaune wißwit, es waz ein werg und ein rot der Übeln bösen geiste; wauiie
wissent, iii^htent sü es noch zu bringen, sü deteut alles ir vermugeu darzii.
daz so es zu brehteitt. und willent, daz dis idnie mensche in einer vigoreii f
vor wart gehi'bet. uud der mensche bat got mit grosseme ernste ander» er
wer vor ette«ie ril zites liiscliol'/ii Külle worden.
125*
Herre der lesemeister, wißent, mir istKüntzelin, nwer bihte san, aber
gar swerliche in einer fignren vür gebebet und wissent das, daz ich wol weis,
daz ir ime sinen brief noch nüt gelesen habent, wanne er ist zu K olle,
ond bitte nch, daz ir es durch got dünt und sinen brief wol besließent, untze
5 daz er kämmet, daz in nieman anders lese, es wer anders gar schedelicb,
dovon sin namme daran stot ; und wißent, daz sine Sachen yil größer sint
den ir wißent, wanne ich godar üch vor gotte von sinen heimelichen grossen
Sachen nüt geschriben ; aber ich habe süRül manne mime heimelichen
frnnde geschriben, aber er getar ir och nüt gesagen ; und wissent daz, und
jo hette er nit genoßen sins biderben vatters, daz zu gloubende ist, daz er bi
gotte sige, und euch sins biderben braders, der noch in der zit ist, ime
werent soliche ding widerfaren, der er ewicliche engolten müste haben;
wanne wissent, er het einen brdder, den got gar liep het; und wißent, und
ginge mir sin vetter abe, daz in got zu ime neme, so weis ich noch anders
13 nüt, wanne daz ich in wolte nemen zu eime beimelichen fründe.
Herre der leseraeister, mir hetEülemanne gar mit grosseme ernste
geschriben und yon uwern wegen gebetten, were es gottes wille, daz ich
mich üch offenbarte, daz ir heimeliche mit mir gereden möhtent daz wissent,
mohte daz gesin, do hette ich große minne zu, daz ich es gerne dete ; wissent
!0 aber, es mag nit sin, und lont ez gotte ; wanne wißent, daz es vil me denne
zwentzig ior ist gesin, daz ich vor gotte mich | nie keime menschen getorste 46^
geofifenboren denne eime alleine ; und wenne mir got einen nimet, so nimme
ich einen andern, der iemerwerende ewige fride si mit üch. Amen.
Ich beger groslich an üch, daz ir got vür mich bittent.
«
5 Item dis ist oin fornui, in woler mcinunge die drie weit- Pflegereid
liehen pflegere^esworn haut und uufürbaz rae oin ieglich pflege r
sweren sol alle stücke in dem pflegere briefe zu hanthabende
nochsimebestenvermügende.
Wir Claus Zorn, dem man sprichet Lappe, ritter, der oltoro, J o h a n s
0 TonKageneckc, ritter, und Claus Junge, edclkneht, pflegere dez huses zu
dem Grünenwerde zii Strozburg sante Johans orden, hant ane gesehen die
sweren trücke und ano stusse und manigerleige uffelle und widerdriesses, so daz selbe
hns und die pflegere, unsere vordem, von der meistorschaft des ordens und och
Ton den gewaltigesten der stette zii Strazburg liden mnstent noch tode der stiftere
15 und der aller ersten pflegere hern Heintzoman Wetzols ritter, Rulman Mer-
s w i n e 8 und Johans Merswines, wenne sü mit vil fromdem gesüche ernstliche
ane gefohten und getrenget wurdent wider ottelicho puntcn (I) und artickole irs be-
sigelten pfleger briefes, die man in gerne hette abe getrungen und darin gebrochen,
des sich die pflegere unsere vordem vestecliche weroteut mit der vürnemesten be-
10 wertesten lerer rot, die sü darumbe frogetent und von in nnderwiset wurdent, daz
Sil TOD gottes wegen und bi consciencien schuldig werent den briof zA hanthabende
26-28 rot. Tgl. Schrifttafel Nr. 2. Die Originalurkunde hat folgende ab-
wdehtade Lesetrten: 31 Strazburg 34 Strbzburg sHfftere 36 Mersuaiix^
ien ir$8.
128*
hl illur liui btraduiiiH, alaii »r Hii «ü kiiinmen wäre und In dia Htirtar laiirilgiil
liuttonl. du anl onndlclis nllin pH«gL'rn eine ninihtig« iniinaiifa sin lü TÜrkumninid''
alW künftig« affnlla und »ns etm». dureb du di« vre gottei und «iner «rluhlolcn
.fn^nda boilrdo nnd tnniDunge fUnto laierlictier mfolgat «erda iii dteer pHstaii« nW'
all» oblusiltttil. dirninbo ilnt wie dio TDrea«ebribpn*a dric K«u'M>bs«DM DDcbfouJoii
ptlnsere da« Bin nfi Well oh« llbcreia kuinnen nnd tu rnU itardMi, «lawol kein e)l
undaneheid«iilichn in dHUi briofD boret ist, au dnnckat uii> intk uütie und nctdiitfli;
»in dunh dur •arlie«<'heldeneD Türkumnienhelt wllleu, du «io («dich pSopi.' nii inii!
harnni^h OHsdich «noren roI alle «tüeke, din in dem anlbpn pflnfor hristo btfnff'n
slnt. ti buithibeuda noch simo baiteu Taimuggnda iinu <inon •chodau : and >i>l M ''
ileni curainendiice und dem bnio mtnn du be>tc und da« wairtstn in allen «afben.
die ad ane gunt nuc.b «incr betten TontantninBo ungorerliche bi dorn salben aide. iiiiib<!
daa man «oUthemo KOTral)» mit dottc lieisornu ^inipfa und buitrbnidiinhoit nuV
wideniun und ab« geaagen in aller iinaimnlsliclier rordeninge und belo, din iridvi d'i
bi'liif iliit, doraittu dl» gut« nrdennng« und d«r stiticr gAilelli'be niuLnangn m''>bl'' ''
ab* gnn und ientürot wcrdou, dni nlr twecllche turbüton sdliiut dur hallgon tdialteli-'i''
Knrlen der wirdlgan mütar gotl«\ uud dou andern IcVbeUcheo liiuherrrTa und patma»
>ii eruu noi'li alten nniierma Tonuugond«. das dec brief in allen slna krofcmi unn^r-
ändert Mihi', aliie wir di" iibr.' geschrlbanrn iiflegere Clana Lappe. Jobani ">i'
Kagunarko nud Clane Junge anogondoi tu dem oritou mulu geawum baut. de: ■'
tä arkündu but unior [«glieher slii eigen Ingeiigul guhfln<^kct an diaen hri«[, in
gogubun wart an aont Jobauf Haplisbin ob^ut tA siineplitoii In dem Joro. dn aui
«alte ton gotJ gebdrtfl druifhenhundeit jnr mmlilg und drd jnni. • | |m. 17»]
l)is i-;t üiii abge^^hrilt einer misäiveii bnider Clause? vmi
L'>\'cuf, die er norli etteliehen vorgondeii missiven sclireip Jen ^
lieln'ii golLes fninde in "berlant. cije er in den orden kam
iiinl ein weltlich priester iincli do waz, ii:^; soliohcnie groliem
i.'fLi-an:je, da/ in diihto, er wolle alle widenverlikeit und hinder-
iiilie viu'kiunmen in rehter i^nUeliclier minne und meiii\ingi'ii:
daiiini!)!' in der selbe liebe goUes friint iiiiiinesamcliclie strolTel
in dei' enlwurte sincr missiven liie mit-h vollende, und scheUi'i
in viir riiun unerlulitclen uiigclollenon zii sorg ve! [igen briider.
127*
ake ouch sin angestber schriben bezüget, daz hie ane vohet und
geschriben wart in den ziten, alse die Johanser daz hus z6
dem Grünenwerde von Rülemanne Merswine enpfangen
und ingenomen hattent sab anno domini W ccc^ Ixxj, alsus iS7i
sprechende :
In nnserm lieben herren Jhesa Christo sint gegrußet, lieber nserwelter
getrawer yatter. ach lieber getrnwer frnnt, ir hant mich ettewaz gar übele
erschrecket nnd rehte angest gemäht, daz ir mir alse gar ernstliche ge-
schriben hant, daz ich üch mine meinnnge und minen sin aber schriben sol,
den ich üch vor mit so großeme fliße nnd ernste so dicke geschriben habe,
und ich getmwe och, daz ir in vil baz verstont, denne ich in ach iemer ge-
schriben kan ; wenne mine erste meinnnge, die ich von anegenge gehebet
han, nnd nffe der ich och alle zit stete bliben wil mit der helfife gottes, daz
ist die meinnnge, daz ich gerne nnd gewillecliche tan wil mit rehteme großeme
friden alles daz, das ir mich heißent, es sige loch, waz es welle, nnd gebe
nch got loch daz zii tünde, daz ir mich hießent dez vihes hüten nf dem velde
oder dez gelich, wie versmehet oder wie verworffen oder wie widerzeme es
loch miner natnren iemer were, des wolte ich üch alles gehorsam sin gerne
mit allen dem, daz ich vor krangheit iemer vermohte. wenne werlich so ich
rehte gedenke hinder mich and vür mich nnd der weite 15f und wisen und
onch min selbes krangheit zu gründe ansihe, so enkan ich noch engetar
nsser mir selber nüt erkiesen noch erwelen, noch ich enweis mich war keren,
do ich noch miner meinungen und begirden innerlichen friden vinden künne,
wanne in dem alleine, daz ich mich gotte nnd üch in allen Sachen zu gmnde
loße. wenne ich wurde in mir selber dicke alse gar trostelos und angestber
nnd alse gar groslich getrenget, daz ich mich selber niergeut mitte getrosten
kan noch enmag wenne alleine mit den briefen, die ich üch geschriben habe,
und snnderliche mit den drien, die' ir mir bar widerumbe gesant hant. wenne
ich die lise und darane gedencke, daz ich mich üch von anegenge alse gar
Interliche und einfaltecliche in siebter gottelicher meinnnge an gottes stat
nf gegeben habe, nnd ich ouch daz stetecliche vinde in mir zu nemende, sicher
so wurde ich von gründe mins herzen getröstet und erfröwet in gantzer
guter zöversiht, daz ir mich gelossen nüt enmogent noch engetürrent, daz
ich wolte, daz ir die selben drie briefe noch hettent; wenne ich zwifele nit
darane, werent sü üch och alse gegenwertig alse mir, ir werent mir von
rebter gotlicher minne nnd erbermde vil desto gerner beholffen, wanne ich
ander gotte in aller diser zit nieman baz getruwe danne üch. nnd ich sol
vnd mag mich sin billiche fröwen, daz ir mich alsus an gott-es stat uf genomen
hant, nnd ir nu von gottes wegen gebunden und schuldig sint mich zu ver-
sorgende nnd zu versehende noch gottes lobe, und ich gloube sicher, daz
anaer lieber herre ettewaz sunders werckes darinne meine, daz er mich in
so wunderlicher frömder wisen in uwere minne nnd truwe gefuget hat, daz
•n ist oucA getilgt.
128*
' ich mich üch so gar lidecliche und wol goloßen mag in allen dingen : ' and
habe doch vi\ knntscbaft gehebet zu maDigetiie großen gottes friinde. uixl
ich möhte mich ir keime me geloßen, wie yil sii minnen zu mir haitenu
nenne mich dimcket, unser herro wolte, daz ir lich no. mit mir nbeu aai
liden müssent. <
Und wissont werliche, bette ich nüt alse gar große züversibt zä ücb
me danne zii allen Johansern, so vörhte ich sicher, mir worde grislich»
leidende nu vurbaz me zu dem Grvinen werde zu wonende nöch minpr
innerlichen begirden ond meinangen, als ich lich dicke geschriben hab«;
wanne es geratet vil buffeodes uod üch ettewaz manigvaltikeit der litte zu ii
uns werdende von doz appelosea wegen, den die Johanneser broht bani-
nnd ich wene, es werde L'rüsliche zu nemende von tage zii tage, daz mir sicher
ettewenne gar swere und oufridelich gesin were; aber nu gerötet sich mine
natnre darinne liden nnd ettewaz gar großes Instes and ergetznngo darinne
nemen, das ich mich sin gar libele erschricke nnd T<'>rbte, daz ich zu tüngest i
ziimole darinne verblendet und «her wunden werde, daz ich min innerliches
triben verliere and zörnole anahtsam werde furbafier z\\ kämmende and zu
werbende, ach Heber minuesamer getruwer vatter, na weis ich sicher nit
w-ol, waz ich licb verschriben sol von der Johanser wegen, wie sü mir
gefallent, wenne ich getrawe, ir wißent iron Wandel und alle ire wisen Terre ^
baz denne ich. darzii so schribct üch onch min vatter ßülman also vil ir
Yon iren wegen begerent; nnd getrawe ouch, er künne üch alles min leben
und waz ir von minen wegen zii wißende begerent vil haz und eitrenlicher
<cliriben sicher denne ich selber
D h ß t h t d b th faltige priesl«re j
b t J I d d t I 1 be. und get'ellet
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g winde noch der
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il und ir mir «
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h it un.s^r; lius.'s
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g vellet mir saiüo
g ieman mtssi^-
1
d
1, wenig priester
fechorsami^ gobfii
t r mit lustliclier
1
ölte, deune dai
t
1
nie wirdig. Ja;
idigen liegirilfU
h gewar w.tJi'h.
129*
daz ich keinerhande merglich triben oder neignnge von innan darzü habe,
wenne es ist alles neiswas anders großes innerliches tribendes und heischendes
in mir, nnd ich kan doch nit wißen, waz es ist oder waz got yon mir haben
wil, wanne daz ich es nf in und nffen üch wnrffe und mich mit üch gegen
5 ime entschuldige und behilfife.
Und wißent, so ich loch wol ander|wilent ettewaz natürlicher neigongen 48^
zu irme orden gewinne von großer minne und liebe, die ich habe zu unserre
gnodenrichen heiigen hofestat und och zu den erbern personen, die ietzentan
bi uns sint, so Teilet es mir doch also gar swinde abe und kummet der aller
LO groste widerslag in mich, so ich die gemeinde ires Ordens ane sihe und (>ch
höre sagen, daz sü also gar zümole weltlich sint, und sünderliche so ich sü
sihe vor mir gonde und ritende uffe hohen meiden also gar weltliche und
verlessenlich mit kurtzen kleidem und mit langen meßem : uffe mine truwe,
so grnwelt mir also gar usser messen sere darabe, daz rehte alle mine nature
15 erzittert und beweget wurt, daz mir min sin in keinen weg darzü stet
Lieber usserwelter getruwer vatter, also ir mir geschribent hant, daz
ir mir nit enrotent, daz ich ein Johanser werde, man versichere und ver-
sorge mich denne vorhin, daz ich niemer kein ambaht gewinne, do wissent,
wenne daz bescbiht, daz mich got in eime orden haben wil, alse vil ich es
10 denne mit uwerm willen getün mag, so wil ich mich rehte luterliche und
einfaltecliche darin geben on alle gedinge ; wanne solte ich üt vorhin uz-
dingen, do bette ich zümole keinen friden inne. und mich duncket öch nüt,
daz ich es mit gotte und mit rehte getün möhte. und geschehe es loch wol,
daz man mir vil solicher friheit und gnoden umb sü erwürbe, so hette ich
\h doch nüt großen glouben daran, daz man mir sü die lenge liesse, wenne man
hette mir balde soliche concienzie in gestoßen, woltent sü mir sü loch nüt
mit gewalt nemmen, daz ich sü selber uf loßende wurde.
Wissent 5ch lieber vatter, daz mir die artickele alle gar wol gefallent,
der sich die Johanser gegen uns verbunden und versprochen hant. und
10 sunderlich der artickel, daz sü nnserm buse keinen brüder geben noch
nemen s6llent one der drier pflegen willen und wissende, sicher der ist gut
und gefellet mir rehte woU aber durch miner personen willen so fröwet er
mich nit vil und habe gar wenig züversiht darzü, und ich liesse mich öch
gar hertzekliche note darane one uwem rot ; wanne wissent, ich habe von in
\h selber vemomen, daz sü alse gar großen gebresten habent an priestern, daz
ich in eime zwivel bin, unser hns werde sin harnoch ouch engeltende. wenne
leider, wie wol und wie kreftecliche man alle geistliche ding ordent und
verbindet, so nimmet es doch alles von tage zu tage me abe, wenne es zu nimet.
und darumbe wie wol man mich denne villihte liesse gemessen mines vatter
iO Bülemannes, die wile erlebet, daz man mich nüt versaute noch mir kein
ambaht engebe, so were ich doch noch sime tode unsicher, man wurde mich
versMidende nnd ambahter gebende, were ehte ich in zu solichen Sachen in
keinen weg nütze, und ich förhte öch, daz ich gar vil us wandeln müße under
spranirlicliem so 30 ?or hu8$ ist brudet* ^^^.
dnz weltliche Tolg, daz da ist widsr nwem rot nnd wider mme iBnewendige
moitiaD^e ; wenne es ist zii Ti'irtitende, daz man nit tu me a!se getrowe pfle-
gere vinde, die daz hos in also ffroßen göltelichen trawpn minuent nnJ
meinent iiuub aller wisc und meinange, alse es in dlseme anefang^ nf gesetzet
ondgeordeut ist, alsu es minyatter Rülmuan and -'cb her Heintzemac :
Wetzel mit grossemc äisse und ernste gerne versehont und versorgeteot
in aller g&ttelicher ordeamige, wo aü kuudent oder mrihtent. uod alse lange
die iwene lebent, so mag mit wol kein gebreste darin gefallen, es blibe i»
48^ guter g<'>tli<.'her eren und or<lenange, nenne man sol sn billicbe me fiirhteO'
und vor oagen haben wenue keine pflegere, die iemer me noch in in n
kumment. wonne so die zwene abe gnnt, so ist onch denne gri'isUche la
forhteude die gute andehtige gi'.tliche ordenange und meinange, die wir
ietzentane gerne ane flngeat nnd <jch eines teiles ane gefangen haut, die werde
i'ich abe gonde von tage zii tage iemer daz meiste teil, unser hetre welle es
denne mit siner gnodon nf enthalten und versehen, weone es were wol billich. i:
daz anser hns in diseme nawen anefange iüblen solle an geistlicher orde-
nange liber alle andere Johansor hüsere, daz menglicb darin iomern solte,
die ehte gut Interliche meindeut, darambe es noch alse lidig und anbeladen
ist mit sctiulde and manange großen kumber alse die andern hüsere gemein-
üche. noohdanne sii-her su aint gar wenig prieatere in sante Johans ürden, i
die sünderliche gnode oder minne zd unserme hnse haut nnd bi ans begerent
zu sinde. und wiß^nt, von aller erst, do de Johaniier ane vingent z uns
zu werbende, do worent wol etteliche under n d e du raeindent ■m hettent
große minne darzü, and dotent oucb wul dargl h daz s gerne b an
werent gesin; aber do es geriet ernst werden und uz g tragen wa d v pI
es in abe. und suiiderliche /wene Johan er de erz ugetpnt den aller
gr'isten eruest und minne mit usserliiber w se and Worten und k mei t e
alse gar dicke and vil an uns mit großer ern tl 1 er bette duv n w r all
gar vaste beweget wurdent und in kume gebulfie t daz su z uns kernen
und Sil wnrdcnt doch alse gar balde bekorU da? su zu ''tnnt w der on un
wnrbent mitgros«''me iTiiste daz ich dovon aber i e ne w vel u d e me
großen argwone bin da/ wir niemer me 7 fr ie no h z v llekumm ne
atetilioit kumment nanne Ale wol einer m nne d z gew net und d r b
hekort «nrt ii; sn imi' wilfr abe velitt o mig er w 1 dar o ne 1 u
wanne o« i^it also I iret di? man iiioman darz trengen nocl tw g 1
er habe denne gns e inimip darzi und cl 1 rhte iiz d h m m gl h
in b li he wiae ktine bik runt;e niemcr u/ 1 den ku nt lo m e alle
negcnt ein anderuiigo and ctn blitan in un n 1 e w le w r e u ol i
uzsi-btn habpnt unl dar>(n gewcncken m ig t o we 1 ebervatter « i eu
1 h I in n ih mm. und m ig alters hilp n b ol v 1 re geleben n 1
ebt i, •! Uz I b kit werden sul und daruml k nde cb all u s 1 ad n u I
el r iteii viirkumni n und \Br rgen Ic7 were i 1 s eher uOer ro 11 n not
Inrltig
Aih iillenv,4tiT hcrtzeheber getrmviir tt r sp t der daz n
■•j//i i; ih'ii himhr^ten brit-f santpnt, den ich mipl n^ u a tp Nj lau i g
131*
habe ich mieh iemer sit bedoht nüt grosseme ernste und habe onsern lieben
herren nnd yU siner heiigen sider g^ dicke gebetten ond ane gerüifet mit
groBeme flisse nnd ernste, daz sü mich durch tich nnder wisent eines ane*
fanges noch dem aller liebsten willen gottes ; und ich enkan noch nnt anders
5 in mir vinden, daz ich ut asser mir selber gewelen knnne oder getdrre oder
ach mit worheite geschriben künne, wozu mir der sin stände, wanne alleine,
daz die grosse begirde, die ich von anegenge habe gehebet zu uwere ge-
selleschaft, daz die noch nie nüt gewesen ist an grosse wider dem, alse sü
nuzumole ist in mir. und sü nimmet öch alle zit gar gr6sliche zA sicher-
0 liehen, und ich habe och also rehte grossen innerlichen iomer darnoch, daz
mich dunket, daz ich untze { an minen dot gerne wolte mangeln alles des, 49^
daz mine nature iemer enbem m6hte untze an die bloße notdurft, und möhte
ich loch mine nature hine bringen mit wasser und brote, sicher domitte wolte
ich mich rehte hertzecliche gerne lossen genügen und wolte euch gerne
15 steine und mist tragen und dez glich, also vil ich iemer in der naturen er-
zügen muhte, daz ich min leben bi uwerre geselleschaft süssen solte ; wanne
mir lühtet alles neiswaz in und duncket mich, daz ich bi in sicherer und
baz behüt were noch miner innerlichen begirden und meinunge, danne iergent
anderswo, noch dem alse ir mir selber geschribent haut, und wißent, m6hte
20 ich es heimeliche geton haben one uwer wißende, ich hette uwem brudem
einen sünderlichen brief geschriben usser also grosser minnen und ernste,
alse ich iemer erzüget mohte haben, daz sü min gut fürsprechewerentgesin
an üch, wie sü mir leider unbekant sint. wenne sicher ich zwifele darane
nnt, bekantent sü alle mine meinunge und daz stete verborgene triben, daz
5 ich alle zit in mir habe, dem ich doch leider nüt envolge noch gevolgen kan
one rot und helfe gottes und siner fründe, sü mohtent es von rehter götte-
licher minne und erbermede nüt gelossen, sü müstent üch mit ernste viir
mich bitten, o we I und darumbe, hertzelieber ußerwelter getruwer vatter,
so erent die große minne und erbermede unsers lieben herren Jhesu Christi
0 und sinen minnesamen eilenden dot nnd kumment es ouch mit ernstlicher
bette an in ; und duncket üch danne, daz es sin lop und sin ere sige nnd
nüt g^6sliche wider sinen willen von miner grossen unwirdikeit wegen, o we^
80 versmohent nit mich armen sünder luterliche durch got und lont mich
der aller minneste sin von uwerm gesinde ; werliche darumbe wil ich gerne
5 liden alles daz, das daruf vellet, und waz ich iemer geliden kan und mag ;
wanne ich bekenne und weis wol, daz ich sin zümole unwirdig bin. und die
ewige oberste worheit ist öch min gezüge, daz ich mine natore nüt darinne
suche noch meine, und do hette ich üch wol gar vil von zu sagende, daz ir
fil lihte selber wol mercken mügent.
10 Lieber getruwer vatter, nu v6rhte ich, es sige üch villihte untröstlich,
daz ir mich von mime vatter B ü 1 e m a n scheiden soltent ; o we, lieber vatter,
bristet es niergent anders ane, und wissent ir ehte keine andere Ursache,
darumbe ir mich nit gerne hinuf nement, wenne nuwent von mines vatter
ist ich geülgt 30 tpol eingefügt.
1»2*
Bülemannea wegen, so wissent, ist eadanoe nwer willennd rotent ir mir
es, so wll ich rebte gerne bi ime bliben und mit ime wooeo in miner alten
wise, däi ich den orden mit an inicb nimme, und läget es denne onser lieber
berre dozwisuhent, daz- ich in nberlebende wurde, daz ich ioch da.nne dar~
nofh zu uwere geseliescbaft knramen mühte, aber wie liep mir min vatter ;
Bü lern an ist and wie rehto m'ito ich in über in gebe and von ime schied»!
darcb keins zitlichen gutes oder lastes willen, so wolle ich in doch gerne in
der wise min halp über geben and von ime scheiden. Dod ich getruw« Tich. er
litte sich gerne darinne gotte zu eren und durch miner ewigen selikeit willen,
wolte ehte mich got bi ücb haben, dos ich doch gar alzümole anwirdig bin. ü
Ach minueclicher lieber vattur, na habe ich ücfa mineu sin nnd mint:
meinnuge aber geschriben, so ich aller eigenlichest kaa nnd mag : aber icti
habe ücb vor etteweniiu me gebetten and bitte os üch üch aber mit allen
dem äisse und ernste so ich ii^.uier kau und mag, daz ir erent die gramle-
49b lose erbermde j nnsers lieben herren und sin heiiges wirdiges verdienen, daz 1:
ir mir alleine rotent, waz üch dancket, daz gottes lop nnd ore sige und sin
aller Uebäler wille. daz getmwe ich oach, daz ir daz vor atlea dingen
meineiit an mir und in allen nwerm tnude; sicberliche und in der worheit
daz ist iVh mine aller höhste hegirde nnd moiuange, daz bekennet gt>t wuj.
dem nüt verborgen ist. nnd dammbe so tiint es laterliche durch got and -i
nüt ensehent^ane miner nataren lost und rihtent üch nüt noch minen do-
rehten nnvurnünftigeii sinnen und wisen, sonder alleiae uz uwerme aad
anderre gottes fründe rote also, daz ich nüt in der klüttei'er walt kumme.
daz aol ücb got in ewikeit mit ime selber rilich bezalen, alse siner milten
gute wol zu getruwynde ist. Amen. ::
iLera dis i,<t eine entwurte, die tter liebe gottes friint in
Oberlaiit herwider abe sclireip brüder Clause von Lnfeni'
ge^ieii dor vnrgniideii missiven alsiis entwurtende in :^lPOtVender
wi.-e:
[><.m\m- Nycular, min vil li^'bor iu gotte us:-..TivelttT fniiit miucr. ir
siiUcnt wilicii, du/ icli uwerii brief babi>- enplangeu, und habe in wn der
iriioili' gr.tti'.s rtiil vt.TStandcii. und wissent, daz ich üch hie schribe uawfnt
Villi iloi ;irticki'liL fiii eTLtivurtc, der selben artickelo, die do not^iart'tij.' sint.
Und KU di'm iTätcn, io habcnt ir mir geschriben mit vil Worten : undtT
den wnrten su stoi, daz ir wnltcut. daz ich drie hriefu hatte, die ir habi'nt:
und hetti' ich dii^, so zwifidnt ir nüt, ich were iich von güttelicher minu^'n
und erb.'rmede vil de:!te gcrnur bidiolflen und «ere deste besorgeter von
uworiL w.'t'cn und iibetv midi ''>ch dcst^' gi'willecliclier mit üch. domini'
Nvchie, di* ?iMt "ort. und "vre ich i-iii nionscbe der üch niissetruwcte.
Sil h"lleiil die nort also, daz ir mir missetruwent: domino Nyclae. uuii i
w've Vf. daz üt in ücb werc daz ich nüt gloubc. so tribeiit es usser üch uml
fli'id ime ividcr. alse man i-'ic^i ™i'"( >:*'^<i^n VUivMM^i'n weren sol : waniif
1 33*
wissent in der rehten worheit, daz ir alsoliche frünt ingfttlicher minDeuhie
obenan habende sint, die sich wol nsser göttelicher minnen in den dot dnrch
nwern willen gebent.
Domine Nycolae, ir habent mir vil gescbriben, daz ir üchgotte uid
5 sinen franden einfeltecliche zu gmnde geloßen habent. wissent, die selben
wort die habe ich aber unsem brudem geseit, und es gefellet in alzümole
Qsser moßen wol. und ir süUent wissen, daz wir ach alle minnent und
meinent in rehter cristenlicher brüderlicher trnwe, und daz selbe getmwent
wir ach öch alzümole wol, and getmwent üch och wol, daz ir ein fester
10 steter man snllent bliben.
Domine Njcolae, so habent ir mir geschriben von den Johansem
also, daz ir drie bi ach habent, die üch rehte wol gefallende sigent. wissent,
mir hat Rülman öch von in geschriben and hat mir sü mit nammen ge-
nant and sprichet, das es güthertzige priester sigent. na bekenne ich nnwent
15 einen, herren Jocoben, der wonete etwenne züSaltze, and ich habe
ettewenne sine sermone gehöret, daz er mir wol gefiel ; and hat er sithar vür
sich gangen, so mag er na ein begaodeter man sId, der üch noch anbekaht ist
Domine Nyclae, du sprechent ir, daz lützel priestere in sante Johans
Orden si. daz redent Ir and wissent es vür keine worheit nüt. domine
20 N i c 1 a e , ich sage üch der Johanser orden der ist gros and wit in der
cristenheit, daz wol an manigen enden ettewaz gutherziger priester mag
gesin, daz üch | anbekant ist. ich wil üch sagen, ich bekenne in anserme 50^
lande drie priestere dez ordens, daz gar güthertzige süsse priestere sint, und
ich habe öch ettewaz mit in geret zu üch zu kammende, so ist es in ettewaz
>o wider also verre in frömde lant zu farende, aber sü sprechent, hies es sü ire
meisterschaft, sü werent gerne gehorsam.
Domine Njcolae, so sprechent ir öch, irwerdent zu ettelichen ziten
hünderslagen, so ir die Johanser in also weltlicher wisen, in kartzen
kleidem äffe hengesten sigent sehende, domine Nycolae, züment nüt,
\0 daz ich mit üch reden wil; so sollent ir wissende sin, daz ir noch nit er-
worben habent, daz alle ding gut in üch werdent. and daz ist öch sache,
daz ir noch nüt befanden habent dez übernatürlichen gnodenrichen liehtes
des vil heiigen geistes. domine N y c o 1 a e , ich rote üch asser göttelicher
minne, daz ir üch werent der infallenden sinnelichen gedencke, and lerent
ih trotten alle infallende gedencke, die üch in den sinnen bekümberent, demü-
teclich ander nwer fasse and gont für sich, also ir ane gefangen hant, und
lont üch gotte and getmwent gotte and sinen fründen one awere sorgvelti-
keit nnd lerent vür üch und lüterliche gon also ein kint, so getmwe ich der
gute gottes, daz ir noch in kartzen ziten süUent befinden alsoliche wunder,
10 die üch noch gar frömde und alzümole unbekant sint. und hiezü mag nieman
kommeni er gange denne e die wege und über die stege von einer tugent
zd der andern und breche mit der helffe gottes durch sine nature mit rehter
grtossenheit sins eigenen willen.
Domine Nicolae, nu sprechent ir öch, die Johanser die habent ire
4& nuiBiMi imd iro zit uf enander, daz ir nit wol zu uwerm \!L«tVa.«CL V^mT^«^^
mö^ni daz wissent, Bingen nnd lasen die zit, du ist g&r ein fhibtber
ding, wauoe es ist giiode, dar es vou gebotto and nsser gohorsamv tdl.
domine Niclae, nut wenent, da?, nwer selbes inkera besser aige dannr
singen me^se oder die zit; uwer inkeren ist wol gjt, so ir massig sint nni)
DÜt anders taabent zu titnde. domine N i u 1 a e , üch were wol zu rotende, dai .
ir lerteut und wernement der obern zilen der ixiij bucbstaben, die l«tze, die
dem meister geben wart, du inn'' soitent ir studieren and lernen, Aai samxt:
Vieh nüt au awerm gssange. und ir mübtent wol do leroen. daz der vi!
lieilge güiat zii üch in wurde kerende; der inker were lich denne nutzer urn!
weger nud wurdout uach me gelernet, danno daz ir mit uwerra selbes ia- n
körende in hundert ioren gelernt möbtent werden.
Domine Nicolae, na habent ir mir öch gescbriben, und wer eä, du
ir einen ordcn an ücb solteut aemen, so kandi.'ut ir nnt wol friden dinu^
haben, daz ir mit keiner verbüntnilie darin kemeat do wißent, do habent
ir reht, und ist ^'icb g<'itiich. und es waz <'ch mine meinnuge nüt; mint i;
meiDunge die ist, daz ez Küleman so sicheren und versorgen solle one
uwer wissende nnd uwer lütnn ; und ich habe ime Ach geschriben, wie nT ime
tun sol, 30 es darzii kummet.
Domine Nicolae, nu habent ir mir iich geschriben. daz die artirkele
der Terbüntniße ücb wol gefallent. daz süllent ir wißen, daz mir Gülmau i>
die gantze abgeschrift gesant het ; nnd die habe ich allen nnsern briideni
UDserre geselleschaft gelesen und gefellet mir und den brüdem allen gu
alzümola usser mosson wol. nnd die abgeschrift die wellent wir behalten,
wanne i's gefelli't uns alsc wol, dnz wir uns viTsi-bunt, daz wir oQi'h den
50'' Orden wcUeiit an uns neraon. aber wißent, | es ist alles also gar gros uiifride f
in unsrrmc landf. rlaz »vir nofh nii' getorsteut ane gevobon zu buwende.
domine Siilan, nu sprecbcnt ir oucb die artickele der verbüutnisse diege-
fallent üch wol, aber doüli so fri'iwut es ücb zu uwerrc personen nüt, und ir
habent <icb wenig züversibt darzii und ir liessent ouch ücb gar hertzeclicbe
imte daram: one rot. domine Niclae, dis sint alles die sinnelicben infal- :
loude sorgvidtigOD one zii gründe b'Otto g'.-lossene gedeucke, und hie tute ucii
aber not. daz ir lernetent in den xxüj biichstabun. der oren habe zu h^reniie.
dvr lii'iro !
Üumiiii' Nicla". nu siilleiitir wissende sin, wazdo zudem Grüniiu-
werde ane gelungen wart, daz wart allessament mit rote dez heiligen geistrf i
aue gefangen ; sider er nu der aui'haber ist gesin. so süUeiit wir ime oui:b
daz mittel und daz ende loHende sin und süllent in lossen dur sorger sin:
und wie er es besorget, bede mit lüten und mit gute, .daz sol uns gar billii'hf
wol gefallen ; und wie er sin hus besorget, dez süllent wir billiohe miissig
und ledig ston. duniine Niclae. gedenckent und beselieiit selber, wie gar >'
wunderlicbe und wie gar in fremden sadien bat got die gelossenen gon eine
zit mit den weltlichen pfaffen, eine zit mit sante Augastinus ordcn. eine
zit mit saute liernbartes orden, i'ine zit mit sante Dominicus ordcn brt-
135*
äifgor; und dis lies got alles hiDder sich goD in gax kleinen fWimden
awben, dt« uns nät gar wol bekant worent; aber zA stnot do die Johinser
dar koment, do man ad nnwent gebären wolte, die waz got meinende, and
daz ging onch zä stnnt dar nnd ging ans dar noch allen onsem willen.
5 Domine Nyclae, nnd daz die Johansei alse grosse gnode und
appelos dar broht habent, des süllent wir nns billich früwende sin dnrch vit
ein&higer Creatoren willen, die unser ebenmensclien slnt, and snUent ge-
wiUeclich nnd gerne liden ettewaz nnräwe von minnen dnrch irre ewigen
selikeit willen, domine Niclae, wißent, alse ich habe gehurt, so weis ich
<* debeinen ordeo in der cristenheit, der me fribeit« habe denne der Johanser
orden. ist nnder in nnkmt gewahssen, alse es denne na in der zit stot, solte
man daz onkmt in andern ürdenen nz Jetten, so mäste manvil arbeit haben;
dis mnssent wir mit erbermde ane sehende sin nnd mässent uns darinne Ter-
blenden.
6 Domine Niclae, daz iröcb nn sprechent, sige es, daz ir einJohanser
werdent, so wnrdent sn üch machen ns gonde, nnd daz were wider nch nnd
onch minen rot sagent mir, wer wil nch machen nz gon, nnd siht man ehte
an nch, daz ir es gar nöte tünt nnd öch gar swere ist? nnd were es aber,
daz es bescbehe, so solte es nch B ü I m a n gar wol vor sin.
» Domine Niclae, ist es nn, daz ir ein Johanser werdent, so getmwe
ich der gute gottes nnt, daz er nns Bnlman nfier der zit nemrae, e daz
wir bie obenan üch Johanser werdent. so daz beschiht, wanne nch danne
Bfilman abe ginge nnd in got haben wolte, werent ir denne ein Johanser
nnd hattent ir danne minne zu nns zil knmmende, so bettent wir nmb üch,
!ä dai man äcb ans ein ior lAhe. gefiele es nch denne wol, so blibent ir alle-
wegent bi ans, and do hettent unser brüder üch groiJe minne zA. aber ir
snUsnt wiDen, nnd ist es, daz es beschebe, ir müstent me arbeit haben mit
singende ond mit lesende, danne ir zu dem Grünen werde habent, wanne
nosere brndere sint vaste daruf geribtet; nnd dovon so lont neb die nbeln
So gdste die gnodenrJcben giHtlicben ambaht nnt leiden.
Domine Niclae, ir habent mir onch vil worte von manigfaltigen
dingen gescbriben, also daz ir vil sorge in üch babent und meinent, ir sint
noch inng, nnd wil es got alters halben, so mngent ir noch vil | iore geleben, ä
und danunbe SO sprecbent ir, kundent ir nnd mühtent ir allen künftigen
3ä schaden und gebresten vürkummeo, dez werent ir notdarftig, nnd sprecbent
oncb, daz ir do inne nnt anders meinende sint danne gottes lop nnd ere:
domine Nicolae, dise sorge nnd Ach andere manigv^tige gedencke, die
äcb in Mleade sint in gar vi] manigvaltiger wisen, daz sällent ir wissen,
daz ir schuldig sint, daz ir üch ir müBent leren weren ; wanne wissent, das
*" es got nit ist. es slgünt die nbelen geiste, die nch hinderent gerne, waone sä
ti^rbtent, daz ir zu eime bohern nohem lebende knmment, daz were in danne
gM scbedelich. and bamnibe so ist nch aber wol zu ratende nüer gütlicher
minnen, daz ir alle manigvaltikeit and alle sorgveltigen gedencke abe lont
und öch werent und dcb gotte lont nnd nwer bertze in friden stellent, das
*■• dnr hniliTA irelst zii dch komen mag Dnd bi nch wonen mag. ii w\saMi.<
18fi*
daz selber wnl, daz der heÜge geist iu kein hertze IminroeD mag und <'<cb
keine blibende statdo haben mag. er linde denne ein leres hertz<i, also lere,
daz die sorge alTe gut geworffen hat und gotte sich lofle, beide tu zit and in
ewikeit domioo Nicolae, loroent ir dis, so wil got nwer sui^er sin aui
wil Lieh versorgen, beide in zit and in ewikeit.
Domine Nicola», na babent ir mir och mit grossem ernste nnd mit
gar vil Worten gestbribeo, me gros tribeu nnd ernst ir dozu habent, daz ir
gerne hie obenan bi ans worent, und ir meinent oacli und hettent ir getörsL
ir hettent ansern bnidem un?erre geselleschaft heiraeliche einen sandeni
brief gesant umbe daz, daz in deste ernster weregesin. domine Nicola», i
nn süUent ir wissende sin, daz ich disen selben brief, den ir mir naziimole
gosant habent, daz wissent, daz ich den selben brief gantz nnd gar allen
uusera brudem vorgelesen habe ; und wiüeut, daz wir nüt geloabent, daz ir
so große minue mügcnt haben zii nns zu klimmende, wir habent alle grÖDer
minno, daz wir üch noch gerner sehent ; aber es mag nnzümole nit sin vor i.
dem großen anfriden, den wir in unserme lande habende siut, und euch dai
wir noch nüt ane gefangen babent zu bawende und ooch noch keinen orden
an uns habent, do wir große minne zu dem lieben sante Johanse habende
sint ; und ich getraue, obe dis alles beschiht, daz ir den orden selber an üch
genommen hant, daz ir den orden nnd ir wisen et.tewaz geleret und geiibet ;<
habtut, wurde ez denne got fugende, daz ir zu ans kement, so wnrdent ir
nns deate baz fügende, domine Nicolae, ich schreip lich, daz ir kein
Johanser soltent werden, ir hettent denne e ein gantzes halbes ior vorbio
versuchet ; und so daz os kerne, so soltent ir mir danne nwer meinnnge schriben.
lomine W ol ii> nu süllent ir wissen le <iin djz i b mit gr Üeme (.rn^st '
uvere '.acbe unsern br lern und ouüb an lern verborgenen gottes frundfu
\urgeleit habe und bat sn mit gar groOemt ernste laz iu es an g t kernet t
ind in betent were es sin wille diz or in gebe in ettelicber wl^en zu ver
stonie in welor wise er uch haben wolte obe daz ir ein Johans r werden
s Itfiit oder b ir knger beiten s Itent )der tbe laz ir also soltent eiu
«clth 1 priost r bliben Et Citera
i- irbis ist nul me von di-er imtetieii itlenliclie z i schnbende
Mdiiie dl/ man eine -lo! der erl ilUeten geworen ;; tteo fnnd
rot liaben \n allen machen und in oiich gerne sol \o]ge!i und
Dis i:!t die meinnnge dcz lieben goUet friint, die er bn'ider
Clau.scn von Lufene under andern worlen zu entwurte wider
yelireip siiicr klage, daz er zii vil /ü gerihle gon miiste, daz nüt
villi gotle an.LZüscIien wart, daz priestere zu dem Griinenwerde
soUoiil mit der weite und mit zitlichen sacben bekiimbert sin- ''
137*
Domine Nicola, yil lieber brdder und Mnt miner, ich lasse nch
Fißen, daz es got nn gefäget hat, also daz ich alter krancker man und nnser
bruder einer, der do ein joriste waz, also daz wir bede, so es na wetter wart,
za dem bobeste faren müssent, wo wir in findent. harumb so bitte ich nch,
5 daz ir unser gedenckent and 5ch der andern anser brader.
Na vil lieber brüder, na habent ir mir gar einen grossen brief von
uwers commendürs wegen geschriben, da ich vil von mäste wideramb schriben.
Na habent ir mir 5ch von awers selbes wegen briefe gesant, da ich
ach nazdmol nüt vil von geschriben mag, wan ich nazümole vil zu schri*-
0 bende hatte, als ir wol wißent, and darzü noch ettewaz kräng bin. aber
doch in awem briefen da stat nüt inne geschriben, dez man üt bedürfe
dan von zweien Sachen, die eine sache die ist, daz ir vil erbeit habent ge-
hebet mit gerihte, bede mit weltlicheme and mit geistlicheme, and daz üch
daz sere gottes hinderte, und daz wissent, daz ist mir leit, daz es der com-
5 mendür dut, wanne der Grünewert wart nit also ane gefangen, daz die
priestere, die dinne wonen soltent, das die sültent mit weltlichen Sachen ambe
gon. aber wie dis ist, so habe ich mime heimelichen fründe geschriben, das
er alles sin vermügen dazu tu and besorge, daz es an üch and öch an den
andern nüme beschehe.
0 Gegeben an dem früage noch Invocavit anno domini M* ce&* loMonj.
Item dise vorgeschribenen lieben fründe gottes sint öch dez
huses und der brüdere zu dem Grünen werde stiftere und
vettere und sünderliche fründe gesin in allen göttelichen truwen,
und hant in und öch ettelichen andern erwirdigen personen,
25 geistlichen und weltlichen, in der stat züStrazburg vil gnoden-
richer minnesamer briefe geschriben dicke in solicher heimelicher
Verborgenheit, daz bi aller diser kuntsame nie mensche gemercken
oder erfaren künde, wer sü sint, oder in weler gegene sü wonent
one allein Rülman Merswin, unser Stifter, der öch ir heime-
80 lieber frünt waz und alle ire briefe von Rüprehte, irme heime-
Uchen botten, enpfing und sü fürbaz entwurtete und gap, welen
personen sü danne geschriben warent und zu gehortent
Item derselbe Rülman Merswin, unser Stifter, hette öch
einen simdern heimelichen botten hie zu Strozburg, mit dem
35 er ime widerumb sante alle die briefe, dieser ime selber schreip
oder die ime befolhen wurdent von den brüdem oder von andern
erbem lüten. die selben beiden botten und öch Rülman dicke und
-1 j._ Wortzeichen gobent mit sunderm tvüsX<^tiiÖL<^ 'vcl. ^^x
kirchen, daz es elLeb'che orüdere wol hortrait und mercketent
und iren sehellen an dem vi'irgange solient; aber der zweier
botlen peraoQe künde in nie zii sehende werden, wie dicke
aü Loch mit fi'irsalze ulTe sü spiehetent und wartetent, so sü ir
» Zukunft vor wol wustenl.]
Item es beschaeh i')th zu einen ziten, ilaz etteliohe erbere
löte von Strozburg us fürent, daz sii riie selben gottes (runde
meindent zii suchende, wanne in gar vil gnoden durch sü be-
schehen waz in irme fruntlichen aehribende. und under vil ander»
briider hiiseren und gottes fründen, die su uite der selben verle i
visitiertent und gesohent, do koment an t'ich zu disen selben gottes
fründen und logent über naht bi in und hatlenl vil worte mit in
um! gemertrke-tent noch befundenl nie, daz sü es worenl, die sii
do süchetcnt. und koment har wider heim, daz sii in verborgen
und unbekaat blibenU dis seite Riilman Morswin brüder '■
(Mausen von Löfene in den ziten, do der oberster meisler
bröder Cünrat von Brunsperg sii ouch meinde den tom-
mendure tun suchen, also hievor in dez selben frünt gottes misslvec
eine geschriben stot.
Item nn wart öch Rüleman Merswin an sime dotbette -i
gebetten, daz er den bnidern zu dem Grünen wer de sines hotten
nammen willen ließe, mit dem er rfiine heimelichen gesellen in
Oberiant alle sine briel'e ^tisant hette, daz wir doch neh unsere
notdurft mit dem selben hotten geschriben muhtent, ebe er uns
wurde abe gonde. do sprach Rüleman, daz der selbe sin heime- ■
lieber botte jiar kürtzliche dovor in der selben zit gestorben wem
alsiis lict uns got sine und ouch unsern lieben frünt under zogen,
(iaz wir in imch sü uns sider Uülmun Herswines tnde nie
iint geschribent, nncli von in vernemen kundent. und daz mag
unsere grolle unwinhkcit meinen und sache sin, daz wir ire:- ■■
^zuteil ii'iltclichen getruwen rotes so ;!ar wenig gevolget hant und
irre mfinuTigen so utiahtber gewesen sint.
Item alsus hant wir uns mit unahtsamkeit gesumet dez
iileyges demütiger gehorsame in dem ervolgende ires mhmesamen
schribendes imd sint der goben gottes und siner erlühteten frnnde ■'
grolie truwp nüt dangber gestn, darumb uns nu die türe ires
früntlichen minnesamen rotes zübeslnlien ist und dez brütegümes
mangehi mij.ssenl in niani^or trnsUicher hoffenunge, die wir dicke
139*
gehabet hant, so wir uns botschaft von in versohent und war-
tende worent, also öch den dorehten megeden beschach umb ire
slafheit und unahtsamkeit der zükunft des brutegömes, daz sü
Ire ampellen götteliches ernstes und ilissiger beh&tsamkeit liessent
o verlöschen.
Item do nu alsus unsere amppellen verloschent und der
brutegöm di türe zu beslos und zu spote wart, daz Rülman
Merswin, unser lieber Stifter, uz diser zit fiir, do hättent wir
gerne oley gebettelt und santent uz zwene gar erbere hotten,
0 einen gott minnenden ritter und euch einen erbem jungen burger,
der öch got meinde, daz sü die selben gottes fründe unsere ge-
truwen vettere suchen soltent. do wart uns oley verseit, alse
öch den dorehten megeden beschach, wenne die selben zwene
erbere hotten übetent sich uz großer minender begirde vier
5 Wochen mit suchende und mit forschende und mit frogende us
aller diser vorgeschribenen kuntsame und fundent ir nüt|
Item donoch beschach es dez summers anno domini M^ ccc^
kxxix daz etteliche erbere personen, pfafTen und leigen, fröwen
und man, zu Friburg in Brisichöwe, die der selben gottes
0 firunde leben, daz buch von den fünf mannen, dicke dovor gelesen
und gehört hettent, die verkuntent uns, daz in gar sicherliche
in gantzer worheit vürkomen und geseit were worden, daz her
Johannes von Bolsenheim, prior zu Engelberg sante
Benedicten orden, den selben unsem heben vettern und gottes
o fründen gar heimeUch were und dicke und vil zu in wandelte
und gewönüche in irre kirchen messe spreche und von ir iegli-
cheme sunderliche zu Friburg geseit hette alle kuntsame zu
glicher wise, also in der fünf manne buch von irme lebende ge-
schriben stot.
^0 Item uffe dise vorgeschf iben rede brüder C 1 a u s v o n L ö f e n e ^^
öch uz für des vorgeschriben iores umbe sant Bartholomeus dag ^^
mit gemeineme rote dez commendüres und der brüdere und meinde
sü zu suchende, aber do er zu dem von Bolsenheim kam,
do vant es sich gar vil anders, wenne die erbern lüte zu Fri-
^ barg von ime verstanden und geseit hattent. doch gap brüder
Claus von Löfen dem selben von Bolsenheim vil kantschaft,
briefe and ein abegeschrift der drier weltlicher pflegere buch, in
A — j^ ««lu^Q gottes fründe leben geschriben a\ol> \äA ^öct ^\\.^-
liebe materien dis gegeawertigen biiches, die den selben von
Bolsenheim aller eigenlichest in kuntsame ufTe sü wisen möbte,
wenne gar vil erber goltes fründe zu ime wandeltent von \ü
gegenen dez selben landes, alse er selber seile brilder Clausen
von Lolene. ^
Item alsus erbot sieb der erbere herre von Bolsenheim
uz groller minnen zii diser sachen und gelobete brüder Clausen
von Lofene, daz er mit sin selbes libe die lieben gottes fründe
llissecliche und ernstliche suchen wolle noch aller kuntsame, die
ime waz geschriben geben, und het ir ouch nüt funden, alse i"
er sitbar elwie dicke geschriben het brüder Clausen von
Lofene, wie gar getruweliche er sich in der selben sacbe ge-
arbeitet und geübeL habe und sieb noch fürbaz meinde darinne
zii übende, und ist doch alles mit darus worden.
Item also nu dovor geschriben stot in aller der nehsten i'
missiven noch der fünf manne leben, unsers vatter geschrift und
eigene hant, wie der selbe unser vatter und der juriste, die zwene
lieben gottes fründe, zu irme bisehofe fürent mit dez bobestes
briefen, die sü selber zu Bome inpetrieret hattent, in eine slat
von irre heimüte xiij milen weges, do duncket uns, wie es Klinge- *"
nnwe were; wenne der bischof von Kostcnze in den selben
ziten do jielegen waz und lange zit darnach in der selben slat
zu Kliniieiiöwe lag, alse öch die vorgenant missivc seil, nu
ist von Friburi; in (Ihtenlanl xiij milen weges unlze gen
Kliiigennwe, dnbi uns nch duncket und dicke gemütmoUel und •''■
gesclielzel hant, daz sü neiswo in der selben gegene in Obte-
a hiiit mngent woncn und sellhafl sin mit irre heimüte. i
Iteiu nu wart es gol lügende sub anno dumini M" c-uc" lxxx\,
daz dtT iiller erste commendüre brüder Heinrich von \V ollacli.
der 'teil eine sache waz etlehcher diser missiven und briefe, dio ■'■"
ime von dem goltes fründe. unserme vatter, geschriben wurdent,
und alle_kuiitsamc und gelegenheit aller hast gewiliet solte haben,
der 5elb(^ commendüre slunt umbe die vorgescliriben date nie
denne ein gantz iur in dem huse und convente zu Fribiirii in
nhteUint nüi siner woimnge und künde ouch die lieben goltes ■■
iriinde nnt linden, und belle diicli vil minnen und begirdcn sü zii
141*
suchende, wenne er ires rotes gar wol bedörit hette von sunder-
licheme großeme getrenge, in dem er dozümole waz. und ist zu
gloubende, daz got nüt wil, daz wir me von in getröstet söUent
werden hie in zit von unserre großen unwirdikeit wegen, daz
s wir der grossen goben und gnoden nüt alse ahtber und dangber
gewesen sint, also wir billiche geton solteot haben, also öch dovor
in dem vierden cappitele diser materien geschriben ist
Item alsus durffent wir unverbildet sin die lieben gottes
fründe und irre heimüte hie in zit me zu suchende, wenne sü
0 got wol verbergen kan, daz sü mit menschlichen sinnen noch
mit natürlicher wisheit nüt zu vindende sint. wir süUent sü nu
vürbaz me suchen und ouch finden in dem ewigen lebende mit
ervolgende ires minnesamen guten rotes, daz wir got lobent mit
steter dangberkeit, daz er uns durch sü uf einer solichen heiligen
^ hofestat versammelt het, die got selber minnet und meinet, alse
er wol schinberliche erzöuget het mit gar guten Urkunden und
Wortzeichen, die hievor in disem gegenwertigen buche und ouch
anderswo manigvaltecliche geschriben sint.
Item öch ist der lieben gottes fründe rot in irme minne-
to samen firüntlichen schribende, daz wir got lobent und ime dangber
sint, daz er uns nu in disen hindersten ziten und sörgUchen
löuffen so gar getruweliche versorget und versehen het in einer
MdeUcher geselleschaft mit bescheidener erberer notdurft eßendes
und trinckendes und kleidunge und herberge mit alleme gemache
i5 und lustUcheme gebuwe zu eime behutsamen ufenthalte libes
und seien, geistes und naturen, in aller handelunge one schede-
liche verbildunge der fünf sinne, die uns gehindern und geirren
mügent an göttelicheme zükere oder an gnodenrichen gegen-
würffen und inflüssen dez heiligen geistes, obe wir selber wellent
^0 uns die gnode gottes fruhtber und enpfenglich machen mit lidiger
abgescheidenheit alles kumbers der weite und anhangendes der
creaturen, daz ouch die lieben gottes fründe in irme schribende
mit großeme ernste und mit sunderre meinunge aller meist von
uns begerent.
^5 Item zu ervolgende die gnodenrichen inflüße dez heiigen
geistes und den rot der lieben gottes fründe, so müßent wir uns
7 Tgl. oben 188*20 ff. 11 sii eingefügt, Schriftcharakter des sog. Auto-
t'dangher sint zweimal, einmal rot d\iTc\ifttt\c\keTi.
7.fi der vorgeschribenen lidigen abegest^heidenbeit öcb halten ia
getpuwer brüderlicbep einmiitikeit. in demütiger gehorsame one
alle eigenschaft und schuhen alle W!be9 personen, wie heilig so
loch sint oder schinent, und die weit und alles ir gewerbe miden,
so wir aller meiste mögent. daz wir nüt uzgont in die stat noch 5
under die menige one redeliehe notdurft, oder aber daz wir in
gehorsame uzgoa müßent oder andere usserUche werg tun, die an
53^ in selber nüt sünde sint; wenne die werg die in gehor|Same ge-
schehent, die sint aller verdienlichest und truhtberest, daz haltet
cristengli'ibe und seit die heiige geschrift und die lieben gottes i"
fründe, unsere getruwen vettere und Stifter.
Hern die fruhtberen gnodcnrichen goben gottes manigerleige
IJdender widerwertikeit innerliches und usserhche^s truckes und
gelrenges, geistes und naluren, und lipliche krangheit und siech-
lagen des libes und alle bekorungen, und wie uns got selber i*
üben und bereiten wil in nemmende und in gebende, in darbende
und in habende, in sure und süüe, in liebe und in leide, da2
siülent wir alles gar dangberllche von gotte enpfohen and ge-
willecdich und gerne liden sime heiigen wirdigen Uden zu eren
in glichstonder bewegunge unsers gemütes. dai^ ist uns ouch gar i"
vil verdiciilieher und fruhtlierpr werino uiitiore aiigenonieiien
iibungen und eigene ufsetzc, alse die lieben gottes fründe meinoiit
und OS selber ervolget haut und es ncli uns uz grolier guttelii-lier
minuen rotent in ettelichen disen vnrgescliribenen briefen, und
siiiiderlieliü in dem vorjiondcii buche von den funf mannen, in -■
dem der Hebe golles f'rünt zu hindorste von ime selber ^chribet
und ourh iiris ilic utireini' bekorunge di,T unluterkeit jiar gr'ps-
liclmi nimct, wio uar viTdiciiUch und Iruhtbi're eine gnodonriehe
.üiibc piittes sü ist, idsf er und sine brnderc in dein gnodeiiriciien
licliti' ihv, heilgen geistes dicke wnl befunden baut und in /u ■"
(■rk<>nneiid(' wart gegeben, darumlif sü oucli die selbe bekorunge
<lf'r unluterkeit genif liden wclU'ut und (nicb liden miissent unue
in iri'ii dnt mit dem lieben sanle l'auwi'lse, den er itvh in der
selben matericri '/.\[ eime eNeiii(>lar alcgicret und /m gezügiiisse
leitet und nennet, " '■
Itciii dii: selbe vori^eiianli' lidiiide gl^Ues gnbo und frulitberc
jinmii iiriebe iiliuiiyc nch r.uk'man Mersvvin, unser lieber slitler,
/// ili'ii tTsUv vier ioreii sui- /.wV-cvcs uuil aneianged manigvallec-
143*
liebe befallt und durchliden müste in vil frömder unreiner wisen
und wüster bekorungen und oueh den brudern zA iüngest uf daz
aller leste kürtzliche vor sime tode zA einer letze schreip und
schriben muste, wenne er vongotte innerlich darzö getriben
5 wart eines sunnendages zu tercien zit, do er unsem herren in
dem heiigen sacramente enpfangen bette, und ime öch die brüdere
in großer minnender erbermde in fielent und sü uz grosseme mitte-
lidende ane sach, und mit munde und mit hertzen got begirlich
anrufte in klage wise, mnbe daz die brüdere alse gar unerlühtet
0 ußewendig noch do worent und doch guthertzige einfaltige brüdere
worent, die gerne den willen gottes erfolgetent
Item zu diser vorgeschribenen klage wart Rülemanne von
gotte in der sinnelichen Vernunft alsus geentwurtet und zuge-
sprochen: wie wol die brüdere einfaltiges lebendes und gutes
ö willen werent, so gebreste in doch noch gar vil abe zulegende,
daz sü mit naturen und mit eigeme willen beseßen hettent, ebe
in daz lieht der übernatürlichen gnoden des heiigen geistes be-
vintliche werden möhte. darumbe öch Rüleman die brüdere
in diser hindersten letze minnesamklich stroßet und sü früntliche
0 manet und wiset uffe demütikeit, ufle senftmütikeit, zu getultiger
gelossenheit in aller widerwertiger bekorungen und zu einmütekeit,
ein ieglich brüder in dem mittele, daz er nüt zu vil sorheUig
sige noch zu vil lihtvertig ; und sprichet denne in der selben hin-
derjsten letze, daz es wol ettewaz zu glöbende sige, daz uns daz 54^
iö übernatürliche lieht des heiigen geistes nüt wol erlühten müge
one liden, daz uns got selber zusendet; daz ist öch sicherer
wenne die angenomenen eigenen Übungen und Uden, in dem man
wol möhte von dem tüfele betrogen werden, obe man sü zu
eigenwillecliche besitzen wolte wider ordenunge und bescheiden-
*o heit, die wir von gotte haut; und seit wie ime selber dez glich
beschach in sime ersten kere, wie doch er sich nüt offenlich
nennen wil.
Item dis ist die gnode gottes sure und süße, die Rülman
Merswin, unser lieber Stifter und frünt gottes, den brüdern zu
^ • eime exemplar in der hindersten letze und früntUcher vermanunge
mit bedecketen worten von ime selber alsus schreip : wißent,
aus inkere.
^^
144*
lieben briidere, daz ich einen menschen bekenne, der noch in der
zit iebel, dem ich ouch alse wol gloube alse mir selb selber.
in dem got groläe wunderliche werg in grosseme lidende vor vU
ioren gewircket bei, alse ich selber von ime vernummen und
verstanden habe, do wissent, lieben briidere, daz ime got vor ^
vil ioren znsante gros gruwelich swere lideii, daz er über in
verhing in vil manigvaltigen groben bekorungen alles mit un-
glouben also, daz er alle zit wonde, er miiste ein ewiger helle-
brant sin. ime wart die heilge geschrift vurgehebet, die er doi;h
nie gelerte. do inne wart ime gezöuget vil worle, die do wider m
enander hullent, daz er grolie widerwertikeit in der heihgen ge-
scbrift gewan. und ime viel in, daz mit darane were; und alles
daz sü seit von cristenem glouben uml von allen saeramenlen,
daz were alles nüt zi'i gloubende: also gewan er zu allen eristenen
wercken und ordenungen keinen eristenen glouben me. und von ij
disem grossen lidenden we dirre manigvaltigen bekorungen und
ungelouben. daz douh vil groüer und swerer w-az, wenne man
gesagen mag oder sol, do enmöhte er nieman von gesagen noch
geklagen und miiste sich vil zites darinne liden one allen bevint-
lichen behelf von gotle nofh von allen creaturen, darzü dnhte -''
in ni-h, er miiste ein ewiger hellcbrant sin.
Item diser selbe mensche Rii Im an Merswin, unser Stifter,
wie doch er sich nüt nennen wolte untze imcb sime tode, aUo
ü(.-h sin anevang der vier iure, um selbes haut und gc^^clirilt, he-
weret und diser materien glidiet, wie daz er gntte hette einen -'
rehten eit geriwtirn, daz er keine grolie swere Sünde uiemer nie
wolte iietfin, de:? gab er unser liebe Irnwe zii bürgen, daz er
stete wolle darane bliiien. also vant dirre mensche, HiiimaiL
Mersw'in. andcr:^ nüt in ime. wanne wit.' daz in dubte, daz er ein
ewiger hellcbrant miiste sin. sn wolte er duch darumbe mit ■"
birrhcn. daz er i;otte gelnliel und ge.'^wnrn helte. in lii^cim'
mani:.;v;dli.LJcme lidende der bekorungen und dcz grellen ungelnulien
"iiz er also lantie, unlzo daz er sin gar kräng wart und in dulilc,
er iniistc sin -=tcr!ien. und do die zit kam, alse es got liabcii
Wolle, do wart iino liebt yesnnt u/ dem lieilgen geiste. daz er ■'
die |ieil:,;e Licseliriii wail vei'stonde in eime übernatürlichen lielit-
U5*
riehen crislenen glouben, und do merckete er zd stunt wol, daz
ime vormols die geschpiit one daz gewore lieht wart vor gehebet;
and do wart sin gloube, zäversiht und minne alse grö^ daz er
in ime befant fride und fröude und solichen starckeo cristenen
-i glouben, daz in duhte, ez wer ein gewor wißen in iiäe, daz er
got anrüile und sprach: were es sin wille, daz er es denne ime
abe neme, ime were der gloube lieber daiine ein wissen, und er
wart donoch in eime iore in aller siner natufen|also stai^, al^e 54^
bette er nie wewes noch lidendes befunden, und wie vü öber-
<* natürlicher fröudenricher gnoden er donoch beiant, daz ist un-
segelich und unsprechlich.
Item aber noch dem jore do kam aber got mit siner sunder-
beren gnoden in eine ander wise zö unserm lieben Stifter Rül-
man Merswine, genennet in den vier ioren sins ersten anfanges
> und nüt in diser hindersten letze, die selbe gnode er 6ch niemanne
git denne den er ettewaz rehte wol getruwet und die er öch zä
den groöen heiligen martelem setzen wil. die selbe verdienliche
gnode, die er diseme selben menschen, Rülman Merswine
unserme Stifter, anderwerbe gap, daz waz soliche grolle unmess^
0 bekorunge in gar vil maniger bände wüster wise, die do alle ufle
ketzerige troffent, daz es gar schade were, daz man mit under-
scbeide seile, wie er in aller wise angefohten wart in unluterkeit,
die do solle zu ketzerige treffen; wenne er müste in den unge-
nanten wüsten bilden der grossen gruweliehen ketzerliehen be-
^ korungen nzliden alle die creaturen redelich und unredelich, die
in der zit sint, und darzü die er nüt bekante, die wurdent ime
zu bekennende gegeben ; er müste usliden man und wip und daz
vihe und die lier in dem walde und daz loup uf den bömen und
daz gras uf der erden, die gemoleten bilde an den wenden: dis
'*> müste er alles in großer swerer bitterer martel der großen un-
htttirre bekorungen lange und vil zites usliden one allen bevint-
lichen behelf von gotte noch von allen creaturen in zit noch in
ewikeit. und er wart sin alse gar kräng, daz er alle zit vorhte,
das er sin sterben müste und darzü in die ewige helle faren;
' EBid vant mt anders in ime, wanne daz er gölte gelobet und ge-
swom hatte hi eime eide, daz er niemer keine große sünde ge-
dete, daz wolle er oucb stete haben und solle er dariunbe sti^b«^.
Item lind rto diser mensphe, Rülman Merawin unser
lieber Stifter, vil zites und lange in diseme großen Hdende düre
manigvaltigen großen unreinen liekorungen waz gesin und sin
gar aßer moUen kräng waz worden, do es do den erbarmhertzigen
got zit duhte. do nam er es irae gantK und gar abe, als ob es
nie wurden were; und inahte in öch zti stunt alse gar starg in
aller siner naturen, alse ob er nie kein liden gehebt bette, und
waz er damoch ouch [ibernatürliehes groltes Criden und fröuden
von der gnodeü dez heiigen geistes über die natura befanU daz
isl unsegelich und unsprechenlieh und über aller menschen sinne; '
und daz het öch me danne driliig ior gewcrl und bevindet "ch
dez selben übernatürlichen l'riden und fröuden noch alle läge
tegelifhe in manigvaltiger lustlicher übernatürlicher fröudenricher
wise. daz er sit moles keinerleige bekorunge in ime nie befant
noch gewar wart; doch het er in drillig inren zu manigen ziten i
gar j^roße swere tnicke in siner naturen gehebet und jielitleD.
55" aber er bevanl dargegene in ime selber alse [gar vil übernatür-
liches friden und fröuden, daz er alles wewes dez liii^hamen vergas,
und het dis mich vil iore also getriben. daz er der gempinde der
welle noL'h gar unbekant i^^t. -'
Item dise aller nehsleii voi-gonden sehs <:a|ipiltele sint ge-
nomen ulier diT hinderstcn i'rüntlichen vennanungen und miniie-
samen sin itl'ui igen und letze, die zu laline und zu tütsch in den
Urkunde hitchern gesrhriben wlot au einer materien ungeteUet und
nül gerapitcliei'et; und ist in dem iatinen Urkunde büehe daz nun -'
und zwenlzigesle capjiitele und die vierde materie, und in dem
lutschen Urkunde iiüi-he daz ahtzehenste cappittele und die dirtf
mult'rie, eigentlich von wnrie zu Worte, aise so Rülmun Mer-
swiii, uuMT lieber stiller, mil siner eigenen hant den brüiiern
u^ :jrni;er gntleiichci- niinnon scUier dclireip in eine walis tofele ■"
und es öch sduibcii nn'i^te, waiine er von fintte innerliche dar-
zi'i getriben und gelwungf'ri wuri unih unsere Hoben Irnwen daL;
^' dci- Hehtmesse unno doniini M" cci" Ixxxij.
Item diser .ürolicn rndilbereii gnod«^n und goben goUes. durdi
die alsus dis bus zu dem (i rTinenwerde und ouch wir gezwiuet ■'
siTil und durch die suiLdcrIicben verbnrgenen Iründe gotles er-
zogen und zu solicher großer iemerwerender fruhtberkeii gerüffet
sintf daz soltent wir billich gar gros und abtber schätzen, alse es
öch in der worheit ist in disen hindersten sörglich^i ziteh und
frömden erschröckenlichen löuffen, und wir soltent tiin, alse Maria,
5 die wirdige müter gottes, und die lieben jungem geton haut, do
in die tröstliehe menscheit unsers herren under zogen wart und
er an dem heiigen crütze verschiet, do noment söi-do' erst Vür
sich in rehter bekanter dangberkeit alle sin lere und alles sin
leben und alle sine minnenrichen tröstlichen wort, die er dicke in
ö glichnilien und in parabelen mit in rette, der selben worte sü dozA-
mole nüt alle verstundent noch ir ein teil nüt vil ahtetent, die ift
doch noch unsers herren tode gar tröstlich und ergetzenlicb
worent und sü dicke vür sich noment und vil großer lere und
hrühte darus zugent, die selbe fruht und lere sü ouch hinder in
^ geschriben haut gelassen allen . iren nochkomenen zä helfTe, durch
die ouch kristener gloube bestetiget ist und iemer ewiclich do-
mitte gehanthabet sol werden.
Item alsus söUent wir uns den lieben jungern unsers herren
und siner wlrdigen müter nochformieren und ire minnenriche
0 wise noch unserme vermügende ouch halten, und sider uns got
sine und öch unsere fründe under zogen het, der junger wir ge-
wesen sint und ewiclich gerne sin söllent, so süllent wir doch
in rehter dangberkeit dise gegenwertigen briefe und alle ire ma-
terien, die sü uns us großer minnen geschriben hant geloßen,
'5 dicke vür uns nemen und sü lesen und uns darmitte ergetzen,
und ie ein brüder den andern dardurch ermündem und ermanen,
wie gnodenrichliche wir von gotte durch sü versamelt und ver-
sehen sint lipliche und geistliche, durch daz der erbere anefang
und die gute geistliche ordenunge dis huses zu dem Grünen-
^ werde noch irre meinungen mit solicher vermanungen und er-
münderunge bestetiget | und ewicliche gehanthabet werde und in 55^
unsere nochkomen geymppfet und gepflantzet werde; wenne es
ist zu gloubende, wele zit wir der gnoden und der geben gottes
miahtsam und undangber sinde werdent, got werde sü uns alzü-
^ mole under ziehende, daz wir ir in zit und in ewikeit darben und
, maii9^ mussent und öch langwirig gros swer vegefür darumbe
:#>
^ 'miifißt^ k»rr: üas wei^t
W
i46r
liden, daz wir die gnode ^ottes bo gar unwerlücli uiider aosere
füsse gelreLten liabeiit.
Uem wie wul nu daz leben unsers horreii und der aposlelun
lere und die heÜge geschrilt und der (.-anomsierten heiligen leben
unser le^elicher sleter gegeuwurf sol sin in alK-n znkeren mit
starcketue vesten glouben obe allen andern bildern und exempleii,
wenne sii sint daz feste Tundament und der erste gewarsameste
eiclierate stani unsers ewigen heiles libes und seien, nochdanne
SD sint wir mit sunderheit in disen materien von den siincier-
lichen tründen gotles gemeinel und durcU sii gezogen, darumtie i
9il uns biUiche gar geneiae sin siillent in groHer erwirdikeit. al*e
eine sünderliche >!rolle milte barinhertzige gobe gottes, die in
disen hinderslen sorglichen ziten wol /.ü minnende ist, daz wir
sii nijt verwerlTen noch verniiten süllenL mit unahlsamkeil; wenne
wie wol wir von geholtes wegen nül schuldig sint zu geloulieode i
wenne unser crbtenen glouben und die heiige geschrill, nochdeniie
ist es gar niilzliüh und verdieniich, daz wir üch soliche s^iite
ding gelouhent, die der heiligen geschiilt concordierent und mitle-
helleul und nül wider den glouben sint. dodureh volgel uns ouob
iemerwerende f!rolk' fruht, der wir cwicliche mangeln uml enlicin -
ini'isteiit, oln' wir es von unahLi^amkcit verweHI'en und riul glouben
wollcnt,
llem des selli(;n ^liih Ijosiliaili o.i suh annu doinini M" t-cc'
Ixxj, <la/ hriidpr (lliiwes von I-nlenc in eime sineni briclo
uiiilcr andern worleii den selben lit'heii iinili-a Irünl in Hburlanl -
mit :^riil)emi' llisst' und i'rnsl'^ bat viu' einen woltliclieii man.
daz er dem <'tlolL(rln: ei'iistiiclio vermaniiii:^!' schribe zu besscrurrji'
>im-< l(;l"MLdi-s, wenne er gar ;;iri.i; waz norh irdenseheine uulc
und mit allenir tlisst? donneli slalte. darumh sin hertze :^ar vaslr
liekumberl \vu/. mit witswetlükeit /.illirlirs Gewerbes und wflt-
lii-liiis kumliers, und hetle iloch vil strulfendos und grollen uii-
iViden in sincr dMn-ieiicien. do suhreip der selbe liebe gottes
tVinil /M anlwartt' herwideruinb ulsus:
Di.miiir N>cul;ii.', niSH'ijt, •\ay. i.li uimt IvginW gt^riie wolU> erlull.'t
li.iii: .liil.ciCJKU'li mir id.- .iuii, ili.iifii tum zii Üalulonie solU'iit liuwii,
ttr.ijTii', w'w ich 1^- an.' ving. sm wM r.s mir mit 7ai liiwuien g>.>u, un'l •■> vn^r"
inif ■'"■li jitit ^'iit, \\'-\\\v All' VW'' sw-i M"j<;U\w* luwi-nt dariiiit bi/sivi-e'i
140*
and gemeret wurde, wenne er dem schribende nüt glonbete noch envolgete
und sin nnahtsam were.
Der selbe weltliche man darnoch gar kurtzliche starp, alse
ouch der liebe gottes frünt vormoles in parabelen herabe schreip
und es brüder Clausen vonLöfene und des selben weltlichen
mannes wip propheciete, wenne er sü ouch darinne meinde. und
sante ir dez zu Urkunde ein silberin messer, domitte sü abe
sniden solle alle überflrißikeit dez zitlichen gutes und dez welt-
lichen kumbers und anhanges der creaturen. der selben | prophe- 56*
eien sii öch volgete und kerte sich von aller unlidikeit der weite
mit grosser beüerunge und lebete olf ior noch irs mannes tode
und nam do ein gnodenrich selig ende, cristenlich und beschei-
denlich in grosser andaht und vemunlt; sü müste anders ftch
in den selben ziten alse ir man gröpliche gestorben sin noch dez
lieben frünt gottes meinunge, alse sin prophecie dozümole , seile.
Der oren habe, der höre!
Dis ist des heiigen geistes minne glünsendeu ganeisterlins schürebrant, Schüre'
wart geschriben zweien got minnenden erbern jungen jungfröwen under brand
ahtzeben ioren .... gedruckt hei Strauch, Schärebrand. Ein Traktat aus
:o dem Kreise der Strassburger Gottesfreunde (Festgabe der germanistischen
Abteilung der 47, Versammlung deutscher Philologen u. Schulmänner in
Halle zur Begrüssung dar gebraucht). Die Reihenfolge im Briefbuch gegen-
über dem Drucke von Strauch ist Abschnitt : 1^54,57—60, 63, 66, 67,
73 — 81, 55, 56, 65. Darauf folgende drei historischen Abschnitte (bei
Ih Strauch 61, 62, 64):
Aimo domini M^ccc^ Ixvij in den ziten, do unser kloster zudem ersten 1367
ane gefangen wart zu emuwende, do waz ich in eime walde bi Winter*-
tur, heißet der Berenberg, bi gar erbem priestem eins ordens, heißent
die Steiger, under den waz ein gar sünderlicher großer begnodeter gottes
SO frünt, dem got vil großer heimlicboit offenbarte, der waz der selben brüdere
Stifter and oberste prior und prelate und wolle ir keime gestatten, daz er
üt beseße mit eigenschaft von kleidern oder von kleinotem. und in welicheme
er merckete keinre leige neiglicheit oder ufsehendes zu keime sime kleide
0derklein6ter, es werent rocke oder schapperone, gürtele oder meßere, büche-
8o lin oder beilgelin, oder des gelich von aller leige klütterotte und gewerde,
daz jonge lüte gerne hant, daz nam er ime zu stunt und gap es eime andern,
alflo gar fli9S6clich hüte er ir vor aller eigenschaft, daz ich selber sach, wenne
ich wol xviti Wochen bi in und mit in wonete und wandeWie m\nü<^ ^^^isXA'dcc^
,71» geDant unsere ' früweii zelie lu ilem Berburgu, die wile Leb nocb do eiii
iv6ltlicfa 3clii\lor waz aiid weuig godüht hetti', \iai oller mir oder uz udsitiii^
hnaa werden solle.
Diser selbe erlüliteto heiige gottos frünt rette in den selben zileu gar
7il mit mir in friiutlicber minnesamer wanionge von der eigensthaft. wie
gar ein sot^lich schadeber mittel es were allen geistlichen persoiieu. and
wie gar onsicher gü sint ewiges lebendes, die in geistlichem schlne and in
bewerten f<rdenen in aunderheit eigeuschaftbabeut nnd mit hertzon besitiient.
nud niider andern werten sprach er mit großeme ernste zq mir: ime were
Til tröstlicher und lieber, daz üiner briidere einer mit eime wibe verfi'-lc uml i
kint mit ir niahte, waiuie daz er keinre leige eigenschaft in snuderbeit
haben solte, wie doch nulnterkeit eine sanderliche große swere lesterücb'-
dotsiiude ist lidigen weltlichen persoiicn, und ist noch vil großer nnd schenl-
licher gewihten geistlichen priestem ; darüber er in sirae hertzeu schetzete, dai
eigenschaft aller swerest and süi^lichest were. derglich er tet in sinen i
Worten, nud waz doch gar behiit, daz er nit vil eurette, er hette danue ge-
zügnißo des heiigen geiates oder der lieilgen gostbrift. wanne er in d«
gnaden nnd in der gesrbrift vil liehtricheä nnderscbcides wnate nud bekant«
nnd ein gelerter bewerter groUer gottes frünt waz. dem man gar wol ge-
tmwen und gilben miihte and allen sime rote volgen in gantzer sicherbpit di
lu aolicher getrawer fnintlicher minnen nnd meiiiangen <<ch unsur«
lieben stiftere, die heiigen großen gottes fründe, uns vil nnd dicke mit großem«
ernste alle eigenschaft widerroten nnd abo gesprochen haut, daz nnser keinre
von riihter «njrestherkeit in siner conriencien neiglicheit dar^ö hab-ii «'ifcr
gewinnen mag, su wir ireii begirlidien minuendeii ernst ansehfut uii^i b>- r
dunukent und die schadebere hlndeinilte und mittele, die su gehalti-u liant
von der eigensrhaft, und ich bi'gere in gitntzeii truwcn nnd uz lulerre ^•tt«-
lieber minnen lii'h'Vh alle snuderbeit und eigi-nsdiaft zu leidende und tiiii'b
und ndi zii warnende und ßiasecliche /ü verbiitcnde vor allen stondt-n si-
bresten: so der bnitegnm sine brut wurt zu bnse furend-', da/ denne daz :■
brunlol't kleit irre conciencicn gantz und nnverniosigot aige. daz sii ut mit
den dorehten megeden vur der ti'in'U blibcit miisse und uz geslolten werde
von der zale der iizerwelteii fniiide fjottes. dio hie in zit ein geordent geiät-
lich leben Übes und gemut'-s luiniit-nricliliche gehalten baut, wenue uu.-tr
herrc spriihi;t in dem heiigen cwang'dio: mit alle, die di> sprecheui; Low ■
berre, kumment in daz liimelricb, sunder der do liU den willen miiis vatT.r.
der in den himelii ist. rehte alü') ob er s|>rei-be ; mit alle, die du kuttcii iini
wilen oder geistlii-hen ?<'hiu trageut, kumment in daz himelrich. sunder <li-
dii ervolgent mit lebende dozii ir regele sn bindet and ir geistlicher si.'liiii
von iissan erz-'^uget, die werdent ewiclii'h bebalten, unser lieber herre Jitus i '
Chri^tuij gemeinsame unsi in der selben iizenvelten behaltenen zale und iDacli<:>
' uns mit in teiliiaftig und cnpl'englidi alles ■riites und ewiger fr-'iudcn. Aiiwii.
Diuaiifdie Uubrik (bn Strmtrli Ahschnill Sli:
1 v-ir hl i-1 hi u-iiL-i \' -Irr heilf/en / (J> hfilgm ! i-1 Am -.lii'--
Dis Turgeschribene gegenwertige bädjeün. genant des beitgeii goistes
minue gliiosendeD ganelsterlins schürebrant, het cürriifierat nnd probieret
der erninljge geistUcht) vattorbnider ^la.us vou Bluveldea santoFnui-
ciseoa ordeo. der selbe voi^.lBloTeldei) oach diae, nehst^a drie nochge-
i scbribene re^elen daraü. schreip der vorgeachribeaen zweien jungen cloreiin
einre, die ime öcfa dts selbe bücbelin gap zu lesende, dnrch daz aä sich deate
sicherlicfaer niöhte darane gelossen nnd aich danioch gehalten durch alles
ir leben; und vobent die drie regelen alsDS ane, alse er s^ der jungen cloreiin
mit sin selbes hant schreib.
Die erete regele des von Blovelden . . . . Striaueh, Abschnitt: 82,
83, 84, 6$-72, 85, 68.
Dis sintfyguren, also sii in dez obersten meisters me- Mtbt»
moriale buch von des Grünenwerdes stiftunge gemoltt «'»morUn
aint, nmbe daz es ime desto lüstlicher und ahtberer sige
dic^e sich darinne lü ergötzende and die materien id
lesende dorcb der gerümeten Sprüche willen, di bi ieglicher
gemoleten figaren blo and rot geschriben stont noch diser
ordennnge alsns sprechende;
Sonder gnode ist den beschert,
Die dicke scböwent disen Grünen wert.
Sine stiftunge süllent sü eren
Getrnweliche one abekeren.
Processi e.
Hit processien wellent wir gon
Den Grünenwert 16belicb underston.
Inneromeonge desGriiuwerdes.
Der Orünewert wart hie iu gegeben
Den Jobansem of ein geordent leben
Von dem Stifter, Büleman Merswin genant.
In dez meistei'3 von Brunsperg hant.
Des Ordens woffen.
Dis ist der Jobanneser wofFen kleit.
Billich süllent sü sin gemeit
Der gnoden hienoch geschriben,
Wie in der Grüne wert ist blibon. |
D i e Tat r o n e n.
Die heiig trivaltikcit umi Maria (i^ttos miüter.
Sant Johans Baptist udiI Ewaoglist vil gdter
Sint iiiz ürünenwerdes nberste patroneD.
Dio billii'he siillent erea alle personen.
Crucifij.
Cliri^tus 3D dem cnize dio marter leit,
Marien iümer ir bertie versneit.
Hat inittcliddn Johuns Ewan^liM
Hie gegenwertig gcmulet ist
Mit andern liistliclien G^ren
Zit behelfTe mensclilicher naturen.
Die mag sich darinno ergetzen
In kiinftikeit dargfgeno setzen.
Dag aii as allen suodi'ii tretti^
Und übe sich in diseme gohirtte.
Das man mag sprechen tegeüch
Uit mnigoni hertten klegelich.
Als es geschriben stot bie bi,
Umbe dnz dis buch deste hantgerer si,
Darinne steteclich werde bedoht.
liT andaht sipe viilb'broht
Der h
Heil r
dedich si>l halten,
all mag uns ^imde daruz diessen.
Gut lusse uns sin ewiciiche geniollen
Alsv uiiserii vordem ist bpsdichen.
Amen wir billiclie siMleiit alle iehcn.
Jhes
uf s
n ü t e
Mit iindaht man hie sol .'^ch>'>\u'n
Das liitU-r liden uns<TL' IV.weii
l'ud irs Hüben kiiides elieiideii iint
Jbesum mit sineii füiit' wiLn>len rnt
Dil; Mf b liaiit bpfiiil/ct den ü r i'i u e
Abo man in <li;>Mii budie wol ervi
1);^
: V,
IT. ;uu. beiltrer ^'<-ist iilgowaltiL;
;ii]it-nt .ij.< eine bildv lirivaitig,
G r ii n (■ 11 w e r d e s ühcrste piitronen
im« wespiide dri« pürsuneii,
»ii- billidi Milli'iit .:n'ii
uns v^M sim.li'ii k.Tfii.
153f
So werdent wir der gnoden inne
Und teilhaftig der grosaen minne,
Die got zu dem Granen wer de hei,
Also der engel die botschaft det
Dem gottes fronde in Öberlant
Der heiigen drivaltikeit wol bekant,
Also daz ahte capittel bezaget,
Hievor geschriben und nüt lüget.
Got uns siner gnoden günne.
Amen sprechent alle gelönbige künne.
Die visione.
Der engel dem gottes fründe tut offenbor,
Wie man buwen sol den beslossen kor
Und wihen in beder sant Johans ere
Noch der heiigen trivaltikeit lere,
Also er ime in der Visionen gebot.
Die hievor eigenlich geschriben stot
Mit guten worzeichen sunder mittel
Unzwifellicb in dem ahtsten cappittel.
Daz iüngeste gerihte.
Künftig ist daz iüngste gerihte,
Daz dis leben wnrt zu nibte,
Und die seien enpfohent iren Ion,
Noch dem ire libe haut geton.
Denne wurt sich der selikeit meren,
Die nu halteut den Grünenwert in eren. 74'
Dis ist ein vürsihtige warnunge aller menschen, daz Offdicht
man sinen ruwen und besserunge zu lange sol sparen
l sich sumen der erbermede gottes und siner wirdigen
ter und aller engele und heiigen helffe und gegen-
rtikeit in sterbender not, so uns die bösen geiste werdent
chreckende mit vil ungehüren bilden und vürwürffen.
i die müter Maria iren sunJhesum soltovür ans bitten
^ zougende ire megetlichen brüste, und der sun sime
fleischen vatter ir bette soltevürbaz uftragen mit z5u-
ide sine wunden, die er an dem heiigen crüze von minnen
* ans erlitten het.
«^'7-37 rot.
Dis ist eine niitelicbe fern tau imge, wie wir siilknl werben.
Gegen gütte, daz wir in gnoden sicherlicfae mügeiit sterLeti
und die frnbt sines verdienendes in uns iin.t lont verderben.
SehliitK lieg OtiUehUn Hl. 75^.
Dovor ans got alle in sime schirme behüte
DoTch sin« iemerwerendo ewige vett«rliche gute.
Amen wir süllent sprechen mit erbabeaem gemüte.
Dis ist eine aiissivB, schreip der liebe gottesfrünt in Oberlantbnider
Clausen von Lnfene, and seit von der füpf manne buch, wie erdaz snitc
abe schriben. H
Domi
■ Nil
ir lirildür.
e irit IV
)ii. dH
beiuielichnr fiunt und ich d^s üboraio koaiiuuu woreat, daz «ir nül uib briofe
Bchribeu soltvnt, es warn iliiana emHiUicho [iitlalicha sMche. alM solirtip ich bnt
anogondss diser hsUa oineii brief: diu duhto iu riHlhto mit alte smatt. du leb
lau dDirumbe nchrlbon ta\\f, aad or srhrvlp mir diser «elbsa fasten liai-nideTiimb«: li
i«b bAtte gebrochen, «r wulte fluch breeben und wnlto mir oiirh icbriben. nnd achieib
mir onch utta*M rnn otnaiHichim «««hon. und nndsr andsraii «arten so schreip ei
mir alan, dai iiiioh die jauRoo brAdiTH %atti ilaWiit hitt«a. ilto du In «ttevu r'iU'
(Mohribon wunle. alsa lloa ich «i aln lanpi xit slio stoti : do di« At tcTlet nobro,
du ich Rfiprelit unwer inlta sandAn, dn tIbI mir einnE »Abu« glr eniMtllcb« in, )
da£ Ich nüt >><i]te losisii, tdi soll« d«ti Inn^n briidaroii atteiru icbribeo nnism
suliribcii i
Jlie.sus siisscr iiiiinmB sige alb'U den kaut geton
Die Jhfsti tn eri^n widleiit andern kumber Km
lint?.e sii freh^r-:nt, wa?, wirdikeit an Jhesu lit
In .Ibeiu wui-t hl Inihtber die selbe zif.
155*
Schluss des Gedichtes Bl, 80^ :
Dra and drissig ior het Jhesus in widerwertikeit gestritten.
Vierdehalphnndert gelide Jhesn hant alle tclt ans gelitten.
Us solicher andabt ist dise zalo Jheso z\\ eren erdoht
5 Yierdehalphundert Jhesus nammen sinen geliden yollebroht.
Dis sint der weltlichen pfleger namen, der doteu und Pß^^
der lebenden, nad also dicke ein nawer pfleger gekosen
. nnd erweit wart, den sol man zu stunt biezü scbriben an
dez stat, der denneabe gegangen ist zu eime ewigen memo-
10 riale allerp fleger, die iegewesen sintindembase zudem
Grünenwerde, sider ez sant Jobans orden gegeben wart in
gegenwertikeit brüder Cnnrates von Brunsperg, dez selben
sante Jobans Ordens i^berste meister in tütscben landen,
der es von dem Stifter enpfing und in nam dez sannendages,
15 dem man spricbet Judica, scilicet decimo kallendas aprilis ^^^23
anno domini M'^ ccc® Ixx primo. |
Item RiilemanMerswin, stifber und anevobender pfleger. 81^
Item ber Heintzeman Wetzel, ritter.
Item Jobans Merswin, burggrofe zu Strazbarg.
10 Item her Claus Zorn, dem man spricbet Lappe, ritter, an Jobans
M e r s w i n s stat.
Item Cünrat zu der Megede, Stifter dez spittals, an Rüleman
Merswines stat.
Item her Claus Zorn von Billach an ber Heintzeman
5 Wetz eis stat.
Item Claus Junge an Cunratz zu der Megede stat.
Item ber Jobans von Kagenecke, dez bischofes bofemeister zu
Strazburg, an her Claus Zornes von Bülach stat.
Item Pauwelin Mosung an bem Ciauwes Lappen stat.
0 Item Adam Lnselin an Pauwelin Mosunges stat.
Dis ist eine abgeschrift einer missiven, also die drige weltlichen pflegere 82^
des buses zu dem Grünenwerde dem obersten meister in tützschen landen Meister*
sant Jobans orden schribent mit dem buche, daz sü imme gobent von dez tnemorial
selben buses ordenunge und stiftunge, also in disem gegenwertigen buche ^^Jl'
\b der prologus und die totel von xxiiij. capitteln hievor geschriben stot zu
aller nebst noch dem kleinen sexsternlin Rülman Merswins, unßers
Stifters, leben und eigen hant.
6-1 Cf rot, am Schlüsse der Seito »U^ 30 Bl. 81» ist zum Teil, Bl. 81^ gaiu
imbeichiiebeii 35 Tgl. 116*27 ff.
-iU>s«i.
(Inedigai burrH, um Ut sti tr(*lUcb und üul i'ich (to, du ii bin disn silc in
tulxairlK'n Und«» bi uii* wnni'n uMlant uud dei or^uns uiBiater «wdea Biut. (ut pl<
üi;h Kin «TO und u*»t iwliibeit iil iuU«briDftinde in kllen iwch«a leraei »nitlirh.
uiror gnodKi aul Acb «Umiii, du ohmi ordau» hnK lA d«ii [tTÜnoD «er de iim ^
duu mmdorlkhan frundan gotti in grolkr beilikeit und in ^Ati-r orborküt mit ^«nnu
lodalUbou urkAndsn loalinat Ut nordun. aUo di« erwärdtcen sciitiinlun heiT*n. tat
CAnrat lon UiiinabotK uud etoC« Friderieb tuu ZAlio. itv^rc Tvntrac.
dlv ^aloKonbidl onl wuttoiit uuil icb [TUHe miaoK dsnA liittMit: «»i bt iran ilus
du <-alhu buü dum nrdnn tu» den »tifteru in refubitn nart. also uns gvichribsn iil II
(«gAbeii uuGvr iagjlcbnm suaiierllch ein MeniDriiJ bfleh, tri» «t roa (oUe und •(in
■InBD rriinduu vaamiavt und icDiirdeat ist. di« ne\he meinange und ordeuung>^ vir iioh
ueb hi'T Hundent In «inn miDderD bi'icho, lUi wir ücb Kchunktial xi'i uwer uaRtn \iti-
■chsn und Kurdikoiti umb diui ir und «IIa uwere noobkunian i^ch dio galcgeoboit
nli&ent und nilniiB danA gi'viiinniit Ih letruHur roniarxuoge und In vniger ttclir 1
kUDdiain : du mag Arfa got und alnn inirdifa inAtoi wal gedtnvkui. uud wir hItMid
Uiiiu gooda. du it dtsc lohunks uül wvllsnt rgnmoh«n. und baJUgd äis hflcb oooli
urdiiiiaago dur illar ontan tulmrikoa, win dut onto tnsisMr borCunrtd vonBrani-
birg Ai'h «iu incmuriKl hatu und h«b«n wultu glich discui Bulben bfi.h du dn h
illaa In dar nAweds uiit «Im aaUidTttit wm, sk sti nA fiirbu nio nutdärfüg imd« i
«urt, durcb du dur nioi«t(irfoh>A da» ordon* uiamei usgingr und vergesse fciDduA
und gnlnfaübslt dai bnaot iQ d«Di iJrli ne n «t erd e., dlv ir und u«ere nochkoBeB
ei^ Imh fniblbar inaehnn BOtlent mit gotruirer haut{habungn in aller der ordenunga. all
(11 dl" «tilTler und uwera iurdp^rn gnmpint habi-iil, und ir iii di^ in nipm irial biltlm
Anno domini M" cci:" wxix an iiiJttcwnihc in ricr )i(iii^e.-leii
:^c|jorri icli bn'iiler (.llawos von l.ötenf.
\)o iih lier selbe bruder Clauwo^ vim Löfene ^woiilzig
ilt way, worden, do kam ich nnder die Ifichlonbe \i>r dem
>\i'\- /,it Heinrich lllaniiiiai'l vim Liifpne an sancte ■
iiTK',-^ |{a|ili-li'ii tji^e 7S1 siniigititeu iiiinu domiiii M" ct.-c" lix
\va/, de- S(hi-i)jür und diende imi' siJjen jnr.
Anno domini M" tr." IxvJ an sam-te Lux oben des lieilijH'ii
(ififliyieii kam ich zö dem l.ln'iiienu'«'Pde mit RüK-mamii'
■swin. tleiii stiller, nnd warl p|iyst<der frewihpt in der frone- ■
■w vor wirnthlcn de.-^ seihen iores sahhato quo cantatur .A'eni
dcridiv. dovor <lis nelie^ten sunncnlaiifis „üaudeU' in doniino-
^illrL
157*
Donoch zu phingesten wart ich ewangelier gewihet sabbato ii
quo cantatur ^Caritas dei'' anno domini M^ ccc^ Ixvij. donoch m ^^^
dem herbes le des selben iores sabbato quo cantatur „Venite
adorenaus" wart ich zu priestere gewihet und sprach ouch min »^p
o erste messe zu den Kartüsern des anderen tages, scilicet xiij.
kalendas octobris, und waz daz der fünkehenste sunnentag quo
cantatur „Inclina domine aurem tuam*^
Anno domini M^ ccc^ Ixxj an sancte Johans Baptisten tage ^-
zu sünigihlen kam ich in den orden und wart ein Johanser. und ^^^
10 vormoies waz ich ein weltlich priester gesin vier ior uffe der
hofestat zu dem Grunenwerde bi Rülenaanne Merswine,
dem Stifter des selben huses.
Alsus habe ich der vorgenante brüder Clawes von Löfene
US begirlicher minnen die löflfe mines harkommenen states kürtz-
» ■ • ■
15 liehe geschriben hie in dis gegenwertige buch und in etteliche
andere buchere zu eime memoriale, do bi min gegen gotte ge-
truweliche gedoht werde von allen brüderen und personen, die
nu'und harnoch iemer söllent wonen uf diser gnodenrichen hote-
stat zu dem Grünenwerde, umbe daz ich in ewekliche deste
50 gegenwertiger sige in iren memorien mit minnenricheme erneste
für mich zu bittende in allen iren andehtigen zu keren, daz be^
gere ich mit sunderre grosser begirden, und ouch daz man min
iorgezit eigentliche schribe und alle ior getruweliche begange uf
den tag, alse es gevellet und ich us diser zit scheide: dozü alle
15 brüdere und personen billiche gölteliche minne und brüderliche
trüwe bewegen sol diser stiftunge und 6ch den Stiftern zu liebe,
mit den ich alsus zu dem aller meisten har kommen bin in
grosser minnen und truwe, die ich zu der stiftunge gehebet habe
noch allen minem vermügende.
29 Am Schlüsse steht von späterer Hand: ^Aiino 1402 die 3. aprilis obiit
iste fr. Nicolaus de Lovanio, priinus conventualis huius donius ad Viridem-Insulamf
ibidem sepaltus sab lapide AA Fratrum.** Ita über vitae sub dicta die 3<^ aprilis.
Das Pflegermemorial.
Der aller erst Ursprung and auefang der kirchen und des alteu gebuwes
11^ dum ör iiuonwenly geschach der lioiligeii drivaltJkeit zii creii danh
V den erwirdigen woltlicben herreii, herm marsohalck Wernher von Hünen-
bnrg, ah hienocb in dem ersten cappiltel von der oniawerung f^escbriben
stat. der selb erst stifFter onch begraben lit in der selben kirchen under '
dem taindersten glase venster vor der borkirchen inddewendig an der attea
maren, die in den hoff stosset gegen der conventstaben und dem donnenter,
'\i< ni; die frowen stüle st"i]t. do stund bievi>r ein t*rlich erhebet ^rab mil
üweii'U s.'M'ckyn. den einen sarck tiber den andern uff vier steinin sülen ge-
setzt und in die mare gefeltzet zierlich und »delioh nacb altfninsclier wise. i
wann er nuch nobe bi zweihundert joreii ilar begraben wart uff das zile diser
nehsten uaehgescbriben daten; und sine woFTen in einem zwibogeue ob dem
gralie gemolet stundent: ein geteilter schilt mit zweien velden. das r.bet
velt snartz nnd das under velt gelr, und in dem Tiliern swarlzen velde ein
kn'^ger mit einem wissen swanhalse, also die date siner begrebde uff dem i
grabe iielesen wart bi Kulman Merswins. des stiffters, nochgonden ziten.
diF er ilis selbe closter zn dem (irün en «erde von den von Alt dorff
k.mffte und innam und den gebuw anfing ^u ernuneiidi' und zu verandermh'
und •li-i sdben grabes särcko zu altar steinen machte und in den Kwibogen
l'iir die nidfen von Uimenbnrg ''ie urstend unsors herren Jliesu Oristi i'
nmlete im jorc M'Ntc" Ixvj: und das heilig grab uff der selben statt darnach
nianig ior gebalten wart, untz das die fronen stVile dar gcmacbt wurdent.
als ediclieii den ersten und eltsten eonventb rudern des selben hu^es sani
J.>b:ins Ordens «ol ingedechtig ist, sunderlicb bnider Claus I.appc. Imider
r,
159*
Heiiitz vonAndelo nnd bruder Clans von Lefene, die des selben
grabes künde hatten und es vil gesehen hant, e ai zu dem orden koment.
Diß erwirdigen herren marschalk Wernhers von Hünenbnrg
gedechtniß man uff der bofstat zürn .Grünenworde biUich niemer vergessen
so], dann es ist zu gloubend bi diser gnadenrichen ersten stifitung nnd bi
sinem emsthafftigen kere hienach geschriben, das er ein grosser gotsfnindt
gewesen sye, des wir wol geniessen mogent
* •
* ♦
Dis ist von den Memoriale bücberu.
•
Diser memoriale bücher hat der oberst meister in dutscben landen sant
0 Johans ordens onch eins, und ist das vierde, glich sprechend in allen Worten
und materien disem gegenwurtigen buche und den andern zweien sinen
glichen, die den drien weltlichen pflegem zügehoront, wann das die erst
vorgonde geschrift ein ander forme hat und dem obersten meister seit, als
hienoch zu aller nehst, als dise ordenung apfohet, geschriben stet
o Diß memoriale buch ist und sol sin eins jeglichen Abersten roeisters
nnd priors in dütschen landen sant Johans ordens, welicher es dann ie zu
ziten wurt und das meister ampt besitzen und regieren sol. Stimmt überein
mü S. iiÖ*3P-iI7*55 beschiht, mit Ausnahme 117*12 drier pflegerej
drier weltlicher Pfleger 117*23 anegehabenj angesehefi 117*24 oder etat-
0 Halter fehlt.
Nach beschiht folgt jedoch: Und umb das den erbern personen, die
also diß werck in giiter gütlicher meinung geordent hant, ir begirde und
minne erfüllet werde und irer meinung genüg beschee, so soUent die drie
weltlichen pfleger, die dann zii ziten sint, also dick ein nnwer meister zu
o dutscben landen sant Johans ordens gesetzt wurt, im verkünden und in
manen mit briefen oder in ander wise, als dann die louffe sich heischent und
sagent, das er das selbe memoriale buch fordere und zu im neme von des
abgestorben meisters sines vorfaren gesinde oder nßrichter aller siner Sachen,
das ist onch ein bliplicher steter zünemender uffenthalt und behebnng des
0 löblichen erlichen gotzdiensts, als er zum ersten angefangen wart in dem
hnse zum Grünenwer|de, das er desto minner mag abgon nnd nidergeleit
werden, dodurch onch der orden nnd die drie weltlichen pfleger ewiglich in
doste fridesammer einmütikeit nnd früntschaft miteinander blibent, das si
ietweder site einander desto minner getrengen mogent mit keiner nnred-
5 lieber anspräche oder nnzimlicher fordemng in zanckender zepfelnder wise,
80 si ansehen t nnd in disen glich sprechenden memoriale büchem geschriben
findent den nnderscheit aller bereddung, wie es got und sin fninde und unser
vordem in den ersten alten ziten in aller ordennng so gar nß grosser gewar-
sammer fürsichtikeit gestiftet und erhebt hant nß rat des heiigen geistes,
0 also alle dise nachg^schribenen materien gar merglich wisent nnd sagent,
8 rot, diese Cborschrift fohlt 6 0 dieeer dreien G 13 geschrfftj
rubrik G 18 mit D stiinint in den Lesoarten >\ G :U v«V. Vt^'^i^ fL.
160*
der nir billich iiit unalitsain sin s<>Ucut, umb das uir <!er fnichte e«'^ic)i
von ^tt enpfobeniSe und niessendc werdeuL das günne uns der vatter md
der 8Ün und der heilige geist. Jie allmehtigo ewige drivaltikeit, derhochgt-
lobte aller oberste haüberr uDd patron. Amen.
Allen menschten, die cristen iiammun liNnt,
Sol in disem buch werden bekaot.
Welicbe des himels walten allernicist:
Got vatter, siin und heiiger geist,
Maria, die uns Jhesum Christnm gebai'.
Sant Michel und aller engel schar;
Kein gn'isstT darnach in hiinel ist
Dann unser vatier Johans Baptist
Und oach Johans, dtr hochfliegend adeler.
Die sint die «irdigsten himel biirger
Und ooi;h des Griinenwerds patroneu,
Des billich sieh frowent alle pei'sonen.
Die den Grünenwerd meinent in tmwen.
In grossen mirackelii ist die kircb gebuwen,
Als das abtat cappittel kAutlich seit,
Hieoach geschriben mit geworem nnderscheit.
FrQcfatbar ans das wälle got machen
Und sMiclich enden all iinspr sarhen.
Der hüilge geist, genant Hamen.
Hie /.w tiM^ allen belfl'e. Amen.
ni^isLdii; k'st andüruri;j und rmwe stil1lu!i;i i!es dotier s zu dem -
(I rniiou werd mil allen lüulleii, wii.' e^ vuii aller liar ist komca
if Uli eiin stamm in den andern von dem allei- ersten urspruiiü
imlz in sanl .InhaiiH imlcn. kiirt/lit-ti .nerionimeii iili den drieii
urkund liuiliern, dii' 7.i\ dnlscli nm\ /m laliii in dem selben hiist^
zii dein iinmen wcrd sint nndcr dos nberslen nieislers geltoll
inid veibuntnill ewiiJJieli du /.w bliben in licsorüunf; und gelieil-
iiill eins .usters. inid sint diser .LieiJCTiwiirLiücn biiciier ouih dru
eif[entlieb vmi wurt /ti worl uliob sprerhendc in allen inalttriin.
dii- aller notdiirlti^isl sin! y.i\ wissend dnii ilrion welllichen iilleLieni
des vorgenanlen huses zum Grunenwerd und die aller meist
gezügniß und urkund gebent der grossen gnkderichen wirdikeil
des selben huses. upd sol ir ieglicher sunderÜch eins bi im |iaben
in siner gewalt zu eim anggdenckigen memoriale, also lang er
o lebt und pfleger ist. das hant etlich erber personen in selgerets
wise also gefrummet der heiigen drivaltikeit, Marien der lieben
müter gottes, den zweien hohen himelfürsten sant Johans Bap-
tisten, sant Johans Ewangelisten und allen engein, den wirdigeri
löblichen patrpnen, zu) lobe und 2;ii e^en^ und irem huse zu eim
o behutsamen uffenthalt in aller der wirdikeit und ordenung, als es
uß dem heiigen geist in grossen mirackeln durch die frönd gottes
angehaben und gemeint ist mit solicher gedinge : also dick der
selben drier weltlichen pfleger einer abgot und stirbel, so sollen
die überigen zwen uff ir consciencie und bi irem eide . des selben
^ abgestorbenen pflegers memoriale buch von sinen erben fordern
und schaffen, das es sinem nachfcomen werde, der an siner statt
geursasset und zii pfleger gekosen wurt, durch das die drie welt-
lichen pfleger und all ir nachkomen nii und hernach ewiglich
dest me minne hant pfleger zu sin und sich deste gerner übent
^^ durch aller vorgenanter patronen willen löblich das selb ir huß
zum Grünen werde zu hanthaben nach des briefs lut und sage,
den si von dem selben orden darüber hant und hienach in dem
sehsten capittel der ernuwerung geschriben stat. Und umb das
man die materien diß gegenwertigen büchs all, dest eigentlicher
2o und kurtzlicher verstände, so sint die sinne in einer vorgonden
tofeln all vor intituliert und genennt, ieglicher sinn sunderiich,
und mit der zal gezeichent, wo man ein ieglich capittel finde, das
man gern haben wil; und fohet die tofel alsuß ane:
1 . Item die e r s t m a t e r i e ist die ernuwerung, von der ouch das erst Inhalt
SO eapittel seit,/wi6 die lieben stiffter beide glicl^, mit grossen mirackeln und
mit guten Wortzeichen von gotte getwungen wurdent, das si sich müstent
des huses zum Grunenwerd underwinden. und seit ouch, wie es von alter
her ist komen und wie es in dem aller ersten Ursprünge gestifftet wart.
2. Item das ander capittel seit, wie das selb huß in den ersten alten
)5 ziten geregiert wart von dem orden canonici reguläres.
5 Tgl. 117*17 12 vgl. 15y24 ff. 28 im 6. Kapitol der Chronik 171*19 ff.
25 Tgl. 117*35 ff. 29 Tgl. 117"39-119*:30 ; dieses luhaltsTerzeichnis gibt auch G
in etwas abweichendem, Terkfirtztem Texte.
3. Item (las dritt capittel seit, tvie der tiriinewerdt damacb d<^n
swartzeu tnÜDchen Tun sant Benedicten orden wart, nod in welicliea eren «-■
die von A Itdorff bielten.
4. It«m das vierd capittel seit, in wolicber meinung und wenn Biil-
in»n Mcrsn'in den Grüne iiwerdt amb dio von AI tdorff konSte lunl -
in zürn ersten anfing zii buwende.
5. lt«ni das fünfh tapitt«! seit, nie der 6 r ü n e w o r d t nach vi! manig-
fultiger andening lü jüngst aß gi>tlicb<:r fürsicbtikeit des lieben sant Jobui
orden geben wart.
ß. Item das sekste i;apittel seit vun der g7ia<1en nndgunst des C'berst«D u
meislors nnd ist onch der gantz brieff mit aller bereddang, wie der nrden
das hnli ewiglich ballen sol in bantbabang drier weltlicher pfleger, den >^
befolben ist und den selben brieS in hendes hant.
T. Item das sübead capittel ist ein abgeschrift in dütsch gescbriben
von der blyeuen ballen, damit der aller öberst moister zu Rodis über niet n
den rorgenanten brieff nnd all bereddang bcstetigt hat.
H. Item das ahtst capittel seit von den wercken des heiigen geistes and
ist die oSenbarnng mit den grossen mirackeln, durch die der ctior, die sa-
crastie und der nuwe gpbuw gebawen und gewihet wart.
^. Item das nimde capittel seit. Kenn und uG welher metnnng der i
spittal gebuwen wart.
1 0. Item das zehend capittel seit, nH wellier meinung der costlich
lang gang umb den garten und all die andern lastlicben gebnwe gemacht
wnrdent.
11. Item das eiiflt capittel seit von der geziigniß und bowerung alier ;
der vorgenanten capittele, die do sagent, wie der Grüuewerdt \oi\ alUr
ist har komen und gestifftet worden.
12. Item das zwülflf tapittet seit von allen maiiigfaltigen grossen
lideniien tnii'ken, die von angonge sint uff das büß znm Grünen wi^rde
L'et'ulloii.
1 :t. Item das drizeliend cappittel seit von dem endo und ouch ettwiis
von dem gnadenrieben Instlichou uamWl <lcs lieben stiffters Rülm.iu
II" r s w i n ^,
lt. Item dai? vier/.ehend <.';ipitti'l ist die iinder matiTio und das
hin'ii. das man hlnder ßülman .Morswin. dem stiffter. gescbriben faudi .
von den vier joron sin,-! anrtihentlen Icbens; und seit diÜ capittel von dem
ersten jor. in dem er aller kiaift'raansuliat/ nnd aller lustlicber f,'eselbchafri
urbili gab luterlich durch got.
lö. Item das fünfzphend capittid ist lUis ander inid da.s dritt jor, in
den der solh Riilman sn vil grosser libernatorlicber unreiner HÜster bek"- ,-
rnni,' und mitrh ander nmnigt'ullig we lidon miiste.
IR. Iteiri das sebtzeli'-nd capittel ist das vierd jor. in dem dt-r ;eli>
Ulli iniin allt-s liden? ersrolzl wm% mit vil grosser übernatilrliclier l'n'iudeii-
ri.-b.T iuliilieremler ^'nadou.
VI //,>•„ ,!,!• 13. O'ir.lA ',.!}> ,m d''« '■•■l Cnluian M>- r^chwt i«.'. u.
163*
17. Item das sübenzehend capittel ist die dritt matter ie, und seit
TOD der fÜDff mannen leben, ander den sich der erst acbtzeheu ior grußlich
ubete in dem liden onsers berren on allen befintlicben trost
18. Item das achtzehend capittel seit von dem andern manne, wie der
ein lidender eman was und ein erlübteter gnadenricber priester wart.
1 9. Item das nüntzebend capittel seit von dem dritten manne, wie er
ein wol gelerter übermütiger weltlicher jnriste und tumherr was und ein
gnadenricber erlühteter demütiger priester wart
20. Item das zwentzigst capittel seit von dem vierden, wie der ein
judde was und in grossen mirackeln zu cristem glonben kam nnd ein erlüh-
teter begnadeter priester wart
2 1 . Item das ein nnd zwentzigste capittel seit von C ü nr at, irem koch, wie
der ob einem hafen mit müse bi dem füre von im selber kam nnd verzückt wart
22. Item das zwei nnd zwentzigst capittel seit von Büpreht, iremge-
trnwen diener, der oacb ein gotts fründt gewesen ist
23. Item das drü nnd zwentzigst capittel seit, wie der liebe gotts
fründt in Öberlant, Bülman Merswins des stiffters heimlicher gesell,
zu hinderst von sin selbs leben gar kurtzlich schribet und euch der fünff
manne einer ist
24. Item das vier und zwentzigst capittel ist der brief des obersten
meisters in dütschen landen sant Johans ordens, so er den drien weltlichen
pflegern gegeben hat über die drü urkundbncher, die si damit hanthaben
sollent ewiglichen, do zu hüben.
25. Item das fünf und zwentzigst capittel ist ein abgeschrift zu dütsch
geschriben uß dem besigelten latinin briefe über die ewige meß in sant
Jacobs ere von Heinrich Blanghartz seligen wegen von Lofen, eins
bargers zu Straspurg.
26. Item das sehs und zwentzigst capittel ist ein abgeschrift des dütschen
besigelten briefs der drier weltlichen pfleger des huses zum Grünenwerde,
wie si euch zu pflegern erkosen wurdent über dieselbe ewige messe.
27. Item das süben und zwentzigst capitel seit von zweien überblibenden
latinin büchem, die euch in dem huse zum Grünenwerd sint, und die
dri weltlichen pfleger si ußlihen mogent gelerten lüten, die ir begerent, do
si truwent, das es nütz sye und frucht bringe.
28. Item das acht und zwentzigst capittel ist ein tofel, wie mau sant
Jacobs meß halten sol.
29. Item das nun und zwentzigst capitel ist ein form, in welicher
meinung die drie weltlichen pfleger gesworen hant nnd fürbaß jeglicher
pfleger sweren sol.
87 nach dorn '29. Kapitel fOgt (i |Cap. :)0) bui : „Item ein memwial, worin die
ursaeh und urtprunff der Stiftung der ewigen mef zu eren Si. Jacob angezogen
wird, (Cftp. 31] : Item wie das gelt für dise ewige meß heicendst ist worden,
Adi Schlosse fngt Götxmann noch bei : ..Dis ist «Ins register aller capitlen des
teutschen momorial oder iirkund buchs.**
W
ronik Das ersle capilelseit, wie dio lieben zwene stiffUr
Kapiifi -^^ ubernatiirliclier wise von gotte bet'vniigent wnrdent,
dashus zii dem Grünen werde zä ernawende, nud wie«s
von aller ist harkommen und in dem iirprun^e '^e-
sliffteL worden. •
Dis ist dio ernuwi^niiige des linses und der wonunge zd dem G rii n en-
werde und seit, wie es anderwerbe von nuwem uff angefangen nnd erfaebel
ist worden vüh gotte mit vil nrkündes and mit manigvaHigan grossen Wort-
zeichen durch den lieben sünderlichen erlüchteten gottes frtint Bülmaa
Merswin seligen, fandatur und anebeber des selben buses, von giMlii-her v
betwingnisse. wanne in gotte durch man igviiltige grosse swere trücke über-
natürliche in grossen mirackeln und offen borungen dicke und vit darzii ec-
maoetc and treib, das er ime solte ein nawe gottes hus mit einer fcirctien aoe
votaen zu buwende in der stat zA Stroßburg and oucb schaffen, das
gottesdienest mit singende und mit lesende von erbem priesteren dartnue i
begangen würde: das er doch vil zites underwegen Hell nnd es niit bald«
glouben wolte, ontza das er und ein andere grosser gottes trünt in Ob er-
laut, sin heimelicher geselle, beide gliche mit guten worti^eichmi darzd
betwnngen wurdent in einer kristnacht mit solichem grossen sweren lidendvu
we und übernatürlichem e getrenge, das sü beide wondent in todea not siu. ;
in solicher wise sie onch vormolen dicke gar swerlicbe getrucket und ge-
trejiget wurde nt, Rülnian M erswin hie nidenan züStroUburg. und
sin geselle in sinre heimüte do obenan ; nnd in solichem glichem we und tu
gl ich form igen übe nwlür liehen sweren truckeu uud oucb in gliclit-n ir-unieii
und visiunen sy beide in einre wise zu manigen zitten darzü vermanet uu'i .:
getribben nurdent, des sy doch alliss nüt achten woltent usser gnissi-r li--
mi'itiki'it und oucb nsser dem, das sy daclite, nie gutter nol gtlmui'Ut'i
schi'uier cli'ister genug «erent in der cristenheit und mon aber gar nenii'
gut myniii'nder amieclitigiT gi'itlichfr personen finde, die darin gehiTUi'ni.
1 Dl" hl r/r.K n-fl viipiltd \). lii.-.o ^.iir'-.irtiy ru-i-ihrift.
f;..-,„i,,r>l} !,>>,},{. I)
165*
nnd schetzetent also in irme grnnde, das es vil besser and weger were, daz
man mit sollicbem grossen cosien armen lütten zu helffe kerne nnd inir.not-
durfft besserte, das sy hnngers nüt verdnrbent, denne das man nuwe closter
domit buwete. in sollicber meynang gobent sy sieb gar kume darin und
Tingent es gar note an. aber in diser cristnacbt wurdent sy beide glicb
recbte lam, und befnndent oucb beide in derselben cristnacbt in einer über-
natürlicben wise, das es got von in baben wolte und sin müste ; und wart
in oueli von gotte zu eyme wortzeicben gegeben, das sy niemer soltent gerecht
werden nochabe stette mögen kommen, sy underwindent sich sin dan [das] zii
tünde in dem willen, und zu merre krafift und Urkunde dis Wortzeichens,
das es in deste glouplicber were und nit dar zwifeln dörffent, so wtirdent
sy an stette widder gerecht und gesunt, do sy sieb nuwent mit gantzem
willen dorin gobent, das sie es tun woltent zu glicher wise also in vormoles
in der cristnacbt von gotte zu verstonde wart gegeben, und vingent euch
do erst zu stunt ane zu vorsehende und züfrogende umb eine hovestat. und
noch vil manigerleige kumbers und werbendes, so sy hettent umb etteliche
hovestette ussewendig der ringmuren zu Stroßburg, und doch nit kundent
übereinkommen noch wissen, wie es got meinde oder weihe hovestat er
haben wolte, do wurbent sie züiüngest umb die wonunge zudem Grünen-
werde, das dozümole ein alt verdorben zerfallen closter was, und ein heilige
andechtige hovestat, die got mit sunderheite meinde und liep hette, also
dise nochgonde rede wol beweret und bezüget, die do seit von dem Ursprünge
nnd von dem ende alle die werg, die got domitte gewürcket het. Sit das
es zu dem allerersten mole gestiftet w^art, das nü in disen gegen-
wertigen zitten by den zw^eyhundert joren ist, do wolte got sine
werg würeken und sine erbarmhertzige gnode unverdienet giessen
in den weltlichen herren, Herren marschalg Wernher von Hüne-
burg, der dozümole gar ein wunderlicher barster und wuterich
was und ein vigent disser stette zu Stroßburg; und reit uffe
sy und kriegete mit ir und schedigete sy, wo er möchte, und
in (lisem kriege do würckete der milte erbarmhertzige got sine
gnodenrichen werg mit ime noch ettelicher wise, also er tet mit
dem lieben sancte Paulus, und gab ime einen kreftigen ker von
allen sünden und machte usser eime grymmen wolffe ein senfll-
mülig schoff, das er sin leben wart bessernde, und versünde sich
mit gotte und mit disser stat und wart ir beider fnint, und ving
do an dis closter zu stifftende und zu buwende der heiligen dri-
valtikeit zu lobe, dozu ime die vonStroHburg zu sture gobent
:\ nit hungerB D 8 gerech D, £ 11 dar] daran D, E 12 nuwent
sieh I) 19 die J diese K 23 und dem D :):> schoff Jlemhdin D vgl.
ISTiff.
Iß«'
die hoveslat und alle die almeiide, die ielweder ^ittc daibi uiul
darumt) lag von saiiete Margreden closter untze haniber ulT die
Brüsrlie. und das was in den zitU'n aUessamenl ein wilder
hegechler werl. vol hi'irsten und wilgbönie, darhar es ilan ouch
heis»!t der (irünewerl. und die kii-clie wart jzewihel in ere >
der heili^ea drivalLikeit des frilage^ in den osteren achte ta^e
noch dein karl'ritage, und ist zi\ glonbende, das es bescliehe in
luteire andechtiger meinunge dem würdigen lidende and der fro-
lictien urstende unsers lii'ben herren zu sunderlitheine lobe üs
solicber begirde. das die kirwihe alle ior jerliche deste anoileii- i'
richer und allen menschen deste fniclitbarer wurde.
'' Das ander capittel seit, wie dasselbe hus in den
ersten alten zitten gerogieret wart von dem orden
canoniL'i ret;ulares.
DonoL'h wart dis closter xü dem Urünenwerde geoppfert i
und bevolhen dem orden canonici reguläres, die hielten es zii
dem ersten gar in grossen eren und besattent es mit gar seligen
begnodelen andechtigen priestem. die es gar löbeUche und heilek-
liche besungent mit ^Tosser andacht; darzü es ouch got Fiigete,
das in den selben zitten ein i-ardinatc von dem riimesi-lien ImlTe -
baruH in tiUsi'he landl kam und gr.-i'hickct wart in botsehant
der heiligen kirchen mit vullemc gi'walte de:< liolii'sles. und wüid
dis closter der visitierende und ansehende die andacbt uml ili^'
heilikeit der kirchen und .Jen eniesL und die lulere :j.itli.lie
meinunge der iirie^lere untl den grossen erliciien hmjhj-^eliipli.'ii -
nauien der heiligen drivaltikeil, de^ wriniiu'en patroneii. umt
gaf discme i-lusl,er die lülkirelie zii di^ni allen >anete PehT luil
' dem kiri'lifii.-ittze lunl mit aller ei^enl-rlialll und zuüelimde 'lir
nid>;e und allei' gcn'eile, da^ die dienen solt(;Mt den |irie,-teni /.'i
irre lifilichen Mi>ldiiili. und ^ii\]' ouch dazu us beliesiliiln-n.' ■
j:ew^d[e dem tein|>el di. ;'..Uhiises r|,T licili.üen drivallikeit zu .■i-m
167*
appelos ungesummet one alle zale, also vil sin gewalt erzügen
möchte noch eins iegelichen menschen begirde und enpfenglicheit,
der disen selben tempel zii dem Grünenwerde mit andacht
visitieret und gnode darinne suchet ierliche ufT den achtesten
ö tag der vorgeschribenen alten kirchwihen, also derselbe grosse
appelos alle ior vellet und in der cardinal geleidt het namhafük-
liche uff den fritag viertzehen tage noch dem karfritage. und
also lange die lieben ersten priestere canonici reguläres in
göttelicher mynnen blibent und den Grün en wer dt der heiligen
>
0 drivaltikeit zu lobe in eren hieltent, do versorgete si ouch got,
das sie wol furent und genüg heltent und riebe wurden t. aber
damoch gar kürtzliche do ire nochkommen den ernest unde die
andacht abeliessent und got lüterliche nüt me enmeindent und
des gnodenrichen tempels unahtsam wurdent, do ließ ouch sy
o got und underzoch in sine getruwe helffe und sine riehen miltten
goben, das sie geriettent verderben und an zitlicheme gute mangel
haben und gar arm werden, und alse sy got vor in irme ersten
ernste versach frömedekliche, das in die kirche zu dem alten
sant Peter wart durch den cardinal: also schuff er donoch gar
0 vil frömedeklicher durch den bischoff von Stroßburg, das sy
in Widder genomen wart, wanne er sich ir underwant und in-
corporierte sie sancte Katterinen capelle in unserre frouwen
münster.
Das dir#tecapitel seit, wie der Grunewert donoch s.Ka^
5 den swartzen münchenvon sancte Benedicten orden
wart, und in welen eren es die von Altorff hieltent
Und do die canonici reguläres das closter zu dem Grünen-
werde wol hundert jor in irre gewalt hettent gehebet, do hettent
sie ime sine gütter verseret und versetzet und vil sins eigens
0 verkoulft und es gar arm gemacht und die hintersten priester,
die noch den hundert ioren von den canonici reguläres des
Grünenwerdes waltetent, die worent also gar verdorben und
arm worden, das sie ime weder geroten noch gehelffen me kundent.
11 da« sy (/enüg hettent und rieh wurden I) 12 gar fehlt D Vi me
lüterlich D 17 gar fehlt D 18 fr.vers,!) 22 vgl. Straßb. U-B. 11, 23
36 und - hidtent fehlt G 20 verseret und fehlt I) 32 gar fehlt D 33 me
fehlt D.
168*
und iioment waiiete li<'neiUcteti ordeti an sieli und wurdeut swarUc
miini.he und gobent das closter zu dem Gn'iDeiiwerde den
von AUdorff, das sie ime solteiit wider liellTen zu rechler goUe-
licher ordenuiige, aber sie biclten es oiich uiil in gar vil grosser
eren; si visitiertem es alle ior einest zi'i den zweien tdrwihen ^
noch den oatern und noment dag oppfer und besattent es mit
eitne geselligen priester irs ordens. der hielt dicke und viele
iiar ude gesellesoballt von pfalTeu und von leigen, die gar vi!
uufure begingent ulf disser gnndenrichen lieiiigen gel mannenden
hovestat glith also in einer tafernen. unde do es die von Alt- i«
dortf ouch wol ulT hundert ior geregieret betten in sollicber
unacbtsamer rutbelosikeit und zerfallen und verwüistet was, und
die heilige andechtige kin:he stunt ellendekliche und öde also
eine scbiire alle zit vol alter vasse one allen gottesdienest, wanne
das ie zu hochgezitten eine messe darinne gesprochen wart und '^
etwenne ouch in der wuchen,
■I , Das vierde capittel seit, iu weler meinuiige nnii
weiine HiUman Merswin denGriinenwerl umb die von
Alldorff knuffte und es zu dem ersten anevin« xn
liuwende. -
i) I iiu dl M _no leiiiitiie lin\tBtat und kirtlii -o \d / II
d-^e .11 tUnidikli lie unbt iingen ^e-liii len wd'- und <1li ^ebii
alli r-anitnt \ i-'te giiiet /cilallen und /ergon do wolt«, doch !»
hnligt ilniechLige diuiltiktit /n iiiii{,e^t iicn tempel eren um!
'-IM ere ernuwen und lurbuiit-tii IuhIi den <(;cnanteii Rnlmiii
Mit-win d(r di-i -dbe Imvestil koullte umb die lurnn \oii
\lt I irll - mcii l.en(>di(,t<n oiden und \m^ sit oui li iu /u er
nuwi nd( u— -ei -■ni -olbe- ^iiti und \\ nl die alt« kmhe ei
h h( I und mit i im{ niiwdi ticlu un 1 gdpern -ehe— -eit und
mit emu --te I III I ik(ii turnt Mntulctl und die alleie xerruiki I
du li iiit 1(1 \\i li in lri\altik(,it iltd un 1 ( inc nuwe captlie in
d 1 I illUii Mit lupoide tie ^ebinvi n du do wuidont giwihet /ii
169*
iem ersten mole ah sancte Katheriuea tag des iores, do man ^^^
salte von gottes. geburte dritzehenhundert sehtzig und siben iore. ^^' ^^
Aisas het die almechtige ewige drivalükeifc, der gnodenriche minneklicfae
dleruberste hochgelobtester patrone, dise lieben Stifter, sine oserwelten ge-
lorsamen front, durch vil grosser swerer trncke zu diseme buwe getwungen
md in ouch in übernatürlicher wise mit gütten Wortzeichen zu rerstoncle
gegeben, das es sol sin ein huß der flucht allen den erbercn güthertzigen
nannespersonen, sie sigent pfaffen oder leyen, rittet» oder knechte, die in
^6ttelicher meinnng die weit begerent zu fliehende uQd ir leben zu bessernde:
lie mügent darinne enthalten sin und iren pfennig zeron erberliche und ein-
altikliche zu den zweien molzitten mit eime züchtigen zimelichen beschei-
lenen wandele, doch das des huses priester und die heimeschen brüdere nit
ron in gehindert noch geirret werden noch in keinreleye wise besweiet noch
,'eschediget mit unordenunge oder mit überflissigcme unzimelichen costen.
Item das fünffte capitel seit, wie das hus zu dem ^.Kapiu
jrrünenwerde noch vil manigvaltiger anderunge zu
üngest US göttelicher fürsichtikeit des lieben sancte
fohans orden gegeben wart.
Und nach vil mannigvaltigen löiflen und anderungen, die zu
len selben zilten noch einander in demselben huse zu dem
jrrünenwerde beschohent mit weltlichen priestern, die do an-
ringent darzii ze werbende und darinne zu wonende, donoch die
\ugustiner, donoch die growen müniche von sancte Bernhardes
)rden mit vil grosses wolgeziertes heiltumes, donoch die brediger
ron sant Dominicus orden, die alle harumb wurbent ie eine parte
loch der andern und es gerne gehebet hettent, und das an gar
deinen frömeden dingen ie zümole entslug und wider abeging,
10 sy ud das hinderste darumb geredt hettent und alle artikele
ier beredungen mit irre meisterscheffte urlop und gehelle be-
etzetent und verschribent und übereine kommen worent ; und wenne
33 ie eine parte noch der anderen mit vil kummers kume dozu
irochte, das men es in irren grossen capitelen bestettigen und
7 allen den] allen D 14 costen oder andern heswerungen D 21 rfo
'ohlt P 22 Nach wonende fügt Götzmann in G bei ; d<in laut dessen, was Wuder
Nikolaus von Löffene, einer von den ersten brüderen des orden St, Johann
utgt, tcie zu lesen in dem teutschen Memorial buch pag. [P] und in dem
Bruderschaflsbuch mit F bezeichnet hin den sub lUtera C, daß er vier jähr als
^Micher priesier in dem haits zum GW, bei Bulman Merechwein dem
4iffUr gewohnt bis aufs Jahr 1371 . . . /' 26 das je zu ziten gar an Jdeinen
' * mUHiug D und das] und doch E zur Sache t«\. \d4*4(^%.
170*
beaigeleii sulle und men keinen hinderslag nocli abegang inc daran
iiemcrken kunile, noch danne so viele iemer etwas gar geiiiger
frömder Sachen darin y.n eime zeichen, das es die almechtigp
beilige (Irivaltikeit mit meinde und es widerwendig machte: also
bekümberten und arheitetent sich die pai-ten alle vergebene, und i
ging ie eine us, die ander in ungeton, das ir keine niit furgaiiges
mochte haben untze zu iiingest, das die Johanser dorumb wurbenl,
die ouch got do haben wolle, also er wol erzeugeLe mit gewo-
reme inerglicfieme urkünde, die dem liebeu fniade in Oberlaudt g«-
ntTeiiboret wardent, ahe erBülmau Merswine, sime ^seilen, in heime- \-
licheit harabe sctireip ; und mich in dem, das es so gar richtikhche
und einTaltikliche mit kurtzen wortten zuging und verendi^el
wart nne aller leige jxespan und liindemisse, zu stunl du sie
nuwenl darumb redende wurdcnl und man sie verhören wulU'-
und ist zu ^oubende, das die heilige drivaltikeit das weltliche i
voig darinne gomeinL habe, umb das es sol sin ein hus der flucht,
das es ouch denne si aller rneo^eliches get'iig, ob ieraaniie die
gnode wurde von ritteni oder von knechten oder von andern
erbern bürgern, das sie ir leben gerne bessern woltent und die
weit lliehen, das daniie ire nalure deste myure ersi;hrei?ken und ■■'
^i\\\i\\i'\\ d'ii'ITc ijdci' wiilei'qui'llc haben ah zu vil stnmgheil uiui
verworllcnhcit, und es in nucli deste ziinüliclKT sigj^c vor der
weite, (liis CS in die weit dcsti' ininrc verkeren muge, und nm h
keim: ^ehani ilni'IVcnt liahen, um!) das es ist ein endelicher eiliclu-r
Ici.izen nrdori, .üestilTtct ulVe rittersi'iiailt, in dun vil WDlgebunuT -
liniiiimer (tnrlolicher liiiiden' v<mi erbenue ge-iiehle von iilter liar
.Lieweseii sini und noch ist. w;nme der vnrgenante H itltiuiii
Mcrswin und sin liBimelitlier geselle in i'liiirliiudt. 'iii; lielien l'üIIt^
iViiiidi' uiul biilltcTc. lind nucli aridiTe erbere |iersonen, die in ilcii
/Wim desselben huses -ewiilti;.; WOfcnt und an in slundt und t- ■
mit Iruwen ineindeut, die beLlciid uIh" ^ar weni^ niynnen zu dfii
|ieisoneM in samte .lnbiins nrden iiMd misse viijleiit in sn ümsse-
liehr an iime wandele iiinl \\ureiil, in also jiar widdcr/eme in
iiTiie siTiiir. <la- -ie da< vesteklielir in shb satlcnl imd oueb ■jeiil/-
r\*
171
liehe meindent: ehe sie iren willen iemer darin woltent gegeben,
das der Grünewert den Johanseren wurde, so woltent sie e
vil lieber erwelen, das er verbrante. in derselben meinunge
woltent sie ouch vil ziles nie keine rede von in darumb hören.
ö aber die almeehtige ewige drivaltikeit meinde alleine die Johanser
und wolte sie do haben für alle andere, das in billiche ein grosser
trost und ein dangneme gobe von gotte sol sin, die sie binde zu
grosser mynnen, das sy den Grünenwert ewikliche in deste
grössern eren haltend mit erberen personen und mit eime er-
10 hohen löbehchen gottesdienste. us sollicher grosser fürsiechtikeit
and ouch us rote der übernatürlichen heimelicheu fründe gottes in Ober-
landt, het der liebe stiü'ter Rülman Merswin dem ordene
das hus zu dem Grünenwerde ufTgegeben in gegen wertikeit
des entwürdigen geistlichen Herren, brnder C Unrates vonBruns-
15 berg meister in tütschen landen, der es von ime enpfmg und
ufTnam des sunnentages dem man sprichet Judica, scilicet decimo
kalendas aprilis, in dem jore do man zalte von gottes geburte
dritzehenhundert sybentzich und ein iore.
1372
märz 23
Das sechste capitel seit von der gnoden u n d <?• Äaj»i<«i
io gunste des obersten meisters, und ist ouch der
gantzeb rieft' mit aller beredung e, wieder orden das
hus ewikliche halten sol in hanthabunge drier welt-
licher pfleger, den es bevolhen ist und denselben
brieff in henden haut.
i5 Der vorgenante bruder Cünradt von Brunsberg donoch
so vil mynnen zu dem Grünen wer de gewan, das er sin
wonunge dorinne erwelete und ime vaste zu helile kam und es
gar getruweliche versorgete und grösliche stürete an liplicher
notdurfll und gap ouch dem egenannten Rülman Merswin
Jo einen brieff widderumb under sins priorates ingesigel und under
etteliciier pflegere und hüsere ingesigel in der oberen palien, wie
sich der orden verbunden het dis hus ewikUche zu haltende, und
mit sundern vürwortten, das es sol sin ein hus der lluclit alse
dovor bescheiden ist, wie es got gemeinet het. zu demselben
2 M> - erwden J »ij tcclten e ei'wden D 4 darumh von in E 11 ursprQng-
lich konnte gestanden haben und ouch um rote der fründe tjctfes 1' do man
JJ8 vgl. 170'16, 169*7.
artikule nuch der Hebe stifUer Riilman Mcrsuin us gütteiicher
oilenborunge und von insprechende des heUigen geistes allermGist
fliK3P8 liette, wie er wol versorget wurde, das er niemer abe-
ginge; darumb so sint drie weltliche leyen darüber zii pfleger
gesi'tzet, die denselben brieiT in henden hanl, die i'uch alleweget '
jieursosset si^lent werden, alse dicke ir einre stirbet, durub das
sie dozi'i warnemment mit üissiger hüte und versorgeiit by de»
peilen, die darüber gemacht sint, das die artickel sjehalten werdeni
und der briell' ewiküclie in allen sinen kretlten blibe, dei- eigent-
lidif nnd gantz vim worte zi"! worte ua dem besigelten brielle "
ge^hnben i-^U alsu^ apre liendo
WirbrnilerCimratv nBrunapei^saiitJobans irdens des heiligen spitals
T n Jherusakin nieibter in allen tuschen landen tniit kont allen den, die
disen brief sehPDt oder h lent lesen <]az mr ange'^eheii hant siinder frnnt-
Sihaft hebe nnd begirde sj der | erber wolbescheiden man Ki'il man Mer- li
V 1 D burger zu btraf bürg dem gakn gotte nnd dem gaten lierren saot
Jibause nnd miTem orden en uget bat nnd daicb sinre sinre rorden and
sinre uoLhlLnramen seien hede^ willen Interliche and unveltekliclie dnrcb ^ [
g< t geben hat das l1 ister nnd aar has za dem Grtinenwerde, gelten bi
Strazbnrg ussewendicii der mnren mit kirchen, buseni garten nnd allem i
begnlTe und lugeborden und ch fünfzig pbnnt jerliches geltos Strasburger
pb nmnge d mitte er das \ i^ nante Hoster und*, hns gestiftet nnde gem-
l'-nft )nt als 1 t> *' b inbilit uni d n t wi uii ernie orden lüitsin-
f. II le uiile mit K eiid d e \eKli lieii t,ebilt n »erd und umli da?, sinre
I itn m ji un^e \ llet n n riie geutzlithe und d/ c thrher lieiist, lob anii ;
(ip le te 1 lliklii-hei /unemnendL \ ■^.o sint wir mit ime uberein knmmeii
Irr ) l1 ^ ein btiitn p intin i n I art keleii die \\i cb gelobont for uns
I I in ei 1 Ik inmene I iiteii truwen i lli liebe /i vollefurende umi
1 ! r> r I nUl u balt(.mlt
It e t laz I r ^urg nnil Rnlem tu Mei'.Min her II ei ntzp- .^
II 11 U i I ui II hin MersHin li r /u im darzu g"ni>nimfii
I I k 1 t II iit lern \ rg nuit<n hu c gttruHelicbe leroten un<l
I 1 11 11 1 il I II per lev biii i al-t «elre kuiutur desselben buses
I r ti n I Ml I i n ilkn luiiltrn uii 1 meiatervchtfte des (irdens ''eb
I 1 i I u Nu t ) I lij^i t od r lis bn'ies gut 1/ es nu het oder bernwii :
M 1 n I lg iiiMi imet \ r K nait 1 ( 1 1 In i r n li kein meist^r-
! I I M-i 1 n ei iln i ni it I r )i rn U kammeiit. snil,.m
kein des huses eigen, dz es na het oder hernoch gewinnen mag, nüt ver-
setzen, yerkumberen, verköffen oder verenderen one der vorgenanten drier
phleger ond ir nocfakomen gonst, wissende and willen ; wer öch, dz keinre-
hande jding hiewider beschehe, das sei kreftelos sin and keine kraft haben.
5 derselbe kometore, der des hases gut innimmet, sol öch alle jor vor den vor-
genanten drien phlegereu and vor den brdderen rechenange tun and gentzliche
bewisen alles daz, dz er ingenommen and asgegeben het von desselben huses
güteren ; und wenne men 5ch entfande und gewar wurde, dz er unendeliche
mit des huses guteren umbe gegangen were oder dz hus zu schaden brecht
0 hatte, den sol die meisterschaft noch des Ordens gewonheit darumbe stroffen
und och denne darvon tun und es eime anderen befelhen mit rote der bru-
deren desselben huses zu dem Grunenwerde, dersy duncket der nutzeste
und der wegeste sin bi irme orden und bi irrem crutze und uf ire couciencie,
wo SU in vindent in demselben huso oder uswendich in eime anderen huse.
5 Wer es och, daz got eime weltlichen manne die gnode gebe, er were
ritter oder kneht, phaffe oder leyge, dz er sin loben besseren wollte und in
demselben huse begerte ze wonende bi den brnderen, welre denne die vor-
genanten drie phleger duhte, daz es demselben huse gegen gotte nutze were
bi irme eyde, den sal man do halten zu dische und zu bette alse einen bruder
;o of eine zyt in zu versuchende, obe er dem huse fdgliche sige oder nüt, oder
sinen lebetagen, obe es sygdt duncket; doch sol er dem huse alse vil geben,
daz men in one schaden halten möge, und welre weltliche man willen bette
sinen lebetagen do zu wonende, den sol men verbinden mit briefen orden-
liche und bescheidenliche zu lebende und vor dem ordene und dem kometure,
5 der ein oberster des huses ist, reht zu gebende und zu nemmende von allen
eachen alse ein bruder. und welre weltliche man iemer darkeme, er were
phaffe oder leyge, der dem kometure und dem meisten teile der brüdere
desselben hases misseviele und unfuglich were, so soltent sü es den vorgenanten
drien phlegeren oder iren nochkomen sagen, und die soltent denne schuldich
0 sin, dz sü in heissent enweg gon.
Bian sol öch keinen bruder noch leygen entphohen in dz vorgenant hus,
er sige danne zwentzig jor alt oder mer.
Wanne och wir gemanet wurdent von den vorgenanten drien phlegeren
oder von dem merren teil, so söllent wir dargeben alse manigen priester
5 nnsers ordens, alse sü begerent und daz hus erziehen mag und nütme, welle
sü wellent, der es ehte gerne tut und minne darzu het und och nüt kometure
noch priol enist oder ein anbahtman, an dem ein hus gentzliche stot.
Und söllent öch wir noch unser nochkomen derkeinen niemer dannan
geschicken über der drier phleger oder der merre teil wissende und wille.
0 Were es aber, daz ir keinre missetete wider sinen orden in welen weg
dz were, den sol und mag ein meisterschaft in demselben huse stroffen und
besseren noch des ordens reht und gewonheit.
Were es öch, daz sich kein bruder alse vaste vergesse und verschultete,
daz es dem orden nüt füglich were, daz er do verbliben solte, den mag ein
- 10 nieisterschaf !
inetKUrscliaft daaoaD scbickeu nnd einen anduren brador an des stat wider
schicken, den die vot^enanten drie pllcger oder der meire teil begerent oud
der es von minnen gerne tiin wil.
Wir enwellent ocli mit. daz kein Bruder des ordens daz voi^nnant im»
in kwnem weg mit keimehande gastunge bekiimbere oder naioüasig macli* •
nber iren gi'itea willen ; welich hrüder i'icb dz frereliche überginge und diu
und unsem nachkommen oder sime kometare verkündet wurde, den sollent
wir oder sin kumeture darambe strotVen noch des ordens rebt
Ks sol Bocb wir noch unsere noihkommrme noch kein Dieistenrtaafi
noch der tirden keinen »fsatz uf daz vorgeiiant Uns legen noch setzten tn u
keinem we^; were es och, daz der orden einen ufsatz uf alle hnser tüle»
müsie von des bobcstes oder des keisers gebot, noch dnnue sollen wirof du
vorgenant bas mit legen noch setzen.
Och sol daz Torgenant bus jerlich ze respons geben ober nier sechs
golden und nüt me. und s.Mlent och dz furbasaer mit besweren mit keime i:
respons.
Wer es üch, duz got mit welle, daz wir oder unse nochkommen oder
keinrQ unsers ordens brüder dirre vorgenanten stucke and artikele iemer keis
gbh dbgg Id g t pfleg d ire nocbkomene
wrtwdt nd doddmrrtl nnd n nianent eineD '.
mt dda nitndmh t 1er schaffen, du
diigbs.twdiu m man d darnoch ge d dete er das nül,
s( inng nt b t, n d kund n etm k m t D rolt7.hein nnd
1 n Iffd tihtrh Idrton w^rde iu
d i I t t 1 t d irgenanten drie :
Ifit'i tld Ik dl Iff re aiiegriffen di.^
1 illl^tl d t,tlig hiVent. die mit
It t tgltJ Itm g g It und die liatieu
i ^ It 1 I g t d d b ste und der ar-
klJII g fctllbrtdder gekeret were, "
11 I hk m d d b ir mit schirmen
K bll Itd I nmhtt bebeston. kel-
I k I k I g 1 1 d Itl che. ketn lani-
t I 1 It I 1, It 1 ^ h t t tte d 1 ides. wanne uir
I IUI Itd I d tte wir oder un^nr 8
hk I t 1 I ü dl rnoL'h in keinen
II (, J J 1 d b b ht Uent die vnrge-
1 )ll 1 (, *■ I ' •> <i wider (.'cbetnlic
t t I II 1 t I 1 b >" «Q hetteni.
I d I 1 i I H g b g t llent die under>-ii "
I I t t k Im b ne .-yde. der su
I k 1 1 I I 1 d genanten iwew
I I 1 II. I tk d t I llg den einen dirlen
) I 11 t 1 1 ter ist desselben
i t I t ili IL dirtcn pflrger ;
175*
erkiesen; und welen danne die Torgenanteu pfleger oder der merre teil ander in
bi irme eyde, alse dovor geschriben ist, einhellekliche erkiesent, der sol mit
den vorgenanten zweygen pflegeren des huses pfleger sin und dem sol men
och danne yerbanden sin alle die stucken und punten, die dovor geschriben
sint, veste und stete zu haltende one alle geverde. und alle disse vorgeschri-
benen stucke und punten gelobent wir bi guten truwen für uns und für alle
unser nochkommene ewekliche, veste/ stete und unzerbrochenlich zu haltende,
und heissent och und gebietent allen pflegeren und bruderon unsers Ordens,
die nu sint oder hernoch kommen soUeut, bi der tugent und kraft der heiligen
gehorsamkoit, daz sü alle stucke, punten und artikele, die hievor stont ge-
schriben, veste und stete haltent und dowider sich nüt setzent noch tünt in
keinem weg, heimelich noch offenliche, mit werten noch mit werken, by in
selber oder ieman anders von iren wegen one alle geverde.
Und zu Urkunde aller dirre vorgeschribon dinge, daz die veste, stette
unde unverbrochen blibent, so haut wir der egcnante brnder Günratvon
Brunsperg, meister, unsers pnorates ingesigel und och diso nochgeschriben
cometure, pfleger und bruder, mit der rote wir och alle die, ding geton hant:
Friderich von Zolre zu Yilingeu, Wernher von Eptingen zu
Basele, Wilhelm von Girsperg züColmar, Johans von Gra-
stein zu Doroltzhein, Cünrat von Sulzmatte zu Sultze, Wern-
her Schurer zä Sletstat, commenture, ir ingesigel und och die nachge-
schribene convente der huser zu Doroltzheim, zu Colmar, zu Binowe
und zu Sletstat derselben convent und huser ingesigel gehenket an disen brief.
Wir die vprgenanten pflegere, b rudere und convent bekennent, daz
alle dise vorgenanten ding mit unsrem rote, gunst und willen beschehen
sint und verbinden uns och und gelobent für uns und unsere nochkommen
und den orden gemeinlich alle dise vorgenanten ding veste und stete zu
haltende und niemer dowider zu tünde one geverde.
Und des zu Urkunde, so hant wir die vorgenanten pfleger unser eigen
ingesigel, und wir die vorgenanten convent der vorgenanten huser ingesigel
zu des egenanten unsers herren des meisters priorates ingesigel gehenket
an dessen brief, der geben wart uf den zwelften abent nach dem heiligen
wienacht tag, do man zalte von gottes gehurt druzehen hundert sibentzig
and ein jar.
Item das sibende capitel ist ein abegeschrifft in 7.Äa/i
tCitsche geschriben von der bliginen bullen, domitte
der aller oberste meister zu Rodeiz über mer den
vorgenanten brieff und alle beredunge bestetiget het.
35 In der folgenden 1. Spalte ist dor Text der Urkunde nach Schmidt,
Qottesfr. 46 wiedergegeben, in der 2. nach dem lateinischen Original (Bezirksarch.
Straßbarg H 1853 [4]). Bleibnlle an Hanfschnnr. Auf dem Umbug links : Carfreejta;
rechts : Begfistrajta, Auf der RGckselte befindet sich keine von NvL. geschriebene
Dgabe. 35/36 m tütaehe geschriben fehlt E, ¥.
Kunt si allen den, die disse ge^ii-
wertige confirmacie werdent sehende
uder hörende, das ans bnlder Bay-
mnnt Berengarii, von gottus
gnoden ein demütiger nteister ond
ein hfltter der armen cristt des hei-
ligen spitals saiK-te Johaiis zii Jhe-
ras&Iem, und unserme i^onveate zn
R 0 d ei s ist nuwelingen fiirgeleit und
hant gehi'iri>t, wie der besclieidene
man Eiilmaii Merswin. ein bur-
ger zu Strolibnrg, babe gegeben
nnserme ordeoe onikticbo das has
and die tirebe zd dem Gninen-
werde. das durcb in von nuweme
off gostifftet ist uml gelten in der
vorstatzii Stroßbiirg, mit sichern
gnttem nnd giilten, die z& demselben
hase und kirche wartent und geViront,
zi'i sinre tind zu sinre vorderen sele
heil mit versicherten wisen. gedingen
und beredungen, und darnmb sü sint
wir gebetten, das wir die vorgenante
gift daiigbpvlirli li,ilH.Tit iin.l »nls»-
fellekli.':.' ■ ■.. I, ■■■■- !■■■ .< .:■ :■
i>rdi-iii;vi.u Kulm^iniic :
iiauii.'iitbfLtTtriiit luriln-litiT
1..1 I
.d].:i
geivtreste und biipiiolisEi'. iirici ivir
gabietent alh'ii unseren bniderpn, den
gegenwcTligeu und liiMi kiinlTtigeii,
von warf states, griites oder nanrniejis
Sil! sint, bj di-r tujrtüil und kralTt der
belügen geliorsamc vestel(iii-h>.' und
tnie.-tlifbe, das siewiiider di^^'t vn-
Nüvcrint universi et singuti pre-
sentem confinnationein visnri et »ndi-
turi, quod cum ad andientiam mtsln
fratris Itaymundi Berengarii,
dei gratia sacre domos hoapitalts i
santi Jobannis Jerosolimitani m^-
ätri bumiüs et panperum Christi cii-
stodis, etnostri conventos Bodi do-
mos eiusdem noviter sit perductom,
quoniam discretus vir Bnlmann) li
Merswin civis Argentineusis
doTDum CTim pcclesia dicta sü dem
Grüen Wert[!] per eum de nom
fundatam sitam iu bnrgo civitatis
Ärgentinensis cum certis bonis )
et redditibns ad ipsam domom et et-
ulesiam spectantjbus et pertinentibus
in sae et parentnm snornm animarom
snlntaro lemediun) cortJs modo ionoi
pactis et uondiciouibns dicte nostr« :
domui et religioni per imperpetaun
contalit et donavit sicque uobis prop-
torea supplicatum, ut donacionem pre-
dlrtam bab'^rcdignaremur gratamflT
; - : 1 ■■:i;i!i gratia fotilirniare;
1 !■!■■■ :itioaem harn- audisn-
ij ■ lnDiitionem premissnui
' 11' i.imbabentes et gratam
I I ■■ : liiKitu consilio eam aui- ■■
iiiit.i-i- ].^ ■iiiiiuTn si et prout '/t '■if
uiuJu furma pactis et condiciimJbiif
quibiis pernorainatuui Külinauum
fu(t-,i Pst (liete uustce domui et reli-
gioni et i-uii'-össa de nostra curta
scieutia et speciali gratia perpi'tiii:!
teuiporibus ralifii'amns, e midi iga ran.-,
apnibamiis ai' etiam cunfirmamiii
mandantp?s iiniversis et singulis; frJ-
tribiis dnmus nnstre prespulibu* ei '
fiituris ciiinscunque statns. gradus
\A wnililionis extiterinl sub vinnit
sante iibedientie firmitor et districte,
ne ninlra ]irfdictas nostras ratifica-
tioni'Di. einologati*inemapröbiitioneni ''■
177*
genante unser confinnacie and be- | et confirmationem aliqaatenns facera
stetignnge in keinre wise niemer ge- vel venire presamat, qninymo effica-
tdnt oder sich vermessent dowidder citer perpetno eas servent In caios
zn tdnde, sonder sy sillent sy ewik- rey testimoninm bulla nostra comu-
:> liehe in krefiften halten, dirre dinge nys plcnnbea presentibas est appensa.
zä gezngnisse so ist unsere gemeine j I^ata Bodi dievicesimameosisocto*
bügine bulle an dissen gegenwertigen i bris anno incarnationis domini mil- 1371
brieff gehencket. Gegeben zu Ro- lesimo trecentesimo septuagesimo. ckt. 20
d e i s des zwentzigesten tages in dem
0 anderen herfostmonate, dem man spri*
chet october, in dem jore do man
zalte Ton gottes geburte dritzehen-
hundert und sibentzich jare.
Item das achteste capitel seit von den werken desd^JEa/irM
> heiligen geistes und ist die offenborunge mit den grossen
mirakeln, durch die derchore, die sacristige und der
nuwe gebu gebuwen und gewihet wart.
Disen vorgeschribenen brieff besinnete und besorgete usser
Rülman Merswines, des Stifters, begirde und meinunge der
> vorgenante bruder Cünradt von Brunsberg, meisten in
tütschen landen, selber mit grosser fürsiechtikeit und mit langeme
furrote gar wolbedochtikliche ufT das aller götlieheste und blipli-
cheste, do in duchte in aller siner bescheidenheit, das es nüt
were widder gotliche ere und widder gesetzede des ordens.
'^ Donoch sendete der stiffter Rülman Merswin des selben brieffes ein abe-
geschrifft den lieben gottesfrunden in Oberlant, die hienoch geschriben
stont in dem bdche von den fünff mannen, nnder den ir einre ein gross
raeister pfaffe und ioriste gewesen ist, one der rot Bülmann Merswin
keinre leige sache gerne enden wolie ; und die schribent ime herwiderumbot
0 das in die artikelo des brieffes alle gar wol gevielent und sie gar gottelich
und gerecht dachte ; daruff sie euch zu Urkunde dieselbe abegeschrifft bi in
behübent zu eime ewigen memoriale. Us sollicher flissiger fiirsieehtikeit
und mit rote der erlüchteten gottes friinde und ettelicher gelerter Juristen
nnder in, sint die artikele des brielTes alle in sollicher bescheiden-
5 heil begriHen und gemacht, :das sie der orden mit guter con-
sciencioi wol halten mag one alle übertrettunge irre regelen und
Statuten. Unde die drie weitlichen ptlegere mngeut euch selber wol mercken
und verstau by den grossen gotteUchen offenborungen und mirakeln dis
gegenwertigen aclitcston capitels, das in die heilige drivaltikeit, die liebe
8 BO gfjf^ben E 14 die Überschrift lautot« urrtprQnglicb : seit trie der chfft'e, . .
Sri Ysl- 134*21 fr. S9 acht$st€n fehlt £.
Ricaer II, VI
!7BT
müt«r ^ottes nml ülledisse noch ges ch ri benen gnixlnn rieben patronen taaiir
zwifel nol gedanken nnd gelonen im'igent and wellent, nbe sie keiore leie
knmber und unmüsse iemer gchabent von iros gotzhoäes ivi>gen zd dem
Grünpii werde, es zQ hanthabande und zu bewsrende in aller ^i>tteli«hM
ordeoDUge and nieynange der lieben erlüchteten gott^ frunde und stiffter» <
noch lote und sage dez vorgcnanten briefiäs. den sie uach ewikliche in allen
einen krefften unverändert in irre gewalC behaben and bebütten Eollent ui
onch flissekliche warnemen, das die artikele alle gehalten werdent bi den
penen, die darüber gemacht sint and in demselben bricff geschriben stonL
das ist denne ein veste fandament and gäte stüre demselben hase. das ts ;*
gar grüslich mag werden zünemende an erberen götlicben personen und an
aller genubtsame lipliche und geistliche, wanne was ia demselben huse
zu deme Grünenwerde by des lieben stilTters Rülinaii Mer-
swins zitten ie wart anegefangen da-* ist ale^ament kommen u>
rote d z he I gen ge tes w o wurdent ou h e tel che d d u
der tand und e hebe d e g n e de noch haben w
das g n ouch 7 tunt w dder a e nd he e k nen f gan
und SU de 0 wa e comra nin e un d e b udere d
e ben z en gar gro lic e da ufT getr bben da e gerne e n
seh nen he hcl en ge v Ibe en ho he en gehebe de s e ou h
n d m hov a k t! che ane nßpn nd da fundamen e e
IM P d
d d e c n u d
bleouJar nebe
e n d
a d
RülmanMerswin gedochte ouch einen nuwen sin. disse beiden
sinne ert>.nttent sie dem lieben gottesfronde in Öberlant l)i Ruprecht
sime diener;in Totfrogender wise, weler sinn im allerbast geviele. do riet
er nnd.ojicii SnprecXt und go][>en^ iren willen donn, das man solte
5 die alte kirche Terandem und nmbeiceren. des wolte aber die almecbtige
ewige drivahikeit nnt, alse demselben lieben gottesfrdnde In Öberiant
geoffenboret wart nff^ des lieben sancte Jooobes tag in dem iore, do man
zalte von gottes' geborte dritzehen bundert jor and siben und sybentzich iore»
dieselbe offenboronge er ouch berabe scbreip dem vorgeDanten Rülman
0 Merswin, Stifter des huses zu dem Grünenwerde, sime beimelicben
gesellen, in eime brieffe, der onch von werte zu worte eigenlicbe nnd gantz
hienocb geschriben stet und denselben ersten rot widermffet und alsus
sprichet. ' '
Es folgt der Brief Nr. 2 S. 77* mit folgefiden Lesearten: 77*24 wart
5 fehlt D, E 25 obe dazjdaz D 2o/26 also - zitgonde J also wurden mir die ougen
Vfm rechttr müde zugon D, E 27 wie ich 1) 28 waz gekleidet D 32 also
fehlt D 33 oder] und D wie er H 36 also fehlt D daz du hinahe - 37 hest
fehlt 1), fi 39 also fehlt D 78*1 nehentmuren wöl mag brechen D 2 ouch
fehlt D 10 machen- gademe] bruchen zu einer sacrastien D machen z. einer
iO sacr. E 13 «o fehlt I) 20 gebüwe sol man alles miteinander I>, E 22 noch
meJmeJ) 24 <io fehlt D, E 25 do fehlt D 26 die hie in der zit . . . uorent
D. E 29 gebutcen fehlt D, E 33 ich sol nuzemol I) 35 «ö fehlt D 86 die
fehlt D 87 nuwent fohlt D 39 vor d. herzen fohlt D, E 41 nuweut
fehlt D 43 zu fehlt D und daz] das D 79*3 und kämmet fehlt D, E
U 11 rehie fehlt D 12 wie du D, E \A es nu ] es V, Y. 16 Bülman-
2ö frogete fehlt D, K 31 doch fehlt D, E Geben an sant Pet&rs tag m dem
iore do .man zdlte von gottes gebürte' drüzehenhundert sübentzig und süben
ior d; E. Darauf:
Alsus ist die alt kirch und der nuwe chor und alle ding
>o eigentlich gemacht und geordent nach disem briefe recht in aller wise,
als es der engel von der heiigen drivaltikeit wegen verkundteuii^ offenbarte
dem lieben erlüchteten gots friinde in Öberlant, wann alleine das der
heiigen drivaltikeit altar an siner ersten alten stat unverändert
und unveruckt ist stonde blibeu zu disem hindersten nuwen ge-
'5 buwe und ouch zu dem ersten, do die alt kirch erhehert und ge-
bessert wart; das wir billich von gott nemen söllent, das. er es
durch den heiigen geist also wiirckte und haben wolt. und die
überigen altare,, die der engel dem commentür und den brüdem
erloubte zu setzen und zu wihen nach irem willen, do stet einer
*. '. . ) > . • . • -*. • . ••-^j ...
1 vgl. Brief 1, 3, 13 7 vgl. 77*21 AT. 11 ouch fehlt D eigenliche u. g,
fehlt 1) 12 stotjist- E 29 der Brief sowie der Schluß des 8. und d«.s ^ . ^^-
pitel fehlt bei Schmidt 34 zu - 36 erstem fehlt G.
1S77
juli 2!>
180*
in dem lUten gebuw ussewendig zu aller nebsl in dem chore.
und ist gewibet in ere des heiligeo criilzes und des wirdi|:en
lidens unseps hepren; die andern zwen altare stont in dem nuwen
tiebuwe ussewendig vor dem chore. und der eine zu der rechleu
silen, als man zu der chorUiren ingeU ist gewihet in ere sant i
Jacobä Zebedei, sant Peters, sant Paulas und aller apost^ und
der lieben saut Marien Magdalenen; und der ander altar zu der
lincken siten nebent der chortilren ist gewihet in ere der eilff-
tusenl megde, für das in ir capelle wider abgebrochen wart, und
uuch in ere sant Kallierinen, sant Agnesen, sant Margredeo und vt
aller jungfrowen. diser nuwe gebuw, chor und kirehe, die sacra-
BÜe, unser li^>en irowen altar und die drie überigen alter worden
all vollbracht und ouch gewihet in der vorgest;hribeoen wbe und
verkCmdung des engeis an der zweier heiigen uposlelntag Simonis
tSjs und Jude, do man zaite von gottes geburl drizelienhundert si- ';
'J. SU bentzig und echt jore.
Kapiid Item dis |9.] capittel seit, wenne und us weler
meinunge der spitai gebuwen und gewihet wart
L'nd nach aller diser geschieht (In gesehach. das ein erberer
wt'lliidier burgir zu Strasiiurg sich diT weit etLwas abetet und -
;.eriiil vil /.ü den Johanserii wundein utV die gnade, als der
(inin'ewerdt angesehen und geordent ist snliehen menschen /.ü
eirn lluchthuse und die mittelliche glicheit des lieben sant .lohans
Ordens, der niemant zu strenge noch unerlich ist, er sye loch in
vva^ States nder adels er wolle, das bewegte und zooh denselben '
liurger und sin dich huKfrow, das si beide einhelliclieh meinten
ir li'hi'Ti y.ii bi':^sern und der weit urloh /.ii ^jebende. um! solient
i>u<:h an. ila^ der orden :.;e.-;[ifTtet isL ulI die werck der erberrade
und s|>illnk' halten snllcnl in allen iren i:onvcnlen, wo si es it-
/liiieii inögent, darulT oui-h ir reiiel gebület einem icglichen bn'tder, ■■■
das IT Kflniwe sye sinen lien-en den armen siechen, wann c-
diT vierd arljikel isl. ilen alle die j^elohen müssont, die siili zii
disem heüüen niden verliinderit. darus fiewunnen oueh dieselben
/.\\<-\ einte rninne und i^inade einen .-^pittal zu machen utT di^er
^niidenrichen Imlstatl ziun Uriinenwerd und baten den com- '■
:: ii».-<e<-^ hilxtt I 11 iV's,;- .fll»' r, i;. 'li dem Jm-e ih K IT .ii(
mentür imd die brüder sovil und so lange mit solichem grossen
fliß und ernst, das man in nit versagen künde, man mAst irer
minne genäg sin; und der convent enpfing si in die grosse brü-
dersehafil mit libe und gute, das si uffopferten gott und siner
h wirdigen mäter und dem lieben sant Johansen lidderlieh uß der
haut, die sehs werek der erber mde damit zu übende und arme
dürfitigen damit zu halten und zu spisen nach des Ordens Sitten
und gewonheit; und gelobten ouch damit luter und küsc^ zA sin
untz in iren tot und all beide on libes erben zi^ sterbende, wann
0 in ouch got vormals nie kein libes frucht verlihen hett, das otieh
die bruder aller meist darzü zwang, das si von eonsciencie irer
minne und meinung nit gedorsten widerston; und werent sin doch
gar vil lieber liddig gewesen von Zufalles wegen frowen personen,
die si nit gern bi in betten ufT der hofstat wonende, us sollicher
i& begirden vingent dise zwei elüte an gott zu lobe den spittal zu
buwende mit stüre und hiliT des erwirdigen geistlichen herren
bruder Cünratz von Brunsberg, meister in dütschen landen
do vorgenant, wann er ouch groß minn dazu hatt, lunb das es
ist die erst und öberst sach, damit der orden in dem Ursprung u^
to dem heiigen geist zu Jherusalem angehebt und gestifllet wart.
In solicher wise wart der spittal zum Grünenwerd gebuwen
und die capell gewihet in ere des heiigen sacramentz und der
lieben frowen sant Elisabethen von Margburg und der
heiigen jungfrowen sant Marthen und aller lieben heiligen des
^ft nechsten tages nach dem Palmtage, videlicet secundo kalendas
aprilis, do man zait von gotts gehurt drizehenhundert achtzig
und zwei jore.
Item das zehente capittel seit, us weler mey-iö.Ä
nunge der köstliche lange gang umb den garten und
0 alle die anderen lustlichen gebuwe gemacht wurdent
Nu mercke mengelich und nemme mit flisse war, wie gar
eriich die hochgelobete drivaltikeit den Grünenwert gezieret
het mit dem wol geordenten gebuwe unde dozü grösliche be*
gobet mit göttelicher gnoden zu eime erberen behutsamen uffent-
4 mH fftite E 6 9wedich§ damit E 9 oR beidt fehlt E 8twhend§]
Uibmdi E 19 die oberste E 22 und ouch m ere der Kjm^gfr. £ 24 und
- • l. Ä. E 26 m dem jm^ do E vgl. lOnb«. 'i^ i^. VY?>«..
192"
halte Kbes und seien in aller notiiurlll, wanne der liebe sliftfr
Rtjinian Merswin us grosser s'"')lte''*^'''er mynnen und mei-
nungen den boumgarten zierle und machte mit dem küstlichea
nrgange ufr das .aller tröstlicheäte, so er in siner sinnelitihkeil
künde erdencken. mit lustliehen burnen und Wassergraben, ilies- '
sende und qwellende, der ein teil widder verworlTen wupdent, mit
natürlichen badestubben und mil alleme anderme gemache, suro-
merhuse, slubben und kammeren, do sich die bnidere inne Tim-
gent ergetzen und ergun unde aller irer Upliphec notdurlTt pllegen
one schedeliehe ■verbildunge irre fünll' synne, durch das ir con- u
seiende in desto mynre erloube und gestalle ussewendige kurtze-
wile und ergetzunge zu suchende; wanne er bi sinen zitten den
brtideren zii dem Grünenwerde usser grosser naynnen dicke
emeitliche geroten het mit munde, tmd sin heber h^imelicber geselk-
iu Öberlant mit vil myiinesamer briefe, zii einniiitikeit und zii schu- v.
hende alle wibes persunen und mit stmderheit niemer usser dem
covente zu kommende one grosse notdürftige redeliche sac-he
oder das sie gehorsame darzü twinge. und sie totent ouch beide
allen iren llis, das sie gerne erworben hettent von der meister-
schalTt des ordens, das die j>riester zu dem Gninen wenie ?
soSlent sin verbündt;» gewesen inne zu lilibcnde: do bokante die
meislerschalVt, das as nit blii^litli were noch mil fHdden ^fstmi
iiiöchle, man werde es gröslirhe beneidende und hindfn'edendc.
da^; man iüiiiaii zu solichen runderen wisen verbinde, die d(r
nrdt'Ti gi'nieinliclie nit enlliiiltel. und ist gelossen zii eins icur- :
lii-hcn Lriidei-ö beselieidcnheil und conscioncjie, das er inne bhlilir
uor-li dri' liehen ^oltcs t'nuidt' rot, dor meinuii'je i>uch mil snnder-
liril ircwrsi'ri i.-l, lias kein prii'stcr zfi dem üriincnwerde luil
/ ] tDii'lf >nl liaifcn mit kfiiiru zitlii.lien dingen niicli mil wt-ll-
Üilieinc gf:^<lu'll'edr. das sie verljüdcn rnnge oder in ein saiiie
pJl^'ie iisziiRonde uiidor da^ weltliche volg; ire hertzen und alle
Ire sinne siillent allfine hektimbcfL sin mit dem gutteliclien am-
liailit{', iii<7.i[ sie verordnet, jiewiliet und sieunient aint. ouch helle
dersi'ihe vurgenante liebe slilVliT Külman Merswin so vil
■grosser mynnen zu den bn'idern, das in duehle, das ire gegen- ;
183f
wertikeit sinre paturen zu lusüich wer.e; und zwey jorevor sim^
tode do unterzoch er im selber den lust und tet sich von in und
buwete ein sunder wönunge nohe by der kirchen, durch das iechte
er de^te faiihre sache hette vü harüs zu gonde durch messe hö^
5 rendes willen und indewendig messe gehören möchte nAdjß tag
und nacht stelikliche alleine darinne bliben möchte, und do e^
sich viertzehen wachen alsus abgescheidenliche darinne geübete
one alle ergelzunge und trost der bnidere und aller menschen;
(lo wolte er den bruderen ouch gerne einikeit und abescheideh-
0 heit liehen, das sie deste me mynne gewinnent inne zu blibende,
und berdfifti) sie ns gOttelicher offenbornDge und seile in, das er. von gottQ
darzü betwangen were, das er in sagen müste, also das er ia, demselben
viertzehen wachen me übernatiirlicher grosser fruidenriche g'noden and tru?
stes befintliche von gotte befinde, wanne er vormoles by allen sinen ta^n
5 ie befant. und was doch wol drissig jor ein grosser gnodenricher erlüchteter
mensche gesin alle zyt voll friden und froiden, mit dem got vil grosser dber-
natarlich fromeder wunder wiirckete, also hienoch geschriben stot etwas von
sime lebende.
Itemdis [11.] capittel seit von der gezugnüsso \xi\diLKapi(4
>o bewerange aller der vorgeschribenon capittele, die do
sagent, wie der Grünenwerd von alter ist herkommen und
gestiftet worden.
Nu ist diß von der bcwerang, wie derGrünewerdtin allen louflfen
as dem aller ersten Ursprünge von alter her komen ist, als hievor geschriben
!5 stat. das hantgeseitzwen achtzig jerige priester von sant Benedicten orden,
die eltsten and die erbersten, die bi des stiffters Rülman Merswins
ziten zu Altdorf f worent, als si es von iren vordem horten, and darzü haut
onch die aller ersten priester und brüdere von sant Johans orden, die noch
den von Altdorff zu dem Grünenwerde koment, under den etlicher von
0 eim leien ufi mit dem huse zu priesterlichem ampt und zu dem orden ge-
zogen wart und eilff jor vorhin uf der hofstatt zum Grünenwerde ge*
wesen was und gewonet hette, e der Johanser orden darkam. und umb das
die ere gottes and sine gnadenrichen werck und der gute götlich anefang
der erbem gesellschafft deste minner abgange and zerstört werde von uusern
s nachkomen, and ouch das si deste me minne darzu gewinnent und sich der
gnaden dest enpfenglicher machent, und das der heiigen hofstat zum Grü-
nen wer de ewiglich deste me eren erbotten werde und onch das der gute
gottes and ouch siner lieplichen neigung, die er zu demselben huse hat,
niemcr vergessen werde, darumb haut dieselben ersten priester von sant
ä buwett im selber D echi£ fehlt D 11 in, er wer von gotl hezwutugen D
14 befintUehe fehlt D 19 Überschrift nach £ Diß ust von dem eilffUn, ca-
pädD 25 Tgl. 13*5 28 Tgl. 13*26 29 und deren !l) V^4 darvitnb %o^^
184»
JobsttB orden die gritlichoD nrkande and Wortzeichen und all die tüolTe, d^nil
diti haß ernnwert ffarden Ist, oucb iti diü buch gescbriben eigeotlicb aod in
all«r ffiso, als äi von anegengi' ^egenwnrticlich dabi worent und es seilet
sobüut, merckten nnd ?ers_tundent, nnd tracb dio briefe Seiten, die der lietw
»orgeDant gotts fnint in Oberlant zu manigen ziten herabe gescbribeD '•
hatte dsn brädem zu tröste, wann er behaute Bülman Merswin, »neu
beimlichcD gesellen, den lieben stiffter, in solicher grosser demütikeit. das *r
im nit getruwete, das er iemer geseite Toa den Russen wundara nnd werctao,
die gott darcb si beide mit dem Gninenwerd gewiirckl bette, die doch nit
alle gescbriben sint. nnd hellent die wort in sinen briefen, wie das er in k
grosser Zuversicht sye, das got etwas kiinfftigs grosses gnadenricbs wertks
wdrcken wMte mit dem Grünen werde, das der böse geist gern hindert«
mit sinen manigfaltigcn fn'mden listen, domit er dasselb hall von ane^DE:
in vil wisen gehindert hat, das billich alle bräder and personen steroken
und bestetigen sol. die iemer do w<)nen oder dar wandeln s'illen, dassidest* li
minner erschreckeut und schühent oder abtrünnig werdent mit wancksl-
mälikeit, übe got ir keinen durch ettliche trücke and getrenge von innen
oder von nssen übende oder bereitende würde, wann alle gute g'jtlichewerrt
dnrcU liden und manigfaltige grosse swere trücke müssent beweret werde».
inen were anders nit zfi getruwonde. '-'-
iapit«! Item dis fl2.J cappittel seit von allen den maiüg-
valtigen grossen Udenden trücken, die von anegenge
s i n t u f f d a B hui! zu dem (j r n n e uw e r d e ^ e la 11 e n.
In soliclier vur^eauhriboiicr lideiider wise derallmeuhtiaeewigi'
got vil siner werek gewiirckt Kai mit dem Grünenwerde und ■.
mit allem dem, das darzii getnirt uud damit her ist komen in
gniTitlicher beworung durch vii grosser swercr frümder tnicke und
anstnsse. in dem er doeii 7.\\ iedem inole in den gn'iäten ni'iton
und hühsten swcncken im sin ^nade erznigte mit getruwer väller-
lichur ubürnaliirlicher helH', sn im all Zuversicht entweich und im :■
all natürlich sinnliche wisheil verseile, nnd sunderlirh beschach
es in den ziten, do das groll wasser uher lanl lielT und richsetr,
/■V7J do man zaite von gotles gehurt drizchen hundert si'ibentzig und
an. H yjp,. jQj.g jn jß,, awülften nacht Ejnplianie umb die zehend stundi',
das von iiberiger ungestümer ci-atlt und gmsse des wassers und
• lucli viin swen,' de,-; lautes fVinffhundert vierteil rocken, die dem
obersten meisler des nniens unlani^e davor an schulden worfiit
IJ ./,„■ >,n-n.' V. II '■11' die V. U ,illi,-!>-J trlir/,,- f \< 13 "-(-'
186*
worden und ufT dem huse ob dem donnenter in sinen slossen
logent und das huß bi dem wasser also gar überludent und be-
swertent, das die mure in das wasser viel und das fundament
▼on ungehürem grossem getrenge sich heruU über das ertrieh
wandte und zu öberst gelag; und viel der dormenter und das huU
nidder der muren noch mit solichem gruwelichem erschrocken-
iichem gebrechte, das meniglich möcht verzagen; also gar gruse-
lich und mit grosser craiTl zersprungent die brustböume, die treme
imd das gesperre und aller gebuwe miteinander, die bünen und
die wende, und ouch starcke nuwe kisten, spanbett, sideln und
kensterlin bi den priestem in den kammem, deren sehs des Or-
dens logent in iren betten in dem ersten hertsten slofTe und ver-
fieient domit und blibent darunder ligende mit einem hinlichen
eilenden weinenden geschreie etlicher me dann zweier stunden
lang, das si niemant finden künde noch gewinnen möchte; also gar
tieir und swerlich worent si in dem gerere und under dem ge-
treme versuncken und verfallen, und was der swere groß huQe
kornes allzumole ufT si gerisen, in dem si allein on alle ander
not billich erstickt und verdorben sin solten. und behüte si doch
got gnediclich in übernatürlicher wise, das ir keinem nie leit ge*
schach an übe noch an geliddern one allein eim fromden priester
des Ordens; der lag bi inen ufT dem dormenter in gasts wise und
was ein commentür zu Obern Sulz bi Gebwyler, dem wart
ein fi'iß geqwetscht und ein wenig versert, des er doch gar schier
genaß.
Damach beschach es aber umb sant michelstag, do man zalt iS75
von gotts geburt drizehenhundert sübentzig und fünfT jore, das **^'' ^
ein gesellschafl mit gewalt in das laut kam. den sprach man
Engeilender und was ein gesammelt mutwillig volck on houbt,
die kein ursach betten jemant zu schedigen, wann das got die
cristenheit durch si plogen wolt. und von grosser not und vorcht,
in der die stat und das gantz landt dozümol was von der Engel-
4 ungehüretnj unmessigem, gniufeticheme K ß erschrockenUchem geUrfchte/
mtgehureme, grossem^ gebroeheize und ersehrocketüichenie gekt'^cheUe E 8 und
fehlt E zei'kwMent und zersprungent E G hat die ganze Erzählung gokarzt
11 deren] der do Y, IT und darzu E 20 nie] me £ 26 (ies iores do
£, Cr 28 gewcU her m die landt E 20 rgl. zur Sache KöDigahofen, Chro-
nikM der deutsehen St&dte 9, 815 31 angnt und not E.
186*
lentier wegen, so zerzerrle man yai' vil hüser in (Jen vorstellen
und brach in die decher und die vordersten wende abe, die zii
der innern stat und gegen die ringrauren gekert waren, und
das.-elb verfallen hüll uf dem waaser zum Grünenwerde woll
die 3tat verbrant haben, e daon es nach dem vaJIe wider ge-
buwen wart, umb das die Engellender sich nit darinn enl-
hallen sollen wider die stat zii vechtende. und der rat salzt es
ou h umb und ib llnedbdenn
und md
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187*
kondent die ringmure ^dadurch zu fürende, als si dozämol dachte;
und do si in demselben fürsatz. den gebuw untz an den garten
brächten und etwas darin gefaren worent und abgebrochen hebten
wol uff fiinfeig schuhe, und do sieh die bruder des garten und
des lustlichen ganges gar vertröstet betten und nit anders wis-
seien, wann das in die stat zu irem gebuw haben wolle, und
da ir wercklüte sollen anfohen zu graben, do fürkam es die all-
mechtige ewige drivallikeil und gab dem werckmeister und dem
rate einen andern sinn, das si mit dem graben uß baß von den
Johansern fürent wider das wasser one der brüder: werben und
wissen; und bleip in der gart unzerfüret und wärt in darzü durch
uß von vom an dem lichofe untze zu hinderst gewitert me dann
Ix schuhe, das geschetzt w^art für eins völligen ackers breite und
lenge, das die stat dem Grünenwerde zugab gegen sant Mar-
greden closter in koufTs wise umb viertzig pfunt Straspurger pfen-*
hige, das ouch nach allen löuffen niemant anders kan gesch^tzen
noch geachlen wann für ein götlich werck des heiligen geistesi.
Item das dritzehenste capitel seit von dein ende is.Kapita
und ouch ettewas von dem gnodenrichen lustlichem
wandele des lieben stiffters Rülman Merswines.
In bemmelicher vorgeschribener manigvaltiger frömeder wisen
het unser lieber herre das hus zu dem Grünenwerde dicke
gelossen swattichen und swancken und vil grosser frömder Irücke
daruff Valien, die nüt alle zu schribende noch uszüsprechende sint.
und hielt es doch allewegent mit sinre almechtikeit uff vor allen
sweren sorglichen vellen und undergengen zu eime zeichen, das
er es mit sunderheit in allen truwen meinet und es ewikliehe
hanthaben und versorgen wil in allen liplichen und geistliehen
Sachen, alse lange die brüdere und die zufallende gesellensc4ialt
und personen nu und harnoch in luterliche und einmütikliche
1 knndtni- der stette und aller wenglich, arm tmd rieh gtfüglicher teere E
9 garjgatitz und gei-we allzumöle E (o und-7 graben] und zu denselben
zUen, do ire grehere soUent anegevangen haben dadurch zu grabende E 8 ewige]
keüge £ 9 rote uf dieselbe stunde E 11 gantz unzerfüret E 12 aller'
hmderste 13 eins groi^n voUichen E 16 ouch fehlt E 17 noch geachtm
fehlt E götlich fehlt E 18 der Wortlaut des 13. Kapitels iu G ist nicht mehr
mit Sicherheit zu erkennen, da Outzmann den Text zcrstackelt hat ' .23 swattichen
und fehlt D frömder fohlt D.
ins»
minnen und (nKfieirv^ÄIffiA" wU eime riehen gfllten getruweode
und sin !op und sin ere begereii und ertbigende und one alle
eigentachaiVt zu lebende noch ires urdens regule; also ouch das
seliie hus in dem Ursprünge erhebet und gemeinet wart hy des
lieben stifVters zitten, des getrnwen erlüehteteu gotles fnindes '
R Ulm an Merswines, der do aneving mit geswulst zu serweniie
und zii siechende des jores, do man zaite von gottes geburtie
l3S:i dritzehen hundert iore achtzig und zwey jore in der selben vasten
und umb die osteren, und kranckele von tag zu tage ie me
"'■ so untze an den mendag ni>ch I-'etri et Pauli ; do gap man ime den "
iüngeslen touff, das heilige oley. in grosser krangheite, die ouch
gar grösliehe an ime zünam untze an den l'ritag vor sant Mar-
Ji 11 greten tag, scilicet Iranslaeio sancti BenedictL do was er ouch
alse gar von allen sinen kreften kommen, das er sich nit me
'i> 1^ envermochte. und des sunnentages danoch do gelag ime das "
gespreche, das er nit vollekummekHche nie gereden mödita; rmd
lag also untze an den sehsten tag stetekliche cnitzewise in grosser
unmacht und sterbender not glich eime hienzugge mit gütter inde-
wendiger vernunfTt; aber die usflern sinne und alles lipliches essen
WB'^ ime die hi'mdersten seh? tage znmole vergangen, wanne ■*' -*
vi! das maii ime tages ein kleines ziiekerlin mit ein wenig ^•'-
brantes huiirewassers inllössete. in disser grosser krangheit unil
in sterbender not leit er sich giir getuUiklicIie und senl'tmötikiic.hp
iuV in one alle unüestiimc ;^üherde untze an den t'ritag noch sunt Mar-
gredcn tag crastino Alexü, scilicet quinto decimo kal. auiiuaü. -
dn ver.:!i!iied er in der singenden nonen. und was sin ende etlewa?
streii'ii' und herte und schein ouch dozü gelossen sin von alleme
giitlelirlicmc t^niilintÜchcmc tr^isle. und ime wart ouch der tot gar
siirc, also er nuch us gullclichcr mynne dicke ^inisliehe liegcrtp
dem lidende und dem tode unsers lieben herren ettewas noch- ■
züvolgende, al:^e unser herre Grintus noch langewerendem lidende
(lez l'rila^es zu nunc zyt an dem heilige crütze slarp; wanne er
was gar allziimole ein •rotmyniiender übernatürlicher erliichteter
^•.-„■■„df a».l IVhh |i ; .(-.i J..,r.- 1. Iilt !■ f htiiiiltr' ime ] I.U'i'l.-rt \< li.-r-
189*
gottes frundt, alle zyt vol jubdes und vol hitziger inbrünstiger
göttelicher mynnen eins lieplichen frölichen gebesserlichen wan»
dels, mit dem got gar vil grosser übernatürlicher frömeder wercke
würckende was; und ftirte in den ruwen weg und die lidende
5 Strosse und leite ufT in das crütze manigvaltiges grosses über-
natürliches firömedes lidendes von überswenckigen manigvaltigeii
grossen übersinnelichen bekorungen, die er von ynnan liden müste
und ouch von ussan durch vil grosser swerer trücke und natür-
lichem lidenden we, des in doch der milte erbarmhertzige got
0 darnoch dicke und vil gar riliche und vollekumenliche ergetzete
mit sollichen grossen überswenckigai froidenrichen freuden, die
alle menschliche synne übertreffent und sie mit aller synneUcher
vemunfft und natürelicher wißheit begriffen noch verston nit en-
mögent und vormoles ehe er zu disser grossen übernatürlichen
5 gnoden kam^ do was er ein münsser und pflag dez wehssels
und anderre maniger leye kouf&nanschatz, doch allewegent mit
grosser gottes forchte und mit einre stroiTender consciencie, und
künde gar wol mit der weite und was gar lüstUch und frölich
von naturen, das in mengelich liep und wert hette und gerne mit
0 ime wandelte, das ouch ime in den zitten gar lüstlich was. und
er hatte von erst gar eine junge schöne wolgefründte lüstliche
huUfrouwe; und do er unlange by ir gesin was, do starp sie,
und do nam er eine andere, eins frummen ritters dochter. und
do er alse lange by der gesas und die heilige e noch cristenlicher
5 ordenunge mit ir gehielt on alle frucht, untz das er viertzig jor
alt worden was, und ime doch gotte von der ersten frouwen
noch von der lesten nie kein kint verlihen wolte, do kerte er
sich mit gantzeme ernste zu gotte und ließ abe von alleme gewinne
und koa£fmanschatze nnd gap der weite und aller luistlicher und natür-
;o lieber gesellenschaft verwegenliche einen gantzen nrlöp, und verzeich sich
ouch eliches rechtes und fürte donoch untz in sinen tot ein luter
kusche leben mit willen und gehelle sinre hußfrouwen, die ouch
ein erberre. einfaltige cristine frouwe was one vil liechtriches
underscheides des heiligen geistes. abe diseme aller ersten kere be-
1 ¥nd hitzijer D vgl. 188*1» 5 grosses fohlt 1> 1. vftfi innen und
mssen Odin. .ni:&MU I> 11 grossen froidenrichen fehlt ]) la nit begriffen
noch verstün mögent I) 22 unhnge / nit lange 1) £% tcm'dtn «rm } «rart ^.
Schach imu gar we in sinre naturen ; aber der milU gut unpfing in lü stniit
in dem ailererstou nffgebende sines eigenen willeo gar erbarmherliiklirhp
DQd begobete in gär rilicho mit siner übeinatürlictien gütteücben gnodeo,
nnd fürte in die ersten vier ior durch manigvaltig groß liden gax frümede
verborgene wage, dieselben vier jore hyenoch in dem nehsten capitel an* i
Tobent and von norte zit worte eigenliche noch einander geschnben siat
UBser demselben büchelin, das man binder ime gesthriben fandt, du er ge-
starp, und es mit sin selbes bant an bappire gescbriben hätte nnd onch zd
nrliande sin eigen silberen ingesigel mit eime riemen hatte seibor daran
gebencket, wanne er in übernatürlicher wisen von gotte dozii betnnngsn u
wart nnd os euch tiiu müste by gehorsame sins hoimelichen gesellen, des
lieben frünt gottes in Oberlant der es ime gebot zu schribende, warn»
er sich ime an allen saclien an gottes stat zii gniodo gelossen bette, und
noch dissen selben ersten vier ioren eins anefanges lebet« er driasigk ior
nff ertriche in solicheme grosseme nnsprecheniicheme friden nnd übernaldr- U
liehen früiden, die er von der guoden des heiligen geistes alle tage lege! iche
bofant in gar vil frAmder lüstlicher iubilierender wiso. und do er us
disser zit für, do was er stbentzich und vier ior alt; und sine
eliche frouwe, die hinderste frouwe Gertrudi von Bielen-
heim, die starp zwöllf iore vor sime tode an des lieben sancle Ni- **
claus tage in dem iore, do man zalte von gottes geburte dritzehen-
hundert iop und sibentzich ior.
191
Diß ist das Tiertzoheud
capittel und ist das büchf
das man hiuder R ü 1 m a n
M e r s w i n graschriben fandt.
.5 In ffottos naminoQ.
Amen. Alle lieben cristen
menschen sullent wissen
für wor, das es boschach
dns iorcs, do man zalte
\0 Ton gottes gebürt drizohen-
hundert Tiertzig und süben
ior. do ich K ü 1 m a n
M e r s w i n aller kouffman-
schafft und allem gewinn
lo urlob gab, domit ich pflag
umb zu gonde, und darzu
aller natürlicher lüstlicher
geselschafft. und di(3 tett
ich grar verwegenlich durch
)0 got in einer «ünfaltigen
meinung, das ich meinte
min sünde zu büssonde. =
und do ich in disem aller
ersten kere minen eigen
)5 frieu willen gotte also gar
Terwcgenlich und einfaltig-
lich ergabf darabe beschach
miner natnren in der erst
gar we, wann mir ettwas
Item das Tiertzehensto
capitel ist die ander ma-
terie nnd das buch, das
man hinder K ü 1 m a u
M 0 r s w i n e , dem stitTter,
geschriben fant under sin
selbes ingesigel von den
Tier iuren sins ane Tohi.*nden
lebendes, und seit dis selbe
capitel von dem ersten iore,
in dem er aller kouffmau-
schatz und aller lüstlicher
geselleschaft urlob gap lu-
terliche durch got.
In gottes namen.
xVmuu. Alle lieben cristine
menschen sullent wissen
für wor, das es beschach
desselben jures, do man
zalte von gotts ge)>urto
dritzehen hundert jore vier-
tzig und süben jore, daü
ich B ü 1 e m a n M o r s w i n
aller kofmanschatz und allen
dem gewinne urlop gab,
domitte ich pflag umb z t
gonte, und darzu aller na-
türlicher lüstlicher geselle-
schaft. und dis tet ich
gar Torwegen tli che durch
gott in einer gar einfaltig*>n
nieinungen, daÜ ich meinte
mine sünde zu bussende,
und do ich in disem aller
ersten kere minen eigenen
frien willen gotte alse gar
Torwegeuliche und einfal-
teclich ergab, darab be-
schach miner nature in der
Allen den si künt ge*. Fier-
ton, die dis büchelin lesent J'ohre
oder herentlSsen. was heran Mul"
geschribben stot, das e^ nUiHS
also ist und luter worheit
ist. und das behebe ich bi
der güngenston ferthe. also
ich usser der zit gcscheiden
bin. und zu eime gerehten
geworen worzeihen, so sol
men finden hangende min
eigin ingesigel an eime
riemen au diesemo büchelin.
In gottes uammon.
Amen. Alle liebe cristnn
menschen, ir sullent Tir
wor wissende sin, das es
beschach also des selben
jores do man zallete Tan
gottes gehurt M ccc jor xl 1347
jor und vij jor, do beschach
es in dem selben jore also,
das ich Küleman Mer-
8 w i n aller ki^fmanschaft
und allen dem gewinne urlop
gab, do mitte ich pflag umbe
zu gonde und dar zu aller
nattürlicher lüstlicher ge-
selleschaft. und dis det
ich durch got gar für we-
genliche in einer gar ein-
feltigen meinongen, also das
ich meindo, das ich wolte
mine sündo büsen. nü do
ich diesen aller ersten ker
also gar für wegenliche und
also gar einfeltik liehe mit
mime eigin friggen willen
1 Die erste Spalte gibt den Text von D wieder, die zweite von E, (ilie Tbcr-
schriften jedoch nach Schmidt, Gottesfr. 56 ff.), die dritte den Text des sog. Aut»-
graphs im Briefbuche. Die Obergeschri ebenen Buchstaben sind darin nicht mit Sicher-
hoit zu unterscheiden. Der Buchstabe über r gleicht rielfach eher einem a als o, über
e ist V geschrieben. Bei der Wiedergabe ist nur r in u transkribiert. Interpunktion
findet sich in der Vorlage nicht.
<ral mit «ellürhem liuf ^
totU älfSp. TW i
wgl »ebea uneben rindlcic-
lii-h iu lÜJteo diii(«D KU «e-
BUlmuf* VM tut Martins
luebt lUoin iq iiiiii«in
gmon (unde uad wolt et-
do
»iitl mir got »werlich in
min itedoncke dot ÜW lo-
nondsn neJt imtraii und ir
hlwbeit, nnd wia ai lonut
nud «in »üritlidi hittet end
u glbl. irad ich gedatht
ooch dsmit *n du (loS
pi da irir go E«ton ho t
und >o rriMie mitin« i
irb vol leben vuch»u «is-
valtecliclie in di<ea diuffeo
nu ftin, äa wut iab
eine obendea lulanc «or
.ant Martins oactit allaioe
in mi»iiten giLrbjii ^int« und
n «Ito ECüK'^tMwat pibottot
ubuilonanden Heltfl untrairc
Dud ire falscheil, ani wia
»ie iQuM und *ie tür(licb
l>itt<ir ende ile pt. uud
ich gedobte ouch domitte
an du fiome gut, das mtr
i; tt («tan het nnd so ( ß
der iralte Ibit «»1 wa« (»■ I
dn ich vol uffs I w««fcM
eioMtiklicbo in di
dlbiBii wa« ;eün. dii
dia lit sar uobo uS? lut <*
Hatdlns dag. du beichact
e^. das ivb aUeia« an et
ubbend« warl c«nd«
Diinie giiWa <uid wo
gorn« ettona« e«btitel H
habben, und da lEb tiw
ag, dl' wurdent mii tu
til ^deiik-! in fallende ani
urart mir gat swetUcbt »>
rallmde der aak>«Uiindt> ^
Kcltu uatrüire und in tii-
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19S*
5 Bumete zit - und ich wart
ouch minen eigen willen gar
scro hassen, wann ich mich
gor ser damit verschuldet
hotte - do wart ein grosser
10 starckor ruwo in mir ufston
amb all mine Terlome Ter-
sumcte zit. und in disen
gedencken sach ich uff zfi
himol und rüffte die grunde-
15 lose erbermdtt gottes mit
grossem ernst und eim ru-
wigen hertzen an und gab
ouch in dem selben gotte
aber uff minen frien eigenen
SO willen und gelobte ouch
darzä was mir werden mocht
Ton barem gut, das ich das
alles durch got geben wolt.
und do ich also einfaltic-
2o lieh in disen gedonckon und
in disem willen in dem
garten gonde was, do kam
gar ein geswindes gehes
clores lieht und umbfing
80 mich und fürt mich ob der
erden swebende ettwie dick
den garten umh und umb . . .
85
40
45
▼ersnmete zit, do wart ein
groser starcker mwe in mir
ufstonde umb alle mine ver-
lorne Tersümeto zit. und
ich wart ouch minen eigen
willen gar sere hassende,
wanne ich mich gar sere
domitto verschuldet hette.
und in disen gedencken
do sach ich uff zu himmele
und rufte die grundelose
erbermdo gottes mit grosom
emsto und mit einem großen
ruwigen hertzen an und
gab och in disem e selben
gotte aber uf minen frigen
eigen willen und gelobte
ouch darzu, was mir werden
mohte von barem gute, daß
ich das alles durch gott
geben wolto. und do ich
also einfaltoclicho in disen
gedencken und in diseme
willen in dem garten gonde
waß, do kam gar ein ge-
swindes gehes clores lieht
und umbviug mich und fürte
mich obe der erden swe-
bende ettewie dicke den
garten umb und umb ....
Kleder II.
mlnne anne sach die er hie
in dem eilende in ment-
licher natturen hatte, so
ich den mine deine minne
und minne f&r sumet zit
anne [sah!] und das dan
gegen dem sinen also gar
nüt was, nfl do mir diese
gedenke und noch gar 111
me in gefallen worent, do
wrdent diese gedenke also
starg, also das ein starker
groscr rftwe wart in mir
uf stonde umbe all«) mine
für lome vir sümete zit
und wart ich Seh do minen
eigin willen gar sere has-
sende, in dem selben eigin
willen ich mich gar sere
rir schAldet und rir sumet
hatte, und do ich alsus
in diesen gedenken in mime
garten gonde was, do wart
ich uf zi\ himmel sehhende
und wart die grändelose
ürbermode gottes mit gro-
seme emeste und mit eime
grosen ruwigen herzen anne
rufende und gab och in dem
selben gotte abber uf minen
eigin friggen willen und
gelobbete och dar z& was
mir werden miüthe ran barme
gute, das ich das alles durch
got gebben weite, und do
ich also einfeltikliche in
diesen gedenken und in
diesen willen in dem garten
gundo was, do beschach es,
das ein gar geswindes gehes
clores lieht kam und umbe
fing mich und wart genü-
men und wart gefüret den
garton obbo der erden sweb-
bende etthewie digke den
garten umbe und umbe.
KapiUl DiD ist ins fiioffiBhenda
ospittel.
iiarnfttb Je an dem
]ures und d 5 dnttan d
dom wiLs die übe fut, dsE
ilem iore J man uütu
voll jotts jBburt riJOheu
hiuiiisrt und TaaSüg n
den »elben zno e eo
bekoraDK«ii n alaa tuai
EOrhande unie ner wise
die ^ar acb d i li wo ent
das mit B WIM
iiK'ii'lila Sil da. d a
und ilcc Si d aÜB«
capittol int das andor ior
□nd du dirte, in dsa der-
calbe rorsenanta Rfll.
IQ a n M a r 6 w i 11 io ear vil
^osser ubemati>tliL-bor un
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n disuu beu ine eti
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g oUan bskaruiigea m alss
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sen a b»D iwe;«a na It
d »pd set mit nii a qsb
SUnde ES Ernso usber nit-
tur be werg wclcecd o
fitr ET aama liddande and
»0 ent alaolli he w ^ u t 0
alsoU eben siassii u be
■ niie eben bekDnincen and
also ga groae DUEenanta \
bek moEen in al gi tl
» E u V, d il
«rbermde »n mm grosse
krancktaeit nnd kam mii
zu h«1ir mit gotichen gros-
seu ubernatüilirbeD fröi-
den. das icb ulT stunt al-
les UdenE TsrgaB, als ob
ieb nie utzt gelitten hett.
II allor
erelftig
imd Btarck,
krtnckhcit befanden hett.
> und wiut auch die gi'it-
liebe gnade also starck in
mir, das mich duchte. das
ich in dar liahtrichen
giindaa ainen jeden men-
I scbea nol bekuot«, nio
es aiub in itündc, euch
wart ich ron gott be-
iwangea, wie nüt icbea tett,
das ich mCist bücbline
schrlbea minem ebenen
menschen zfi helffe.
Darna<:ta des lierten
jarss, do sach unter berre
mit Einer giosBea (rnnds-
losen aiberniede an mina
^al3e )irang:beit und kam
mir zu helfe mit alBfliichai
großer libarnatiirlicber
früudanrichar fröuduu. <lag
ich lu stunt allus dos we-
HBB und iidendes rergas,
alse ob ich ie lit »(Dlitten
hatte, and wart ich in
aller oiinner uaturen slse
gar krefUg und starg, alse
ob leb nie krangheit noch
«ewes befunden hett«. und
wart auch die übematür-
liehe lieb triebe güttlicbe
guode alse gu Btaig in
mir. daB mich duhte, daU
itb in der licfatricben gno-
den einen jegliehen man-
schen wohl bekante. wie es
umb in stünde. Ouch wart
ich 'on gotte betwungen,
müste ich docb bücholin
GChriben mime eben men-
schen zu helSe.
wie daa ich in der lieht
rieben gettelichen gnodan
wul etthowaa »ebbende «M,
Hie daa es nmbe in stunde.
lu diesem« Barden jore do
wart ich ?au gotte betwo-
gou und wie nette daa ich
es deC, so mlata ich es
doch dilti und müste bü-
cbelin schribbon mime
ebben menscben zu helfe.
und brAdtr des htati tum
mlie iü dAUeh und >ü latm
dee t^btn htaea m der mrmunji, dat
39 Diese Paranthese fehlt Schmidt, Oottesfr. 69, Zeile 3 tou oben (hat Schmidt
ils Bb«i«eb«n?) Ebenso feblt sie samt der igi'T folgenden in 0. Dagegen haben
beide Panntheun D, E, F. Bai dar orsten (193*39) ist der Text tou D in Omnde
«j—i. k.( X» »weiten (197*7) der Text bei Scbmidt, Oottesfr. 7! anm.
groten ktanckeit war und
kam mir üch ifi stAnt mit
b1 sollicher gros er neb er
nattiirlichar frJdan richer
frcdo zu helfe, also das icb
zi Btünt alles des wees und
liddeudes vir gas, also obba
das icb ie ut gelitten bette.
und wsrt Seh in aller miner
nattflran also gar aliA molo
creftig nnd starg also obbs
das icb nie kianckeit noch
woes befunden hatte, nnd
wart äoh die neberaattür-
liche lielitriche gettelicbe
niinnenriche gnode also gar
fül starg in mir, also das
es beschach in mir, nanne
IM»
(i'n ir^/IicA«r imhi^iJi, der ii li»H und i/ucH diät g/i/emcurtin*« ritr iiir lint <,dtr
häfM, der man gtnfzlkh mindtr gteifrl tn'A i/tiiben und teüten, da» e» Atr
büehir tiiu isf. doxi'i Ritlman Mt rnitin imwtm^ftt wart; wan si mal mit-
einaivifr amrordintnt iind beide glieh htBeHt a» ilfmütigtn tearltn. an nA'vi'
Uigtr mmnr und an ^äberitatärlic/itH grmaen tFtHdtrlickm wercken und ffobr»
Ifatleii, und auch Mdt mit elnandn- gaehvilim leurdmt in dm zitt», d» Rttl-
matt Um'iiioin tum gilt beiieuHum varl, bäthir «il aehribrn, aU du dattn
aagenl, di» hfidf ylleh »prtchtM in ditfn nmim bAck*m, dm niin erUen mtd
dige» i/rjffHivurlifftH tim- jartn, Biilm'"t MtrtH'inii attfang, umihh in ir
ieifilchtm »iindtrlieh gmchriba% »tat, dtu tu ruOifacM wtird*, do man xaUr ton 1
fjotles gfburi drizthm hundert fAnffeig «mJ zwei iort.
li& rohrnl hie ividrr an Bülman Meraipin» de» ali/ptns iror', als m
«i mit ain atUieg Kant naeh »inrm todi- hiHder >'••) HfS gnrbribr» finden, uJJnu
tpytc/'endr ;
Oucb btfamit kh. das die drio creffta flaubo = Schmidt, Gotteafr. 6S, Z. 4. I
. . . Vui sUen dieiea ctoBati
viidoilicheu werken nu
djomn sJIun müthe ich nil
. . . Voa ulloa düen grDG0D
wunderlicliBi
lO?«*
lieber heimmoUicher früt(!)
miner das bAcbelin do anne
geschribben stot fünf jor
mins anne fanges, und gip
du mir geschribben diese
fier jor dins anne fangos.
Das selbe buchelin wir die vargenanten ]>rie8iere und hrudere sancte Johans
Ordens zu dütsche und zu latine geschriben hant in die dry urkündehucher des
huses zu dem Oritnenwerde^ und ist das biich von den zweygen mannen,
0 und aeäy wie dieseme selben menschen in Oberlanden, des egenanten RüU
manne s heimdicher frunt, in übernatürlichen liehtrichen zugen wurdent ge*
geben sin gare vol schöner lüsüicher bieren, ein über aUe mosse schone vingerlin,
ein Uütig tiUhelin, und ouch das er die heilige geschrifft drissig wochen lang
alse wci verstände wart und in guter gramatica gesprechen künde, cUse ob er
5 aüe sine tage in den höhesten schulen gestudieret hette, und anderre grosser
wunder vU, die ime aüe in übernatürlicher wise beschohent in den ersten fünff
joren sins anefanges, ouch w<ut er der gnodenriche erlüchtete leige, der den
grossen meister der heüigen geschrifft stroffete und in lerewise vil gebesserlicher
wortie mit ime redte, in den er vaste sinen heimelichen verborgenen gebresten
*0 rurte, nochdeme er do gar eine vemünfftige bredige geton hette von vier und
zwentzich stücken eines vöUekumenen lebendes, also das buchelin seit, das zu
futsche und zu latine ouch in die drey urkündehucher geschriben ist, in dem die
oberste eile mit den xxiii buchstaben des abecees stot, die desselben meisters
kindiehe letze was eins nuwen anefanges, dardurch er geleret wart, das er zu
25 eiin4 erlüchteten gnodenrichen hohen leben kam,
Schluss der Vier Jahre:
Do ich von den ersten
ioren mins anfangs gar uß
geschreib, als ich tfin must
''0 bi gehorsam, das mir doch
gar wider was, do vorcht
ich, das man mir würde
die dinge zulegen, die
gottes sint. und uß einem
•15 demütigen gründe bat ich
minen heimlichen frünt zu
manigen ziten mit grossem
Do ich nu von den er-
sten vier joren mines ano-
vanges gerwo uß geschreip
also ich tun muste bi ge-
horsame, daß mir doch
gar alzumole wider waß,
do noch vorhte ich, das
man mir würde die ding
zulegende, die gottes sint.
und usser eime demütigen
gründe do bat ich minen
Nu sol men wissen, das
mir diese ding von diesen
iier joren van mir selber
zu schribende gar alzu
molo Widder was und
müste es doch fau geher-
sam dun. abber ich ging
minen heimmelliche frünt
an und bat zu mannigen
ziten mit groseme erneste,
das er mir ürlop gebbe.
9 vgl. 18*28 ff. u. 39*36 ff. 12 gare] geren D, E 18 am Rand: Taulers
histari D 20 do fehlt D hohe vernünftige £ 25 D u. £ leiten den Text
wieder ein : Nu vohet Bülmans redde iHder an, wie er zu demselben menschen
dem gnodenrichen erlüchteten leien, einem heimlichen fründe, alsus sprach : das
wer mir gar ewere. Das sog. Autograph f^hrt ohne Paranthesen nach anne fanges
197*« «mHmt mit: do sproch ich, das wer mir gar siwer -== ScVvisa^V Q^s^^^'^^-'V^
. 21 7 Vi ff.
hoiinlichcD [riint lu
ilis
le für brande. naJ
. icb nilt aabil
■ mir iirlop gebe, das
verbraate. uuJ do
is Ecbribfo siss pc
«ftli, däb icli dotb
jsl meiiids, du >rut
daß ich von disson liPr
jornn lis^se uho Kescbri-
b«n bllbeu, dnn niHa sA
ilurrh iiiicb gDsrhahont.
ilo eolts ich iiiamar nie
mit hotwungoD weidmi lu
mi-iiineiide. ich det es nsscr
eiiae domütigsa gründe,
waiiue icb was fäctbeoJ«. J
lii Icgsnde, die gottwi siut.
qA do «H mir alsiF ^r
»Ware WBS. do «»rl mir
eA für ^tODda ^bbeu i1b<i, II'
das ii:b lan diesen Her joten
bSII« aUo loseu ^sebribvn
. solte dar nncb ilts 1i
Kicbar «in . Win AI ätet
icl) noch diesen Bor joran
in der lit blibea «oltc,
was dan aocb dieasa A^i
joran basebehhe, wrllei J(>
■lande irerg das «ereut,
si «Brent gros oder kieinn».
da'; i
ilan
' ,!.■ :.-h dos (ür «/,',„(
199*
Dis ist das XTij. ca-
ttel und ist [die] dritt
aterie Ton den fünfT man-
IQ in Ob er laut und seit
ß capitel von dem ersten
inne.
Item die dirte materie
des geffenwortigon memo-
riales ist das buch von den
fünf mannen, so der liobe
gottes frünt in Oberlant,
des vorgeschribenen Stifters
Buleman Merswinos
heimelicher geselle und
mittestifter, den brudem zu
dem Gr&noQwerde us
gottelicher minnen zu eime
gebesserlichem cxemplar
schreip ron bette wegen
derselben brudere, die in
alle gemeinliche botent in
eime fründlichen sende-
briefe, das er in ettewas
gebessorliches schribe. do
schreip er in mit sin sel-
bes band disselbe buch
umbe die pfingsten in dem
jore, do man zalte von
gottes geburte dritzehen
hundert jor sibentzig und
siben jorc. und es seite
von sin selbes leben und
von aller sinor brudere
leben, die uf dieselbe zit
in einer geselleschaft mit
ime wouetent. und ist wol
ein sunderbar merklich Ur-
kunde der grosen gnoden-
richen wirdekeit des vorge-
nautcu huses zu dem G r u-
uenwerde, das billiche
alle die bewegen und manen
soll, die uu oder hamach
kundsamo oder wandolunge
in das selbe hus iemcr ge-
winnont, das sie in selber
die gnade doste fruhtberer
und enpfenglicher machent
und in ein steter gegen-
6
Manne
Buch
17.KapU
1377
Mnehjift der 2. Spalte lag auch Schmidt, Gottesfr. 79 toc; «b^nao ^\i<^^ %\ft
warf Riff« in allst diml
berkeit, doron irs mlDQ
saiilior hotsDUUE« iinil lu
•eitiht durstdlMD sCifter
und &ÜDdo totMs und dt
KDudeorictKin Lailfec hovo
stst ict hooh Eolobtao wir
dican paUonaa evacliclisii
(eiiie.ssvnde, «eile
dUniit oder t
e litiUchu
. linükhetiilnkiJ:
leige wiie iamer uns la-
TClltt dun sslbeu linsa lu
tuude TOD gnodea od er durch
liplicliMi a&ruuet rlIIisi
[ der II
st diii capittol und >i
wie ürit der tchtgoheb
übaM in dem labende ui
20 1"^
das XTÜj*. ca-
seit Ton dem
iDe in 0 b e r-
iribet er von
bruder, der ist
esin, und seit
1er selbe emau
le joQg woran t,
rir miteinander
ad er was von
ischen gut gar
rie jung er was,
ch gegen armen
It...
r also sehe im
genade zu sinon
gon uß.
von dorn xix.
; seit Ton dorn
ine in 0 b o r-
te br&der, den
, der ist uff
dn tumherr ge-
er hatte darz&
«•he und was
irol gelert l
Item das achtzehente ca-
pitel seit Yon dem anderen,
wie der ein lidender eman
was und ein erlüchteter
gnoddnricher priester wart.
Hie schreibet er Ton
dem andern bruder, der
ist ein eman gesin und seit
alsus : do derselbe eman
und ich bede jung worent,
do worent wir miteinander
gesellen, und er was von
disem irdenschen gute gar
rieh, und wie jung er was,
so was er doch gegen armen
lüten gar milte ....
Schltiss: alse sehe ime die
gütliche gnode zu den lip-
lichen ogen uß.
/
/
/
Itum das xix. capitel
seit von dem dritten manne,
wie er oin wolgelerter über-
mütiger woltwiser juriste
und tumherre was und ein
gnodeuricher erlüchteter
demutiger priester wart.
Der dirte bruder, den
wir habent, der ist uf eime
Stift ein tumherre gesin
und er hetto darzu eine
gute kirche und was in
den rehton gar wol ge-
18. KapUd
Nä ran dem andern
uuserme bruder. dawissent,
das der ein e man ist ge«
sin. und do der selbe e man
er und ich bedde junc
worant, da wora wir mitt-
enander gesellan. und er
was Tan dieseme irdenschen
göta gar riebe, und wie
jung er was, so was er
doch gegen armen lütan
gar milte ...
Schluas: also sohhe
imme die getteliche gnode
zfi den liplichan <Sgan U3.
ach liban bruder, ir süllant
üch nüt orgom, das ich üch
Tan dieseme bruder also vil
geschribban habba, wanne
wissaut, ich habbe es dar
umbe getan, das ir deste
bas süllant leren bekennen
und merken, das got grose
wuder wrkendo ist in aller
haude menschen, die in
eht minnen und meinen
welleut.
19. Kapitd
\
Nfi Yon dem dirtheu
br&der, dan wir habbant.
da süUent ir wissan, das
das dar ein düme harre z&
einar a^t \%\» i^vti^ "osl^
QT \iattA ^ax %l)i «Joi^ 1^^ik
und ein guter juriste, und
er mu ld dem gsmrito «t-
<ru hachtrngDud . . .
Schlusa: Nu wiirt oc
niah dei gnadüa, dio Im
«b tbcb sescbacb, nie ino
nncedultig sundar dliit ein
lAulr dsniütifter acnStmA-
Ukof gadulligor lunn, in
dam bUb diu; gat mirdont.
Kapitfl V B TOD dem i
lert und eiu gut ji
udd ei was in dem ^
attuwaa hocbtrafeudo . . .
Srkim»: Nu bsschnch
BB nrjfli dar pioden, die
im« obe dem tische irurt,
äaS er nocli der eit nie
uio ungodultig wart, und
nart aliamole viii eüs^ef
dumOtiecr seanoifitlEer
gudalügei man, in dani
alle iliug gilt wurde nt
Item dai n cap
I tT D dem VI den mal
wie d n ude va und
kirclie und was in jure ool (9-
en noch il«c fDodaD, dif
im DIU obbe dorn diEschi
nie nDietüItis Kort tid
sime nii^Dde goheret Kirt
uud yiäxt aliA mole ein !
BUuBai demütiger aeaftmü-
tlfur ^tultirer man in iem
alle dln( (At irrdnat.
natiaen e üb n kam und
In htete begD d i
d hrih al da
^il bD dem
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n nne brd
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203*
Nu wissent lieben bru-
dere ron Cimradten unserm
5 koch, der ist fünff rore in
einem streniT^n leben bi
ans gesin und hat ouch
grosse minne z& dem heiigen
sacrament. nü des aller
0 ersten jores, do er zu uns
kam, do befunden wir
grosso minne in im, die er
hett zu dem heilgon sacra-
ment alsOf das er es gern
5 dick hett gehebt, und er
bezwang ans mit siner
grossen minne, das wir es
im all sondage musten ge-
ben nach des lieben sant
0 Augustinus rot. nu wis-
sent, das es beschach in
dem nechsten advent, do
man zalte Ton gottes ge-
burt drizeheuhundert sü-
5 benzig und sehs jore, eins
morgens, do die bruder in
der capellen worent . . .
Schliiss : lieben bruder
15 diß 8j üch geseit von uu-
serm koch, des spise wir
lieber essent dann eins an-
dern, und wen er uns
nit kochen mag, so kochen
0 wir aber ans selber.
Diß ist Ton dem xxii.
capittel und seit ron R li-
diener.
bi dem füre von ime selber
kam und verzogen wart.
Nu vil lieben bruder,
nu loß ich üch wissen
von C u u r a d e unsermo
koch. Do wissent, daß
der fünff jor bi uns ist
gesin und ist gar in eime
strengen übenden lobenden
gesin und het uch grose
minne zu dem heiigen sa-
cramente. nu des aller
ersten jores, do er zu uns
kam, do befindcnt wir alle
grosse minne in ime, die
er hotte zu dem hoilgen
sacramente, alse daß er
das heilige sacramente gar
gerne dicke und vil gebebt
hette. also twang er uns
mit simc großen minnen,
daß wir ime alle sunen-
dago geben müstout noch
des lieben sante Augustinus
rot. nu vil lieben brudere
nu süllent ir wissen, daß os
beschach in diesem neh-
sten advente des jores do
man zalte von gottes gc-
burte drizehen hundert jor
sübentzig und sechs jore
eines morgens do die brudere
in der capellen worent . . .
Schluss: lieben bru-
dere, diß sie üch gesoit
von unserm lieben koche,
des spise mir lieber essent
denne von cinie andern,
und wenne er uns nüt ko-
chen mag, so kochcnt wir
aber selber.
Item das zweiundzwen-
tzigeste capitel seit von
Buprechte irme diener,
Nö fil lieban br&der,
nu loso ich üch wissan
van küuradde unserme
koche, da wissant, das der
fünf jor bi uns ist gesin
und ist gar in eime stren-
gen uebenden lebbende ge-
sin und hatte öch gar
grose minne zu dem hoil-
ligen sagker mente gottes
lichome. nu das aller er-
sten jores, do er zu uns
kam, do befände wir also
gar grose minne in Imme
zu dem heüligen sacker
mente, also das er das
sagker mente gar gerne
gar digke und gar fU gerne
gehabbet hatte, also twang
er uns mit siner grosen
minnan, das wir imme alle
sünnendage gebban müstent
noch des lieban sant Ago-
stinus rot. nu fil lieban
brAder nu süllant ir yrissan,
das es beschach in die-
seme nohesten addeventen
eins morgens, do die bruder
in der kapcUan warcnt . . .
Schluss: lieben bruder
dis si üch geseit van un-
serme lieben koche , des
spise wir lieber essent,
dan van eime andern, und
wanne er uns- nüt kochen
mag, so koche wir abber
selber.
1376
22. Ka
Sil licban brridet. s^»
baut vir iloun Rü p r u cht
uusern dieaer iiiiJ itciuiftr,
dg[ uiiD duB buD und xllos
du wir biiDt venurKSt.
mit dorn buit wir ifi «t-
lisban ilun utwu reduu
aad sprocIiSDt: Jisbur Ku-
t>r«v)it, <rla kumt es, iIhi
du alt nlu hüliff bist •!■
unier kucb . . .
Sahbuui: ilnq dki icb
lü gut gatiatre. ar tj» nick
in also srossur eTitLicher
tcavau als lich ««Iber aod
iik gütllctaiu miuia me diiiii
dar DDcb ii'ia lUbor (ottes
Nu rll llabBU brüdere,
SD liabint Mir deunc un-
siica ril liabou diouei und
runnrfor, dot iius di.s buK
uud alias das wir h«nt ver-
h.irtoudo lil. mit diesomo
s'j habeot wii lu ottulichen
iltan attvwas bübscburmde
lind sprechvut m im» : lia-
bei Ruprec bt, wie kua-
uiat OK, dofi du nüt al^u
bfliliKbUtaUuiiaer koeb ...
Üdilusa; slio ilafi inli
m EuttP fietruwB, ar lica
Docb «iare nia» ein lieber
gattes ridnt, wanna er
uieinet uds in also groEser
güttelicber tniwon alsa sii^h
selber und in BÖUictaar
. I ,1... .
ki'brilii:. s.. iiiM
r.n<b «n idi ui
dM..|[|iilil;iirt^^in
. Kü-
Nu Til
p r e b t iiaavni tU liabu i
dioiiar uud für sorger, in
UDB das bas und alles das
wir baut rir sorgende iil.
mil dieaome io habb» irii
ii'i ettbelicbar lit ettenu K
bübeecber redda UDd >pi«-
ifi
Riip
es, das du nüt 5cb also
beiUJEbist al» uuaaikocb ! I
Sdilutt: also das itli
lO gotla EOtrüwo, er u
iiocb siuer wiii ein liebar
meinaet nni in alno gmer i
gsttalishei trfiwan alau aiib
sei her und In gettelicbel
205'
. . . und ich gloabe^ hett
man zu den xiten za s&nt
o Paulus gesprochen als man
zu dem lieben sant Johan-
sen baptisten sprach, er
hett euch dieselben demü-
tigen wort gesprochen : ich
0 bin es nüt, ich bin nit wir-
dig, das ich im sin schfihe
ryemen anruren solte. ach
lieben brudor es stet jetzunt
also sorglich in der weit,
5 das ich gar übel getruwe.
und wissent, werent ir
mich bekennende, ich
schribe üch nützt, und
davon lieben brüder, was
0 ich üch schribe, das no-
ment nit Ton mir armen
Sünder, einer armen un-
wirdigen creaturen , ir
süUent es nemon Ton gotte
^ in dem alles gAt beslossen
ist. und ich kom gar
kumo darzu und es muß
doch sin, das ich von mir
selber schribe und ich lasse
0 üch mit kurtzen Worten
wissen . . . und mir lieber
were man befinde es nach
minem tode.
mit gar kurtzen wortten
von mir selber dchriben . . .
. . . und ich bin gloubende,
hette man zu denselben
ziten za sante Pawelse ge-
sprochen, alse man za dem
lieben sant Johannes bapti-
sten sprach, er hette üch
dieselbe demütigen wort
gesprochen: ich bin sin
nüt, ich bin nüt würdig,
daü ich ime sinen schuch-
riemen anrOren solte. ach
minne ril lieben brüdere,
es stet ietzentano also gar
sorgliche in der weite, daß
ich gar alzumole übele go-
truwonde bin. wenne wis-
sent, und werent ir mich
bekennende, ich schribe
üch nüt. und dovon lie-
ben brQdore, was ich üch
schribe, daß nemont nüt
von mir armen sünder,
siner armen unwürdigen
creaturen, ir sullent es ne-
men von gotte, in dem
alles gut bosloßen ist.
nu minen vil lieben brü-
dere, ich kume gar kume
darzu und es muß doch
sin, daß ich üch von mir
selber schribe und ich losse
üch mit kurtzen werten
wissen . . . wanne mir lie-
ber were, man befinde es
noch mime dote.
kfirtzen worien van mir
selber schribban . . .
. . . und ich bin glöbende
and hatte men in den sel-
ben ziten zu sant Piwelse
gesprochan also man zu
dem lieban sant Johannes
badisten sprach, er hatte
6ch die selban demütigen
wart gesprochan und hatte
uch gesprochan: ich bin
sin nüt, ich bin nüt wrdig
das ich imme sinan schuch
rieman anne rüren sülte.
ach mina fil lieban brüder,
ich getrüwe iezentan der
weite also gar sercliche es
nü stot so getrüwe ich ir
uüt wol, wanne wissent,
und werent ir mich beken-
nende ich schribbe üch nüt.
und do van lieban brüder,
was ich üch schribbe, das
nemment nüt van mir ar-
men sünder siner armen
unwrdigeu creaturen , ir
sülIent es nemmen van
gotte, in dem alles gut
beschlossen ist. nü mina
vil lieban brüder, ich kume
gar kume dar zu und es
müs doch sin, das ich van
mir solbar schriba. nü vil
lieban brüder, so lose ich
üch mit kürzen werten
wissan . . . wanne mir liebar
wer man befünde es noch
mime dode.
Wanue lieban brüder,
ich lose üch wissan und
ist es gottes wille, das min
heimmelicher frünt lenger
in der zit bliben sol d&n
ich, so wissent, so werdent
ir dau erst befinde yan
Acli liebsn bcüilero it-
ijiia«nt gut sinei tmnda-
\>>e«u ccbBTUido . . .
Schills».- »anii ir =iül-
luat wiaseo, hatt äu liebu
aaiil P>iiluB ult Imfnaden,
WBH fruchtbKTHr gnadeu
I beko-
ruDEBii findet, sr butt e
siDWi brAdani uie «Jau eüea
OTDUCht; wan er bat to:
(«t wo) Eehürt, dai e
siirach: Paula, laß dir p<]
Ach liobon brüdsio ar-
ijianeat giilt siner giuud«-
louei] erbenuedti . . .
brudore ir sälleat wissea
und battu dar liube saut
Pauliit nut befundou, «aa
(ruc^btbaier gnodcn man iii
dur groniiD bnkOiungoD ba-
btüdem aiu alan ifiane fe-
i'"l«ii. ilnriLur'h
■rolie tii w"rle «l^! mm
iebban . . . Schmidi liFr.
S. 113 Ziilf 2U r-n ,^»
bu S. 116 Zcilf X r-m
unf'-it-' uuti an fünf ende
•iei i'ritUnhBlt feilet
wt<la. und wer es das es
batcbobbtt, nn mütha ti
«iil beecbohhoD, das ich
in ufHur laut künienda
lusea urbi>nuedu ■ . .
SeUtus: wmn liob
bn'ider ir siillant «issui u
velf. ndt bdfrmdea. ■
iler cro«au bekoTaael^ m
nudflt, 1^ bätta OS <iD
brSderu aio also HnEs j
malit. waiina der liebe u
Piirell der lutta Tan pfil
t' llAbtoii
LMllt,.
S.lirlier ^'n>.siT iiiiraikol und -'■LL'.--frli(-|ier eiempel uii.l tW>stlLclw
yutiT uiatwfi'.'ii st.nil gar vil üj ilrii drii/ii uikuudbiicliern ^ü dulsili und i;;
i.Ltin, Jiiruli .list' ilru i,'i'fjfiiwuitk-en meiniiriale gesdiribi'U sint. bi Upii iilU'u
mau Will nitTcki II nia;,' iiii>l gewov« jri'züu'iiili haben der iriiiidenriihon H-irdi-
ki'it ile.« liu:-üs ziiin Gniiion WBriU, darumli es biUicIi in alleü oreii lü
lialti'LL ist VII allen ilon. di.' '/^ in dclu'iii.Tl'^i wise oder State lipliib i"l"r
!,'eistlii-li ieiiHT ri'u-i'Tfd iviTiiiTit mlei- diiriiiiie woneii uder dar ivandelen s-l-
Icnt, diin-li das si i'utjifcrii.'-lirlii^n werdt-ut zu kumeude iu die ^ale aller
di-iT v(iri:i->'liriiii*iK'ii Ujcnielti'n nbcriiatiirJii.lird iThicliteten fründe mltfi in
207*
ewikeit. darzd helfe uns allen die allmeclitige ewige heilige drivaltigkeit,
got der vater, got der sün und got der heilige geist. amen. amen.
Diß ist von dem xxiiij. capittel und seit von dem briefe^^.^op»^
des obersten meisters in dütschen landen.
Wir brüder Cünrat von Brunsberg = 15*4-16*10.
Das XXV. capittel ist ein dütsch abgeschrifft des \?itiji'2b.Kapitd
sehen briefs über die ewige messe in sant Jakobs ere.
In gottes nammen. amen, allen den sye kunt geton, die disen brieff
ansehent oder hörent lesen, das wir brüder Heinrich von Wolfach,
commentnr, und der convent des hnses zu den Grünenwerde . . . .
Übersetzung der Urkunde von 1372 sept, 24 u. od, 14, Strassburger
Bezirksarchiv Or,Perg, H1385 (14), (Strassb. U,'B. 7, 449), Vgl, zur
Sache 5* anm, 1,
Das xxvi. cappittel ist ein abgeschrifft des dütschen 26, Kapitel
L.-, briefes der drier weltlichen pflegere.
Allen den sye knnt getan, die disen brieff iemer ansehent oder hörent
lesen, als die erbem geistlichen herren der commentür and der convent des
huses zum Grünenwerde.... Abschrift der Urkunde von 1388 april 4,
(U'B. 7, 679) des Inhaltes: Die Pfleger der St Jacobsmesse Wilhelm
iQ Gürteler, Claus Bühssener und Claus Smalryeme wählen mit
berufung auf den latStiffcungsbrief dieser Messe Claus Zorn gen. Lappe,
ritter, den altem, Claas Zorn von Bulach, ritter, und Konrad zu der
M e g e d e zu Pfleger der Jakobsmesse.
Geben des nehsten samstages nach dem heiigen ostertage in dem iore,
2,5 do man zalte von gottes gebürte 1388.
Die Urkunde ist nicht in Original erhalten.
Das xxvii. capittel seit von zweien überblibenden IdLÜnin 27, Kapitel
bü ehern, die euch zum Grünenwerde sint.
Die vorgemelten zwei bücher wurdent von erst uß dem latine zu dütsch
^0 geschriben und blibent über an den drien Urkunde büchem des huses zum
Grünenwerde von sache wegen als die rubrike seit, die zu vorderst in ir
ieglichem geschriben stat mit einem florierten H.
1 dreivaUikeit, Amen E, (i 3 Item dis ist der brieff des obersten meisters
in tütschen landen sante Johans ordens, so er den drien weltlichen pflegem ge-
geben het über die drü urkundbüchei', die sie domitte ?tant?Mben soUent ewigliche
m dem huse zu dem Gr unenwerdo zu blibende £ 6 das 25-28 Kapitel
t^U\*^ V
208*
Dieaelbeu zwei ersten übeTblibendäE latiain büchur ^ G0*26 (tgl.
119*iJ) mit folgtnden Äbiceiehnngtn : 61*5 sol. Do ist dis gegenwurtigi'
buch derselben eins, doch stet ettffie vil materien me in den swei latiniL
büchem denn in disendriendütschen die selben... 61*9-10beide] in die zwei
laünin biiuher zu aller hinderst geschriben. dabi aü die pflegere = ]2ü'ä.
Gl*13 nmbdaa^ 120*ß 23 pfilar eines geziinbers^^ 120*6 27 andere
acliinliche, ebenso B 30 begobet und begnodet, ebenso B 43 umb allen den.
tbenao B 62*1 9 kan nnd mag 35 selber snglimpf gar grossen 40 maria
die mAter gottes.
Knfiii'l Difl ist, wie man dis ewige messe in s;
teglicb scbaldig ist zuhaltende.
Item alle hochzitlich fest dnrch das jor -= 7*1-2".
KapHA Das xxii. cappittel seil von dem aide, deD die weltlicb«n
pflegere swerent.
Wir Claus Zorn, dorn man spriclit Lappe.... Abaehriß der ur- i
kund« oon 1393 juni 23. Bezirksarehie Sirassburg Or. Per g. H 1353 (6).
Vgl. die Absehriß im Brießueh Bl. 46'' (12.'i*30-136*a3) und die beigt-
gtbene Schriftlaftt Nr. 2.
einrieb Rlangharti
rbundeii liatin tim
KKuinM Diß seit, us wa:^ sai:b.-ii mau die e'
fre t^i glich schuldig ist zii li alten voi
seligen wegen, alsder couvent sich
besigflten latiiiiii brifu.
Heinrich Blangliart was s.hiildig einen tutslag zu verbl■^■
senide ^ :i*ii-li*HS mil fohiexdi'.n i^searlen: V,*\ü hieuoch ] hinvor
fi*2:i in- 24 bücher J in dii;drüurkuud biicbcr und in dise driipfleger biicher j
6*:n und billicb halten sÜllcn WA seligi^n v. L.Men />/ii( US unsor h^rr
Jhi'SUä Chri.ilus gebi' inon die li'nuTw-n/nd" oni^'^' ruwc. Amen.
.1 IMiMiacli folfiet, Hie si'iicli gelt i^owemlet in.
L'isiT vorgcichribenen messen bar gelt, das der egenant Hein ricii
1! Ulli!-' hart selige von L''feno und Liikart sin eliche hußfrowe d;ir^"
gnbeiil dem tit.'ilif,'cn appoäteJn «int Jacob zii oreii, domit man sult gektiuiVt
haben zw'ilff pfumit ewiges geltz einen ewigen priester satit Jolians urdfcs.
dnmit i.ü enthaltende, d- duchte ßulman Mers win, des hiises stiffior
209*
Grrünenwcrde, das es der gemeine aller unser nachkomenden
r und notdarfftiger were and onch ergetzenlicher und köstlicher,
dasselbe bar gelt leite an den gebnw der kircben nnd des langen
umb den garten denn an dehein ander eigen, das wart im oncb
ten von allen brüdern gefolget und siner consciencien befolhen,
ein erluchteter übernatürlicher grosser gottes fründt gewesen ist, nnd
gotte zu demselben gebuw getriben und ermanet wart mit guten
D Urkunden, als manigfalticlich davor geschriben stat von der er-
^e des huses zu dem Grünenwerde und von sinem heiligen lebende
)T verborgenen heimlichen gesellschaft in Oberlant. Darumb
och ensol niemant klagen, das er desselben geltes nit niesse oder
isen habe, wann der urgang sunderlich der naturen ein grosser be-
sunderlicher notdurfftiger uffenthalt ist aller brüder und personen,
bgescheiden innig behutsam leben minnent und meinent und gern
lies weltlichen kumbers liddig sin, als ouch das büß zu dem Gru-
de von gotte und von sinen frunden, der vorgeschribenen stifkeren,
n und gemeinet ist. Amen. Amen.
ß seit, wie man weltlich priester oder ander personen
halten in coste oder sust.
n wer es ouch, das got einem weltlichen manne die genade gebe,
'itter oder kneht, pfafif oder leie, das er sin leben bessern wolt und
Iben hnse begerte zu wonen bi den brüdern, .... AbschnUU des
iefes S. 173*15-30 u. 173*83-37.
b soliche ordenung hat der stiffter Rülman Merswin gotte und
ansen und unserm orden durch siner seien heiles willen luterlich
tt gegeben das closter und das huß zu dem Grünenwerde mit
hüsern mit iren zügehorden und ouch fünffzig pfundt gelts, domit
oster gewiddemt hat, also das gottes dienst von unserm orden do
m gehalten werde, als das der stifftungsbrieff eigentlichen wiset,
i nit wiset, das iemand, er sie weltlich odder geistlich, dehein
do haben sülle. Amen.
gl. 9'15ff.
- T. \\
IT.
Das erweiterte Pflegermemorial.
^ota. Des iures, do rasa lalte tod gottes gebnil XIII' tivij ior. d»
Baleman Heiswin dds huD zum Grüneuwerde mit siner zagolx'irde
ao sich brobt bette and es daimuLb iiut aaot Jubäns ardea geben hatte, also
er zu derselben uit den alten gebu zu dem Grünenwerde aneving in
ernüwende, do buwete ar ocb ein nnwe capello in ere der xj tosend megede
af der stat. do nun der beaclilossene kur stft
Item vor derselben ij tnsent mpgede capelle bowete Peter toji
Kaisersperg ein hnß den gronen munihen von sant Bemhardes orden
■m reris .io man zaltf XHFKi\ iir alse mi m den ziten zudem Gruiieii-
wur.le ttiirbi^nt.
Und undcr deiiiselbon hui», bunfto Kulmari Morsivin ^leu ersten
spittiil mit mte des von Itrunsperg xu den ziteu meistor sant Jobaii>
ordens in tütsclieii landen in dorn ersten iore, also er das bull zu ilm
Uriincn werde dem «>rd('ii :^aut Ji>Lans gegeben bat, und man <<c]\ zu ikr
üt zalte XIIF hij ior. i
Item (loroselben t-rst«n spittal und den dürftigen darinnen gab H*'iii-
rii'li lUankbard vmtl L^ifen und I-iik;ird. sin bußlrowe, iiij ff gelt;:
wurdeiit daniacb zu l'ünffe inrgezitcn gemai'bl.
Item disi.T erste s|iittiil, der xj tiisent niejjedc capelle und iler v"tJ
l'iTis liull «art alles wider abegcbrotbi-n noch des gynanlen Heinrich -
lilanrbartes loile. 'U man den beschlossenen chore aneving zu hnw^nilv
dis iört's iils man zaltc XIII'' Ixxvij ior: und die diirfl'tigen Hesse nian alle
uHsterben und meinte jiimmi;r ki*in spitlal nie zuhaltende ',!U dem Gruiieu-
Item noch iles ersten spittals undergang und abbrucb vier i-r ff»r .
211*
bnwen von CüntzelznrMegede und sine hanßfrow mit sture und helfife
des obgemeldeten herren von Brunsperg, meister sant Johans ordens, in
dem ior do man zalte XIIP Ixzxj ior. 138
Erster Teil.
Im ersten Teü, der Chronik, ist in Cap, 9 [vgl. oben 180*17]
> nach dem Datum 181*27 eingeschoben:
Dis ist eine regele mit eime vorgonden briefe des obersten Sjhu
meisters in tütschen landen, mit weler ordenunge man die dürf- ^*^***
tigen in disen selben spittol zu dem Grünenwerde nemen
söl. Disen selben brief der dürftigen bihter in hendes Jiet alsus
^ sprechende:
Wir bmder Hesse Slegelholtz, meister in tatschen landen und
comendure zuLangowe sante Johanns orden, hant anegesehen die gate
gottliche meinunge der erwirdigen geistlichen herren bruder Gunratz von
Brunsperg, unsers forfahren, daruß er mit etlicher weltlicher lüte sture
^ einen spittel gebuwen het in unsers ordens huß zu dem Grünenwerde
zu Straßburg, darinne man der erbermde werg üben sol und sovil armer
dürütigen spisen und versehen sol, alse man mit dem almusen erzügen mag,
das darzu gehört : die armesten und die elendesten, die aller minnest zitliches
gefelles oder ufenthaltes von in selben oder von ieman anders haben mügent
0 und euch erbere gott meinende personen sint. das bestetigent wir der vor-
genant bruder Hesse Slegelholtz mit disem gegenwertigen briefe und
wellent, daß ein commendure desselben huses, oder weleme des spittals pflege
befolen wart, versorgen und versehen soll in aller ordenunge dis almusens,
das got luterliche gemeinet werde und och nieman von uns geklagen müge,
5 das er ungeeret blibe. darumbe sol ein spittal meister, oder welem es vom
comendure bevolen würt, ane schriben alle die dürftigen, die in den spital
werbent und erber lüte für sie bittent. und wenne ein sieche in dem spital
gestirbet, daß eine statt ledig wirt : so soll ein spittal meister oder welem es
bevolen würt die angeschribenen dürftigen alle gesehen, und welre dürftige
0 in düncket bi siner conciencien, daß er des almusens aller notdürftigest
sige und och nüt zumole ein ligering sige und ein zu swerer überlast des
gesindes und der andern dürftigen, den soll er nemen on alle ufgesihte
keinerhande gefalles oder ungefelles oder iemans gunst oder Ungunst zu be-
holende, das gebietent wir bi tngent und kraft der heiigen gehorsame, des
6 zu Urkunde hant wir unser eigen ingesiegel gehencket an diesen brief, der
Sl nAo.1i obigen chronistischen Bemerkungen folgt die Chronik in 13 Ka^itoln.
gegeben wart des nebsten tages noch sant« Joboims Baptisten tage za sdd«-
toi gihien in demjore, do man lalt« von gotz geburte vieriehen bundert jähr
"' '^^ und ein jor.
fce lier Ois sint die werg der erbermde, die unser herre Jeans Christas an dem
VT . jüngsten tage vordert von allen menschen, nnd si lobet an den uCerwelten >
zu der rehten hant für alle andere übunge: vasten. wachen, betten und ander
kestignnge des libes, alse sant Mattheiis schrtbet in dem 25. capitt«le sins
ewangelies, daS er zn in sprichet : „KumenC ir gebenedeiten mins vatters,
besitzent das rieb, das üch bereitet ist von anegenge der weite, wanne mich
hungerte, do gobent ir mir essen ; mich durste, do gobent ir mir trincken; ii
ich was eilende, do herbergetent ir mich; ich was nackent, do kleidetent ir
mich; ich was siech, so sohont ir mich; ich was in eimekerc^er, do koment
ir zn mir and trostent mich, fürwor sage ich üch, alse dicke ir diu totent
eimo dem miunesten von diesen minen brädem. so totent ir mir es."
Hiewider stroffet er die verdammeten zu der lincken hant und verwisset ii
ir sümenisse der wercke der erbermde für alle andere ire gebresten d«r
süben höbet Sünden, so er zn in sprichet: „Gont ir verflucheten hin in das
ewige für, das bereitet ist dem tüfel und stnen engein, wanne mich hungerte
nnd ir gobent mir nnt essen ; mich darste nnd ir gobent mir nüt trinckeiu
ich was eilende und ir herbergetent mich nüt; ich was nackent und ir «
kleidetent mich nüt ; ich was siech und in eime kerker und ir gesohent mich
nüt, fürwor sage ich üch, also lange ir dis nüt totent eime von dispm dfm
miunesten, so totent ir es och mir iiut.'" und dise gont in die ewijri' pi«''-
aber die gcrehten in das ewige leben.
Dis sint die wort des worhaften mund^s uusers lieben horren J1k';u ;■
Cliristi und des beiigen ewangeües santi Mattbei, dobi ein ieglich cristeii
mcn^ctie sunder zwifcl gilben und wissen mag. so ans die erbermde gotK>
ersibinen an unsenn ende und an dem jungesten tag, so miissent wir barm-
hert/.ig sin d<'n eilenden und den armen, den hungericlu'n und den durstigen.
den siei'beu und den gefangenen, darnf üch der erste und der rd>erste spittal ■■''
in dem hi-ilgen lande zu Jhi^rusiilem sante Johans ordon nnd alle spittal*
und elende herbergen in der cristenln'it gwtil'iet sint. daß sich nioman eui-
si-biildigen mag, ervindo ii'mer zn spisende und ?.u trenckende und erberimie
an ine zu übend.', urnl sunderliib ist geordent in dem spittal zu dem ürii-
uenwerdi'. dal! man U;\iinnH luTbergen und versehen sol eine zale armer ;
dürftigen, alse viel man erziehen mag mit dem almusen. daß darzu geli'TT:
die ärmsten und die ellendeslen. die aller minnest zitliches govrll'-j ud'i
ufeiithaltes vnn in .selber oder vnn ieman anders haben mtigeiit und ■'■tli
erbend gi.t meim'nde personen sint. und umbe daß d^s zarten min neue liclieu
.Ihi'^us durch tin« urnicn iliirftigi^ii in aller lurinigo und handclunge Je.-!" '■■■
li|ilnlicr und iiiiniii's;imccliclifr -.'i'narti't und L'ojiliogeu müge werden. Ab'-
213*
er selber sprichet in dem heilgen ewangelio: ,,was ir dem minnesten tant in
minem namen, das hant ir mir geton'', so ist gemeinet von der meister-
schaft sante Johans ordeus und och von den Stiftern des spittals zu dem
Granenwert, daß man anegondes nut zu vil ligender betterisen in den-
selben spittal nemen sol, die dem gesinde za swere and za ardratzig sin
mohtent, das sa anwarsch, angedoltig and minneloß mache gegen den an-
dern siechen, die ohne daß tageliche betterisig and anfletig werdent wider-
zeme der natoren. der spitalmeistor sol das fürkommen, versorgen and ver-
sehen noch des vorgeschribenen briefes lute and sage, also och in demselben
spittal ein tofelle hanget and za vorderste in dem bruderschaft buche ge-
schriben stat. in disen Sachen and in allen Sachen soll Jhesns alleine anser
gegen warf sin on alles waramb, wenne er ist der beste teil and das erste
gut, den wir oach minnen und meinen süUent für alle zitliche gefalle, so
folget uns appelos der sünden und ein gnädig urteil an unserm ende und
an dem jüngsten tage und ewig leben, das erwerbe uns Maria, sine liebe
würdige mutter, und alle Übe heiigen. Amen.
Nach den Vier-Jahren Rulmann Merswins und vor dem
Fünf-Mannenbuch ist als „dritte Materie'^ die sogenannte „hin-
derste stroffunge^' Rulmann Merswins eingeschaltet:
Dis cappittel ist die dirtte materie und seit mit ^''
eime vorgonden prologo von der hindersten strof- ♦^«*'»"*V
fungen und Warnungen, die derselbe Rulman Merswin
US götlichem tribeiide den brüdern schriben muste.
Dis ist ein liepliche strolTunge und ein gelruwe warnunge,
die der liebe Stifter Rulman Merswin den brüdern zu dem
Grünenwerde unlange vor sime tode zu eime früntlichen sele-
gerete zu letze lies, wanne er ouch von gotte größlich darzu ver-
manet wart eines sünnentages, do er den heiigen fronUchamen
in dem würdigen sacramente empfangen helte. zu derselben zit
worent ouch der brüdere nüt me denne zehene, alle von einfal-
tiger gebürscher geburt. und ist zu gloubende, daß er selber was
der lidende mensche, den er inen zu eime exemplar in dise min-
nentliche warnunge gesetzet het bi derselben Warnungen und
bi vil andern sinen worten wol zu verstonde ist, daß die heiige
drivaltikeit allen brüderen zu dem Grünenwerde ewegliche
gerne wil grosse gnode tun, ehe sü selber wellent und es nüt
verlierent mit irme eigenen willen, alse öch der liebe gottesfrünt
19 Tgl. 18*13.
S14»
in Öberlanl dicke herah geschriben hett und sünderliche in
eime tütschen bui;he von sime und sinre briidere leben und das
heissel das buch von den fünf mannen ; und stot hienoch geschriben
in disem gegenwerligen buche und in dem latinen buche und t'nh
in eime bappire, das er mit sin selbes haut gesthriben het, in dem
er öch die bn'idere zu dem Grünenwerde gar gräßliche manet,
dali sü sullent gotte dangbar sin umbe das gro^ise gut, das er inen
geton hei, beide lipheh und geistlieh, und erzelet die fHdelJche
geselleschaft, den schönen gebu, die lustlichen kammern, das gute
essen und trincken und alle notturft, die ein jeglich bruder mit '
sunderheit het gar vollecliehe, alse vil er vor gotle getar ge-
brucheu. und sprit-het denne zu jungest gar mit grossem ernste,
welre brtider zu dem Grünenwerde aller dirre goben und
gnoden gotte nit gar gröbliche dankber ist, der habe gar wenig
göttlicher minnen und müge sich sin war gröbliche erschrecken, >
in solicher wise hant die zwene Üben gnodenrichen stiflere den
brüdera zu dem Grünenwerde dicke gar vil guter tröstlicher
worte geschriben und geseit, dovon su und alle ire nochkommen
ewecUche mügent gebessert werden, alse dicke sü es lesent oder
hörent und darane ;jeilenkent und sundorlJche in diser gegenwcr- -'
tigen hindcTslen letze d«!s liclicn slil'ters Rüimati Mer^wiiic?.
die hie anevtihet und iilsus s|irii.-het:
Es bescharh eins süucut.ige:- zu tcrcien zit, du icii unsern liobeu lierrni
in ilem htilgen sacr;imente empfangen hetti', das itli in miuer iiataren (■«-
was kran^lieit lievaut. da satte ich micli nider und WDlte gerne cttenas gt- ;■
bettet haben und ettewas gntes gedenken, also ich nocli miner gewonhcit
pllige zu tunde und nuch alse ei denne gott gebende ist. aber ni-' ich dei
■ 'der was ieh anevinj,' »der ivunocli ich frediditi> (kI.t war ich mich kerti\ ; >
half i-s alles mit. und ich enmuhte mii h nit or"(ir->ii. mir viul alles uiiscrr.»
brilliere gegeawertikeit in die sinnalithe verniuifi. und was der iiifall et«ai ::■
sivere, also das iili die tinidero etteivas mit erhermde aiiesaeh. uii'l "^i^
der infall und ilie erbertiiede in mir als<i. das mich gar scr erb^irm'le imd
mich uuch ettewas fruinii^ an d''m miltt-n erbariiihertzigen gotte hPtte. dal>
die brüdere in.i.-h alse gar wenig iniiewHidiges liebtrs noch überiiatürlieho
trostes dw heiigen geistcs belindeiit und noch gar junge einvaltige lin'ider-' i'
sint und gerne tetent, was si wnstent oder bekantcnt, das gat were und nuch
alles ussonendige menschen sint. und in diseu gedenk-'U wart mir alse gar
ernst, das ich mit nmu<l" und mit hert'/.en ussolirigende und ussprei-hende
wart also; ach barHiliert/.iger milt"r gotl, nu b"k>>nne.>tdu doch alle hertz.>n «A
216*
und dn weist ouch wol, das dise bradere sint ein einfaltig gebürsch gesammelt
volk alse oncb dine jüngere worent, und du den doch hilffe, das in der heilig
geist nbematnrliche wart also, das su gar verwegentliche and fröliche wnrdent
nslöfende und mit übernatürlichen zügen nsrüfende und sprechende von dime
namen, also das din name in allen landen gekündet wart, und do ich in
diser rede nnd in disen gedenken eine gute zit was and nüt me waste, was
ich darza reden solte, do wart mir in die sinneliche vernanft zagesprochen
also, das ich wissen solte: ich seite wol wor daran, alse es na in der zit
stot, so sint die brüdere noch einvaltig and assewendig, den noch yü bristet
abe za legende, obe in das liecht übornatürlichen gnaden des heiigen geistes
werden mag, wanne die brüdere hant noch nüt ein gantzes widerstritten in
in gehebet, also das si besehent and besorgent, das si aller untagende qaitt
wordent and alle tagende daras geboren wurdent, and hant och nit wider-
standen antze an das blot; in disen Sachen bristet den bradem etwas vil
an ; wanne sol in die übernatürliche gnode des heiigen geistes bevintliche
werden, so müssent sü sich noch vaste nmbkeren and stritten and maß ein
jegelich brader sin selbes mit sunderheite warneraen, waruf er von nataren
geneiget si oder wes er sich von sin selbes angenommenheit anderwanden
habe, darof er blibet in sime eigenen willen ; das muß er abelossen mit rote
des, dem er sich gelossen het. wanne alse es na in der zit stot, so were es
fremde dem menschen, den heiigen geist in übernatürlicher wise za sen>
dende anverdienet und nnverstritten, obe das er alle untagende überwunden
bette, aber gotte dem sint alle guten ding mügelich zu tunde. und dovon were
es, das er von sinre frien gute einen menschen anverdienet und unerstritten
e erlüchtete und ime den heiigen geist übernatürliche e sante, so muste er es
doch darnoch erstritten und gar sure erarnen, also unser herre dem lieben
sant Pauwelse det und ouch andern menschen goton het, die darnoch untz
an iren tod in grosseme lidenden müstent sin und och in grosseme lidende
darumb sterben müstent. harumb vil lieben bradere alse gar sorgliche alse
es na in der zit stot, so ist uns allen ussor göttlicher minnen und usser cristen-
licher brüderlicher truwe wol zu rotende, das wir nu abetunt den alten usse^-
wendigen menschen und nu mit der helffe gottes lerent, das wir nuwe inwendige
menschen werdent, do inne wir mohtent befinden die tugent volkomener demü-
tikeit und volkomene senftraütige getultige gelossenheit in aller widerwerdiger
bekorungen. darza ist ouch einmütikeit der brüdere ein gute tugent, das si
onderenander also lerent leben ein jeglich bruder in dem mittel, das er nit
also gar sarheilig schine noch zu vil frolich und lihtvertig in sime wandel, domit
er den andern ein bürde sige, darabe man sich ergern möhte. und die brüdere
sollent ouch leren die geben gottes froliche empfohen und dankberliche liden,
es si inewendig getrenge von bekorungen oder ussewendig we in der nataren,
wenne die abangen, die wir selber an uns nement, der dinst soll bescheiden
sin. darumb het uns gott unser vernünftige bescheidenheit verlühen, domitte
wir sdllent farsehen, das uns der tüfel nit betrige. aber die abangen, die
uns gott gibt oder zusendet, die süllent wir gerne von gotte nemmen und liden,
es sige loch weler hande es welle ; wann er git nieman nit, denne das er
216'
wul getragen mag. uud es ist wol ettewas zu gloabende, sd am tläs übtr
uatürliche liebt des heilten geistes erlilbten. das mag nit wol anders tagaa
danne durch lideu, das uns got selber zusendet; wenne wisseiit vil lieben
brudere, das ich einen menschen bekenne, der noch in der zil lebet, dem ich
ourb also wol gloabe alse mir selb selber, in dem gott grosse wanderllche >
werg in grosseme lidende vor vil joron gewiirket het, alse ich selber von ime
vemummen und verstanden habe, du wissent, liehe brüder, das ime gott vui
vil joren zasante groß gmwelicb swer liden, das er über in verhiDg in vil
manigTaltigen giossen bekoraugon alles mit nogelonben, also das er alle
zit wonte er miiste ein ewiger hellenbrant sin. ime wart die heiige geschrift i
fürgehebt, die er doch nie gelerte. do inne wart ime gazüget vil worte, di«
do wider enander bdllent, das er gruse widerwertikeit in der heiigen ge-
scbrift gewan. und ime vil in, das nüt daran were, uud alles das si seit
von cristenem glühen und von allen sacramenton, das were alles nit zn gli'--
bende. alse gewan er zu allen cristeliclien werken and ordenungen keintu i
gh'ben me. und von disem grosseme lidenden we dirre utanigvaltigeD beko-
rungen und unglouben, das doch vil grösser und swerer was doone mau
gesagen mag oder sol, do enm^hte er nieman von gesagen nuch geklagen
und miiste sich vil zites darinno liJen 'ju allen befintlichen behelf von gotte
noch von allen creaturen. dariu duchte in ouch, er müste ein ewiger helle- ;
brant sin- dirre selbe mensch hette gott einen rehteu eid gesworen, das
er keine grosse swere aünde niamerme wolte getnn, des gab er unser lieben
früwen zu bürgen, das er stete wolte daran bliben. also bevant dirre mensche
anders nit in ime, wenne wie des in duhte, das er ein ewiger hellebrant
miistp sin, so ivolte vt doch darumb nüt breche, d;is er gotte gelobt nnd gc- .
Bworon lii'ttf. in diseme manigvaitigeu lidenJo der bekorungen uud des
grossen ungl'iben was er also lange, untzo daic er sin gar kräng wart uml
in duhte. er müste sin storbvu. und do die zit kam, alse es gott haben wollü.
do Hart ime lieht gesaut usscr dem heilgeu geiste, das er die heiige geschrifi
wart verstünde iu eime übernalürlicben liebtricheii cristhcben glonben, daa ■
in dubte. es were ein gewor wissen in ime, das er got anriifte und sprach,
wert' eä sin wille, das er ts imi! dannu iibeueme, ime were der glouiie
Uebi.T denn« ein wisst-n, und it wart diiriiuch iu i'ime joro iu aller siurf
uaturen alse stark, als hetti; er iiif wcttr^j uipch liiloiide.s befunden. uiiJ
wie vil uberuatiirlicher fr"'dwiriehur gundun er doiinch befaut, das ist uiisi.- ::
gpüch und unsprwhenUuh. aber noch dym jure, d" kam aber gutt mit
siner sunderberen gnoden in einer anderen wise, dii'selbe guode er •>uili
niemanue git danne den er ettuwaü rehtc wol getruwet und die er lucli
zu den groaen h"ilgen marteleni s^'tzen wil. dieselbe verdieuUche guodi-.
die er disem soll'cji m'^nschi'!! audt-rwerbe gab, das war ein soliche gn'ss« <
anmessige hekuriiniri' in ,u'ar vil maniger haude wuster wisen. die do alle
nf ketzerige truflViit, d;is e^ gar sib^id" wt're, das mau mit nndorscheide soitc.
217*
wie er in aller wise angefohten wart in anlaterkeit, die do solte zu ketzerige
tre£fen, wenne er moste in den angenanten wüsten bilden der grosen gra-
welichen ketzerlichen bekorangen asliden alle die creataren redeliche and
onredeliche, die in der zit sint, and darza, die er nit bekante, die wardent
ime za bekennende geben, er mnste asliden man and wip and das vihe and
die tier in dem walde and das loab af den boamen and das gras af der
erden, die gemoleten bilder an den wenden: das müste er alles in groser swerer
bitterer martel der bösen anlateren bekorangen lange and vil zites asliden
on allen bevintlichen behelf von got noch von allen creataren in zit noch
in ewikeit. and er wart sin also gar kräng, das er alle zit vorhte, das er za
stant sterben müste and darza in die ewige helle varen, and fant nit anders
in ime, wanne das er gott gesworen and gelobet bette bi eime eide, das er
niemer keine grosse sünde getete, das wolte er oach stete haben and solte
er och darnmb sterbeu. and do er vil zites und lange in diseme grossen
lidende der manigvaltigen grossen unreinen bekorangen was gesin und sin
gar asser messen kräng was worden, do es do den erbarmhertzigen got zit
dahte, do nam er es ime gantz und gar abe, alse ob es nie worden were
und mähte in euch. zu stant alse gar starg in aller siner naturen, alse ob er
nie kein liden gehebet bette, nnd was er ouch damoch übernatarliches grosses
friden and frowden von der gnode des heiigen geistes aber die natare be-
fant, das ist unsegelich und ansprechenlich und aber aller menschen sinne ;
and das het ouch me denne drissig jore gewert und befindet ouch desselben
nbernaturlichen friden und frowden noch alle tage tagelich in manigvaltiger
lastlicher übernatürlicher froadenricher wise, das er sitmoles keinreleige be-
kornnge in ime nie befant noch gewar wart, doch bette er in drissig joren
zu mauigen ziten gar grosse swere trücke in siner naturen gehebt and ge-
litten, aber er befant dargegene in ime selber alse gar vil übernatürliches
friden and frowden, das er alles wewes des lichamen vergas, und hette dis
onch vil jore alse getriben, das er der gemeinde der weite noch gar nnbe-
kant ist.
Dis schreip der liebe stiftere Rülman Merswin den brü-
deren zu dem Grünenwerde mit sin selbes hant in eine wahs
tovele umbe die liehtmesse desselben jores, alse er ouch us der ^^^^
zit schieL und het es ouch alles selber ervolget, alse das vor- f^^* ^
genante büchelin von den vier joren sines lebendes wol bewiset
in dem er sieh noch dem tode het öffentliche genennet, das er
doch von rehter grundeloser demütikeit in dirre zit keinem
menschen nie wolte so eigentliche kunt getan on alleine nuwent
einre personen, sime heimelichen gesellen dem lieben gottes frunde
in Oberlant, dem do alse vil frömder wunder widerfurent in
den ersten fünf joren sins anevanges, der ouch ist derselbe leige
14 Tgl. uc*i.
gesin, der den grossen meister der heügen geschrifl slroiTete und
in lere wise vi! gebesserlicher worle mit ime rette, in dem er
vaste sinen heiraelichen verborgenen gebreslen rürte, noch dem
do er gar eine hohe vernünftige bredige getet von vier und
zwentzig stücken eines vollekonunenen schoweriden lebendes, alse
das biicheliii seit, in dem die oberste zile des Abeces stot, die
desselben meisters kintlii-he letze was eines nuwen anevanges,
dadurch er gelerl wart, das er zu eime übernatürlichen erluhteten
gnodenrichen lebende kam.
.Vuc/i ilem Filtif-MaHtienbiir/i (lUU'Jl'.) folgt als ilistoiischei i
Nnchwort ;
„Diese vorgeachribene lieben rpiimle ^ 137*21 (f. - 140'10
fundent mit folgende» charaktet-isl tacken Legrarten:
137*21 !tem/eW( vor jedem Abschnitt in E, F 27 aller diser
kuntsame J allen disen wurtten und in allen iren büchem und ^
briefen 29 unserjdes huses zu dem Grünenwerde 138'5
wustent, daz sü bntschaft bringen oder enweg tragen soltent,
lü (li>5 - ]c* stfil j al.-^f Rnleman Merswi n seil ettelii'hem bnnler
zii (icm (.inini'nwerdf E, !■' 32 irrer ininnen und meinmiüeii
13Sl'li.i burger Jedelkntilit 14 mint^nder ] miniKiiiriche lU ili::t,-r- -
kunt~=:ime | kuiiLsume irre eigenen brielen nml bin-her 2iJ iLb
viirgeüdirilieiie Ijiich 21 uns, den lirüdern zu dem Uriinen-
Wiirdt 37 i'llegere |]Mth-14n*l bndies ||)lleyei- Imeli. ilaru.-^ di#
gegenwpiiige Ijucli gwcliriben isl und auch elteliclie derscllieii
gniti'.s t'ründo brief'e usser dem Lriei'ljiichelin zu tleni (ininrn- ■
werde K. F 14(1 4 bnider Cl;uiseii |demsell.eii E. b" 7 biiidcr
Clans V. l,-i|Vne p'lilt.
14(1 10 nuri, tinidenl yV// </er Tfxt i<;-if.-r :
Wie diike sn nucli in vil \vi:ieii ge^ueliot sitit, so ist nlwf
mil iliiriis worden, weiüie si gntt wcl verbergen kann, das su mit
riiensehliehen sinnen noch mit natürlichei- wishcil nüt zu vindt'ii
<int. wir so|lt>nl si nn liirbas nie suchen und oiich linden in
dem ewigen lohende mit ervolgende ires mirmesamen guten ruie^,
alse ii'e luiehcr uns mLUiigvaller|i<;he bcwisent und oiuh irc
219*
tröstlichen briefe sagent, die alle zusammen geschriben sint in
eime briefbüchelin zu dem Grünenwerde.
Aller diser grossen fruhtberen gnoden und goben gottes :r=
146*34-148*22 Schluss, mit folgenden Abweichungen: 146*36 und-
6 erzogen fehlt 147*23 dise gegenw. briefe und alle ire materien ]
all ire briefe und materien 31 eweciiche beste tiget und gehant-
habet 148*14 verwerffen noch vernüten ] versmehen noch ver-
werffen 15 wir von cristeniicher ordenunge und von gottes geböte.
Nach 148*22 ist als Schluss beigefügt:
0 Die almechtige ewige heiige drivaltikeit, der wirdige hoch-
gelobete aller oberste patrone, het sine alte hovestatt zu dem
Grünenwerde wol und vestecUch fundieret mit grossen löbe-
Uchen zeichen, alse in den Urkunde büchern und hie in disem
gegenwertigen buche und öch in dem briefbüchelin manigvaltec-
5 liehen geschriben stot, domitle er ouch sinen userwelteu
heben fründen und Stiftern hette geoffenbaret und schinberliche
kund geton, das er dieselbe hovestatt mit sunderheit minnet und
meinet und mit grosser miltekeit darzu geneiget ist, also ouch
hiebi ein jegelicher mensche selber wol merken und verston mag,
0 der do wil ansehen und für sich nemen den schönen grossen
lustlichen gebu des huses und die erliche köstliche gezirde der
kirchen und des gottesdienstes, der so kürzlichen ufging und zu-
nam in dem ersten anevange mit anderer üblichen notturft, in
der gott die brüdere und peraonen sogar voUecliche und genug-
5 samentUche versorge te und versach und das hus und die personen
ouch eweciiche versorgen und versehen wil, alse lang ein erber
geistlich leben darinne gehalten wurt, des wir ein gut getruwen
bilUche süUent haben, und vil grosser frühte und tröstlicher goben
und gnoden libes und seien in zit und in ewikeit sich sünderliche
0 versehen mügent in guter hoffenunge und in gantzer zuversiht
alle die personen, die in göttlicher minnen und in getruwer brüder-
licher früntschaft derselben hovestatt kuntschalt haut oder iemer
daruf wonende werdent in geistlicher behutsamkeit, alse vestec-
liche zu getruwende ist den aller obersten wirdigesten patronen
5 im himmelriche, der allmechtigen ewigen drivaltikeit, Marien der
wirdigen muter gottes, den hochgelobten himelfürsten sant Johanns
Baptist und sante Johanns Evangelist und allen lieben engein, die
— h — -^ geworer Urkunde in redeliehen guten viotUwÄÄXi ^>afcT
220*
hovestatt zu dem Uriiueo werde husherren und patronen sini,
alse hievor ein oftenbarunge gesühribeii atot des lieben frünl gottes
in Oberlant. unser üeber herre Jhesus Christus losse uns iie-
niessen diser heiigen hovestatt und siner grossen rainnen, die er
dozu hell und aller sinre userwelten lieben heil[j;en und CrüDde, '
das wir durch a\ ervol^ent aplos aller siinden, ein luter \thea
und ein gnedi^ urteil an unserm ende und an dem jüngeslen tage
und ge:nein3arae mit in zu liabemle in ewigen frouden. Amea
Niich dein BeniaHgungshHrf' Konrads fin Brattnsbeiy
(1385) und dem l'pfgereid (Vi9:i), folgt ah Scldussbemerkung: i
Alle dise vorj;eschribenen materien von der Stiftungen und
der Stifter leben des huses zu dem Grunenwerde sint ge-
schriben ug der drier weiUiclier pflegei-e Mentoriale büther. der-
selben memoriale si'i ouch eins geben hant herrn Hessen Siegel-
holz, dem (Jbersten meisler in tiitschen landen sanle Johanns i
orden, und allen sinen nachkumen; und ist das vierte memoriale
dieser selben materien von des Grünenwerdes ernuwerunge
und gestifteter ordnunge, köstlich gemf)let mit etteüchen andech-
tigen figuren zu handgerer ergetziinge der sinnelicheit und dpr
iialuren in gi'ln.'sserliclien gouenwurllün iler aiidfelitigfii vc'r:ii;i- ■
neiiden bilde.
Ou;.'li schribent die dric w('llli''hen pllegcre dem übersleii
' meirtter mit sime Memnriale eini'n brief, do er von Rodis Iht-
uber koinen was in diser l'orm alsus sprechendet
riisprii gi-ivillig'-miieiist i'nbiefoti wir iiw>Tri gnaden bevor — I Sfi* 1 - -j,'!- ■
l)is i-t ein sunder |in>lü'.;us und ;uievaiig mit roler ^isi-hnll
in lies yher,<l(.'n iiieislers M(.'iiiorial(d)ui-h zunelist dovor geiiafil
' doeli fttewas anders denne der [irolngus in der drier wcltliclier
pHegtT Memririaie. da^ ouch eine nibcrike i:>t:
D\i U..mnrjal.' buch ist und sull sin eins icglioh^u "ber>ti'ii m<\i\..::--
uiid [iriores in tiitschpii liuiden saiiti' Jobiiiiiis ordi'iis — 15',i*]j- li!ii'4
(vgl. lUl^ülifT.V
Zweiter Teil.
Dis istdie minre brdderschaft saute Johans orden mit dergnoden ^*y^'
und appelose, den die bebeste dem orden in soldes wisen gegeben hant l^.^^^
irem costen zu stnre, den sn haben müssent mit ritter and knehten iren
dienern die cristenheit zn beschirmende vor abervalle der beiden, dnrch
soliches schirmes willen gcnt die bebeste eime ieglichen menschen dise
nochgeschriben gnode nnd appelos, der sich in göttlicher minnen und in
brüderlicher tmwen mit gelübete verbindet zu demselben orden sinen nutz
zn fnrdernde nnd sinen schaden zn wendende on iren schaden ungeverliche,
alse onch zu R o d e i s über roer ritter nnd knehte zu den heiigen sweren
müssent nnd alle, die derselben brüderschaft begerent, alse ein erwürdiger
comendure zuKlingenowe und zu Bubekon, genannt bruderWern her
Scharer, mit sin selbes munde seite bruder Ciauwes von Löfene, eime
convente bruder zu dem Grünenwerde zu Straßburg desselben sante
Johanns orden, in den ziten, do ime die brüderschaft wart bevolhen anzu-
schribende.
Dise gelübede soll ein priester desselben ordens, dem die bruderschaflFt
bevolhen würt von in enpfohen demütecliche uflf iren Ivnüwen und soll in
das krüze an sinem mantel bieten zu küssende zu eime zeichen brüderlicher
gemeinsame in got ewecliche; und soll südenne in das buch schriben under
den buchstaben, an dem ir namme anevohet noch ordenunge der obersten
zilen des abeces, die gantz noch enander an alle bletter des brüderschaft
büches geteilt und geschriben ist und endet mit dem V, wenne selten kein
name beginnet an dem Q^ an demX^ an dem Feder an demZ, darnmbsint
sü an diser ordenunge underwegen hüben.
Alle menschen, die sich alsus gebrüderent und gemeinsament in sante
Johannsorden mit solicher geliibede und mit eime jerlicheu opfere nnd ettewas
nrkündes besetzent noch irme tode, kleider oder kleinster, barschaft oder
gewerde, sovil ir minne und vermügende sü underwiset und zu tunde git;
derselben gedehtnüsse begot man alle fronfasten mit vigilien nnd mit sele-
messen vier stnnt in dem jore und werdent och teilhaft alles des gutes, so
in dem ordene geschiht durch die gemeine cristenheit und och des appeloses,
der hienoch geschriben ist usser den pullen und Privilegien, die in dem
latinen Urkunde buche zu dem Grünenwerde von worte zu worte eigen-
lichen und gantz geschriben stont.
Dise selben vorgenanten bullen und Privilegien in dem latinen Urkunde-
buche wurdent geschriben usser dem registro des erwürdigen geistlichen
herren bruder Cunrades von Brunsperg, meister in tütschen landen sante
Johanns ordens, der alle bullen und Privilegien in sime gebiete dem tütschen
priorate versamelte und in sin buch tet schriben zu allen capittelen, die er
gewönlichejores hielt zu Heimbach in Spirer bistom, darus och der teilber
appelos und der anevang mit der bebesten namen einer jeglichen bullen hir-
noch alsus geschriben und geordnet ist:
Bobeat Honorias der dirte vergit den siebenden teil gesetzet«r bullen
allen den, ttio den brüdem sante Johanns orden mit irem zitlicben gnte bs-
holfen sint . . , .
irone Bi den woffen bekennet man eines jeglichen heiren adel, wirdekeit
Haunes ^^^ jj^j,^ bürge and lant. alse het Seh die almehtige heiige driTaltikeit ir ■
altes hns zo dem Qraueuwerde mit iren sohinberen woffen gewürdiget
nnd ir selber geeigeut and ire eigenschaft kuntlich gemäht allen mettscbec
mit driatniit lirien bezeichnnngen der heiigen drivaltikeit in inbildimge d«r
hetlgen drien namen : vatt«r, san und hetlger geist, die in allen gebettea in
cristenheit tegliche geeret nnd angemfCent werdeut in
Der Stiftungen dtsselben base'i za dem Granenfferde sintdrie der
aller erste alte gebu der nawe beschlossene thor mit sinir zngehurden tmd
aer spittat mit sime begriffe das ist eine bezeichnunge des Tätters Teremet
mit dem snn« nnd mit dem heilgen goiste
Der pdtrouen zu dem Gruuenworde smt cb dne die heilge dri- it
valtiheit las beiige aacramente und die zvrene sante Johannse der Baptint
und der Evangelist das ist die andere bezeuhnnnge des sanes vcreinetmit
dem «atter und mit dem heilgen geistc
Das heilge sacramente stet !k\i an drion stetten zu dem Grünen
werde nfi dur heilgen drivaltikeit altar in dem cbore und in dem spittal 't
das ist die dirte bezeichnunge dos heiligen geistes vereinet mit dem TaUer
ni mt der
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ffesLlirib np Ine drn iltigc ^tiftunjt » hungen und n
r um I t be-theheu dnrth diu fruiit gottes uuge\irliLl ■■u u
liirl iikeii und naineinen MjliLhe m inuiigL diriiiiii> l\ lia
tiri kiintlicU scluiiber werg \ r heilgen drnaltikeit und em
rrt iiiit^n almLlitikeit und in mniiienrichi'n dematigfU neig
*eii V '■II het m irem igti en alten hu'^e zu dem Grumi
I ellier urKunle jjenug g gel en hit und git mit di Tg. ei
rdunungcii und h in fliiil runjre des sehsten cij itt< 1 u
i)i in IV ihiltL li h I iig t unl vcit unl merange i s ip
■PI I
1 II
I j rzak inte J h i
1 htii en g li jit ]
223*
ein convente brador za Bodeis über mer tet in rime schribeu einem ge-
lerten meister pfaffen, der des Ordens sünderlicher frünt und diener lange
zit gewesen ist ... .
*
In unserem lieben herren Jesu Christo so sind gegrußet ir lieben ns- l^aJctat
5 erweiten kinder gottes. ach ir lieben gottes minnerin nemment uwers hertzen
und des gottlichen insprechendes mit fliße and mit ernste war, das ir nüt ver-
furet und verblendet werdent mit der Creatoren nnd in uweren eigenen na-
tnren. and wellent ir gerne werden innerliche spontziererin und heimliche
minnekoserin des minnesamen ewigen küniges, unsers lieben herren Jhesu
0 Christi, so mnssent ir üch aller creatnren gäntzliche entschlagen und za mole
nrlop geben, alse verre ir iemer mügent vor rehter redelicher notdarft. und
müssent üch ime alleine in allen Sachen zu gründe lossen on all creaturen
behelf.... Schiusa Bl. 150^: „lieben aserwelton gottes kinder, na lerent
bi minen gebresten uwren gebresten bekennen and ablegen, and nement
5 aller diser werte mit ernste war and mit miner wercke laterliche durch got,
wenne ich habe si gestudiret us dem buche alles mines gebresten üch zu
einer minnesamen warnunge und yermanungü .... das wir des [ewigen lebens]
mit undangberkeit und mit keinreleige untugent oder gebresten niemer ver-
lierent, das helfe uns got und die liebe Maria und alle liebe heilgen. Amen.
Es sol eiu iedor pflcgor schweren clnüii oid zu gut doiii aliuechtiGren, dem Ffltger
hcrrou coinmentur und dorn hus zum Orunon werde get.ea und günstig zu sein,
des heru comonturs und des hauses nutz und frommen zu befordern und zu werben,
dessolbigcn schaden zu warnen und wenden, sovor ime milglich.
Do auch lo zu zoiton eiu commontur ine erfordern und beschicken wird (wo
nicht verhiuderlicho Ursachen ' vorhanden) soll er gehorsamlich erscheinen und nlsdan
neben andern seinen mitpflegern (was durch den herrn commentur proponirt) statlich
und mit allem flois helfen erwogen und beratschlagen.
Weiter so sollen sie, die pflegere. ingemein und in Sonderheit alle des hauses
rermClgon auch jilrlich cinkommen und gefeil, iren barschaft, klcinoder und do/-
gleichen one redliche Ursachen niemand eröffnen noch anzeigen, sondern das selbig
soviel ime dessen zu wissen ist, oder si ieder zeit, os sei bei rcchnungeu oder son^t.
erfahren, in geheim und verschwigen beh.alten.
Es soUen auch die pflegere (neben und mit einem commentur oder stathalter
und sundorlich in deren abwcsen) uflf den schatfncr und ander gesiud des gleichen
die ganze haushaltung, soril ihnen nach gelegenheit iederzeit müglich, achtung haben,
domit durch die selbigen dem herni commentur erbarlich ufrocht und getrewlich ge-
dienet werde.
4 Bl. 140*- 150^ folgt ein aszetischer Traktat, der viele ÄhnUchkeit mit dem
SchürebraDd {i%\, 149*) aufweist. 20-324*13 sind in späterer Zeit entstandene
Nachtrftgsbestinimnngen zum Pflegorbrief.
2U<
l>a ancb (ie, diu giflefu, et«r&s errOrso, im dam hun cd schaden rtlches
o<l«r geUnEFn niOcht, solleu ila denen einea eonunantur Tor treQirlich. ben^bwi,
damit dolii'.bain schad«» bsi giitai lelt mn^e rnrkoniQti xsrdeii.
Im Tall lieh niii^h einig iiniiiL. noli oder derfleich^n in rllgodarhtein hau« lu
trüge zwisi:hen dem L-oinmeiitur und üem ge^laJl. und der comaieiitur iolicli« ilnn
I>fiefen] uifirecht oder sie dsiien Enast in erTahrunp ktmen, üü «ollan hie dis -ivH'
nlEvn pa.-tolen fUt sirli und einen (omoientac errnrdem nich Dotdurft TerbOrcu und
nach einKonnniunem lierieht mit beitam flill undetatan die Parteien gOtlieb lu clulten
und Tvtra^n und In allweg sotII mOglieh daran sein, das saleh spen and was hi>ui'1<ii
deoi baiia lu un[llmpt reichen luOcbt, durch Eebütlicb erbare mittel hint*!"f^ ""^
■lieht ftuierhalb ia hauses neitldüg ausgespreit werden und sich in dem allen lunJ
iraa lonsten dem hause lu fut kamen mag) beweisen nud enoigen. nie ehieu W.ntn
rnn adel und getreten iiflegem nuBtat und geliEIrt uu ^evecd.
V.
Das erste „Übriggebliebene Latein-Buch".
1.
Kapitel 13—25.
Das 13. capitel des lateinischen Memorials redet von einem 13. KapUa
Sendschreiben, so der viel geliebte freund gottes im Oberland
denen weltlichen priesteren zudem Grünenwert, bevor es dem
St Johannis orden übergeben wore, geschrieben, und überschickte
ihnen zugleich das nächst hierunten beschribene buch, welches
handien tut von bekehrung eines magisters in der heiligen schrift,
in welchem buch das Abc oder Alphabet der 23 buchstaben be-
schiiben steht, diser brief ist uns zugeschickt worden samt
dem erstgemelten buch zur zeit, da die weltliche priester die kirch
zum Grünenwert verseheten mit singen und betten, und
lautet dis Sendschreiben wie folgt:
Denen in Christ« Jesu geliebten Tatteren und brüderen das hanses zum BtgUit-
Grflnenwert heil, fried und freud. das gegenwärtige buch wird euch ""^f**"
zugeschickt = Brief Üi. 5 (82'18£f.) Schlma: ...geben am montag '
■ach der reinigung Maria im jähr des herm 1-369. f^^ g
Was oben der gute freund im Oberland von entdecken,
von nachforschen, von etwas wildes entdecken reden thut, deutet
er biemit auf den heimlichen großen und übernatürlichen freund
gottes, R u 1 ma nMerschwein unsern vielgeliebten Stifter, dessen
heiliger lebenswandel damals denen priesteren zum Grünen-
J Kap. 1-13 (?) aatliielt die Chronik, Tgl. 164' ff. . Du KuniTiedrackta sind
in pmmith«Ma b<dcB[Agto eiUatamde BemnibniiBen Qabnuniu. DisHlben dnd ma
n «ie tOr naur« Zwecke wicbtii achieosit. i t^. 1T*80 ' 16 t|1.
226*
wert noch nicht bekant wäre, und sein freunt im Oberland,
der das obeschribene sendsiihreiben an sie geschriben, wollte,
dali sie thütten nachforschen, umb denselben zu enldeL^ken und \>e-
kant mit ihm zu werden; dan er selbst wollte ihnen in disem
Sendschreiben ihn mcht entdecken und bekant machen. •
Bister- Das 14- lapitel des lateinischen Metnoriah erzellt, wie der
iueh vielgeliebte freiinl gotles im Oberland einen raagister in der
gotLsgelehrtheit ersuchte, er sollte ein hoch gestudierte predig
thiin: so er auch gleich gethan von 24 punkten eines volkomeoen
lebens. dieser treünt gottes schreibt wie folgt: "
iinmon gjttus. Amun. Im jähr druBuliBnhuaJBrt viortiif snchs «ire in
«iuur eanisien stntl ein magiMar, Aec ia selbiger stfttt fmiigie und eia froDuD in-
ikntt hatta: nnd das Tiilk iha gern barta prodiEnn, so datl man rial stund «alt toi |
dieEem piediKfli' rodotq, dessen rulim Baub bis >u oiuem seTiGsan weltlich«! witt \
Tun dUer atett ■'ntlogen käme, düar weltlicha wurde drd a*eht nacheinuidBr In ^
(cblaiT ennabut. daU ec tiii^iilieii lolt« in diu« «toU. dUon predige; baron prcdipu-
w glengo ulBo blu in dlte )>tntt. bd geitni 30 stund von iela«i wuliuuag untlnivi
waru. ei- kumc in di^ei itatt, wo di»er ma^litac wäre. tn. ruheta aui und bat» i^ .
wohl ttkulT mabl hOtoa predlgsn. diser weltliche SKlie lu >sinem guist, daß dUu
macitttt van Batui ein liebtelsher suirtmatiEar lla«bT4[sUDdlger und iu der bolUpa ^
Sfhrift Koluhflwr man n-Äro, alltr «icil« rioJ im p-isl ^rJvichtOl miy .l-rrn hel.t r'"'«-
Kapitel
1346
n«llll<
i..„ /(«s^i ft'.iVÄ« i-i.« (Jfv liHvhr-in.1 r.fil.r^ .
-,.lu,i;fd Das \h. ca]>il(:l i/i -/-'w h.it,-u>i^rh.-n Meih
■i S./i,».\il : Sa-l:-
, hifynit^'-h.'H M.-m:riül.
,;ni<r!„;i Memorud.
227?
Das 18. capitel in dem IcUeinischen Memorial, 18,Kapite.
Nan herr magister, wie es mit euch stehet, ist nicht mehr nOtigf daß ich euch
weitors unterrichte .... Schmidt j a. a. o. S 26.
Das 19. capitel im lateinischen Memorial, 19. Kapitel
> . Auf dis schickte der magistcr nach dem weltlichen seiupm freunt : da er käme
erzeilte er ihm, was ihm widerfahren .... Schmidt, a. a, o. S. 28.
Das 20. capitel in dem lateinischen.
Also ist der magister auf besümten tag komen und fangte seine predig also 20. Kapi^
an : Vielgeliebte kinder .... Schmidt, a. a. o. S. 35.
m
) Das 21. capitel in dem lateinischen Meinoriat haltet in s\Q\i 21. Kapitel
ein andere predig dises mag isters, so er auf den sonntag Judica
gethan, in welcher er ein förchterliche erscheinung von den peinen
des fegfeüers erzeilt hat, die er selber gehabt.
Nach disem wurde diser magistor ron dorn weltlichon ersucht, daß er ihme
S ein gemeine predig sollte thuu .... Schmidt, a. a. o. S. 45.
Das 22. capitel im lateinischen handelt von einer predig, so ^^- Kapitel
oftgemelter magister gethan von dem heiligen sacrament des al-
tars, v\relche der obangezogene weltliche, des magisters geistlicher
söhn, ratgeber und getreuer freünt gottes im Oberland, einem
0 weltlichen priester zum Grünenwert abgeschriben überschickt
ein halbjahr nach ankunlft und Übersendung dises gegenwärtigen
buchs mit dem abc oder aiphabet der 23 buchstaben. und fangt
er dise predig an wie folgt:
Geliebte kinder! das ovaugeli dos heitigen tags ist, das unser lieber herr sagte
S den Juden .... fehlt bei Schmidt (vgl. 42*13).
Das 23. capitel im lateinischen haltet in sich ein predig, so ^3. Kapitel
der nembUche magister ihren fünff eingeschlossenen jungfrauwen
gehalten hat und ihnen gezeigt, worin das wahre leben der ein-
samen und eingeschlossenen jungfrawen bestehe, damit sie sicher
> und näher zu gott können kommen.
Text bei Schmidt, a. a. o. S, 54.
6 Grötzmaun bemerkt: „Diso ganze predig betiiidet sich in dem lateinischen
•memorial am 19. Bl. in der S.Linien, alwo du si losen kanst. und vielleicht auch
unter seinen getruckten predigen, so in unserer bibliothek, getrackt zu B a 8 e 1 . im
'Jahr 1522, a]wo auch das obgemelte Abc stehet anfang des buchs.'* Ähnliche Zu-
folgenden Kapiteln.
228*
Kapiid Das 24. capitel im lateinischen Memorial handlet von des
magisters seligem end, und wie er nach seinem tod dem well-
lichen seinem freünl und freünt goltes ersehinen:
£9 Ist EU wbssoD, das varKeaiBltei uisgistar .... Schmidt, a. a. o. S. Sl. ScAlim:
um uibreoheBden tag ib»r echribo ec alaob&ld dein {'riar uad ord«iut>i[ldei«n auiu i
briuIT und «riallta ihnen, via der mtijniCer ihm erachieDsn und kbs ar mit ihm rerc^
dtinit Hir dem liebr«ici>en eiaoipel uiissrB hsrrn Jesu llliritti OBcIlf'jlgaa mdcbWll.
Eo halfa lins Bsins ewija «»hrhoit. AniöD.
Kapitfi Das 2b- capitel in dem laieinischefi Memorial handlet von
einer vorred von dem lebenslauf der ersten vier jähren Rulmim "
Merschweins, unseres Stifters, wie er es selbst schriftlici! nach
seinem tod hinterlassen von anfan^ seines lebens:
Dises buch wird einigerweis betitlet das leben der zweien
Stifteren des hauses zum Grünen wert, es ist ein besondere
hoche gnad, kraft deren das haus ist gestift und gehandhabt ''
worden, und dis soU ein andächtige hewegursach sein allen brü-
deren und personen, die nun und künitighin in disem haus wohnen
werden, daß sie ernstlieh und wUüglich trachten und hoOen aolleo,
durch die Stifter sich in ihrem leben za besseren und große
fruchte von ihnen zu empfantjen, waii sie nur wollen solihe -
discm haus widerlalircnc .unadcn mit dankbarkeit ansehen und
erkennen und fieilii^; nachsirmen. wie üutl mit wunder diii^ dises
liau.-j be:-'na(ii;j;t, und wie helli.ü disfr zweier sliftereii leben :Je-
wesen. wie liie bcfde durch vielfülliiie uud i^nille anlechlungen
uTiil Icidt'ii von einer Übung zur anderen wiinderharlich von gnit ■'
^find .i;eliihrt worden zu einer übernatürlichen und früliehen er-
kantiHis gi.ties, wiiraus der ;;aiitzeii cri^tenheit viel gutes eiil-
sprunyon. wie en lian lies<lirielieii wird in eini,L'eTi büiheivn in
üerTieiii leiilsili. wolclic the lii^edc nbgemelle Stifter ans liebe
gollcs sclb.st liesrliribfii. sii' haheii vi(d bn^en iiapier und aiih ■
briel' ^csi-hiibcn /Min besten des n;irhsteii.^; sie haben au-h
vuM -nit bi'felil :jeli;ilH einige zn sihreibeii ah benantlirli und
snnilcrlii-ii das liinli vini den zwei m:iiinorn auf teuLsch .üeseliriben.
i'itil ^ein hfimlirli/T
f 229*
dises buch handlet von dem lieben heimlichen freunt goltes im 2
Oberland und sagt, wie disera in einer übernatürlichen ver- ^"'"'**
Zuckung der büßen voll der küstlichen biren Isl vom himel geben "
worden, item ein kostbarer ring und ein blut getunktes tuch.
6 auch ist ihm in einer Verzückung ein solche gelertheit eingegossen
worden, die er 30 wochen behalten hat, dali er die ganze beilige
schrifl wohl verstanden, als hätte er sein lebtag in den hohen
schulen gestudiert dise gelertheit aber hat er nach 30 wochen
widerumb verloren, oder besser zu sagen ist ihm wider von gott
10 hinweggenommen worden, noch andere ding, Wunderding, sind
ihm widerfahren in den ersten fünf jähren seiner bekerung, die
er selbst eiijem freunt gottes geoffenbaret, und diser freunt gottes
hat ihm hingegen erzelt, was ihm inert 17 jähren widerfahren,
wie daß er nemblich dise lange zeit in großer unruhe von einem
U wald in den andern geloffen, und wie er endlich von einem ein-
siedler betrogen worden, der ihn gesucht von dem weg der Wahr-
heit abzuTühren und in fall zu bringen, wan ihn golt nicht gnädig
bewahrt und behietet hätte, eben dis buch handlet auch von Y*""'
dembüchlin, so Rulman Merschweio, unser vielgeliebter vatter,
M selbst geschriben und sein silbernes pittschaft mit einem riimen
daran gehenkt, und dis büchlin nach seinem tod ist gefunden
worden vom anfong seines lebens handlend, wie nemblich er,
Rulman Merschwein, in den ersten vier johren von einer
Übung oder anfechtung zur anderen ist gefuhrt worden und
!fi Ton seiner übernatürlichen und unaussprechlichen gnadenreichen
herzeosfrölichkeit. er hat auch bei verlust seiner seel vor seinem
tod bekennt, das alles wahr seie, so darin geschriben und be-
schriben stehet, und fangt er an zu erzelen und schriben wie
18 Nich hältt fügt GOtziuana bei : _Iiisa ub^uante «uüdardiug tob danca koit-
babren bire.... lelnd dem heimeUcbea freOnt uiisers atiftters RulmiD in Ober-
Ikod wldarfthten ; ubd saind «ie zu leOen n&cb &llen umnUailea Mar oaten in dem
89. cspitel. und ist eben diaer heimlicho freunt Im Obeilknd eioer der z«e«D
ubineTD, TOD welobeD da« bucli von den inaon m&Deren bandlet. daS der iwaito
man unser ttiStci Kuliiiau MmscliHein aeyu. Ut gantz geu)i\ und nicht zu
xtetyfäUn. in diseni 3tl. ripital wird der htiimalirbti friiuat Gottes in Oberland
dar jniigera, der andura uian üiilnian aber dar ältere ganeDst.' Dia kurair ge-
letitan Worte stabon ober KianrL teI. 19-|6 31 Tgl. Itll'l, 11.^*13. Uameiat
Kultuanrjä iü Sidm.-Mei-»v>. ZuaaU GbtxvAaimx'f
ipittl
230»
ier- Darauf folgen die Vier-Jahre nach dem Text des deutschen
*'"■* Pflegermemorials (S. 191*(r.) mit folgenden Überschriften: ,.ltem
'•-^8, ((jjg vierzehnte eapilel ist die andere matery und sa^t von deneD
ersten viere Jahren des Ruleman Merschweins, so er selbst
geschriben und zwar besDnders von dem ersten jähr seiner be- '
kehrun;^. — Item das fünlfeehnte capitel sagt von dem anderen lUiiJ
drillen jalir seiner bekehrung. — Item das sechszehnte eapitel sagt
von dem vierten jähr seiner bekelirunji.
Es fehlen jedoch die 2 Parenthesen 195*39 a. 197*7.
Kapitel 29—31.
^1 Es geschähe anf oin sonntag umb die stand der tertz, da ich das b«i- it
lige sacrament des früDleichoams Jesu Christi empfangen hatte, daß icli
schwach wnrde. dammb setzte ich mich aiiler and wollte gero betten odtr
etwas geistliches betrachten, wie ich pflegte zu thnn. aber was ich nnr
thatte nnd wie ich mich nnr zq disem schicken wollte, kOnte ich nicht zn-
wegen bringen noch betten noch betrachten, wie ich sonst pflegte lo thna ii
nnd such dem gott mir vermittlest seiner gnad pflegte einiageben; ans«n
brüder woren mir alsu stark im sinn und gedanken, daß ich sie nicht köute
aaOschlageii. und dii' gedanken von ihueu woren von einer sach. dio nur
schwer und leidücli vorkäme, su dafi ich wegen diser sach, so mir vonibii-'n
imsinnwyre, ein mitleiden mit ilinentruce.... stimmt inhall! ich imV^J^f •;'■>'- :■
:>lß*3.
Vielgeliebte brüder. Ich kenne einen menschen, der noch bei leln'Q
ist, dessen worlen ich wohl glauben zustelle als meinem eigenen wurt, au
welchem gott große niiratkel und wunder gewirkt hat vor vielen jähren, w
ich selbst vernommen, aber gott [hatj erschrOckliches schweres leiden ül^i ;■
ihn lassen kommen in vielfültijren großen anfeebtnngen absomierlich wiAr
den glauben, so dall er oft si'hier veringt und meinte, er wurde verdaniljt.-
^ bis .s. i;u*:\<>.
Durcli di:sen weltlichen, [lulman Mcrr^tihwei ns lieimliciieii
.u'esell und l'ri'unl, hat .snit Juden nnd heiden auf ein wundciiiaii'
231*
weis zum cristlichen glauben bekert und auch die cristen von
ihren sünden zur büß. disem weltlichen hat auch gott wunderbar
ding geoffenbaret in der weinaeht im jähr 1356, wie solches in
einem teutsch geschribenen büchlen zu sehen, welches auch handien
thut von allen mänglen der gantzen cristenheit, [welche gott] wird
lassen komen, wan kein besserung solte erfolgen, in einem
anderen büchlen wird auch schön beschriben, wie diser weltliche
freunt gottes in seiner jugent gelebt, da diser noch ein knab
von 15 jähr wäre, hat ihn sein vatter in frembde land geschickt
die handelschaft zu erlernen .... übereinstimmend mit dem lat.
Text 5o*20'57*43. Schluss: .... ist andächtig von der weit ver-
schieden und so wohl gestorben, daß zu hoflen, sie seie nun vor
gott ein große heilige.
Praedilecti igitur fratres et persone etc. Dahero viel gelitte
brüder .... Übersetzung des lateinischen Textes o8*37'ö9*18.
*
Das 30. capitel im lateinischen so in dem kleinen teutschen 30. Ka
mit C gezeichnet nicht befindlich handlet von einem Vogelnest, in
welchem sieben annoch ungefederte jungen vögel waren und
4 Nach büchlen fügt Götzmann bei : ^welches bei der ciistorei befindlich, dessen
erste blätter in die helfte und das erste pergamentene blatt am eck oben bis in die
mitte herunter von den schaben zerfressen, und fangt also an : Xoli timere etc.
Genesis 46 t. 8.** Die sechste linien fangt also an „also es statt geschriben**.
14 Gotzmann leitet diesen Abschnitt ein mit den Worten: „In dem 29. capitel des
lateinischen Memorials, welches buch in folio mit einem A bezeichnet und in der
custorei befindlich, ist annoch hiehero zu setzen und würdig zu lesen ein ermahnung
an die brüder zum Grünen wort, so am end des *29. steht, fangt also au: Prä-
dilecti igitur fratres . . .** 15 S. 261 bemerkt Gotzmann mit Bezug auf dieses 29. Ka-
pitel : „Es ist annoch anzumerken, daß einige bücher von dem lieben freünt gottes
im Oberland dem Rulman Merschwein unserm stiffter zugeschickt worden^
von welchen das lateinische memorial oder urkundbuch am end des 29. capitels meldung
tut und in der custorey nicht befindlich, die er selbste geschriben. und seind folgende
(und befinden sich auf teutsch in dem großen urkund buch mit BJ : Igniculus ani-
mae im buch B fol. . . . Üb. 7. Spiritualis et misticus gradus in buch B lib, 6,
Captns miles in buch B fol. . . . lib, 2, Spiritualis et mistica scala in buch B
Üb, 5, Duae claustrales quibus in carnisbrevio supematurali modo super capita
rubea rosarum serta reperta sunt im buch B fol. . . . lib. 4, Ürstda clausa im
buch B fol, ... lib. 3. NB. in äisem buch B findest noch sehäne Sachen.*^ Das
kursiv Gedruckte sind sp&tere Zasatze, die Götzmann erst beifügte, als er das Große
deutsche Memorial (mit B bezeichnet) aufgefunden hatte. Die Foliozahl ist nicht
ttn»«»AhAn 16 Vgl. 18*16.
3S2"
solches in eim gesiebt dem lieben friint gottes im Oberland
vorkomen, wodurch die brüder zum Grünenwerde vorsjeslelli
und bedeutet wurden.
einest Dis ist die Vorbildung des hauses und der brüdere zum
Grünenwerd, welche dem freunt gottes im Oberland im scblat ■
als ein gesiebt vorkomen, zur zeit als nicht mehr als siben brüder
da waren, under weihen einer töLlich krank läge und bald her-
noch gestfjrben. zuvor waren neun brüdor, aber kurz vor disem
gesiht seind zwei brüder in ein ander oi-denaeonvent pausen, bliben
also nur noch siben; einer von disen zween wäre ein vierzig "
jähriger prieater, der zweite ein achtzehen jähriger mensch und
wäre ein evangelier (oder diauonus) und so wurde dan dises ge-
siebt den überigen siben briidern in einem freunlhchen brief kund
gemacht wie folgt:
Aller liebste brüder, ihr aolt wissen, daü ich für dises mahl in der nacht i:
der elf tansend juDgfraQwen am inorgeo gegen tag einen tranm gehabt gleich
einer erscheinnng auf dise weis, memblicb es dankte mich, als wäre ich auf
einem hohen berg and sähe alda ein großes vogelnest ^= Brief nr. 3
(bl)*5 ff.). Schluss: Geben in Lothringen aaf st. Cecilientag im jähr 1377.
Kapitel Das 31- cajiilel im luteiniscken handlet von einer auf einor -
talel gesdiribenen ermanuni; an die brüder ::iim (i riinenivert ,
u-elclie laffd annocli i» der custorei hefindlu-h; und lautet auf Uitfin
ge.tchiiben also:
Er- 0 uariiiriimi et perdilecti fratres aspiciamuä omnes unaniiniler
'*"""■'' cum magna gratiarum actione Dei opera grati'isa et suorum eli!- -
Ctorum singulariter amicorum. per quos divina disponenle et co-
'iperanle pietate liaeu domus est rennvata et urdini data et n>.-
in eadem congregati in bonore sanctae Trinilatis et individuae
Uiiilatis et sanctae Mariae, cnolestis rcginae. .sancti.loanniäl3a|itislae
et saiicti .lohannis Kvanjielistae. sancti Mii-hae]i,f et omiiium an- ■
gelorum, qui in magnis iniratuhs et (.'um tarn itutabilibiis et ratio-
nabilibus testimoniis el signis huius tem|iü patroni facti sunt, ia
his aulem iniracuüs el signis etiam hene el perceptibiliter cognilum
el .si^ituni est, quia ma:jiiae roliquiae hii- conditi sunt et multorum
IM*
illiimmatorum Dei amiconiin Corpora in loco isto sepulta sunt,
quorum animae coram Oeo in coelesti palatio cum omnibus san-
ctis aetemale gaudlum possidebunt Praedictae igitur magnae
coelestis turbae et multorum magnificorum patronorum, in quorum
etiam honore aliqua altaria stngulariter consecrata sunt ex electione
fratrum, memores stmus, cum quo et gratiosa superexcellens
dignitas praeseutis templi auginentata est. Huius autem tarn so-
lemnis negotii cum frequenti laude et cum intenta devotione aeter-
oaliter nunquam obliviscamur, scilicet quia tales amlcos et ad-
vocatoa babemus, qui nos tarn lideüter amant et recommendatos
habent et in aetemitate quotidie pro nobis Deum interpellant et
desiderium omnis boni pro nobis gerunt. Et confidere bene pos-
sumus cum bona spe, dubio procul moto, ab eis magnis gratiis
dotari et in eorum societatem pervenire et plenissime aeternaliter
gaudiis sempitemis perfrui, si tamen praedictorum gaudiorum nos
capacea et fructuosos, quantum in nobis est, fecerimus fratemali
onanimitate cum voluntaria obedientia et cum humili et patienti
longanimitate necnon constanti abdicatione in omni tentatione et
adversitatibus interioris et exterioris passionis, perturbationis vel
oppressionia, sicut nos multoties percepimus a nostris dilectia et
illuminatis fimdatoribus et etiam saepius poterimus admoneri in
libris consolatorüs atque litteris, quos ipsi nobis ex magno divi-
nali amore cautorio imo tarn frequenter scripserunt, et singulariter
dilecti nostri patris Rulmani Merschwin caritativa et devota
reprehensio et fidelissima praemonitio cordi nostro assidue debeat
esse praesto et Ulabens, quae nobis in una tabula lecta et data
erat dominica scilicet qua in ecclesia Dei cantabatur „Laetare". et
eodem anno crastino sancti Alexii XV. kal. Augusti migravit ab lasi
hoc saeculo nequam ad pausandum cum dilecto suo sponso ju^« i
Christo in aetemum, scilicet anno domini miüesimo trecenlesimo
octogesimo secundo.
Item praedilectus fundator huius loci Ruimanus Mer-
schwin praedictus et eins venerabilis uxor domina Gertrudis,
filia domiDi Reinboldi de Butenheim militis Argentinensis,
tradidenmt extra manus ordini sancti Joannis Hierosolymitani
baoc domum Viridis-Iosulae in presentia venerabilis et reUgiosi
domini i'ratriä üunradi deBrunsperg, eiusdem ürdinia magistri
in Allemania, qui eundetn locum ab dsdem conjugibus recepit do-
raloica qua canlabatur iii ecelesia dei „Judica" decimo kalendas
apriiis anno domini miiesimo trecentesimo septuagesimo primo.
Ilem post hoc annis Septem revolulis ediäcabatur chorus cum *
areubus et ecdesia ante chorum, quae etiam cum choro est eoii-
secrata in laude et honore sanctorum patrononim praeseriptoruio
scilicet s. Johanais Baptistae et saiicli Joaniiis blvangelistae lu
die sanctorum apostolorum Simonis et Judae anno domini 13T8.
etiam omnia altaria fuerunt renovata et alio modo posita et si- i*
tuata et quodlibet de novo alia vice consecratum excepto altari
sanctae Trinitatis et individuae Cnilalis, qiiod adhuc stat in suo
veleri loco iinmutatum et non a loco transpositum seu trans-
latum. ex quo ordlne et quali intentione omnia Lsta sunt facta
habetur scriptum in quibusdam nostris lüjris, qui libro scripio is
ostendunt omnia facla. quae cum domo isla sunt peracta vel
operata, quomodo et quando quolibet tempore renovata sunt el
permutata per multiplices iribulatiooes et pressureis non parvas
ab ülo tempore, quo primitus isla domus ab initio fundata el
aedificata a reverendo dominu saeeulari domino Wernhero "
dictd Mariiclialk de Huncburf! usque ad iUa tempura. quiLmj
aediiii-atum est liospitale, el U:-que ad illud tempus. qud capella
l>raediuli hosjiitalis e^^t consecrata in honore sacrosancti citrpnri--
et .-sanguinis domini no.sLri Jesu Christi, etiam in honore beatiie
Elisabeth viduac. rtris ün^ariac liliae, et sanclae Martliae -^
viryini^, Christi hn,-ipitiic, el in hunnre omnium Sanclurum el iu^to-
iLini lifiilnriini crastina die l'aliLiarum scilicct ^ecando lalfiida-
, aprili:; aimu dMUijui Vd^2.
Kapilcl 39.
I;i^ 3;i. (.'apitol liii hilpii/i.-clin,. w, (■() •1,111 trnts,l,>'n .
■Ii ist t'in ^^e^pr^ih zwiscJion ilt's lluiman ^Icrricl
iihen l'reuiil im Oliorland wohnhaft und tinfm
•235*.
3n freunt gottes von ihrem eigenen leben, welches gespräeh
Iman Merschweins heimlicher freunt selbst gesehriben und
1 Rulman Merschwein schriftlich zugeschickt. In diesem
präch wird dieser gemelte heimliche freunt und freunt gottes
jünger, und der ander der älter genant.
Es waren zwei brQder und freOnt im Elsas, der oino wäre in der weit wohl Zwei
eines ^iäcklichen Stands und geebret. doch wäre sein lebenswandel dem anderen Mannen-
kant, bis daß sie uugefohr zusumon komen und einander ihren lebenslauf er- buch
da sprach der jüngere zu dem älteren also: da ich noch ein jQngling von
tzig Jahren wäre, hatte mich die liebe zur weit eingenommen und trüge ein lieb
iner schönen Jungfrau, doch mit ehren, aber mein hertz dachte mehr an sie,
)B hätte sollen : ich finge einmal an, die blindheiten diser liebe zu betrachten
wohin die sach endlich ziohlet«. da sagte ich bei mir : was ist dise Jungfrau ?
lebt sie und ziehet schön daher, morgen wird sie begraben und wird mit fußen
(tten wie kot. und was ist die Schönheit, die hoQt dem jungen hertzen gefeilt,
ren aber tod und der buler betrübt V wäre es nicht besser, wan der mensch sein
zu Jesus Christus dem jungfräulichen söhn gottes tätte wenden als zu einem
»liehen menschen ? ja gewißlich, da dünkte sich bei mir Selbsten, wann einer
Jungfrau suchen wollte, die all zeit leben, die all zeit rein und schön bleiben
dem liebsten all zeit gefallen tätte, wo wird er ein solche finden als in und an
3? wer dessen gestalt und Schönheit betrachtet, wird nicht sündigen, und wer
3 liebt, der wird ewig leben und das ewige leben besitzen, dann die Schönheit
' person macht einen nicht glückseelig; liebt er sie ungebührlich, so wird er
ckt; verlast er sie, so wird er betrübt; erkennt er sie, so wird er verwundet
wird ewig gestraft und gepeinigt, in disen gedanken sagte ich zu mir: fliehe
die weit und ihre bogierlichkeiten, allen fleischlichen lust und aller weit falsche
[fkeit und gnad und hingegen umarme die bildnus des gekreützigten jungfräu-
tn Jesu : dan nichts süseres und annemlicheres als diser. dises jungfräuliche
kan dir in deinen trübsalen ein trost sein, und so du dich mit disem vermehlest,
rirst du dein verlohrene zeit widerumb gewinnen und ersetzen können ; du wirst
Jugend widerumb erneueren oder wirst vielleicht völlige nachlassung deiner
en erhalten oder wenigstens die verdiente straff mindern, ich sagte weiters zu
warum wolltest du mit deinem gut ein person bereichern und dich selbsten
Gtmon? auf dis hab ich allem abgesagt, alles verlassen, allen geschafften und
ttume abschid geben und angefangen mich selbsten oft zu bestrafen, richten und
len über das, das ich in der weit so übel gelebt.... Schluss: der fried gottes
mit dir. es ist zeit, ich will nun heimgehn, und wans gott füget, so komen
wiederumb zusammen.
Darauf geht Götzmann zur deutschen Vorlage des Grossen^Deutschen^Me'
ials über = Schmidt NcB. 221 Zeile 12 van oben „da ich wohl auf 20 Jahre
5 Ober der ander steht Rulman 6 vgl. 1 8*28 u. 41*1 7 ff. 40 Nach Kap. 89
irkt GOtzmann : „Dise obbeschribene lebeusbescbreibung ist die beschreibanif
ebenswandel des Rnlman Merschweines heimlichen freünts im Oberland,
^'»> jünger genent «ird, der sein lebenswandel seinem (i^tlSLt KuVTA.«kTk. %«S^^«^
«It wnrdsi. ■ £» fehlen dontoth In K rf.V Slflk bfi Schmidt S. 220 ZtOf II
itim oben: uA Aei . . . bi» S. 221 Zeile 12 ton oben: dir atgaa. O britifft iorauf
nach der äMtUehtn Vbrlaffe dat 40. KapUA ganz, 41 — &1 im Atiazi^.
enellt hat. uml ist <lisi> beacfaieibuai aus dem Istoinischan Uamoti4] mit A. baieirlacl
sm 99. rspit«! seiugoii. Rulman h&t Ihiii hlngerea aatsr dem D&nten des UUriD
ftucb B«iti lob«DBWiDdel enellt, wiu bisrnnten fal, 160 folft: abei dUe basclireiboiit
Ut AUS dem teOtscboD mit B treieichnot binden in der uiderou totfel am imitw
Mpital lol. IT geiogan. Kulman sogt: ,Da icb wohl aar 30 j&br alt nardsn...*
Als Grund, wurum OOtimanti ' auf einmal lu B flb«r;elit. gibt ei an: „Wvil du
tateinieche ein Oberaetxung aus dem t«atsebeu buch B ist. au ist nicht lu m-
Kundora, vraa eiui^ umbstAnd änderst ettalt irsiden, Danimb anter das tefiticlH n:
[o£ou, SD nlrlit rehluu kan. weil es ein Abaohrlft dei oritloals Ut.^ Diet« Ht'
h»uptaD(«u Bind jedoch uiiiiobtif.
VI.
Urkunden.
1.
1363 Jnm 7. Heimbach.
Provinzialstatuten des JohanDiterordens.
Wir bnider Cünrat von Bransperg sant Johanns ordens, des heil-
ligeD spitales von Jhemsalem meyster in allen tütschem lande, tnin knnt ge-
meiDlich allen bröderen önaers ordens j | in dnsrem priorat, daz wir in dem
jare nnsers herren 1363 jar nf den vij tag brachmaDOlz, do hielten wir ein
geneTalc&pittelzeHeyDbach||mltallenphlegerengemeiDlidivonOberlant
nnd Siderlant, mit dien wir eintrechteklicli ze rate wurden dnrch linsers
Ordens besten willen alzolicher ordenüag und gesetzede, die hienach geschriben
atant nnd die Seh vonnales ze Thorolzbeim indemgeneral capittel vora[?]
62 iaren ge&st worden, dise selben statnten gemeinlich alle phleger in dem
capittel zeUeynbacb gelobten vestlich ond ernstlich ze baltenne bi irem
orden nnd bi irem crütze und och forbas von iren conventzbrüderen schaffen
gehalten werden mit gätem and gantzem flisse nnverbrochen.
Ao dem ersten ist gebotten nnd gesetzet, das alle phleger sich darzä
flissen, die in ir hüseren priester haben siilint nach ir zal and die öch dar
gewidemot sint, daz sn 3ch die haben nach vermiigen ir böser, durch dz der
orden dovon keinen schaden enphahe; und dz üch die phlegere, die priestere
ond die anderen brüdere, die sü ander in babent, fiisseklich and ernstlich zd
gottes dienst« halten und twingen und dz sii üch zu allen ir geziten gen nnd
sten ond dams nicht komen ane nrlob ir ubrosten; nnd dz Üch dn kUhe be-
lachtet si nach guter and alter gewonheit des ordens.
Es ensnlin <^ch die priester ir bar nät lenger tragen, wan dz man inen
dn orlepli wol geaechen müg ; und ir blatten sdlint sin geistlicli und pheflicb.
und die leiten sölint tragen einen baltzen zweiier vinger bieit and dz har
nidwendig dien oren nicht lenger danne einer hende breit.
238*
B i Qt li fa b m all plil g an 1 b li w pp a tn^
und d d pb i m t d m f l g i L pf n n ht I ng d nne m
In ! g nnd w g b t
Oh Iknbd kucg alln !i nat t ag n wao Duh
d 1 g w h and li bw ndig k n n ff n d kn pfl teo nk t
tg db miau knnht knpBt dann
an m t m m d lob ^ n
Öh Iknbd nn tmantel n hl Wu trag n d im in
bndb tndwndgd kn» mid bd m ntel n d n a b^l
da d ud h d kapp n an A k u kn pfl n bt 1 b n
0 b u 1 k n pfl {, >ch brud f k n tnnk t b n n t <«
□ocb t nk n und 1 k n bnid ak ttwndl nnlbn m
m nd d d tatth It
E ilnt bd lipn dd w mbes h d d b d un ten
ang d fdkn hn ndwnn 1 kmntnd tett« od
in dnh hdlbnkldbudbkldneh
mtallhnkld n 1 g tlhtwlg m
öhlntu dnwta tg m ntol ta h und
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239*
Würden mit der gemeinen phleger rat und verhengnisse, des sn öch gemein-
lich in dem vorgenanten capittel ir besigelten brive über sich gaben vest
nnd stete ze haltenne. nnd des zu einem waren Urkunde, so bant wir mit
der gemeinen pbleger rat des vorgenanten capittels ünsers priorates inge-
5 sigel offenlicb an disen brief gebenket, der geben wart in dem jare und
uf den tag alz vorgescbriben ist.
Or. Perg. Bezirksarcb. Straß bürg. (H 1363). Auf demUmbug rechts:
Cor.*; links R*. Auf der Rückseite gleichzeitig: Statuta de anno 63® facta
in Heymbach.
2.
0 1366 August 17.
Bischof johann von Strassburg gestattet RulmanMer-
swin, den Gottesdienst zu Gr.ünenwörth 12 Jahre lang durch
Weltpriester versehen zu lassen.
In nomine domini Amen. Johannes dei et apostolice sedis gracia epi-
5 scopus Argentinensis universis Christi fidelibus subscriptorum noticiam et
salutem. Commissi nobis pastoralis officii debitum et sollicitudo requirit, ut
ad statum et profectum ecclesiarum et | { monasteriorum nobis subjectorum,
ne in bono deficiant, quantum possibile fuerit, oculos dirigamus et ad ea
precipue, que divini cultus augmentum in eis efßciunt, maiori quo possumus
10 sollicitudinis studio intendamus, ne { | minuatur nostris temporibus sed pocius
augcatur.
Cum itaque ut diligenti inquisicione premissa conperiraus monasterium
dictum zu dem Grünenwerde, situm in suburbio civitatis Argentinensis,
in eins primordio ordinis canonicorum regularium, postea monasterio in
>5 Altorfe ordinis sancti Benedicti nostre dyocesis apostolica auctoritate ex
causis legittimis et certis unitum, in quo cultus divinus olim laudabiliter
floruit, hospitalitas servabatur et viguit obsorvancia regularis, sit facultatibus
et possessionibus penitus destitutum et ad talem ac tantam penuriam et
paupertatem devenerit, quod in eo persone reguläres pro divino cultu ibidem
10 peragendo de cetero non habentur nee habebantur iam multis annis et tem-
poribus retroactis, sicque in eodem monasterio personarum efficiente deffectu
cultus non habebatur divinus nee habetur, sicut debet et exigit institucio et
religio monasterii antodicti, eo quod idem monasterium caret facultatibus
pro personis huiusmodi sustentaudis ; cumque eciam monasterium in Al-
b torfe principale predictum, caipretactura monasterium in Grünen werde
unitum dinoscitur, pro tempore presenti tantum facultatibus non habundet,
quod utrimque pro divino cultu peragendo sicut debet personas necessarias
ponere valeat et eisdem in vite necessariis providere, nee eciam de aliis
monasteriis eiusdem ordinis et religionis seu eciam religionis et ordinis alio-
0 nun infra civitatem vel dyocesim nostram aut eciam aliunde persone possint
haberi pro divino cultu in antedicto monasterio in Grünenwerde per-
agendo ex 80 maxime, quod pro alendis et sustentandis personis huiusmodi
^;-*; «^^««i-^jü jjQH suppetunt facultates ; cumque insupet R^lm^XitiL'^^
240*
dictQS Mer^win, civia Ärgeutintiüsis, bomo devotns, pia deiociüns
motaa doffectnm caltus divüii in prefato mouasteriu nt premittitar existeDtein
pio proposito desideret rolevare et certos redditus et possessionea ac tot et
tttiitos de bonis sibi a deo coUatis depatsre pro tot praspiteria habitos seca*
laris, qui pro divino caltu in dicto moDastario in Qrünenwerde per* i-,
agendo saßiciant et diTinam caltnm in oo sablatam resamere etcottidtepor-
agore valeaut, sicnt reqnirit institncio monasterii predicti, et nobiü sappli-
carit hnmiliter, nt ejas propoaito boDo in hac parte farere sibiqoe id saltem
ad tempus certum et presbiteria predictis pro divini cnltiis aagmento pre-
aertiiD dicta eiigente aecessitato ordinariaanctoritaCR concedere dignareniitr: if
igitiir nrgentibas et nus ad hoc moventibns causis necössariis snpratactis, aa
qaoqae dt'inceps la dicto monasterio cuitos diviuns deficiat sicat priiis, io-
stantitiDS eciam ad hoc oh causaa premissas abhate et conrenta monasterii
in Altorfe aotedicti, et de eorundem abbatia et conventDS eipresso bene-
placito et cousensa dicti Bnlmanni pio propositu aonaentes, iuria c<^m- \f
mauis saffnlti anffragio, eidem Bülmanno ad spadnm dnodecim aQnorani,
domtaxat incboandorDm a tempore date presenciam, at in dicto monasterio
pro diviDO culta inibi dictis duodecim dorantibas aimis peragondo preilii-
t«ro3 legales et ydoneos habitns secnJaris, vite probate et conTersaciouii
honesta iiostra aactoritate ponere valeat, ordinaria auctoritate deliberate ttl ii
Bi certa sciencia concessimiis et indiilsimQS, uoncedimus ot preseDtibns in-
dnlgenaa. Qaibas qnideiti presbiteris idam Bälmannus bonls sais propriis
absqae contribncione dicti monasterii in vite neceasariis pro eoram sasten-
tacione et aliis pront opus fnerit providebit; concedentes et indalgentes in-
super eisdem presliiteris, quod spacio dictorum duodecim annorum duranU' ■!'■
inl'ra ^cpta ipsius nioiiasterii et in attineutibus edilkiis ad ipsam mona?ie-
sli-riuni pertineiitibus se recipere et ibidem iiiorari valeant iiecnon diviiii
oflicia uoi-turiia pariter et diiirua statutiä t^'ui|<i.>ribus in ipso monasterio per-
agtru i-C licite c •.■Ivb rar-.', ila tarnen qu^^d ideiii liulmannus et eius csecu-
tn res per ipsuin depiitati in bac parti.: videlicet Heiitzemaunos dietos :■'
Wetzel inileset J.iliniines Merswin civis Artreiitiu euses seu.dii.to
Kuliiiaimu ;iat alteni dictoruai executorum defuiicti', ille, quem a)ii duo
sii|iiT?tites in liiciiiii luiic ili^fiiiicti eli^ir^Tiiil, quu.s ad jirovidendum dielij
piesliitiTis nc iv.liliiibii- .-I p.issessiuiiilnis ]irii ».'i-rundem presliiieroruiii fU-
st,'in;n:iuiif di.>putaüs de|iiit:ivit, dictum moiiadiLTiuiii uteiiis edifuia ad iii^um :■
p"rtini.>(iiJa in Inma sCructura jier ,-;p;»'ium dirt^rum duodecim Mrinriiiu 'i-
liebuiil ciiiiscrvare. VA quasi himiilc l■xpell^as ^va imiieiisas prn slnictura iiu"
iia^t'-rii ei eiu^ i'dilici((ruin predictorimi l'eccrint. lapsn dictoniia iluml^'i;!!!
anaoriim ■i|iaeiM, aliUas t't omwiitu^ iiinriasteni in Altorfe autedicta eui-.m
lliiliiiiiiirm vel eins esi'i'iit-.iribus iiredittis m'U cloctis ab eis in lt>Cüiii ili'- ''
luiiut'iriiTri restiueri' di^bebunt iutt^graliter et in tnto, super quibus nuii]"ni
■■xiM'iiMs S'^u imjii'iisi.-; ot faruin sunmia iuranieiitn Riilman iii prefati vel
i'iiis i/Xi'r-iitLirnm iireilLr-("iuiii sr'U olettorum ;i\i eis in lucum diduncuirnin.
alK.|Up' yr-Uv Ihth' alia >landiim i-j-it el riederiJuni. Ae liiiito dictorum duj-
dvim aiiimruLE) .-juiciii i; ii 1 iiianniis antudiiiiis eins<iue e xec uto res ante Jicli '■
241*
rel ab eis electi, nt premittitur, yoI eciam presbiteri in ipso positi per eum,
it prescribitur, in sepedicto monasterio in Grünenwerde et eins attinen-
;ibn3 edificiis vel pertinenciis aliis, nil iuris occasione concessionis et indul-
^encie prescripte sibi potemnt qnomodolibet vendicare, sed postqaam ez-
)ense sen impense pro strnctnra eiosdem monasterii et eins edificioram facte
)er eos predictos abbatem et conventam monasterii in Altorf antedicti,
)idem Rülmanno vel eins ezecatoribns ad hoc deputatis per oam pre-
(criptis restitnte fuerint et plenarie persolnte, eztnnc nisi nova concessio
rel indalgencia per sedem apostolicam aut per nosmetipsos vel nostros snc-
;essores facta faerit in premissis, presbiteri in ipso monasterio positi per
iülmannum antedictnm ad requisicionem abbatis et conventas predicto-
vm cedere et ipsum monasterinm et eins edificia omnino vacua dimittere de-
)ebnnt et abinde recedere, contradictione eornm et alioram qnoramcumqne
laalibet qniescente.
In qnorum omninm evidens testimoniam sigillum nostrum episcopale
ina cum sigillis abbatis et conventns monasterii in Altorf e predictoram
Inximns appendendnm. Nos vero abbas et conventas monasterii in Al-
iorfe antedicti, quiapremissa omnia et singala de unanimi nostri consensn
)t beneplacito processerunt et per predictnm dominum nostnun . . episcopum
egittime et ex caosis necessariis premissis ad nostri eciam instanciam nt pre-
icribitur facta noscnntar, igitur in testimoniam et evidenciam eciam omniam
)reniissoram sigilla nostri abbatis et conventas predictoram presentibns da-
:imus appendenda. Datam anno millesimo trecentesimo sexagesimo sexto,
lecima septima die mensis augasti.
Straßh.V-B, 5,563, Or, Bezirkaarch, Strasshurg (H 1352). Auf der
Rückseite von der Hand NüL.: 1366. D irre brief seit, daz Hüleman Mer-
iwine horrn Hointzeman Wetzel und Johans Merswiue von
>i8chof Johanse züStrosbarg und von dem appete and convente zu
lltdorf erloubet wart daz gotzhus zu Grünenwerde mit weltlichen
>riesteren us irme kosten zu versehende und zu versorgende und gottes
lienest darinne zu haltende xii joro lang alse : waz sü in den zwölf ioren
m demselben gotzhuse vebuwetent, daz solte in der appet und der convente
:ü Altdorf widorkeren und bezalen und irme eide darumbe geloubent,
foltent ehte sü daz closter von in wider haben, doch ist Buleman Mer-
iwin sint moles einen anderen beredungen und eines ewigen kouffes mit
n überkommen, der disen gegenwertigen brief tötet und kreftelos machet
•
3.
1374 April 7.
Heinrich von Wolfach, Komtur, die Brüder und Pfleger
;am Grünenwörth verpflichten sich die Bestimmungen zu
»rffillen, welche Konrad von Braunsberg bei derlncorpo-
ation der Kirche zu Hugsweier getroffen hat.
Wir brader Heinrich von Wolfach, commendor, ande diebradere
femeynliche des hnses zum Grünen wer de zu Strazbargb sante Johans
Bieder II. \^
242*
Ordens des heiligen hospitalesTon Jherasalem, und wir Clav es Lappe
und Heintzeman Wetze 1, rittere, und Raleman Merswio, pfleger«
des selben bases, tont knnt allen Inten, die dissin briaf sehen sollent nder
hören lesen: Als der erwirdege geistliche herre, bruder Cunrad yon
Brunsperg, des vorgenanten ordens meister zu tutschen landen, durch :
gottes und smider liebe und gonst willen, sü er het zn dem egfenanten]
hnse zum Grunanwerde, dem selben huse gesehaffet und gesthicket liel
die kirclie zu Hugeswilre und sine raeynunge und begerde iat. daz man
soliche nutze, so ierüche von der sotben Itirchen komment und \allent, deD
brndern des selben hnses, of daä sy sich on eigenschaTt halten mögen, geb^n n
und reichen solle yn ze stüro zu ir notdorft; da ist unsir guter «ille noA
Tirheißen uns onch, so wie der vorg[eDante] meiste? das ordeat nnd Siißei
mit sinem brieve, das wir das also halten sollen ungeverlich. nnd gleben
ODch vor uns und unsir nachkommen bi guten truwen das vaste nnda stete it
halten on al geverde und argeliste. Und des zu orkunde. so han ich bruder n
Heinrich commendur Turg[enant] myn eigen ingesigel, und wir die TOrg
[enanten] brndere gemeinUcho des vorgfonanteu] nnsers huses ingesigel,
mid wir die vurgfenanten] pflegero des Uuses zum Grunenwerde TOrg[e-
uant] unsir yclicher sin eigen ingesigel an dissin hrief gehangen, der ge-
geben wart in dem jare nnsers faerren tnsent dryhondert sybintzig nndevier 'J
jare of den nee^ten fritag nach sante Amhrosy tage des heiligen blschofes.
Or. Erü). Archiv Fi-eiburg i. Br. (Johanniter). Siegel des Claus Lappe
erhalten. Auf der Rückseite von der Hand Nikolaus von Löwtns : ein or-
denungf, so die pfleger und die brndere halten sollent; von der Hand des
urhumleHschrdbers ; evn brief der brudere und dw phlcgore dt?s liüs zum :
G r (i 11 •' 11 n e r d K von der urdeuunji', dy inyu hiere in dem selven huäc ire-
urdciil hi't. 'h\s sy die st-'de und veste lialten sollen ; ron dritter ha nd : diiJir
brii'lV Ki'scit bü der comentur, bn'ider und pfleger des huses ztim Griiiicii-
nerde sich IV'rbimdiai liant von d'T kirt'lii'n wegen zii H ugeliwiler, ^la^
sü dp.T i.rdi-iiuni; ivi?lieiit fri'niig doii, dii> du der selben kircheii halp ti^r :
Cümnt von liruu^iMTU'. uieister sant Johans ordens. uff gesetzi'i lut
-'.m. iratri'-. niilitc- Ari,'iTiliii.'Lisv-, tilii .4 lior.'a.'S.|U.iiMlaiii IK'iirid .ie J!:ilii-
■jni. i ivis Ai',jenliii.'Lisi>. iinnil ulini dii {n> atti'Oil.Mis i|iii.a in U,-:.. ~,-ii o't)-
"Unminni :Saiii t"rnni in >iiliiirbii> civitllli^ ArguiuiiR'iisis iulra liiiii(>'-|iHr-
uliii' etclt'sie sam ti l'i'iri-.hiiiiiTi? Ai;,'eutinfnsi!i situ.ito. quem t'ratrwPri'
im.-itratciisis nriiiiii^ |i'iiiii'i\iiit jn-r liinijuni tenipus et tonebant dicti fratP';
lc(Mlol'i'i-i'riiiiti|uiid rion iii,-i ilu^', iiunruiti uiiiis iH'ulunialterius violentt'iestr,''
■r:ii. irin,-iJi.M,T,Lin t-i V''*!"'''""-' '''ilt"- diviiiii? totalili-r vel ((uasi (iflec.'iaii>
243*
in eodem, dictum locnm, cnius edißcia lignea faerant et qnasi destnicta, a
fratribna timc in dicto loco eiisteatibns de- licentia saperioris ipsomm com-
paravit ac noTa edificia ibidem constitnit et eidem loco per sastentationem c«n-
grnamquiDquepresbyterorumsecularinm.qaiibidemproipsinscivisetparentnm
, ac progenitoram SQorom animariiiii salute et divini cnltos augmento celebra-
rent diviaa, aanoos perpetnos redditus de snis bonis proprits assignavit et
ipsos quinqae presbyteros inibi posait ant institai procnrasae dinoscitar,
jure patroDatDS in ipso loco sibi et suis heredibns reseirato, in premissis
Omnibus loci ordinarii accedente eonsensu. Et qnia decanns, thesanrarins
I et capitalnm predicte ecctesio sancti Petri prodictom cenobinm aitum esse
in soa parrociiia asscrnntes, se at premissa non fierent mnlttpliciter oppo-
nebant, idem civis timens, ne hninimudi picni opus posset aliter in ejus
vita propter senectatem ipsins feliciter conservari, infrascriptis cooditionibns
per dictos decanam, thesanrarium et capitnlnm ordinatis consensit invitns,
> Tidelicet : qnod in eodem loco non recipientnr nisi fandator dicti loci et filü
ipsins ac nxoram eomm et patronurnm et presbyterornm einsclem loci Cor-
pora ad ecclesiasticam sepultaram, et tertia pars omninm bonomtn, qne
contingeret dicto loco etpersonis inibi degentibns legari, cedepet in ntilita-'
tem ecclesie parrochialis predicte, et qnod hninstnodi qainnarios prebyt«-
1 roram camerns non aagmentaretur ibidem, ipsiqae presbyteri tenerentnr
JDrare ad sancta Dei evangelia so contra conditioiies easdem pretextn privi-
legioram quornmcainque etiam apostolicomm nllo unqnam tempore non ve-
nire: com antem Pater Sanctissime couditiunes biiinsmodi in divini cnltas
diminutiooem et contra libertatem, qaä dictus locus gandere antiqnitns con-
• snevit rednndare noscantnr, bumiliter sapplicant tales, qaatcnas premissa
circa dictum locum per dictum civem pie facta dictis conditionibns eiceptis
dignemini ex corta scientia auctoritate apostolica confirmare et dictas con-
ditiones tollere hoc eicepto qnod dicta parrochialis ecciesia ab eodem loco
suam qnartam babeat sicnt alle parrocbiales ecclesie a mendicantibus, et
I nichilominas de nberiori gratia concedere, qnod idem locus libera sepnltnra
et aliis libertatibus gaudere Taleat et inibi alii presbyteri ultra dictom nu-
tnemm quinarinm, dummodo ipsi loco ceiti redditus pro congma SQStentatione
ipsornm assignentar, institui valeant, quacnmque institntione apostolica vel
alia in contrarium edita non obstantibns cum clausulis oportunis. — Non est
i jusla, quia pars tangitur, std per eanceüeriam commiftatur in parttbtu Ö.
Et guod trameal sine alia leettone. Fiat Q.
Dai apnd VillamnoTam Avinion. dioceeis 14. kal. julii anno aecnndo.
Vatik. Archiv Bom: Suppl. 25, 151". Am Rande: ex(tra) commissio.
Glossar.
A.
abegOD : gotte abegun von üott ab-
lassen 83*16.
abege3chriftll7»3.134*2Iff. abe-
schreiben gfil, 95*13-
abetan: siclider weit abetnn H)'37-
18ü*20.
abgescheideaheit Loalrtnntmg 66*4.
141*31. 142*1. eicliallerlidi-
gpstnndabeescheidenlichest halten
ablassikeit NachliUniijkeU lUil'ä.
abraheraschor, in - siiroclic '.ir)*J. 5.
aWrunnit,' werden IMJ'lfi.
accolite i:)<l*;iw.
adelar Adler Mi*2it li'.
Adelheil i;ii's.
adventaHinni ä'J*].
advent ;!;i*lT. :,ii*lfi.
S.Apues lf*ll*lii.
alegievL'n abfahren 14.1*:!4.
illiniiiidc l(;r.*l.
AlilorJ',IlfneililitiuBrkloster.ÄT..l/ois-
heim 13*7.21. i;4*12. 118*7.1).
1 ,1^* I 7.1 '■.2';i.:i. 1 (m*2(1. I il8*:j.
1 l.lii.2T, iy:i*27,2'.i.23»*25ff.
iiH'i'i niöncUe vi>n 13*j. 53*2:1,
2S. br. Burghard 59*31.
alter. über- gon 12H*2S,:iO.
aUtrenesch, nocU-wise aüfränk-keh,
aUertumlieh 13*1-). altfr^niseh
158*10.
altvatter 28*18,34.
ahovil za schribende 7r<*3<<. es
mühte sin gar alzümole alzuiil
werden 89* Iß, sin wurde alid-
vil ZD schribende 1 IU*30 a.öfttrs.
ambaht 105*je,21,28. 106*1,9,
23.33. HI7*2, 16, 20. 129*18,
41. 42. ampt. götliche Go««-
ilieiisl.Horhavit 4*1, '.(. i'i'i;, güi-
liclier amljaht ]35*:ii>, Is2',i2.
anbahtiiian 173*37.
ammeistiT lNli*H).
anipel 13'.i*4. >\.
Aniilaw.Hi-inrichvon-.k'mTvnibrilJer
Tiin (irünenwiJrlh >- Xi'^e 1J*2'.I.
I.i9*l,
aiiegrilTen, die msteahc-n '.i'.i'S,
1*12*7.
niiehap i'rh^her 4''*2S, aui'hiil"'r
I34*:ii;. i'uiidator und aiuOi-biT
nu^lii.
üiigenummeulieit 21j*lS.
ailgcrilber voll Besonjnis r2T'l. 2.'i.
auhang der ertatureii 1 49*'.'.
aiikomea s. komen.
anliingeu, wiW. Inf. iii7'2T. 'li-
angelangL't werdpn 1117*2*1.
245'
anmuten hegehrtn, verlangen 3*9.
anrüffeo, die f runde unseres herren
1 1 ^*^. die lüte an den bredigen
113*11.
anspreche, one redeliche ohne red'
liehen Grund 101*12.
anstadel 17*14.
an(e)stos 125*32. 126*3, 184*28.
anvohender mensche 25*29. 33*1 1,
16 usiv.
appelos 78*22. 128*11. 135*6.
22 1*2, 6,31. 222*32. ungesum-
meter 167*1, 6. teilber 22 1*40.
gesumeter 222*33. der Sünden
213*14. 220*6.
appetsite Nebenachiff der Kirche
74*11.
appodiare 56*38.
arbeit haben mit singende und lesen
135*27. erbeit haben mit ge-
rihte 137*13.
argwon 130*32.
armut, kenschheit, gehorsam 14*31.
47*25. 62*20. 121*5. 124*4.
artikel Abeehnüt 6*25. 24*13.
72*7, 14. 125*57. 129*28, 30.
132*33. 134*19, 27. 169*29.
172*1, 8. 174*18, 29. 175*10.
177*30, 34. 178*8. 180*32.
artzenige 102*35.
Augustinerorden 1 1*5. 1 34*42.
Augustiner 1 69*2 3. Augusti-
nus, hl. 20.3*20.
Avion (Avignon) 3*11.
B.
Babilonie, tum zu 148*35.
baddestubben 182*7.
baltzen Tonsur 237*23.
baner, Christi 32*22. banerbüche-
lin 32*16.
Basel, malermeister: Herman 46*
• anm. 14. komtnr: Werner von
"-*= "•5*18.
bedeckete stroffunge 1 1 4*4. mit be-
decketen werten 143*36.
befinden: also das es nieman befinde,
wer es geschriben 29*42. 32*35.
39*25.
begharden 37*1. 52*6.
beginen 36*41. 52*4.
behelf Hilfe, Schutz^ one allen be-
vintlichenbehelf 144*19. 145*32.
216*19. 217*9. 228*12.
beheltniß Gewahream 117*12.
beheren sich stolz über etwas er-
heben 72*22.
behutsamkeit, geistliche 219*33.
bejetzen, bejäzen Ja sagen 169*30.
bekorunge Versuchung 21*14. 26*5.
28*15.44*5,15. 58*31. 83*19ff.
113*31,34. 116*26. 118*43.
132*42. 142*15j 27, 31. 143*2,
21. 144*7,16,32. 145*20ffi.
146*14.162*40. 189*7. 194*7,
22. 206*19,27. 215*35, 40.
216*9, 16,41. 217*3,8, 15,24.
bekoret werden 130*30, 34.
Benedictinerorden 162*2. 167*25.
168*1, 27. 183*25.
Beerenberg, kloster bei Winterthur
8*13 anm. 149*28. 150*1.
Berengar, Baimund, Johanniter-
meister 176*4.
berg, hoher 80*9. 232*18. s. ge-
birge.
Berlin, Wölfelin, Straßb. bürger 9*8.
Bernhardes orden 8*2. 134*43.
169*23. 210*8.
besinnen ausdenken 177*J8.
besorgeunge 117*11.
besserungc 3*8, 10. unbetrogene
besserunge 101*27, 28. sin le-
ben bessern 21*34. 28*36, 37.
29*2,39. 30*4,21. 31*10,14.
38*19,21. 39*29,31,83. 60*28.
100*34.102*37.1 1S*30.165*36.
169*9. 173*16.180*27.228*19.
sich bessern 90*24. 99*10.
246'
liehe gobessort werdoQ GS"31.
214*19.
bflsessenlieit VerbUnduiiy. Halislar-
rigkeit 108*9,29.
besessen heit, heilung von 50"3ff.
besworon 77*31, 34. 89*41. 94*7,
16,18.
bette Bitte, Fürbitie 89*1. 100*4.
hiniierste bete 100*24 usw.
bctterise Kranke 213*4; botteriaig
hetüägerig 2 1 3*7.
betwungeD,T0iigott2 3*6,23.32*20.
34*5. 38*9. 39*4, 13. 48*7,13-
49*33. 50*3/4. 73*15. 11C*I9.
IIT' + I. 11)1*31. 164*2, 19.
183*12.190*10.196*7.198*16.
TOD götlicher betwilogniße scbri-
beo 116*12. 164*11.
Beyerland 2 1*5- Pe)'gerlant26*37.
beio an den mnnt am tat. pacein,
dtti Friedenskuß geben 68*3.
biderbe 123*36 »ato. borbiderbe,
unttdlieh 106*40.
ßieteahcin. kr. Molsheitn, Gertmd
von-, toi-liter li'iiikiliiä v.ni H-
UMi*19. 2.(3*34.
liildu llt':!5- usserlicliobildu9fi*i7.
ussnwondige bilde 99*ir>- mi-
gehcn-o Uldi' 153*32. in sluf-
feiid"!! liildi'ii viirliisbon llii*21-
(Cemoletc liildi' :in Jen "t>niit.'n
!4.-.*29, J17*7. fr.'iwen bildu
l(19*3;i, 11(1*11- manne biUe
llii'i- bililoHHiiT iiivelle
bihti'f Utirhlvttler JI*Lis. :!l':i:(.
ttihui 51111 ] JtJ"l.
liil-i'iMi l'il'je)- il"!:!. in bilfcrins
i\j- ;■;. Iiil(;i!ri[iv;irt;i*l 1.1^.
l^i-ilh.i 7 l'LJTIV. 1M7*:14. 121*21 11.
biUi'i]. Mir >\'w iTiwtHiheil -s--*;(^
liliirikliiirr, Htinrich. s, LilHvi],
blalh. TuHXHr 2.i7*22.
lUenkelin, Johann 4*19 anm. 3*13
bligine palle 82*16. 118*19.
162*15. lT5*3(i. 177*7-
bligscboa, heiterer läbtender slm.
Blitt 96*13.
bUndelinc: bündelinge wer^ nkh-
lige Werke 109*7.
blitzen subat. Inf. 130*37.
blo Mau 151*17.
blost, nit nnd bl. 62*37.
blotero, geawollene 7S*3s. 39, 42.
BloTolJfü. Claus von-. Franziskaner
v.Blaufelden (?) 151*3. 10.
binde, alse rehte zaghaft Tfi'.IO.
94*12. 110*24.
blat: blatte »ogele nackt, uugefit-
dert 79*37. 122*22.
blütestropfen 109*41-
blütvorgieflen subst. Inf. ioi*8, 17.
bobest Papst 74*30- 74*38. 75*S
82*16, 33. 103*34. 106*35.
107*25, 35. 120*9. 121*10.
140*14. iiifi*22. i:j*r-'. Tl.
-IlonuriQS III. 222*1.
— Ktemens 58^17. sjT.t. IH:i*lii.
liU*4,<i. 105*l(i. liir,*37.12ii*:'.
— Urban 5S*17. S.i*l'.t. Mli'hl.
ll)4*w. lfl.-)*lti. l(i'l*:l<;, l'Jii*','-
-(iR.gor r,r,*:
ß.>
*2. 12'
eiibe
, 1 1.
r.-lwh^i
Juliiiiiiins vnn-, priur '/.u Kiig"
139*2:1, :j;i.;i(;. ]4ic'2,i;.
b.irbul.Tbo unrrdlwh s, IivIitL-.
btirkirclii: F.mpurf 1 3''l(i. (i:i
liottü: einen erbaren - us:feiiiieii f, d" i-i,
ein gesantcr engi.'l und ein l"it;-'
9(i*i3. 94*27.
Ijuumgarte lfi2*3.
Draljaut. Urobant 23*17. 2i;'2il,
. 34'1
. 19
247
•7*
BrauDsberg, Konrad von-, Johanniter-
meister 5*1 anm. 8*6. 15*4flf.
46*3. 7:^*19. 105*11. 117*9.
138*17.151*31.155*12.156*8,
18.171*14,25.172*12.175*15.
177*20. 181*17. 190*22 anm.
207*5.210*12.21 1*2,13.220*9.
221*37. 234*1. 237*1.
bredige: hohe vernünftige 42*23.
bredie horon 40*20. 70*20. die
lüte an den predigen warnen
104*12 s. anriiffen, bredigen
113*21, 29.
brief: des gottesfreundes 24*27.
28*28, 29, 30, 34. brief schrei-
ben 43*3. 57*28. 58*4, 8. vom
himmel herabgefallener brief
98*30.
Briefbach s. Memoriale.
brochtzen prasseln, Lärm machen
89*36.
bruder, alter in eime closter 43*12.
brüderschaft, grosse 181*3. minre
221*lff.
Bmderschaftsbnch s. Memoriale.
brunlöf büchelin , brütlouf- 23*14.
34*13, 19. brunloft kleit iTocÄ-
zeitskleid 150*31.
brüst: megetliche brüste 153*34.
brustböm 185*8.
bruteg<5m 1 50*30. dez brütegumes
mangeln 138*37. zükunft des
brütegumes 139*3.
Bubikon, kt, Zürich, komtor: Werner
Schurer 221*11.
büchelin zum ausleihen 28*28. bü-
chelin usser der hl. geschrift su-
chen 43*25. büchline s^hri-
ben dem ebenmenschen zu helffe
195*24. 196*7.
Böchssener, Friedrich 5*1 anmerk.
Claus 207*20.
Bolach s. Zom-Bulach.
l)ürge 112*1. 122*2. zu bürgen
sreben 144*27. 216*22.
Burghardus, frater 59*31.
burgreht 174*34.
burne, schöner lustlicher 66*9.
182*5. ein geseße bi einem
schonen burnen 89*28. super
fontes invitare 56*7.
büßen, der 229*3.
D. T.
taferne Wirtshaus 168*10.
tag (dag): einen dag machen 88*39.
heimkommen vom gottelichen tage
84*38. uf dem gottelichen tage
sin 92*26. den tag mit grossem
ernste vertriben 94*1. nie gu-
ten tag gewinnen 83*43.
tageweide einen Tag lang 100*38.
Daler (Taler), Jekelin gen. ^ Eli-
sabeth v. Löwen 8* 1 3 anm. 1 0*1 2,
dangneme gobe eine mit Dank an-
zunehmende Gabe 171*7.
Tauweler, br. Johannes 44*38.
teilen : in die cristenheit geteilt wer-
den 87*20. gedeilet werden an
fünf ende der cristenheit 206*5.
telben graben: ußer dem gründe ge*
tolben 108*11. 178*24.
demütikeit Demut 22*9. von de-
mütikeit nit öffenlich ussprechen
22*30. 23*9, 21. 33*26. 34*8
usw.
zütercienzit 143*5.2 14*23. 230*10.
Deutschherrenorden 21*28. 30*25.
31*1.
til: tilen, hültzine5rö«,Dw/el09*18,
26.
tod: in todes not sin 77*6. 88*3.
111*1. 164*20. den tod un-
sers herrn eren 82*27 usw.
tofele Tafel 6*15, 19, 22, 39. 18*20.
21*29. 23*33. 31*8. 35*19.
36*16. 39*36. 42*16. 46*14.
47*5. 58*4. 1 1 6*28, 35. 1 1 7*35.
161*26, 28. 163*35. 213*10.
232*21.
24S*
St.Dommicu3ordeDi:i4*4;f. ir.'j»25.
dorebt: dorelite üDTernunftigä wise
. i:(2*:i2 dorehte raegsde 3. me-
gede.
dormentor donnilorium, SchlafBoal
!5>i*7. 185*1, 5,22.
Doraltzheim Dorlisheitn,^iederdsaß,
komtur 1 74"2:). Johan von Gra-
stein 175*20. tonvent 175'22.
generalcapite! 2;(T*tü.
dorren vtrdorrgn, dürre uerdm:
dorrendo werden von vorht 8fi*28.
totslag ;(*(i. li'io. 2(i«*2:i.
tonff: der jüngeste toaft die leUU
Oiluwj IHS'l 1.
tram Balken; die treme 183*8.
trengen: getrenget werden 77*5
12 7*2fi s. tmcken u, getrenge.
tribeu subHlnf.: innarUches tribou
l2N*l(i. I2i)*l, 2, daz Btete
verborgene tri ben 13]*24. gros
triben 1 36*7. aa g6llicbem tri-
b6nde213'2.'J. Tun gottedarzi'i
getriben 143*4. I4C*:1] s. be-
tw liegen.
dci drei: dristunt 47*2!i. dru ior
ss'ic. l't. ]('.4*2[.
7ii'2h. 7:i*2i>. Hil^is. sii'.lJ.
truwe : uz cristenlicber triiwe raten
^•■■•iU. 1M*I4, ',f4*;i:i. ii:i*:i.s.
S7*^(:(. 1HI'2.S, l(Hi*21. in reh-
'.iS*l. ."r. +ilff. l(Hi*i:i. lii,l'i;i.
ter üristenlicberbrüderliebertrawf
'M:. drie sinne 7:i*-7 9. tu
i;i:i*h ustr.
.irieii miiifn I2J'':17. dri« tage
tüchelin, blutiges !li7*i:i. 22;i'4.
'.i7*2ii. driplaEoalle1age7l)*2li.
tikhloube I5(!'2!i.
drie uaht alle nabt 'ri*i-<.T2r,'i::
1u(el47*r,. 71 + 1(1. 74-22. s.l'J-.
ilrie in'irgmi :ille murj;™ ii-J'lii.
:u. '.i4*r.. 1 i:i'2.s. :y.i. u.!':;--
ilrii' tngftweido Hili*:iN. die ilrii
l',t4':S7.2l2*ls.2)r.'4,(. dya-
bni(l<T.^ j:,'*-l. ir,':i^. Tf,''27.
bolus ."i'.i*4,
^I"24 , ;<:(, ST*2S, 12(i*;il.
'friuienbeim, Heiiilze sei. von 'i*'i.
IUI *.!."., 411, |L''J*4.1i;. drie
tfirapriibst Iii4*:i.
an'ii.-i'licu 7^''2c;. drin ]iriost(ire
läurchtirocb: dag biich von deinirriii
Mi*|r(.l I2*i l.ljs':i-',.|:!:r-j:i.
durrbbnicbi'n 22*17. :l2-.i7ff.
driEJchiinai-r |;i:i*l2. drißbri«-
darpbehlen verfolge» lui'll.
l'o lJT"2-s. :U. l;!2-,i:..
dnrcbliden, die bi'korangc 11 :!•■■■'
trink^^inlicii 'J:!«'! l.
I4:i*i s, uzliden.
drifi?!^' K't 2iiM. üJMil, li:i*is.
darnebt ikliclie volUtiimiig, ;if1rf\i
nMI*U. 21"*20, 25. .'JliStiind
220*1 7. 30 Wochen 229*ß,S.
drissig meilen 43*22. ;So per-
aonen 12l*ü.
trost: one allen befiotlicben trost
ll»*HI. Ifi3*3, 188'2S s. be-
belf. za vil trostes miteinander
gebabt haben 28*t 1. trostelos
tKim Traum 7t;*29ff. 77"2. «ii'7.
8. 81*1 IT. 88*4. 1 lJ8*i 7. 1 0*i*:(ü,
34. llO'Uitl lli4*24. 232*lt;.
trümen sige nüt zil gloDb«ide
110*111 9. Tisian.
tröwon, triew, getr'Nwen droht»
100*311. 101*7.
trnc : trücke, fn'mede 1 7 *2 9. tmtl;
der naturen (12*3. in groUmi
sweren trückeu sin 8fl*2. 88*2>i.
daz große alte we dez grossen
alten truckes <J3*]."), 17. 118*3::
1 2ü*32.U2*13.146'1 6.162*2«,
164*11.24. 169*5. 184*17,19.
22.27. IS7*23. 1 fi^i*«. 217*211.
in iIlt naturen getruckeC wcrien
torneje Tumür 44"l5. tornea-
menta 55*31. 56*j.
^yacon 80*2.
E.
Eckehard, meister 22*18. 33*G.
•eigen willen 77*13. 82*34. 112*7.
213*37. eigennillige menschen
»1*36, 82*2. eigenwillige na-
tare 1 13*33- eiginwillikeit
29*25. 30*6.
«igenschaft Etgentum, Besitz.- one
eigenachaft leben 112*20. 142*3.
149*32ff. 150*5. 188*3.
«inniütig «erden 82*28. elnmüti-
keit: in giittelicher, minnesamer
119*30 ««f.
«inrihtig a^mwUlig 81*36.
«iosidel, Talscher 19*13, 15. 40*10.
41*10. 229*15.
£Usabeth von Harburg 1 8 1 *23.
234*25.
Elsaß 235*6. Ehiasser sproche
82*26.
«man 163*5.
«ndelich rAUicAj zHiief-^n^l70*24,
26 s. nnendelich.
engel 179*31, 38. 180*14.
Eagelberg, prior: Johannes von Bol-
senheim 139*23.
Engellender 185*1^0, 32. 186*6,
10, 21.
entblüssen 97*16.
eatslabeu : sich der creaturea entsl.
82*36. 223*10 s. nrlop geben,
«ntwonen: skh entwöhnen 97*24.
«ntinirt : zu entwnr te von gotte werden
89*3.
enweren: enwert werden 6wot*6(
leerden, aus dem rechtmäßigen
Bteitzeveriri^ten werden \H*20.
Eptingen, kt. Baiel-Land, Werner
Ton-, komtnr sn Basel 175*18.
349>
erarnen, gar sure triSten, erkaufen
100*16. 123*24. 215*26.
erb ermede E!rbarmen, Barmherzigkeit
32*34. 40*28. 43*9. 44*24, 36.
61*14. 63*2.85*25, 31. 113*3.
10. 114*28. 131*29. 132*15.
WSW. wei^ der «rbermede 3*15.
10*19. 22*24,31. 23*1.33*20,
27, 33, 36. 99*28. 180*28.
181*6. 211*16. 212*4, 16. es
erbarmet mich gar sere 105*25.
erbitten, sich lassen - 84*27.
erde : der erden zu vil an sich baben
8:i*:t8.
er^eren ärgern H:i*34 ff.
orgetznnge Vergnügen, UiUerhaitung
97*6.
ernstlich : sich ematliche halten
83*43.
erscheinnng nach dem tode 228*3. 6.
ertbideme Erdbeben 21*24. 30*12.
45*2. 101*8. 109*12,22,26.
ervolgen: befolgen mit ervolgende
aller gebotte 102*21.
erwinden ablassen, aufhören 87*7.
estrichen den Fußboden mit •Steinm
belegen 97*41.
ewangelier Diakon 77*29. 157*1.
232*12.
e warte ^rtesiw 44*11.
eiempet 17*22. 148*6. 206*34.
exouiplar 18*25. 20*7. 26*4, 32.
43*1 5.48*1 9.58*1. 6 1*1 2. 72*3.
I 17*2. 143*34. 143*35. 199*12.
213*32.
G.
Gabriel 100*22.
gadem a. gerwegadem.
ganeistcrlin FBnkchen 1 49*1 7.
151*2.
gare, gere Sehooa 197*12.
Gartener, Clans, und dessen tochter :
Brida 11*24 anm.
gastUDge Bewirtung \'i'5.
geberde Benehmen, IVesen 83*36.
;f4*13. 18.S*-24.
gebirgs : in eime gar wilden großen
hohen Sii'ß. 31*19, -J*. Ii)0*26.
lli:J*l8. I05*U.
geboren = gebitron lich benehmen
■l'l!), 3;{.
gehrechte, gebrochetz Gelöse löä*7.
gehresto Gebrechen, Fehler Ö5*T.
lö(l*:'9.223*H,l(;,l.S. 212*16.
gar großen gebresten haben
I20'2fi. den gebreslen viir-
kuinmen 13j*:(j. der kristeu-
heitgebresten 1 11*«. at)*«. 41*13.
^■1*1-5 anra. fi7*23. 231*5.
von sines heimelichen gehresteo
sagen 67*28. einen gebrestou
rüren 117*34. 197*H). 218*3.
gebrochetz s. gebrecht.
geba:ln3tlichergehnl 62*23.1 81*30
uuo.
geh^TSck bäuerisch 213*31. 21j*l.
geliiiweze Gebäude 71^*21', 2!2, 28.
^eiiniii?: iiitiiih'inic siiiiiclu'b" g^'-
•i'-tnkr i:!3*:)4. .•.:,. [:S-X*-M>.
gel'aiigwi: sidi (lfm h. vatiT gi'liiii-
gcH sebtn '.ni*;(s, 3',i. '.ts*4.'i,
Jpt^Ii.vaU'rs gefangtue sin SiU^'l'K
i|"iii !i, vatter in iroibiigiiillt! gubun
gelulrüt. gMVi4t/.et '
'■itfih/' i:i*u,
gemolizi- - gem.ilze, sem.iM
-H'.*I4.
Ij'e^criM'iTii'r wi.-rJHti
^'■•L.'1'tiuiiri' GKjfnxIoi
(litu" f,'ybcSM'rlii !
i4rj',i,l4>"r,, 1
!.-eil 47'ji-
Oeim^v GeiiiKt ;i2*l]. ii.i'-
gOffCh W''rJi;!J i/erailr, iir.'ii ■•
Ml"!*--. 12. iü. ircsiitiT v,ii
treiyr Al'fall, Schuld !''■> 1
(.■II,
L'.'L',.nV,.,].. Khi<l,
-,,'A»V;'/-/a-
(!«rilit: /M gi'rihl.' ir-li
/.'•Jiid-hi(lllii;l 1 T '
ilingestL' gerihlL! 4''.'l 4.
;'.S
"''i*-.'r' i'i^*'i(i
■j\'H:iHi fiüln,, nif'loi'iltt»
.:
gehorsam 21*2o, 29*21. I3'<*34.
142*2. 1 75*10. 1 76*44. 238*44.
211*34 M. öfters gebor*anii-
keit 35*4.
geischel: geische! gottes 83*14.
hl. geist 21*11,14. 22*32. 23*4.
27*33. 28*14,24,26,31. 33*5,
20,38. 34*3. 3ä'fi. lU. 48*11.
60*36. 70*]. 71*3,4. 72*32.
73*4. 8r.*10. 9<t*2. ll>8*31.
109*2. 111*9, 20. 116*13.
117*22. 118*21. 12i*31, 36.
123*10, 16,22ff. 124*10,37.
133*33.134*35.135*45.1 36*lfl.
141*29,35. 143*17,25. 144*35.
146*0. 149*17. 150*17. 151*1.
159*39.160*23.161*11.162*17.
172*2. 178*1.1.2:1. 17!l*37.
1 81*20.187*1 7.189*34.1 90*16.
217*20.214*35.215*2, 111, 15,
2], 25.
geist: die Übeln geiste 8'.t*3;t, 41.
90*3. 124*38. 135*29, 4(1.
i.i:!';!!, |S4*I2 s. tüM.
yi'liissiMibeit fJüttiTi/i'hpuheif :\-,".
)iii-3s. •Mi'-l. 1 14*111. 122M.i.
V-V^''^■2. U:i'2l,21.-."il, ^iil-i)
giiti;eiosfi'ivrii,'ruiithab.i|i :<'.<'-l'-.
gplpssenlich. gel'>l>Hiil;L*li ■'.l'--,
I iri*i? s. lassen,
ü-fraabel 2.-.*3.
g«rwegadem Anidtidungsraum des
Prietten, SakrüUi 78*10, 14.
geschrei in der kirchen 75*11.
geschrifti hl. 3. schrift.
geselle: gar gilte gesellen 24*20.
25*22, 201*1 2, geselliger prie-
ster 168*7.
geseße Platz zum Sitzen 89*->H.
gesiht: heitere lichte gesiUte 00*25
s. Vision,
gesinde 211*32. 2i;J*5. 223*;i4.
224*5.
gespan Slreä, Schisma 105*15.
170*13.
gesperre Gebälk, Sparrenwerk
lß8*29. 185*9.
gesprecbe 188*16.
gesnnt : gesant nf eine stont werden
88*24 s. ger^ch.
geswnUt Geschteulat, Waaaeraucht
23*8. :t4*7. 188*6.
getitse:windeaget&B 89*35. 04*21.
getreme Gebälk 185*16.
getrenge, getrange Gedränge, Be-
drängung 73*15. 8.)*24, 86*4.
108*21.111*1.113*2,3.126*27.
14I*2. 142*14. Iß4*20. 1 84*17.
18-5*4. 215*40 s. trucken.
gewant: vil herlicher früwen in küst-
lichem galdime gewande 04*1 1 s.
frönen bilde unter bilde.
gewencken «•■«<;*«», icartiert 130*31).
gewerde Werlgegen^ände 140*35.
221*28.
^ezowelin, gezowe Werkzeug 28*27.
.•)2*31. 123*3.
;ezügni3s:ziigezügaiGoneiDeQS7*24
usw.
^ft Gabe, Schenkung 176*24, 211.
jirig 148*28.
■lirsberg kr. Koimar, Wilhelm Ton-,
komtnr zn Koimar 17 5*) 9.
flestig Mhtend glänzend leuchtend
■251»
^\m^{ AngemeasetAeit, auf versöhn-
liehe Weise 62*27. 126*13-
glosen 03 der gescbrift 48*3.
gloQbeGIflMfte 85*5. 119*17.121*4.
144*13, 1."). 145*1, 4. 147*16.
148*16.163*10.202*19.216*14.
gliinsen glimmett: minne glünsend
149*17. 151*2.
gnode 83*8. 119*3. 145*17 ff.,
162*44. 194*45. 216*30 und
Öfters.
gottesfriiQd,gottesfründe7*39.9*24.
14*:
18*2:
13, ■
15
18*<:
11*13. 22*7. 24*23.
25*17.27*14.28*4. 311*5.31*5.
34*21,41*27.46*7.57*11.58*3.
60*36. 61*21. 62*25. 63*23.
65*36. 66*7. 67*2. 68*7. 69*9.
70*4. 73*12. 77*22. 82*37.
84*31. 85*18. 86*4. 87*19.
88*33.89*2.9 1'5.92*1 7. 93*36.
08*31. 100*15. 102*23. 103*4.
104*21.105*13.108*22.112*43.
117*23,119*22.120*26.123*17.
126*3. 128*2. 131*26, 132*23.
133*.). 136*26. 137*2). 138*7.
139*11. 140*3. 141*19.142*10.
146*36.147*21.148*10.149*29.
150*4. 150*6. 159*6. 161*1 1.
103*15. 109*4. 177*33. 178*-'i.
182*27. 188*5. 180*1. 200*6.
204*1. 206*42. 200*6. 220*5.
222*24.220*10.232*20,233*1.
gottesfreand im Oberlant 17*5.
18*2. 10*1. 21*9. 22*2. 24*7.
25*8. 20*1 1.27*13.30*1 0.3 1*S.
40*4,41*5.42*5.43*16. 55*17.
58*9.64*3.65*8. 66*30. «8*35.
09*12. 71*10. 72*11. 73*1.
■*15.
81*;
84*11. 103*14. 105*8. 10S*K.
114*4. 115*17. 119*5. 120*7.
122*13.126*26.1 32*26.136*36.
138*23.140*31.148*25. 149*4.
153*5. 154*8. 163*17. 104*17.
ITii'y. lTl'1-2. ITT'iG. 17i)*2.
1 H-i' 1 4. 1 84*5. 1 90*1 2. 1 »«'22.
l'.tT*10, !'Jfl»5.20-i«28.213*37.
■ilT*:i'J. 22II*2. 225*2.227*19.
■ilüi'j. L':t2'l. 2.14*^1. 235*411
aiim.
goltfar gel goldfarbig gtlb 13*18.
ft;t*i:i.
gracie 7s*2-2.
gramaticä l'iT'l 4.
grap: in unser grabo g>m HT*;iu.
tirasteiü. Jolinn von-, kumtur y.n l)'H-
lisheira 17.)*2it.
grat:iiberallegrete4.)"l4. !7(;'42.
gnt Geiz, Habgier Hri*M;. lOT'lO,
11:1*17.
grot 3. grat 17fi"42.
gnint : iisser eime wiitenden g^rnnde
95*11 zu grnüde lossen a. Jossen.
ÖrSiieuwiirth;J"4,4*4, 27. .)*1 anm.
ii*;t4. 7*3fi. «*3. 11*2+ anm.
12*i>. 13*5. 14*35. Ij'H. lli*3.
17*11. lS*:t. L'(i*;f.'. ■H'"l'i.
iih-14. :i.-|':il. :iil*!t, 4:;*',*,
4'l*l(i.4s*4.41i'2.5;*J7. ■'.«•■J.
r.ii*i i.(;ii*:!4.i!l*4.r.:ni. lU'd.
(ir.'lj. i;ii'!:i, 7l*-J(i. 7J'',i.
'.»Mii.
213*4. 213*26. 214'6. 217*3t
218*16.2i9*12.2Z0*1.221*13.
222*6. 323*21. 225*3. 226*1.
227*20.226*1 4.232*2. 239*12.
gTnveXa grauen i2ft*14.
bi iter güngeristoii lehrte ^att jöDg-
sten 1SH*7,
gürtel 149"34. 17N'22,
Gürtel er
— KuQo 5*1 anm.
—Wilhelm 3*1 anm. 2ii7*l'o.
gut Besitztum, Eif/enluin: an lit-
licheme gute mangel bähen 1 fl 7 *1 «.
irdenschgütiiis* 1 7, 7ii*27. 76*'i>.
«7*36. !l(l*3!t. 98*17. H}f,*n
Hi7*(l. 112*13, IG. u߫r ilM
bant geben üb nni] gut 75*4S.
76*1, 9.
gut; daz alle ding gut in licb "«r-
dont 133*31. 2(i2*]i>.
giUbertzikeit K:i*i2. giltherliig»
priestcr 133*14, 21, 23 vsir.
H.
hafen l'o/*/'.- hafen niitmiise ll'.i'J"
1(13*13, 2112*44.
bals; uf dem halse ligen s4*:Hi.
hantger = bantgar handlich, gfiSll»
barster Krieger 12*li. lU5*2s.
bastluiiia 5,5*31. 56*5,
begeht: liegehter wert eon Hed'«
iimyi'beH 13*3. 1 Hli*4,
lifiden 221*4, 2:l(i*3(i.
heilekiicliF- auf fromm,- ^Vfif
lieilgelin kltine Uetiquien. Ilrilin"'-
hddrhi-iii U'.i*:i5.
lieiitiini Heiligtum, Rpiiqm
23.
Heimbacb, Speirer bistum, Upilel
zu - 221*4(1. 237*5. liK
heimlich vertraulich, geheim, rtr-
liuri/en I7''.t. L'ti'i. heinn^lictie
en 41*24. beiiolich
lempkpate 67*13 ti.öf'
m«lichflit2T*21. 80*13.
04*3.
ia*6ö*i0. 140*20, 27.
64*22.
it.lnf. Verlangen Xi^*'!.
in den gnint der hellen
•2ü. 14r.*;U. 217*11.
44*rt,21,30. 21G*10,
1.- 184*10. 106*4. sie
mit gemeiner stimme
wider enander hnlten
2ir,*l2. mitUhellen
gehellen 176*20.
*2a.
man, muler i
. Basel
BrÄreicA 78*23. 97*40.
iwerm bertzen kommen
leres hertze 1:t6*2.
u Himithen, Versekei-
IS.
eben menschen za bilfe
H*38. 42*1 usw.
disen hindersten ziten
Verläumdung 4(1*1 J.
an 182*23.
heimtilckixher Schlag,
I7fl*l. hünderslagen
(3*28.
blibent daraader ligende
hinlichen eilenden wei-
ischreie 185*14.
ig minncn für 21*16.
9*17iww.
^«rilag 4*1, 7, hoch-
fest fi*7.
im gemäte hochmütig
Sofiiwaasm 49*8.
hoabetiboDbetgesnnt 23*13. 34*12.
der bübterseböU 85*34. I13*l.>,
16. böbetlosBS Volk i(il*!>.
185*29.
hnle Höhte 87*20.
liilllen 3. bellen.
hiindelin, swarties 65*27,31,34.
6ß*6, 12. 68*25.
Häneborg, Werner von-, marscball
I2".i. 13*8. 48*2.). 4»*:t. 63*11.
158*3. 159*3.165*27. 234*20.
die woffcn von - i:i*23. 14*3.
I 5S*20.
hüorewassser, gebranntes Hühner-
auppe 188*22.
hurst Gebüsch 49*1. 160*4,
haswnrt Hauswirt 94*8. 9ö*7,
i. J.
St. Jacobas 3*2 ff. 4*5. fi*i anm,
6*6 ff. 7*1 ff. 9*11, 37. 11*25.
77*22. LG:J*26ff. 179*7.180*6.
208*31.207*7, 19. 2118*10, I!i,
20. berr Jacobe 133*15.
Jbernsaleni, apital von 1 5*5. 1 76*7.
181*20. 237*2. 212*31.
impfen: gpympfet 147*32.
inbesliellen einsehließen 96*41.
97*28, 29. 100*18. 1115*13.
108*2.
inbildang HineinbUdung 222*s.
incorporieren 167*22.
ingang Einkehr in sich selber 87*13,
ingesigel, silberine 84*16. I9ii*0.
inker 87*12. 134*3 um:
iDpetrieren 140*19.
iprechen, göttliches 233*6 usw.
instramente = orkonde 5*1.0*5. 22,
, 30.
intytolieren betädn 17*3. 24*3.
36*10. 40*1. 42*17. 58*5.
115*28. 117*36. 161*20.
Johanse, nnser brdder 81*8. 92*8.
95*3. 98*8. 1 07*42,43. 120*1 7.
121*9.
254'
JolianneE Eapt. a. Johannes Ewair-
gelisl 44*:il. «2*41. T8'I!(,2].
114'(). 152*:!. 153* [4. Jo-
hannes Baptist 46*1 S. 70*2».
T2*ait. 1IT*1&.136*18.I60*12.
lfil*7. n2*i7. 181»5. 2U5*G.
219*36.222*16.232'29,23;i*W.
Johannes Ewang. 1 1 7*20. 1 32*i).
I OD* i:).lßl*S.2lil*:i7. 222*17.
2H2*:!i). ■y.i-i'H.
Johanser Johaimiler 1;15*2, 5, lo.
1T<I*7. IS<1*2I. 2:i. 18:1*32.
iöiner, innerJiehBr 131*10. ir)2*4.
ioBiKTa jammern 130*17.
Jonas H(i*3ii. li)0*31. 11)1*5.
irmiige: in der cristenheite 103*33.
irrunge der bebeste 1 04*34. ir-
mnge in der kirche 1 1 3*i>.
Jubeljahr 34*2 1 s. RomfaUrt. iabd-
lahrt l',)4*I2.
jubeliren «3*40.
Jude 119*16. 120*19. lß:t*10.
■JO^'lT, 24. 230*30.
,jiiirurriiu>>eii, fmgi;sfltlu>=t-ii'> J-.'T"'
('. K.
. i.ii.-
Krl(r.T.4.trR.lVli,TV.i)r v lli;-;i^J.
K';ll^iT,l^eisPr(ls■'7. I 'i | * | ■-!, 1 T 1*1 J.
■rl: küisct lv.'.rl JV, mi'-J,
kalg Kalk 7r.*lT.
kammere ii7*10, 30.
canonici reguläres 118*4. 161*35.
l(lf;*14, 18. 107*8,27, 31.
canonisierto hl. 148*4,
kanzel: zu allen kaotzelen lesen Tj'S.
kappe Kutit, lianUl der Gtin-
liehen 238*1.
kapella 109*35ff. 111*13, SlC
112*32. kappellelin 89'«.
capittele, ein gros 107*18. lßa'32.
gecapitelieret 140*25.
kardenal 08*32, 107*33. 166*20.
107*6, 10.
karfritag 43*15. 21.
kartnser: ein golerter pfaffe-urdcos
r.*4. l.'.7*ö.
St. Katharina l8o*io,
Kayfas 123*1.
keiser s. kaiser.
kensterlin Sekränkekeit , Wani-
Bchränkehen 115*19. 185*11.
ker Umkehr, Sinnesänderung: ersMr
IUI'. (4. k. von di-n siiudru
lUM t, !(ij*:i3. eniithaft-rt.
)("!!. 113*22. ir,'.(*(i. mileirut
geivuren dtmiitigpn unbelM-rM^n
ruwigen k. |cni*;!.i. k, Vi-n^l-r
Well 7.Ü gntt lN*rj,
keron : Bicli ron der weit ii\ ir"ti''
kereii:i:l*3,4(l*3.''i.41'rl.l4'.i*l".
alli: diug kereii zu läoni \"iW\
s3'3-.. s4^1.
I>>irt;fii. biiniuiido iU^lti.
k"-<iiL"iiiigi;dBslibfi3 Aos/m/fij:; IH''.
ki'l/i>rie! zu ketwrige tretl'"li of?
Krlzevfi, odtr unmliiHkhe H's'-
iiist hiiiaUilaufen i4,"i'''J I. -■'
ki">('ii. frkicäen eni-iiliku ITI'"' i
ITm.j. '
killt: lutiTlicli.- gini iilsfi Ulli kill |
255'
ie müter der heiigen kir-
5*23, 28Mm\
tz 166*28.
66*10. 167*5. 168*5.
ndres, der raoler 8* 1 3 anm.
8*26. klebende bliben
urtze 129*13, 133*28.
25*3.149*32,34.221*27.
9. clenodia 57*40.
ve Klingnau, kt, Aargau
0,23, 25. komtur: Wer-
liurer 221*11.
51*5, 8.
clorer büchelin
iÄ7aw5Mmn2 1*1.26*9, 18.
walt nach Schmidt, Hist,
reh, Mundart 200^: Grüb-
%ld, 132*23.
nach Schmidt: Kleinigkeit
ringem Wert, Wohl hesser:
Zeug 149*35.
r rock mit Knöpfen ver-
238*5.
uffe mino knü 110*10 ustv,
Johannes u. dessen schwe-
Gredo 11*30. Dietsche,
. bürger 1 1 *3 1 .
trinken Trunk nach dem
essen 97*23.
In 124*21 flF.
\[eßgehet 4*9.
Fohanniterkonvent 175*22.
:: Wilhelm von Girsperg
9.
»ie koment es an uns mit
ernstlicher bette 130*28.
te komen 136*27.
zu Grünen wörth 60*30.
. 70*39. 71*1,8. 73*17.
.78*30.79*22.81*30,33.
, 37. 85*20. 86*7, 9 flf .
97*33. 98*12,14,18. 103*14,
21 ff. 105*9, 22 ff. 108*9, 24 ff.
114*5ff. 120*8. 126*11. 137*7,
14. 138*17. 139*32. 140*32.
172*33ff. 173*24,27,36. 174*7,
8,21,44. 178*18,26,37. 179*38.
180*35. 186*17. 207*10, 17.
21 1*22,26. 223*21 ff. 238*13ff.
concordieren übereinstimmen 38*6.
48*10. 61*1. 116*15. 148*18.
117*13. 196*4.
confirmacio 176*2. 177*1.
QQi\^\QTi\\mBe8chaffenheit,Art 1 7*2 3.
Konrad s. Kunrad.
consciencie, concicucie 4*20. 6*1,
11,13,17,27. 10*23. 20*3.
71*10. 103*3. 122*30. 123*9,
33. 125*41. 129*26. 148*32.
150*24, 31. 161*14. 173*13.
177*35. 181*11. 182*10, 26.
189*17. 209*5. 211*30.
Konstanz, bischof 140*21.
coopertorium JöwcÄc^cÄ:^/ 115*19.
kor, chor von Grünen wörth 7*38.
9*29. 70*22. 72*2. 73*32.
74*13. 77*17. 78*2, 7,14,20.
108*10, 29ff. 111*27. 112*24ff.
114*32.118*22.121*37.153*13.
162*18. 178*20, 33. 179*29.
180*11. 210*6,21. 222*12,20.
234*5. kurlin 74*17.
corrigieren 151*2.
kouffraanschatz Kaufmannschaft,
Handel,GeschäfliCy2''.MAS^*\ßy
29. 191*11,23.
kräng: sin gar kräng werden 41*37.
88*16. 144*33. 145*33.146*4.
217*10,16. 216*27. ettewaz
kräng werden 91*30. 107*22.
137*10. in der naturen kräng
93*26,27.121*25,29. imhr)bte
kräng 121*25.
krangheit 127'^19, 21. 195*5. kr.
an siner nature 30*17. 4l**><^
256«
2l-t*2j. in gruiler kr, varen
kristnaht, offenbarang in der 2 1*23.
:)0*ll, 15. 77*3, 4. JIO'42.
fll'29. 102'23. 164*19. 165*5,
«, 14. 2.1!*.1.
cristeaheit : der cristeiüieit gur s«k
nbele TÖhrteD a2*3fl. »lir die
er. bitten 9l*i:), die er. war-
nen 10,")"^. die er. ist f'il aller
uDtügende 1i><;*I3msm'.
bröger Kräht \:>>i'l'>.
knitze: ich machte ein kr. für mich
77*31. crütiewise 188*17.
k-nnig IOC.*:!«). 174*33.
Knnrad, der koch 119*19. !f;3*12.
202*43. 203*4.
Küntzelin rjö*l.
karfürsten li)ß*4o.
kurtiowile VnterhaUung, Vergnügen
lK-i*i I.
kntte l.-iO*3S,
L.
l.impi\\f Ltniguau, Si-h,rei:: kdiiitiir
21 i'rj,
iHritfrM.' I74M:!.
U|T .. Ä.rn.
la^st'ii: ^ngriin(lulall('n(li'lJviil i ii'2'J:.
■^■J*:., 1-J:i*;(l, I27*-J4. i;t:i*r..
I;ir,ii,i',ni*i;!.i!i(;*.ii.:i-j;i''i2.
-•ii^li Ji-.m;iii(li'ii liissni ■^] .7*1? ir.
siHi p.tLp liilicrr I24*i(. Ki:.*44.
\M\':i. sich ^öl.^ilMi in allen
iiini,'<'ii I2S*|. ;{. jii mir selber
g"Ki|i"n Wfrilen M'u. hiinlor
!• li.'iii.'(r [i' btrenL'ei' und io sürg'liuhf:
Icfti: giiT iibeli' y.u lefcadc Tii*)m
letze tectio, Ltlu-e, Geachtm 21*17.
28*39.29*1,4,7.44*1,1;. 97'1j.
97*33. 134*6. 143*3. 2i:i'2T.
214*21. 22fi'3Ü.
lichof BegräbniapUUz, Friedhof
178*2J. 187*12.
lideo, frümedes 21*3 u. öfters.
lidig ledig, losgilösl vom IrdUtkrn
liiligwordei)89*42. 93*2.1 'I3'.lfl.
10i)*l. 181*13. 2ü9*lj. alltr
creataren Udig ston !l*>*23, 31.
98*7. 100*18. U2'40. 41.
134*40, sich lidigen in;'35.
98*15, 25.
M'Biii GnadenlicHd99hl,Gtiatea>i:\*\.
83*30. 142*30. 1 43*1 7. 1 44*35.
22G*21. 216*2, 29. 214*34.
mensche one lieht 85*29. li:(*H.
123*18. schi'ine jnlpr heiter
\\i\\\,LiehterBeheinungbti Msimten
90*r>£f. •)4*22. 95*3". 193*28.
liehtfarrot 77*30.
ligering ein Kranker, der -iaa Bett
i,'"'ri"liti, Adnin. plleger vni) ilniiien-
\vur(b l.-,.-,*:iti.
I.nthringen (Lutriugfni l-'l-^,
71l-:lcl, 122*21. 232'! 'J,
louf. loiffc. löuffe. h'iffi;: smiilichf
l'iifie der crist-mlitit ". ■Vinlieh'S
io:i'2o. i0(;*;(2. io7'i. i i s'i i.
l27*-i(l. 141*21.147*4, |>;'fl'i,
ls:s'23. ISJ-L
Lüwi'ii jti UrabaiU
— Nikülans vun -, JuhaiiriitiTbni.i-r
zu i.lrQrn'mvMrth 4'IT. i:'l4-
^-i:; imm. 9*12. lii'22 M'l-.
iii'jii, ."i;i'':12. e."i*i:i, iif,";.i,
Tii*|4.1 i4*2o,| 211*24, l.rj'JT.
i:tii'37. i:f^i*ln.i:(9*:(o, ijuM.
. U'.i
, Kl 4*1
257^
159*1. 169*22 anm. 218*26.
221*12.
— Heinrich Blanghart von- 3*2. 3*6.
4*19 anm. 5*1 anm. 6*33. 7*11.
8*11, 13 anm. 9*6. 10*2, 21.
1 56*30.1 63*26.208*20.2 1 0*1 7.
cv) Loitgard 4*3 1 . 5*1 anm. 6*34.
7*30. 8*1 1,13 anm. 9*32.10*7.
11*2, 10. 208*30. 210*17.
tochter: Elisabeth (Lysa) vod - ^^
Jekelin gen. Daler 8*1 3 anm. 1 0*9,
12.
Infi: des loftes zu vil an sich haben
zuviel Heilerkeit, Äusgegossenheit
besitzen 83*35.
lügen: zu im selber lügen 106*15.
lügener: zu eime 1. machen 86*31.
M.
man: weltlicher man 1 48*26. 149*3,
6 usw, s. mensche,
mannenbilde s. bilde.
Mannenbuch: Zwei - Mannenbuch
14*26. 18*28. 23*31. 35*22.
39*36.115*28. 197*9. 228*13,
3 3. 2 3 5*6 flf. Fünf'Mannenhuch
18*24. 115*30.119*5. 139*20,
28. 140*16. 142*25. 154*9.
163*1. 177*27. 199*-206*.
214*3.
manod = Monat 174*22, 25.
Margburg Marburg, Elisabeth von
181*23.
St. Margred 180*10.
Maria, Mutter Gottes 24*21, 34.
25*2, 37. 30*22.44*30.46*17.
47*3. 56*26, 32, 34. 57*23,
37, 39. 62*40. 78*31. 89*26,
33. 91*9. 94*28/29. 98*37, 41.
100*13,24. 101*31. 117*18.
126*17. 144*27. 147*4, 19.
152*2,8,31.153*30,33.156*16.
160*9. 161*6. 178*1. 181*5.
208*9.213*15.219*35.223*19.
232*29.
Maria Magdalena 27*28. 44*32.
180*7.
hl. markeler 145*17. 216*39.
S. Martha 181*24. 234*25.
Megede, Konrad zu der- oj Bertha
Wetzel 10*18 anm. 11*24 anm.
15*26. 155*21, 26. 207*22.
211*1.
megde 11.000 Jungfrauen 80*6.
110*13, 16. 111*14. 168*32.
180*8. 232*16. Kapelle der
11,000 Jungfrauen in Griinemv,
7*37.8*1.9*26.108*13.210*5,
7, 19. dorehte megede 139*2,
13. 150*32. der megde Ion be-
sitzen 78*28.
meide Hengst, \yaUach 129*12.
Meiglonil/ai/awei; in der herren lant
von Meiglon 92*17.
meister: meister der hl. geschrift
18*4.42*23,30.85*12.197*18,
23. 218*1. 225*6. 226*7. Met-
sterbuch 14*27. 18*1 flf. 23*32.
35*22. 42*4 AT. 82*10 flf. 225*5.
227*22. oberster [Johanniter]
meister, in der Anrede : herre der
meister 10*17. 15*2. 79*22.
81*31. 84*38. 86*13flf. 87*31.
103*21. 104*25. 105*26, 36,
37 flf. 105*11, 22. 107*15, 38.
111*8. 118*14, 19. 119*27.
151*12. 155*13, 32ff. 159*9flr.
160*30. 162*10, 15. 163*20.
171*20.175*37.184*37.207*4.
21 1*6. meisterschaft 133*26.
172*34 flf. 173*10, 41. 174*1,
9. 182*19, 22. 213*2. meister
werden 106*3.
memoriale Gedächtnis, Gedenkbuch,
Handbüchlein 3*1. 14*36. 15*13.
48*27. 63*20. 155*9. 157*16.
161*4. 177*32. Memorial-
bücher des Johannüerhauses:
6*23.14*11,16. 15*6 ff. 35*25.
36*7. 49*4. 60*23. 63*17, V^.
\'\
258*
r>4*l7. r.5'!». 72'17. 73*4.
84*18. 115*23,28,31, 116*6,
14, 3«. 117*7. 110*29, 42.
14fi*24. 1 59*9. 1 60*2«. 1 63*22.
1S6'41. 197"H, 12. 206*35.
2n7'3i).2(iH*25.2 19*1 3.222*31.
Orußia DnttKhea Memoria 3*1-
47*3». H>*:i2. Kleines Dmtaeha
Mmorial 12*4. 14*4, 2«. 29.
3.1*26. 42*15. I4li*27, UtiDe
urlttindB buch 5*2. 14*17,27, 3(»,
33. 17*25. 19*19,31,34, 24*13.
48*4. 49*10. 146*2.->. 214*4.
221*3», 33. dberblibene Utine
büchar 48'I8/19. 60*26.37.
«1*«, lU. 119*34. 163*31.
207*27. 208*1,3,5. Pfkgtr-
mamoriaU öl*3. 117*3,13.
119*32. 139*37.156*1 I.l.'i9"l2.
161*15. 206*36. 208*4,25.
2IH*23.220*13. Mtiaitmumo-
mi 72*1 6,30. 116*29ff. 119*33.
151*12. 1G5'33. 156*13, 24.
15fl*9fl[. 22f)*l4, Hi. 23, 27.
briidersclial't buch s' I ^i aiini,
iriLi'üjamn. l;ki*iii."J2 l'lit, 21
liriefbiichclin 1 ir.*:):.- i2ii*i:(.
2IS*2.".. 2]'.i''2, U s. selburh-
memorio.i'iii. 4'3h. 11*21, iri7'2ii.
menseb": valscher frjfe miiiistbe
22' 1 1;. ein inupwi'iidigiT mensch
tmsiii: TiiessL' hüren I.-i:i'4. tiipssp
ballHi ]L?s-2S. i:(;(*4.-|ff. s. uber
alter p'O, mi.'llcbüth rili':ir,.
incDer, laTiL'f- 12'.i*:i. llit'.U- sil-
bchri inesstT senden 1-!'.'*T.
Mcrsivin
— üulmaiiii l'l'.i anm. ri*i aum,
:':r...H'."-i. lu iiom, '.ri.'i. rri'i,
I4*iv 17-4. IS'--. i:i*.'. -jd-.ti.
:!■)'.-..
■^■^. Jir
41*2. 42*6. 43*16. 44*7. 48*fi,
49*26. 50*3. .->5*I7. 58*111.
63*1 4.64*3.65*13.66*1 0.6T",
68*35. 69*12. 71*29. 73*14.
76*30. 77*15. 79*16. Hl'i.
82*32. 84*13. 86*32. 87*2!.
8«"1. 91*26. 93*38. 98*7.
104*24.1 0J*34.I07'37.I08*ie.
109*34. 110*24.1 11*22.112*1*.
1 1 3*22. 1 1 4*2 3. 1 1 5* 1 4. 1 16"J.
118*8. 119*1. 121*29. 12ä*b.
1 25*35. 1 27*3. 1 28*2 1 . 1 29*40,
130*5. 131*41. 132*1- 133*IS,
134*16.136*19. 137*29.138*15.
139*7. 142*37. 143*12. 141*23-
146*13. 146*1.151*30.154*11
155*36.156*34.157*1 1.158*16.
162*4,163*17. 164*9. 16ft*li*.
169*22 aDüi. 170*10. 171'rJ
172*1, 176*11. 177*19.178'U.
179*1. 182*2. 183*26. 164*6.
187*20. 188*5. iaü*22inm
191*3. 194*5. 196*3. 197*11.
19H*7, 204*28, 208*33, 209*24
2l>;*]S.22ri''l',l.22S*l(i.22!i*r',
IHanui, 23(1*4. 23:!'24--J;i4M"
— Joltami, pfleger von Grüiituwüril!
12.jMi;- l.".r,-iii, 211, 17-J';il.
2411*31.
MpIz in Lofliringen 7li*2. :>, IT t..
Met-iP varen.
St. Midiaiil 7-1-12. ii;(t"io.2:rJ*.tii
niiiiiiekdsoriu 223*'.i, trottes miiiii"-
rm223'ö. minnpglüusunUii'l"
luiriilCD] I 1*211. 17*6. |si+.ll,2ii*.i"
x^-'-i:. i)+*3'i. \\:^'^-l. lon-'
litl*;n. 1113*32. iii,-,'i 4.1 i:i*-i
1 1^
\v
12
;2*1.S. 163*1(1, l'U'l-'
(I2*17. 23(1*24,
259*
misebellen nicht Übereifutimmen 48*2
s. hellen, missehellnnge der cri-
stenheit Uneinigkeit^ 2^iespalt
85*9.
missetrosten einen schlechten Trost
geben, entmutigeti 91*6.
missetruwen : angestberes nngelos-
seDes missetruwen 1 1 4*5 m. öfters.
mist tragen 131*15.
misthuffe 32*29,32.
mittel: äffe daz mittel vallen die
rechte Mitte einhalten 97*8.
mitteliden^uft«^. In/". Mitleiden \ 43*8.
152*9 usw.
mittelob Anteilnahme am Lobe 3*22.
möge Verwandter 3*9.
Mosung, Paul, pfleger von Grünen-
wörth 155*29, 30.
Moyses 120*1m. 121*1.
mnnsser Münzer 189*15.
münster 109*3 ff. 111*33.
mos, hafen mit - 119*20. 163*13.
202*44.
müssig sin entledigt sein 81*21.
sich müssigen von allen ußerlichen
dingen sich loslösen 96*35. 98*1 5
usw, s. lidig.
N.
nature: wider sine nature 31*29.
in siner naturen starg 145*8.
146*6.195*12.216*34.217*18.
naturen kräng s. kräng. es tu
der naturen we oder wol 71*3. es
sige der naturen wie wider es
welle 1 1 5*4. iung in der na-
turen und in der gnoden 97*9.
natürlich : natürliches lustes
128*41. 132*21. natürliche
wisheit s. wisheit. us natür-
licher neiglicheit aus natürlicher
Neigung 178*23 «. öfters,
neigonge 4*10.
neiswas Terborgenes irgend etwas
V^i^hM^aänes 82*38.
nemmen: nüt von mir nemmen 29*30.
nennen: sich nüt nennen 143*31.
1 44*23 u«tt?.
nest 80*10, s. Vogelnest.
Neun-Felsen 14*26. 19*22.23*31.
35*21. 36*15ff. 38*1 ff. 48*2,
15,19. 49*9. 50*ff. 60*20.
116*11,14,20.195*40. 196*8.
Niderlant, Johanniterbalei 237*6.
Niderlender 24*5.
Ninive 90*45. 100*30,32.37.
nochformieren 147*19.
Noe 86*26.
notar 4*40.
0.
Oberland 14*22. 26*2. 34*20.
65*19. 71*22. 73*11. 120*13,
22. 138*23. 196*22. 197*10.
199*4. 201*3, 36. 202*18.
204*27. 209*10,8. Gottesfreund.
Oberlant, balei 237*5. Ober-
lender 24*5,11.
oborton, oberdon Obngkeit 107*5.
124*14.
oberste zile das Alphabet 1 8* 1 usw.,
s. Meisterbuch,
offenbaren: leben offenbaren 19*10.
41*11. niemanne offenbaren
20*2. 125*22. offenborung
21*22. 58*20. 65*24. 73*13.
77*7,17.65*24.111*3,7.118*22.
162*18.164*12.172*1. 177*38.
183*11.
Öhtelant Üchtland 104*26.
oley Oel: sumen dez oleyges 1 38*34.
oley betteln 1 39*9. das hl. oley
die hl, Oelung 188*11.
ume Angst, Schrecken 84*20. die
weit stet in eime ome 99*11.
buch von dem öme 108*20.
ordinancien 238*42.
der oren habe zu hörende, der höre
84*7. 134*32. 149*16.
W
orlepli 23T*:i2,
oruament :i*'2 1 .
Oestaricb, das hertzogeii laut tod -
GG*9.
oatire ohne Stül^it, ohne Iteglerung
QUgu : Auge zu den ougen uGsefaen
21)1*211. es gohön die engen
liber 24*:)2. vun rehter müde
wurdoDt mir die ougeti ziigüiide
Jngen vor Au'/rn liringeti, zfigen
!H)»4..i.
P.
palie, i'iberi! Balei tie» Johanniter-
orden» 1 71*31.
p&pste s. bobest.
parabel IJT'lii.
parte ParUi 169*:(1.
patroDo des Johannüerltautt» ül)*!).
(■.■i*4i)ff. i,i2*I. l->2*:iii. ir,o*4.
I '>. ici -',i,-J(i. \i:i-.-2<;. h;!i-i.
!■ l'.-n.ily,icii>r. Ilnrldr
&. l'.'t-r Is.i i;,
l'vyz.'rlun >. [i^.y.iliiiH,
VlI.Hi. -il.ihr.' sii';ij.
l'/lt'/ir iks Johiiiinilerlniufi-s I
6Ü*29,:U. «1*2, J, 22. 6>*lll,
26,27,29,36. I«T*1Ö. UO'Jl.
117*14,26. 118*16. lia*28.
35. 1 25*25fif. 1 30"2,1 0. 1 29*31.
155*fiff. I59'12. 160*;U. lei*
Kiff. 162*12. 163"21,29fl.
171*22ff. 172*4ff. IT;)*;iff.
177*37. 2(17*15, 2il8*5,l3.
22(1*1(1,22,2«. 22:t*20ff. pfie-
gprie 12r.*4.
pflöge, pflogen i'/aye,pia^rt2l*a>.
;li'i:), 25. ;J!*38. 4+';i7.45*5.
.)S*22. öit*11. 84*25ff. S6*5.
211.27. 87*18. 91*14. 34*33.
9S*35,4i. 9!l*fi. 102*2.4.14.
2G,35. 103*10. IS.'i'Sl. pls-
gari 58*13.
pietancie PiUms, reiehiiehere Keil
!)*:U. m'l, 2;"!. 82*22.
pittscliaft Petschaft, SUgü 229*2ü.
plogon s. pflogen.
predie tuo 82*11. 197*20. 218*4.
22r,*n. Prediger bGren predi-
yi'ii ■J2(;'n). I'i. di.- I'rriligfr
vini i. Daiüiiiicus urdcii in-r^:.,
liriestci-pfrümk, HiUie einer- i*'H.
ynM. prior 4rl^'2. l + 'r:;i. [:,'y\'\.
vrroi>/,>':fii'„„li'.>'<:.-->.\-'.
ll|.■t^.■l|.■n: g-.pv.'i-. in l-:Vjt.
'(■liL'n nii'liex: sini'U san ilunli all''
,]:■■ uvjt riviirii srj-i. turn-
261*
riehen 28*3, 6. graweliche
künftige röche 88*32. unge-
roclien Ion 100*11»
rechenunge tun 173*6.
rede: mit nieman keine rede haben
97*21. 99*15, 21. one rede
mit enander zu habende 99*36.
redelich vernünftig: redeliche not-
durft 114*30. 115*8. 142*6.
rehte redeliche notdurft 223*11.
redeliche sache 182*17 = emest-
liche Sache 154*13, 17.
regnieren subst. Inf. 102*6.
ze respons geben als Entgelt geben
174*14, 16.
revereneie 3*19.
richsen regieren 184*32.
richsinnig 86*14, 17.
richten: einrichten: unser leben rihten
90*33. sich in allen Sachen
rihten 87*29, 34, 36. 104*27.
sich mit der weit rihten 90*40.
rim Vers: in rime schriben 223*1.
gerümete Sprüche 151*16.
Binowe Rheinau 1 75*22. Henselin
von - 9*5.
riten reiten: von des riten wegen
kräng 93*10. 107*19,23.
Kodeis (Kodiz) 118*19. 162*15.
175*37. 176*9.177*8. 220*23.
221*9. 223*1.
Eome Born, Fahrt der Gottesfreunde
fifltcÄ Jf?om 66*36. 67*5. 68*11,
38.103*28.106*29,36.120*17.
r21*14ff. 140*19. Romfahrt
im Jubeljahr 27*15. 31*24.
194*12. rorascher stül 82*15.
85*15. romescher hoff 166*20.
E6mer 66*36. 67*2, 7, 12, 15, 20.
69*1.
romen nach etwas zielen, trachten
85*5.
ToiRat: rot nemen i?a//ra^^, nach
dem Roie jemandes handeln usw,
^*3, 1'^ 8*6. 9*33. 11*2,10.
22*8,33. 32*19. 33*29. 40*9.
41*10. 79*15,24. 125*39.
176*34. irme rote volgen in
allen Sachen 68*13. 87*32. den
rot widerrufen 73*9. 77*20. one
rot 73*4, 33. 108*10 onerotdez
hl.geistes s.hl.geist. zu rote wer-
den 121*24. 126*6. roten usser
gottelicher minnen 87*33, 37.
90*30,37. 97*3,17. 106*21.
109*22,30. 111*36. 113*25.
133*33. 135*42. 215*30.
ruchelosikeit 168*12.
Kalmann s. Merswin.
Ruprecht der angebliche Diener des
Gottesfreundes 25*19. 69*20.
70*12. 73*6,37. 74*2. 76*12.
79*17. 97*13. 108*26. 112*36.
113*20.119*21.120*17.137*30.
154*20. 163*14. 179*2,4. 203*
42. 204*4,10.
rüren: rüronde sin 124*11 sinen
gebresten ruren s. gebresten.
Rüsebrüch, br. Johannes von - 23*1 6.
34*15, 20.
rüstern räuspern 137*38.
s.
sacrameot, das hl. - des Altars
22*26, 36. 33*22, 31. 40*26.
42*13. 93*14. 94*3.95*18, 26.
97*18. 99*30. 108*1. 143*6.
181*22.203*8ff. 230*1 0.227*1 7.
222*16, 19. 213*29. 214*24.
sacramente alle sieben Sakramente
144*13. 216*14.
sacristei, sacristye, sacristige von
Grünenwörth 60*17. 74*11.
77*17.1 ll*31ff. 118*23.162*19.
180*11.
sagen: nieman sagen, nüt vermeldet
werden 29*12, 14, 32. 86*29.
90*30.
Sattel: sinen sattel erweren 106*15.
262*
scbHAtbet seh&üiek 112*17,
:?chaftolzbeiai Srhiiffotaheim, Johann
VOH- l\'-i. i\)'22. \-12*2~.
scfaappel KopfbedtcUung roseii echap-
pel -Jl*«. lt)9*42. 110*12.
schapperone SAa/ju/ieF" I41)*:U.
schenke Otaehtnk ijG'lT.
schin Sc/mn: dea kloren schin knmo
erliden 'hi'H. •t4*'>:i, liPVl*4r..
1 1 ü*:i, geistlicher schin äußeres
AuftrtUn läO'7, 38, 39.
3chisma,üi3ma58*lß.ß(j*:t().85''l3,
IH. I():!*l5. iOö'ir». I2i)*8.
achoff, sonftmnttiif - lfi.'(*;(3,
schüpe Kittel, Kleid, Waina 2;18*1+.
schriben: zu rehto schribon 82*22.
lebi^n gescbriben geben 2r)*25.
2i)*Ui. mit rao früntliche briefe
schriben !iii*:(4. ll.>"7. 1.j4*12.
hinder in geschribi>n lassen 147*15,
24 s. finden lassen.
schrien : sie achruwen mit einer ge-
meinen stimmen 7.5*12.
lil. Mlirift. 1,'o^i'hnft V-'.*-i:.. is':i,
A\v-i\. ><:y'\[>. ]■!. s7*',i. iitrri.
1 iri'HI,ri:(*2r.l4-J"li).U4'l I.
.ir..l4.'.''2.14«*4.|ii.is.l,'5i)'-17,
äcbii. g.'snal)pltc 2:!s'-l.
scbub-m 6W(ei( /mfifH .■ sibulieii iill"
H'ilics iiersiuien 1 H-'-l, iTii'iJl,
isl:*i:>. is4-iii.
srblirf'lirinit Tih'l >'hiti tvaktats
.■'diiircr, \ViTiiiT -, kitiTitiii- tw Si'lilctl-
^imit ITv:?l kmiitur y,n Kling-
H'liiittclli .«(/'.^ l„l. |(.i.*-J7.
-i'h' Kmli Toli-n'iKch, Aimiceraiir
^ I :; ;iNiii. 11 ' I 7- selrgerete
aennoii:Eiae5ernionegeh''reii:i:i*ltl
s. predie,
serwen achuaeh utrden iSs'il.
sidel Sifz, Stuhl lS3*Ht.
siecbetag Krankhtit 2:i"7. .i4*i<.
den armen siechen 1K[|*:11,
sinn, dienotdarfugstensiliuei<4'i;t,
2<i. i\:,*f,. den siu desto eigen-
lieber verstan luo*l. iber
mensch), sinne :t.~>*^>. aber di^
sinne gufiirt werden l i:f*:i<;.
sinnolich s. wishoit ; s. Vernunft.
sinnelicheit Sinnliehkeil S.i'lii.
Ifi2*4. weltricher sinnelicber
man 100*44.
sitzen: bienander silxen äri'21i. :14.
f»4*H. Ü5*ii,20. 1»IG'27. 107*14.
12l*:ili.
siafheit «eWa/fAsü, Trägheit i:m*;t.
Slegelholtz,Heaäe21 1*1 1 ff. 220*14.
Sletstat Schltttsladt 1 75*2:i. kam-
tnr: Werner Schnrer I7ö*2l.
slioffen nehhlpfm 87*2o.
A.)i: iiffciiliiiruiit,' i'" -^'■'ff" -I'"
lJ:12*ö, zarter sliil' i'\'M.
äl.>ffcrigsr/(?.V7ri;/lllir.l'J. sclili.l
mit TL'btc und «'a.h^t» -'it iii'
rebti! 77*i!7. ;il*:i2.
Siiialrivmc. Claus i?iiT*'Jii.
-iMli.'l; knoiilio sni4Mi. -rM.
lurgvi'Uiti'il iiiiiistli'-he- /"'-i
1 ;i:i*.i7 sorpvi'ltigcrliniii'-;' i
iiiiitibftt Retllade IS.V ]«.
^^piehi'ii ■sp-'ilieii l;(s" l.
263^
. IG, 27. 11*7, 12, 13, 19, 21.
12*2. 108*12. 11 1*8 ff. 118*25.
162*21.180*18,29,34. 181*15,
21. 210*12,16,19,23,25,26.
211*8ff. 212*34. 213*3,5,10.
222*13,20. 234*22.
Sprüche der heiligen 22*32. 33*28.
spuntziererin im guten Sinne: Braut
223*8.
spüren : noch hundesart spüren H4*5.
stallen nach etwas trachten: noch
irdenschem gute stalen 148*28.
stallekneht 128*44.
stam: ie ns eime stamme in den
andern 61*19. 117*5. 160*27.
Stechmesser 238*24.
Steiger, die 149*29.
stein werck Steine, Steinbau 109*17.
sterbot das Sterben 4*15. 31*13.
31*38. 32*1. 101*7.
stetikeit 83*32. 130*33.
stettmeister 186*16.
stimme bei Visionen: ußer mossen
süsse ungesihtige stimme 90*9 ff.
91*34. 94*24, 25. 95*31, 32,
41. 96*2. 110*8.
durch stock und durch studen 65*32.
66*7. 68*26.
stoltzheit 108*32.
ston : es stot gar sorgliche in der zit
85*33. 104*32. 205*14. es
stünde baz umbe die kristenheit
123*13 s. zit.
strangheitiS^röw^e; 101*34. 170*21.
Straßburg 3*3. 4*22, 34. 6*4 1 . 8*1 3
anm. 9*10. 12*10. 13*1. 76*34,
41. 77*9,37,41. 79*1,8. 8S*8.
108*18. 110*28,34. 111*4.
113*21.125*31.125*34.137*25,
34. 138*7.163*27. 164*14,22.
165*17. 165*29,38. 172*16,
20.176*12,17. 180*20. 186*lff.
187*6.211*16.221*13. Brüsch
13*3.166*3. münster 156*30.
St. if«*>»erinenkapelle 167*22.
Laurentiuskirche 8*13 anm. Alt-
StPeter 166*27.167*19. eilende
bilgerin herberge 8*13 anm. spi-
tai z. Swederich 8* 1 3 anm. grö-
ßeres spital 8* 1 3anm. Augustiner
49*23. Dütsche herren 186*27.
Karmeliterkloster 8* 1 3 anm. Kar-
täuser 8*13 anm. Margreden
klostor 13*2. 166*2. 187*14.
bistum 122*29. bischof 167*20.
unser herre von Strazburg 1 24*36.
b. Johann 2 3 9* 1 1 , 1 4 ff. b. peni-
tencier: J. y. Schäffolsheim 11*5.
b. bofmeister: Job. v. Kagenecke
155*27.
stroffon mit tadelnden Worten zu-
rechtiveisen, strafen 22*19. 33*6.
126*30.132*28.143*19.148*31.
186*17.197*18.212*15.218*1.
stroffunge, hinderste 1 8* 1 3. 1 1 4*4.
124*19. 146*23.213*18,21,24.
233*25. stroffo rüten 101*38.
103*9.
strüssen sträuben 62*32.
stül: lerer uf dem stül 87*1 0. 105*4.
stumpf unvollendet, abgebrochen
stumppferanefangl 1 4*8. stümp-
pfelingen plötzlich 4*15.
stutz Ä^Ä Sturz: geher stutz 32*10.
Snltz Obersulz 133*15. komtur:
Konrad von Snlzmatt 175*20.
185*23.
Sulzmatt, Konrad von -, komtur zu
Sultze 175*20.
sumen versäumen 1 38*34. sich sumen
der erbermede gottes 1 53*29 msu?.
sumenisse 4*33 u. öfters,
sumerhas 182*7.
Sünde: sünde, die in dem fleische
verborgen ist 85*37. 1 13*18.
snr oder süsse 17*21. gar sure
werden 101*15. sarheilig /In-
sterfromm 143*22. 215*37.
Susanna 120*19. 121*K
2tl4'
swaiic: in grusseii swenken stellen
84*21. I84*2fl.
swattichen scAitan^-CTi 187*23.
swereu : zu den heilgen sweren 22 1 *9.
ait sweren 144*26. U5*:JG.
2lfi*21. 217*12.
awermiitig 83*:J8, 41.
awert: daswoUUche swert, die Krone
1(14*17.
swibnge Schiriboyeii I7H*;14.
symonie iii(i*4i.
tj.
oben : sich üben im getaüichen Leben
25*4. 27*1. 57*41. 100*.15.
119*9. 128*4. i:i2*38. I3il*l4.
140*l3.142*ir>.l52"lG.ir.l*li*.
163*:J. l«:i*T. 184*18. 200*22,
3ä. angenommene übangen
142*21. 14;i*27, 215*41, 43
u. öfters.
nberswenckig übermäßiff 189*S, 11.
uffal, nfFellc SHirkinii/. ZufiiU \1r^'
sich afgebi)ii ;ui yuHes^tat i^tm^i
224'! II.
S. luSSl'll,
uriyeii>-ani: uiiffelull(.-iier
üfg''-iM -hl fi,i'rl.:-=aml.ril,li HCl, sM'l:
12r.*:i2. s. kiesen.
IUI ;ilk> iifgfsililö 21 r:(2.
niigHliiiilii'n, 1111g kinbi'ü
iitiiiii ,'l'i//';;/i', Sfihiinti: vientlLi'hi^
l',U*27. 21li-l), ITÜ.
iifsi^ixc 112'. IS. 1-iii-jii. irrni,
s. lii'kiiriiiig.
1 1.
iinp'iif^'rt /"(■ i;nnegi't »'>/■
llfl'-.itÄilli:.' IWunhuiw/, <li-h.,l
i.r.ii.
Isi.'l'J,
tiin;i'iilli'f.'i?t lililii'ti iv:, ■>.
ill-l,iir Aiißchal. H + 'jii, S.-/:12.
l'llgi'l'lL filijoni: jriJt[y< Itii
Mi'J t.^t;, sii*,!-;, ■.■i'i? l. IUI* Mi.
Tn^iTii !i2^':i.i.
unlcrul ii^ji.'lti'n ('/('/(//'V'n 1
1 l.i'M. ulVlaliHi(;T"17.s:,*2.L
unkiisiJiikcil 4i\*-2'2. liiT*!
ririiii.lir.lW-iilitiiiLTiirLl.risn;i*,li;,
uiiliaik('it IU..vl„-ifti'iii<i'i 1 (
1.11-7. 1 1.
UDlut.Tkcit, 1+2*27. ir.i''!
iiiiilil'iin-u: die riisc inii t'r'-uil(=ti ninli-
kiOTiii^'.
liir.'ii IJI '11'.
\niimiilll Dlunnnrhi t.-.s'l-
iiiilii'dockt ; mit uiilü'iiL'ckL'tou ivurtL-n
UIlliiHtSB Nör^.. r»/'((/,. 1 :
uubekant sin 22*9. 133*17, 22.
146*21). 196*28. 217*29.
unbesnngen atme den eorsefirifti-
mäßigenGesangbeimGoÜesdiaut,
ohne Gottesdienst 108*22.
nnderscheid: Unlerweisunij üecht-
riches nnderscheid des lil, geisu;!
189*34.
miderstan utitemehmt» ITS'UI
unterstützen 151*26.
sich underwindon auf sieh nthmtn
113*1. 154*25. Ißl'.t-J. 165*9.
167*21.
nnderziehen, nndeno^en eiilziehtn
138*27. 147*7. 3.1. Iti7*l.i.
183*2.
nnendelich nicht zueerUiuig 173*^.
unerlnhtet I2fi*32. 143*9 imt.
anfletig roh, taust 2 1 3*7.
unfride im lande 75*19, 2 7, 30,
anfi^re schlechiea Betragen, Unfug
168*9.
•aa^^tnaehreddich 89*38 «.BfUrs,
nnirMimpf iitii/Hinpf, iin:'emlMf*
nnrdwig 77*22. in gtoSm uarü-
■ wen sin 73*21.
nDSegelich n. ansprecbenlicb 143*11.
146*10. ■>16*.'iö. 217*21.
nnsmcglich ohne Lust, ohne Ge-
schmack 31*28,
anverdienet: niiTerdienet die gnade
geben 83*13. 215*22, 24.
nDTermosiget ohne Flecken 150*31.
nnwirdig: aMmote onwirdig 83*9.
. 87*21. 9(1*1. 114*1. 128*43.
131*36. 132*10.
onwürscb unwälig 213*5.
nrdrntz Verdrossenheit, Mißbehagen,
Überdruß fi*29. 14*3. 62*12.
nrdnitzig 31*28. 213*5.
argang Gang, Wanddgang !)* 1 6 .
182*4. 209*4, 12.
nrknnde : gottelicbea arkündes 7*38.
zu eime ewigen Urkunde 71*38.
1 1 5*36 s. memorial. mit guten
nrknaden vennanet werden 1 2 0* 1 0
s. woTzeicben.
nrlop geben der weit 14*24. 97*4,
7. 98*10. 118*42. 162*38.
180*27. 189*29. 191*13,25.
223*1 Os.abetun,entalagen. mit
dem nrlobe gottes mit Zustimmung
Gottes 106*22. zii dem roteur-
lopiieiBiD Abschied nehmenl ii*^^.
nrlüge Krieg, Fehde 101*8.
arssissenereetgen: geursobssete pfle-
gere 126*5. 161*17. 172*6.
nrstende unsers berren 13*24.
158*20. 166*9.
Ursula 21*1. 26*7,18,23.
Dzbrechen d. reden 106*29.
uzdingen 129*21.
nbren 87*6, 10. 120*33. s. Taren
Qzflässig: ozflüssiges minne qnellen-
dea beixe 69*28.
iiqraog87*13 DZgon 135*16.142*5,
7. 182*31.
1 61*36. sieb beim kenn
28*28.
nzliden, die bekomngen 44*16.
81*38. 130*37. 146*25. 27.
2J7*3, 8. nslidonge 17*1».
ußrichter 159*28.
Dzewendig: nßewendige brüdere
143*10. 214*37. 215*9, 32. s.
meuscben.
nztrBgen:Dzgetragenvrerden 106*34,
35.
Dswandeln under dai weltUcbe Tolg
129*43.
nzwürfeling, unwird^er Auswurf
89*10. ein rebter azwürffeling
92*34.
TartdCT'G(K(es/Veitnde73*37.74*l3,
17, 26. 79*13. 80*5. 90*32,
35. 92*21 ff. 97*15. 1«6*17.
107*37,38. 111*12.121*3.28.
enweg varen 94*20. von enander
varen 96*18. heim varen 68* 1 5.
74*43. 75*37. in die atat varen
75*1. 76*12, in daz gebirge
varen 91*24. in die weit varen
99*4. in frümde lant varen
133*25. zu bofe varen 67*9.
zum raeister varen 42*22. zu
dem bobeste varen 120*11,30.
137*4, zum biscbofe varen
140*18. zu Köllefaren 124*21.
uf der Metzer vart 79*37. zii
Moyses faren 121*1. gen Borne
varen 66*33. 103*28. zu Enl-
manvaren 76*37. vartzäStraO-
bnrg 79*1, 8.
fas: diegnode mos einalsegBT reines
leres fas haben 123*22.
fasten 93*26. 121*31.
vegeför 147*36. 148*37. 227*13.
verbergen : sin leben vBrbergen2 0*1 0.
verbilden entslelien 182*30. ver-
bildimge der fünf sinne Entstel-
lung, jyäbimg 141*27. 182*10.
verblenden 128*16. las'Vi.
verbrennen 'iil*7.
Terbontnill I34*U. li>ii'3i.
vpn'alleD, mit eime wibe «iW» ver-
TerhengDilS von gott Zu/as»M<7K ,i* 1 7 .
vermitteln : seritreuai, hindernd
sU'isehe» etwas treten: dsK hertze
wird mir vermittelt 128*:i;i.
vernüteu HS*14.
«emanft: sinneliche Vernunft 8:)*20.
si* 11.1 04*1 a.iori'rsi.u.l"!:!.
i»it*i2. 214'aij, -Jis*:.
Veronika IS^'ae,
sich verrihten lurecMfimien 86*28.
verseren scMdigtn 167*29.
verswigen: leben verswigeu bliben
27*fi.
verwurffenheit 17(1*22.
verzogen, vennckl werden ll'J*'2ci.
l«;i*i:(. 2113*2. verZQckung
22S»*2,5.
Vier-Jahre Balmanns IS'll, SS.
I«*27. 20*15. 22*U. :J8*2, 11.
1^1
liruri. Hiht. lilfkhinx Is'
72-. in. 7ii'':!4. I22'2:t
r..NuirgHi,.M«,.|-.liMl
'''1\. liiiiJ.TttiiiiJ^-i'iilin.k'ii
l'ii. l'.ir.M), imiii vi.idi.l
111^' fToMniliniHi.l.. in"ii-.cln.|i
sr giiüg,"ffin3em
gi'itliche gehorsame bräder dam
87*41. ~ 8S*12. fünde mai
Personen, die in elöstere gehortatil,
man finde klelere gar ^ng
] lo*:jK.
vin gerl in /Tinyirriny, Verlobun^m^
]fi*;)ii. 4u*;j:i. ia7*i2.
vinsterniße 8Vl*;i7. !t(l*4. 103*l!i.
Tisch, groBezübere mitvische 75*.'tfi.
visiun 18*18. 56*42. SO'.t. m":
81*20. 88*20. 88*4. I22'20.
I.>;i'll.HJ. Iii4*25. 2.12*6,13.
visiangen (visionen) ist aöt td
gloabeude 79*2."i. 92*1«.
visitieren I38'll. Ififi*23. Ifii'l.
l(iH*5.
flamen = hl. geist I (iO*23.
floriertes H. geinaüea H. 1 2')'2.
20 7*32.
äotticibni /fatfei-N 80*42.
fl^sin 80*12. dasgeviderefläcfcto
80*23.
flnlilliu? :t,-.*:!l>. '■,1*21. \'\''''-
I7(j''|i;. !7l'':l;(. lSsll'2-1.
vü^ülhunt 84*.-i.l2.
Vogelnest 231*17. 232*1''.
Tille: luiiiiT dpm gemeiuL-u vult-
woiii'ii (■iri*2ii. ('1^*2:1.
vdllnfiirer Teatainenrsroll-'trerk-n- •'
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i'ndruj :is'"i;i. .lti'2'i. L'-'.
I-Viliiirt; in nhti^ukiit I4ii"24. ■■>
tVidt' : 7.U friden kummoii I 2 I '-^f-
vr,i-Hi "uhil. l„f.: niie all^s 1r"i:^r,
Von im selber TfAvn I(i7-|-i.
irr.|i..hi>it '.h;*2+.
I'r." mdo : es nimmel miiU l'r.'.nnif i'i"'
usir. IVÖmdo Sache u. «iji- "-T'^
I2T"42, l'n'imdi-'spriirh" -»J'-J.
fniiialtiLr 7s*4.(;. !li.2ö. i't""*
267^
fronfasten 221*29.
hl. fronlicham 213*28 s. Sakrament
frowenbilde s. bilde.
irämmen stiften 117*18. 161*6.
füglich passend, nützlich 173*20.
unfüglich 173*28. nüt füglich
173*44.
fürfar glenzend 77*30. 110*1.
vürgang Fo/-^Är/«; Erfolg 110*22.
13s*2.
Türheben, die hl. geschrift 144*9.
145*2 s. hl. Schrift.
vürkummen sorgendverhäten 1 3 5*3 5.
usic. vürkummenheit 126*8.
fürküstunge Verkostung 61*33.
fürrot feuerrot 1 09*4 1 . 11 0* 1 4.
fürsichtikeit Vorsehung, Vorbedacht'
:fawA-«n59*39. 171*10.177*21,
32. uß gotlicher fürsichtikeit
162*8. 169*17.
fürsmack gotteliches niessendes Vor-
geschmack 61*32.
TÜrwort Verabredung, Bedingung :
mit sonderen vürwortten 171*33.
fürwurf Gegenstand ei*\ 4. 153*32.
w.
wahs: in - schriben 14*19. 20*6.
33*9. wahstovele 18*15. 26*15,
34. 146*30. 217*32.
Tvalt: gon in einen walt 83*26.
89*28, 34. vür den walt gon
94*4. 95*20,28. 229*15.
waltpriester 21*20. 23*16. 29*21,
22,41. 30*3. 34*15,19.
"Walther, klosterbrader 4 3*13.
wambesch Kleidungsstück 238*14,
23.
warnemen: der sinne warnemen
70*11. 154*24. sin selbes war-
nemen 215*17.
—vmende lere 39*30. 44*37 s. letze.
warmnbe: one alles warambe 83*25.
123*44. 213*12.
mit Wasser und brot 131*13.
we oder wol 71*3.
we: wewes befinden 145*9. 146*18.
217*28.
werben werben, streben 130*23, 31,
34.
werc: f romede (übernatürliche) wercke
wirken 93*4. 184*8, 11. 189*3.
194*19.216*5. ette waz sunders
werckesmeinenl27*42vgl.l 12*5.
werglüte 73*35. 74*20. 187*7.
worckmeister 187*8.
welsch: welsch reden 67*21. 68*4.
in welcher sproche 26*1 0. 94*45.
weit : der übellonenden weit antra we
192*17 u. öfters,
weltwis s. wis.
wetter: großes graweliches wetter
89*23. 90*16. 94*33. 98*41.
99*6. 101*30.
Wetzel, Heintzemann, ritter, pfleger
von Grünen wörth 5*1 anm. 11*24
anm 15*26. 112*33. 125*35
130*5. 155*18,24. 172*30.
240*30. Bertha W. 10*18 anm.
widerdrieß Verdruß 73*2. 125*32.
widerquelle haben Widertcülen
170*21.
Widerrede Widerspruch 81*24.
widerslag Rückschlag 129*10.
widerstritten subst, Inf, Widerstand
215*11.
widerzeme mißfällig, tvidertcärtig
127*17. 170*33. 213*8.
wile Schleier: kutten und wilen
150*38.
wilgbom Weiden: wiltbome 13*4.
49*1. 166*4.
winden : die muren wantent in dem
ertbideme 109*11.
winnahten s. kristnaht.
Winterthur 149*27.
wintzeln 66*13.
[.Vlräekait, würdekeit: des böses
15*23. 17*13. 71*39. 83*11.
117*16. 161*2. 206*38.
iris: wettwia 21*1 9, 29*20,22. s:i*2.
86*11,14. 1Ü2*2T. !04*12.
27. natärlicbe wisheit I4l*ll.
18-i*31. 189*13. 21«'31.
^ vi3sen:dai wissen gebärt dem cwigoD
vater zii 88*3. gewor wiüön
]46"ä, 7. 216*31,33.
witeni eneeitem 78*1 5.
WittJchen b. Wdfach, kloster H* 1 ^
witsweifflkeit Vmkertchveifen, Aits-
gegoaaenheit 14K*3(l.
die woffen des t. Hnuebnrg 48*2(i.
63*5. 15fi*l2.20. vonGränen-
wQrth 222*4ff.
Wolfach, Heinrich von -, komtur 5*1
anm. ll*24aom. 73*18. UO'29-
207"'J.
wort: rehteyon wort« tu Worte 9S*I3.
117*3. U6*28.
wnrt'/eichi'i). worzeichen Wahr-
ztkhtii Il7*2^l.:l7. liS*|,s, 77*7,
HM'.I. 7«*3(;.41.4:l. 7l»*fl, Kl,
!!■*. SM*23. '.11*22, 112*3, l.j.42.
•i:i*2(i. n5*-l. 11)1*3(1. 111';(.5.
1 17*41. 137*3S.14l*l7.ir,3*lH.
irw';tl, i(U*M.is. Hir.'f^.iii.
Kllfd. I>i4''l. I!il*l(i. L'r.i*:;s.
Kaie: mit der zale gBit^ic!iiii>t 2»' 1
zelten : gilt zeltendes {ifart «'» F
dag gut im SettriU gvhl «'.t*l.
zere gelt 12ii*Hi,
zerstrüwen: mit zerstri^wekn gemiit>
128*28.
Mnerrm zerreijSm 186*1.
zisma s. schisma.
zit: es3t«tserclicheinderzit .il*l-r>
anm. S6*lo. 87*25. alss M DB
in der zit atot l «S*2H. 1 07*l. 9,
109*24.112*] 7.11 3*ir..l23'26,
1 35*n . 2 15*20, 29. s."rglicli»
z. 32*21. 71*5. 108':ili. 14S*i:i.
die nzgerechente, biaderste til
84*20. 88*34. 141*21. 147*.!.
zit vertriben 192*34. rerlorsne
Torsamete zit 193*5, 11.
Zolre, Friderich Ton -, in ViUineei)
Zbrii-Lapp, Claus -, konventbroiifr
von Gränenwörth 11*24 ^aa.
13*28.158*24. ritter. .^ Siine-
line Störmer, pAegor von Gidnaii-
wörtb 1.i*2(;. ]2S'l?!l. ]-2'\'y>.
Zorii-Bnlacb, Clans, pfleger von 'irü-
uenwOrth ir),-)*24, 2s. -JnT'L'i
zornijf: vaste zornig werden iiT*:l.'i.
zückerlin 1S8'21.
Zug, II bernatiir! icher Vri-Hd-m
21*7. ni7*M. 215*4.
zikker. gi'ttelicher Einkdir !41'-''
142*;(>i, 14s*,-,, andehti^T ■■
■ordf 1
21.
CMsrhri-if/VH : im äelb'f
r-n 2:!'i4. :u*i;i,
kütnen; mit me miW-
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[Hs. J.] clor Sclirift der Vier-Jahro Ruimanns.
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Regresten -Werke
1 Verlage der Wagner'schec Universitätö-Buchhandlimg
in Innsbruck.
tgesta Hal)sbDrglca, Regesten der Grafen von Habsburg
und der Herzage von Österreich aus dem Hause Habs-
burf;. Herausgegeben mit Unterstützung der kaiserL Akademie
der Wissenschufien utid des k. k. Ministeriums für Kultus und
Unterricht vom Institut für Usterreichische Geschichtsforschung
unier Leitung von Oswald Redlich.
I, Abteilung: „Die Regesten der Grafen von Habsburg bis 1281",
bearheiiet von Haroid Steinacker. 1905. M. 10. —
Ihmer, J. F. Regesta Imperii ). Die Regesten des Kaiserreichs
unter den Karolingern 751 — 918. Nach Joh. Friedr. Böhmer
neu bearbeitet von Engelbert Muhlbacher. II. Auflage.
I. Band. 1. u. 2. Abteilung. 1904. M. 31.80
— Regesta Imperii II. Die Regesten des Kaiserreichs unter
den Herrschern aus dem Sachsischen Hause 919 — 1024. Nach
Joh. Friedr. Böhmer neu bearbeitet von Emil von Otten-
thal. 1. Lieferung. 1893. M. 9.34
— Regesta Imperii V. Die Regesten des Kaiserreichs der
spateren Staufischen Periode 1198— 1272. Aus dem Nachlasse
Joh. Friedr. Böhmer's neu herausgegeben und ergänzt von
Jul. Ficker und Ed. Winkelmann. 4 Abteilungen. 1881
bis 1901. M. 102,30
— Regesta Imperii VL Die Regesten des Kaiserreichs unter
Rudolf, Adolf, Albrecht, Heinrich VII. 1273 — 1313- Nach der
Neubearbeitung und dem Nachlasse J. F. Böhmer's herausgegeben
und ergünzi von Oswald Redlich. I.Abteilung. 1898. M. 22. —
■ — Regesia Imperii VI!!. Die Regesien des Kaiserreichs unter
Kaiser Karl IV. 1346 — 1378. Aus dem Nachlasse Joh. Friedr.
Böhmer's herausgegeben und ergänzt von Dr. Alf. Huber.
1877- M. 30. —
igesia Imperii XI- Die Urkunden Kaiser Sigmunds (1410 — 1437)-
Verzeichnet von Wilhelm Altmann. 2 Bände. 1896 — 1900.
M. 61.40
dditamentum primum ad Regesta ImperüVIlL Erstes Er-
gänzuugsheft zu den Regesten des Kaiserreichs unter Kaiser
Karl IV. 1346—1378. Von Alfons Huber. 1889. M. 6.—
Jditamentum tertium ad Regesia Imperii 1314 — 134 7.
Drines ErgOnzungsheft zu den Regesten Kaiser Ludwigs des ^em
seiner Zeit
I
BOhiner,J. F. Regesta Archiepi'scoporuin Maguntineos
KegCfiica zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe von Bonifsiiiit
bis Araold von Selehofcn 742; — '5 '4- ^*" Benützung des Nach-
lasses von Job, Fried r. Böhmer bearbeiiet und herausgegeben
von Com. Will. I. u. 11, Band. 1877, 1886. M. 53.60
Regesta Eplscoporam Con^ttaiitlensium. Rcgesteii zur Geschichie
der Bischöfe von Konstanz von Bubuktis bis Thomas Berlower
517—1496- Herausgegeben von der Badi sehen historischen Kom-
tnission, bearbeitet von Paul Ladewig, Theodor Müller,
Alexander CartelHeri und Dr. Karl Rieder. 1. Bd. uaJ
11. Bd. I. bis 6. Ug. 1886—1902. M. 45.-
Begestcii der Markgrafen roa Baden nnd Hachbcre; 1050— 15U.
Herausgegeben von der Badischen historischen Kommission, bear-
beitet von Heinrich Witte. 1., II. und 111. Band. 1. bis ^, Lfg. '
189-2 — 1904, M. 6Ö.80
150S. Herausgegeben
jnter Leitung voo
h u. Jak. Wüle.
Begesten der PfalzgraCen am Rhein 1314-
von der Badischen historischen
Ed. Winkelmann, bearbeitet von Ad.
I. Band. 1894. M.
Urkunden-Regesten aus den ehemaligenArchiven de
Kaiser Josef II. aufgehobenen Klüsler Böhmen
Dr. A. Schubert. 1901. M.
UrKlin<ii'll-l{o;;r«.teii .m^ Ji:in Si.idi.i r.- lu v m S t c r ;■ 1 n -
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ididit Reinhold RöhrJ.lu
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